Jean Baptiste Lully - der Begründer der frz. Nationaloper

  • Da man diesen Beitrag von mir erwartet will ich mich auch nicht lange bitten lassen:


    Jean Baptiste Lully geboren am 28. November 1632 in Florenz, gestorben am 22. März 1687 in Paris, war der einflußreichste und wichtigste frz. Komponist des 17. Jahrhunderts.


    Über seine Kindheit ist nur lückenhaftes bekannt, er soll seine erste musikalischen Unterweisungen von einem Pater erhalten haben, dann kam er durch schicksalhafte Umstände in den Dienst der Mademoiselle de Guise, die sich zur Zeit in Italien aufhielt.
    Der Sohn eines Putzmachers wurde zum Dolmetscher und Küchenjungen. Dann in Paris lernte er bei den großen Organisten der Zeit : Robert, Metru und Gigault.
    Er komponierte einige Gelegheitsmusiken für den Hof. Der junge Louis XIV, der von seiner Mutter und dem Kardinal eher vernachlassigt wurde spielte zusammen mit den Kindern der Diener im Graben des Louvre, dort wird er wohl auch Lully kennengelernt haben.
    Zusammen lernten sie Gitarre und den Tanz.
    Die Fronde, der Bürgerkrieg der Frankreich in dieser Zeit erschütterte wurde dann bald niedergeschlagen.
    In Paris wurde das Ballet Royal de la Nuit aufgeführt, Louis XIV tanzte zum ersten Mal die Sonne, Lulli schrieb einige der Musiknummern, u.a. auch den Tanz des Königs.
    Lulli wurde zu einem echten Freund des Königs, verfolgt man seinen Werdegang wird dies deutlich das das mehr ist als Mäzenatentum.


    Lully wurde zum Komponisten der königlichen Familie ernannt, er komponierte nun die königlichen Ballette.
    Das Ballet de Cour ist anders als das Heutige, es diente zur Repräsentation, auch war es Frauen nicht gestattet mit zutanzen - vorerst. Die Ballette waren ein höfisches Ereigniss das einen Gegenpol zur italienischen Oper bilden sollte. Zwar kannte man in Paris die Opern Monteverdis, Cestis, Cavallis und Rossis, aber der Hof mochte sie nicht.
    Die Bühnentechnik, die Kostüme bildeten einen Schwerpunkt bei diesen Balletten. Poesie wurde rezitiert und es gab auch gesungene Passagen die Airs de Cour und natürlich Chöre.


    Bisher wurde nur ein Ballet eingespielt
    Ballet Royal de Flore 1669 / Simphonie du Marais - H. Reyne
    Erschienen bei Accord


    Ein weiteres großes Ereignis stellte die Hochzeit Louis XIV mit der spanischen Infantin für Lully dar. Der Kardinal bestellte bei Cavalli die Oper Ercole amante, Louis XIV war "begeistert", er wies Lully an, Cavalli bei der Arbeit etwas zu "helfen" - nun die Oper wurde erst ein Jahr später fertig. Xerxes wurde stattdessen aufgeführt.
    Lully komponierte für beide Opern Balleteinlagen, bei Ercole amante tanzte der König zum zweiten Mal die Sonne, und diese Aufführung war so überwältigend, dass man ihn von nun an den Sonnenkönig nannte.


    Dann nach der Machtübernahme Louis XIV (Mazarin war gestorben) veranstaltete Nicolas Foquet (der Finanzminister) ein Fest zu Ehren des Königs in seiner Residenz Vaux le Vicomte. Über 6000 Gäste wurden bewirtet, der Starkoch Vatel organisierte das Fest. Die Reaktion des Königs ist bekannt...
    Hier arbeiteten Lully und Molière zum ersten Mal zusammen. Er komponierte für die Kömodie Les Facheux einige Balletteinlagen um den Schauspielern Zeit zu verschaffen sich umzukleiden.
    Auch wenn es nur eine Improvisation war - das war der bis dahin größte Erfolg.
    Nun folgte Jedes Jahr aufs neue eine solche Ballettkomödie.
    1664 wurde dann der neue Park, den Louis XIV um das kleine Schlößchen in Versailles anlegen ließ mit einem gewaltigen Fest eingeweiht. Les Plaisirs de L'Îsle enchantée wurde zum Ereigniss des Jahrhunderts. Es dauerte 7 Tage und gipfelte mit der Zerstörung des Palastes der Alcina, einem Staffagebau der auf dem großen Kanal auf einer künstlichen Insel installiert war.
    Es folgten zwei weitere Feste dieser Dimension 1668 und 1674.
    Diese Zeit der Zusammenarbeit zwischen Molière und Lully gehört zu der Glanzzeit der Hofhaltung des Sonnenkönigs.


    1672 zerstritten sich aber die beiden Künstler. Zuvor hatten sie mit Psyché eine Tragèdie Ballet einen enormen Erfolg verbucht. Das Werk dauerte 5 Stunden und beanspruchte alle Mittel der damaligen Bühnentechnik. Lully beobachtete argwöhnische die Erfolge Camberts der die erste frz. Oper auf die Bühne brachte. Perrin der Libretist war aber eine eher Zwilichtige Gestalt und saß bald im Gefängnis. Lully verschaffte ihm die Freiheit im Ausstausch gegen die Opernrechte.
    Cambert emigrierte nach England um vor seinen Gläubigern zu flüchten 1677 wurde er dort ermordet. 1673 starb dann Molière im Kostüm der Hauptrolle seiner letzten Komödie "der eingebildete Kranke".


    Lully komponierte nun jedes Jahr eine Tragèdie en Musique.
    1673 Cadmus et Hermione
    1674 Alceste ou le Triomphe d'Alcide
    1675 Thésée
    1676 Atys, die Oper des Königs
    1677 Isis
    1678 Psyché (das Ballet nun als Oper)
    1679 Bellerophon
    1680 Proserpine
    1681 Le Triomphe de L'amour
    1682 Persée (Einweihung der neuen ofiziellen Residenz in Versailles)
    1683 Phaeton
    1684 Amadis (Lully erfolgreichtstes Werk - wurde jedes Jahr mind. einmal aufgeführt)
    1685 Roland
    1686 Armide
    1686 Acis et Galatée (eine Pastorale)
    1687 Achille et Polyxéne (vollendet von P.Colasse)


    1685 war das düsterste Jahr für Lully, der König hatte schon seit langem das Ausschweifende Leben seines Oberhofmeisters der Musik im Blick. Madame de Maintenon die der König nach dem Tod der Königin heimlich ehelichte, hasste den arroganten Musiker.
    Jetzt wurde ein Affähre aufgedeckt die nicht nur Lully in Verlegenheit brachte sondern auch den Herzog von Vêndome, Philippe den Bruder des Königs ja sogar der Dauphin. Sie alle waren in diese sehr bizarren Orgien verwickelt.
    Der König hatte ihn kurz zuvor zum Sectraire du roi ernannt (damit war er geadelt). Jetzt fiel er in Ungnade.


    Lully schaffte es nie wieder die Freundschaft des Königs zu erringen, als der König nach einer schweren Operation fast im sterben lag (die Ärzte wollten ihm einen Zahn ziehen - rissen ihm aber den halben Oberkiefer heraus und um die stark blutende Wunde zu schließen brannten sie ihm den Mund mit einem glühenden Eisen aus).
    sich wieder erholte, probte Lully sein Te Deum um die Genesung des Königs zu feiern.
    Lully dirigierte nicht wie seine Zeitgenossen in Deutschland oder Italien vom Cembalo aus - sondern er schlug mit einem etwa 2m langen reich verzierten Stab sehr laute den Takt. Nun er war so wild dabei, dass er schließlich sich den Stab auf den Fuß schlug.
    Die Verletzung entzündete sich und der große Lully wurde binnen weniger Tage Opfer des Wundbrands.


    Ironie des Schicksal: der König sollte ebenfalls am Wundbrand am Bein sterben.


    Lully wurde zu dem Stil bildenden Künstler überhaupt. Mann muß nur die musikalische Literatur der Nachfolgezeit in Frankreich studieren, in Deutschland, in England überall wurde seine Musik gespielt. Man arrangierte sogar die berühmtesten Chöre zu Kirchenliedern.


    Buchempfehlung:
    Philippe Beaussant Lully , ou le musicien du Soleil
    (leider nur in französischer Sprache)


    Film:
    Der König tanzt
    (unterhaltsam wenn auch nicht ganz der Realität entsprechend)


    Aufnahme die man hören sollte


    Lully L'Orchestre du Roi Soleil
    Concert des Nations / Jordi Savall


    Lully Divertissements de Versailles
    Les Arts Florissants / Christie


    Lully / Molière
    Les Comèdies Ballets
    Les Musiciens du Louvre / Minkowski


    Lully Atys
    Les Arts Florissants / Vhristie


    Lully Armide
    La Chapelle Royale / Collegium Vocale / Herreweghe


    Te Deum - Dies Irae
    Orchestre de Chambre / Ensemble Vocal / Paillard
    (nicht mehr ganz so frisch aber die beiden wichtigsten großen Motetten für den Preis - Apex - was will man mehr?


    Leider gibt es nicht gerade viele Aufnahme und in den meisten Fällen sind nur Auszüge aus den entsprechenden Werken zu hören.


    Eine besonders gute Serie ist:


    Lully, ou le musicien du Soleil - Simphonie du Marais / Reyne
    leider kann man diese CD's nur über Amazon Zweitanbieter beziehen, da sie nur in Frankreich erscheinen.


    Für Fragen über Lully und seine Zeitgenossen stehe ich gerne zur Verfügung.

  • Zu der Serie "Lully, ou le musicien du Soleil" von Hugo Ryne und der Simphonie du Marais:


    Bisher erschienen:


    Vol. 1 Lully / Racine: Idylle de la Paix - Le Temple de la Gloire


    Vol. 2 Lully: Le Ballet Royal de Flore


    Vol. 3 Lully: Le Carrousel - Les Plaisirs de l'Îsle enchantée - La Grotte de Versailles


    Vol. 4 Lully / Molière: Le Bourgeois Gentilhomme (2CD's)


    Vol. 5 Lully: Le Triomphe de l'amour - Ballet Royal (2 CD's)


    Vol. 6 Lully: Les Fêtes de l'amour et de Bacchus - Cambert: Pomone
    (Les premieres Operas francaise)


    Vol. 7 Lully: Ballet Royal de Xerxes - Ballet Royal de Toulouse - Ballet Royal des Sept Planetes - Jubilate Deo
    Auszüge aus Ercole Amante (Cavalli) Louis Couperin / Juan de Hidalgo / Michel Lambert
    (Le Marriage de Louis XIV) erscheint in den nächsten Wochen


    Vol. 8 Lully: Isis - Tragédie Lyrique
    erscheint noch diese Jahr


    Diese Serie kann ich nur jedem emphelen der an Lully ernsthaft interessiert ist, die Interpretationen sind hervorragend, wenn auch das Orchester etwas kleiner ist.


    Gerüchte besagen das die Tragédie Lyrique "Amadis" demnächst auch erscheinen wird.
    Entweder von den Talents Lyriques unter Christophe Rousset oder im Rahmen dieser Serie...


    (eine gute Seite um über Neuerscheinungen in Sachen barocker Musik auf dem laufenden zu sein : http://www.newOlde.com
    hier gibt es dann auch immer noch die passenden Links zu Amazon ;))

  • Zwei weitere neue CD's stehen in den Startlöchern, sie sollen noch im Mai erscheinen:


    Lully: Musique pour les Mousquetaires


    wird beim Label "Calliope" erscheinen, La Simphonie du Marais unter Reyne werden wieder für angemessene Qualität sorgen.
    Das Programm umfasst eher die miltärische Musik Lullys, die er für die Kriege, Paraden und Zeremonien am Hofe des Sonnenkönigs zu komponieren hatte.


    von der nächsten Einspielung gab es zwar schon diverse versionen, doch diese wird sich wohl am meisten lohnen:




    Henri d'Anglebert Pieces de Clavecin & Airs apres de M. de Lully
    2 CD's die Aufnahme wird bei Alpha erscheinen.
    Céline Frisch am Cembalo und der Orgel


    Die Besonderheit das frz. Ensemble "Café Zimmermann" wird die von d'Angelbert transkripierten Stücke in der Originalversion spielen:


    Damit sind folgende Werke zu erwarten:


    Ouvertüren zu Proserpina, Cadmus et Hermione, Isis und der Mascarade du Roi, sowie diverse Tanzästze aus Roland, Acis et Galatée, Le Triomphe de l'Amour, Armide,Atys, Thésée und Phaeton.
    Außerdem noch einige Couranten, Menuette, Sarabanden und Gigues.

  • Sagitt meint:


    Bei einer solch erschöpfenden Behandlung des Themas kann man nur noch Fußnoten anbringen, alles andere ist geschrieben. Ariane Mnouchkine hat einen großartigen Film über Molière gedreht. Darin findet sich natürlich auch die Begegnung von Lully und Molière,wobei ersterer als Speichellecker nicht sonderlich gut wegkommt. Die Mnouchkine entfaltet in prachtvollen Bildern den Glanz des Hofes, die absolute Macht, die Gnade gewährt und nach Belieben entzieht.Vielleicht historisch nicht korrekt, aber zum Anschauen großartig.

  • Leider scheint es ja de 2 Teiler immer noch nicht auf DVD (deutsch) zu geben.
    Ebenfalls höchst mangelhaft ist der erhältliche Sondtrack auf dem etwa 50 % der verwendeten Musik fehlt!


    Mir persönlich war die Begenung mit Lully ein wenig zu sehr an den Rand geraten, haben die beiden im Film doch nie ein Wort gewechselt.


    Immerhin sind es fast 12 Jahre! gewesen, in denen die beiden Werk um Werk erschufen.
    Das es sich hierbei um eine intensive Zusammenarbeit, fast schon eine Freundschaft handelte wird vollkommen ausgeblendet.


    Lullys Rolle innerhalb des Filmes ist eher bescheiden, so sieht man ihn nur den Taktstock schwingen während der König die Kollonade besichtigt.
    Oder in der Kapelle sich das Te Deum anhört.


    Warum man aber bei der Soundtrack CD auf dermaßen viel Musik verzichtet hat bleibt mir ein Rätsel.


    Sämtliche Stücke die von Leppard eingespielt wurden fehlen:
    So der Marche pour le Combat de la Barrière aus Amadis
    oder die Airs pour le Songe agrèable et funeste aus Atys
    und das "In te Domine speravi" des Te Deum, ganz zu schweigen von den vielen anderen Musiken.


    Gottseidank gibt es LP's, Ebay und ein Tonstudie welches die Schallplatten überspielt :D


    Ein weiterer Film indem Lully und Molière zu sehen sind und die Umsetzung von Mnouchkine bei weitem übertrifft ist:
    Marquise (gefährlich Intriege)
    In der Hauptrolle der Marquise, Sophie Marceau
    Der Film erzählt die Geschichte der Marquise du Parc, welche vom dasein einer Dorfnutte den Kragen vollhat und sich der Truppe von Molière anschließt.
    Zuerst bringt sie kein Wort auf der Bühne heraus und das stürzt sie in tiefste Trauer, denn Molière setzt sie lieber als "Scharfmacher" ein, als erotische Tänzerin welche die Pausen unterhaltsamer gestalten soll.
    René du Parc heiratet sie um sie aus den Klauen ihres Vaters zu befreien.
    Nach einigen Verwicklungen schaffen sie endlich an den Hof Louis XIV eingeladen zu werden.
    Dort lernt sie den Dichter Jean Racine kennen und beginnt eine Liebelei, Racine erkennt ihr Talent für die Tragödie. Doch er ist eifersüchtig auf René und konsultiert die Marquise de Brinvillers, die Stadtbekannte Giftmischerin und kauft vergiftete Pralinen um René aus dem Wege zu schaffen...


    Die Musik für den Film wurde von Jordi Savall zusammengestellt und interpretiert (Dumanoir, Lully, Marais) was besseres hätte nicht passieren können!
    Die Kostüme sind der Zeit entsprechend (1660 - 1670) sehr gut gelungen, den oftmals hört es ja hier schon auf.
    Gedreht wurde u.a. in dem wundervollen Chateau Vaux le Vicomte.


    Die Schauspieler, die Story des Films und die Ausstattung sind überragend!


    Lully wird recht gut dargestellt, weniger ernst als in "der König tanzt", denn bei aller Liebe, er war ein alberner Witzbold, und ein ebenso genialer Grimassen schneider wie Molière, den beide waren Schüler des Scaramouche!

  • Sagitt meint:


    Es ist ein Film über Molière. Dem kam nicht so sehr vorwerfen, dass Lully darin nicht so dominant erscheint, immerhin genug, um als Gegenfigur zu Molière aufgebaut wird. Es uist wahrscheinlich historisch nicht korrekt, aber es handelt sich ja nicht um einen Dokumentairfilm, sondern um ein Drama. Das passt es gut hinein, dass Molière eben ,der Kunst verpflichtet, die Gunst des Königs verliert und Lully dessen Großmannssucht bedient.

  • Hier möchte ich noch einen kleinen Text den ich über das musikalische Leben Louis XIV geschrieben habe veröffentlichen.
    Zwar sind Teile auch bei "Wikipedia" erschienen, aber es nervt mich langsam, dass ich dort nicht als Autor aufgeführt bin, außerdem kursiert der Text jetzt ohne mein Wissen auf diversen anderen Seiten, stört mich nicht unbedingt wenn es der Sache dient.


    Deshalb auf diesem meinem Lieblingsforum:


    LOUIS XIV EIN LEBEN VOLLER MUSIK




    Louis XIV liebte wie kaum ein anderer Monarch die schönen Künste und insbesondere die Musik die er nach besten Kräften förderte. Er selbst spielte Violine, Laute und Cembalo und nach Aussagen der Zeitgenossen besaß er großes musikalisches Talent das er bei diversen Anlässen auch gerne zeigte. Er war seit seiner Jugend ein begeisterter Tänzer der wie sein Vater in den Hofballetten auftrat und wie Louis XIII betätigte sich Louis XIV auch kompositorisch. In seiner Jugend von seiner Mutter vernachlässigt hatte er Gelegenheit mit den Kinder der Dienerschaft zu spielen, dort lernte er auch Giovanni Battista Lulli kennen. Er war Sohn eines florentinischen Müllers und kam im Gefolge der Mademoiselle de Guise nach Frankreich und schließlich als Küchenjunge an den Hof. Als Garcon de chambre trat er in die Dienste der Prinzessin de Montpensier.
    Lully soll seine ersten musikalischen Unterweisungen von einem Pater erhalten haben, später lernte er dann bei Robert, Métru und Gigault, sie alle waren damals berühmte Organisten. Seine musikalische Begabung ließ ihn bald in das Hausorchester der Madame de Montpensier aufrücken. Dort komponierte er bereits Tänze und andere Stücke für den Tagesbedarf. Die Freundschaft mit dem noch sehr jungen König zahlte sich ebenfalls bald aus, die ersten Kompositionsaufträge für den Hof wurden angefordert. Lully wurde vom König zum „Compositeur de la musique instrumentale“ ernannt und wurde damit in das Hoforchester aufgenommen. Sehr zum Ärger von Guillaume Dumanoir und dem alten Jean de Cambefort. Der König unterstützte Lully gegen die alten Musiker die den Aufstieg des frechen Italieners argwöhnisch beobachteten. Schließlich etablierte er sich als gleichgestellter Musiker mit dem „Ballet Royal de la Nuit“. Dieses Ballet war eine Gemeinschaftsproduktion mehrer Komponisten, neben Lully waren noch Michel Lambert und Jean de Cambefort und einige Andere beteiligt. Doch Lully hatte das Privileg den Tanz des Königs zu komponieren. Louis XIV trat hier zum erstenmal als Apollo, die aufgehende Sonne, auf.
    Die politische Botschaft des Balletts war vor allem an die kurz zuvor besiegten Frondeure gerichtet, die nun endlich einsehen mussten das Louis XIV der Souverän ist. Die gesamte Opposition tanzte ebenfalls mit und musste sich im Ballett der Sonne unterwerfen, diese politischen Botschaften waren fester Bestandteil eines jeden Hofballetts.
    Als die „Fronde“ bezeichnete man den Adelsaufstand der sich vor allem gegen die Regentschaft Annas von Österreich und den ersten Minister Kardinal Mazarin richtete.
    Während in Deutschland der 30 jährige Krieg sein Ende fand und in England der König nach einem erbitterten Bürgerkrieg enthauptet wurde und Oliver Cromwell die Regierung übernahm, versank nun Frankreich im Bürgerkrieg. Gaston d’Orlèans der Bruder Louis XIII war die treibende Kraft hinter dem Aufstand, offiziell wurde sie von den Herzögen Condé und Conti geführt. Paris wurde belagert und der König sollte die schrecklichen Demütigungen die ihm zuteil wurden nie vergessen. Erst der Feldherr Turenne konnte die königstreue Armee zum Sieg über die Frondeure führen. Gaston wurde verbannt und schließlich in Blois festgesetzt, Conti fiel völlig in Ungnade und verlor sich in seltsamer Frömmelei. Condé konnte mit der Zeit die Zuneigung seines Vetters wieder gewinnen und wurde bald zu einem der wichtigsten Feldherren des zukünftigen Sonnenkönigs, denn er beteuerte immer wieder, nicht ihm den König hätte er sich entgegengestellt sondern dem verhassten Kardinal.
    Mazarin förderte selbst während der Unruhen die Künste und so wurden mehrer italienische Opern in Paris aufgeführt. Der Hof, schon längst heimlich auf der Seite der Fronde lehnte diese Art der Unterhaltung ab, nicht wegen der künstlerischen Qualtität, sondern weil es italienisch war, so wie der Kardinal. Lugi Rossi neben Cavalli und Cesti der erfolgreichste und beliebteste Komponist italienischer Opern wurde für Paris gewonnen, aber auch Opern von Cavalli wurden gespielt. In den Konzerten am Hof war häufig Monteverdi zu hören und der König fand an einigen Werke durchaus gefallen, aber die Opern die Stunden dauerten langweilten ihn. Er bevorzugte wie seine Vorgänger das Ballett!
    In der Folgezeit entstanden noch weiter Ballette in denen der König sehr häufig selbst als Tänzer auftrat. Das Ballett de cour hat mit dem heutigen Ballett kaum noch etwas gemeinsam. Das Ballett bestand zum einen aus reiner Instrumentalmusik – den dreiteiligen Entrees
    (Einzug, der Tanz und schließlich der Abgang). Dann gesungen Airs de cour , Chören und gesprochener Poesie. Die Thematik wurde immer aus der Mythologie rekrutiert. Wichtiger Bestandteil waren natürlich auch die prächtigen Kostüme, Dekors und Bühnenmaschinen. Der Tanz selbst war eher eine Abfolge von schwierigen Figuren, die Pose war wichtiger als die Bewegung. Frauen war tanzen zu dieser Zeit noch untersagt und man traute es den Damen auch nicht zu die Eleganz der Männer zu erreichen.
    Benserade ein heute kaum noch bekannter Dichter verfasste zu den meisten dieser Ballette die Poesie.
    1660 heirate Louis XIV die spanische Infantin Marie Theresia. Zu diesem Anlass verfügte Kardinal Jules Mazarin, der immer noch die Regierungsgeschäfte allein erledigte und Louis nur als Schüler ansah, man solle Franceso Cavalli aus Venedig nach Paris kommen lassen damit dieser eine prächtige Oper komponieren solle. Louis war damit überhaupt nicht einverstanden. All die Jahre hatte er die endlos langen italienischen Opern ertragen müssen, die der Kardinal als gebbürtiger Italiener liebte. Louis wollte selbst bestimmen welche Werke aufgeführt werden sollten. Aber Mazarin ließ nicht mit sich reden, es lief auf einen Kompromiss hinaus. Lully sollte zu der neuen Oper den Prolog und ein Ballett komponieren. Cavalli kam in Paris an und machte sich sofort ans Werk. Die neue Oper zu Ehren des Brautpaars sollte „Ercole amante“ (der verliebte Herkules) heißen. Eine prächtige Oper mit allem was zur damaligen Zeit möglich war. Doch die Aufführung konnte erst zwei Jahre später gegeben werden, denn zum einen war der neue Theatersaal in den Tuillerien noch unfertig und Lully war als Saboteur im Namen des Königs unterwegs – er hielt die Arbeiten an dem Werk auf wo er nur konnte. Ercole amante wurde nicht rechtzeitig fertig und so musste Cavalli auf ein älteres Werk zurück greifen „Xerse“. Ercole amante wurde erst einige Monate nach der Hochzeit fertiggestellt. Beide Opern fielen beim Hof durch, nur Lullys Balletteinlagen wurden stürmisch gefeiert. Vor allem das Ballett „Hercule amoureux“ das Lully für die zweite Opernaufführung komponierte war ein besonderes Ereignis. Denn diese Ballett trägt den Untertitel Ballett der sieben Planeten – man ahnt es schon – hier trat Louis XIV zum zweiten Mal als die Verkörperung der Sonne auf. Und der Hof skandierte während des Balletts des Königs „lang lebe der Sonnenkönig!“ daher hatte Louis XIV auch seinen Spitznahmen unter dem er auch Heute noch bekannt ist.
    Cavalli war blamiert, ebenso der Kardinal. Mazarin der mittlerweile in den letzten Zügen lag sah nun ein, dass der Hof sich von im entgültig abgewandt hatte. Cavalli fiel in Ungnade und kehrte gebrochen nach Italien zurück, er schwor niewieder für die Bühne zu komponieren, doch seine Opern sollten auch weiterhin im übrigen Europa erfolgreich bleiben.
    1660 kehrten auch die im französische Exil lebenden Söhne des 1648 hingerichteten englischen Königs Charles I. nach England zurück.
    Cromwell war endlich tot und das Parlament bat Charles Stuart den älteren Sohn als
    Charles II. König von England zu werden. Charles brachte nicht nur die französische Sitten mit nach London sondern auch die Musik. Er wurde wohl zum populärsten König den England je hatte, sein Bruder James der ihm 1685 nachfolgte war das genaue Gegenteil seines Bruders. 1689 in der glorreichen Revolution wurde er verjagt und kehrte an den französische Hof zurück.
    1661 starb Mazarin mit der Machtergreifung Louis XIV wurde auch Lully zum Oberhofmeister der königlichen Musik ernannt. Er ehelichte die schöne Tochter des „französischen Orpheus“ Michel Lambert. Louis gründete als seine erste Amtshandlung die königliche Akademie der Musik und des Tanzes. Eine Institution die in der Folgezeit zu einem öffentlichen Opernbetrieb ausgebaut wurde. Doch die Schatten der älteren Generationen waren noch nicht vollkommen verschwunden. Nicolas Fouquet der Finanzminister gewann immer mehr an Einfluss, er ließ in Vaux le Vicomte einen prächtigen Palast in nur 2 Jahren errichten.
    Louis Le Vau der begabtesten Architekt, Charles Lebrun der zukünftige erste Hofmaler und André Le Nôtre der berühmte Gartenbaumeister schufen einen Palast und eine Gartenanlage die den Besuchen den Atem stocken ließ. Fouquet gab zur Einweihung seines pompösen Anwesens ein Fest für den König und weitere 6000 Gäste. Lully und Molière wurde für die Unterhaltung verpflichtet. Vatel der Meisterkoch und Maitre de plaisir war für die Ausrichtung des Festes und der Speisen verantwortlich. Er fand später eine Anstellung am Hof des Großen Condé, doch nach einem verschwenderischen Fest tötete er sich selbst weil er glaubte vor dem König versagt zu haben...
    Das Fest in Vaux war ein Fest das bis dahin keine Entsprechung fand. Diamanten und andere Schätze wurde bei Lotterien und anderen Spielen verteilt. Die Komödie „Les Fâcheux“ von Moliére mit Balletteinlagen von Lully wurde zu einem triumphalen Erfolg. Doch der König der diese ganze Pracht und Herrlichkeit sah wurde grün vor Neid. Als er dann noch Fouqets Schlafzimmer begutachtete an dessen Decke Apollo über den Schlaf des Ministers wachen sollte, erfasste ihn der Zorn. Dann ging Fouquet entgültig zu weit, er fing eine Tändelei mit der Favoritin des Königs an, Louise de la Valière. Gerüchten zufolge soll sich in der Nacht auch noch eine Verschwörung zugetragen haben, indem man Louis gegen einen Doppelgänger austauschen wollte doch dies vereitelt wurde durch den mutigen D’Artagnan den Befehlshaber der Leibwache. Ob an der Geschichte etwas wahres ist kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, doch kurz nach dem Fest wurde Fouquet und ein weiterer Mann dessen Gesicht man mit einer Samtmaske verhüllte festgenommen und in eine entlegene Festung gebracht. Seltsamerweise wurde Fouquet nur von der üblichen Eskorte dort hingebracht wären der Unbekannte eine Armee von 700 Mann als „Schutz“ bekam...
    Die Künstler die für das Fest von Vaux verantwortlich waren wurde alle von Louis übernommen, das Schloss wurde regelrecht geplündert und man fasste den Entschluss das kleine Palais in Versailles auszubauen.
    Colbert war natürlich darüber ganz und gar nicht erfreut, er hielt es für besser im Louvre, d.h. in Paris zu bleiben. Denn zur gleichen Zeit fand der berühmte Wettbewerb statt für eine Umgestaltung des alten Stadtschlosses. Denn der Louvre war zu dieser Zeit eine mittelalterliche Burg mit Erweiterungen im Stil der Renaissance und des französischen Frühbarock und alles andere als wohnlich. Bernini der berühmte Bildhauer beteiligte sich ebenfalls an dem Wettbewerb, doch dem König gefielen seine Entwürfe nicht die natürlich sehr italienisch waren. Perrault siegte schließlich und sein Entwurf wurde umgesetzt. Die elegante Fassade ziert heute noch die Ostseite des Palastes und ist ein Paradebeispiel für den französischen Barockklassizismus.
    1664 war es dann endlich soweit, in Versailles waren die ersten Arbeiten endlich abgeschlossen. Hauptsächlich wurde der Park vergrößert und mit den schönsten Anlagen ausgestatten die Le Nôtre sich ausdachte. Das Chateau selbst war vorerst nur geringfügig vergrößert worden. Jetzt wurde das erste große Fest des Königs gegeben:
    „Les plaisirs de l’Isle enchantée“ – Die Freuden der verzauberten Insel.
    Es war ein barockes Fest wie es die Welt kein zweites Mal erleben sollte. Insgesamt dauerte das Fest sieben Tage. Am ersten Tag traten unter Trompeten und Pauken Louis XIV als Roland und sein Gefolge als Ritter verkleidet in einem Pferdeballett auf. Danach wurde das „Ballet des Saisons“ gegeben indem der Einzug der vier Jahreszeiten das Publikum in pures Staunen versetzte. Der Frühling ritt auf einem Pferd in die Manege gefolgt von seinen Dienern, dann trat der Sommer ein, reitend auf einem Kamel , dann folgte der Herbst auf einem Elefanten reitend und schließlich der Winter auf einem Bären. Das Ballett war eine grandiose Eröffnung. An den weiteren Tagen wurde die Komödie „Les Facheux“ wiederholt, außerdem die Ballettkomödie „Le Mariage Force“ und das eigens für dieses Spektakel geschriebene Ballett „La Princesse d’Elide“ von Lully und Molière. Ebenfalls wurde „Tartuffe“ von Moliere im Marmorhof des Schlosses gegeben. Es folgten Bälle, Lotterien und Bankette. Das Fest gipfelte in der Erstürmung des Palastes der Alcina. Dieser Palast war eine Staffage, gebaut auf einer künstlichen Insel die auf dem großen Kanal schwamm. In lodernden Flammen und mit einem grandiosen Feuerwerk ging der Palast unter.
    Auch wenn es nicht offiziell war, so wusste jeder das diese Fest eine Liebesbezeugung des Königs für seine Favoritin Louise de la Valière gewesen ist. Doch schon bald sank der Stern der wunderschönen, jedoch etwas schüchternen und hinkenden Hofdame.
    Nun folgte jedes Jahr eine neue Aufführung einer Ballettkomödie der beiden Baptistes. Jetzt wurden auch Frauen von Lully als Tänzerinnen verwendet, zuerst verlacht dann aber doch bewundert.
    Obwohl diese Ballettkomödien aus der Not geboren wurden – man hatte zu wenig Schauspieler und um den Vorhandenen Zeit zu geben sich umzuziehen schob man Ballette ein – so waren sie ein absolut erfolgreiches neues Genre.
    1668 wurde das Grand Divertissement de Versailles gegeben. Mit der Ballettkomödie „George Dandin“. Dieses Fest gab Louis zu Ehren seiner neuen Favoritin Francoise Athenais Marquise de Montespan. Die herrische Kreatur die in jeder Hinsicht unersättlich war, sollte dem König 8 Kinder schenken.
    1670 gipfelte die Zusammenarbeit Lullys und Molières in den beiden Werken „Le Bourgeois Gentilhomme“ und „Le Grand Divertissement royale – Les amants magnifiques“.
    Le Bourgeois Gentilhomme wurde von Louis XIV in Auftrag gegeben um den türkischen Botschafter im Nachhinein lächerlich zu machen. Dieser hatte sich am Hof aufgeführt wie ein Barbar. Dieses Werk wurde zu einem der populärsten Werke Lullys überhaupt. Die Uraufführung fand im Schloss Chambord statt, dem wohl schönsten Renaissanceschloss Frankreichs. Louis hatte eine besondere Vorliebe für diesen Palast den Francois I erbauen ließ. Man vermutet, dass Leonardo da Vinci den Palast entworfen hatte.
    In „Les amants magnifiques“ tanzte Louis zum letzten Mal als Apollo öffentlich vor dem Hof.
    Er spürte, das er gegen die professionellen Tänzer ins hintertreffen geriet und die Choreographie seines Entrée war so kompliziert „das er darüber ganz krank wurde“.
    Des weiteren las er einen Text indem es hieß, „Nero stellte sich seinem Volk als Schauspiel dar“. Damit waren auch entgültig die Ballets de Cour gestorben.
    1671 unternahmen Lully und Molière ein gewagtes Experiment, sie versuchten sich an eine neue Form des Theaters. Molière beschrieb es als eine Art Oper. Psyché wurde gegeben. Ein Stück das über 5 Stunden dauerte. Obwohl es so lang war, übertraf der Erfolg alle Erwartungen. Insgesamt waren 8 Bühnenbilder notwendig, (man verwendete sogar alte Dekors aus der Cavalli Oper „Ercole amante“) ein enormer technischer Aufwand für die verschiedenen Verwandlungen. Es traten alle Götter des Olymp auf und Lully verwendete alle möglichen musikalischen Mittel.
    Lully beobachtete argwöhnisch die Erfolge von Robert Cambert der mit Pomone 1672 die erste französische Oper auf die Bühne brachte. Mit einigen geschickten Intrigen stürzte er Cambert in den Ruin. Sein Librettist Pierre Perrin wurde verantwortlich gemacht und musste ins Gefängnis. Lully suchte den Unglücklichen auf und versprach ihm die Freiheit, wenn er ihm die Opernrechte abtreten würde. Perrin willigte ein. Cambert ging nach England da er vor seinen Gläubigern fliehen musste. Später wurde er in England unter seltsamen Umständen ermordet.
    Nun musste ein neues Werk her mit dem die „Academie Royal de Musique“ ihren neuen Chef gebürend feiern konnte. Lully schuf in Windeseile eine Pastorale:
    „Les Fêtes de l’amour et de Bacchus“, es war zum größten Teil eine Pasticcio, d.h. Lully verwendete einige Passagen aus den älteren Comedies Ballets wieder, so z.B. die Traumszene aus „Les amants magnifiques“, die Chaconne der Magier aus der Pastorale Comique und den Schlusschor aus George Dandin. Das Werk wurde ein Dauerbrenner.
    Das gleiche Rezept verwendete er in dem Werk „Le Ballet des Ballets“ das zur Hochzeit Philippes, dem Bruder des Königs , gegeben werde sollte, doch in dieser Zeit zerstritten sich Lully und Molière.
    Zu der Wiederaufnahme von „Le Mariage Force“ verweigerte Lully seine Zusammenarbeit und verbot die Benutzung seiner Musik.
    Moliere wandte sich den begabten Charpentier der die Musik zu diesem Werk neu schrieb. Auch zu Molières neuesten Werk „Le Malade imaginaire“ – der Eingebildete Kranke, verfasste er die Musik. Doch 1673 war Moliere schon schwer von Krankheit gezeichnet, er überstand nur wenige Aufführungen. Er starb im Kostüm der Hauptfigur. Zusätlich war es jedem Theater untersagt Musik Lullys ohne seine persönliche Genehmigung zu spielen, des weiteren durften nicht mehr als 3 Instrumente verwendet werden, für jedes weiter musste erst eine Erlaubnis eingeholt werden. Lully herrscht wie ein Diktator über das musikleben Frankreichs.


    Lully brachte 1673 im Todesjahr Molières seine erste Tragédie Lyrique „Cadmus et Hermione“ auf die Bühne. Der Erfolg übertraf die schon enormen Erfolge der vorherigen Jahre. Was war an den Tragédies so anders als an den italienischen Opern? Nun zum einen wurde nur französisch und in Reimen gesungen dies verlangt eine spezielle Deklamation des Textes. Dann im Gegensatz zur italienischen Oper wurden die Sujets fast ausschließlich nur der Mythologie entlehnt, ähnlich wie beim Ballett. Die Tragödie wurde in 5 Akte unterteilt. Ein Prolog der den Ruhm Louis XIV besingt wurde der Oper vorrangestellt. Jeder Akt verfügt über ein sogenanntes Divertissement, also große Ballett und Choreinlagen. Obligatorisch wurde im Lauf der Zeit die große „Chaconne“ bzw. „Passacaille“ gegen Schluss der Oper. Die Ouvertüre sowie die verschiedenen Instrumentalstücke und Tänze fanden recht schnell Verbreitung im übrigen Europa. Auf diese Orchesterwerke Lullys bauten die heute bekannteren Barockkomponisten wie Händel, Bach und Telemann ihre Werke auf. Lully entwickelte die Vorgaben Camberts weiter, da er das Ballett zum bestimmenden Faktor in den Opern erhob war der Erfolg beim Publikum gesichert.
    Es folgten 1674 „Alceste“ welche im Marmorhof von Versailles uraufgeführt wurde und im Rahmen des letzten großen Festes – diesmal zu Ehren von Francoise D’Aubigne Madame Scarron , spätere Marquise de Maintenon gegeben wurde. Diese Fest dauerte 6 Tage und es wurde neben Aceste von Lully auch Moliéres Le malade imaginaire gegeben. Eine Wiederaufnahme von „Les Fêtes de l’amour et de Bacchus“ sowie dem Divertissement „La Grotte de Versailles“ beide Werke mit Musik Lullys. Der Höhepunkt der Festlichkeiten war die Uraufführung Von Racines „Iphigenie“ und dem darauffolgendem musikalisch untermalten gewaltigen Feuerwerk. Der letzte Tag gipfelte in einer gewaltigen Illumination des gesamten Parks und der Boskette von Versailles.
    1675 folgte Thésée, dann 1676 „Atys“ die zur Lieblingsoper des Königs wurde. In Atys versuchte sich Lully an einem neunen Orchesterklang, dunkel und rau sollte er klingen.
    1677 „Isis“ der erste Misserfolg Lullys, die Oper hatte den Untertitel L’Opera des musiciens und da lag das Problem, das normale Publikum konnte die Feinheiten und die Genialitäten der Partitur nicht wahrnehmen. 1678 „Psyché“ das Tragédie Ballet als Oper umgearbeitet – 1679 „Bellérophon“ – 1680 „Proserpine“ - 1681 dann auf Wunsch des Königs ein Ballett Royal in Opernlänge „Le Triomphe de l’Amour“. Der König wollte noch einmal die schöne Zeit der prunkvollen Ballette seiner Jugend herauf beschwören, nur dieses Mal tanzten seine Kinder und Enkel. Diese Werk gehört sowohl damals wie Heute zu den populärsten Werken Lullys. Doch unterscheidet es sich deutlich von den alten Balletten, die rezitierte Poesie verschwand zugunsten der gesungenen Rezitative.
    1682 „Persée“ eine der erfolgreichsten Werke Lullys. Mit diesem heroischen Werk wurde der entgültige Umzug des Hofes in das nun nahezu fast fertige Versailles besiegelt. Dieses Werk wurde ebenfalls zur Einweihung des Opernsaals in Versailles verwendet mit dem man die Hochzeit des zukünftigen Louis XVI und Marie Antoinette im Jahre 1770 feierte. Lullys Musik war auch noch Hundert Jahre später am französische Hof aktuell während man im übrigen Europa schon Symphonien hörte.
    1683 „Phaeton“ die Aufführungen wurde abrupt unterbrochen als Maria Theresia die Königin von Frankreich starb.
    1684 „Amadis“ , Lully wendet sich von der Mythologie ab und besingt nun die Heldentaten französischen Ritter. 1685 folgt „Roland“ und 1686 „Armide“ diese drei Opern gehören gewissermaßen zusammen da sie alle die den Sieg des Christentums über die Heiden verherrlichen und den Verzicht auf Liebe zugunsten des Ruhmes propagieren. Es ist wohl kaum ein Zufall das Lully gerade jetzt solche Themen wählt. Denn 1685 hebt Louis XIV das Edikt von Nantes auf und wird als Bewahrer der katholische, der einzig wahren Kirche verehrt und verherrlicht. Das diese Tat so tiefgreifende wirtschaftliche Folgen hatte wurde damals als geringfügiger Preis angesehen.
    1685 fällt Lully beim König in Ungnade. Louis hatte ihn sein ganzes Leben mit Ehrungen und Geld überschüttet. Zuletzt wurde Lully zum persönlichen Sekretär des Königs erhoben. Damit war auch der Adelstand erreicht. Doch Lully ging einem außerordentlichen ausschweifendem Lebensstil nach. Seine Bisexualität verheimlichte er nun nicht mehr. Obwohl er die schöne Tochter von Michel Lambert geheiratete (im gleichen Jahr indem auch der König die Ehe einging) und zwei Söhne und einige Töchter hatte (Louis XIV war bei beiden Söhnen der Pate) verging er sich an den noch minderjährigen Pagen der Kapelle. Viele junge Musiker mussten ihm „zu diensten“ sein um überhaupt seine Schüler zu werden, so auch Marin Marais. Als er dann einen der Pagen bei sich wohnen ließ und von seiner Frau und seinen Töchtern im Vollrausch in flagranti erwischt wurde, war der Skandal perfekt.
    Louis XIV bat den „Sünder“ in sein Kabinett und die Höflinge waren erstaunt das der König so aufbrausend und zornig den Superintendanten zurecht wies. Solch eine Unbeherrschtheit sollte sich der König nur noch ein einziges Mal gestatten Als der Marquis de Louvois stolz berichtete dass seine Truppen in der Pfalz nur noch verbrannte Erde hinterließen und Heidelberg in Schutt und Asche gelegt hatten, da sprang der König vor Zorn über seinen Schreibtisch und griff nach einem Schürhacken um damit den Minister zu erschlagen, die Diener und übrigen Minister mussten die königliche Person „berühren“ um das Leben von Louvois zu retten. Vor allem Liselotte von der Pfalz verzieh dem König niemals die Vernichtung ihrer Heimat.
    Lully war untröstlich, doch die nächste Zeit empfing ihn der König nicht mehr. Madame de Maintenon hasste diesen „unzüchtigen Italiener“ und verbat sich ihn auch nur anzuhören. 1685 war ein düsteres Jahr für Lully. Der König schien sich bei der Uraufführung von Roland zu langweilen und dann der Skandal. In Versailles war gerade die Spiegelgalerie fertig geworden als dieser Skandal, der noch viel weitreichendere Untaten aufdecken sollte, an das Tageslicht geriet. Schon einmal wurde der Hof, der Staat – der König von einem solchen Skandal erschüttert - die Giftaffären der letzten Jahre die den Sturz der Montespan und den Tod so vieler Menschen nach sich zog. Und jetzt am Hof des aller christlichen Königs ein Sex Skandal. Denn die Affäre Lully brachte nun noch die Machenschaffen des Bruders des Königs, Philippe Duc d’Orleans und des Herzogs von Vendôme ans Tageslicht. Sie waren beide bekannt für ihre Homosexualität, wie Madame Palatine, besser bekannt als Liselotte von der Pfalz, oft lautstark durch die Säle ihrem Gatten hinterher brüllte. Diese verruchten Männer hatten wahre Orgien gefeiert und sogar den Sohn des Königs den Grand Dauphin verführt. Louis XIV war außer sich und zog die betroffenen Personen zur Verantwortung. Nicht Lullys Bisexualität und seine Ausschweifungen erzürnten den König, sondern das er – Lully – nicht dafür gesorgt hatte, das sein eigener Sohn aus diesem Sumpf herausgehalten wurde.
    Lully schrieb Entschuldigung auf Entschuldigung. Für den Marquise de Seignelay ,den Sohn des großen Colbert, verfasste er in Zusammenarbeit mit Jean Racine das Divertissement „Idylle sur le Paix“ Es wurde in Sceaux aufgeführt und der König war recht angetan von diesem Werk. Er ließ große Abschnitte wiederholen. Doch Lully empfing er dennoch nicht mehr. Seine Musik wurde jedoch weiterhin am Hof gespielt. Jetzt hatte der König Madame de Maintenon im Geheimen geehelicht und verfiel immer mehr in religiöse Gedanken.
    Lullys letzte Tragödie Armide wurde nicht in Versailles uraufgeführt sondern in Paris, in der Akademie. Dennoch sollte Armide Lullys absolutes Meisterwerk werden.
    Für ein „kleines“ Fest im Schloss Anet das der Herzog von Vendôme für den Dauphin gab komponierte Lully sein letztes vollendetes Bühnenwerk „Acis et Galatée“. Dem Hof gefiel das Werk recht gut, jedoch wurde diese Pastorale nach Isis der zweite große Misserfolg, den in Paris versagte man dem Werk seine Zustimmung.
    1687 - der König ist krank. Er klagte über Zahnschmerzen, die Ärzte – diese Spezialisten zogen ihm den Zahn ihm Oberkiefer, doch stellten sie sich so ungeschickt an, dass sie dem König einen Teil des Oberkiefer herausrissen. Sie waren gezwungen alle Zähne aus dem Oberkiefer zu entfernen und nun brannte man die stark blutende Wunde mit einem glühenden Eisen aus.
    Der König brach zusammen und einige Tage sah es so aus als würde er sterben.
    Doch schon bald erholte er sich von dieser Schlachterei.
    Lully atmete auf, er probte sein 1674 komponiertes Te Deum und erweiterte die Besetzung auf 150 Musiker. Zur gleichen Zeit hatte er ein neues Werk begonnen „Achille et Polyxène“, doch für die Genesung des Königs unterbrach er die Arbeit und bereitete das Te Deum vor. Lully dirigierte wie es in Frankreich üblich war mit einem 2 Meter langen Taktstock. Er stampfte damit dem Takt sowohl bei Opern als auch bei geistlichen Werken. Doch bei der Aufführung schlug er so temperamentvoll den Takt, dass er mit einem gewaltigen Schlag sich den Stab in den Fuß rammte, denn der Stab hatte eine Spitze am unteren Ende. Innerhalb weniger Tage entzündete sich die Wunde und Lully starb an Wundbrand.
    Die Trauer war grenzenlos, der König machte sich bis zu seinem Tod Vorwürfe ihm nicht verziehen zu haben. Denn schließlich waren sie, trotz des Standesunterschieds Freunde gewesen.
    Die Stelle des Supertintentanten wurde nun provisorisch, von den beiden Söhnen Lullys und von Marin Marais dem Gambenvirtuosen und seinem wohl begabtesten Schülers, besetzt.


    1683 beschloss der König zusammen mit Lully die Hofmusik neu zu organisieren. Die Musiker des Königs wurden in verschiedene Sektionen eingeteilt:
    -Die 24 Violinen des Königs mit der Untersektion „La Petite Bande“ dem Eliteorchesters Lullys.
    -Die Grande Ecurie de Versailles mit der Untersektion „La Hautbois du Roy“ hier waren die Blasinstrumente zu Hause, zuständig für Militärmusik und Aufführungen im Freien.
    -La Chambre du Roy, hier waren nur die absoluten Spitzenmusiker zugelassen
    -La Chapelle Royale, die Sänger des Königs, eingeteilt in zwei Chöre die im Schichtbetrieb arbeiteten


    Im gleichen Jahr hatte der König eine Ausschreibung für die Nachfolge der alten Sur Maîtres de la Chapelle Royale veranstaltet. Pierre Robert, Henri Dumont, Thomas Gobert und Gabriel Expilly wurden in Ehren entlassen.
    Jeder der Teilnehmer sollte auf den Psalm „Beati quorum remissae“ eine Grand Motet komponieren. Unter den Teilnehmern waren, Pascall Colasse der Sekretär Lullys , Paolo Lorenzani der Musikmeister der Königin, der aufgrund ihres Todes nun arbeitslos war sogar ein deutscher Komponist Danielis aus Mecklenburg war mit dabei, dann der Favorit Marc Antoine Charpentier, der überaus begabte Musiker der schon früher immer mal wieder in das Blickfeld des Königs geraten war, er erhoffte sich ebenfalls eine Stelle, jedoch erkannte auch Lully sein überragendes Talent. Lully tat alles um Charpentier Steine in den Weg zu legen. So z.B. das Edikt mit dem es jedem untersagt war, öffentliche Konzerte oder Aufführungen mit mehr als 5 Instrumenten aufzuführen.
    Ein andere Bewerber war Michel Richard Delalande, Marin Marais kannte ihn aus dem Kirchenchor, dort war er sein Kamerad aus dem Schlafsaal.
    Charpentier war offenkundig der Favorit und Louis war sich ebenfalls sicher, das er einer der Sous Maîtres werden würde. Jedoch war Charpentier vor allem bei den „Lullisten“ umstritten. Denn er hatte sein „Handwerk“ in Italien bei Carissimi erlernt und man warf ihm deshalb „Italienismus“ vor.
    Charpentier überstand ohne Probleme die Vorauswahl und die erste Runde der Ausschreibung, jedoch wurde er auf einmal schwer Krank.
    Zufall? – oder hatte der Klüngel Zufall gespielt?
    Jedenfalls war Charpentier nicht mehr in der Lage an der Finalen Runde teilzunehmen. Die Wahl viel auf den Abbe Nicolas Goupillet, Michel Richard Delalande, Pascall Colasse und Guillaume Minoret.
    Natürlich war man teilweise enttäuscht, da Charpentier nun für die nächste Zeit keine Anstellung bei Hofe bekommen würde. Louis XIV bewilligte dem Unglücklichen eine Pension. Charpentier wurde zum Maitre de Musique an der Sainte Chapelle in Paris, diese Stelle behielt er bis zu seinem Tode.
    Michel Richard Delalande sollte nach dem Tode Lullys zum wichtigsten Musiker am Hofe des Sonnenkönigs werden, denn Louis XIV sollte ihn zum Surintendant de la Musique du Roy ernennen.
    Delalande wusste, dass er niemals die lyrische Werke Lullys übertreffen würde, also wandte er sich verstärkt der Kirchenmusik zu und entwickelte die von Lully und Dumont begründete
    Französische „Grand Motet“. Man nannte ihn einen „Lully des lateinischen“ seine Motette blieben stilbildend für französische Kirchenmusik bis zur Revolution.
    Berühmter sind heute Delalandes „Symphonies pour les Soupers du Roi“. Hier folgte er einfach Lullys Vorgaben indem er aus seinen Balletten und Opern Orchestersätze zu Suiten zusammenstellte um den Hof, den König beim Souper oder auch bei den Appartements ( so nannte man die 3 mal in der Woche stattfindenden Gesellschaften die in den großen Gemächern des Königs abgehalten wurde. Hier war die Etikette mal außen vor und man konnte sich im Billardspiel mit dem König messen oder aber dem reichhaltige Bluffet frönen. Ein Ball sowie Glücksspiel waren ebenfalls fester Bestandteil dieser Appartements) zu unterhalten. Der Appetit des Königs war legendär. Er hatte in den 70er und 80er Jahren auch enorm zugenommen. Es war sogar soweit gekommen, dass Lully das Menuett verlangsamen musste damit der König nicht aus der Puste kam. Bei einem gewöhnlichen Souper nahm der König meist drei verschiedene Suppen zu sich, Zwei bis drei Brathähnchen, ein großes Stück Schinken, eine ganze Schüssel seiner geliebten Erbsen, diverse Pasteten, mehrer Stücke Braten und zum Nachtisch einen ganzen Obstkorb und Süßspeisen, zusätzlich kamen
    noch 3-4 Liter mit Wasser verdünnter Wein. Die Höflinge die sich darum rissen den Sonnenkönig beim Essen zu beobachten konnten manchmal nicht glauben was sie da sahen, vor allem weil er sich lange weigerte die neumodischen Gabeln zu verwenden....
    Die Zeremonie des Essens war wie fast alle Ereignisse des täglichen Lebens streng organisiert und von Musik untermalt, es gab kaum Gelegenheiten zu denen es keine Musik gab. Die Zeremonie des Essens war ein regelrechter Staatsakt, so wurde jedes Mal wenn der König das Weinglas nahm vom Zeremonienmeister mit lauter Stimme gerufen „Der König trinkt!“ ebenso wenn er wieder weiteraß „Der König isst!“
    Das ganze Leben des Königs lief nach einer Strengen Etikette ab, fast schon wie ein Uhrwerk. Man sagte scherzhaft, wenn man eine Uhr und einen Kompass bei sich trägt könne man, egal wo man sich in Frankreich auch aufhielte, jederzeit wissen was der König gerade macht.
    Der Herrscher wurde um halb neun Uhr geweckt, zwar standen die Dienerschaft und der übrige Adel schon viel früher auf aber sie durften auf gar keinen Fall laute Geräusche verursachen. So durfte man den Marmorhof, um den sich die Zimmer des Königs gruppierten, nur auf Zehnspitzen überqueren. Der König wurde jeden Morgen von Mr. Bontemps seinem 1. Kammerdiener geweckt. Er schlief sogar auf einem Feldbett vor dem Paradebett des Königs. Dann kam der Leibarzt des Königs Mr. Fargon und versicherte sich der Gesundheit des Monarchen, denn der Körper des Königs gehörte dem Staat und so war dessen einwandfreie Gesundheit ein äußerst wichtiges Anliegen. Kurze Zeit später empfing der König, noch im Bett liegend seine Familie, dann wurde er allein gelassen um zu beten. Mr. Bontemps half ihm bei der Morgentoilette, auch gab es Personen die für Dinge zuständig waren bei denen man heute nur den Kopf schütteln kann. Die Nachtstuhlträger brachten den königlichen Abort ins Schlafzimmer, damit der König nicht mit diesen Dingen in Berührung kam gab es selbstverständlich Diener die den König danach reinigten. Nach dem wechseln der Unterwäsche und dem aussuchen einer neuen Perücke (bis 1670 weigerte sich Louis Perücken zu tragen, da er selbst schöne lange blonde Haare hatte, aber schließlich unterwarf er sich der Mode) betrat er sein Kabinett dort warteten einige Adlige welche die Große Ehre hatten für die Handreichungen ausgesucht worden zu sein. (Selbstverständlich spielte jetzt schon Lully mit seinen Musikern) Der König zog seinen schweren Morgenmantel aus und mit Hilfe seiner Diener wurde der König angekleidet. Diese Zeremonie „Lever“ genannt war das erste große Ereignis am Tag. Der König empfing während des Ankleidens auch einige Minister und Intendanten um besonders dringende Fälle gleich zu bearbeiten. Stammgast war Mansart der dem König jeden Morgen über die Baufortschritte am Schloss berichten sollte.
    Der König frühstückte eine Kleinigkeit, dann begab er sich in sein Ratskabinett. Dort wurde in Geheimer Sitzung Rat gehalten bis halb elf. Hier wurde jetzt Politik gemacht und mit den Ministern die wichtigsten Dinge besprochen. Normale Adlige sowie den Dienern war der Zutritt zu diesem heiligen Salon untersagt. Pünktlich um zehn wurden die Spiegeltüren des Spiegelsaals aufgestoßen und der Zeremonienmeister rief nur das bekannte „Monsieur, le roi!“ In der Spiegelgalerie hatte sich mittlerweile der Hof versammelt und folgte dem König nun auf seiner Prozession durch die großen Säle in die königliche Kapelle. Hier hatte das einfache Volk die Gelegenheit den König anzusprechen und man sagte das der König immer ein Ohr für seine Untertanen hatte. Die Prozession wurde von Mr. Duras angeführt dem Befehlshaber der Leibgarde. In der Kapelle angekommen nahmen die Höflinge Platz, aber nicht in Richtung Altar sonder in Richtung der königlichen Tribüne. Denn es war nun mal nicht statthaft dem König, dem Vertreter Gottes auf Erden den Rücken zuzuwenden. Die Messe wurde auch nicht gesungen wie es üblich war sondern stattdessen wurden die großen Motetten gespielt die nur von den ewiglangen aber gewaltigen Predigten Boussets unterbrochen wurden. In dieser Zeit wurde das große Mittagsmahl zubereitet denn der König würde mit Sicherheit gewaltigen Hunger haben nach der zweiten Ratssitzung und der Messe. Nach der Messe die jedes Mal mit der Motette „Salvum fac regem“ endete begab sich der König durch die großen Säle zurück in seine Wohnung. Um elf wurde dann zum zweiten mal Rat gehalten. Um dreizehn Uhr begann das Dîner. Im ersten Vorzimmer war die Tafel aufgebaut. Hier standen auch schon die Musiker bereit um den König mit einer Fanfare zu begrüßen. Jeder Gang wurde ebenfalls mit einer Fanfare begleitet. An der Tafel des Königs saßen nur seine engsten Familienmitglieder, sein Bruder und Madame Palatine, sein Sohn der Grand Dauphin und seine Gemahlin, der Herzog und die Herzogin von Bourgogne, der Herzog von Maine, der Graf von Toulouse und natürlich Madame de Maintenon.
    Um vierzehn Uhr stieg er dann die Treppe der Königin hinab wo ihn schon eine ausgesuchte Schar von Höflingen erwartete. Durch das Vestibül Louis XIII betrat die Gesellschaft die niedrige Galerie.
    Von dieser Galerie, welche sich direkt unter der großen Spiegelgalerie befindet betrat die Gruppe den Park von Versailles. Der König liebte es seinen Garten zu durchwandern, egal welches Wetter herrschte. Louis verfasste selbst ein kleines Büchlein, indem er verschieden Möglichkeiten beschrieb den Garten zu erkunden. Ab und zu benutzte der König diese Zeit aber auch um auf die Jagd zu gehen.
    Bis in die frühen Abendstunden hinein promenierte der König und der ganze Hof durch die kunstvollen Boskette Le Nôtres, selbstverständlich immer in Begleitung von Lully und seinen Musikern. In dem Boskett des Ballsaales und im Boskett des Wassertheater wurden auch häufig Ballette und Opernszenen gespielt. Der König liebte es die Musik Lullys unter freiem Himmel zu hören, besonders wenn sich die pompösen Klänge mit dem Rauschen der Wasserspiele vermischten.
    Um siebzehn Uhr begab sich der König zurück, jetzt hielt er bis neunzehn Uhr Audienz.
    Dann fand drei mal die Woche Appartement statt, an den anderen Tagen zog er sich zu dieser Zeit in die Gemächer der Madame de Maintenon zurück. Kurz darauf folgte im Louvois. Der König liebte es in der Gesellschaft seiner Geliebten seine Arbeit zu verrichten.
    In dieser Zeit konnte der Hof endlich aufatmen und „die Füße hochlegen“. Während der König arbeitete existierte die Etikette nicht. Der Hof vergnügte sich mit allerlei Glückspiel und machte sich über die Reste der königlichen Tafel her. Was dann noch übrig blieb wurde verkauft. Das ist zwar etwas unglaublich, aber Speisen die der König berührt hatte galten beim Volk als Heilig und sogar wundertätig, so glaubte man das der König heilende Hände hatte.
    Um zweiundzwanzig Uhr fand dann das Souper statt, welches ebenso üppig wie das Dîner gehalten wurde.
    Dann spät am Abend um dreiundzwanzig Uhr fand die Zeremonie des Zubettgehens ( Le Coucher ) statt. Die Zeremonie gleicht dem morgendlichen Lever nur in umgekehrter Reihenfolge. Wie beim Lever sind auch beim Coucher keine Frauen zugelassen. Darüber hinaus gab es noch die „Ehrung des Kerzenleuchters“. Eine Person wurde ausgewählt die den Kerzenleuchter den der König hielt überreicht wurde. Meist waren es ausländische Gäste oder Botschafter die diese begehrte Auszeichnung erhielten. Der König ging zu Bett, zu dieser Zeremonie des Coucher komponierte Lully kleine Symphonien und Tänze für die Besetzung Violine Blockflöte und Laute, die Trios pour le coucher du Roi


    Und schon folgte der nächste Skandal – und wieder in Musikerkreisen. Einer der Sous-Maitre der königlichen Kapelle, der Abbé Goupillet war anscheinend mit seiner Aufgabe überfordert und überredete den jungen Henri Desmarest, ein begabter junger Komponist der ebenfalls Musiker an der königlichen Kapelle, war zu einem zwielichtigen Handel. Er hatte damal bei der Ausschreibung ebenfalls mitgemacht, schied aber nach der ersten Runde aus, er war schließlich erst 22 und den älteren Komponisten damals unterlegen gewesen.
    Er solle ihm seine Kompositionen für ein kleines Entgelt überlassen. Desmarest ging auf den Handel ein. Doch als Goupillet sich außer Stande sah die fälligen Beträge zu zahlen, machte Desmarest die Sache 1693 publik. Louis XIV, dem ganz besonders an dem Ansehen seiner Hofmusik lag, kochte vor Wut. Goupillet wurde unehrenhaft entlassen und Desmarest freute sich schon auf das nun freie Amt des Sous-Maitre, doch der König dachte gar nicht daran ihm dieses Amt zu überlassen. Der König gestatte es nicht, das man ihn betrog und einen Betrüger auch noch zu belohnen wäre vollkommen unmöglich, ungeachtet seiner Qualitäten. Das Amt Goupillets sollte an Delalande fallen. Doch das Kapitel Desmarest war noch lange nicht abgeschlossen.
    Desmarest der sich als Musiklehrer einer jungen schönen Adligen ein Zubrot verdiente, verliebte sich schließlich in seine Schülerin. Marie-Magrguerite de Saint-Gobert bat ihren Vater um sein Einverständnis für eine Ehe. Der Vater sowie der König verboten diese unstandesgemäße Verbindung. Desmarest brannte mit der jungen Schönen durch und floh nach Brüssel, dann nach Spanien. Dort ehelichte er sie schließlich. Am Brüssler Hof kam er für kurze Zeit in die Dienste des Kunstsinnigen Max Emanuel von Bayern, der hier sein Exil zubrachte, da er während des spanischen Erbfolgekriegs Bayern verlassen musste (Er stand auf der Seite Frankreichs).
    Ein gewissenloser Musiker entführte eine unmündige Adlige, der Skandal war perfekt. Auf die Entführung eines Adligen stand als Strafe der Tod und Louis XIV zögerte nicht seinen ehemaligen Hofmusiker zum Tode verurteilen zu lassen, erwischen konnte er Desmarest jedoch nie. Er wurde später sogar Hofkomponisten Philip V. von Spanien, der ja ein Enkel des Sonnenkönigs war. Dann aber weil die Agenten ihn aufspürten und Philipp wegen der prekären Lage des Krieges sein Hoforchester auflösen musste, floh er nach Lothringen und wurde dort Hofkapellmeister des dortigen Herzogs.
    Der König hob das Urteil nie auf. Erst der Regent begnadigte ihn nach dem Tod des Sonnenkönigs.
    In der Nähe von Versailles wurde das Kloster St. Cyr gegründet, ein Mädchenpension deren Leitung Madame de Maintenon übernahm. Louis bedauerte es mit Francoise d’Aubigne keine Kinder zu haben, vor allem weil sich die ehemalig Witwe des Dichters Scarron so rührend um seine Kinder die er mit Madame de Montespan hatte kümmerte.
    In St. Cyr wurden junge Mädchen aus verarmten Adel aufgenommen und erzogen, vornehmlich in der Musik. Jean Baptiste Moreau und der alte Guillaume Gabriel Nivers sorgten für adäquate Ausbildung. Später, nach dem Tod des alten Nivers übernahm Louis Nicolas Clérambault die musikalische Leitung. Besonders charakteristisch war der gregorianische Gesang mit Orgelzwischenspielen, welche der König zu pflegen wünschte.
    In Versailles beauftragte er André Danican Philidor, ein Freund Lullys und Stammhalter eines uralten Musikergeschlechts das schon bei seinem Vater Dienst tat, die Musikbibliothek zu ordnen und neu zu organisieren. So ist es der Initiative des Königs und dem Fleiß Philidors zu verdanken, dass die Musikbibliothek in Versailles musikalische Quellen in bestem Zustand beherbergt bis zur Zeit Francois I. Diese alte Musik wurde selbstverständlich auch ab und zu gespielt und der König zeigte außerordentliches Interesse daran diese Werke zu erhalten und zu archivieren.
    Mit der Ernennung seines Enkels Philippe zum neuen spanischen König, steckte der Sonnenkönig ganz Europa in Brand. Obwohl der Kronrat der Spanier den kränkelnden Karl II. unterstützen in seinem Wunsch dem französischen Nachbarn die Befugnis zu geben, akzeptierte das übrige Europa diese Entscheidung nicht. Der spanische Erbfolgekrieg begann. Obwohl dieser Krieg für Frankreich verheerend war ging das musikalische und kulturelle Leben weiter.
    An der königlichen Akademie für Musik wurden zwar nach dem Tode Lullys jetzt auch Opern anderer Komponisten gegeben, jedoch war kaum ein Werk von Bedeutung dabei. Es gab vereinzelt Erfolge wie Desmarets „Didon“ von 1693 oder Charpentiers „Médée“ ebenfalls im Jahre 1693 uraufgeführt. Jedoch ungeachtet des Erfolgs beim Hof und dem Publikum erreichten die Lullisten die Absetzung der Oper.
    Dann im Jahre 1697, also erst 10 Jahre nach dem Tod Lullys trat ein neuer großer Stern am Opernhimmel auf. André Campra stellte unter falschen Namen sein Divertissement bzw. Opera-Ballet „L’Europe Galante“ dem Urteil des Publikums. Wie Lully zeigte er zuerst ein bemerkenswertes Talent für die Komposition von Tänzen und Instrumentalmusik. Die gesungen Airs komponierte einer der Hofkapellmeister , André Cardinal Destouches, und fügte sie (natürlich anonym) dem Werk bei. Es wurde ein grandioser Erfolg. Campra war allerdings Musikmeister der Notre Dame Kirche in Paris. Doch hatte er als Kirchenmusiker das Verbot weltliche Werke zu komponieren, anderenfalls würde er diesen Posten entzogen bekommen. Der Erzbischof tolerierte Campras Opernschaffen nur bis zum Jahr 1700, dann entließ er ihn. Denn in Paris sang man schon einen Gassenhauer der verriet dass der Autor der Neuen Oper kaum seine Anonymität bewahren konnte:
    „Wenn der Erzbischof erfährt,
    Wer die neue Oper komponiert hat,
    Dann muss von seinem Dom
    Der Campra schnell abhauen.“
    Der König übertrug ihm die Stelle des Taktschlägers an der königlichen Akademie der Musik, später erhielt er den Posten des Kapellmeister des Prinzen von Conti und weiter Ehrenstellungen folgten. Campra feierte einen Triumph nach dem anderen, seine Opern wurden bald ebenso häufig gespielt wie die Lullys, er hauchte dem Ballett neues Leben ein und gab dem schon tot geglaubten Genre eine neue Chance. Die Opern „Tancrède“ von 1702,
    „Télémaque“ von 1706 und „Idoménée“ von 1712 waren seine größten Erfolge.


    Gegen 1700 mehren sich die kriegerischen Misserfolge, noch schlimmer der König wertet jede verlorene Schlacht als persönliche Beleidigung und zerfloss in Depressionen. Er beauftragte Marin Marais und Francois Couperin Musik zu komponieren die seine Melancholie unterstreichen sollten. Die sogenannte „Musique pour la Chambre du Roi“ erhielt nun einen völlig neuen Stellenwert am französischen Hof. Zu Zeiten Lullys gab es natürlich auch schon Musik für die königliche Kammer, d.h. Musik für kleinere Besetzungen oder Soloinstrumente. Doch Lully komponierte nur eine einzige Sammlung von kurzen Kammerstücken die schon genannten „Trios pour le coucher du Roi“ .
    Andere Werke für kleinere Besetzungen waren nur Arrangements von Instrumentalstücken aus seinen Balletten und Opern. In den letzten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts war besonders die Gambe in Frankreich beliebt.
    Louis XIV liebte diese Instrument besonders, aber auch die Laute und das Cembalo gehörte zu seinen bevorzugten Instrumente. Aus diesem Grund ist diese Besetzung bei den meisten Werken für die königliche Kammer am häufigsten zu finden.
    Francois Couperin entstammte einer weitverzweigten Musikerfamilie, ähnlich der Familie Bach in Deutschland. Sein Onkel Louis Couperin der zu den ersten großen Cembalomeistern gehörte, neben de Chambonnières, war zu Zeiten Lullys Hofmusiker. De Chambonnières überwarf sich allerdings mit Lully und musste den Hof verlassen. Francois Couperin wurde als Organist und Cembalomeister in die königliche Kammer aufgenommen. Couperin erhielt den Befehl jeden Sonntagmorgen für den König und Madame de Maintenon ein Kammerkonzert zu arrangieren. Seiner Feder entstammten etliche Cembalowerke und diverse Sonaten. Aber auch sakrale Musik und eventuell ein Ballett komponierte er für den Hof. Als Cembalolehrer des Herzogs von Burgund und als „Maitre de Clavecin“ hatte er ein recht gutes Auskommen. Er bewunderte die Musik Lullys, aber auch nie neuen italienischen Sonaten, besonders die von Corelli die jetzt immer häufiger in Paris gespielt wurden. Der König zeigte wenig Interesse an der italienischen Musik, er mochte jedoch sehr die französische Sonaten seines Hofcembalisten. Die Sammlung „Les Concerts Royaux“ und die Weiterführung „Les Goûts reunis“ die ebenfalls Sonaten für die Sonntagskonzerte enthielten gab Couperin zum Druck frei und sie wurde auch bei den gelehrten Pariser Bürgertum ein Erfolg. „Les Nations“ war eine weiter Sammlung die große Verbreitung fand. Johann Sebastian Bach besaß ein Exemplar. Mit den musikalischen Apotheosen der beiden Komponisten Lully und Corelli bezeugte er seine Ehrerbietung für diese beiden Meister. Francois Couperin folgte als einer der Ersten der neuen Ideologie, das die Vermischung des italienischen und des französischen Musikstils die universelle Musikform darstellte. Diese Idee wird die fortlaufenden Musikergenerationen des Barock wie Bach, Telemann, Händel und viele andere maßgeblich beschäftigen. Couperins bescheidener Charakter seine Gutmütigkeit und seine Intellektuelle Musiksprache ließen ihn zu einen der größten Musiker des Barock werden. Die Cembalowerke tragen oft verwirrende und geheimnisvolle Bezeichnungen, er selbst sagte: „diese Wörter beschreiben nur gewisse Ereignisse, Gegenstände oder Personen, welche mich zu diesen Werken inspirierten, sie sind nun ohne Belang...“ . Dennoch kann man sehr wohl in den barocken Rätselwörtern den einen oder anderen Schluss ziehen. Diese Schifrierung war im Barock sehr beliebt und man findet solche musikalische Rätsel überall.
    Seine berühmtesten geistlichen Werke sind die sogenannten „Lecons de Ténèbres“ . Diese sakralen Werke gehen auf die Klagegesänge des Propheten Jeremias zurück. Sie wurde auch von anderen Komponisten vertont wie Charpentier und Delalande. Diese Kompositionen sind ein Unikum der Barockmusik, denn nur um die Jahrhundertwende zum 18. Jahrhundert und nur in Frankreich sind diese ungemein expressiven Gesänge zu finden. Diese Werke waren sehr beliebt, besonders auch wegen der Zeremonie die während der Aufführung gegeben wurde. Für die Karwoche bestimmt, wurden sie am Gründonnerstag und den darauffolgenden Tagen gesungen, aber nur Abends im Schein von wenigen Kerzen welche die einzeln Buchstaben des Namens Gottes symbolisierten. Nach und nach wurden die Kerzen gelöscht bis schließlich die Gemeinde in völliger Dunkelheit der ergreifenden Musik lauschte. ( Es empfiehlt sich diese Zeremonie einfach nachzustellen). Man beschrieb die Wirkung mit einer Art Traurigkeit welche die Seele reinigt.
    Marin Marais die andere große Gestalt der königlichen Kammer war der Sohn eines Schusters. Als Chorknabe hatte er eine solide musikalische Bildung und bald darauf erlernte er das Gambenspiel. Er lernte bei Mr. Maugars, dann bei Mr. de Sainte-Colombe. Der Film „Tous les matins du monde“ ( in Deutschland bekannt als „die siebente Saite“ ) mystifizierte diesen fast unbekannten Mann und seinen jungen Schüler (dennoch sollte man diese wahrhaft filmische Meisterwerk gesehen haben). Über Mr. de Sainte Colombe weiß man kaum etwas. Er wurde von Allen bewundert aufgrund seines genialen Gambenspiels und seiner extravaganten Kompositionen, die sich auch Heute noch jeder Klassifizierung entziehen. Es wird erzählt, dass Mr. De Sainte Colombe oft Konzerte mit seinen Kindern veranstaltete, später ließ er sich in den Zweigen eines Maulbeerbaums ein kleines Holzhaus errichten um darin ungestört üben zu können. Marin Marais wurde von seinem Meister entlassen und das schon nach sechs Monaten, er erkannte wohl, dass sein junger Schüler in überflügelt hatte. Marais war enttäuscht, also schlich er sich des Abends in den Garten unter die Holzhütte seines Meisters und belauschte dessen neueste Verzierungen und Kompositionen, um doch noch im Geheimen zu lernen.
    Marais spielte vor dem König, dieser war begeistert und wies Lully an ihn als Schüler aufzunehmen. Lully überließ ihm sogar eines Tages die Orchesterleitung, als talentiertester Schüler des großen Lully machte er nun Karriere. Nach dem Tod von Lully versuchte sich Marais auch als Opernkomponist. Insgesamt schrieb er aber nur eine „Idylle dramatique“ für die Appartements im Jahre 1686 und 4 Opern : 1693 Alcide in Zusammenarbeit mit Louis Lully, dem ältesten Sohn des großen Lully , 1696 Arianne et Bacchus , 1707 Alcione seine erfolgreichste Oper und 1709 Semele die beim Publikum wie auch beim Hof durchfiel. Er gab nach diesem Misserfolg das schreiben von Opern auf und konzentrierte sich nur noch auf die Kammermusik für eine oder zwei Gamben. Er verfasste etwa 650 solcher Stücke die er nach und nach in 5 Bänden veröffentlichte. Der erste Band von 1686 war seinem Meister Lully gewidmet, jedoch erwies er mit dem „Tombeau pour Mr. De Sainte Colombe“ auch seinem anderen Meister die Ehre. Das „Tombeau“ bezeichnet in etwa einen musikalischen Nachruf.


    Als dann ab 1710 zu den politischen Tragödien auch noch Familiäre hinzukommen – Tod des Grand Dauphins, er fraß sich sprichwörtlich zu Tode. – Tod der Herzogin und des Herzogs von Burgund (wahrscheinlich Gift) und kurz darauf der Tod des Herzogs von Berry nach einem Sturz vom Pferd – man trug alle drei am gleichen Tag zu Grabe, verfiel der König in tiefste Verzweiflung, das Gott ihm seine Liebsten nahm machte ihn fast wahnsinnig vor Trauer. Nur der kleine Louis, sein Ur-Enkel der einzige Sohn des Herzogs und der Herzogin von Burgund überlebte. Louis Auguste Duc du Maine, der älteste Sohn den er mit Madame de Montespan hatte, bestimmte Louis XIV nach seinem Ableben als Regenten solange der kleine Louis noch unmündig war. Davon wusste jedoch nur der Herzog von Maine, denn es war recht heikel einen „Bastard“ als Regent einzusetzen. Doch Louis wollte auf gar keinen Fall das der Sohn seinen Bruder Philippe der neue Regent werden würde.
    Der spanische Erbfolgekrieg endete für Frankreich noch einmal glimpflich. Doch die Melancholie die den König quälte, verschlimmerte sich. Versailles verfiel ihn einen Dornröschenschlaf, es gab schon lange keine Feste mehr.
    In Sceaux, dort wo der Herzog und die Herzogin von Maine residierten ging das höfische Leben weiter, dort wurde gelacht und gefeiert.
    Die Herzogin litt unter ständiger Schlaflosigkeit, die sie in Depressionen verfallen ließ. Um sich abzulenken veranstaltete man kleine Konzert, die jedoch bald zu größeren Festlichkeiten heranwuchsen. Diese sogenannten „Grands nuits de Sceaux“ zogen den ganzen Hof an. Bernier und Mouret waren die musikalischen Stars dieser Festabende. Man brachte vor allem komische Werke auf die Bühne. Die Feste in Sceaux nahmen bald Ausmaße an wie sie normalerweise nur für Versailles typisch gewesen wären. Feuerwerke, Illuminationen der Gartenanlagen und grandiose Bälle machten Sceaux und das junge Paar zum Zentrum des Hofes und des gesellschaftlichen Lebens.
    Ein besonders schönes musikalische Beispiel für die Werke die in Sceaux aufgeführt wurden ist das Divertissement „Les Amours de Ragonde“ von 1714. Hier wird sich nicht nur über die Bevölkerung von Sceaux lustig gemacht sonder vielmehr die berühmtesten Szenen aus Lully Tragödien persifliert.
    In Versailles wartete man nur noch auf das Ende des großen Louis. Vor allem das Volk das den König mittlerweile hasste. Eines Tages entzündete sich sein linker Fuß, der Brand kroch immer höher bis zum Knie, wie sein Oberhofmeister der Musik Lully weigerte er sich den Fuß amputieren zu lassen und sprach damit sein Todesurteil aus.
    Zu Madame de Maintenon sagte er noch eine Nettigkeit wie Saint Simon berichtet: „Ich fühle nur ein Bedauern, Euch verlassen zu müssen, doch aufgrund Eures hohen Alters werden wir schon bald wieder vereint sein.“ Madame de Maintenon antwortete nur :“Sir, an Gott vor allem muss man denken.“
    Auf dem Totenbett besprach Louis sich noch mit einigen seiner Musiker wegen der Trauermusik und den letzten Arbeiten am Schloss – er wollte sichergehen, das sein Lebenswerk vollendet würde. Dann ließ er den Herzog von Orleans, den Sohn seines verstorben Bruders hineinbitten. „Monsieur , ihr werdet in meinem Testament alles zu Eurer Zufriedenheit finden.“ – Eine letzte boshafte Lüge- der Herzog von Orleans sollte aller Machtbefugnisse entbunden werden, er sollte sich nur um das Wohlbefinden des Dauphins kümmern. Doch nach dem Tod des Königs und der Verlesung des Testaments erklärte der Herzog den Schrieb für ungültig und ernannte sich selbst zum Regenten.
    Madame de Maintenon wurde vom König gebeten Versailles zu verlassen. „Das Schauspiel ist wahrhaft traurig, bleibt bitte nicht.“ Sie verbrachte die restlichen Jahre ihres Lebens im Kloster St. Cyr.
    Der kleine 5 Jährige Louis wurde zu seinem Urgroßvater gebracht, mir größter Anstrengung gab er ihm einen letzten Rat: „Imitiert bitte nicht meine Neigung zum Bauen oder die des Krieges, versucht mit Euren Nachbarn in Frieden zu leben. Louis Ihr werdet ein sehr großer König sein.“ Man ließ den kleinen Dauphin noch eine Weile mit dem alten König allein, war dies der Moment indem Louis XIV das düstere Geheimnis das seit dem Jahr 1661 auf seinen Schultern lastete nun an seinen Nachfolger weitergab? Man wird es nie erfahren Louis XVI war der Letzte der die Identität des Mannes kannte, der von der königlichen Familie bis zu seinem Tod mit verhülltem Gesicht in verschieden Festungen, und zuletzt in der Bastille versteckt wurde, doch dieses Geheimnis nahm er mit auf die Guillotine.
    Fakt ist das die Bewohner von Paris, als sie die Bastille erstürmten und später Abrissen die Dokumente fanden und dort auch den Eintrag zu einem unbekannten Häftling lasen „der Mann mit der Eisernen Maske“.


    Am Morgen des 1. September starb Louis XIV in seinem Paradebett in Versailles.
    Als die Ärzte seinen Brustkorb öffneten um das Herz zu entnehmen, da dies in eine Urne gelegt werden sollte wie es Brauch war, stellten sie ein wahrhaft „titanisches Eingeweide“ fest, welches der Sonnenkönig besessen hatte. Da man den Leichnam aber noch einen Tag liegen ließ und auch die Urne im Schlafzimmer stehen ließ, verbreitet sich bald ein unerträglicher Geruch. Als die Urne schließlich noch explodierte verließ der Adel Versailles.
    Als der Sarg des Sonnenkönigs nach Paris überführt wurde, bewarfen die Schaulustigen ihn mit Steinen.


    Der Regent, der wohl kaum ein ehrenvoller Mann war ließ die höfische Sitten vollends verkommen. Die mühevolle Arbeit die Louis XIV und seine Minister fast ein Jahrhundert beschäftigten, nämlich die Heraushaltung des Adels aus der Politik, machte der Regent mit einem Schlag zunichte. So war es unter dem Sonnenkönig möglich gewesen vom einfachsten Müllersohn zu einem der mächtigsten Männer in Frankreich zu werden. Wer die Fähigkeiten und Talente besaß konnte unter Louis XIV Großes erreichen, jetzt waren allein schon etliche Briefe und ein lückenloser Stammbaum bis ins 13. Jh. Notwendig, wenn man eine Audienz beim König haben wollte. Der Regent verbreiterte die Kluft zwischen dem Volk und dem König die letztendlich die Revolution auslöste. Denn zur Zeit des Sonnenkönigs konnte ein Jeder (sofern er anständig gekleidet war, hatte man kein Geld für angemessene Kleidung so konnte man sich gegen ein kleines Entgeld am Eingang des Schlosses die Garderobe leihen) das Schloss und den Park betreten um den König zu sehen. Bei bestimmten Gelegenheiten war es sogar möglich dem König einen Brief zu überreichen um ein Gesuch vorzubringen, oder aber sogar ihn direkt anzusprechen.
    So etwas war unter Louis XV und Louis XVI vollkommen unmöglich. Louis XV ließ das Schloss und den Park von Versailles als „Tabu –Zone“ für das gemeine Volk erheben.
    Die Erziehung des Regenten trug bereits die gefährlichen Früchte.
    Mit dem Tod des Sonnenkönig folgte auch der Niedergang der Musik, Versailles stand lehr, der Regent hielt Hof in Paris und Louis XV verlebte seine Kindheit in Vincennes.
    Die Zeiten hatten sich geändert jetzt war es Dresden auf das ganz Europa blickte. August der Starke war der „neue Sonnenkönig“ die Hofhaltung und die Musik wurden nun von diesem neuen schillernden Hof bestimmt.
    Louis XV besuchte erst viele Jahre später die Residenz seines Großvaters, er verliebte sich sofort in diesen Palast und Versailles wurde wieder zum kulturellen Mittelpunkt Europas, doch die Größe und Bedeutung die Versailles unter dem Sonnenkönig erreicht hatte sollte es nie wieder erhalten.


    C der Lullist :D
    (Matthias Richter)

  • Salut,


    durch einen glücklichen Umstand höre ich soeben neben anderen Werken des Maître seinen Marche du Sacrifice - ich bin nicht sicher gewesen, ob es sich um ein Einzelwerk oder einen Marche aus einer Oper oder gar einem geistl. Werk handelt, daher stelle ich meine Frage hier:


    Ich habe den Marche nun mehrfach gehört und gleich beim ersten Hören ist mir aufgefallen, dass es sich dabei durchaus melodisch, sehr viel mehr aber satztechnisch, rhythmisch und vom Aufbau her um eine "1:1-Kopie" [ich hasse dieses Wort] des Prélude zum "Te Deum" seines Collegen Marc Antoine Zimmermann handelt [oder anders herum].


    Kannst Du dazu etwas erläutern?


    Liebe Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Ulli,


    Thesée war die 3. Oper Lullys (1675).


    Schon ziemlich schnell hat sich eine gewisse Erwartungshaltung gebildet, so, dass sich "Standart - Szenen" entwickelten:


    die Traumszenen
    die Erdbeben / Sturm und Gewitterszenen
    die Trauerszenen
    und die beliebten Kriegs und Kampfszenen (Zeremonien) diese dann mit Pauken und Trompeten.


    der Marche du Sacrifice ist eine Komposition ähnlich wie der Marche de Combattans aus Alceste oder Amadis.
    Diese Kompositionen wurden auch häufig als "Entrée" für den König gespielt.


    Und in der Tat die Anfangstatkte des Marche du Sacrifice sind identisch mit der Prélude des Te Deums.


    allerdings entstand das Te Deum wohl um 1690, Thésée wurde 1675 aufgeführt, also hat wohl Charpentier abgeschrieben.
    Auch das Ritournelle de Scocapour aus den Trios pour le Coucher du Roi findet sich bei Charpentier wieder.


    Charpentier hatte es schwer gegen die Lullisten, da man ihm "Italienismus" vorwarf, vielleicht versuchte er durch solche Zitate die Meinungen umzustimmen...



    (Ach und vielen Dank für das Lob, Theophilius) :D

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  • Salut,


    Danke für die Ausführungen - das war schon einmal sehr informativ und hat einiges beleuchtet. Ich finde übrigens, dass auch der ruhige Mittelteil ziemlich identisch ist.


    Welche Bedeutung hat nun der Marche du Sacrifice in der Tat? Hat er irgendeinen geistlichen Hintergrund resp. an welcher Stelle der Oper wird er üblicher Weise gespielt?


    Danke schonmal...


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Ulli,



    leider gibt es bisher nur sehr wenige musikalische Auszüge aus der Oper Thésée.
    Zwar wurde sie von Christophe Rousset (Talens Lyriques) ebenso wie Cadmus et Hermione schon wieder in neuerer Zeit aufgeführt, aber eine Aufnahme lässt immer noch auf sich warten.


    Deshalb kann ich noch nichteinmal genau feststellen aus welcher Szene dieser Marsch entnommen wurde.


    Mit vollständigem Titel heißt er:


    Marche des Sacrificateurs et des Combattans qui apportement les étendards dèpouilles des enemies vaincus.


    Ansonsten finden sich auch keine Inhaltsangaben der Oper oder das Libretto - ich habe es jedenfalls noch nicht entdeckt...


    Erzählt wird die Geschichte von Theseus,
    der unter sehr komplizierten Umständen zum König von Eleusis wurde.
    Ähnlich wie Perseus und Herkuless mußte er diverse Aufgaben erfüllen:
    er tötete den Stier von Marathon
    eroberte das Labyrinth von Kreta und erledigte den Minotaurus,
    er nam die Königin der Amazonen gefangen, Hippolyte und bekam von ihr einen Sohn
    und erhob sich schließlich zum König von ganz Attika und Athen,


    dann folgte das Drama mit seinem Sohn Hippolytos und seiner Frau Phädra...


    Leider ist auch bei keiner einzigen Aufnahmen eine nähere Beschreibung dabei, außer, dass er im ersten Akt der Oper Verwendung fand.


    Die Oper wurde in Saint Germain uraufgeführt, auf diesem Schloß hatte Lully des öfteren Premiere.

  • Salut,


    es ist eine Schande, dass das Werk noch nicht eingespielt ist; es dürfte nämlich dem Inhalt zu Folge, alles andere als lustig sein...


    Dem vollständigen Titel zufolge müsste der Marche an der Stelle stehen, wo sich Theseus unter die für Minotaurus bestimmten Opfer gemengt und diesen dann [überraschender Weise] getötet hat, sinngemäß:


    Marsch der Opfernden und der Kämpfenden, welche siegreich das Fell des Bezwungenen [Minotauros?] apportieren...


    Das kann ich mir so richtig vorstellen...


    :D


    Theseus' Stiefmutter war ja Medée [Medea, Medeia]. Die Story hängt auch irgendwie damit zusammen.


    Liebe Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ja das ist es, anders kann man es kaum ausdrücken.


    Grundsätzlich sind Gesamtaufnahmen von Lullys Werken Mangelware, das meiste sind Auszüge, Kompilationen oder Bearbeitungen.


    Bis jetzt wurden nur vollständig eingespielt:


    Le Ballet Royal de Flore 1669 :lips:
    Le Bourgeois Gentilhomme 1670 :lips:
    Les Fêtes de l'Amour et de Bacchus 1672
    Alceste, ou le Triomphe de Alcide 1674 (leider ist die Tonqualität nicht so besonders..)
    Atys, 1676 - die legendäre Aufnahme von William Christie :lips: :lips:
    Le Triomphe de l'Amour 1681 :lips:
    Persée 1682 :lips:
    Phaeton 1683 :lips:
    Roland 1685 :lips:
    Armide 1686 :lips:
    Acis et Galatée 1686 :lips:


    Allein das nur ein einziges Ballett bisher eingespielt wurde... :kotz:


    wenn wenigstens die Opern alle vorliegen würden, aber auch da sieht es schlecht aus, es scheint pro Jahr wenigstens eine Oper zu neu zu erscheinen - aber das ist ein bischen wenig.


    die schönsten Opern Lullys (Meinung der Zeitgenossen) warten immer noch:


    Cadmus et Hermione 1673
    Thésée 1675
    Isis 1677 (zwar ein eher ungeliebtes Werk - doch soll sie noch dieses Jahr auf den Markt kommen - La Simphonie du Marais / Reyne)
    Psyche - es gibt zwei Versionen , das Tragèdie Ballet von 1671, in der Zusammenarbeit mit Molière, Quinault und Corneille, dann die Fassung als Tragèdie Lyrique von 1678
    Bellerophon 1679
    Proserpine 1680
    Amadis 1684 - Lullys erfolgreichste Tragèdie :jubel:
    Achille et Polixène 1687 (vollendet von Pascall Collasse)


    Wenigstens sind wohl jetzt alle geistlichen Werke vollständig eingespielt worden, das sit schon mal ein Anfang.


    Lully hat ohne Zweifel die gleiche Bedeutung wie Monteverdi, Bach, Mozart, Beethoven oder Wagner, warum man ihn kaum Beachtung schenkt entzieht sich meinem Verständnis.


    Bei jeder neuen Einspielung überschlägt sich die Kritik vor Lob, nicht nur wegen Interpretation, sondern wegen der Werke an sich, jede neue Oper wird als Meisterwerk bezeichnet (natürlich sind sind sie das, kaum ein Komponist hatte sich für die Opern so viel Zeit nehmen können und alle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen)


    Bisher hat jeder der sich auf die Musik eingelassen hat mir nur positive Rückmeldung gegeben - also woran liegt es ? Allein die Sprache kann es nicht sein.
    Jedenfalls ist es eine wirklich große Tat, was das Ensemble "La Simphonie du Marais" unter Reyne momentan bewerkstelligen. Die Serie Lully, ou le musicien du Soleil ist einfach nur Großartig, doch leider ist die letzte CD vor etwa einem Jahr erschienen - die Serie kam ins Stocken - hoffentlich wird sie weitergeführt.



    Ach noch eine Anmerkung, Lullys Opern sind alles andere als lustig, zumindest was das Ende anbelangt, es sind auschließlich Tragödien, die aber vereinzelt noch über humorvolle Figuren verfügen.


    Die Komik kommt eher in seinen Werken, die er mit Molière verfasste zum tragen.
    Die HOfballette sind wiederrum eher ernst, obwohl hier auch oft kroteske Gestalten auftreten.


    Ich hoffe, dass man irgendeinen Weg finden wird seine Musik poulärer zu machen, vielleicht besondere Stücke vermehrt auf Sampler aufnehmen a la "Adagio - Zauber des Barock" etc.


    Ja auch ich habe den Einstieg über solche CD's gefunden, aber ich war 12 und hatte keine Ahnung :O ...


  • Ich habe zwar noch nie was von Lully gehört (wird sich hoffentlich bald ändern), aber bei mir hat die Sprache definitiv einen hohen Anteil an meiner relativen Kühle gegenüber franz. (Barock)Musik. Das näselnde Genöle mag für erotische oder freche Chansons taugen, bei richtiger Musik geht es mir auf die Nerven, sorry. :stumm:
    Ich muß mich wirklich überwinden, Glucks franz. Opern zu hören, weil ich die Sprache nicht mag. Rameaus orchestrale Suite aus den "Indes galantes" gefällt mir sehr, dann habe ich mir kleinere Vokalwerke gekauft (Pygmalion?), fand ich nicht so toll; auch das frankophon ausgesprochene Latein bei Charpentier o.ä. klingt meinen Ohren fürchterlich. Italienisch will ich gar nicht erwähnen, aber ich finde auch deutsch und englisch viel besser für klassischen Gesang geeignet.
    Zur Musik selbst kann ich entsprechend auch nicht viel sagen; ich glaube aber, dass zum einen der "italiänische Gusto" schon im 17. und 18. Jhd. in Europa dominierend war, der Einfluß der Italiener z.B. auf die deutschen Komponisten war ja viel deutlicher als der der Franzosen und dass vielleicht aufgrund einer italienischen Tradition, die sich bis weit ins 19. Jhds hineinzieht uns heute noch dieser Opernstil tendenziell näher steht.
    Denn die Sprachabneigung (ich habe nichts gegen die Sprache selbst, nur wenn klassisch gesungen wird), dürfte wohl eine persönliche Marotte sein.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Salut,


    soweit mir bekannt, konnte Lully kein Deutsch...


    8o


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ach mir geht es da ähnlich mit der deutschen Sprache - für die Oper in meinen Ohren absolut ungeeignet - aber das rein subjektiv.


    Das mit dem Einfluß möchte ich nicht völlig dementieren, doch war war er wesentlich stärker als man Heute glaubt.
    Seltsamerweise sind nähmlich die deutschen und italienischen "Lullisten" auch alle ausgeklammert, bzw. mit Geringschätzung bestraft worden:


    Agostino Steffani, studierte bei Lully und hatte das Hofkapellmeisteramt in Hannover und München, Lehrer von Händel


    Johann Caspar Ferdinand Fischer


    Sigismund Kusser (Cousser)


    Bendedikt Anton Aufschnaiter


    Georg Philipp Telemann


    Johann Friedrich Fasch


    Pietro Torri


    Melchior d'Ardespin


    Johann Joseph Fux


    Philipp Heinrich Erlebach


    um nur mal einige zu nennen.


    Ganz vergessen wird das sowohl Bach als auch Händel einige ihrer berühmtesten Werke an der Orchestermusik Lullys, Campras und Couperins anlehnten:


    Musick for the Royal Fireworks (Händel)
    Wassermusik (Händel)
    Ballettmusik zu Alccina (Händel)


    die 4 Orchestersuiten (Bach)
    die frz. Suiten (Bach)



    Wo welcher Stil bevorzugt wurde kann man sehr schön sehen, links vom rein wurde der frz. Stil bevorzug, rechts dagegen der italienische.
    In England wurde unter den Stuarts die frz. Musik gepflegt, nach der glorreichen Revolution kam dann auch die italienische Musik verstärkt nach.
    Dann 1711 mit der Aufführung des "Rinaldo" in London von Händel, setzte der Boom für ital. Opern ein.


    Im 18. Jahrhundert, tritt die frz. Musik in der Tat iin den Schatten. Da dominiert ganz klar die italienische Musik.


    Im 17. Jahrhundert hingegen ist es dem Bestreben Lully und Louis XIV zu verdanken, dass eine eigen frz. Musiktradition enstand die es mit der italienischen Musik dieser Zeit ohne weiteres aufnhemen konnte.

  • Zitat

    Original von Ulli
    Salut,


    soweit mir bekannt, konnte Lully kein Deutsch...


    Aber italienisch! Er stammte doch aus Italien!
    Wenn das der Lullist schon erklärt hat, bitte ich um Verzeihung, aber wie kam es zu dem französischen "Sonderweg"? Ganz Europa macht italienische Oper etc., nur die Franzosen machen ihr eigenes Ding?


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Salut,


    ob Lully der italienischen Sprache mächtig war, weiß ich nun wirklich nicht. Genausowenig weiß ich, ob "Lully" ein echter französischer Name ist und JBL daher genetisch französischer Abstammung ist, was ja prinzipiell unabhängig davon zu sehen ist, dass er in Florenz la lumiére du monde erblickte.


    Wer jedenfalls im 17. und auch noch bis zur Mitte des 18. JHs in Paris tätig war, der sollte es sich mal erlaubt haben, seine Werke nicht in französischer Sprache zu komponieren. Da gab's so ein Zauberding mit G.... :D


    Davon abgesehen ist die benutzte Sprache so uneingeschränkt mit dem jeweiligen Werk verbunden, wie jede Note selbst. Die Elegance und der Charme oder die Bosheit, welche diese Sprache - m. E. besser, als andere - auszudrücken vermag passt einfach zu dieser Musik; sie sind unzertrennbar miteinander verbunden.


    Das Italiänische und damit die italienische Oper hat sich ja in Paris nie wirklich durchgesetzt, es gab einige mislungene Versuche - das Publikum hat meines Wissens boykottiert. Warum wohl hat z.B. Gluck seine Opern ins Französische Übersetzen lassen oder sie meinenthalben gleich in Französisch komponert? Auch Mozart ein einige Lieder auf französisch geschrieben und seine Werke während seines Parisaufenthaltes französisch betitelt. Nur eine Mode? Mitnichten... Das französische Volk ist bis auf den heutigen Tag ziemlich nationalbewusst.


    Ja, der "Sonderweg" war einfach die französische Opéra.


    Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Lully sprach sowohl italienisch als auch französisch. Er wurde ja als Dolmetscher an den Hof der Madame de Guise geholt in jungen Jahren.


    Die italienische Oper war in Frankreich verhasst, da der Kardinal Mazarin ein begeisterter Anhänger derselben war. Und Mazarin war wohl noch verhasster als die italienischen Künstler.
    Er selbst auch Italieniener (Guilio Mazarini)


    Der Adel wollte die Regierung diese Ausländers nicht hinnehmen und so lehnte man alles ab was aus Italien kam.
    Auch Lully wurde zuerst abgelehnt, denn eigentlich ist auch er Italiener (Giovanni Battista Lulli) er änderte seinen Namen mit der Anerkennung der frz. Staatsbürgerschaft.


    Louis XIV wünschte sich eine regelrechte Kulturevolution, er wollte nicht den italienischen Barock nachahmen, so ist der frz. Stil in allen Bereichen der Kunst einen eigenen Weg gegangen.
    In der Architektut nahm man den Klassizismus vorweg, die Malerei unterscheidet sich grundlegend von der niederländischen und italienischen, die Musik, die Kleidung alles sollte sich von Italien unterscheiden.


    Für Details - den obrigen Text lesen "Louis XIV ein Leben voller Musik" ;)

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  • ENDLICH




    Am 24. Oktober erscheint in Frankreich die neueste Aufnahme einer Lully Oper.


    Ab dem 24. Oktober ist sie auch bei Amazon fr. lieferbar.


    Isis erscheint im Rahmen der Serie "Lully, ou le musicien du Soleil" als Vol. 7 (Accord) 3 CD's


    La Simphonie du Marais unter Hugo Reyne.


    Die Oper wurde den ganzen Sommer hindurch in Versailles und anderswo gespielt.


    Die Hauptrolle sing Francoise Masset (Isis)


    auch die übrige Sängerriege ist vielversprechend:


    Guillemette Laurens (Juno)
    Howard Crook (Mercure / Berger)
    Bernard Deletré (Jupiter)
    Isabelle Desroches (Iris / Hébée)
    u.a.



    Die Oper selbst war der einzige Mißerfolg Lullys. Zwar ist sie außerordentlich prächtig instrumentiert, doch empfand der Hof die Partitur als zu schwierig und anspruchsvoll.
    Sie hat den Beinamen "Opera des musiciens" da nur die Musiker von dem Werk schwärmten.

  • Eine weitere neue CD ist erschienen, die aber in Deutschland (natürlich) noch nicht erhältlich ist:




    LULLY - Musiques pour les Mousquetaires


    La Simphonie du Marais - Reyne
    Calliope


    Neben Lully's Musik (warscheinlich Militärmärsche etc.) daneben sind weiter Komponisten enthalten: Philidor, Cambert, Desrosiers und Babelon.


    Zusätzlich wird, wie bei dieser CD Serie üblich aus dem entsprechenden literarischen Werken gelesen, in diesem Fall "les 3 Mousquetaires" von Dumas.



    Ob es sich gänzlich um Neueinspielungen handelt konnte ich nicht mit Gewissheit feststellen, nehme es aber stark an.

  • natürlich mit einmonatiger Verspätung - jetzt endlich erschienen:



    LULLY - ISIS ( 1677)
    La Simphonie du Marais


    innerhalb weniger Wochen sollte die Aufnahme auch bei Amazon über Zweitanbieter in Deutschland zu beziehen sein.
    Für mich ein absolut tolles Weihnachtsgeschenk :D

  • Eventuell winkt eine weitere Einspielung:


    Im März wird u.a. in Montpellier Lullys "PROSERPINE" (1680) aufgeführt.
    Niemand geringerer als Hervé Niquet und "Le Concert Spirituel" werden spielen.


    Aber sicher ist nichts, denn die hervorragenden Aufführungen der Vergangenheit wurden ja auch nicht dem Publikum als Konserve angeboten ;(


    gemeint sind "Psyché" und "L'Amour médécin" (Les Arts Florissants / Christie)
    "Cadmus et Hermione" und "Thésée" (Les Talens Lyriques / Rousset)

  • Salut,


    ein [frz.] Klavierschüler frug heute an, ob ich wohl eine disque compact mit Werken von Lully [und auch die Zauberflöte] hätte, er benötige dies für die Schule. Ich konnte ihm [natürlich!] dienen und klärte ihn auch gleich auf, dass Lully gebürtiger Italiäner und kein Franzose war...


    :baeh01:

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)


  • ...und liegt schon bei mir im Player...


    :baeh01:


    ...naja, noch 5 Tage für Dich... das hältst Du wohl durch?

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Salut,


    schon gesehen?



    Le Bourgeois Gentilhomme
    Comédie-ballet de Molière et Lully


    Le Poème Harmonique
    Dumestre, Vincent


    Alpha Productions


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Stimmt, wir haben uns den vergangenen Sonntag damit verschönt (und mit einer Elsässischen Quetschfleischtorte, lecker!!). Ich mußte danach zwar alles aus meinem Auto rausholen, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf vorm nächsten Arbeitstag zu haben, aber es hat sich gelohnt! Diese DVD ist einfach großartig. Mehr davon!



    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

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