Herbert Lippert - Lyrischer Tenor aus Oberösterreich

  • Herbert Lippert


    Da ich mich sozusagen kommissarisch – bis auf weiteres mit Sängerpersönlichkeiten befasse kommt natürlich auch wieder verstärkt eine österreichische Note mit ins Spiel. Eine der wichtigsten Sängerpersönlichkeiten unserer Zeit wurde bis heute noch nicht bei Tamino durch einen eigenen Thread geehrt, nämlich der bekennende Oberösterreicher Herbert Lippert.


    Der Tenor Herbert Lippert wurde am 7. Oktober 1957 in Linz geboren, war Solist bei den Wiener Sängerknaben. Auf seiner Website erwähnt der Sänger Sir Georg Solti und Wolfgang Sawallisch als seine ersten Förderer, was ich hiermit auch tue. Heute ist er – seit 1985 - Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und braucht keine Förderer mehr. Er sang aber auch an der Wiener Volksoper und am Opernhaus Graz, sowie in Mörbisch. Auch wenn ich es in den diversen Texten nicht erwähnt sah, so gibt es Rollenfotos von Covent Garden, der Mailander Scala, dem Opernhaus Hamburg, dem Theatro Colon in Buenos Aires und den Salzburger Festspielen mit Lippert in Hauptrollen.




    Lippert wird immer wieder im Zusammenhang mit Mozart erwähnt – und auch ich habe ihn zuerst in der Rolle des Tamino in der fast schon legendären Aufnahme der Zauberflöte für Naxos wahrgenommen – aber in Wirklichkeit ist er unglaublich vielseitig und flexibel, was sich auch durch eine sehr große Anzahl an Tonaufnahmen - angeblich über 300 - bemerkbar macht. Für die Gestaltung einer Wagnerrolle, (David in Wagners Meistersingern – unter Solti) bekam er 1997 den Grammy Award.


    Lippert singt nicht nur Oper und Oratorium, sondern gibt auch Liederabende.
    Und wenn mich mein subjektiver Eindruck nicht trügt, dann hat er eine ganz besondere persönliche Zuneigung zur Operette.
    Er gibt mit "seinen philharmonischen Freunden" (meiner Information nach sind das Mitglieder der Wiener Philharmoniker) immer wieder Konzertabende mit Arien aus klassischen Operetten. Eine Kostprobe ist - so sie nicht entfernt wird - weiter unten im Thread verlinkt.


    Rollen an der Wiener Staatsoper 2014/2015: u. a. Walther von der Vogelweide, Matteo, Wassili Golizyn, Loge, Offizier.


    Im Juni 2014 sprang er an der Wiener Staatsoper für den während der Vorstellung indisponierten Peter Seiffert im 2. und 3. Akt als Siegmund in Wagners "Die Walküre" ein und sang damit eine Rolle als Heldentenor.(Quelle Wikipedia)





    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Im Juni 2014 sprang er an der Wiener Staatsoper für den während der Vorstellung indisponierten Peter Seiffert im 2. und 3. Akt als Siegmund in Wagners "Die Walküre" ein und sang damit eine Rolle als Heldentenor.


    Ach, im 3. Akt auch? :D

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Es gibt sogar eine Gesamtaufnahme von Verdis "Trovatore" mit Herbert Lippert als Manrico. Er gestaltet seine Rolle durchaus klangschön, wenngleich ihm die Kraft für Manricos heldische Momente fehlt. So singt er dann auch nur eines der beiden "unvermeidlichen Stretta-Cs".


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Und wenn mich mein subjektiver Eindruck nicht trügt, dann hat er eine ganz besondere persönliche Zuneigung zur Operette.

    Nicht gerade preiswert, aber in jedem Falle lohnenswert ist die Anschaffung der u. a. CD. Herbert Lippert hat diese Operettenlieder im Jahre 2002 mit den Philharmonischen Freunden aufgenommen. Ein sehr gelungenes Recital, wie ich finde.


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Herbert Lipperts Karrierebeginn war recht zähflüssig und ein Beispiel dafür, wie man plötzlich in die "falsche Schublade" kommen kann. Sein erstes Engagement war in Lübeck, als lyrischer Tenor. Neben ihm war ein zweiter lyrischer Tenor engagiert, Randall Cooper, der nur wenig Deutsch sprach. Die erste Premiere war Mozarts "Entführung aus dem Serail", was die Frage aufwarf, wer denn die Buffopartie mit den vielen Dialogen singen sollte. Klare Sache : der Sänger mit Deutsch als Muttersprache. Damit war Herbert Lippert in Lübeck als Spieltenor abgestempelt. Erst als er 1990 an der Wiener Staatsoper (seinen ersten) Tamino sang, erkannte man in Lübeck, dass man in Lippert einen lyrischen Tenor im Ensemble hatte.


    Bei den Salzburger Festspielen sang Lippert 1991 den 1. Priester in der "Zauberflöte". Uwe Heilmann hätte den Tamino singen sollen; für ihn war Lippert als Cover engagiert. Doch der Regisseur (Johannes Schaaf) entschied sich nach Heilmanns Absage, nicht dem Cover eine Chance zu geben, sondern Deon van der Walt, mit dem er schon in der Salzburger "Entführung" zusammen gearbeitet hatte. Doch vor van der Walts Eintreffen hatte Lippert Gelegenheit, mit dem Zauberflöten-Dirigenten Sir Georg Solti zu arbeiten, der so von ihm angetan war, dass er ihn sofort für den Tamino an der Scala verpflichten wollte. Dazu kam es jedoch nicht, da ein anderes Opernhaus (Stuttgart) Lippert nicht aus dem Vertrag entließ.


    Soweit zu dem dornigen Beginn seiner Karriere.


    Grüße aus Finnland
    Peter

  • Lippert ist erst seit einigen Jahren wieder an der Staatsoper tätig. Über 10 Jahre hat - nach einem Disput - Ioan Holender den Sänger nicht mehr engagiert. Erst seit der Ära Meyer ist Lippert wieder ans Haus gebunden. Aktuell ist er u.a. mit den Proben für Chowanschtschina (Premiere im November) beschäftigt.


    1997 wurde eine Einspielung der Meistersinger unter Solti, wo Lippert den David sang, mit dem Grammy ausgezeichnet. Er ist auch in Bezug auf Operetten aktiv, besonders bei Stücken, die seinerzeit als "entartet" galten. Er gab auch Liederabende mit Wolfgang Sawallisch und Maurizio Pollini. In der aktuellen Saison wird er u. a. Walther von der Vogelweide, Matteo, Wassili Golizyn und den Loge singen.

    Hear Me Roar!

  • Bei den Salzburger Festspielen sang Lippert 1991 den 1. Priester in der "Zauberflöte". Uwe Heilmann hätte den Tamino singen sollen; für ihn war Lippert als Cover engagiert. Doch der Regisseur (Johannes Schaaf) entschied sich nach Heilmanns Absage, nicht dem Cover eine Chance zu geben, sondern Deon van der Walt, mit dem er schon in der Salzburger "Entführung" zusammen gearbeitet hatte. Doch vor van der Walts Eintreffen hatte Lippert Gelegenheit, mit dem Zauberflöten-Dirigenten Sir Georg Solti zu arbeiten, der so von ihm angetan war, dass er ihn sofort für den Tamino an der Scala verpflichten wollte. Dazu kam es jedoch nicht, da ein anderes Opernhaus (Stuttgart) Lippert nicht aus dem Vertrag entließ.


    Soweit zu dem dornigen Beginn seiner Karriere.


    Solti machte dann einiges mit Lippert, z.B. im Herbst 1993 "Die Schöpfung" an der Staatsoper Berlin (zusammen mit Ziesak, Pape und Trekel).
    Anfang der Neunziger Jahre sang Herbert Lippert auch mehrfach den Tamino an der Komischen Oper Berlin, 2x habe ich ihn dort erlebt. Für März 1995 war er dann auch dort für die Wiederaufnahme von Kupfers "Entführung" als Belmonte angekündigt, doch das kam - warum auch immer - nicht zustande, der von mir sehr geschätzte Michael Rabsilber übernahm wieder (wie schon vor der Pause dieser Inszenierung).

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Noch eine kleine Anekdote zu Herbert Lippert:


    Am 28.9.2013 erfolte die Saisonpremiere an der Grazer Oper. Am Programm stand Wagners Lohengrin. Die Titelrolle war mit Johannes Chum besetzt, der allerdings vier Tage vor der Premiere krankheitshalber ausfiel. Zufällig war Gerhard Lippert in Graz, da er schon für die nächste Premiere probte (und möglicherweise auch schon Eindrücke von den Lohengrin-Proben besaß). Er sprang auch wirklich ein, lernte in den wenigen Tagen diese für ihn neue Rolle und feierte ein relativ spätes aber dennoch sehr gelungenes Debüt als Schwanenritter!


    (Wiedergenesen übernahm dann Johannes Chum die Titelrolle und war ein stimmkräftigerer und mehr heldischer Lohengrin; dennoch konnte auch Herbert Lippert mit seinem sehr lyrischen Ansatz gut gefallen, besonders überzeugend die nach klug disponiertem Abend vortrefflische Gralserzählung, die nun einmal der Knackpunkt jeder Lohengrin-Aufführung ist)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!