Antonio Vivaldi: Diverse Concerti

  • Antonio Vivaldi gilt als einer der Begründer des Solokonzerts. Insgesamt gehen etwa 500 Konzerte verschiedener Bestimmung auf sein Konto. Nach 1700 galten die Konzerte Vivaldis quasi als Idealmodell des Concerto und übten großen Einfluss auf Kollegen und nachkommende Komponisten aus, wie z.B. auch Johann Sebastian Bach. Dieser Idealtypus des Concertos zeichnet sich durch die Ritornellform, die Satzreihenfolge Schnell – Langsam – Schnell und eben ein spezifisches Soloinstrument welches ggf. zu den Violinen hinzutritt. Besonders die deutliche Trennung von Tutti und Solo (wie auch bei Albinoni) in ganz verschiedenen Satzformen und harmonischen Strukturen ist wirkmächtig


    Größte Werkgruppe sind freilich die etwa 250 Violinkonzerte, um die es in einem anderen Thread geht. Den Konventionen entsprechend enthalten jedoch viele Solokonzerte ohnehin ein oder zwei Soloviolinen, zusätzlich zum je eigenen Soloinstrument. An zweiter Stelle stehen quantitativ etwas überraschend die 39 Fagottkonzerte, gefolgt von den 24 Oboenkonzerten (dieser Thread). Darüber hinaus existieren einige Cellokonzerte und Konzerte für Orgel, Blockflöte, Viola d'Amore, Mandoline oder Laute.

    Eine weitere große Gruppe sind die etwa 60 sog. Ripienokonzerte (letztlich Vorläufer der sinfonischen Musik) ohne Solisten und Konzerte für mehrere verschiedene Soloinstrumente. Auch die Concerti da camera ließen sich in diese Werkgruppe zählen, wenngleich sie keine eigentlichen Solokonzerte darstellen, da hier verschiedene Soloinstrumente ohne Orchester (ohne Tutti) miteinander musizieren. Damit handelt es sich hierbei eigentlich um Kammermusik, wie der Name schon sagt.


    Im Ryom-Verzeichnis erhalten die einzelnen Concerti je nach Soloinstrument eigene Gruppen. Unterschieden wird ebenfalls nach der Anzahl der Solisten. So finden sich beginnend mit den Ripienokonzerten die Konzertgruppen mit keinem bzw. einem Soloinstrument ab RV 109, während sich Concerti mit zwei Soloinstrumenten ab RV 505 finden lassen. Will man also alle instrumentspezifischen Konzerte Vivaldis finden, muss man an mehreren Stellen im RV suchen:

    109 - 169 Ripienokonzerte und Sinfonias

    170 - 391 Violinkonzerte

    392 - 397 Konzerte für Viola d'amore

    398 - 424 Cellokonzerte

    425 Mandolinenkonzert

    426 - 440 Flötenkonzerte

    441 - 442 Blockflötenkonzerte

    443 - 445 Flautinokonzerte

    446 - 465 Oboenkonzerte

    466 - 504 Fagottkonzerte

    505 - 530 Konzerte für 2 Violinen

    531 - 539 Konzerte für 2 andere gleiche Instrumente

    540 - 548 Konzerte für 2 verschiedene Instrumente

    549 - 553 Konzerte für mehr als 2 Violinen

    554 - 580 Konzerte für mehr als 2 verschiedene Instrumente

    581 - 583 Violinkonzerte mit 2 Streichorchestern

    584 - 585 Konzerte für mehrere Instrumente mit 2 Streichorchestern

    Dazu kommen in den Anhängen später entdeckte Werke.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Die größte Gruppe neben Violin- und Ripienokonzerten stellen Fagottkonzerte dar. Warum Vivaldi eine so große Anzahl (39) an Konzerten für das Barockfagott geschrieben hat, ist mir nicht bekannt. Ob es Vorliebe, Auftrag oder dem Vorhandensein besonders fähiger Fagottisten in Venedig bzw. Mantua geschuldet ist.

    Besonders häufig zu hören sind RV 487 und 491. Beide gefallen mir ausnehmend gut.


    Mich überrascht, dass es eine recht große Anzahl an Gesamteinspielungen gibt. Das liegt vielleicht daran, dass dieser Werkkanon einer der wichtigsten für alle Fagottisten ist. Die Auswahl ist groß, sei es die Esterhazy Sinfonia:


    oder das Ensemble Respighi:


    oder gar aus der Mailänder Scala:


    oder Ensemble F:

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Fagottkonzert RV 491

    Das bekannteste Fagottkonzert Vivaldis?

    Mit einem vollen Tutti-Klang der sich sogleich in kanonische Einsätze aufspaltet, beginnt das lebendige Allegro. Schnell übernimmt das Fagott die Ritornell-Melodie und umspielt sie mit virtuosen Trillern. Immer wieder leuchtet das kontrapunktische Tutti in diesem kunstvoll gearbeiteten Satz durch. Das Largo ähnelt dem Konzert RV 487 in seinem suchenden Duktus. Mit lang gehaltenen Begleitakkorden und einem arpeggierenden Cembalo hat es in seiner harmonischen Breite jedoch mehr musikalische Substanz. Dennoch kommt es nicht über eine für Vivaldi typische Harmoniestudie hinaus. Mit schnell aufsteigenden Tonleitern beginnt das abschließende Allegro. Das Fagott übernimmt diese Tonleitern nicht, sondern führt ein eigenes, springendes Motiv ein. Verwandtschaft besteht einzig harmonisch. Trotz häufiger Solo-Tutti-Wechsel erklingen beide Motivbausteine nicht zusammen.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Orgelkonzerte sucht man im Ryom-Verzeichnis vergeblich. Dennoch gibt es CDs, die Vivaldis Orgelkonzerte darbieten. Das liegt zum einen daran, dass Vivaldi die Orgel als Soloinstrument meist neben der Violine einsetzt. Die Orgelkonzerte finden sich also mehrheitlich in der Kategorie Konzerte für zwei verschiedene Instrumente. Dazu gehören RV 541-544. Zum anderen wurden viele Orgelkonzerte erst nach 1974 entdeckt und damit hinten im RV, bei den später entdeckten Werken eingereiht. Dazu gehören RV 766ff.


    Am besten gefällt mir das c-Moll-Konzert RV 766. Der Doppelschlagbeginn des Allegro weist auf Bach. Sogleich entwickelt sich ein kleines Fugato, mitreißende Musik, wunderbar komponiert. Das Largo wird durch einen Menuett-Rhythmus geprägt, welcher der Satzbezeichnung in der Ausführung kaum gerecht werden kann. Im abschließenden Allegro kehrt der Fugato-Stil des Hauptsatzes wieder. Einige Takte lang entwickelt sich zu einem sprunghaften Motiv eine echte Fuge. In der Bearbeitung des Themas wird die Orgel mit virtuosen Umspielungen bedacht. In diesem Orgelkonzert gelingt Vivaldi in den Außensätzen ein überzeugender polyphoner Stil.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Die Vielfalt der Concerti Vivaldis ist wirklich atemberaubend. Als nächstes möchte ich auf die Cellokonzerte (RV 398 - 424) hinweisen. Dabei handelt es sich um 23 Originalwerke (eins weniger als Oboenkonzerte), drei weitere sind Bearbeitungen eigener Konzerte für Cello.


    Cellokonzert RV 417 ist für mich das beste bei Vivaldi. Das Allegro beginnt mit einem beinahe trotzigen Ritornell, welches von zwei Violinen bestritten wird. Sofort nimmt das Cello das Thema auf und bearbeitet es mit seinem dunklen Timbre. Das Soloinstrument vermag es sogar, diesem recht deklamatorischen Thema etwas melodisches abzugewinnen. In diesen Momenten weist es ganz unwillkürlich auf die Cellokonzerte Haydns. Höhepunkt des Konzertes ist das gesangliche Andante. Das Thema wird zu Generalbassbegleitung vom Solocello exponiert. In der Folge erweitert das Cello den schreitenden Grundgedanken mit ausdrucksvollen Verzierungen und Umspielungen. Das abschließende Allegro führt dann einen fast aggressiven Grundgedanke in mehreren Abwärts-Skalen ein. Sogleich steigt das Cello in das vorwärtsdrängende Thema ein und vermag wiederum einen Funken Gesanglichkeit beizusteuern.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Konzert für 2 Mandolinen RV 532

    In diesem Bereich kann es auch recht exotisch zugehen. Ungeachtet dessen, dass ich mich beim Hören dieser Musik an einen Sommerabend im Garten einer griechischen Taverne erinnert fühle, ist das nicht nur exotisch, sondern auch schöne und gut komponierte Musik. Vivaldi erkundet hier den Klangraum des Zupfinstruments mit innovativen Werken. Das Allegro des G-Dur-Konzerts gemahnt sehr eindeutig an den Beginn des 3. Brandenburgischen Konzertes von Bach. Dies liegt vor allem an dem identischen, verschnörkelten, Eingangsmotiv und dem vorwärtsdrängenden Duktus. Das Tutti wird im Ritornell sogleich von den beiden Soloinstrumenten unterstützt. In der Folge dürfen beide Mandolinen sowohl gemeinsam, als auch kanonisch geführt, musizieren. Sie bearbeiten das thematische Material dabei mit virtuosen Läufen. Auch hier entsteht ein reizvoller Klang. Das Andante wirkt wie ein getupftes (Klang-)Gemälde. Beide Mandolinen stellen einen fließenden Gesang vor, der lediglich vom Pizzicato einer Violine begleitet wird. Auf diese Weise entsteht ein quasi schwebender Gesang ohne Fundament. Im abschließenden Allegro herrscht ein tänzerisches Thema vor, das die beiden Mandolinen erneut bereits im Tutti mitspielen. Im Mittelteil kommt es wieder zu Soli der beiden Mandolinen, die unwillkürlich an den Klang griechischer Zupfmusik erinnern. Es ist nicht schwer bei dieser Musik an verschiedene Gitarrenkonzerte der Musikgeschichte zu denken.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Bleiben wir bei der Instrumentengruppe, sollte man auch die Lautenkonzerte erwähnen. Vor allem das Lautenkonzert RV 540, welches für Laute und Viola d'amore gemeinsam bestimmt ist und deshalb bei den Konzerten für 2 Soloinstrumente eingereiht wird. Diese Kombination dürfte relativen Seltenheitswert besitzen.


    Das Allegro dieses d-Moll-Konzerts wird von einem eleganten Ritornell im Schreitrhythmus geprägt. Das erste Solo gehört der Viola, hieraus entwickelt sich das fast zarte Solo der Laute. Das Ritornell wendet sich in der Folge überraschend nach Dur und wird dabei von Laute und Violine umspielt. In den folgenden Soli werfen beide Solisten sich den Ball mehrfach zu und entwickeln das Thema dabei reizvoll weiter. Das energische Ritornell führt den verhältnismäßig langen Satz zu einem Ende. Das Largo wird durch die durchgängigen Arpeggien der Laute geprägt. Die Solovioline entwickelt hierzu eine Kantilene von großem Ausdruck. Der Gesang der Viola ist immer wieder von Vorhalten geprägt, welche durch die durchgehende Bewegung der Laute aufgelöst werden. Das Schluss-Allegro ist erneut von tänzerischen Charakter. Viola d'amore und Laute erzielen in ihren Soli immer wieder eine reizvolle Echo-Wirkung.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Eines der IMO schönsten Konzerte Vivaldis überhaupt ist das Blockflötenkonzert RV 441. Eines von zwei originären Konzerten die dezidiert für Alt-Blockflöte geschrieben sind (RV 441 & 442). Es gibt allerdings so manche Einspielung bzw. Darbietung bei der auch die Konzerte für Traversflöte (RV 426 - 440) und Flautino (also Sopran-Blockflöte, RV 443-445) von der Blockflöte wiedergegeben werden.


    Das c-Moll-Konzert erachte ich für das stärkste Flötenkonzert Vivaldis insgesamt und gehört zu meinen Lieblingswerken des venezianischen Meisters. Das Ritornell des Allegro gibt sich voller Vorhalte und gleichzeitig melodisch. Anschließend entsteht ein hübsches Flötensolo auf pochenden Begleitakkorden, bevor das Ritornell leicht verändert wiederkehrt. Immer wieder ist auch Raum für virtuose Passagen des Solisten. Im Largo entsteht nach einigen einleitenden Akkorden ein sich frei entwickelnder Gesang der Blockflöte. Begleitet wird die beseelte Kantilene einzig von einer Violine. Das abschließende Allegro ist mein Lieblingssatz dieses Konzerts. Das Hauptthema besteht aus einigen gewichtig aufsteigenden Akkorden im Wechsel von Tutti und Blockflöte mit Violine. Wie im Thema des ersten Satzes kommt es immer wieder zu kleinen menuettartigen Vorhalten, die wie ein Innehalten wirken. Anschließend bekommt die Soloblockflöte ein virtuose Kadenz. Das wiederkehrende Ritornell bestreitet sie diesmal durchgängig gemeinsam mit dem Tutti.


    Herrliche Musik wunderbar dargeboten:

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • 443 - 445 Flautinokonzerte

    In dieser Gruppe findet sich das Piccolo-Konzert in C-Dur, RV 443. Ich lernte es vor vielen Jahren unter besonderen Umständen kennen - nachdem ich mir den bewegenden Film "Der Wolfsjunge" (damals noch auf Video) von François Truffaut angesehen hatte.


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    Immer dann, wenn es diesen Junge zurück in sein altes Leben in freier Natur sehnte, erklang aus dem Konzert der zweite Satz - natürlich in einer filmmusikähnlichen Berarbeitung. Dem Abspann konnte man nach meiner heutigen Erinnerung nicht den genauen Titel entnehmen. Also zog ich durch die einschlägigen Geschäfte, die es damals noch gab, und hörte mich durch alle infrage kommenden CDs. Und es fand sich, was ich suchte in dieser (bei 3:54):



    Diese Musik verbinde ich auf immer mit Vivaldi und seinem Genie. Sie ist mir eine der schönsten Erfindungen, die ich kenne.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Diese Musik verbinde ich auf immer mit Vivaldi und seinem Genie.

    Grade zum ersten Mal gehört. Vielen Dank für die schöne Empfehlung!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • Ich möchte nicht versäumen, im Zusammenhang mit den Fagotzkonzerten Vivaldis den Fagottisten Klaus Thunemann zu erwähnen, der die Fagottkonzerte (wahrscheinlich nicht alle 39 Stück, aber doch etliche) einmal in den 70er und einmal in den frühen 90ern für PHILIPS aufnahm. Das abgebildete Cover zeigt eine der Platten, die in den 90ern entstanden sind, als PHILIPS noch in Saft und Kraft stand. Diese Darbietungen (mit I Musici) sind für mich die besten.




    Grüße

    Garaguly

  • In dem Kontext: Lohnt sich die I Musici-Box?



    Sie enthält diese Konzerte und soll ein gutes Remastering haben. Gut, ich habe mir die Frage wohl selbst beantwortet.


    Gutes Hören

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Es scheint so, dass die "Pioniere" (gemeint sind hier die Hörer und Sammler) in Sachen Vivaldi an den alten Aufnahmen hängen, die sie dereinst geprägt haben. Mit viel Mühe habe ich das Cover einer meiner Lieblings-CDs aus der Steinzeit der Digitaltechnik aufgetrieben und hier eingefügt. Es sind hier 4 Mandolinenkonzerte enthalten. Es spielen die Solisti Veneti unter ihrem Gründer Claudio Scimone (das Orchester existiert zu meiner Überraschung noch immer und geniesst bis heute höchste Reputation. Der Solist der Erato-Aufnahme ist Ugo Orlandi. Am Cover wird er gar nicht erwähnt, lediglich im Beiheft finden wir ihn gaaanz klein versteckt erwähnt. Bei Neuauflagenwurde das indes verbessert. Mein Lieblingskonzert ist RV 532 (für 2 Violinen) - aber nur mit knappen Abstand, vermutlich auch nur deswegen, weil es das erste auf dieser CD ist und sich somit bei jedem Mal tiefer einprägt. Es wurde erst 1954 (!) wieder aufgefunden. Was für ein Verlust wäre es gewesen, hätte man es nicht entdeckt. Neben dem effektvollen Wechselspiel der beiden Mandolinen verfügt es über eine eingängige Melodik und raffinierten Einsatz der anderen Instrumente für aparte Klangfarben.

    Vivaldi nähert sich IMO mit diesen Werke schon ein wenig dem kommenden "galanten Stil" an. Ich besitze RV 532 in 4 hochkarätigen Einspielungen und werde demnächst vergleichen inwieweit der tolle Eindruck (mit nicht zeitgenössischen Instrumenten !!) mit den historisch korrekten Aufnahmen erreicht wird.



    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Hier nun eines der bekanntesten bekanntes Konzerte von Vivaldi: "Alla Rustica" RV 151

    Ein Konzert ohne Solopart. Es wurde vermutlich zwischen 1720 und 1730 geschrieben. Auffallend insbesonders der Volkstümlich tänzerische Finalsatz

    Hier nun Vivaldis RV 151 "Alla rustica" - Ensemble Andromeda

    Für mich ist es die perfekteste Wiedergabe nach meinem Geschmack

    Ich habe zahlreiche andere Interpretationen auf CD gehört - und man solllte nicht glauben, wie sich die unterscheiden: Von gehetzt, Agressiv bis hinzu belanglos, lieblos, oberflächlich. Kaum eine erreicht jene Ausgewogenheit, die ich hier gefunden habe.

