Carl Philipp Emanuel Bach – Die Konzerte

  • C.P.E. BACH: Cellokonzert Wq 172


    Carl Philipp Emanuel Bach – Die Konzerte
    Es gibt zwar seit Geraumer Zeit einen allgemeinen Thread über Carl Philipp Emanuel Bach, aber die Vielfalt und Anzahl seiner Kompositionen lässt es geboten erscheinen, dass wir zumimdest für die wichtigsten Bereiche eigene Threads einrichten, auch wenn diese erst in späteren Tagen voll ausgenützt werden.


    Ich beginne heute mit einem der insgesamt 3 Cellokonzerte, nämlich jenem in A.dur Wq 172 aus dem Jahre 1753.
    Die Cellokonzerte entstanden zwischen 1750 und 1753
    Das Konzert Wq 172 war jenes, welches mich -seines Mittelsatzes wegen - am meisten beeindruckt hat.


    Es beginnt lebhaft mit einem sehr markanten Thema mit Ohrwurmqualitäten, freundlich lebhaft, aber niemals auftrumpfend oder strahlend. Vor allem die mir zur Verfügung stehende Aufnahme wirkt sehr ausgewogen, und - wenn der Begriff hier überhaupt anwendbar ist – ein wenig dezent. Der zweite Satz hat mich irgendwie verschreckt. Einerseits strahlt er eine tiefe Traurigkeit aus, die Musik stockt und kommt gelegentlich beinahe zum Erliegen. Aber dabei bleibt es nicht. Die Kadenz von Aziza Sadikowa erinnert mich irgendwie an jene, die Gidon Kremer für seine Aufnahme des Beethovenschen Violinkonzerts komponiert hat.
    Der Beginn des 3. Satzes macht dem Spuk ein Ende – wir befinden uns wieder im 18. Jahrhundert – und das Orchester setzt temperamentvoll spritzig ein. Das Soloinstrument ist hier der beruhigende Teil, vermutlich nicht nur der Komposition wegen, sonder als Eigenrt der Interpretation. Sensible Klangbalance steht hier vor überschäumendem Temperament. Der Solist ist der 34 jährige Russe Konstantin Manaev, begleitet von der 2009 gegründeten Berliner Camerata., Bestehend aus durchwegs sehr jungen Musikern .
    Ich gestehe, dass ich diese Qualitäten beim ersten mal (zu flüchtigem ) Hören nicht wirklich wahrgenommen habe, erst jetzt - mit Kopfhörer - wird mir die volle Qualität bewusst.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Meines Wissens sind die Cello-, Flöten- und Oboenkonzerte CPE Bachs allesamt eigene Bearbeitungen von ursprünglichen Konzerten für Cembalo/Clavier und Orchester. Aufgrund des relativen Mangels an Solokonzerten für o.g. Instrumente als auch aufgrund der unübersichtlichen Zahl von etwa 50 Bachschen Clavierkonzerten sind die Bearbeitungen jedoch weit bekannter und häufiger gespielt als die Originale...
    Insbesondere gibt es alle Cellokonzerte auch für Flöte, wenn ich recht sehe:
    170 a-moll -> 166
    171 B-Dur -> 167
    172 A-Dur -> 168
    (Konkordanz zu Clavierkonzerten finde ich gerade nicht.)


    Diskographisch sind diese Konzerte relativ gut abgedeckt, besser als vieles andere dieses Bach-Sohnes. Ich habe außer einer Brilliantbox "Bach-Söhne", die die Cello- und drei Flötenkonzerte enthält, noch:


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • C.P.E. BACH: Cellokonzert Wq 172



    Ich bleibe noch beim Konzert Wq 172. Es wurde, wie die beiden anderen Cellokonzerte auch - Johannes Roehl hat darauf aufmerksam gemacht - vom originalen Cembalokonzert für die Flöte umgeschrieben, und zwar auf Wunsch Friedrichs II, in dessen Diensten C.P.E. Bach stand. Die Version für Cello indes entstand auf eigenen Antrieb. Ich finde, daß das Cello die Eigenart der Konzerte besser trifft als das Original.
    Ich habe gestern das Konzert Wq172 in den beiden oben abgebildeten Aufnahmen gehört. Irgendwie stand ich aber anscheinend noch unter dem Einfluss der Aufnahme mit der Berliner Camerata und Konstantin Manaev. So empfand ich die Naxos Aufnahme als leicht verhetzt, was man auch an den Spielzeiten sehr gut nachvollziehen kann. Das wird letztlich eine Geschmackssache bleiben. Gegenüber der gelobten 28 Jahre alten Aufnahme mit Anner Bylsma fällt der jugendlich knackige Zugriff - sowohl des Orchesters als auch der Solisten auf - und das bei eher moderaten Tempi. Daran mag auch die Aufnahmetechnik ihren Anteil haben, die das Soloinstrument etwas mehr vom Orchester abhebt, als die Vergleichsaufnahmen.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    clck 260

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  • C.P.E. BACH: Cellokonzert Wq 170


    Inzwischen habe ich auch das Cellokonzert Wq 170 einigermaßen bewusst gehört, soweit dies bei der derzeitigen Hitze möglich ist. Es ist ebenfalls eine eigenhändige Übertragung des entsprechenden Cembalokonzertes, wie die beiden anderen Cellokonzerte auch. Es ist ebenfals dreisätzig, das oft übliche Menuett fehlt.
    Verglichen mit Wq 172 ist der erste Satz vom Thema her weniger markant und eigentlich mehr dem Sturm und Drang als dem galanten Stil verpflichtet. Ich habe die Aufnahme mit Konstantin Manaev und der Berliner Camerata (Kammerorchester gegründet 2009) gewählt, weil hier anspringender frischer Klang einerseits, mit Klangschönheit andrerseits, gepaart auftreten - eine sonst eher selten zu findende Kombination.
    Hat mich bei Wq 172 der Kopfsatz mit seinem eher lieblich-markanten Thema mit hohem Wiederekennungswert begeistert, so war es hier der traumhaft schöne 2. Satz.
    Auch die mutigen und dennoch harmonisch eingefügten Kadenzen von Aziza Sadikowa sind hörenswert, was mir schon bei Wq 172 aufgefallen ist.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • C.P.E. BACH: Cembalokonzert Wq 6


    Hallo,
    Carl Philipp Emanuel Bach,
    auf der CD ist das Konzert für Cembalo und Orchester, g-Moll, Wq6 enthalten.
    Trotz zeitaufwändiger, intensiver Suche bin ich bei YouTube (mit einer schlimmen Unordnung bei C.P.E. Bach) nicht fündig geworden.

    Track 4 Allegro – es ist ein Cembalokonzert, damit fehlt ein sonst in der Barockmusik übliches BC-Instrument, die tiefen Streicher sind nun auch BC; nur in manchen Cembalosolopassagen in mittlerer Tonlage erklingt das Soloinstrument in hoher Tonlage auch als BC. Das lebhafte, rhythmisch beherrschte Thema stellen dennoch die Streicher vor, bevor es das Cembalo übernimmt, das in der Lautstärke-Klangbalance nicht vorherrscht, aber wegen des völlig anderen silbrigen Klangs auch ohne Lautstärke gut aus zu machen ist. Das Cembalo erweitert die Tonfolge im Melodiebogen durch die eingefügten Zwischennoten und überbrückt den Instrument bedingten fehlenden Nachklang.


    Track 5 Largo – hat in den Streichern ein schleppendes Largo, das durch den hellen, durchsichtigen Klang des Cembalos gemildert wird und dadurch eine Ruhe ohne Langeweile erzeugt.


    Track 6 Allegro – ein sehr aufgeregtes Thema, das mit den akzentuierten Streichereinsätzen auch etwas Herrisches an sich hat, was durch die Läufe des Cembalos eliminiert wird.



    Mehr als eine stilvolle Unterhaltungsmusik, die auch von Telemann sein könnte.



    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Naja, an Einspielungen der Werke von CPEB mangelt es mittlerweile nicht mehr. Ich habe ca 150 CD davon, Clavier Soli und Konzerte, Kammermusik, Lieder, geistl. und weltl. Kantaten, Passionen. Hinsichtlich Konzerte, es gibt sie alle auf CD. Als herausragend seien die Aufnahmen von Miklos Spanyi, einem CPEB-Spezialisten genannt. Sämtliche Clavierkonzerte, auch die beiden Doppelkonzerte (in F und Es für Cembalo und Fortepiano, wohl sein letztes Werk, 1788 komponiert) stehen nun hörbar zur Verfügung, auf 20 CD. Die Konzertinstrumente sind Cembalo und Fortepiano.

    Natürlich sind nicht alle Werke Superklasse, wie bei allen Komponisten, aber mehrheitlich schon. Der Hörer sollte sich nur von alten, eingeübten Gewohnheiten trennen, hier die Konzerte JS Bachs und Mozarts. Bei CPEB wird viel Neues und Ungewohntes geboten. Das macht die Sache zu Beginn etwas mühsamer, aber es lohnt sich.

  • … Hinsichtlich Konzerte, es gibt sie alle auf CD. Als herausragend seien die Aufnahmen von Miklos Spanyi, einem CPEB-Spezialisten genannt. Sämtliche Clavierkonzerte, auch die beiden Doppelkonzerte (in F und Es für Cembalo und Fortepiano, wohl sein letztes Werk, 1788 komponiert) stehen nun hörbar zur Verfügung, auf 20 CD. Die Konzertinstrumente sind Cembalo und Fortepiano …

    Diese Aussage möchte und kann ich nur unterstützen – (Hervorhebung von mir) – das sind TOP-Aufnahmen! :jubel::jubel::jubel:


    Einige Beispiele:


    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Diese Aussage möchte und kann ich nur unterstützen – (Hervorhebung von mir) – das sind TOP-Aufnahmen! :jubel::jubel::jubel:

    Spanyi spielt nicht nur die Clavierkonzerte ein, sondern auch die Claviersoli. Da sind mittlerweile 37!! CD zusammen gekommen. Insgesamt werden es wohl 40 werden. Das ist kein Wunder, besieht man die Werkverzeichnisse CPEB´s, gleich ob Wotquenne oder Helm.

    - Natürlich ist da auch schwaches "Zeug" dabei, schnell Dahingeschriebenes für Schüler, durchschnittliche "Liebhaber", die Spielmaterial brauchten, also schlichte Kassenfüller. Die "starken" Werke überwiegen jedoch. Selbiges gilt aber auch für die Clavierwerke eines Haydn, Mozart, Beethoven, selbst JS Bach.

    - Auch natürlich: man kann mit Spanyi streiten (ich tue es manchmal), ob seine Bevorzugung des Clavichords immer angebracht ist. Letztlich ist das jedoch eine Geschmacks/Auffassungssache.

  • Gestern und heute habe ich die hier abgebildet CD gehört. sie ist aus der Serie mit Miklos Spanyi, sie weiter oben entwähnt wurde. Ich hab zwar keine 37 CDs - wie oben beschrieben , aber zumindest drei hab ich gefunden, die aus dem Dornröschenschlaf geweckte werden wollen.

    Die hier erstmals gehörte ist eine veritable Entdeckung. Sie enthält die beiden Klavierkonzerte Wq 16 und Wq36, sowie die Sonatine in F- Dur Wq99. Letztere ist mein absoluter Favorit - und hier vor allem der 2. Satz. Bemerkenswert ist die unglaubliche Dynamik der Werke, gelegentlich sogar erschreckend.

    Das Instrument ist hier ein Tangentenflügel-Nachbau aus dem Jahre 1993 nach Baldassare Pastore 1799. Anders als bei vielen anderen Aufnahmen wird das Soloinstrument NICHT künstlich in der Lautstärke angehoben, was eventuel zuerst einige Eingewöhnung erfordert, aber den originalen Klangverhältnissen entspricht. Wq36 und Wq99 sind Ersteinspielungen - die bei diesen Werken verwendeten Kadenzen sind Improvisationen, live während der Aufnahmen, die Kadenz von Wq16 ist eine Originalkadenz vom Komponisten


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Und hier ein Abstecher zu den Oboenkonzerten Wq 164 und Wqu 165, die eigentlich (vom Komponisten selbst) umgearbeitete Cembalokonzerte (Wq 39 und Wq 40) sind. MKomentan wil ich mich mit einer Kurzbeschreibeung von Wg164 begbgen.

    Das dreisätzige Konzert hat eine Spieldauer von knap 19 Minuten

    Der erste Satz ist eindringlich und lebendig.Der traurig-klagende Mittelsatz - mit Sordino zu spielend - macht den Hauptteil aus (7.32)

    Mein absoluter Favorit ist der leider recht kurze (4:40) Finalsatz mit seinem tändelnden, einschmeichelnden und markantem Thema, das mich sofort in seinen Benn gezogen hat. Hier finden sich die Lieblichkeit des halanten Stils mit der (gemässigten) Frisch von Sturm und Drang.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • In meinem Besitz befindet sich eine weitere CD (im Laufe der Zeit immer wieder umverpackt !) mit den beiden Oboe-Konzerten (Wq 164 und Wq 165) von Carl Philipp Emanuel Bach. Hier wird auf modernen Instrumenten gespielt.

    Ich habe heute nachmittag das Konzert Wq 164 im flüchtigen Vergleich gehört. Schon im ersten Satz fällt auf, daß hier weniger eindringlich (oder "aufdringlich) musiziert wird, Alles wirkt (je nach Betrachtungsweise) ausgewogener, weicher, unauffälliger, hausbackener, "braver"

    was je nach persönlichem Geschmack als sanfter oder aber auch langweiliger empfunden werden mag. Es ist allgemein bekannt, daß ich den "geschärften" Klang vieler Orchester nicht mag, aber im konkreten Falle würde ich die pronounciertere Wiedergabe durch Musica Poetice (ein Beitrag weiter oben) eindeutig bevorzugen.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Carl Philipp Emanuel Bach: Klavierkonzert Wq 23 in d- moll (1748)


    Im Rahmen meiner Recherche bin ich auf eine relativ günstige 4 CD Box mit insgesamt 12 Klavierkonzerten von Carl Philip Emanuel Bach gestoßen. Das ist etwa ein knappes Viertel aller seiner Klavier- (bzw Cembalo-Konzerte) und ich habe die Gelegenheit wahrgenommen hier ein gewisses Gegengewicht zu den historisierenden Cembalo-Aufnahmen mit Miklós Spányi zu erwerben.

    Gestern habe ich zuerst das Klavierkionzert Wq 23 angehört. Im Gegensatz zuden bislang gehörten Klaviersonaten klang es ungleich sperriger.

    Im Internet hat ein Nutzer es als aggressiv und bizarr beschrieben, gleichzeitig aber schöne Stellen (vermutlich war der Mittelsatz gemeint) erwähnt.

    Erwähnenswärt wären indes die schnellen Tempi und die Rhythmik der beiden Aussensätze, vor allem des Finalsatzes, der übrigens völlig überraschen unspektakulär verebbt ("ausklingt" wär der falsche Ausdruck)

    Mein Röhrenverstärker scheint Charakteristiken von Aufnahmen etwas zu betonen. Das Klangbild ist - im Gegensatz zum youtub-Clip anspringender und rauher.


    Bei meiner zweiten Hörsitzung (heute) habe ich mich an den rauhen Ton einigermaßen gewöhnt.


    Die Sätze:

    1) Allegro

    2) Poco andante

    3) Allegro assai

    Die Cadenzen sind vom Komponisten


    Die Aufnahme mit Michael Rische und dem Leipziger Kammerorchester unter Morten Schuldt-Jensen (2010) dürfte übrigens eine der Wenigen Einspielungen mit modernem Konzerflügel sein - ich konnte indes in der Kürze keine weitere finden


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Carl Philipp Emanuel Bach: Klavierkonzert Wq 23 in d- moll (1748)


    Als ich im Mäz 2021 diese Box erwarb, da war es nicht gleich Liebe auif den ersten Blick. Im oberen Beittag habe ich damals ziemlich distanziert-neutral über das Klavierkonzert WQ 23 (1748) geschrieben und den rauhen Klang erwähnt-

    Heute war meine Einstellung eine völlig andere. Ich akzeptierte den "Sturm und Drang-Ansatzes" und versuchte Vergleiche mit Mozart zu vermeiden (der bei den meistn Klavierkonzerten von C.P.E. Bach noch nicht mal geboren war) - ebenso wie den von mir so geliebten "galanten Stil" beiseite zu lassen. Und dann bekommt man ein feuriges, rhytmisch betontes Werk - geradezu aufmüpfig revolutionär.

    Unser Mitglied "Bachianer" hat dazu - ich habe es erst jetzt BEWUSST gesehen - etwas Treffendes geschrieben:

    Bei CPEB wird viel Neues und Ungewohntes geboten. Das macht die Sache zu Beginn etwas mühsamer, aber es lohnt sich.

    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Hallo Alfred,


    Danke, dass du mich so freundlich erwähnst. Bin es hier garnicht gewöhnt ;).

    Es ist sehr verständlich, dass du als Süddeutscher/Österreicher mit dem "galanten" Stil groß geworden, Probleme mit dem "Sturm und Drang" hattest. Als typischer Norddeutscher bin ich damit von klein auf groß geworden, Sonntagsmorgen Orgelpräludien und Fugen, Choralvorspiele in der Kirche (selbstverständlich streng lutherisch!), im Klavierunterricht war das "Zentrum" JS Bach. Unter diesen Voraussetzungen fällt der Übergang zu CPEB nicht allzu schwer, man war ja harmonisch, polyphon gut "trainiert".

    Ich werde mich bemühen, einige Beiträge hier einzustellen (so erwünscht), Hinweise, mögliche Erklärungen.

  • Ich werde mich bemühen, einige Beiträge hier einzustellen (so erwünscht), Hinweise, mögliche Erklärungen.

    Ja -das ist sehr erwünscht.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

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  • Hallo Alfred,


    die von dir hier eingestellte Rischeaufnahme von Wq 23 auf modernen Instrumenten ist übrigens sehr gut gespielt, interpretiert. Ein kleines Manko: die Bassstimme ist durchgehend beziffert, die Rische nicht berücksichtigt. Der Solist sollte jedoch den Generalbass mitspielen, wie verlangt. Das haben wohl "moderne" Klavierinterpreten nicht gelernt, schade.

    Wie lang dürfen hier Beiträge sein? Ich habe vor vier größere Beiträge zu schreiben:

    - Einführung in das norddeutsche Clavierkonzert

    - die frühen Konzerte CPEB´s

    - die mittleren Konzerte

    - die späten Werke

  • Wie lang dürfen hier Beiträge sein?

    Ich habs soeben von 10.000 Zeichen auf 30.000 Zeichen erhöht....


    Diese Fragen und Antworten werden später von mir gelöscht...


    mgh aus Wien

    Alfred

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  • Das Clavierkonzert in Nord/Mitteldeutschland im 18. Jhdt.



    1. Literatur:


    Älteren Datums: Hans Uldall: Das Klavierkonzert der Berliner Schule, 1928, Breitkopf&Härtel (noch heute unerlässlich); Arnold Schering: Geschichte des Instrumentalkonzerts, 1905, Breitkopf&Härtel ; Hans Engel: Das Instrumentalkonzert, 1932 Breitkopf&Härtel.


    Neueren Datums: Arnfried Edler: Gattungen der Musik für Tasteninstrumente, 2003 Laaber-Verlag.



    2. Einleitung


    Das Konzert für Tasteninstrumente war im 18. Jhdt. ein Nachzügler. Konzerte für Streich-, Blasinstrumente gab es, gleich ob als „Concerti grossi“ (also mehrere Soloinstrumente) oder als Solokonzert. Woran könnte das gelegen haben? Einige Gründe:

    • Tasteninstrumente hatten eine relativ festgelegte Funktion: die Orgel in der Kirche, sei es als Soloinstrument (für Eingang, Ausgang, Choralvorspiele) oder als Continuoinstrument. Ein Konzert für Orgel war als Figuralmusik nicht vorgesehen. Eine ähnliche Situation gab es an den Höfen und/oder Opern: das Tasteninstrument hatte seinen Platz am Continuo. Das Tasteninstrument im Haus, gleich ob Hof, adliges Schloss oder mehr oder weniger wohlhabender Bürger war ausschließlich ein Instrument zur privaten, spielenden „Gemütsergötzung“, zum Üben, zur Beschäftigung mit Musik. Zuhörer waren eher zufällig und auch nicht vorgesehen. Der „Solo-Klavier-Abend“ in einem Konzertsaal, gegen Entgeld, mit einem Tasten-tractierenden „einmaligen Klavierlöwen“ ist eine Erfindung des 19. Jhdts.
    • Selbst, wenn ein derartiges Konzert gewollt worden wäre, die Tasteninstrumente (außer der Orgel) hatten nicht das erforderliche Klangvolumen, um in einem Saal vor vielen Menschen solo oder als Konzertinstrument im Wettstreit mit einem (noch so schwach besetztem) Orchester zu bestehen. Das Clavichord sowieso nicht, und auch das einmanualige Cembalo mit 2 8-Füßen war chancenlos.


    Im ersten Drittel des 18. Jhdts setzte jedoch eine „Bewegung“ ein, die man Neudeutsch als „Clavieremanzipation“ bezeichnen könnte. Sie hängt eng mit dem sich in kürzester Zeit exponential steigernden Notendruck zusammen. Plötzlich hatten Liebhaber käufliches „Spielmaterial“ zur Hand, das Interesse am Clavier stieg sehr schnell an. Mattheson schreibt in seinem „Der musikalische Patriot“ (Hamburg, 1728): „ ..über funffzig sogenannte Meister (Laquaien ungerechnet) informiren in dieser Stadt allein auf dem Clavier..“. Oder J.A.Hiller in „Wöchentliche Nachrichten und Anmerkungen, die Musik betreffend“, Leipzig, 1766: „das gangbarste und unter den Liebhabern bekannteste Instrument ist das Clavier; es übertrifft daher die Menge der Sachen, die für dasselbe geschrieben, gedruckt und gestochen sind, alles, was die Musik in andern Fächern für sich aufzuweisen hat“.


    Hand in Hand mit dem steigenden Claviernotendruck, und damit rasant steigendem Interesse am Clavier, ging der Instrumentenbau, vornehmlich in Mittel/Norddeutschland: die Cembali werden sehr viel häufiger 2-manualig verlangt und ausgelegt, oft zusätzlich mit einem 16-Fuß ausgerüstet, das Klangvolumen dadurch erheblich verstärkt. Damit war ein „Konzert-fähiges“ Instrument verfügbar, welches den wachsenden Hörerbedarf befriedigen konnte.


    Hinzu kommt die wachsende Anzahl an „öffentlichen“ Konzerten, sei das in „Coffeehäusern“ oder angemieteten Sälen, in denen der Liebhaber als Hörer dabei sein konnte, und der verlangte, dass „sein“ Instrument auch konzertant auftritt. Damit war aber auch klar, dass Clavierkonzerte nicht mehr für „Kenner und Liebhaber“ komponiert wurden, sondern für „Virtuosen“, welche dem Liebhaber zeigten, was alles auf dem Instrument möglich sein kann, für den Liebhaber jedoch nur mehr hörend (und zahlend).


    Die Komponisten, vornehmlich in Mittel/Norddeutschland, haben diese Entwicklung sicherlich aufmerksam beobachtet, und schnell darauf reagiert, sei es aus Eigenbedarf und/oder für Söhne/Schüler (wie bei JSB), oder aus weiteren Gründen. Wie dem auch sei, das Clavierkonzert war da. JS Bach hatte ja schon einen „Vorversuch“ in Köthen mit dem 5. Brandenburgischen Konzert unternommen, hier noch mit weiteren konzertierenden Instrumenten. Jedoch wird die Öffentlichkeit auf den Hof beschränkt gewesen sein. Sicherlich wird er sich an diesen Versuch in den späten 1730ern erinnert und ihn auch aufgeführt haben.


    Hauptaugenmerk werden die Clavierkonzerte CPE Bachs, Komponisten der Berliner Schule wie Schaffrath und Nichelmann sein, um dann weiter auszugreifen in Richtung Dresden und Riga (Goldberg und Müthel). Den Abschluss bilden dann die Konzerte von JCF Bach, mit dem dann das Mittel/Norddeutsche Clavierkonzert zu Ende geht,

  • Die Clavierkonzerte CPE Bachs (Teil I)



    Die beiden derzeitigen Werkverzeichnisse CPE Bachs (Wotquenne, Helm) führen insgesamt 52 Konzerte für Tasteninstrument an, darunter 2 für 2 Claviere. In beiden Verzeichnissen sind die Konzerte chronologisch nach ihrer Entstehung geordnet (Achtung: die späteren Umarbeitungen einiger Konzerte durch CPEB werden nicht berücksichtigt), was eine, wenn auch angreifbare Epochenunterteilung ermöglicht.


    Zusätzlich führt Helm weitere Konzerte an, mit unsicherer Komponistenzuordnung. Sie gehören mit Sicherheit zur „norddeutschen Schule“, ob sie jedoch von CPEB komponiert wurden ist fraglich.


    Dagegen wurde im Archiv der Singakademie ein Clavierkonzert von CPEB gefunden (SA 3058), B-Dur, welches Wotquenne und Helm unbekannt war.


    Mitbehandelt werden hier CPE Bachs „Sonatinen“ für Clavier und Orchester. Davon gibt es 15, darunter 2 für 2 Claviere. Auch hier führt Helm weitere Sonatinen an, mit unsicherer Komponistenzuordnung.



    „In der Komposition und im Clavierspielen habe ich nie einen anderen Lehrmeister gehabt als meinen Vater“, das berichtet Charles Burney von einem Gespräch mit CPEB in Hamburg. Das sagt eigentlich schon alles aus.


    Rachel W. Wade schreibt in ihrem grundlegenden Buch über CPEB´s Clavierkonzerte (The Keyboard Concertos of CPE Bach, 1981, UMI Research Press, Ann Arbor): „man sollte nicht vergessen, dass CPEB sein 1. Clavierkonzert (a-moll, Wq 1) als 19-jähriger 1733 noch unter den Augen seines Vaters komponierte, sein letztes in seinem Todesjahr 1788 (Es-Dur, Wq 47, für 2 Claviere), also in einer Spanne von über 50 Jahren. Nicht überraschend, seine Konzerte beinhalten Elemente von „alt“ und „neu“, vom norddeutschen Contrapunkt, Sturm und Drang, Empfindsamkeit bis hin zum Wiener Klassizismus. Bach war sich dieses Konfliktes sehr wohl bewusst. Deswegen seine häufigen Eingriffe/Änderungen in ältere Konzerte.


    Wir laufen heute jedoch Gefahr, seine Konzerte über die „Modernität“ zu beurteilen. Das ist falsch. Bach schrieb seinen eigenen Stil.“ (frei übersetzt und gekürzt vom Verfasser)


    H. Uldall (s. oben) unterteilt Bachs Clavierkonzerte in 4 Kompositionsepochen, wobei er stilistische/kompositorische Gemeinsamkeiten unterstellt: 1) bis 1738; 2) bis 1759; 3) bis 1767; und schlussendlich die Hamburger Epoche bis 1788. Diese Unterteilung bietet sich an, darf jedoch nicht unkritisch übernommen werden.


    Ein Begriff, der sehr häufig in den Beschreibungen norddeutscher (Clavier) Konzerte auftaucht, ist das „Ritornell“ = das „Wiederkehrende“. Damit ist das Kopfmotiv jeglichen Satzes gemeint, welches in geänderter Form, verkürzt, zergliedert, manchmal gar nur rhythmisch im Laufe des Satzes wieder verwendet wird. CPEB hat meisterhaft diese Konzertform beherrscht und gebraucht. Das Ritornell (und seine vielfältigen Variationen) ist Motor eines Satzes, Quelle harmonischer und dynamischer Überraschungen, Start manchmal schwieriger Virtuosität des Soloinstruments, Bezugspunkt kontrapunktischer Verwicklungen. Ob das norddeutsche Konzert typisch mit 3 oder 4 Ritornellen/Satz ist, kann man getrost der Musikwissenschaft überlassen. Dem Spieler/Hörer bringt eine derartige Diskussion nicht viel.



    CPE Bachs Clavierkonzerte bis 1738:


    Es sind: Wq 1, a-moll, 1733; Wq 2, Es-Dur, 1734; Wq 3, G-Dur, 1737; Wq 4, G-Dur, 1738; oder Helm 403 – 406. Alle diese Konzerte (bis auf Wq 4) wurden später von CPEB überarbeitet (1743 – 1745) und nur diese Fassungen liegen vor.




    Können wir uns den Zustand eines 19-jährigen vorstellen, der unter den aufmunternden, aber sicherlich sehr kritischen Augen und Ohren des Vaters JSB ein Clavierkonzert schreiben will? Und genau so hört sich der 1. Satz des 1. Konzerts in a-moll an: vorsichtig tastend, Risiken vermeidend, wie polyphon darf/muss der Streichersatz sein, kann/soll/darf ich die Ritornelle verändern und wenn, wie? Und: (was wird mein Vater dazu bemerken?) Die Aufmunterungen des Vaters waren anscheinend positiv, denn im 2. Satz riskiert CPEB das vorsichtige Einbringen doch sehr empfindsamer Momente (war zu der Zeit äusserst modern). Offensichtlich hat Papa Bach das goutiert (er war ja auch modern), denn im 3. Satz schreibt CPEB schon ziemlich „enthemmt“. Hier blitzen schon seine Stileigenarten bei Konzerten auf, die er bis an sein Lebensende beibehalten wird: krasse, schnelle harmonische und dynamische Wechsel, „Orchesterschläge“, hochkarätige Cembalovirtuosität, das Kopfmotiv wird zwischen 2. und 3. Ritornell so richtig durch den „Fleischwolf“ gedreht (in späteren Konzerten wird das noch extremer betätigt): das Orchester wirft Motivpartikel ein, das Cembalo, hochvirtuos behandelt, wandelt das harmonisch um (oder umgekehrt). An diese Eigenart sollte sich der CPE Bach Clavierkonzerthörer so schnell wie möglich gewöhnen. Es ist Bach´scher Standard in den meisten Fällen….spannungsgeladen (die Entspannung folgt danach alsbald) und meist genial.


    Etwas Anderes wird beim Hören dieses Konzerts auch sofort klar: der spielende Liebhaber hat ausgedient. Er kann diese Virtuosität nicht mehr beherrschen.


    Das Es-Dur Konzert, 1734 in Leipzig komponiert, bewegt sich auf ähnlichen Bahnen.


    Die Konzerte 3 und 4, beide in G-Dur, in Frankfurt und Berlin komponiert, bieten einen schon etwas geläuterten Streichersatz, sind klarer, unkomplizierter im Aufbau, ein Atemholen sozusagen. Doch das „Adagio“ von Wq 3 (in g-moll) zeigt uns ein weiteres Ausdrucksmittel CPEB´s: den hochpathetischen , verzweifelten langsamen Satz. Er wird dieses Mittel noch manchmal einsetzen, sehr zur Begeisterung der Hörer.



    Die nächste Folge wird die Konzert-schaffensreichste Periode CPE Bachs angehen: von 1739 bis 1759.




    clck 3400

  • Clavierkonzerte CPE Bach (Teil II)



    Wq. 12, F-Dur (Allegro, Largo e sostenuto. Allegro assai). Das Hauptmotiv des Ritornells (1. Satz) verführt zu polyphonen Überlegungen, die CPEB natürlich auch sofort verwirklicht. Ein sehr ähnliches Motiv hat er in seiner Claviersonate H. 40, Wq. 62,6 verwendet. Es ist der einzige Claviersonatensatz CPE´s , der vom 1. bis zum letzten Takt polyphon konzipiert ist. Doch das Haupt“ohren“merk sollte der Hörer auf das Hauptsolo dieses Satzes richten: einen derartigen „Husarenritt“ an Virtuosität, Harmonie, Polyphonie, thematischer Verarbeitung bekommt man selten zu hören, auch nicht in den Clavierkonzerten Mozarts und Beethovens.


    Der 2. Satz steht in…f-moll: über einen chromatisch fallenden Bass (die Chaconne blitzt noch durch) wird ein Lamento ausgebreitet, vom 1. bis zum letzten Takt.


    Der letzte Satz ist etwas fröhlicher (im Hauptsolo geht es dann doch zur Sache), die polyphone Schreibweise für das Orchester wird jedoch beibehalten. Ab und zu blitzen in den Soli „süddeutsche“ Clavierwendungen auf, schnell da und schnell wieder weg. Wollte CPE etwa spotten? Bekanntlich war er ein Spötter, und seine Ansichten über den Mannheimer-, süddeutschen Kompositionsstil hat er mehr als einmal spöttisch dargelegt.


    Ein ähnliches Kopfmotiv setzt CPE in seinem Konzert:


    Wq. 15, e-moll ein, nimmt jedoch die Polyphonie etwas zurück. Erstaunlich in dem 1. Satz ist jedoch Folgendes: das Ritornell endet, jeder nimmt an, dass der Solist nunmehr loslegt. Das unternimmt dieser auch, rechte Hand alleine, ohne Bass, um nach 4 Noten eine Pause einzulegen, all das noch einmal, dann eliminiert CPE die Taktstriche, und fährt im Stil einer „freyen Phantasie“ fort. Erst danach legt der Solist hochvirtuos los. So kann man es auch machen.


    Wq. 14, E-Dur (Allegro, poco Adagio, Allegro assai) ist ein „repräsentatives“ Konzert, es wurde nämlich gedruckt. Folglich schränkt CPE etwas die Virtuosität und harmonische Härten ein (die Noten sollten schließlich gekauft werden). Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen zu zeigen, was er alles kann: das Hauptsolo endet, und jeder Hörer erwartet, dass nunmehr das Ritornell folgen wird. Das kommt auch in Form eines Motivs daraus, streng fugiert, sofort in der Engführung, durch alle Stimmen, und der Solist setzt dieses Spiel munter fort. Es ist ein Beispiel dafür, wie CPEB die Schablone des abschließenden Ritornells durchbricht.


    In diese Periode fallen auch CPE´s „d-moll-Konzerte“, Wq. 17, 22, 23. Sehr offensichtlich dient BWV 1052 als Vorbild. Könnte das Konzert Wq. 17 noch als Versuch gedeutet werden, mit Wq. 22 (gibt es auch als Flötenkonzert) und Wq. 23 steht er qualitativ in Augenhöhe mit dem Konzert seines Vaters, eben nur mit einem neueren Konzertkonzept und seinem Personalstil.


    Weiterhin hervorragende Konzerte sind: Wq. 21, a-moll; Wq. 27, D-Dur (das Orchester mit Pauken und Trompeten, sehr festlich, man wüsste gerne, wo dieses Konzert uraufgeführt wurde); Wq. 29 (auch als Cellokonzert bekannt); Wq. 30, h-moll (er wird der Tonart sehr gerecht), und Wq. 34, G-Dur (für Clavier oder Orgel).


    Mit Wq. 35, Es-Dur wird dieser Periode ein Ende gesetzt. CPE unternimmt eine Kompositionspause bis 1762 für Clavierkonzerte. Warum, ist nicht zu beantworten. Hatte er genug Konzerte zum Vorführen? Langweilte ihn nunmehr diese Konzertform? Machte der 7-jährige Krieg ein geregeltes Konzertieren unmöglich?

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  • Clavierkonzerte CPE Bach (Teil III)



    Von 1759 bis 1762 legt CPEB eine Kompositionspause für Clavierkonzerte ein. Über die Gründe hierfür kann nur gerätselt werden (s. oben)


    1762 nimmt er dieses Genre wieder auf, und schreibt bis zu seinem Weggang nach Hamburg (1767) noch 5 (in Worten: fünf) Clavierkonzerte, davon 2 (Wq. 39 in B-Dur, und Wq. 40 in Es-Dur) höchstwahrscheinlich ursprünglich für Oboe. Die weiteren 3 sind: Wq.36 in B-Dur; Wq. 37 in c-moll; Wq. 38 in F-Dur. Im Vergleich zu der vorherigen Periode ist diese Anzahl nicht gerade üppig.


    Dass CPEB keine Lust auf konzertante Claviermusik mehr hatte, sollte man ihm nicht unterstellen, denn genau in dieser Periode schreibt er 15 Sonatinen für Clavier und Orchester, davon 2 für 2 Claviere (und Orchester).


    Was könnte CPEB dazu gebracht haben, es mit einer neuen Form des Konzerts zu versuchen? Dazu vorab die wesentlichen Unterschiede zwischen „Concerto“ und „Sonatina“:

    • das Wichtigste: das Ritornell, und damit seine Konzertform wird abgeschafft. An seine Stelle tritt ein schwer zu definierender Sonat(in)ensatz. Damit entfällt:
    • der „Wettstreit“ zwischen Solo und Orchester. An seine Stelle tritt sehr vermehrt das gemeinsame, gleichwertige Musizieren: das Orchester trägt die Melodie/das Motiv, das Solo umspielt es. Daraus ergibt sich:
    • der Claviersatz wird technisch einfacher (Vorsicht Liebhaber, geschenkt wird auch da nix).
      • Da all das „spannungsfreier“ abläuft, kann es sich der Hörer im Stuhl etwas bequemer machen (Ironie off)
    • Konnte CPEB keine Ritornelle mehr hören oder komponieren? Haben ihm
      Zuhörer gesteckt, dass sie diese Form endgültig leid sind? In jedem Konzert in Nord/Mitteldeutschland, gleich ob für Clavier, Violine, Oboe, Flöte oder Violoncello: das Ritornell war stets in 3 Sätzen mit von der Partie, und diese meist von Komponisten, deren Namen wir heute Gott sei Dank gar nicht mehr kennen, verknöcherter Berliner Hofgeschmack „ti-ta-tititi“! (Ähnliches könnte 40 Jahre später in Wien auch passiert sein: was auch immer geboten wurde, ob Sonaten, Claviertrios, Konzerte für jegliches Instrument, das Schlussrondo war immer mit dabei, der „lustige Kehraus“, möglichst mit „neckischen“ Themen wie die eines C.M. von Weber, zum Davonlaufen.)
    • Welche Konzerte aus dieser Periode sollten angeführt werden:

    • Wq. 37, c-moll, Allegro assai, Andante e arioso, Presto. Der 1. Satz, im Marschrhythmus, wird strikt durchgehalten. CPEB versucht im letzten Ritornell, den Schluss durch Trugschlüsse herauszuzögern, die Spannung wächst, sehr gut gelungen. Hingegen ist der letzte Satz eine „Presto-Gigue“. Sie „rast“ vom 1. bis zum letzten Takt ohne Pause durch, damit schwierig und anstrengend zu hören, aber es lohnt sich.
    • Wq. 41, Es-Dur, Largo-Prestissimo, Largo, Ziemlich geschwinde. Es ist das 1. Hamburger Konzert, man kann es hören. Von den Berliner Konventionen entledigt, strahlen seine Ritornellthemen einen „befreiten“ Geist aus, die Bläser werden obligat geführt (früher wurden sie aufführungsbedingt beigefügt oder nicht), und eine langsame Einleitung gibt es auch. Der 2. Satz steht, ungewöhnlich, wie aber auch in seinem Doppelkonzert für Cembalo und Fortepiano, in C-Dur. Das Ritornellthema des 3. Satzes hat mit „Berlin“ nichts mehr zu tun, es ist ein „typisches“ CPEB-Thema, wie in seinen Claviersonaten.
    • Wq. 43, 1 – 6. Diese Konzerte sind sozusagen das „Clavierkonzertvermächtnis“ CPE Bachs. Hier moduliert, erweitert CPEB die Ritornellform, ohne sie grundsätzlich infrage zu stellen. Dazu zählen langsame Einleitungen, fließende Satzübergänge (dem „heiligen“ Doppelstrich geht es an den Kragen, wie selbstverständlich obligat geführte Bläserstimmen, das Konzert 43,4 (c-moll) ist sogar 4-sätzig. Die Konzerte wurden auch gedruckt, und dem Herzog von Kurland gewidmet, und sollen technisch „leichter“ sein. Na ja……
    • Kurzum: diese 6 Konzerte sind ein „Hör-Muss“ für jeden Clavierkonzert-Liebhaber.



    Epilog: Was verblieb für die Nachwelt von CPEB´s Clavierkonzerten? Auf den 1. Blick weniger als von seiner Soloclaviermusik. Sie standen zwar noch bis ca 1820/30 auf den Konzertprogrammen in Norddeutschland, und wurden doch langsamer von den Notenpulten durch Beethoven und andere gefegt, als in südlicheren Gefilden. Aber: das Ritornellkonzert war mausetot, das Sonatensatzkonzert trat seinen Siegeszug an. Erst, als dieses durch die Überhandnahme virtuosen Geklimpers und Rondos sich lächerlich machte, besann man sich auf die Konzerte von CPEB, in der Form, dass Clavierkonzerte doch mehr sein sollen als virtuose, eitle Zurschaustellung. Nicht verwunderlich: es war der Norddeutsche Johannes Brahms (der CPEB ´s Musik hoch schätzte), der mit seinem 1. Klavierkonzert in d-moll (uraufgeführt in Hannover) diesen Konzerten den Kampf ansagte. Hier konnte man dann auch endlich wieder einen anständigen Orchestersatz hören, und nicht solche aus dritter Hand (schon Friedrich d. Gr. ließ schreiben, „Quantz, mache er mal…“, und da gibt’s noch einen bedeutenden Komponisten im 19. Jhdt, der die im Grunde genommen völlig überflüssigen Orchestereinleitungen und Schlüsse seiner Klavierkonzerte von Dritten schreiben ließ. Genau so klingen die auch, Schwamm drüber.)

  • Aber: das Ritornellkonzert war mausetot, das Sonatensatzkonzert trat seinen Siegeszug an. Erst, als dieses durch die Überhandnahme virtuosen Geklimpers und Rondos sich lächerlich machte, besann man sich auf die Konzerte von CPEB, in der Form, dass Clavierkonzerte doch mehr sein sollen als virtuose, eitle Zurschaustellung. Nicht verwunderlich: es war der Norddeutsche Johannes Brahms (der CPEB ´s Musik hoch schätzte), der mit seinem 1. Klavierkonzert in d-moll (uraufgeführt in Hannover) diesen Konzerten den Kampf ansagte.

    Das ist ja eine etwas merkwürdige bis kauzige Zusammenfassung, die insbesondere irreführend ist, da sie suggeriert, es hätte der Sonatensatz etwas mit Virtuosität ohne Gehalt zu tun und als würde Brahms das barocke Ritornellkonzert, für das ja besonders Vivaldi beispielgebend ist, wiederbeleben, um polyphone deutsche Tiefe wiederzuerlangen.

    ;)

  • Das ist ja eine etwas merkwürdige bis kauzige Zusammenfassung, die insbesondere irreführend ist, da sie suggeriert, es hätte der Sonatensatz etwas mit Virtuosität ohne Gehalt zu tun und als würde Brahms das barocke Ritornellkonzert, für das ja besonders Vivaldi beispielgebend ist, wiederbeleben, um polyphone deutsche Tiefe wiederzuerlangen.

    Etwas "merkwürdig bis kauzig" ist da höchstens Deine Interpretation meines Textes. Wo schrieb ich denn, dass der Sonatensatz Verursacher einer "Virtuosität ohne Gehalt" sei? Die "Virtuosität ohne Gehalt" und die nichtsagenden Schlussrondos habe das (Klavier)konzert in Sonatensatzform im 19. Jhdt lächerlich gemacht. Dem Ritornellkonzert hätte das ebenso passieren können.

    Selbiges gilt für das 1. Brahms´sche Klavierkonzert. Wo steht denn in meinem Text, dass dieses ein Ritornellkonzert ist?

  • Können wir uns den Zustand eines 19-jährigen vorstellen, der unter den aufmunternden, aber sicherlich sehr kritischen Augen und Ohren des Vaters JSB ein Clavierkonzert schreiben will? Und genau so hört sich der 1. Satz des 1. Konzerts in a-moll an: vorsichtig tastend, Risiken vermeidend, wie polyphon darf/muss der Streichersatz sein, kann/soll/darf ich die Ritornelle verändern und wenn, wie? Und: (was wird mein Vater dazu bemerken?) Die Aufmunterungen des Vaters waren anscheinend positiv, denn im 2. Satz riskiert CPEB das vorsichtige Einbringen doch sehr empfindsamer Momente (war zu der Zeit äusserst modern). Offensichtlich hat Papa Bach das goutiert (er war ja auch modern), denn im 3. Satz schreibt CPEB schon ziemlich „enthemmt“. Hier blitzen schon seine Stileigenarten bei Konzerten auf, die er bis an sein Lebensende beibehalten wird: krasse, schnelle harmonische und dynamische Wechsel, „Orchesterschläge“, hochkarätige Cembalovirtuosität, das Kopfmotiv wird zwischen 2. und 3. Ritornell so richtig durch den „Fleischwolf“ gedreht (in späteren Konzerten wird das noch extremer betätigt): das Orchester wirft Motivpartikel ein, das Cembalo, hochvirtuos behandelt, wandelt das harmonisch um (oder umgekehrt). An diese Eigenart sollte sich der CPE Bach Clavierkonzerthörer so schnell wie möglich gewöhnen. Es ist Bach´scher Standard in den meisten Fällen….spannungsgeladen (die Entspannung folgt danach alsbald) und meist genial.

    Ich weiß, es ist unfein allzulange Zitate zu bringen - aber im konkreten Fall war das IMO einfach notwendig. Diese Texte sind interessant und zeigen den Beginn von C.P.E. Bachs Schaffen. und da wäre es dann doch interessant, wie das geklungen hat. Glücklicherweise hat das Label BIS genau so eine Aufnahme mit Wq 1-Wq 3 im Programm. Während ich den Entschluss fasste mir diese Aufnahme zu bestellen, fand ich sie in meiner Sammlung . Vor ein oder 2 Jahren hatte BIS einige C.P.E Bach-Aufnahmen als "Sommeraktion 2 auf den halben Preis gesetzt, wobei eine Systematik nicht erkennbar war. Ich kaufte 4 Stück davon, in der Meinung, damit genug Cembalokonzerte dieses Komponisten in meiner Sammlung zu haben - für alle Fälle - und zu hören: Irgendwann. Irgendwann ist jetzt. Mit "Bachianer" haben wir einen echten Liebhaber und Kenner diese Komponisten im Forum - und das sollten wir nutzen. Ich werde nicht in der Lage sein (zeitlich UND finanziell) alles zu kaufen und zu hören. Aber ein wenig werde ich in den nächsten 12 Monaten meine (gar nicht so kleine) C.P.E. Bach-Sammlung aufrüsten. Wie schon "Bachianer" richtig schrieb, handelt es sich hier um die ersten 3 Werke der Gattung, aber um die jeweils letzte Version, denn Bach revidierte viele seiner Werke Zeit seines Lebens,

    Die hier gezeigte Aufnahme mir dem Concerto Armonico unter Peter Szüts und mit Miklos Spanyi als Solisten ist der erste Teil einer umfassenden (Gesamt?) Edition der Cembalokonzerte von C.P.E. Bach, ein Projekt für viele Jahre. Projektstart war 1994. Das Concerto armonico spielt auf Originalinstrumenten. Die Kadenzen entstanden als Improvisatioen während den Aufnahmesitzungen.

    Das engesetzte Soloinstrument wird stets optimal passend zum jeweiligen Werk gewählt, man darf nicht vergessen daß hier ein Zeitraum von 50 jahren umfasst wird. Spanyi beklagt im teilweise selbstverfassten Booklet den heutigen Mangel an guten geeigneten Nachbauten historischer Instrumente und gleichfalls warum er hier einem deutschen Instrument gegenüber französischen oder niederländischen den Vorzug gibt.


    Cembalo: Kopie (1991) von Werner Stannat aus der Werkstatt von Michael Walker, Neckargemünd nach Hieronymus Albre Hass (Hamburg 1734)

    Mir ist aufgefallen, daß die Tontechnik das Instrument nicht - wie oft üblich - überbetont, sondern die natürliche Balance aufrechterhält...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Ich weiß, es ist unfein allzulange Zitate zu bringen - aber im konkreten Fall war das IMO einfach notwendig. Diese Texte sind interessant und zeigen den Beginn von C.P.E. Bachs Schaffen. und da wäre es dann doch interessant, wie das geklungen hat

    Also, CPEB´s Clavierkonzertschaffen ist von Spanyi nunmehr komplett eingespielt worden. incl. der Sonatinen mit Orchester und der beiden Doppelkonzerte (2 Claviere), in tutto auf 20 CD´s.

    "Wie das geklungen hat"? Darüber wird sich seit Urzeiten vehement gestritten. Die Tasteninstrumente: das Clavichord fällt aus, es kann hinsichtlich der Klangstärke nicht mithalten. Es verbleiben folglich das Cembalo oder die Hammer/Tangentenflügel. CPEB hat in Berlin beide Instrumenttypen zur Verfügung gehabt. Die Cembali seiner Auswahl, deutsche Instrumente, stammen von Mietke (häufig mit 16-Fuß und 2-manualig) oder Silbermann (2-manualig), die Hammerflügel ebenfalls von Silbermann (siehe auch den Besuch von JSB in Berlin (1747), und seine Improvisationen in Anwesenheit von Friedrich II) auf dem neuen Silbermannflügel. In Hamburg ist die Sachlage nicht so eindeutig. Man kann jedoch davon ausgehen, dass dort stets ein großes, norddeutsches Cembalo (z.B. Hass) zur Verfügung stand. Hinsichtlich der Hammerflügel weiss man nichts. Wegen des intensiven wirtschaftlichen Kontakts zwischen Hamburg und Groß Britannien drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass ggfls auch englische Hammerinstrumente (Broadwood, Shudy) zum Einsatz kamen.

    Aus diesen Kenntnissen/Vermutungen leitet Spanyi seine Auswahl deutscher Instrumente ab. Franzosen? Niederländer? Das sind keine Konzertinstrumente, es fehlt der kräftige Klang und die Gravität!

    Welches Clavierkonzert auf welchem Instrument gespielt werden soll/kann, bleibt dem Interpreten überlassen. Da gibt es keine einheitliche Festlegung. "Concerto per il cembalo"? Sagt leider nichts Definitives aus. "Cembalo" umfasste damals viele Tasteninstrumente. Das einzige Konzert von CPEB mit präziser Instrumentenbezeichnung ist seine vorletzte Komposition, das "Concero doppio a Cembalo concertato, Fortepiano concertato", Wq47. Diese wohl einmalige Konzert sollte jedoch in einem gesonderten Thread behandelt werden.