Bach-Sängerinnen

  • Sagitt meint:


    Es ist die Karwoche, da höre ich verstärkt Passionsmusik,also viel Bach. Ich durchsuchte das Opernforum und fand keinen thread zu Bach-Sängerinnen. Das könnte vielleicht ein interessanter Austausch werden. Ich möchte nicht gerne schreiben, die drei oder fünf besten, sondern fände es schön,wenn wir beeindruckende Sängerinnen oder auch überschätzte aufzählen.


    In den fünfziger Jahren Maria Stader
    dann lange Zeit Edith Mathis bei Richter
    aber auch besonders schön Elly Ameling ( leider viel mit Münchinger)
    sehr viel Barbara Schlick ( ich mag die Stimme überhaupt nicht, aber viele Dirigenten oder wer sonst immer die Sänger auswählt)
    Manche ganz schöne Aufnahme mit Monika Frimmer ( auch BWV 51)
    sehr virtuos( vielleicht zwangsläufig) Emma Kirkby ( bei den Tempi von Gardiner)


    Es würde Sinn machen, hier nur Sängerinnen zu posten, die überwiegend dieses Repertoire gesungen haben. Natürlich haben Schwarzkopf oder Kanawa auch Bach gesungen, aber ich meine Sängerinnen, der Schwerpunkt bei dieser Musik liegt.
    Und nun: Los !

  • Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:


    Es ist die Karwoche, da höre ich verstärkt Passionsmusik,also viel Bach. Ich durchsuchte das Opernforum und fand keinen thread zu Bach-Sängerinnen. Das könnte vielleicht ein interessanter Austausch werden. Ich möchte nicht gerne schreiben, die drei oder fünf besten, sondern fände es schön,wenn wir beeindruckende Sängerinnen oder auch überschätzte aufzählen.


    Es würde Sinn machen, hier nur Sängerinnen zu posten, die überwiegend dieses Repertoire gesungen haben. Natürlich haben Schwarzkopf oder Kanawa auch Bach gesungen, aber ich meine Sängerinnen, der Schwerpunkt bei dieser Musik liegt.


    -Agnes Giebel in den 50er/60ern (kenne zwar nur wenig, aber sie sticht etwa in Ramins Johannespassion heraus "Ich folge dir gleichfalls" :jubel: )
    heute:
    -Magdalena Kozena (oder Ms. Rattle :wacky: :rolleyes: ), z.:B BWV 199 mit Gardiner und ein Bach-Recital bei Archiv :jubel: :jubel: :jubel:


    -Zwar kenne ich sie nur mit Händel, aber die ungarische Sopranistin Maria Zadori ist ebenfalls fantastisch für diese Art Musik, könte mir vorstellen, dass sie auch Bach aufgenommen hat.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Sagitt,


    Eine für Dich vermutlich unbekannte, aber nichtdestotrotz phänomenale, richtige Altsängerin, die Niederländische Aafje Heijnis (im Ausland geschrieben als Heynis).
    Von ihr habe ich mindestens 10 MPs in Kirchen live erlebt. Und Niederländische Kirchen haben ja Spartanische Bänke. Außerdem die viele Rundfunksendungen und noch einige Fernsehsendungen dazu.
    Auch sie hatte ein sehr markantes Timbre, daß man sofort wiedererkannt. Etwas leichter Timbre als bei Ferrier, aber genau dieselbe Fülle. Und auch sehr voluminös.



    LG, Paul


    PS, Sie sang immer die Chöre in der MP mit, obwohl sie Soliste war.

  • Hallo,



    Als Neuling im Tamino Klassikforum stoße ich leider erst jetzt auf diesen schon lange zurückliegenden Beitrag von Sagitt.


    Mit AGNES GIEBEL wurde bereits einer der großen Bachinterpretinnen der 50er Jahre genannt. Ihren so reinen, stilsicheren, schon fast überirdischen Sopran konnte man in fast allen Bachkantaten und Oratorien bewundern, ganz besonders in der hochkarätigen Schallplattenaufnahme des Weihnachtsoratoriums mit dem kongenialen, großartigen JOSEF TRAXEL, wie auch mit FISCHER-DIESKAU, dem GEWANDHAUSORCHESTER unter KURT THOMAS, ebenso ELLY AMELING, die mit ihrer glanzvollen Stimme z. B. in der so schönen Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme", besticht. EDITH MATHIS und MARIA STADER hatten wohl doch ihre große Stärke vor allem als Opernsängerinnen. MARIA STADER wurde aber auch tatsächlich sehr bekannt durch ihre Mitwirkung in der HOHEN MESSE unter KARL RICHTER.


    Es fehlen in diesem Beitrag aber einige wirklich renommierte Bach-Interpretinnen, an erster Stelle die neben AGNES GIEBEL wohl am meisten auf Bach spezialisierte Sopranisten ADELE STOLTE. Sie galt als eine der bedeutendsten Bach-Interpretinnen ihrer Generation und hat wohl in allen solistisch besetzten Bach-Werken mitgewirkt. Leider waren ihre Reisemöglichkeiten in der ehemaligen DDR eingeschränkt, so daß ihr die große Weltkarrire, die sie vor allem als Bach-und Händel-Interpretin verdient hätte, nicht vergönnt war. ADELE STOLTE, auch ein hervorragender Koloratur-Sopran, die m. W. noch lebt und in Potsdam ihren Wohnsitz hat, trat nie auf der Bühne in Erscheinung und agierte fast nur als Konzertsängerin.


    Eine augesprochende Oratorien-Sängerin war MARGA HÖFFGEN. Mit ihrer ausdrucksvollen Altstimme war ihr eine glanzvoller Karriere vergönnt. Sie ist noch heute besonders in ihren Platteneinspielungen des Weihnachtsoratoriums unter KURT THOMAS zu bewundern. Eine hervorragende Bach-Sängerin war auch die berühmte Altistin JANET BAKER, die z. B. mit Schallplattenaufnahmen von Bachkantaten unter WOLFGANG GÖNNEWEIN sehr bekannt wurde, oder auch die Altistin HERTHA TÖPPER, die zwar auch als Opernsängerin gefeiert wurde, aber auch eine gesuchte Bach-Interpretin war. Denkwürdig vor allem ihre Mitwirkung in der HOHEN MESSE unter KARL RICHTER. Ähnliches wie für HERTHA TÖPPER gilt auch für GUNDULA JANOWITZ und nicht zuletzt CHRISTA LUDWIG, beides natürlich herausragende Opernsängerinnen, beide waren Mitgarantinnen des Erfolges der Aufnahme des Weihnachtsoratoriums unter KARL RICHTER.


    Fehlt vor allem noch ELISABETH GRÜMMER mit der Leuchtkraft ihres fein-nuancierten Soprans, die nicht nur als Opernsängerin hohes Ansehen genoß, vor allem als Mozart-Interpretin, sondern die nicht nur in Haydn's Schöpfung, sondern eben auch durch ihre Schallplattenaufnahme der Johannes-Passion von Bach in der "Star"-Besetzung mit JOSEF TRAXEL, FRITZ WUNDERLICH und FISCHER-DIESKAU unter KARL FORSTER glänzte.


    Gewiß keine typische Bach-Sängerin war die vortreffliche Sopranistin LISA OTTO, aber auch sie wirkte in jener großartigen Aufnahme der Joahnnes-Passion mit und war genau die richtige Stimme für die köstliche Bauern-Kantate und Kaffee-Kantate von Bach unter KARL FORSTER, wiederum im Verein mit den prächtigen Stimmen von JOSEF TRAXEL und FISCHER-DIESKAU.



    Es gäbe noch manch andere gute Bach-Interpretin zu nennen, doch dürfte es sich bei den oben genannten Sängerinnen wohl um die bekanntesten der "alten Garde" handeln.



    Viele Grüße


    wok

  • da díe Barock-Musik nicht unbedingt zu meinen grossen "Lieben" gehört, kenne ich die heutigen, jüngeren Sängerinnen, die auf Bach spezialisiert sind nicht so gut. Die hier bereits genannten aus früheren Zeiten sind mir dagegen alle bekannt.


    Es gibt aber heute eine Sängerin "Sibylla Rubens" , die sehr häufig im Rundfunk Bach singt. Sie gehört sicherlich auch zu den guten , noch aktiv singenden Spezialistinnen für Bach. Ebenso die Detmolder Professorin Gerhild Romberger, eine Altistin.

  • Die besten Sängerinnen im Oratorienbereich (Sängerinnen die ausschließlich Bach singen gibt es garnicht) sind meistens auch große Opernsängerinnen, z.B.: Irmgard Seefried, Elisabeth Grümmer, Kathleen Ferrier, Margarethe Klose, Hertha Töpper, Gundula Janowitz, u.v.a. Ich bin allerdings kein Anhänger des vibratolosen, englischen, ausdruckslosen Gesangsstils für Kirchenmusik, der heute meist Anwendung findet. Die Musik von J.S.Bach ist z.B. oft sehr dramatisch und ausdrucksstark.Wenn sie nicht so dargeboten wird, empfinde ich sie zumindest im Vokalbereich als langweilig. Das ist allerdings meine subjektive Meinung.


    :hello: Herbert aus Troisdorf

    Tutto nel mondo è burla.

  • Lieber Herbert Henn,


    Du sprichst mir aus der Seele - wenn überhaupt Bach, dann am liebsten die Aufnahmen unter Karl Richter mit Sängern wie Janowitz. Ludwig, Wunderlich, Crass usw. die auch - aber nicht ausschließlich Bach gesungen haben und nicht die körperlosen Engländer !

  • Hallo,


    ich beziehe mich auf den Beitrag von Herbert Henn, Nr. 6 hier.


    Um allen Missverständnissen vorzubeugen:
    Mein folgender Beitrag beinhaltet weder Kritik, ist nicht ironisch gemeint, sondern z. T. eine Frage:


    Ich finde ein angemessenes (für meine Ohren meist weniger als dargebotenes) Vibrato immer gut, außer bei kirchenmusikalischen Werken o.ä. Vibrato-Sängerinnen (meist Sopran) in Bachwerken usw. höre ich meist als Verdi usw.-Opernsängerin und schon ist bei mir der angemessene Ton dahin. Muss der Ausdruck von Gefühl, Emotion, Leidenschaft immer mit dem Beben der Stimme verbunden/ausgedrückt sein/werden? Hinzu kommt:


    Ich habe bei Sopranistinnen (wie oft?)den Gehöreindruck, die Lautstärke in hohen (höchsten) Tönen wird, unabhängig von der interpretatorischen Notwendigkeit, nur deswegen - unangebracht - erhöht um den Ton eben noch tonrein zu erreichen. Wenn dann noch dazu kommt, dass, aufgrund der großen, auch atemtechnischen, Anstrengung, der Ton abrupt abreißt (mit einem hörbaren "Unton")???


    Alle Instrumentalisten und -solisten vermindern die Lautstärke hoher Töne, so nicht interpretatorisch gefordert oder wegen der Klangbalance nötig, weil hohe Töne sowieso lauter wie tiefe Töne gehört werden.


    Wer gibt mir bitte darauf eine sachliche Antwort?


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo Herbert Henn,


    Deiner Empfehlung bin ich gefolgt und habe zu meinem Erstaunen - und meiner Befriedigung - festgestellt, dass es Beiträge (viele?) gibt, die eher meinem Höreindruck folgen, wonach viele Opernsängerinnen nicht die ideale Stimmgebung haben für...


    Zu der Frage der Lautstärke in hohen Tönen und dem "Abreißton" bin ich allerdings nicht fündig geworden.


    Und Wikipedia bringt ja nur bekannte Sachinfos.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler