2012 - Mozarts Klaviersonaten und ihre Interpreten auf modernem Flügel

  • Vielleicht kann ich hier in die Bresche springen, lieber Yorick, da ich die Aufnahmen seit mehreren Jahren in meinem Bestand habe und immer wieder gerne zu ihnen griefen, zumal ich in den letzten Jahren Frau Uchida auch mehrfach live im Konzert erleben konnte, u. a. mit Mozart und Schubert und mir ein guites Bild machen konnte von ihrer hohen Künstlerschaft, speziell von ihrem spannungsvollen Musizieren, geprägt von einem luziden Klang, einem fantastischen Anschlag une iner Fähigkeit, speziell bei Mozart, den Klavierton schweben zu lassen (auch in den Klavierkonzerten). Das hat gar nichts, aber auch wirklich gar nichts mit Langeweile zu tun. Nebenbei gesagt, muss man die "Rezensionen" bei Amazon manchmal wirklich mit Vorsicht genießen, wie jüngst die Ansicht eines "Rezensenten" über die Fähigkeiten Fritz Wunderlichs als Liedsänger.


    Liebe Grüße


    Willi :)


    Danke,


    ich hätte es nicht so gut beschreinem können - aber ich kann das nur unterschreiben.


    Schönen 4.Advent wünscht


    Kalli

  • Hallo,


    das Thema des 1. Satzes zu Mozarts KV 331 dürfte eine der bekannteren/sten Mozart-Melodien? sein – Ja, Melodie! - gibt es einen Komponisten (von Schubert abgesehen), der eine ähnliche Vielzahl von eingängigen, einprägsamen Melodien (das ist eine besondere Kunst, Melodien die sich nicht einprägen, gibt es wie Sand am Meer) gefunden, erfunden, komponiert hat (sind sie ihm „zugeflogen“?)? Ich nehme Bezug auf die CD-Box gem. Beitrag Nr. 28.


    Für KV 331 habe ich mir die Mühe gemacht, den Notensatz auszudrucken und besonders wichtige Vortragsvorschriften (und deren Wirkung auf die Interpretation) zu vermerken.


    1. Satz, Tema Andante grazioso con variazioni - das Thema ist eine solche Melodie, die sich zum (gerne gehörten) Ohrwurm entwickeln kann.


    Wodurch hat Mozart den schwingenden, tänzerisch leicht dahinschwebenden Charakter des Themensatzes und den Charakter des gesamten 1. Satzes erreicht (vom 6/8-Takt abgesehen)?
    Es ist mir (nur mir?) nicht möglich, einzelne Notenzeilen hier einzustellen (ist es überhaupt erlaubt?). ***Wen es nun tatsächlich interessiert, möge sich bitte über „IMSLP“ den Complet Score mit 17 Seiten ausdrucken.

    Vorstellung des Themas - In den Takten 1-8 ist rechts das Thema, links Unterstimme Thema in der oktavierten Terz, links Oberstimme im Rhythmus einzeln angeschlagener Orgelpunkt auf cis‘ – wird wiederholt. In den Takten 9-18 das Thema eine Terz über Takt 1 und folgend variiert, ebenso links – wird auch wiederholt.
    Die verschiedenen Vortragszeichen sind: Staccatopunkte, Bindebögen, Betonungszeichen, cresc. und decresc., fz und p, die in der rechten und linken Hand und in den einzelnen Takten sehr differenziert angegeben sind. (Beispiel: 1. Takt rechts, Staccatopunkte auf den 3 letzten Noten, Bindebogen über die 2 ersten und beiden letzten Noten, Betonung auf der 4. Note; links Unterstimme, Bindebögen, Betonung, Staccatopunkte wie rechts, links Oberstimme ohne Vortragszeichen; nur kleines cres. und decres. auf 3. und 4. Note ist rechts und links identisch.) Auch noch auf die sehr unterschiedlich auszuführenden Verzierungen einzugehen, würde den Rahmen sprengen, sie sind aber für den Musik- und Klangcharakter ebenso wichtig.

    Ich habe mir die ersten 8 Takte des Themas, werden wiederholt, und die zweiten 10 Takte des Themas, werden auch wiederholt, gewiss insgesamt mind. 10x genau angehört und dabei festgestellt, dass die Pianistin Mitsuho Uchida diese Vorgaben einhält.
    Für mich ist das der Beweis, dass die Interpretation auch kleiner, eingängiger, unscheinbarer Melodien und deren Satz ein genaues Eingehen des Interpreten auf die Kompositionen Mozarts erfordert, um den von ihm erwünschten Gehöreindruck der Musik zu erreichen – allgemein: „Je einfacher, leichter sich ein Werk (insbesondere bei Mozart – aber nur bei ihm?) anhört, umso anspruchsvoller/diffiziler ist eine der Komposition entspr. Interpretation.“

    Diese sehr kurzen allgemeinen Vorbemerkungen gelten natürlich insgesamt für KV 331.


    Die Vorstellung des Themas (8-er und 10-er Taktgruppe) ergibt für mich ein verspieltes, ruhiges Andante (Andantino?).


    1. Variation – dem Formschema der Themavorstellung folgen alle 5 Variationen, nur die 6. wird erweitert.
    Das Thema der 8-er Taktgruppe erklingt rechts in 4 Takten in Sechzehntel- mit Durchgangsnoten und mit 2 Sechzehntelpausen je Takt, links zwei 2-stimmige Achtelnotenakkorde je Takt, die in den rechten Sechzehntelpausen erklingen und in den letzten 4 Takten hat links eine Art Ostinato; die 10er Taktgruppe ist mit kleinen Abweichungen ähnlich.
    Wegen der rechts durchgehenden 1/16- mit Durchgangsnoten und den Pausen links kommt hier sehr viel Leben hinein (Allegretto?).
    2. Variation – die „Melodie“ wird innerhalb der Takte zwischen rechts und links verteilt, wobei in den Takten 1-3 auf je der 1. Sechzehntel ein 1/8 Vorschlag mit Triller erfolgt und ab dem 5. Takt links je Takt auf jeder 2. und 4. bzw. jeder 2. 3. 5. 6. Achtel der 1/8-„Vorschlag“ zusammen/gleichzeitig mit dem Achtel erfolgt, was einen sehr reizvollen (und ungewohnten) Klangeffekt gibt und der ganzen Variation (die 10-er Taktgruppe ist variiert aufgebaut) etwas Schelmisches aufdrückt.
    3. Variation – die unvermeidliche Moll-Variation – Tempo 1/8 = 112, wodurch nicht zwingend ein trauriger Eindruck entsteht und die Melodie zwischen rechts und links wechselt (aber nicht taktweise verteilt wie in Var. 2).
    4. Variation – zurück nach Dur und Achtel=120; die kaum merkbar abgewandelte „Melodie“ erklingt (8-er Taktgruppe) in den Takten 1, 2, 5, 6 rechts in Ober- und Unterstimme in einem 4-stimmig in Terzen geführten Satz, links gibt Akkordstütze in Oktavabstand, in den Takten 3,4,7,8 wird dies variiert. Die 10-er Taktgruppe wird mit 1/16- und Durchgangsnoten rechts und links in den Takten 1-4 erweitert; die Takte 5-10 sind eine verkürzte Wiederholung der 8-er Taktgruppe dieser Variation.
    Der 4-stimmige Satz gibt mir durch die erweiterte Harmonik einen sehr freundlich-harmonischen Gehöreindruck.
    5. und 6. Variation – sind mit einer Vielzahl von Vortragsanweisungen – auch schriftlich als Fußnoten - „gespickt“, sodass ich mich außerstande sehe, in der fürs Forum notwendigen Kürze wie vor zu beschreiben. ***um dann anhand der Noten Mozarts Stilmittel nachvollziehen zu können (und mit Einspielungen zu vergleichen).
    Variation 5, Achtel=60, ein sehr ruhig und ausgeglichener Höreindruck; das Thema wird augmentiert und variiert, zugleich sind die Läufe links meist zweiunddreißigstel Noten; da fällt dann sehr auf, wenn zweiunddreißigstel Läufe rechts ohne Begleitung links oder nur mit sporadischer Akkordstütze erklingen.
    Variation 6, nicht mehr in 6/8- sondern in 4/4-Takt, Achtel=116 – das Gegenteil von Variation 5, die Variation 6 rauscht wie ein Wirbelwind vorbei; es werden z. T. Bruchstücke aus den Variationen 1-5 wiederholt. Nach den Wiederholungen der 8-er und 10-er Taktgruppe erklingt, entgegen dem bisherigen Formschema, noch eine neue Variation der 8-er Taktgruppe, die auf 2 mehrstimmigen Viertelnoten-Akkorden in f endet.



    2. Satz Menuetto, ¾ Takt, Viertel=116 – Formschema AA/BB/CC=Trio/ DD
    Das Menuett ist m. E. nicht tanzbetont (hat eher einen ruhig gehenden Charakter) und hat auffällig viele Mollstellen; es klingt auch ziemlich unspektakulär aus (wie sich leise verabschiedend).



    3. Satz Alla Turca, Rondo, 2/4 Takt, Viertel=126 – für mich ein schwacher Satz, er passt auch nicht so recht zu den Sätzen 1 und 2. Die Türkenkriege waren lange vorbei und es kommt mir so vor, als wäre es eine Modeerscheinung gewesen, sich dessen (in einem falschen Licht) zu erinnern.


    KV 331 höre ich gerne, manches Mal auch noch konzentriert auf die Feinheiten achtend, aber nach dem 2. Satz schalte ich meist ab.


    Ich habe nun die YouTube-Links mit den Einspielungen von Barenboim und Brendel nicht aufgeführt – wer ist der Bessere? Für mich ist Mitsuho Uchida die Nr. 1.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo,


    auch hier nehme ich wieder Bezug auf die in Beitrag Nr. 28 vorgestellte CD-Box; auf der CD 4 interpretiert Mitsuho Uchida die Nr. 12,
    F-Dur, KV 332. Habe ich mich im letzten Beitrag mit den Vortragszeichen in KV 331 befasst, tue ich das nun im Hinblick auf die Interpretin, d. h. wie sehr sie sich daran hält; auch dazu musste ich nat. den Notensatz (Bärenreiter) ausdrucken.


    Ich habe mir die Einspielung genau angehört und mit den Noten verglichen – keine, auch nicht die geringste Abweichung, aber es kommt hinzu:
    Die Tempi, alle Verzierungen werden genau ausgeführt, das p ist ein p und das f ein f, aber das wird minimal und m. E. sehr stimmig innerhalb der (auch kleineren) Musikpassagen angepasst, was auch für sehr geringe Tempoänderungen gilt - und wie die Pianisten Unterschiede zwischen fp, sfp, sf herausholt! Fast überflüssig zu erwähnen, wie wichtig die exakte Beachtung der häufigen Staccati ist (verschieden rechts und links im gleichen Takt).
    Ein Kurzvergleich auf YouTube hat mich in meiner Aufnahme bestätigt.


    https://www.youtube.com/watch?v=_JMZaVLAAoM Ein Beispiel das ich nicht gut finde (davon gibt es mehrere bei YouTube).
    https://www.youtube.com/watch?v=cFOKaZpYvCI So könnte Mozart (nur vom Klang her) sein Werk gehört haben.



    Da ich nun schon mal die Noten ausdrucken musste, poste ich zum 1. Satz, Allegro, einige Bemerkungen zur Struktur:


    Bis Takt 7 wird das einprägsame Grundthema vorgestellt und bis 0:39 /29/ dessen Erweiterungen und charakteristische Passagen, welche die Sonate ebenfalls prägen; von 1:16 – 1:22 /60-65/ eines dieser Charakteristika. Ab 2:00 /94/ wird nun 0:00 bis 1:59 /1-93/ komplett wiederholt was bei 3:56 endet. Die Verarbeitung wir fortgesetzt und von 4:22 bis 4:27 /113-117/ wird 1:16 bis 1:22 /60-65/ wiederholt, dabei um 1 Takt verkürzt und rhythmisch verändert; 4:27 bis 4:33 /118-122 wird 4:22 – 4:27 (113-117/ wiederholt. Bei 4:48 /133/ beginnt die Wiederholung von 0:00 bis 0:39 /1-29/, was bei 5:27 /161/ endet. Von 6:07 bis 6:14 /197 – 202/ wird 1:16 bis 1:22 /60-65/ erneut wiederholt. Das Ende des Allegro auf einem F-Dur-Dreiklang wird schon 5 Takte zuvor mit wirkungsvollen Trillern vorbereitet.
    (Die Moll-Passagen stören den insgesamt heiteren Charakter nicht, sie heben ihn sogar hervor.)


    Adagio – das Thema ist an das des 1. Satzes angelehnt. Hier dreht sich m. E. der Gehöreindruck im Vergleich zum 1. Satz um - die Dur-Passagen verstärken den sehr nachdenklichen Moll-Charakter.


    Allegro assai - „Hilfe, die Zeit rennt davon“ – könnte bei dieser Rasanz gedacht werden, dabei ist durchgängig legato vorgeschrieben, sehr selten gibt es Staccato-Punkte. Der Satz endet überraschend mit starkem rall. in pp.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo,


    auch hier nehme ich wieder Bezug auf die in Beitrag Nr. 28 vorgestellte CD-Box; auf der
    CD 4 interpretiert Mitsuko Uchida die Sonate Nr. 13, B-Dur, KV 333. Um von dem bislang meist eingeschlagenen Weg abzuweichen, will ich mich diesmal nur auf mein Gehör verlassen, keine Noten, wenig rationale Überlegungen anstellen, sondern nur posten, was mir einfällt, welche Emotionen ich habe, wenn ich Mozarts KV 333 höre.


    1. Satz, Allegro – die spielerisch leichten Läufe rechts (das Thema mit Durchgangsnoten, es sind gebrochene Akkorde, aber es klingt nicht nach „gebrochen“) über „Generalbasstönen“ links in gleichmäßigem Tempo – ein ganz junger Bach und die kleinen Wellen (getrennt von fließenden „Generalbasstönen“), durch Steinchen usw. im Bachbett, sind musikalisch die spielerischen Läufe (ohne Lautmalerei). Rechts und links übernehmen in Folge wechselseitig die Aufgaben des Fließens und der Leichtigkeit, der Bach ist jung geworden und die kurzen Mollpassagen verstärken nur die Leichtigkeit über Allem.
    2. Satz, Andante cantabile – da höre ich die Ausdruckskraft/Tiefe der zurückgenommenen Lebendigkeit (die ich bei langsamen Sätzen in Boccherinis Cellokonzerten oft vermisse). Die sich Gehör verschaffenden Anschläge links auf gleicher Tonhöhe (ab 4:14) sind verbunden mit einem schon eingesetzten Moll-Wechsel, der anfangs nur durch kurze Mollakkorde angedeutet wurde Ist es Erschöpfung, die Ruhe einer schöpferischen Pause, Melancholie?
    3. Satz, Allegretto grazioso - das ist Tanz, Ballett (aber nicht in der Art von Tschaikowsky); ich sehe Balletteleven, die trotz der anstrengenden Übungen sich in der Pause übermütig, ohne Zwang und mit viel „Spaß an der Freud“ bewegen.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo,


    auch hier nehme ich wieder Bezug auf die im Beitrag Nr. 28 vorgestellte CD-Box mit Klaviersonaten von Mozart mit Mitsuho Uchida


    CD 4


    Sonate Nr. 14, c-Moll, KV 457


    Molto Allegro – ein sehr markantes, einfaches, aber dennoch nicht besonders eingängiges Thema, das aber im Laufe der Verarbeitung viel mozartische Züge annimmt und von dem laufenden Wechsel zwischen perlenden Läufen und markanten Passagen lebt.

    Adagio – für mich ein ganz typischer, langsamer Mozartsatz und in äußerstem Kontrast zum 1. Satz stehend - in sich gekehrt, verträumt, zugleich realistisch, tiefgründig (das für mich Unvergleichliche an Mozart) und das mit „einfachen“ Mitteln dargestellt (und so auch interpretiert, bei Mozart weder etwas weg zu lassen noch dazu tun).

    Allegro assai – das beginnt ganz unprätentiös – und dann höre ich Anklänge an Beethoven.



    CD 5
    Sonate Nr. 15, C-Dur, KV 545


    Allegro – wohl eine seiner bekanntesten Klaviersonaten; ein eingängiges Thema und die Verarbeitung ist gut nachzuvollziehen –die unterschiedlichen Verzierungen sind reizvoll.


    Andante – in großer Ruhe wird ein ebenso eingängiges Thema vorgetragen und der Wechsel nach Moll und wieder zurück nach Dur erfolgt unspektakulär, in einem Melodie- und Verarbeitungsfluss, völlig natürlich, als könnte es so und nur so sein, dabei ist die vorgeschriebene Ausführung sehr abwechslungsreich, was erst bei aufmerksamem Hören zu erkennen ist, sich dem Musikfluss so unauffällig einfügt und doch so große Wirkung erzielt.

    Rondo – das hört sich fast kindlich (nicht kindisch!) an – und ist eben deswegen große Kunst, mit Einfachheit frohe, unbekümmerte, ausgeglichene Gefühle zu wecken (weniger Emotionen).


    Sonate Nr. 16, B-Dur, KV 570


    Allegro – gut zu hören, wie sich rechte und linke Hand in der Melodieführung und Begleitung/Umspielung abwechseln und z. T. in einer Hand vereinigen – da kommt keine Langeweile auf, obwohl das Thema nicht besonders „aufregend“ ist.


    Adagio – so könnte auch ein Schlaflied beginnen, aber es ist natürlich nichts zum Schlafen. Über weite Strecken nur einstimmig, ohne Akkordgriffe (und wenn, dann nur sehr zurückhaltend) und nur links mit einzelnen Tönen die schon in der Melodie vorliegende Harmonik unterstützend. Wer konnte das in dieser Art vor oder nach Mozart? Große Kunst in absichtlicher Beschränkung der Mittel, weshalb sie dazu wird.

    Allegretto – durch die hingetupften Töne wird’s zum Allegretto, noch leichter, beschwingter, wie frei über alles Belastende dahin schwebend.


    Sonate Nr. 17, D-Dur, KV 576


    Allegro – hier wechseln sich sehr schnell (fast übergangslos) temporeiche Passagen mit etwas weniger Tempo ab und es gibt, deutlich zu hören, 2 Themen, welche miteinander verflochten werden.


    Adagio – bei mir kommt dieses Adagio an, als würde es sich um eine Schilderung ohne besondere Höhepunkte handeln (die vielen Läufe, die Begleitung links) und die Harmonik im Mittelteil ist reicher.


    Allegretto – schelmisch kommt das bei mir rüber, die fast gleichartigen Wiederholungen (selten bei Mozart) tragen für mich dazu bei - ein leicht dahinfließenden Allegretto.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Eigentlich ist dieser Thread viel zu wenig ausführlich behandelt worden in Bezug auf die Bedeutung des Themas, daher beginne ich fürs erste mit einer Ergänzung/Berichtigung/Update



    In Beitrag Nr 17 diese Threads beklagt Dr. Holger Kaletha a. 16. 12. 2012, dass die Gesamtaufnahme aller Mozart Klaviersonaten mit Alicia Larrocha aus dem Programm genommen sei. Seit 28,2, 2014 ist die Box mit neuem Cover wieder aufgelegt worden, und das zm ultragünstigen Preis von 16.99 Euro für 5 CDs!!! Da heist jetz für die Liebhaber zugreifen; Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben....

    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo,


    auf der Gulda-Box im Beitrag Nr. 2 wird auf der CD5 KV 570 gespielt,
    auf der Uchida-Box im Beitrag Nr. 15 wird ebenfalls auf der CD5 auch KV 570 gespielt.


    Ein direkter Zeitvergleich bringt wenig (22:33 zu 18:24), da Uchida im 1.Satz Allegro eine Wiederholung auslässt (8:36 zu 5:44).
    Der 2. Satz Adagio (9:52 zu 9:02) und der 3. Satz Allegretto (4:05 zu 3:30) zeigen, dass Uchida ein schnelleres Tempo wählt und durch etwas mehr Pedal einen weicheren, verbindlicheren Klang erzeugt und damit das tatsächlich schnellere Tempo vom Hörgefühl etwas vermindert wird. Da, wie im Beitrag Nr. 2 gepostet, die Aufnahmequalität bei Gulda mangelhaft ist, ist der Klavierklang direkt und hart, was zur Folge hat, dass sich die Sätze 2 und 3 vom Hörgefühl weniger langsam gespielt anhören im Vergleich zur tatsächlichen Zeitangabe.


    Bitte anklicken - das ist der Link zu einer Vinyl-LP bei Amazon


    Das von Gulda in späteren Jahren erzeugte Öffentlichkeitsbild von ihm dürfte seinem (Selbst-)schutzbedürfnis entsprungen sein, wofür diese LP spricht. Bei Amazon gibt es auch noch mp3-Downloads, leider nicht für „Wenn du mi einmal loswerd’n willst“ – „Auf Visit“ und „Andererseits“.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler


  • Wenn ich diesen Thread betrachte, so werden zweifellos zahlreiche sehr große Pianisten vorgestellt und zweifellos haben etliche von ihnen, vielleicht sogar alle, hervorragende Einspielungen von Mozarts Klaviersonaten hinterlassen. Die meisten von ihnen sind indes Geschichte. Pianisten der Gegenwart wurden indes nur ausnahmesweise genannt, wobei man noch hinterfragen muß was man heute unter "Gegenwart" versteht.
    Eine IMO bedeutende Interpretin von Mozart-Klaviersonaten wurde hier noch nicht genannt: Maria Joao PIRES. Ich liebe ihr teilweise verhaltenes und doch so eindrungliches Spiel - Die Interpretation glüht quasi von innen heraus. Bei WIKIPEDIA ist nachzulesen, daß die scheue Künstlerin ungern vor Publikum spielt und im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern dem Aufnahmestudio den Vorzug gibt.
    Die Pires hat die Klaviersonaten von Mozart mindestens 2 mal komplett aufgenommen, einmal 1974 (ich glaube für Erato ?) welche heute auf BRILLIANT erscheint und danach 1990 (Digital) für die Deutsche Grammophon. Ich empfand die erste Aufnahme als hervorragend, die zweite indes als phänomenal........


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Eine IMO bedeutende Interpretin von Mozart-Klaviersonaten wurde hier noch nicht genannt: Maria Joao PIRES


    Siehst du, lieber Alfred, Beitrag Nr. 4:



    In der Beurteilung der beiden GAs von Maria Joao Pires, die ich auch beide in meiner Sammlung habe, kann ich dir uneingeschränkt beipflichten. Ich hatte allerdings schon in den letzten Jahren Gelegenheit, sie auch live im Konzert zu erleben, ebenso wie die o. a. Mitsuko Uchida, letzere jedoch öfter. Von den aktuellen Pianisten möchte ich jedoch außer den schon oben von mir genannten noch unbedingt Daniel Barenboim und den von uns in einem anderen Mozart-Thread besprochenen Michael Endres hinzufügen:


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Und endlich habe ich die Haebler Decca Box erwerben können, die je eigentlich einstige Philips Aufnahmen enthhält. Wir verdanken die momentsne Verfügbarkeit den Japanern, denn die Box ist quasi eine Sonderauflage von Tower Records Vintage Collevtion (vol 14) und wurde von Tower Records Japan in Cooperation mit Universal Music Japan. Das Booklet ist mit ausnahme der Titelseite und der Sonatennamen ausschliesslich in japanisch verfasst. Die Tonqualität ist gut aber nicht exzepionell.

    Die Aufnahmen entstanden nicht - wie heute üblich - in einem Guss - sondern über mehrere Jahre inweg.

    Der Klang ist eher weich, in den Mitten sehr überzeugend,das Klavierfabriakt ist nicht erwähnt, aber es muß sich um einen Steinway handeln, hat doch die Haebler Steinway die folgende Widmung für die Werbung überlassen:

    Zitat
    “The Steinway is my best friend: Reliable, enchanting and absolutely sincere. It elevates me in times of joy and helps me in dark moments.”

    Kommen wir zu den Aufnahmen, Haebler ist eine sichere Bank, eine Mozart-Interpretin erster Güte und Jahrelang das Zugpferd von Philips in Sachen "Wiener Klassik" am Flügel.

    Ihr wird - meist scheinbar kritiklos - nachgesagt, sie "verzuckere" Mozarts Werke.

    Ich kann das nicht nachvollziehen. Der Eindruck mag für manche dadurch entstehen, daß sie gewisse Stellen mit besonderer Durchsichtigkeit und Leichtigkeit spielt um dem Klang eines historischen Hammerflügels oder Cembalos näher zu kommen.

    Ich habe mir die Sonate Nr 1 angehört (ich bin kein Fan davon) Da spielt sie sogar ausgesprochen dynamisch, was mich überrascht hat, wenn sie plötzlich nach den "nervös" perlenden Stellen geradezu kraftvoll die "Pranke zeigt"

    Gegenprobe; Meine Lieblingssonate KV 331. Geradezu hypnotisch, mit idealem Tempo und klassischer Ausgewogenheit und wundervollem Klang in den Mitten spielt Sie die ersten beiden Sätze. Der Dritte Satz "alla Turca" , leicht und perlend. Sie weiß daß es nur eine Simulation eines Türkischen Marsches ist und kein wirklicher, Hier unterschiedet sie sich maßgeblich von ihren Kollegen Christian Zacharias, der vor Jahren mal dem modernen Flügel einen Janitscharenzug hinzugefügt hat. (Was historisch korrekt ist)

    Eine Aufnahme die in keiner Mozart Sammlung fehlen sollte


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ich will hier mal einen Pianisten einstellen, den man gemeinhin nicht sofort mit Mozart in Verbindung bringen würde: Grigory Sokolov. Ich habe hier zunächst eine Aufnahme aus dem Jahr 2001, als er, zufällig an meinem 55. Geburtstag u. a. die Sonate Nr. 14 c-moll KV 457 in Schwetzingen spielte:

    Für mich klingt das fast, als hätte er sein Leben lang nur Mozart gespielt, aber ich weiß es ja anders, wie ich seit vielen Jahren von seinen live erlebten Konzerten weiß. Am 6. April hätte ich ihn wieder in Köln erleben sollen, aber das Konzert wurde aus den bekannten Gründen zwar nicht aufgehoben, sondern auf den nächsten April verschoben. In dem Konzert hätte er von Mozart das Präludium KV 394, die berühmte A-dur-Sonate KV 331 und das Rondo KV 511 spielen sollen. Die oben eingestellte ebenfalls berühmte c-moll-Sonate KV 457 ist auf der vor kurzem erschienen Box mit zwei CDs (Beethoven, Brahms) und einer DVD Video enthalten, zusammen mit der Sonate KV 545 un d vor der c-moll-Sonate die ebenso berühmte c-moll-Fantasie KV 475. Weiter sind auf der DVD Beethovens Sonaten Nr. 27 und Nr. 32 sowie Encores von Schubert, Chopin, Rameau, Schumann und Debussy:


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).