    Also: Selber in die Sampleclips hineinhören und sich dann entscheiden. Aber wahrscheinlich ist das gar nicht notwendig, weil bereits jeder dieses Werk im Schrank stehen hat....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Lohnt sich die I Musici-Box?

    Lieber Christian, ich würde sagen, dass sie sich lohnt: Guter Klang, hervorragende Interpretationen und eine große Bandbreite an barocker italienischer Instrumentalmusik mit dem klaren Schwerpunkt Vivaldi. Nicht alle, aber sehr viele seiner Concerti aller Art finden sich in der Box, manche auch doppelt. Ob man sich 83 CDs in die Sammlung stellt, wenn man einiges davon damit doppeln würde, muss man natürlich selber abwägen und es hängt auch ein bisschen davon ab, was man (von I Musici) schon hat.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Alfred hat schon die Gruppe der Ripienokonzerte (Konzerte für Streicher) ins Feld geführt. Favoriten von mir sind hier RV 109, 156 und 159.

    Besonders RV 156 in g-Moll hat es mir angetan, eindringlicher ist Vivaldi selten. Das Thema des Allegro ist von größter Ausdruckskraft. Das echoartig wiederholte Hauptmotiv klingt in seinem absteigenden Duktus wie ein auskomponierter Seufzer. Dieses Motiv dominiert den gesamten Satz und wird harmonisch leicht verändert immer wieder gebracht. Im Satzverlauf wird es brillant von den tieferen Streichern umspielt. Nach den üblichen drei Minuten verklingt der beeindruckende Satz schon wieder. Das Adagio schließt charakteristisch an den Hauptsatz an. Zu einem markant abwärts schreitenden Begleitmotiv des Generalbass' entspinnt sich eine Klage der Violinen, die zwar melodisch weniger ausgeformt als im ersten Satz ist, jedoch eine ähnliche Klangwirkung erzielt. Das fugierte Allegro wirkt hingegen wie ein trotziger Schluss nach langer Klage. Das kanonisch geführte Hauptmotiv führt nach einigen Tonrepetitionen ebenfalls abwärts. Das Konzert endet in äußerster Vehemenz.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Es interessant wie unterschiedlich man Vivaldi aufführen kann: Hier der 3. Satz von RV 415 in der Interprertaion von L'Arte dell' Arco unter Federico Guglielmo

    Der Solist ist Francesco Galligioni

    Fetzig - geradezu brutal klingt hier das Konzert - völlig yander als die "gemäßigte" Lesart von Christophe Coin im Beitrag Nr 5*)

    Ein wenig gewöhnungbedürftig.Bei längerem Hineinhören entdeckt man indes bisher nicht wahrgenommen Klangfarben....


    mfg aus Wien



    *) Bei mir lädt dieser Clip nur, wenn er zuvor auf "youtube" umgeschaltet wurde.....

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Lieber Christian, ich würde sagen, dass sie sich lohnt: Guter Klang, hervorragende Interpretationen und eine große Bandbreite an barocker italienischer Instrumentalmusik mit dem klaren Schwerpunkt Vivaldi. Nicht alle, aber sehr viele seiner Concerti aller Art finden sich in der Box, manche auch doppelt. Ob man sich 83 CDs in die Sammlung stellt, wenn man einiges davon damit doppeln würde, muss man natürlich selber abwägen und es hängt auch ein bisschen davon ab, was man (von I Musici) schon hat.

    Lieber Tristan,


    danke, ist bestellt - und per Stream habe ich heute bereits diverse Konzerte gehört, zu einem guten Valpolicella von Zeni 1870.


    Einen schönen Abend

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Lieber Tristan,


    danke, ist bestellt - und per Stream habe ich heute bereits diverse Konzerte gehört, zu einem guten Valpolicella von Zeni 1870.


    Einen schönen Abend

    Christian

    Das klingt richtig gut!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ripienokonzert RV 109

    Das erste im Ryom-Verzeichnis gelistete Ripienokonzert in C-Dur (C-Dur steht immer am Beginn der Gruppen im RV) ist ein besonders kurzes Werk (4 bis 5 Minuten Spielzeit). Die Musik könnte typischer für Vivaldi nicht sein, ist nicht einmal besonders innovativ aber klingt einfach toll. In den Außensätzen Sprunghaft bzw. pochend, im langsamen Satz schreitend.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • Piccolo-Konzert in C-Dur, RV 443. Ich lernte es vor vielen Jahren unter besonderen Umständen kennen - nachdem ich mir den bewegenden Film "Der Wolfsjunge" (damals noch auf Video) von François Truffaut angesehen hatte.

    Ich möchte auf dieses wunderbare Konzert (RV 443) zurückkommen und mich dazu aus einem anderen Thread selbst zitieren:

    Später fand ich es im Film "1900" von Bertolucci wieder - nicht weniger stimmig eingesetzt. Eine echte Gänsehautstelle. Urspünglich soll dieses Konzert für Okarina geschrieben worden sein. Dieses Blasinstrument spielt auch in dem letztgenannten Film eine Rolle. Weiß wer mehr?

    Gibt es also Konzert von Vivaldi mit Okarina?


    1280px-Ocarina_2.JPG

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Gibt es also Konzert von Vivaldi mit Okarina?

    Wenn ich das richtig sehe, lieber Rüdiger, dann ist die Okarina erst um 1850 entwickelt worden, so dass es keine Konzerte in Originalgestalt von Vivaldi mit Okarina gibt. Die Flautinokonzerte RV 443 - 445 eigenen sich für eine Adaption sicher am besten.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Wie schon weiter oben angedeutet sind einige Cellokonzerte sperriger als die Oboenkonzerte - ganz zu schweigen von den Mandolinenkonzerten (Bislang habe ich erst 3 der 4 CDs gehört.) In der Aufnahme von L`Arte dell' Arco sind sie zudem noch ein wenig "fetzig" oder "aggressiv" -im Gegensatz zur eher "braven" und "geschmeidigeren" der Naxos Edition mit der City of London Sinfonia unter Nicholas Kraemer und Raphael Wallfisch als Solist. Ist also eine Geschmackssache.

    Mein absoluter Liebling ist hier RV 399



    Auch wenn ich hier - mangels Verfügbarkeit der Alternative - Die Naxos Aufnahme verlinke.

    Speziell bei diesem Stück würde ich der BRILLIANT CLASSICS Einspielung den Vorzug geben.

    Auch wenn Penguin Guide die Aufnahme sehr lobte

    Zitat

    "Die Naxos-Reihe ist Teil einer geplanten Gesamtaufnahme, und bei den Solokonzerten hätte die Wahl von Raphael Wallfisch kaum besser sein können. Er bildet eine bewundernswerte Partnerschaft mit der City of London Sinfonia, die vom Cembalo oder der Kammerorgel von Nicholas Kraemer aus dirigiert wird, so dass der Effekt, obwohl keine historischen Instrumente verwendet werden, so authentisch ist, wie man es sich nur wünschen kann." (Penguin Guide)

    mfg aus Wien

    Alfred

    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Gestern habe ich die links oben abgebildete CD mit Werken Vivaldis in Aufnahmen mit "The English Concert" unter Trevor Pinnock gehört.

    Aus meiner Sicht unverzichtbar - vielleicht auch weil sie -und die gesamte Serie der DGG mein Vivaldi-Bild maßgeblich geprägt hat. Die DGG bracht ab etwa 1986 einige CDs in der damals neuen Digitaltechnik und mit dem genannten Ensemble heraus, meiner heutigen Einschätzung nach ziemlich bunt durcheinandergewürfelt. Ein Konzert wurde als Namensgeber der jeweiligen CD als Aufhänger benutzt, eine Systematik nach Opuszahlen oder nach Instrumenten war (zumindest für mich) nicht erkennbar.

    Die Aufnahmenwaren in gewisser Weise Vorreiter der "temperamentvollen" Vivaldi Interpretation, wobei allerdings gesagt werden muß, daß sie nicht so radikal waren, wie ihre "Nachfolger" Vielmehr verstand es Pinnock und sein Ensemble die Balance zwischen Temperament und Elegance zu wahren. Heute würde die Aufnahmen niemand als "radikal" oder als "dramatisch betont" sehen, bei ihrem Erscheinen waren sie indes ein Bruch mit der Tradition.

    Die CD ist, wie auch die anderen dieser Serie in ihrer Originalform längst gestrichen - aber wir finden die Inhalte auf der"Collectors Edition", bestehend aus 7 CDs zu einem moderaten Preis (39.99€) vereint. (siehe Link oben)


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !