Keine gute Nachricht - DA CARUSO schließt

  • Zitat: "Zum Jahresende wird DA CARUSO geschlossen."


    Das ist keine gute Nachricht, die ich mir eben erst klar mache, obwohl sie schon seit einiger Zeit auf der Caruso-Seite steht, die als Logo über dem Forum schwebt. Nun also auch Caruso, dieser Felsen in der Brandung des umkämpften Musikmarktes! Ich hatte immer die Gewissheit, diese Adresse habe ein ewiges Leben, werde nie aus dem Wiener Stadtplan verschwinden. Ich bin sehr traurig, denn in diesem Geschäft habe ich viele Eindrücke, Entdeckungen und Impulse erfahren. Es war immer irgendwie Weihnachten, auch im Sommer. Man ging reich beschenkt heraus, obwohl auch dort Tonträger natürlich Geld kostetet. Geld, das ich nirgends so gern ausgab wie hier. Es war stets gut angelegt. Bei meinen vielen Besuchen in Wien bin ich stets bei Caruso eingekehrt. Das Geschäft wird mir fehlen.


    Ich sage herzlichen Dank!


    Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Auch ich bin geschockt, dass Professor Gottfried Cervenka sein Geschäft "Da Caruso", das als kompetente Einkaufsquelle auch für Raritäten fast Kultcharakter hat, schließt Ein Verlust! Bleibt nur zu hoffen, dass der unendlich kundige, kompetente Cervenka seine Traditionssendung "Apropos Oper" auch weiterhin gestaltet. Ich werde mit dem verdienten Träger der Goldmedaille der Gottlob-Frick-Gesellschaft telefonieren und vesuchen, die Gründe zu erfahren.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Ist ja nicht neu, diese Nachricht, und wurde hier im Forum schon mehrfach gemeldet. Die besten / letzten Plattenläden der Welt für Klassik Der Abverkauf läuft ja schon seit einiger Zeit.
    Freund Gottfried hat mir im facebook schon vor Längerem seine Gründe ausführlich dargelegt.
    Zum Glück gibt es ja in Wien noch ein paar andere Klassik-CD-Geschäfte!


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Wenn man das Geschäft gut kannte war die Entwickluing abzusehen. Eigentlich hatte ich derlei schon vor einem Jahr erwartet.
    ABER - Es sind immer die Kunden die derlei verursachen - und sie haben in letzter Konsequenz auch die Folgen zu tragen.
    Natürlich ist Einkauf über Versand billiger - aber nur wenn man größere Stückzahlen einkauft, sonst fressen die Versandkosten den Preisvorteil. Ich habe erst über Versand zu kaufen begonnen, als ich bemerkte, daß zahlreiche cpo-Veröffentlichungen, die ihn Wien als "ausverkauft" oder "nicht mehr zu haben" gemeldet wurden bei jpc um 7.99 Euro verschleudert werden.



    Zitat

    Zum Glück gibt es ja in Wien noch ein paar andere Klassik-CD-Geschäfte!

    Eigentlich nur eines, das ich wirklich noch frequentiere: Gramola am Graben.


    EMI in der Kärntnerstraße war einst ein führendes Geschäft mit großer Klassikabteilung und einer etwas kleineren für Jazz, sowie relativ hohen Preisen. Die Jazzabteilung wurde zugunsten einer Abteilung für Event - Tickets geräumt und befindet sich jetzt in den Räumen der verkleinerten Klassikabteilung. Die Preise sind indes stabil geblieben.....
    Gelegentlich schau ich mal rein....


    Im Laufe der letzten 20 Jahrzehnte haben folgende Geschäfte das Handtuch geworfen:


    Carola - 1010 Wien - 1070 Wien und 1160 Wien
    HIFI (Preiser) 1010 Wien Kärntnerstraße
    Schallplattenwiege 1010 Wien Am Graben
    Ascolta - 1010 Wien Kärntnerstraße /Bösendorferstraße
    Gelles Compact Disc Shop 1070
    Virgin Megastore 1060 Wien
    Da Caruso - 1010 Wien


    Eine traurige Bilanz - und die Kunden brauchen nicht zu Jammern - sie haben das verursacht


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Da war doch auch noch ein CD-Geschäft in der Herrengasse neben dem Innenministerium. Ebenfalls weg. Ja, Gramola hält sich noch, da bin ich auch optimistisch. Die Naxos-CDs bekommt man dort z.B. ein gutes Stück billiger als über Internet.

  • Im Laufe der letzten 20 Jahrzehnte haben folgende Geschäfte das Handtuch geworfen:

    ja, 200 Jahre sind schon eine lange Zeit ... 8-)



    Eine traurige Bilanz - und die Kunden brauchen nicht zu Jammern - sie haben das verursacht

    Haben sie das ganz allein?
    Ich erinnere mich gut an die CD-Preise ... die waren hier in Österreich schon an der oberen Grenze. Gerade Gramola oder EMI. (Was wohl das E-Bike im Gramolafenster soll?) Ich habe CDs dann immer in Deutschland gekauft. Dann kam der MP3-Boom, und nicht dass der CD-Markt darauf gleich adäquat reagiert hätte ... die haben einfach die Marktveränderung verschlafen. So wie die Buchverlage auch. Dann wundern sie sich, dass ihnen die Kunden wegbleiben. Wir haben halt heute eine andere Zeit, mehr "Mobilität" (ob man das nun mag oder nicht), neue Generationen wachsen heran mit neuen Interessen - da muss man sich was einfallen lassen.

  • Zitat

    Dann wundern sie sich, dass ihnen die Kunden wegbleiben.


    Ich glaube man wundert sich nicht. Sondern man reagiert.
    Nicht jedes Geschäft, das schliesst ist "zugrunde gegangen". Oft hat der Besitzer lediglich sein Geschäftsfeld verlagert.
    Statt sich mit lästigen zahlungsunwilligen Schnäppchenjägern herumzuärgern zieht man sein Geld aus der Firma und investiert in teuer zu vermietende Immobilien. Nur als Beispiel. Oder man verkauft Produkte wie "bei Vollmond abgefülltes belebtes Wasser"
    Mit Massenkunden, die immer nur auf den billigsten Preis schauen lassen sich heute keine Geschäfte mehr machen - also überlasse man sie ihrem Schicksal oder den Supermärkten...
    Der "Kunde" selbst ist ja nur soviel wert, wie er Profit abwirft. Ist hier eine gewisse Schwelle überschritten, dann lohnt es sich nicht mehr mit ihm auch nur zu reden.


    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)



  • Ich glaube man wundert sich nicht. Sondern man reagiert.


    Eben nicht.
    Wenn du mit der Verlagerung des Geschäftsfeldes den Laden von "Gelles" meinst: das ist ein Sonderfall, Herr Gelles war vorher schon in anderen Bereichen tätig; sein CD-Geschäft existierte nicht gar so lange. Normalerweise - siehe "Caruso" - bleiben die Geschäftsinhaber, bis es nicht mehr anders geht, und geben dann auf. Manche zwingt auch das Alter. Die ganze Wiedner Hauptstraße hat das gezeigt: die Alteingesessenen haben aufgegeben, und halbjährlich wechselnde Handy-Billigläden kamen. Das ist heute die Realität.


    Wovon ich sprach: das sind nicht die Händler, die können kaum etwas tun. Es geht vielmehr um die Verleger, die CD-Produzenten. Die konnten mit der heutigen Generation kaum ins Geschäft kommen, weil sie bereits tief und fest geschlafen haben, als der Markt im Wandel begriffen war. Als dann der Zug in der Ferne verschwunden war, und der MP3 Player den Markt erobert hatte: da blieb nur noch das Jammern über verlorenes Terrain. Man hört es heute ganz ähnlich von der - nicht ganz so tief entschlafenen - Buchproduktion.


    Der "Kunde" ist einer, dessen (gewandelte) Interessen man herausfinden und umsetzen muss. Von der Erforschung leben heute ganze Geschäftszweige. Aber wenn man das nicht sehen will ("des geht scho no"): dann ist eben irgendwann der Ofen aus. Und dann kommt irgendwann die Zeit für die, die am vorletzten Ast stehen, und das sind die Händler. Dann stellt halt Gramola ein (schickes) E-Bike ins Fenster, an dessen Verkauf er mitverdient. Auch wenn das Bike rein gar nichts mit La Traviata etc. zu tun hat. Das tut er so lange, bis er die Miete am Graben nicht mehr zahlen kann oder will ...


    Wiener Grüße,
    tuonela

  • Der Verbraucher, sprich Kunde ist schuld an der Misere, nein, das ist mir zu einfach und auch zu billig.
    Hier haben mehrere Personen die vor Geldgeilheit abends nicht mehr in den Schlaf kamen Hand in Hand gearbeitet.
    Zum einen die großen Musikverlage, die die kleinen "schwarzen Schafe" mit den Livemitschnitt durch puren Lobbyismus über die Gesetze vom Markt gedrängt haben, in dem Schutzfristen immer höher gesetz worden sind.
    Dadurch witterten die großen Verlage Oberwasser und dieses Gipfelte dann in einem Anflug von maßloser Arroganz in einer Talkshow in den Kommentar eine einzelne CD müsse soviel kosten wie ein gutes Buch.
    Gemeint war hier aber nicht 7,50 DM wie es ein Taschenbuch kostet, sondern man dachte Hardcover also an 35 - 45 DM pro einzel CD.
    Das da natürlich dann etliche Verbraucher sagten, an dieser Art von Geldschneiderei nehmen wir nicht mehr Teil, ist sicherlich nicht weiter verwunderlich.
    Hinzu kam die schwindende Qualität der Aufnahmen, Aufnahmen entstanden nicht mehr im Verfahren ein Akt nach dem nächsten, sondern die Akte wurden aus 5 Minuten schnipseln zusammengestückelt, Teilweise wurden sogar noch einzelne Noten nachgereicht, wie unprofessionel.
    Mit diesem Wissen blieben viele Kunden, die neben den Livemtischnitten auch Studioaufnahmen gekauft haben den Läden fern, da diese bedingt durch ein extrem eingeschränktes Sortiment natürlich immer langweiliger wurden.
    Zu guter letzt, als die letzte Stufe der Preisspirale, die sich immer weiter nach oben drehte erreicht war, kam dann der Download.
    Die maßlose Arroganz war plötzlich einem allgemeinem Wehgeheul gewichen.
    Dabei haben die, die Heute am lautesten Heulen, nämlich die großen Verlage diese ganze Misere durch ihre maßlose Geldgier hauptsächlich mitverursacht.
    Was passiert wenn man seine Kunden dauerhaft gängelt, sie bleiben fern und suchen sich andere Märkte.
    Leider gibt es in solchen Fällen auch immer Kollateralschäden, in diesen Falle die CD Geschäfte.

  • Ja, Freunde, es gibt ein Sprichwort, das lautet: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit". Das gilt leider auch für Läden, die uns ans Herz gewachsen sind.


    Da ich seit längerer Zeit nur mehr bei "Caruso" und "Gramola" gestöbert habe, habe ich den Kontakt zu anderen Läden verloren. Es gab aber im EKZ Hietzing im hinteren Teil einen kleinen feinen Laden, die Buchhandlung Deuticke in der Schottengasse hatte eine eigene CD-Abteilung und gelegentlich findet man bei Hintermayer auch gute + günstige Angebote. Ich hoffe und wünsche uns, dass das alles noch aktuell ist und wir noch ein wenig Auswahl haben.



    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Im Laufe der letzten 20 Jahrzehnte haben folgende Geschäfte das Handtuch geworfen:


    Wann hat denn Ascolta zugesperrt?


    Und wie schaut es mit DaCapo Klassik auf der Seilerstätte aus?


    Nie(?) erwähnt wurde auch der Plattenladen in der Staatsoper, der verständlicherweise überwiegend den Sektor Oper bedient und jetzt offenbar schon zu den letzten Mohikanern der CD-Läden zählt...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Ja, lieber Theophilus, vollkommen richtig!


    Den Laden in der Staatsoper habe ich total vergessen, wahrscheinlich weil ich so oft daran vorübergehe. Da CapoKlassik auf der Seilerstätte kenne ich leider nicht. :no:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Und wie schaut es mit DaCapo Klassik auf der Seilerstätte aus?


    Ich war da witzigerweise noch nie drin, aber der Laden war vor wenigen Monaten jedenfalls noch da ;) Gleich daneben ist ja das Haus der Musik" - da stolpern wohl genügend Japaner in das Geschäft....


    Ein brauchbares Angebot hat jedenfalls noch der Kuppitsch beim Schottentor.

  • Der "Laden" in der Wiener Staatsoper heisst "Arcadia". Die Preise sind meist innenstadtmässig, gelegentlich waren sie aber auch gerinfügig drüber. Ich war nur sehr selten dort, hatte keine Affinität zum Personal, welches aber, das sei an dieser Stelle betont, durchaus korrekt agierte.
    Da Capo wurde vor einigen Jahren von einem ehemaligen EMI Angestellten in Cooperation mit Gramola gegründet. Eine Kapazität, die unserem Forum zur Zierde gereichen würde. Ich hatte den Eindruck, daß sich da Capo inzwischen von Gramola abgenabelt hat - er gibt zumindest keine Hinweise mehr in diese Richtung. Das Geschäft befindet sich in der Seilerstätte und ist gut sortiert. Leider ist die Seilerstätte ca 5 Gehminuten von der Kärntnerstraße entfernt, was vielleicht eine Erklärung für den seltenen Besuch meinerseits dort ist.


    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)