Im Radio gehört ...

  • Hallo, miteinander!


    Live aus Berlin (auf B4) das Sommertournee-Abschlusskonzert des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter Leitung seines Chefdirigenten Mariss Jansons. Viel Beifall - und zu Recht!


    Im ersten Teil eine erfreulich transparente und schlanke Wiedergabe von Debussys "La mer". Der Verzicht auf hypertrophe Steigerungen und Klangbäder tat gut. Anschließend Mussorgskys "Lieder und Tänze des Todes" in der Orchestration Schostakowitschs, der durch die Erfahrung mit diesem Werk laut eigener Aussage wenige Jahre vor seinem Ableben zur Auseinandersetzung mit dem Tod sich erstmals bereit fühlte. Ein russischer Bass, der die Lieder mit viel sprachbedingter Atmosphäre erfüllte. Auch hier ein bemerkenswerter Verzicht auf vordergründiges Pathos, auch auf allzu viel grelle Tonmalerei.


    Nach der Pause dann Schostakowitsch selbst, seine fünfte Sinfonie. Bekanntlich ist der lettische Dirigent hier noch Zeitzeuge; seine Schostakowitsch-Einspielungen gehören zu den Referenzen - von denen es gewiss mittlerweile etliche gibt. Auch hier fiel mir wiederum die betont schlanke und differenzierte Deutung auf. Besonders in den Schlusspassagen wurde das Ironisch-Doppelbödige etwa durch die markanten Schlagzeugpassagen am Ende herausgestellt. Keinen Augenblick wollte sich der Eindruck einer vordergründigen Apotheose einstellen.


    Als Zugabe spielte das Orchester die früher Haydn zugeschriebene Serenade für Streichquartett in C-Dur, ein denkbarer Kontrast, den manche im Publikum zunächst mit leisem Gelächter quittierten. Vielleicht wollte der Dirigent dennoch eine kleine Parallele auftun - wer weiß? ... Doppelbödig erscheint ja auch die Serenade dahingehend, dass Papa Haydn wohl gar nicht ihr Urheber sein dürfte --- irgendwie schade!


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Am 21.10.2006 dirigierte Bernard Haitink in der Orchestra Hall in Chicago das dortige Symphony Orchestra. Mit dabei waren auch der Kinder- und Frauenchor des Chicago Symphony Chorus und die Mezzosopranistin Michelle De Young. Auf dem Programm stand Gustav Mahlers mit 100 Minuten Spielzeit längste Symphonie, die Symphonie Nr. 3 d-Moll. Bayern 4 Klassik sendete am 7.9.2007 eine Aufzeichnung dieses Konzertereignisses. Haitink entfaltet die Klangwelt Mahlers breit, eingebettet in die großartige, bestechend klare, transparente Kultur des amerikanischen Orchesters, zwischen Dinosauriern, Felsklüften, bunt schillernder belebter Natur, Studentenwalz und Militärmärschen, dann inmitten der Blumen, der Tiere (zwischendurch in irisierend schöner Naturidylle), menschlicher Mitternacht (die Solistin singt sehr empfunden), Engelsgesängen und der großen Liebe. Ein breiter Kosmos, von Haitink im großen Bogen eindrucksvoll und ausdrucksintensiv eingefangen.


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Gustav Mahler Symphonie Nr. 7 e-moll führte Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks von München im Frühjahr 2007 nicht nur nach Wien, sondern auch nach Luzern. Am 30.3.2007 gastierte man beim Lucerne Osterfestival im Kultur- und Kongresszentrum, und Bayern 4 Klassik sendete am 9.9.2007 die Aufzeichnung davon. Jansons nimmt den Hörer sofort mit in die Düsternis, den Trotz, die Euphorie und die irrlichternd impressionistischen Phantasien des ersten Satzes. Viele außermusikalische Assoziationen, Bilder, Phantasien tun sich dem Hörer dabei auf. Im zweiten Satz, der ersten Nachtmusik, sind die skurrilen Gestalten, die man seit dem Trauermarsch der 1. Symphonie kennt, wieder da. Im dritten Satz streifen diese Gestalten durch eine spukhafte Schattenwelt, im vierten, der zweiten Nachtmusik, kommen sie einigermaßen zur Ruhe, machen Siesta und träumen vor sich hin. Die Euphorie feiert „fröhliche Urständ´“ im ausgiebig ausgekosteten Finale. Eine emotionale, unter die Haut gehende Radioaufzeichnung!


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Zitat

    Original von Alexander_Kinsky
    Am 21.10.2006 dirigierte Bernard Haitink in der Orchestra Hall in Chicago das dortige Symphony Orchestra. Mit dabei waren auch der Kinder- und Frauenchor des Chicago Symphony Chorus und die Mezzosopranistin Michelle De Young. Auf dem Programm stand Gustav Mahlers mit 100 Minuten Spielzeit längste Symphonie, die Symphonie Nr. 3 d-Moll. Bayern 4 Klassik sendete am 7.9.2007 eine Aufzeichnung dieses Konzertereignisses. Haitink entfaltet die Klangwelt Mahlers breit, eingebettet in die großartige, bestechend klare, transparente Kultur des amerikanischen Orchesters, zwischen Dinosauriern, Felsklüften, bunt schillernder belebter Natur, Studentenwalz und Militärmärschen, dann inmitten der Blumen, der Tiere (zwischendurch in irisierend schöner Naturidylle), menschlicher Mitternacht (die Solistin singt sehr empfunden), Engelsgesängen und der großen Liebe. Ein breiter Kosmos, von Haitink im großen Bogen eindrucksvoll und ausdrucksintensiv eingefangen.


    Herzlicher Gruß
    Alexander



    Das CSO veröffentlicht jetzt auch auf einem eigenen Label (wie bereits seit einiger Zeit das LSO) - und just der von Dir beschriebene Mitschnitt ist auch als CD erschienen:





    Mahlers Dritte gehört zu den Werken, die ich besonders häufig auf CD und LP besitze (ich liebe diese Symphonie über alles!). Ich habe aber trotzdem erstmal vom Kauf Abstand genommen, weil a) Haitink nicht gerade mein Mahler-Lieblingsdirigent genannt werden kann, b) der Preis zu hoch ist und ich c) im aktuellen FonoForum gerade eine mufflige Kritik gelesen habe, allerdings von Attila Csampai, mit dem ich eher selten übereinstimme. Jetzt schwanke ich doch wieder ein wenig... :wacky:



    Viele Grüße


    Bernd

  • Ich antworte gern so-nett


    An das Zwielicht


    Mit Vorsicht nimm die Schwärmerei.
    Sie ist doch höchstens subjektiv.
    Ich war halt voll und ganz dabei,
    und Mahler rührt mich intensiv.


    Wer analytisch sich gebiert,
    die Emotion kühl unterdrückt,
    von mir zumeist gemieden wird,
    wogegen Herzblut mich entzückt.


    Mag sein, das Werk ist stark genug,
    dass es mich auf die Reise nimmt,
    weil die Substanz so groß erscheint.


    Mag sein, dies ist nur Selbstbetrug.
    Den Gipfel jedoch gern erklimmt,
    wer Mahler-wärts zu Haus sich meint.


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Zitat

    Original von Alexander_Kinsky
    Nachklang zum 31.8.2007: Am 25.8. in der Berliner Philharmonie (nach der Uraufführung „Seht die Sonne“ von Magnus Lindberg), am 27.8. in Salzburg, nun live in DRS 2 aus dem KKL Luzern: Sir Simon Rattle (der übrigens mit diesem Werk 1993 bei den Wiener Philharmonikern debütiert hat) und die Berliner Philharmoniker gastieren mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 9 D-Dur beim Lucerne Festival. (Von 25. bis 27.10. werden sie mit Lindberg und Mahlers Neunter wieder zu Hause in der Philharmonie sein.) Ich habe eineinhalb Stunden tourneegerechte Weltklasse gehört. Ein erlesen klangschön aufspielendes Orchester, ganz drin in Mahlers musikalischem Kosmos. Vielleicht schon zu souverän, manchmal von Rattle überdeutlich auf Effekt und Wirkung hin inszeniert, aber alles in allem bis zum ersterbenden Ende wieder einmal eine Mahler Neunte, die total unter die Haut ging.


    Herzlicher Gruß
    Alexander


    Hallo Alexander, ich habe zufällig in die Wiedergabe aus Luzern hineingehört, und zwar im 2. Satz ('etwas täppisch') - und habe nach einer kurzen Weile abgeschaltet, ohne daß ich wußte, wer da zu Werke ging. Später habe ich dann, wieder zufällig, mitbekommen, daß es Sir Simon war. Meine gedankliche Assoziation beim Ländler war: da nimmt aber einer Mahler beim Wort und macht auf spaßig. Etwa in der Art, wie Fischer-Dieskau den Liedgesang 'revolutioniert' hat... :untertauch:


    Ich weiß, daß das unqualifiziert ist und FiDi nicht gerecht wird - aber für mich hört sich bei den beiden vieles sehr maniriert an. Habe zum Vergleich dann die Aufnahmen von einem anderen Sir (John Barbirolli aus 1964, ebenfalls mit den Berlinern) und Michael Gielen gehört - das überzeugt mich deutlich mehr.


    :hello:

  • Zitat

    Original von helmutandres
    Ich weiß, daß das unqualifiziert ist
    :hello:


    Was heißt "unqualifiziert"? Es finde es bereichernd und es macht mich höchstens neugierig auf die genannten Aufnahmen von Barbirolli und Gielen. Ich sehe jeden Beitrag von mir als "unqualifiziert" im Sinne einer Subjektivität anderer Schreiber an. Höre Musik, die mich mitnimmt oder nicht und schreibe dann, wie es mir gefallen hat. Das ist sicher "im Vergleich zu..." "völlig falsch", aber so ist eben mein Musikgeschmack zum jeweiligen Zeitpunkt des Hörens...


    Herzlicher Gruß
    Alexander



    ALLERLEI BILDER


    Vor etwa 140.000 Besuchern (so die Ansage) fand am 24.5.2007 das bereits vierte „Konzert für Europa“ der Wiener Philharmoniker im Schlosspark Schönbrunn statt. Dirigent war diesmal Valery Gergiev. Ö 1 brachte am 23.9.2007 eine Aufzeichnung dieses Konzerts. Peter Iljitsch Tschaikowskys Suite aus dem Ballett "Der Nussknacker" (Marsch, Tanz der Zuckerfee, Arabischer Tanz, Chinesischer Tanz, Tanz der Rohrflöten und Russischer Tanz) und die Suite aus dem Ballett "Schwanensee" (Szene / 2.Akt, Pas de deux / 2.Akt und das Finale) wurden „kulinarisch“ aufbereitet. Bildhaft konnte man sich Szenen zu dem klangschönen, angenehmen Spiel des Orchesters ausmalen, auch wunderbar beseelt an der Grenze zum Kitsch – und mit aller gebotenen Größe. Von Igor Strawinsky gab es „Le Sacrifice“ (Das Opfer), den 2. Teil aus "Le Sacre du Printemps". Gergiev wusste hier die „urtümliche“ Innenspannung plastisch herzustellen, so dass sich vor dem geistigen Auge des Hörers wieder allerlei Bilder auftun konnten. Vorwiegend kürzere Schmankerl als Zugaben: Panorama aus dem Ballett "Dornröschen" von Tschaikowsky, von Aram Chatschaturjan zuerst der Walzer aus der Schauspielmusik zu dem Drama "Maskerade" von Michail Lermontow, dann der unvermeidliche „Säbeltanz“ aus dem Ballett "Gayaneh", und zum Finale Johann Strauß: der Walzer op. 354 „Wiener Blut“ und die Polka schnell op. 324 „Unter Donner und Blitz“ „fragten“ einmal mehr danach, ob Gergiev demnächst auch mal ein Neujahrskonzert kriegt.

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Bayern 4 Klassik brachte am 25.9.2007 eine Aufnahme vom 20.9.2006 aus der Avery Fisher Hall des Lincoln Centers von New York. Lorin Maazel dirigierte das New York Philharmonic Orchestra. Carl Maria von Webers "Oberon" Ouvertüre stelle ich mir noch viel geheimnisvoller vor, nicht nur effektvoll und auf Perfektion gedrillt. Auch Wolfgang Amadeus Mozarts Motette "Exsultate jubilate" KV 165 kommt anfangs viel mehr „absolviert“ und von Maazel „durchgepeitscht“ als empfunden musiziert daher. Das Vibrato der Sopransolistin Heidi Grant Murphy ist für mich zunächst gewöhnungsbedürftig (Vorgriff: Bei Mahler dann noch mehr…). Im Rezitativteil und im anschließenden wunderbaren ruhigeren Teil erreicht sie dann doch zu Herzen gehende Ausdrucksintensität. Beim abschließenden Alleluja bemüht sie sich um kindlich-heiteren Ausdruck. Indem Maazel Gustav Mahlers Symphonie Nr. 4 G-Dur von Anfang an oberlehrerhaft zu buchstabieren beginnt, bremst er deren musikalischen Fluss leider ab. Emotion erscheint als Kalkül. Der Spuk bleibt äußerlich inszeniert, allenfalls ein neckisches Spiel wie im „Rosenkavalier“. Die Musik ist ihres Geheimnisses weitgehend beraubt. Was bleibt, ist plastische, effektvolle, „perfekt inszenierte“ Theater- oder Filmmusik. Ist Mahlers Vierte aber nicht viel mehr als das?


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Aus dem Konzertsaal


    Capuçon Quartet; Valentin Erben, Violoncello.
    Franz Schubert: Streichquintett C-Dur, D 956


    (Aufgenommen am 27. August im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg im Rahmen der "Schubertiade Schwarzenberg 2007").



    Wow! Dass man als Zuhörer am Ende außer Atem ist, kommt auch nicht jeden Tag vor. Eine leidenschaftliche und energiegeladene Interpretation, dabei nicht hart gespielt. Die Wiedergabe macht auf weitere Interpretationen dieser Formation neugierig.


    Gewohnt gute ORF-Übertragungsqualität.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Gaetano Donizetti
    "Don Pasquale"


    Mit Simone Alaimo (Don Pasquale), Patrizia Ciofi (Norina), Norman Shankle (Ernesto), Marzio Giossi (Dr. Malatesta) und Romaric Braun (Ein Notar).


    Chor des Grand Theatre Genf
    Orchestre de la Suisse Romande
    Dirigent: Evelino Pido


    (Aufgenommen am 30. Mai im Grand Theatre Genf)



    Sehr solide Aufführung, vielleicht sogar zu solide. Anfangs braucht es etwas, bis Schwung in die Geschichte kommt, wie man es von Pido erwartet. Sängerisch gibt es keine besonderen Lichtblicke, vor allem von Patrizia Ciofi hätte ich mir mehr sängerischen Glanz erwartet.


    Dazu enttäuschender Konservenklang des Schweizer Rundfunks. Ich habe VHS-Cassetten mit Mitschnitten aus der WSO, die wesentlich natürlicher klingen.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zufällig im Radio gehört:


    Komponist/Komponistin: Charles_Valentin Alkan/1813-1888
    Titel: Sonate für Violoncello und Klavier in E-Dur op.47
    * Adagio - 3.Satz (9.52)
    Solist/Solistin: Emmanuelle Bertrand/Violoncello
    Solist/Solistin: Pascal Amoyel/Klavier
    Label: Harmonia mundi HMC901758
    Länge: 09:52 min



    Wunderschöne Musik! :angel:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 3, d-Moll


    Lucerne Festival Orchestra
    Dirigent: Claudio Abbado
    Damen des Arnold Schoenberg Chores; Tölzer Knabenchor; Anna Larsson, Mezzosopran.


    (Aufgenommen am 18. August im Kultur- und Kongresszentrum Luzern im Rahmen des "Lucerne Festivals 2007")


    An sich eine sehr schöne Wiedergabe, aber seltsam neutral, sie schaffte es eigentlich nicht, mich wirklich zu berühren.



    Franz Schubert
    Sonate G-Dur, D 894


    Lars Vogt, Klavier


    Auch hier eine eigentlich sehr gute Wiedergabe, die letztlich nicht ganz mein Fall war. In Summe doch etwas zu streng gespielt. Bemerkenswert die phantastische Aufnahmequalität, der Flügel klang über FM-Radio besser als auf der durchschnittlichen Klavier-CD!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Nachdem eine der letzten Neuanschaffungen auch Nielsens` "Maskerade" (DVD Einspielung einer Produktion aus Bregenz unter Ulf Schirmer) war, interessiert mich nun seine 4. Symphonie. Weil da lt. Empfehlung so richtig "Krach" sein soll :D . Die kommt nächste Woche im Radio, live aus dem Konzerthaus Dortmund unter dem designierten neuen GMD der Dortmunder Philharmoniker Jac van Steen. Übertragen wird das Konzert kommenden Mittwoch in WDR3:


    24.10.2007


    WDR 3 Städtekonzerte
    Dortmunder Philharmoniker


    Aufnahme aus dem Konzerthaus Dortmund


    Ludwig van Beethoven
    Violinkonzert D-dur, op. 61


    Einojuhani Rautavaara
    Pelimannit, op. 1, Suite für Streichorchester


    Carl Nielsen
    Sinfonie Nr. 4, op. 29 "Das Unauslöschliche"


    Isabelle Faust, Violine; Dortmunder Philharmoniker, Leitung Jac van Steen


    Jac van Steen, designierter Generalmusikdirektor der Dortmunder Philharmoniker, hat für das erste gemeinsame Konzert Carl Nielsens 4. Sinfonie ausgewählt. "Das Unauslöschliche" nannte Nielsen das Werk, das nach seinen Worten "elementaren Lebenswillen" ausstrahlt. Van Steen versteht diesen Gedanken als einen kulturellen Aufbruch. Bei einem solch energiegeladenen Saisonbeginn darf Beethoven, der Idealist und Humanist unter den Komponisten schlechthin, nicht fehlen. Isabelle Faust spielt sein Violinkonzert. Die Brücke zwischen den beiden Hauptwerken des Abends schlägt die folkloristische Pelimannit-Suite des Finnen Einojuhani Rautavaara, eines der ersten gültigen Werke des Komponisten.


    http://www.wdr.de/radio/wdr3/s…=389640&objektart=Sendung

  • Im Frühjahr 2007 dirigierte Mariss Jansons Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 D-Dur "Der Titan" nicht nur in München, sondern auch am 10., 11. und 12.5.2007 in der Berliner Philharmonie (lohengrins hat im Thread über besuchte Konzerte dazu auch etwas geschrieben). Sie folgte der bunt im Jahrmarktstreiben schillernden „Petruschka“ Suite von Igor Strawinsky. Bayern 4 Klassik brachte am 30.11.2007 eine Aufzeichnung vom 12.5.2007.
    Wolfgang Fuhrmann schrieb im Berliner Kurier von "einer Aufführung von Mahlers Erster, die zum Begeisterndsten gehört, was von den Berliner Philharmonikern in den letzten Jahren zu hören war".
    Mein Radio-Höreindruck: Jansons ist „ganz drin“ in der Musik. Man lebt sie mit, im Sonnenaufgang genauso wie im Bauerntanz, im skurrilen Trauermarsch und am breiten Weg zum siegreichen Finale. In Berlin so intensiv wie in München!


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • 5.12.2007 / 19:45 Ö1


    Peter I. Tschaikovskij
    Symphonie Nr.6 h-moll op.74 "Pathetique"


    Wiener Philharmoniker
    Christoph von Dohnanyi



    Mitschnitt einer sehr schönen Aufführung im Musikverein (1994). Keinerlei Extreme, wunderschönes Spiel der Philharmoniker und sehr gut ausbalanciertes Dirigat von Dohnanyi.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • 9.12.2007 / 11:03 Ö1


    JOHANNES BRAHMS/1833-1897
    Ein Deutsches Requiem op.45 - nach Worten der Heiligen Schrift für Soli, Chor und Orchester


    * 1. Selig sind, die da Leid tragen
    * 2. Denn alles Fleisch, es ist wie Gras
    * 3. Herr, lehre doch mich
    * 4. Wie lieblich sind Deine Wohnungen
    * 5. Ihr habt nun Traurigkeit
    * 6. Denn wir haben hie keine bleibende Statt
    * 7. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben


    Solist/Solistin: Genia Kühmeier/Sopran
    Solist/Solistin: Thomas Hampson/Bariton
    Chor: Arnold Schoenberg Chor, CE: Erwin Ortner
    Orchester: Wiener Philharmoniker
    Leitung: Nikolaus Harnoncourt


    Live aus dem Wiener Musikverein



    Hat mir gut gefallen!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Am 14.12.2007 sendete Ö 1 eine Live-Übertragung aus dem Großen Konzerthaussaal in Wien. Das Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung seines Chefdirigenten Bertrand de Billy spielte Gustav Mahlers Symphonie Nr. 6 a-Moll, die „Tragische“.


    Mir gefallen am besten die „total gelebten“ Interpretationen. Das ist wieder so eine. Großartig intensiv, ganz am Anschlag – unbarmherzig und direkt zieht der Marsch vorbei, und im Überschwang der Gefühle macht Mahler seiner Alma mehrmals das große Liebesgeständnis. In der Durchführung heben wir ab in ein irrlichterndes Grenzgebiet des Seins. Die Coda des ersten Satzes intensiviert das Geschehen noch einmal heftig. Der langsame Satz steht an diesem Abend an zweiter Stelle. Ganz tief tauchen sie in den Seelentraum ein. Dabei erblüht so manche scheinbar verborgene Blüte. Im dritten Satz besticht der Wechsel zwischen dramatisch treibenden und tänzerisch zurückgenommenen Passagen. Mögliche Effekte werden bei de Billy voll ausgekostet, in jeder Äußerlichkeit steckt aber auch bittere Ironie. Das ist ein spukhafter Reigen, wie aus dem Wiener Prater. Und ein Rabbi wägt nahe dem Ringelspiel ab, wie er entscheiden soll. Und dann „total rein“ in das Kaleidoskop des halbstündigen Finalsatzes, diesmal mit drei Hammerschlägen. De Billy baut Spannungen ungemein intensiv auf. Das ist eine der großen Stärken dieses Konzerts. Die Musik wirkt „theatralisch“ im besten Sinn. Eine packende, hochdramatische Mahler „Sechste“, von ungeheurer Wucht, bis zum endgültigen Niederschlag am Ende.


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Aus dem Wiener Konzerthaus:


    REYNALDO HAHN/1875-1947
    Titel: A Chloris
    Titel: L'incredule (Der Ungläubige)
    Titel: Trois jours de vendange (Drei Tage Weinlese)
    Titel: Quand je fus pris au pavillon (Als ich gefangen wurde, im Pavillon)


    AARON COPLAND/1900-1990
    Titel: Aus den "Old American Songs", Band II
    * Zion's Walls (Die Mauern von Zion)
    * The Little Horses (Die kleinen Pferde)
    * Ching-a-Ring Chaw
    * At the River (Am Fluss)


    MANUEL ROSENTHAL1904-2003
    SAMUEL BARBER/1910-1981
    ANONYMUS
    FRANCIS POULENC/1899-1963
    Titel: M. Rosenthal: Aus den "Chansons du Monsieur Bleu":
    * Nr.3 Fido, Fido
    * Nr.10 Le vieux chameau du zoo" (Das alte Kamel im Zoo)
    Titel: S. Barber: Sure on the shining night, op.13/3 (Sicher in dieser leuchtenden Nacht)
    Titel: Anonymus: Black is the color (Schwarz ist die Farbe)
    Titel: F. Poulenc:
    * Violon, S 101/5, aus den "Fiancailles pour rire"
    * Les chemins de l'amour, S 106 (Die Wege der Liebe)


    HENRI COLLET/1885-1951
    FERNANDO OBRADORS/1897-1945
    JOAQUIN TURINA/1882-1949)
    MANUEL DE FALLA/1876-1946
    Titel: H. Collet: A vida dos arrieros (Das Leben der Maultiertreiber), aus "Les Amantes de Galicia")
    Titel: F. Obradors: Coplas de curro dulce (Verse eines reizenden Filous), aus den "Canciones clasicas espanolas")
    Titel: J. Turina: Tu pupila es azul, op.81/2 (Dein Augenstern ist blau), aus "Tres poemas"
    Titel: M. de Falla: Aus den "Siete canciones populares espanolas":
    * Nr.1 El pano moruno (Das maurische Tuch)
    * Nr.5 Nana (Schlaflied)


    JOSEPH CANTELOUBE/1879-1957
    ERIK SATIE/1866-1925
    Titel: J. Canteloube: Aus den "Chants d'Auvergne":
    * Pastouro, se tu m'aymo, Band V/Nr.5 (Schäfer, wenn du mich liebst)
    * La delaissado, Band II/Nr.4 (Die Verlassene)
    * N'ai pas ieu de mio, Band II/Nr.5 (Ich habe keine Liebste), aus den "Deux Bourres"
    Titel: E. Satie; Aus den "Trois melodies":
    * Nr.1 La statue de bronze (Die Bronze- statue)
    * Nr.2 Daphaneo


    NICOLAS BACRI/geb.1961
    ISABELLE ABOULKER/geb.1938
    Titel: N. Bacri: This is love, op.96/3, aus den "Three Love Songs"
    Titel: I. Aboulker: Je t'aime, aus "Les Mots et le Notes. Melodies et Melodrames"


    AARON COPLAND/1900-1990
    Titel: Heart, we will forget him - Nr.5 aus "Twelve poems of Emily Dickinson" - Zugabe 1


    MANUEL DE FALLA/1876-1946
    Titel: Asturiana, Nr.3 aus "Siete Canciones populares espanolas" - Zugabe 2


    Patricia Petibon / Sopran
    Susan Manoff / Klavier


    (Aufgenommen am 18. Dezember im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses)



    Ein großartiger Liederabend! Ich hatte schon lange nicht mehr das Gefühl, dass Hören alleine nur einen sehr unvollständigen Eindruck vermittelte. Das Publikum hat sich hörbar bestens unterhalten!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg


    Mit Falk Struckmann (Hans Sachs), Ain Anger (Veit Pogner), Adrian Eröd (Sixtus Beckmesser), Peter Seiffert (Walther von Stolzing), Norbert Ernst (David), Ricarda Merbeth (Eva) u. a.;


    Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
    Dirigent: Christian Thielemann
    (Übertragung aus der Wiener Staatsoper)


    Und wieder hatte die WSO Probleme mit einer Premiere! Nach einer angeblich tollen Generalprobe musste Johan Botha noch am gleichen Tag für die Premiere absagen. Das gab Gelegenheit, sich um einen "Ersatz" umzusehen, und Peter Seiffert hat zumindest vokal nicht den geringsten Anlass zur Klage gegeben. Ich habe nur in die zweite Hälfte hineinhören können, aber es war eine musikalisch recht gelungene Aufführung, die auch bei den Aktschlüssen heftig akklamiert wurde.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • Und einen Tag vor der Wiederaufnahme (eine echte PR war's eigentlich nicht) sagte auch noch Michael Schade ab, der eigentlich den David singen sollte. Irgendwie ist heuer wirklich der Wurm drin.....
    lg Severina :hello:

  • "Weißt du eigentlich, dass jetzt im Radio die 2. Mahler gespielt wird?"


    Meine Gattin hatte den Kopf zur Türe hereingesteckt und mein Studium der Sonntagzeitung kurz unterbrochen. Nein, ich wusste es nicht, aber da die Anlage ohnehin lief, brauchte ich nur mit einem Griff den Tuner einschalten und mit einem zweiten das Programm wechseln - Diaghilew auf 3sat muss Pause machen.


    Tatsächlich sind die Musiker bereits inmitten der Anfangssequenz des Trauermarsches. Sofort lässt mich der luftige Klang der Kontrabassgruppe aufhorchen. Dieser erste Satz entwickelt eine etwas ungewohnte Klangfarbe. Das ist keine bedeutungsschwere Trauer um einen Titanen sondern mehr die melancholische Trauer um einen guten Freund, der einem vorausgegangen ist. Sehr bald fällt auch ein sensationell gutes Orchester auf, dass eine wunderbar süße Melancholie spielen kann. Der eher leichte und durchsichtige Charakter der Interpretation durchzieht das ganze Werk, es wird sehr schön gesungen und auch das Finale bricht nicht mit Pauken und Trompeten über den Hörer herein, sondern wird eine wunderbare Erlösung. Eine herrliche Aufführung!


    Bis zum Schluss widerstand ich ganz fasziniert der Versuchung, im Internet die Besetzung nachzuschlagen: es handelte ich um eine Aufzeichnung aus dem Musikverein, es spielte das Cleveland Symphony Orchestra unter Franz Welser-Möst und es sangen Malin Hartelius und Bernarda Fink !


    :jubel: :jubel: :jubel:



    Cleveland Orchestra, Dirigent: Franz Welser-Möst;
    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien;
    Malin Hartelius, Sopran; Bernarda Fink, Alt.
    Gustav Mahler: Symphonie Nr. 2, c-Moll, "Auferstehungs-Symphonie"
    (Aufgenommen am 2. November 2007 im Großen Musikvereinssaal in Wien)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich habe mir die "Meistersinger"-Wiederaufnahme aus der WSO angehört und hatte einen sehr gemischten Eindruck. Seiffert war ein guter Stolzing, hatte sogar seinen Text gelernt (leichtere Patzer auf der Festwiese) und man merkte nur an den mit Druck gestemmten, etwas leiernden Spitzentönen, warum er die Partie mittlerweile abgelegt hat. Struckmann lieferte ebenfalls eine mehr als nur solide zu nennende Leistung ab; seine recht knorrig-rauhe, darin an Paul Schöffler erinnernde Stimme klingt zwar nicht sehr angenehm, dafür aber charakteristisch im Ohr. Er bemühte sich nicht nur um bassige Stentortöne, sondern auch erfolgreich um die leiseren Stellen wie etwa im Wahnmonoliog. Leider zeigte er dann am Ende Ermüdungderscheinungen, die Ansprachen auf der Festwiese waren hörbar erkämpft, am Schluss brachen ihm dann zwei Töne einfach weg. Sehr positiv empfand ich den Beckmesser des Adrian Eröd: ein leichter Kavalierbariton mit Bombenhöhe (Schusterstube!), der seine Rolle erfolgreich zwischen Komik und Ernsthaftigkeit ausbalancierte. Norbert Ernst wiederholte seinen Erfolg, den er mit dem David bereits diesen Sommer in Bayreuth hatte. Dagegen empfand ich Ricarda Merbeth (Eva) als veritable Fehlbesetzung. Sie klang für meinen Geschmack zu alt, zu wenig mädchenhaft, hatte dazu noch ein sehr weites Vibrato (oder gar Tremolo?). Ain Anger als Pogner entledigte sich seiner Rolle mit langweiliger Routine und grauem Allerweltsbass. Auch die Magdalene kann bestenfalls als unauffällig eingestuft werden.


    Der orchestrale Teil war für mich dagegen eine ziemlich verkorkste Angelegenheit. Thielemann legte die "Meistersinger" zäh und breiig an, mit maniriert gedehnten Tempi, welche die Sänger geradezu zu Schmissen provozierten und die Koordination von Bühne und Orchestergraben sehr erschwerten. Struckmann war mit Thielemann im Dauerclinch, aber auch Ernst und Eröd wurden Opfer der teilweise willkürlich agogisierten Tempi. Das Orchester hatte zudem nicht gerade seinen besten Tag, insbesondere die Bläser kieksten reihenweise. Nichts von feinem Kammerspiel, das klang eher breitbeinig dröhnend.


    Fazit: Wenn diese Wiederaufnahme tatsächlich auf DVD gebannt werden sollte, dann kommt auf das Produktionsteam eine Menge an Schneidearbeit und Nachaufnahmen zu.

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo Giselher!


    Bin weitgehend deiner Meinung, nur Ain Anger beurteile ich wesentlich positiver. Als einen "grauen Allerweltsbass" würde ich ihn nicht bezeichnen, im Gegenteil, von unseren jungen Nachwuchssängern erwarte ich mir von ihm in Zukunft eigentlich am meisten. Adrian Eröd (auch er einer aus Holenders Talenteschmiede) erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen bereits jetzt in höchstem Grade: Egal, in welcher Rolle, er vermag stimmlich und auch darstellerisch immer zu begeistern und hat nicht erst einmal alle anderen an die Wand gespielt und gesungen.
    Die Bläser dürften wohl eine veritable Krise haben, denn auch beim "Werther" kiekste es ein paarmal gewaltig. Da dachte ich mir allerdings "Repertoirevorstellung, die Philis machen wieder einmal Dienst nach Vorschrift!" aber bei einer Wiederaufnahme unter Thielemann ist es sicher nicht an Lustlosigkeit gelegen.
    lg Severina :hello:

  • Hallo Severina,


    vielleicht habe ich bei der Bezeichnung Angers ein wenig übertrieben. Ich fand das Timbre nur nicht sehr bemerkenswert und mit den Spitzentönen hatte er auch so seine Mühe. Wenn er noch jung ist, wie Du sagst, kann er an der Rollengestaltung ja noch feilen.


    Aufgefallen ist mir noch der sehr laut vorsagende Souffleur. Hört man das im Zuschauerraum auch oder liegt das nur an der Position der Radiomikrophone?


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)


  • Hallo Giselher,
    ja, das ist leider eine Wiener Spezialität... :( In keinem Opernhaus hört man den Souffleur so laut wie bei uns (Oft sogar bis auf die Galerie!), und ich bin noch nicht hinter das Geheimnis gekommen, WARUM das so ist. An einer speziellen Akustik kann's nicht liegen, denn an der Volksoper wird teilweise noch lauter gebrüllt.
    Da hatte ich vor zwei Jahren bei der "Martha" ein köstliches Erlebnis, als Plumkett Anton Scharinger eben zu seiner Arie "Hier sitz ich ganz allein..." anheben wollte und aus dem Souffleurkasten eben diese Textzeile förmlich herausdröhnte. Worauf Scharinger eine elegante Verbeugung Richtung Kasten machte und das Publikum wissen ließ "Heut sitz ich nicht allein...." Natürlich großes Gelächter, aber stell' dir vor, dass passiert in einer ernsten Oper.


    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    ...
    Der orchestrale Teil war für mich dagegen eine ziemlich verkorkste Angelegenheit. Thielemann legte die "Meistersinger" zäh und breiig an, mit maniriert gedehnten Tempi, welche die Sänger geradezu zu Schmissen provozierten und die Koordination von Bühne und Orchestergraben sehr erschwerten. Struckmann war mit Thielemann im Dauerclinch, aber auch Ernst und Eröd wurden Opfer der teilweise willkürlich agogisierten Tempi. Das Orchester hatte zudem nicht gerade seinen besten Tag, insbesondere die Bläser kieksten reihenweise. Nichts von feinem Kammerspiel, das klang eher breitbeinig dröhnend.


    Na ja, was erwartest du dir von einer Thielemann-Aufführung eigentlich? ;)


    Gestern gab es übrigens in der ORF-Kulturvorschau eine Empfehlung für die Meistersinger-Aufführungen. Man sah zudem Ausschnitte aus den Proben. Der begeisterte Thielemann erzählte von den Problemen einer Meistersinger-Aufführung und sprach von seinem "flüssigen und durchsichtigen" Dirigat (bzw. von dessen Notwendigkeit). ;)


    Außerdem gab es in kurzen Probenausschnitten Michael Schade als Luxus-David, Adrian Eröd als bemerkenswerten Beckmesser und Johan Botha als Stolzing zu sehen. Letzterer ist in dieser Rolle zwar nicht sehens- aber umso mehr hörenswert! Wenn alle gesund und munter sind, wäre eine Aufzeichnung sicherlich erstrebenswert (und Knusperhexe käme um die für ihn eigentlich unvermeidliche Anreise herum; es ist eine der alten, stimmungsvollen Inszenierungen in nachempfundenem Ambiente).


    Was ich von der Vorstellung gehört habe, war orchestral eher positiv. Kieksende Bläser sind nicht das Orchester, und über vier Stunden lang Thielemanns Tempovorstellungen zu realisieren will erst einmal zustande gebracht werden! Schade, dass Struckmann gegen Ende Konditionsprobleme bekam. In der Schlussansprache war die Stimme eigentlich noch gut vorhanden, aber er schaffte die Höhe nicht mehr. In der heutigen Rezension meiner Grazer Tageszeitung wird auch Frau Merbeth als relative Schwachstelle angeführt...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Also das Dirigat Thielemanns mag ja manches gewesen sein, aber "flüssig" und "durchsichtig" sicher nicht. Im Gegensatz zu Bayreuth, wo man Ts. Dirigat diese Attribute zumindest teilweise attestieren konnte (lag´s vielleicht auch nur am Schalldeckel?), wurde die Partitur in Wien von ihm regelrecht ausgewalzt und pathetisch-bedeutungsschwanger aufgeladen. Zu dieser m.E. lähmenden Langsamkeit kam dann auch die fatale Neigung zu überlangen Generalpausen, am schlimmsten im "Wach auf!"-Chor (ca. 6 Sekunden). Auch wenn man die beiden Einspringer Seiffert und Ernst berücksichtigt, wackelte nicht nur dort einiges, sondern auch bei den auf den Proben anwesenden Struckmann und Eröd. Auch die Koordination mit der Bühnenmusik auf der Festwiese hat nicht wirklich geklappt, rhythmisch ging viel daneben. Und sehr sängerfreundlich war die Lautstärke Ts. ebenfalls nicht.


    Zu der Inszenierung kann und will ich micht nicht äußern. Allerdings bleibt die Frage, ob die Welt wirklich zwei Meistersinger-DVDs mit sich wohl ähnelnder Nicht-Regie Marke Schenk in sehr ähnlichen Postkartenkulissen benötigt (obwohl mich die Frage umtreibt, ob Sachs in Wien immer noch seine Spassetteln mit dem Nachttopf treibt, wie Edwin sie geschildert hat :D ).


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    Also das Dirigat Thielemanns mag ja manches gewesen sein, aber "flüssig" und "durchsichtig" sicher nicht.


    Was wiederum beweist, dass ein Interpret sich selbst anders hören mag als der Zuhörer. Oder es aber einfach anders meint (siehe Zitat).


    Jedoch scheint er in der Lautstärke wirklich nicht übertrieben zu haben. Das mag in der Rundfunkabmischung anders geklungen haben, obwohl ich bei den von mir gehörten Teilen auch keine Klage in dieser Richtung hatte. Ernst Naredi-Rainer schreibt in der Kleinen Zeitung:


    ...Er (Thielemann) widmet sich mit Liebe dem Detail und wahrt doch stets den Fluss, er arbeitet die polyphone Kontrapunktik mit meisterhafter Deutlichkeit im schlanken, aber nie anämischen Klangbild heraus und steuert souverän die heikle Prügelfuge. Seine Kunst, lyrische Momente aufblühen zu lassen und Steigerungen aufzubauen, ohne ins Dröhnen zu verfallen, rechtfertigen den Plan, diese Aufführungsserie auf DVD aufzuzeichnen. ...

    Ich kenne ENR schon mehr als 15 Jahre als Rezensenten und wenn er von einem schlanken Klangbild schreibt, wird Thielemann die Sänger nicht zugedeckt haben. Tatsächlich hat sich jener aber offenbar ziemlich Zeit gelassen. 5:45h Aufführungsdauer, die zweite Pause ca. 30 Minuten. Selbst wenn die erste Pause länger gedauert haben sollte, sind das rekordverdächtige Zahlen (kein Wunder, dass da die Sänger ziemlich auf Zahnfleisch gegangen sind!).


    Die Frage, ob die Welt eine zweite DVD nach einer Schenk-Inszenierung benötigt, wird sich erst nach ihrem Erscheinen beantworten lassen. Die bessere wird sich durchsetzen. Aber wenn Botha in Form ist, kann er allein schon die Aufzeichnung rechtfertigen. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass die Wiener noch mehr vom ursprünglichen Gehalt der Inszenierung ins Heute herüberretten können als die New Yorker, wo von der alten Schenk-Inszenierung ja nur mehr das Bühnenbild übrig geblieben war. Außerdem besteht zwischen den beiden Inszenierungen immerhin ca. 15 Jahre Zeitunterschied...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Die ständigen Tempowechsel im Vorspiel sowie lange Generalpausen oder übertrieben ausgehaltene Fermaten (falls ich mich jetzt richtig ausdrücke) gehen mir - wie so häufig bei Thielemann - ziemlich auf die Nerven. Will sich Thielemann damit interessant machen? Ich habe oft das Gefühl, dass es für das Orchester hörbar unerwartet kommt. Die Koordination der Instrumentengruppen ist oft mangelhaft. Auch finde ich, dass Thielemann oft zu laut aufspielen lässt und die Sänger zudeckt. Ich verstehe den Rummel um ihn gar nicht so recht. Dennoch fand ich die Aufführung interessant und fabelhaft einstudiert. Allerdings erlebt man das in Wien bei Meistersinger ohnehin in den meisten Aufführungen, wenn eine Neueinstudierung angesetzt ist.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Ö 1 brachte am 28.2.2008 eine Aufzeichnung vom 1.2.2008 aus dem Mozarteum in Salzburg, aufgenommen im Rahmen der "Mozartwoche Salzburg 2008". Das Hagen Quartett umrahmte Werke von Widmann und Weber mit zwei der großen Streichquartette von Mozart.


    Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquartett D-Dur KV 499, es trägt den Populartitel Hoffmeister Quartett, eröffnete das Konzert. Das Hagen Quintett musiziert filigran, feingliedrig, bis in kleinste Details nuanciert – eine „kalkulierte“ und gleichwohl faszinierend „musikalische“ Interpretation. Das wird etwa in der Durchführung ganz deutlich, in der sich das Geschehen dramatisch intensiviert. Das Menuett atmet tänzerische Leichtigkeit bei anhaltender höchster filigraner Konzentration. Wunderbar intensiv nimmt uns das Quartett in den nun folgenden Adagiosatz mit. Das ist innige Liebe in Musik! Im Finale kosten es die vier aus, wenn sie con brio loslegen können, unheimlich perfekt aufeinander abgestimmt.


    Jörg Widmanns 2. Streichquartett, das 2003 komponierte "Choralquartett", (im Internet findet sich eine Einführung des Komponisten dazu bei einer Konzertankündigung, 16.7.2005, Herrenhaus Edenkoben, Leipziger Streichquartett) ist ein 18 Minuten langer langsamer Satz. Widmann versucht, die Eindringlichkeit von Haydns "Sieben letzten Worten" weiter zu führen, in seiner eigenen Klangsprache. Diese Musik ist ungemein spannend anzuhören. Da bieten sich schon auch Horrorfilm-Assoziationen an, so wie die „Schockelemente“ eingesetzt werden. Man kann sich nirgendwo festhalten. Die Musik springt von einer Überraschung in die nächste. Dabei gelingen Widmann irisierend intensive Klangbilder. Es versteht sich, dass das Hagen Quartett die Hochspannung die ganzen 18 Minuten Spieldauer zu wahren versteht – man kommt sich vor wie mitten im Fegefeuer.


    Anton Weberns 12 Minuten lange Fünf Sätze op. 5 für Streichquartett, 1909 komponierte verknappte Tondichtungen, sorgten 1922 für einen Skandal bei den Salzburger Festspielen. Davon ist ein Kammermusikpublikum des beginnen 21. Jahrhunderts weit entfernt. Am 9.1.2008 hatte das Belcea Quartett im Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums dieses Werk übrigens ebenfalls, sogar direkt nach Mozarts KV 499, aufgeführt. Und jetzt das Hagen Quartett? Unglaublich intensiv führt es uns durch diese 12 Minuten – man hält den Atem an. Fast schon beängstigend geballte Geschlossenheit prägt das Spiel. Von Skandal natürlich keine Spur mehr..


    Mozarts Streichquartett D-Dur KV 575, das "1. Preußische Quartett", wirkt nach diesen 30 Minuten (Widmann und Webern) wirklich in bestem Sinn erholsam, als wäre man mit Haut und Haar durchs Fegefeuer gegangen und hätte nun keine Anstrengungen mehr, dürfe sich der schönst möglichen, weiterhin großartig erbaulichen Musik erfreuen. Die Konzentration bleibt bis in winzigste Verästelungen angespannt, aber die Musik selbst verströmt eine beseelte Freundlichkeit (und im Finale ganz besondere kompositorische Finesse), die einmal mehr den Hörer über das Genie Mozart nur stauen lässt.


    Im Ö 1 Programm auf der Homepage des Senders angekündigt, aber nicht gesendet wurde eine offenbar vom Hagen Quartett gegebene Zugabe, ein Ausschnitt aus Antonin Dvoraks Zypressen WoO Burghauser Verz.152, die Nr.1 (Moderato - Ich weiß, daß meiner Lieb' zu dir).


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander