積ん読" (Tsun-doku)

  • Man findet ja in alten Büchern Anmerkungen mit dem Bleistift vom Leser, Unterstreichungen und gelegentlich auch Widmungen an den Buchempfänger, die teils schon über 100 Jahre alt sind.


    Da denkt man manchmal für sich, was war das wohl für ein Mensch, wie hat er das zu der damaligen Zeit empfunden.

    Und genau das macht es doch so interessant...

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Man findet ja in alten Büchern Anmerkungen mit dem Bleistift vom Leser, Unterstreichungen und gelegentlich auch Widmungen an den Buchempfänger, die teils schon über 100 Jahre alt sind.


    Da denkt man manchmal für sich, was war das wohl für ein Mensch, wie hat er das zu der damaligen Zeit empfunden.


    Na ja, in weiteren 100 Jahren bin dann ich selbst an der Reihe, allerdings mit dem ver


    Und genau das macht es doch so interessant...


    To whom it may concern: ich habe von Laplace den Traité analytique de Probabilté von 1812 im Folioformat aus dem Besitz von von Mangoldt. Ein wunderschönes Buch. Ich werde mich hüten, Seiten rauszureißen! :hello:


  • To whom it may concern: ich habe von Laplace den Traité analytqiue de Probabilté von 1812 im Folioformat aus dem Besitz von von Mangoldt. Ein wunderschönes Buch. Ich werde mich hüten, Seiten rauszureißen! :hello:

    To whom it may concern: Ich habe meine alte Biblia Hebraica und ein NT Graece mit eigenen Eintragungen, dazu ein Faksimile einer Haggada und sogar einen Druck einer protestantischen Streitschrift aus dem Jahre 1529. Meine Einstellung zu Büchern bezieht sich natürlich nicht auf bibliophile und persönliche Kostbarkeiten!

    Aller Anfang ist schwer - außer beim Steinesammeln (Volksmund)

  • Meine Einstellung zu Büchern beziehen sich natürlich nicht auf bibliophile und persönliche Kostbarkeiten!

    Das war so ohne weiteres nicht erkennbar. In der von Dir formulierten Generalität hat die Zerreißtheorie schon befremdet.


    Gebrauchsliteratur mit erkennbarem Verfallsdatum steht bei mir jetzt auch nicht unter einem besonderen Schutz. So etwas liebe ich in digitaler Form. Da nimmt es keinen Platz weg und lässt sich bei vergangener Aktualität schnell löschen.

  • Das war so ohne weiteres nicht erkennbar. In der von Dir formulierten Generalität hat die Zerreißtheorie schon befremdet.


    Gebrauchsliteratur mit erkennbarem Verfallsdatum steht bei mir jetzt auch nicht unter einem besonderen Schutz. So etwas liebe ich in digitaler Form. Da nimmt es keinen Platz weg und lässt sich bei vergangener Aktualität schnell löschen.

    Ich hielt es für selbstverständlich, aber gut, dass es ausgesprochen wurde.


    Hier mal ein Gedankenexperiment, das an deinen zweiten Satz anschließt. Man hat ein wichtiges Buch, nur nicht auf Papier, sondern digital. Dies mit der Möglichkeit, Passagen mit irgendeiner Löschtaste zu entfernen, um dann eine kurze Zusammenfassung zu haben. ich vermute, das wird jedem leicht fallen. Es muss also irgendwie mit dem Vernichten eines alten Kulturgutes zusammenhängen.

    Aller Anfang ist schwer - außer beim Steinesammeln (Volksmund)

  • Man hat ein wichtiges Buch, nur nicht auf Papier, sondern digital. Dies mit der Möglichkeit, Passagen mit irgendeiner Löschtaste zu entfernen, um dann eine kurze Zusammenfassung zu haben. ich vermute, das wird jedem leicht fallen.

    Du vermutest falsch. Ich z.B. würde nie auf die Idee kommen, Teile von Büchern zu löschen oder rauszureißen. Selbst wenn ich (was so gut wie ausgeschlossen ist) nach dem Lesen Deine Sicherheit hätte, welche 20 Seiten "wichtig" und welche 380 "unwichtig" seien, kann ich nicht ausschließen, dass beim nächsten Lesen andere wichtig wären, die ich dann aber gelöscht hätte. Allgemein gesagt: Deine Lösch- bzw. Vernichtungstechnik funktioniert nur, wenn man ganz sicher ist, dass das eigene Denken sich nicht mehr ändert. Ich frage mich allerdings, wozu man dann überhaupt liest.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Deine Lösch- bzw. Vernichtungstechnik funktioniert nur, wenn man ganz sicher ist, dass das eigene Denken sich nicht mehr ändert. Ich frage mich allerdings, wozu man dann überhaupt liest.

    Gerade eben lese ich diesen Einwand von ChKöhn, ein Zitat von Dr. Pingel betreffend, und da fällt mir ein, dass hier bei mir, oben links auf dem Regal ein schöner Beweis für die Berechtigung dieses Einwands steht. Es ist "Sein und Zeit" von Heidegger.

    Ich las das Buch zum ersten Mal noch als Schüler mit achtzehn Jahren. Damals unterstrich ich die mir wichtig und bedeutsam erscheinenden Passagen mit Lineal und Bleistift. Fünf Jahre später. beim neuerlichen Lesen, benutzte ich einen blauen Farbstift, und beim dritten Lesen, zwanzig Jahre später, als ich mich beruflich mit Existenzphilosophie beschäftigte, war es ein gelber Markierungsstift. Und jedes Mal sind mir andere Passagen als bedeutsam erschienen.

    In der Buntheit seiner Markierungen ist das Buch eine Dokumentation für das, was ChKöhn das "Sich-Ändern von Denken" nennt. Von diesem Sachverhalt her erscheint mir die Herausnahme von Passagen in einem Buch geradezu widersinnig und verbietet sich deshalb.

    Ich persönlich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Das Wegwerfen von einmal erworbenen Büchern ist aus diesem Grund problematisch. Bis ins hohe Alter habe ich das nicht vermocht, weil ich allzu oft die Erfahrung machte, dass ich zu einem Buch griff, das Jahrzehnte auf einem der vielen Regale unbenutzt herumstand, weil mich das Thema plötzlich beschäftigte.

    Jetzt muss ich es tun. Kein Platz mehr. Aber es fällt mir sehr schwer, ich muss mich regelrecht zwingen dazu.

  • Ich kann nur sagen: von den meisten Büchern, die ich gelesen und entsorgt habe, habe ich später sogar die Zusammenfassungen weggeworfen, weil mich das Thema nicht mehr interessierte. Die wenigen Bücher, die ich später vermisst habe, habe ich mir einfach nochmal besorgt. Allerdings rede ich hier nicht von Wissenschaft, da sind ältere Bücher oft wichtig. Aber ich besitze etwa überhaupt kein Buch in meinem Fachbereich (Pädagogik) mehr, weil diese Bücher meist ein sehr kurzes Verfallsdatum haben.

    Das "Sich-Ändern von Denken" muss also nicht bedeuten, dass ich die Schriften des "Alten Denkens" behalten muss. Mehr wollte ich gar nicht sagen.

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  • ich habe auch die meisten Bücher, die ich mir im Studium gekauft habe, entsorgt. Nicht mehr aktuell, Sondergebiete, die mich garantiert nicht mehr interessieren, Bücher von Profs, die die Klausuren gestellt haben und auf ihren Steckenpferden herumritten - muß man alles nicht aufbewahren

  • Heute irgendwo im Netz drüber gestolpert:


    Man kann nicht gleichzeitig in einer Buchhandlung und vernünftig sein.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

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  • Fundstück aus dem Netz. Es soll sich um ein Zitat von Umberto Eco handeln (vielleicht aus "Die Kunst des Bücherliebens"?). Ich finde es sehr passend und schließe mich vollinhaltlich an:

    „Es ist töricht zu denken, dass man alle Bücher, die man kauft, lesen muss. Wie es töricht ist, diejenigen zu kritisieren, die mehr Bücher kaufen, als sie je lesen können. Das wäre so, als würde man sagen, man müsse alle gekauften Bestecke oder Gläser oder Schraubenzieher oder Bohrer benutzt haben, bevor man neue kauft. Es gibt Dinge im Leben, von denen wir immer genug haben sollten, auch wenn wir nur einen kleinen Teil davon brauchen.

    Wenn wir zum Beispiel Bücher als Medizin betrachten, verstehen wir, dass es gut ist, viele zu Hause zu haben und nicht nur ein paar. Wenn man sich besser fühlen will, geht man zu seinem ‚Medizinschrank‘ und sucht sich ein Buch aus. Nicht irgendeines, sondern das richtige Buch für diesen Moment. Deshalb sollte man immer eine Auswahl an ‚Nahrungsmitteln‘ dahaben.“

    "Jein".

    Fettes Brot

  • „Es ist töricht zu denken, dass man alle Bücher, die man kauft, lesen muss. Wie es töricht ist, diejenigen zu kritisieren, die mehr Bücher kaufen, als sie je lesen können. Das wäre so, als würde man sagen, man müsse alle gekauften Bestecke oder Gläser oder Schraubenzieher oder Bohrer benutzt haben, bevor man neue kauft. Es gibt Dinge im Leben, von denen wir immer genug haben sollten, auch wenn wir nur einen kleinen Teil davon brauchen.

    Wenn wir zum Beispiel Bücher als Medizin betrachten, verstehen wir, dass es gut ist, viele zu Hause zu haben und nicht nur ein paar. Wenn man sich besser fühlen will, geht man zu seinem ‚Medizinschrank‘ und sucht sich ein Buch aus. Nicht irgendeines, sondern das richtige Buch für diesen Moment. Deshalb sollte man immer eine Auswahl an ‚Nahrungsmitteln‘ dahaben.“

    Ich stimme Eco auch zu!. Ich habe sogar noch irgendwo seine Semiotik; mal sehen, wann die als Medizin zum Einsatz kommt ;)

  • Ich stimme dem durchaus zu, allerdings mit einer Einschränkung: ich muss nicht einen riesigen Medizinschrank zu Hause haben, sondern wissen, welche Medizin ich sofort wo bekommen kann, zur Not auf Verschreibung. Oft reicht ein Buch als Medizin aber nicht, dann gehe ich in eine andere Apotheke, etwa ein gewisses Klassikforum. Dort steht die Medizin dann auf einem selbstgebauten Brett: "Mille regretz - oder der Trost der Polyphonie".

    Aller Anfang ist schwer - außer beim Steinesammeln (Volksmund)