Haydns Klaviertrios - Salonmusik?


  • Im Gegensatz zu Dir habe ich das alles erst ein paarmal gehört. Mal sehen, ob ich mir diesmal etwas merken werde ...


    Ich habe die meisten davon auch erst ein paarmal gehört; nur hatte ich eben etwa drei einzelne CDs lange vor der GA; einige von denen habe ich entsprechend häufiger gehört. Von dem fis-moll wusste ich, ohne es wieder anzuhören, auch nur noch, dass es den langsamen Satz hat, der auch in der Sinfonei 102 vorkommt, weil das eine ziemlich einmalige Sache bei Haydn ist. (Es gibt noch das Menuett mit der Umkehrung in einer frühen Klaviersonate und der Sinfonie 47.)


    Zitat

    Spradow Und vergiss nicht Nr. 19 (g-moll)! Es sind ziemlich viele Mollwerke unter den Trios;


    Das habe ich nicht vergessen, wohl nur nicht erwähnt, weil ich 18-20 schon in toto empfohlen hatte. Nr. 12 e-moll hat einen schnellen Kopfsatz in Moll, Nr. 13 c-moll ist zweisätzig mit Moll-Dur-Doppelvariationen und einem schnellen Durfinale. Diese beiden sind zwar auch "spät", aber doch erheblich früher als die anderen bisher genannten. Beim frühen g-moll ist meines Wissens die Autorschaft umstritten.


    Ist allerdings schon seltsam, dass Nr. 25 G-Dur nach wie vor mit Abstand das populärste Trio zu sein scheint. Wenn ein Trio-Ensemble eine Auswahl-CD einspielt, ist es fast immer dabei...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ist allerdings schon seltsam, dass Nr. 25 G-Dur nach wie vor mit Abstand das populärste Trio zu sein scheint. Wenn ein Trio-Ensemble eine Auswahl-CD einspielt, ist es fast immer dabei...


    Ich finde das gar nicht seltsam.
    1) das Finale
    und
    2) ist immer wieder die Violine solistisch unterwegs ohne Klavier colla parte.
    Bei modernen Instrumenten unHIP dürfte das auch eine Rolle spielen.


  • http://www.jpc.de/jpcng/classi…-12-25-27-29/hnum/5557297


    Unter der Adresse ist folgendes zu lesen :


    "Das Wiener Publikum sehnte sich nach hochwertigen Alternativen zum Streichquartett. Mit seinem e-Moll-Trio (Hob. XV: 12) erfüllte Haydn 1789 noch vor seinen England-Reisen die Erwartungen voll und ganz. Kaum fertig gestellt, wurde es ihm von seinen Verlegern schon förmlich aus den Händen gerissen.


    Durch diese Erfolge angespornt, ließ sich Haydn während der zweiten England- Reise in den Jahren 1794 / 95 zusätzlich von der Pianistin Therese Jansen-Bartolozzi zu seinen bedeutendsten Trios inspirieren, widmete ihr die beiden Trios C-Dur und Es-Dur (Hob. XV: 27 und 29) und stand ihr außerdem bei der Hochzeit mit einem Kunsthändler als Trauzeuge zur Seite.


    20 Jahre jung, ehrt das Wiener Klaviertrio den großen Joseph Haydn zu dessen 200. Todestag mit einer exquisiten Aufnahme von vier Klaviertrios aus dessen mittlerer und später Schaffensphase, darunter das äußerst populäre „Zigeunertrio“ in G-Dur.


    Mit dieser Einspielung knüpft das Trio nahtlos an die hervorragenden Aufnahmen sämtlicher Klaviertrios von Schubert und Dvorák an und bestätigt damit wieder einmal seine hohe künstlerische Qualität. Hier finden Wiener Charme und sprichwörtlicher Haydnscher Witz zu einer zwingenden und absolut elektrisierenden Wiedergabe. "


    Kennt jemand von euch diese Aufnahme?
    Ich persönlich tendiere verständlicherweise zu der des Beaux Art Trios - aber der Preis...... :huh:







  • Hallo zusammen,


    die Aufnahmen mit dem Haydn Trio Eisenstadt besitze ich auch und habe ich alle jeweils ein mal angehört. Sehr schöne Aufnahmen! Aber wenn ich aktuell Lust auf Haydn-Klavier-Trios habe, dann greife ich immer zu folgenden Aufnahmen von Andras Schiff, Yuuko Shiokawa und Boris Pergamenschikow (bitte nicht von den Blumen-Covern abschrecken lassen! ;)):



    Diese Aufnahmen faszinieren mich mich deutlich mehr!
    Sehr spannend musizierte Kammermusik mit angenehm transparentem Klang!


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Ich besitze mehrere Aufnahmen der Haydn Klaviertrios und meine absolute Lieblingseinspielung ist die vom Beaux Art Trio. Sicher, sie ist nicht HIP und die Interpretation nimmt manchmal durchaus "romantische Züge" an, aber das BAT schafft es aus wirklich jedem Trio etwas herauszuholen, auch aus den frühesten. Die Klangschönheit dieser Aufnahmen ist zu bewundern. Eigentlich wäre diese Box etwas für die einsame Insel. Abschließend möchte ich sagen, dass man die Haydn Trios was kompositorische Komplexität betrifft, schwer seinen Streichquartetten an die Seite stellen kann, aber die Trios sind meiner Meinung nach Haydns "sinnlichste" Werke.

  • Interessant, daß sich - soweit ich die bisherigen Texte überflogen habe - noch niemand zur Titelfrage geäussert hat.
    Natürlich ist das KEINE Salonmusik, der Begriff wurde ja erst später eingeführt. Und der negative Beiklang - vorerst vereinzelt - setzte sich erst später durch.

    Andrerseits war die Sucht nach "Meisterwerken" im heutigen Sinn nicht ausgeprägt.
    Die Nachfrage nach Klaviertrios war zu ihrer Glanzzeit besonders in Wien und London ausgeprägt, eine Modeerscheinung gewissermsßen, die aber mach einigen Jahren verblasste...
    Persönlich besitze ich die Gesamtaufnahme mit dem Trio 170 auf historischen Instrumenten - und seit einigen Wochen/Monaten jene mit dem Trio Eisenstadt,(Phoenix Edition) welche konventionelle Instrumente benützen. Ehrlich gesagt bevorzuge ich in diesem Fall die Eisenstädter Aufnahmen, die Stücke haben mehr "Körper" und klingen (meiner Meinung nach) runder , dynamischer und generell überzeugender. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die gewählte Reihenfolge der aufgenommenen Stück, ich hätte eine Ordnung in chronologischer Reihenvorzeuge vorgezogen....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Zu der fast provokativen Frage, ob es sich bei HAYDN's Kaviertrios um Salon-Musik handelt, möchte ich mit einem ganz entschiedenen "NEIN!" Stellung beziehen.


    HAYDN beschäftigte sich fast sein ganzes Leben lang mit der Musikgattung "Klaviertrio", die er von dem TRIO NR 1 bis zu seinem letzten Nr. 32 zu immer größerer Meisterschaft entwickelte. Für ihn hatten seine Klaviertrios die gleich große Bedeutung wie seine berühmten Quartette. Sie entfernten sich in punkto Konzeption, Tiefe und Ernsthaftigkeit sehr schnell von braver Hausmusik oder Gelegenheitskompositionen für Fürstenhöfe, wie dies bei seinen Zeitgenossen häufig der Fall war, und seine späteren Klaviertrios können als absolute Meisterwerke bezeichnet werden.


    Nachdem HAYDN von seinem zweiten Londoner Aufenthalt, wo er für die renommierte Pianistin THERESE JANSEN drei Sonaten komponiert hatte, 1795 nach Wien zurückgekehrt war, schickte er eines der damals entstandenen Klaviertrios an den Verleger Breitkopf. Ein besonderer Wurf war ihm mit dem Hob. 15 Nr. 25 in G-Dur, dem inzwischen wegen des genialen" Rondos all' Ongarese als "Zigeunertrio" berühmt gewordnenen Klaviertrios gelungen, dessen Mittelsatz "Poco Adagio cantabile" schon sehr romantische Züge aufweist und ein herrliches Zusammenwirken von Klavier, Violine und Cello zelebriert. Das mitreißende Schlußrondo mit stark ungarischer Färbung runden die Begeisterung über ein Meisterwerk echt haydnscher Prägung und Ideenvielfalt ab.


    Zu alledem besitze ich dieses Werk, das zu einer meiner liebsten Kammermusiken zählt, in einer geradezu kongenialen Einspielung mit dem Ensemble "DIE INSTRUMENTISTEN", die beim österreichischen Label "amadeo" erschien. Es handelt sich hier um eine Gruppe von MITGLIEDERN DER WIENER SYMPHONIKER, die auf sehr alten und wertvollen, herrlich klingenden Originalinstrumenten des frühen 18. Jahrhunderts aus der berühmten Werkstatt von ANTONY POSCH, mit großem Einfühlungsvermögen und hohem Können musizieren. Es sind dies GEORG SUMPIK , Violine Posch 1721, ERNST KNAVA, Violoncello Posch 1738, und HERBERT WEISSBERG, auf einem Hammerflügel von F. X. Hubert 1795. Das Ergebnis ist ein musikästhetischer Genuß. Die sehr homogenen Instrumente klingen wunderbar authentisch, wobei es das kleine Tafelklavier etwas schwer hat, sich in schnellen Passagen so zu behaupten, wie man dies von einem modernen Flügel gewohnt ist, und die Interpreten spielen auf Darmsaiten und mit Originalbögen so lebendig und gleichzeitig präzise und intonationssicher, wie man dies selten auf Originalinstrumenten hört.


    Die LP enthält übrigens auch noch HAYDN's "DIVERTIMENTO C-Dur - Der Geburtstag", Hob. 2 Nr. 11, sowie das Streichquartett Hob.3 Nr. 1 B-Dur, beides ähnlich meisterhaft gespielt und von größtem Wohlklang! Wer diese Aufnahme noch irgendwo erstehen kann, und sei es antiquarisch, der sollte zugreifen!


    Viele Grüße


    wok

  • Irgendwie lasse ich mich immer wieder dazu hinreissen Aufnahmen der Klaviertrios von Haydn zu kaufen. Irgendwie wurde ich mit den rhrt schlanken Klang mit den Aufnahmen des Trios 1790 nich glücklich, und konnt der Versuchung nicht wiederstehen die Aufnahme mit dem Van Swieten Trio zu erwerben. Eigentlich hatte ich ja hineingehört, aber scheinbar war meine Kaufgier zu jenem Zeitpunkt besonders ausgeprägt. Denn die Aufnahme enttäuschte mich eher. Ich werde nie verstehen, warum die Interpreten, welche "alte" Instrumente (oder Nachbauten) einsetzen, versuchen besonders dynamisch zu wirken, das bringt dann die negativen Eigenschaften, wie schrille und sirrende Streicher und klimpernde Klaviere besonders zum Ausdruck. Hier ist die Aufnahme des Trio 1790 im Vergleich geradezu ein Labsal. Von letztewre fehlen mr noch die Folgen Nr 7 (Leere Hülle, CD scheinbar verloren) und Vol 8 (nie gekauft) die ich nun schweren Herzens nachkaufen werde.

    Anscheinend wandelt sich derzei mein Geschmack, denn die Naxos Aufnahmen mit modernen Instrumenten (bis heute nicht komplett erschienen) gefallen mit eindeutig besser

    Ich war übrigens überrascht auf welches Interesse die Trios in der Vergangenheit hier im Forum gestoßen sind.

    Anmerkung am Rande: Die BRILLIANT-Ausgabe enthält alle 45 Klaviertrios- auch die zweifelhaften Zuschreibungen.....


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Ich werde nie verstehen, warum die Interpreten, welche "alte" Instrumente (oder Nachbauten) einsetzen, versuchen besonders dynamisch zu wirken, das bringt dann die negativen Eigenschaften, wie schrille und sirrende Streicher und klimpernde Klaviere besonders zum Ausdruck.

    Hm, ich habe die Aufnahme und bin sehr zufrieden damit, obwohl ich "besonders dynamische" im Sinne von extravagant-kratzige HIP-Aufnahmen weniger schätze. Was ist denn an dieser Aufnahme "besonders dynamisch"? Oder magst Du doch den Klang der Klaviere und Solostreicher dieser Zeit generell nicht und präferierst den Klang moderner Instrumente?

  • Nun - ich bin mir darüber nicht im Klaren. üherer Zeit war ich eher ein Verfechter von Aufnahmen mit historischen Instrumenten, wobei sich hier die Klangphilosophie der Interpreten im Lauge der Jahre stark änderte. - und auch meine Einstellung zu Detailfragen. So bot das Collegium aureum als einer der Pioniere det Interpreten auf Originalinstrumenten ein eher temperamentarmes Spiel. Persönlich kam "The english Concert" unter Trvor Pinnock meinem Ideal am nächsten - gefolgt von "Akamus"

    Usprünglich zog ich auch ein "original historisches" Klavier oder Cembalo einem Nachbau vor - Das hat sich inzwischen geändert. (die von mir hier genannten Aufnahmen spielen eigentlich sowieso auf Nachbauten)

    In neuerer Zeit präferiere ich aledings eher den Klang "moderner" Instrumente - was mich eigentlich wundert. Vielleicht hängt es mit den fortschreitenden Hörverlust im Alter zu sammen (?)

    Ich werde auf jeden Fall versuchen mehrere der Aufnahmen intensiver und bewusster zu hören. Ich empfand sie bislan teilweise als etwas spröde...


    mfg aus Wien

    Alfred

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