Die Besten von Mahler

  • Hmm...tja... das ist etwas delikat: Das Lied von der Erde ist eher eine Kantate, aber das sind einige von Mahlers Sinfonien eigentlich auch. Im nachhinein wird mir klar, dass dieses Werk mit in den Reigen der zu nennenden Aufnahmen einbezogen werden müsste...


    Jetzt isses zu spät. Wenn jemand seine Erdenlied-Präferenz nachschieben möchte, soll er das tun.


    Mein Lied von der Erde: Klemperer/Wunderlich. Was sonst?


    Gruss,


    Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    dann will ich einmal meine Favoriten (soweit es geht - oft ist es ein Kopf-an-Kopf Rennen, bzw. Spielen) nennen:


    M1: Solti, CSO, Decca
    M2: Bernstein,NYP, Sony
    M3: Abbado, WP, DG
    M4: Solti, CSO, Decca
    M5: Barbirolli, NPO,EMI
    M6: Szell, CO, Columbia
    M7: Solti, CSO, Decca
    M8: Kubelik, SOdBR, DG
    M9: Klemperer, NPO, EMI
    Lied von der Erde: Klemperer, NPO, EMI


    Gruß
    Uwe

  • RealHendrik schrieb:



    [zitat]
    Hmm...tja... das ist etwas delikat: Das Lied von der Erde ist eher eine Kantate[zitat]


    Na ja. Mahler hat "Symphonie" drübergeschrieben, das sollte für uns Normalsterbliche doch reichen, oder?
    (Ich würde es sowieso nicht als Kantate sondern als Liederzyklus sehen.)


    [zitat]Mein Lied von der Erde: Klemperer/Wunderlich. Was sonst?[/zitat]


    Ich habe zwei eher überraschende Vorschläge zu machen, beide gefallen mir wesentlich besser als Klemperer.




    Tennstedt's Mahler at its very best! Auch wenn die Sänger (v.A. Klaus König) nicht ideal sind, berührt mich die Aufnahme mehr als alle anderen. Die einzige bei der ich ernsthaft das Gefühl habe, der "Abschied" sei viel zu kurz!
    Ist mittlerweile als Low-Price CD in der double fforte-Serie mit der exzellenten Fünften gekoppelt wieder erschienen.




    Schnell, trocken und gut. Muss ich mehr sagen? (Nicht von der fehlenden Mahler-Reputation der Musik irritieren lassen, die Aufnahme ist wirklich gut!)
    Gibt's bei 2001 für'n Appel und 'nen Ei.


    Jan

  • Jochum bringt man ja nicht unbedingt mit Mahler in Verbindung. Aber da ich beide sehr schätze, werde ich mir die Aufnahme zulegen...


    Meinen Favoriten habe ich bereits gepostet:




    Klemperers "Lied der Erde" ist zweifellos großartig, aber eine Sensation ist die Aufnahme mit Rafael Kubelik.


    Für alle Mahler-Kubelik-Fans ist diese Aufnahme eine Schließung einer Repertoire-Lücke, denn bei der Deutschen Grammophon hat er "das Lied der Erde" nicht aufgenommen und zum anderen bietet der Mitschnitt eines Konzerts vom 27. Februar 1970 eine ganz besondere Atmosphäre.


    Waldemar Kmennt reicht stimmlich zwar nicht an Wunderlich heran, aber für mein Empfinden ist Kmennt "näher am Text", er beeindruckt durch eine sehr differenzierte "Lesart des Textes" (die ich natürlich Wunderlich auch nicht absprechen möchte).


    Janet Baker stellt ibs. mit ihrem "Abschied" sogar Christa Ludwig in den Schatten. Verinnerlichter, quasi intimer, kann man den "Abschied" imo nicht singen.


    In einer Rezension des Konzerts in der "Süddeutschen Zeitung" hieß es, das Orchester spiele wie "ein einziger Organismus aus hundert Solisten".


    Gemessen an dem Alter und der Tatsache, daß es eine Live-Aufnahme ist, klingt sie sehr gut und ist frei von jeglichen Störgeräuschen.


    Euphorisches Fazit: Eine Aufnahme für die einsame Insel.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Die Gewinner - Zwischenstand vom 27. Juli 2004]


    Nachdem ich ursprünglich einen anderen Thread für die "Auswertung" des Besten von Mahler-Threads aufgemacht habe, werde ich ab sofort die Ergebnisse hier posten.


    Von verschiedenen Seiten wurde ich auf die Delikatesse des Problems hingewiesen, aus einer derart geringen Anzahl an "Mahler-Volk" eine repräsentative statistische Auswertung zu erheben. Natürlich ist mir klar, dass das bei der Vielzahl der Einspielungen und der geringen Zahl der hier umfrageteilnehmenden Forumsmitglieder keineswegs ein repräsentatives und vor allem allgemeingültiges Ergebnis sein kann. Mir hat's trotzdem Spass gemacht - und das Ergebnis ist in gewisser Weise doch erhellend...


    Fangen wir mal an mit den Sinfonien, bei denen fast jeder etwas anderes angegeben hat und die somit (aus Forumssicht) fernab jeder tatsächlich verfügbaren Referenzaufnahme sind. Verloren haben also:


    • Sinfonie Nr. 3 (sechs verschiedene Stimmen bei zwei Enthaltungen, aber zweimal wurde Abbado mit den Wienern genannt)
    • Sinfonie Nr. 4 (eine Enthaltung, aber eine leichte Präferenz zu Bernstein (allerdings mit zwei verschiedenen Aufnahmen) und Klemperer)
    • Sinfonie Nr. 5 (eine Enthaltung, Bernstein und Chailly werden aber jeweils zweimal genannt)
    • Sinfonie Nr. 9 (drei Enthaltungen, dafür werden Karajan/Berliner, Klemperer/New Philharmonic und Bernstein/Berliner je zweimal genannt)


    Zu wenig genannt wurden die Zehnte und das Lied von der Erde, darum möchte ich das auch nicht weiter erfassen. (Wobei das Erdenlied eínheitlich mit der Wunderlich/Ludwig/Klemperer-Aufnahme genannt wurde und es wohl deshalb per se verdient, als "Referenzaufnahme" genannt zu werden.)


    Aber eine deutliche Bevorzugung ist gegeben bei:


    • Sinfonie Nr.2: Otto Klemperer wurde viermal genannt (allerdings je zweimal mit zwei verschiedenen Aufnahmen)
    • Sinfonie Nr.8: Wieder Sir Georg, viermal mit der Chicago-Aufnahme
    • Sinfonie Nr. 6: Nochmal Solti Chicago (viermal genannt)


    Und als echte Gewinner, sozusagen mit absoluter Mehrheit, gefallen den teilnehmenden Forumsmitgliedern:


    • Sinfonie Nr. 1: Georg Solti, fünfmal genannt, davon viermal mit seiner CSO-Aufnahme
    • Sinfonie Nr. 7: Claudio Abbado mit dem Chicagoer SO - fünfmal genannt


    Nochmal die Anmerkung, bevor mich jemand der Unsachlichkeit zichtigt und versucht, wilde Diskussionen über Subjektivität und Objektivität und Unrepräsentativität: Das Ganze hier ist als Spass zu verstehen.


    Mein persönliches Resummée: Ich finde es erhellend, was andere Mahler-Liebhaber so bevozugen. Und ich werde mich auf jeden Fall mit einigen Nennungen ausführlicher beschäftigen, z.B. mit den "Gewinnern"...


    Und nochmal für alle (und besonders für Dich, peet!) die Spielregeln - noch kann hier teilgenommen werden: Es geht hier nicht um Objektivität. Hier geht es lediglich darum, dass Mahler-Kenner für jede Sinfonie ihre bevorzugte Aufnahme (bitte jeweils nur eine!) nennen, völlig subjektiv und ohne grossartige Argumentation, warum. Auch der Mut zur Lücke ist gestattet - hier sollen nur Aufnahmen genannt werden, die im Ohr des Einzelnen wirklich keine Wünsche offen lassen. Eine Diskussion ist hier allerdings weniger erwünscht.


    Gruss,


    Hendrik

    Einmal editiert, zuletzt von RealHendrik ()

  • Zunächst mal vielen Dank für die besondere Achtung! :)


    Ich studiere vorhandene Diskographien sehr aufmerksam. Zu Mahler gibt es mehrere auch im Internet. In meisten Fällen werden sie als Quelle für den eigenen Einkauf dann ernst genommen, wenn sie eine Beurteilung beinhalten, egal wie subjektiv sie ist.


    Dasselbe nur zum Spass geht es auch, dann sollte man aber nicht so ernst werden, wenn es zu einer Diskussion kommt. :)


    Noch einmal also:
    Vorsicht mit der Statistik. Ich würde vorschlagen, entweder eine ausführliche begründete Darstellung der Lieblingsaufnahmen zu bringen, die dann den subjektiven Standpunkt klar macht und in sich schlüssig ist, oder eine Erhebung der Marktlage, wo dann aber klar wird, daß weniger genannte Aufnahmen gleich weniger gekauft werden und nur deswegen weniger bekannt, dafür aber nicht unbedingt deswegen schlechter sind. Nur wenn man mindestens zwei Drittel der Diskographie erfasst hat und dabei alle von verschiedenen Autoren besonders empfohlene Aufnahmen berücksichtigt hat, kann man representativ beurteilen. Also entweder bewußt subjektiv und im stolzen Bewußtssein, womöglch nur eine einzige Aufnahme als Referenz zu kennen und folglich ein Sklave des Marktes zu sein oder mehr objektiv und dann aber mehr Zeit und Geld investieren...


    Wir sind hier in einem öffentlichen Forum und der eine hat Spass von der nichtssagenden und nicht interpetierbaren Auflistung, und der andere - von den begründeten subjektiven Empfehlungen, die sich bewähren. Darüber lässt sich diskutieren, was aus meiner Sicht gerade der Sinn eines Forums ist.

  • By the way - habe gerade in einem Geschäft sehr günstig die 1. + 2 . Mahler mit Bruno Walter gesehen, einmal mit dem Columbia SO und einmal mit den New Yorkern. Scheint eine Sony-Neuveröffentlichung zu sein. Kennt jemand die Einspielungen - wohl aus 1957 -es scheinen Stereo-Einspielungen zu sein.
    Lohnt die Anschaffung?
    Gruß
    Achim

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • peet: Keine Ursache für die "besondere Beachtung" - ich finde Diskussionen durchaus anregend, insofern auch hier: gerne! wenngleich ich in "meinen" Spielregeln eigentlich eine ausführliche Diskussion ausgeschlossen habe - dafür gibt es genug andere Threads. Und als Grundbedingung war: je eine Aufnahme der Syms zu nennen, ohne zu begründen, warum sie (subjektiv) bevorzugt wird - sie muss allerdings die bevorzugte Aufnahme sein, am besten diejenige, die den Abstimmer so berührt hat, dass er sich keine bessere Aufnahme vorstellen will.


    Warum das keine Diskussion erfordert? Zum einen wird (hier und anderswo) alles Mögliche breit und lang diskutiert, ohne zu einem schlüssigen Ergebnis zu kommen. Zum anderen: Auf diese Weise bekommt man Hinweise auf Aufnahmen, die man noch nicht kennt, aber - aufgrund der Spielregeln - durchaus zu den Besseren gezählt werden können. Das Interessante daran sind die Erfahrungen, die man dann anhand der genannten Aufnahmen selbst machen kann. (So habe *ich* zum Beispiel die Siebte mit Abbado und CSO überhaupt erst "entdeckt"...)


    @achim.cremerius: Die Erste von Walter mit dem Columbia SO ist meine Bevorzugte Erste (siehe Anfang des Threads) und hat bei mir sogar den ansonsten hochgelobten Georg Solti (sowohl mit der LSO- als auch mit der CSO-Einspielung) geschlagen, trotz einiger spieltechnischer Unsauberheiten. Die Aufnahme ist von 1961. Die Zweite mit den NY ist etwas früher (1957?) aufgenommen, soll (ich kenne sie nicht) auch zu den "Referenzeinspielungen" gehören...


    Gruss,


    Hendrik

  • @ Hendrik


    Ich habe nichts gegen jede einzelne Auflistung, ob mit oder ohne Begründung. Wenn man den Menschen, der dahinten steht, nicht kennt, wenn derjenige seinen Geschmack nicht erklärt, dann sagt mir diese eizelne Meinung halt viel zu wenig. Zum Beispiel, hypothetisch gesehen, würde der eine die Auflistung von dem einbringen, was aktuell lieferbar ist, und der andere - von den jeweils einzigen Aufnahmen, die er seit Jahrzehnten besitzt. Beide Auflistungen wären als eine Empfehlung für mich nicht representativ. Aber tolerierbar, da wir in einem öffentlichen Forum sind, wo jeder das sagen kann, was er will, solange der Moderator schläft.


    Wenn du aber aus diesen Auflistungen, wie sie sind, eine statistische Erhebung machen willst, dann halte ich es für eine falsche Methode, the best of the best zu bekommen. Die Methode halte ich für nicht tolerierbar, auch zum Spass. Und auch wenn sie nur zum Spass gemacht wird, dann darf sie - aus meiner Sicht - nicht ohne eine methodologische Widerlegung stehen bleiben. Diese Widerlegung habe ich oben schon geschrieben, so daß ich sie nicht wiederhole. Und es wundert mich, daß du deine Spassmethode zunächst ohne eine Diskussion durchsetzen möchtest.


    Es gibt dutzende von Aufnahmen, die einem noch unbekannt sind. Das wäre der Sinn einer sich nach und nach ergänzenden Diskographie, die aber erst dann als eine tatsächliche Empfehlung verstehen lässt, wenn sie verarbeitet wurde. Es sind eben unterschiedliche Aufnahmen der Weg zu Mahler, weil seine Kunst so viele Facetten hat. Es gibt keine enzige richtige Aufnhame, es kann eine besonders korrekte sein oder besonders gefühlvolle oder besonders effektvolle oder besonders kontrastreiche usw. Somit kann eine bloß arithmetische Statistik hier nur fehl am Platze sein, sie darf nicht den Titel "die Besten von" tragen.

  • Peet schrieb



    [Zitat] Ich habe nichts gegen jede einzelne Auflistung, ob mit oder ohne Begründung. Wenn man den Menschen, der dahinten steht, nicht kennt, wenn derjenige seinen Geschmack nicht erklärt, dann sagt mir diese eizelne Meinung halt viel zu wenig.[/Zitat]


    Uh... Geschmack erklären... ist ja noch delikater...


    Vielleicht mal so 'rum: Hier werden Aufnahmen genannt, die - in Unkenntnis des persönlichen Geschmacks jedes Einzelnen - einem besonders ans Herz gewachsen sind, die einen berührt haben und "wunschlos" glücklich machen. Ohne sich mit einer breitdiskutierten Begründung, warum man genau diesen Geschmack hat, herumschlagen zu müssen, wird man auf die eine oder andere Aufnahme hingewiesen, die einem sonst im Wust der vielen Aufnahmen der Aufmerksamkeit entzogen wäre...


    peet schrieb:


    [Zitat] [...] Beide Auflistungen wären als eine Empfehlung für mich nicht representativ. Aber tolerierbar, da wir in einem öffentlichen Forum sind, wo jeder das sagen kann, was er will, solange der Moderator schläft. [/Zitat]


    Dass solche Auflistungen repräsentativ wären, habe ich nie behauptet, sondern im Gegenteil sogar ausdrücklich verneint. Übrigens ist der Moderator in diesem Forum hellwach!


    peet schrieb:


    [Zitat] Wenn du aber aus diesen Auflistungen, wie sie sind, eine statistische Erhebung machen willst, dann halte ich es für eine falsche Methode, the best of the best zu bekommen. Die Methode halte ich für nicht tolerierbar, auch zum Spass. [/Zitat]


    Dazu habe ich schon anderslautende Meinungen gehört. Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass schon neun Forumsmitglieder an diesem Spielchen teilgenommen haben: Mithin also etwa ein Viertel aller Taminoianer. Scheint also doch was dran zu sein - und wenn es nur der Spassfaktor ist.


    peet schrieb:


    [Zitat] Und es wundert mich, daß du deine Spassmethode zunächst ohne eine Diskussion durchsetzen möchtest. [/Zitat]


    Mich wundert es, dass Du über diese Methode diskutieren willst, aber gleichzeitig das Spielchen ablehnst.


    peet schrieb:


    [Zitat] Es gibt dutzende von Aufnahmen, die einem noch unbekannt sind. [...] Es gibt keine enzige richtige Aufnhame, es kann eine besonders korrekte sein oder besonders gefühlvolle oder besonders effektvolle oder besonders kontrastreiche usw. [/Zitat]


    Ich habe nie etwas anderes behauptet. Es geht hier nur darum - und da wiederhole ich mich gern - welche Aufnahmen man subjektiv, persönlich, nach eigenem Geschmack bevorzugt, und zwar so, dass man selbst subjektiv, persönlich, nach eigenem Geschmack seine Aufnahme(n) gefunden hat und in der Richtung nicht nach mehr verlangt. (Was natürlich nicht ausschliesst, dass sich dieser Geschmack einmal ändern könnte. Aber der Wunsch ist augenblicklich nicht da.)


    peet schrieb:


    [Zitat] Somit kann eine bloß arithmetische Statistik hier nur fehl am Platze sein, sie darf nicht den Titel "die Besten von" tragen.
    [/Zitat]


    Sondern?


    Ketzerischer Gedanke: Solche Threads kann man auch umgekehrt ansetzen: "Die Schlechtesten von Mahler" (oder wer auch immer)! Da nennt man dann nicht die Aufnahmen, die einen besonders berührt haben, sondern die, die so grauslich sind, dass man sie schlicht ablehnt... Allerdings dürfte das nicht ganz so einfach sein: Plattenproduktionen macht man in der Regel von Aufführungen, die mindestens einem gewissen, na, sagen wir: Mittelklasse-Standard entsprechen. Grottenschlechte Aufnahmen dürfte es da eher selten geben.


    Peet, auch wenn Du Statistiken und solcherlei "Klassikcharts" ablehnst, ich möchte Dich dennoch nachdrücklich auffordern, Deine Stimmen für Deine ultimativ bevorzugten Mahler-Aufnahmen abzugeben. Es ist ganz leicht und geht schnell! Scheue Dich nicht, auch ungewöhnliche Aufnahmen zu nennen, habe auch Mut zur Lücke und nenne einfach keine Aufnahme, wenn Dir keine bekannt ist, die Dich zufriedenstellt.


    Gruss


    Hendrik

  • Wenn du also nichts dagegen hast, die Statistik runterzuspielen, dann würde ich deine Gewinnerliste an deiner Stelle anders benennen, z.B. Lieblingsaufnahmen der Taminoforianer o.ä. *g*


    Ich beteilige mich an dieser Umfrage nicht. Nach Jahrzehnten meiner Beschäftigung mit Mahler bin ich nicht so weit, um alle Aufnahmen zu kennen. Von den Gesamtaufnahmen halte ich nicht viel. Und seine Partituren haben immer wieder mehr in sich als eine einzige Aufnahme. Deswegen wenn ich schon etwas nennen sollte, dann eben gleichzeitig einige (aus oben beschriebenen Gründen). Wenn ich jetzt aufs Neue mehrere Aufnahmen von all seinen Symphonien vergleichen sollte, um den heutigen Stand de Dinge zu ermitteln, würde es für mich viel zu viel Arbeit bedeuten. Wenn du meinst, was ich verstehe :)

  • Hallo


    da sich ja bei der 1 Sym. Solti als Favorit herausstellte und auch mein Favorit ist (die anderen Aufnahmen wirkten im Vergleich dazu für mich immer zu langweilig), möchte ich doch eine kleine Entdeckung weitergeben.
    Als absoluten Gegensatz zu Solti, aber hochinteressant und nicht langweilig, die Aufnahme mit Muti / Philadelphia.
    (ich nenne sie hier vor allem auch wegen des Preises : EMI red-edition € 5.-)
    Kurz zusammen gefasst : ruhig, langsam und getragen gespielt, als ob man behutsam in die Natur horcht, ohne stören zu wollen.
    Während Solti einen also hinein ins Zentrum zieht, hat man das Gefühl bei Muti quasi als Beobachter dabei zu sein.


    Zur Diskussion, ob so ein solcher Thread sinnvoll ist :
    Es wäre natürlich besser man wüsste auch, wieviele Aufnahmen kennt den der Poster überhaupt. Denn wenn ich nur eine Aufnahme im Regal habe und mit dieser zufrieden bin und sie nenne, dann fehlt mir da doch etwas die Objektivität. Daher mal meine Aufnahmen der 1 Sym.:
    (*** sehr gut / hochinteressant)
    (** Mittelmaß / befriedigend, nichts aufregendes)
    (* ganz langweilig od. gar Fehlinterpretation)


    Boulez / Chicago DG *
    Rattle / CoBSO EMI **
    Bernstein / CG Amsterdam DG **
    Abbado / Chicago DG **-***
    Muti / Philadelphia EMI ***
    Solti / Chicago Decca ***


    Grüße TW

  • Hmmm... irgendwie scheine ich der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein. Oder wie erklärt es sich sonst, dass ich es noch nicht geschafft habe, den Leuten klar zu machen, worum es hier geht?


    Also nochmal: Um an dieser Umfrage teilzunehmen, ist definitiv nicht eine ausführliche Kenntnis sämtlicher je erschienenen und in den nächsten 50 Jahren erscheinenden Mahler-Aufnahmen erforderlich. Auch wenn man von jeder Sym nur eine Aufnahme kennt, ist eine Teilnahme möglich - die Bedingung ist lediglich, dass genau diese Aufnahme in irgendeiner Weise so berührt hat, dass man für sich (!) kein Verlangen nach einer Alternative verspürt. Hier wird nicht erwartet, dass nur ausgesprochene Mahler-Kenner die ultimativen Referenzaufnahmen vorstellen und das ausführlich begründen. Hier darf jeder seine (eine! wohlgemerkt) liebste Aufnahme jeder Mahler-Symphonie vorstellt, eben vorausgesetzt, dass diese Aufnahme ihn in praktisch jeder Hinsicht zufriedenstellt.


    Oder noch beispielhafter: Auch wenn einer alle Mahler-Symphonien mehrfach im Regal stehen hat, soll nicht einfach diejenige genannt werden, die er dafür am besten hält, sondern nur dann, wenn diese Aufnahme ihn wunschlos glücklich macht. Und wenn es eben keine Aufnahme gibt, die diese Bedingung erfüllt, beweist man eben Mut zur Lücke.



    Verd... ich weiss nicht, wie ich das in wenigen Worten plausibel machen kann! Dabei ist es doch soooo einfach...


    peet: Es sei Dir natürlich freigestellt, an dieser Umfrage nicht teilzunehmen - obwohl ich überzeugt bin, dass Du durchaus dazu in der Lage bist. Ich finde es allerdings anmassend, dass Du diese Umfrage, aus welchem Grund auch immer, kategorisch in Frage stellst.


    Gruss,


    Hendrik

  • Hallo


    Auch wenn man von jeder Sym nur eine Aufnahme kennt, ist eine Teilnahme möglich - die Bedingung ist lediglich, dass genau diese Aufnahme in irgendeiner Weise so berührt hat, dass man für sich (!) kein Verlangen nach einer Alternative verspürt.


    Also wie ich zum ersten Mal in meinem Leben Mahlers erste Sym. gehört habe, hat dies mich unheimlich berührt. Leider weiß ich aber die Einspielung nicht mehr.

    Aber sie hat mich recht lange berüht, bis ich plötzlich merkte, ohhh da gibt es ja noch mehr Aufnahmen und potz Blitz, manche davon brührt mich ja noch mehr !!!

    Hätte man mich damals gefagt, ich hätte ohne Zögern die mir bekannte Einspielung genannt.
    Und warum ? Weil ich von der Komposition so gebannt war, nicht aber von der Interpretation !!!


    Erst wenn man sich etwas umgehört hat, kann man nämlich unterscheiden, bin ich nun von der Interpretation so gebannt oder von der Komposition ?


    Da mich jede Mahler Sym. berührt, könnte ich auch den jpc Katalog aufschlagen und mir wahllos irgendwelche Aufnahmen heraussuchen, denn die Töne dürften bei allen idR richtig getroffen werden.
    Insofern muss ich der Kritik von peet durchaus recht geben.


    P.S.: Wie soll man denn bitte wissen, ob einen eine einzige Aufnahme in jeder Hinsicht zufrieden stellt, wenn ich nur die ein kenne ?


    Sicher, man kann sagen ich bin ein bescheidener Mensch, und mehr brauche ich nicht.
    Nach dem Motto :
    Wozu brauchts einen Michelin-Koch, wenn das Essen im örtlichen Wirtshaus auch toll schmeckt.


    Grüße TW

  • TobeyWilson schrieb:


    [Zitat] Wie soll man denn bitte wissen, ob einen eine einzige Aufnahme in jeder Hinsicht zufrieden stellt, wenn ich nur die ein kenne ? [/Zitat]


    Die Frage verstehe ich nicht. Hast Du es noch nie erlebt, dass Du eine Aufnahme gehört hast und dabei gedacht: "Naja, klingt ganz interessant, aber da ist nichts, was mich berührt..." und Du hörst eine Aufnahme des gleichen Stücks mit anderen Interpreten und plötzlich merkst Du: "Ach! Da ist ja doch mehr als ich erwartet habe!"


    Oder umgekehrt: Du hörst etwas und denkst: "Ach herrlich, besser kann es nicht sein!" und erlebst wiederum bei einer anderen Aufnahme des gleichen Stücks: "Na, das hat derundder aber besser gespielt."


    (Gut, kann natürlich auch passieren, dass Du auf dem "Besserkannesnichtsein"-Trip bist und Dir begegnet doch eine Aufnahme, die besser ist...)


    Kurz: Wir reden hier vom persönlichen Geschmack, der darüber befindet, ob Dir etwas hundertprozentig (oder ich ändere den Begriff mal: weitestgehend) gefällt oder eben nicht!


    Irgendwie überkommt mich das Gefühl, hier wird einiges viel zu sehr verkompliziert...


    Gruss,


    Hendrik

    Einmal editiert, zuletzt von RealHendrik ()

  • Hallo


    Irgendwie überkommt mich das Gefühl, hier wird einiges viel zu sehr verkompliziert...


    Naja also Mahlers Sym. sind ja auch nicht gerade leichte Kost, wo einem beim ersten Hören gleichen alles klar wird. Man muss sich diese Werke ja fast erarbeiten.
    Und gerade wegen dieser Komplexität kann man IMO eben nicht sagen, diese Aufnahme ist die Beste, wenn man nur eine Einspielung kennt.

    Natürlich kann man z.B. gerade bei barocken Schmachtfetzen auf Anhieb sagen, oh herrlich wie hier gespielt wird. Aber je komplexer das Werk...


    Umgekehrt könnte man aber auch sagen, je komplexer, desto unrealistischer wird die sog. "Perfekte" Interpretation.


    Ich bin kein Wagnerspezialist, kann mir aber gut vorstellen, dass einem einiges verloren geht, wenn man z.B. nur eine Ringinterpretation kennt.


    Endlich wollen wir dies hier nicht weiter verkomplizieren, aber vielleicht wird meine kleine Kritik von manchem auch so gesehen.


    In diesem Sinne beste Grüße TW

  • Ich werde mich in den nächsten Tagen bei einem Deutsch-Kurs anmelden. Vielleicht kann ich dann den Begriff "subjektiv" endlich mal auf Deutsch sagen...


    TW:


    [Zitat] Mahlers Sym. sind ja auch nicht gerade leichte Kost, wo einem beim ersten Hören gleichen alles klar wird. Man muss sich diese Werke ja fast erarbeiten. [/Zitat]


    Zustimmung!



    wieder TW:


    [Zitat] Naja also Und gerade wegen dieser Komplexität kann man IMO eben nicht sagen, diese Aufnahme ist die Beste, wenn man nur eine Einspielung kennt. [/Zitat]


    Soll man ja auch nicht!



    und nochmal TW:


    [Zitat] je komplexer, desto unrealistischer wird die sog. "Perfekte" Interpretation. [/Zitat]


    Die suchen wir hier ja auch nicht! Die würden wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hier wohl auch nicht finden.


    TW:


    [Zitat] Ich bin kein Wagnerspezialist, kann mir aber gut vorstellen, dass einem einiges verloren geht, wenn man z.B. nur eine Ringinterpretation kennt. [/Zitat]


    Wagnerspezíalist bin ich auch nicht. (Jedesmal wenn ich mich an einen Wagner traue, verursacht jemand ein kaltes Unwohlsein: Wagner.) Aber ich kenne einen Wagner-Verehrer, der ist mit seinem Solti-Ring sehr glücklich. Mehr will er sicher nicht.


    Gruss,


    Hendrik

  • Auch nach längerer Diskussion ist noch Raum für eine neue Liste. Ich höre Mahler seit 1971 und empfehle folgende Aufnahmen (alles natürlich höchst subjektiv):


    1. Sinf: Leinsdorf Boston Sym 1962 oder D. Mitropoulos 1940
    (Solti habe ich früher gehört - zu einlinig)


    2. Sinf: Klemperer mit Janet Baker SO BayRdfk Alternative: SimonRattle
    BSO 1987


    3. Sinf: Horenstein (ohne Alternative)


    4. Sinf: Szell


    5. Sinf: Barbirolli


    6. Sinf: Solti


    7. Sinf: Horenstein 1969


    8. Sinf: Solti


    9. Sinf: Karajan (für den 3. Satz Rondo Burleske: Solti) alt: Guilini


    10. Sinf: Simon Rattle 1999


    Das Lied von der Erde: Klemperer 1967


    Lieder eines fahrenden Gesellen: Janet Baker / Barbirolli (unbedingt)


    Knaben Wunderhorn: Schwarzkopf/Fischer-Dieskau - Szell

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Zitat

    Original von MStauch
    Auch nach längerer Diskussion ist noch Raum für eine neue Liste. Ich höre Mahler seit 1971 und empfehle folgende Aufnahmen (alles natürlich höchst subjektiv):


    Bravo! Endlich einer, der es auf Anhieb begriffen hat!!


    Du wirst es mir dennoch nicht übelnehmen, dass ich Deine Auswahl nicht sofort in die Bestenliste übernehme? Es fehlt mir im Augenblick etwas an Zeit. - Ferner möchte ich Dich bitten, sofern möglich, noch mindestens das Orchester noch nachzunennen, eventuell auch das Aufnahmedatum. Nur als Beispiel: Solti hat Mahler noch zu Analogzeiten mit dem London SO aufgenommen und später digital mit dem Chicago SO nachgelegt. Beide Aufnahmen sind ziemlich unterschiedlich: Könnte es nicht sein, dass die anderen von Dir genannten Diris auch mehrere Aufnahmen eingespielt haben?


    Übrigens habe ich mir unlängst eine Aufnahme von Mahlers Fünfter gegönnt, mit Vaclav Neumann und dem Gewandhausorchester. Habe bislang nur mal kurz 'reingehört, könnte aber mein (bisher noch nicht genannter) Favorit werden.


    Gruss,


    Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    anbei meine unkommentierte Liste:


    1. Tilson Thomas, SFS,live
    2. Blomstedt, SFS
    3. Bernstein, NYPhil./ Tilson Thomas, SFS
    4. Chailly, Concertgebouw/ Boulez, Wiener
    5. Bernstein, Wiener
    6. Tilson Thomas, SFS/ Bernstein, Wiener
    7. Chailly,Concertgebouw/ Bernstein, NYPhil.
    8. Solti, Chicago/ Chailly, Convertgebouw
    9. Bernstein, Wiener
    10. ?


    Das Klagende Lied: Tilson Thomas, SFS


    Gruß nach Toblach


    Antaeus

  • Und nochmal danke für die fast korrekte Einhaltung der Spielregeln! Jetzt werde ich wohl doch langsam mal die Bestenliste aktualisieren müssen.


    Leider wurden gelgentlich mehrere Aufnahmen einzelner Symphonien genannt. Allerdings bat ich ausdrücklich um die Nennung jeweils einer Aufnahme, sozusagen die jeweilige Überreferenzaufnahme des Abstimmers (neudeutsch: voter), unter der Prämisse "Mut zur Lücke". Meine damit, wenn eine Aufnahme nicht rundum glücklich macht: Nix nennen!


    Das ist fast wie bei politischen Wahlen: Die Gruppe der "Nichtwähler" ist riesig... Und Stimmzettel mit zwei Stimmen sind ungültig...


    Um die Sache nicht zu verkomplizieren - schließlich wählen wir hier nicht den Präsidenten der Mahleraufnahmen - erlaube ich mir, die jeweils erstgenannte Aufnahme als gültig zu erklären. (Es sei denn, jemand legt hier Widerspruch ein.)


    Gruss,


    Hendrik

  • Lieber Hendrik,


    ich gebe Dir gern noch zusätzliche Informationen zu meiner ganz persönlichen Mahler-Bestenliste. Beim letzten Schreiben hatte ich sehr wenig Zeit:


    1. Sinfonie zu Leinsdorf sind alle Angaben enthalten. Neben dem von mir genannten Mitropoulos ist auch die kürzlich veröffentlichte Einspielung von Kondrashin mit dem NDR-Symphonie-Orchester 1981 interessant. Die von mir benannte Solti-Aufnahme ist von 1984 mit dem Chicago SO.


    2. Sinfonie Klemperer die Beteiligten SO BayRdFunk Janet Baker Aufnahme von 1965. Auch die zweite Aufnahme von Klemperer mit Elisabeth Schwarzkopf und Philharmonia Orchestra 1963 ist sehr gut. Simon Rattle mit City of Birmingham Orchestra Janet Baker 1987 ist aufnahmetechnisch aus einer anderen Welt, ungeheur detailreich und auch musikalisch exzellent.


    Das auch ältere Aufnahmen brilliant und sogar bessere als neuere sein können, beweist die 3. Sinfonie in der Einspielung mit Jascha Horenstein mit London SO sowie Norma Procter und Ambrosian Singers (Label Unicorn Kanchana). Diese Einspielung wird von vielen Mahlerkennern als eine der besten Mahleraufnahmen überhaupt angesehen. Sie ist oft schwer zu bekommen. Für solche Fälle empfehle ich amazon uk. Über die englische Amazonseite bekomme ich oft rare Aufnahmen dann doch noch. Dauert etwas länger aber klappt letztlich.


    4. Sinfonie George Szell mit Judith Raskin und Cleveland Orchestra 1965. Klangtechnisch und musikalisch: Spitze.


    5. Sinfonie John Barbirolli New Philharmonia Orchestra 1970: günstige Aufnahme bei EMI. Auch dies eine wohl einhellige Referenzaufnahme.


    6. Sinfonie Georg Solti mit Chicago SO 1970. Alternative auch hier: Simon Rattle mit City of Birmingham Orch. Diese empfohlen von Constantin Floros.


    7. Sinfonie mit Jascha Horenstein New Philharmonia Orchestra 1969


    8. Sinfonie Georg Solti Chicago SO 1972


    9. Sinfonie Herbert v, Karajan mit Berliner Philharmoniker u. Christa Ludwig 1975; es gibt noch eine zweite Einspielung mit ihm, die der Genannten in nichts nachsteht. Für den 3. Satz Rondo Burleske Solti Chicago SO 1983. Alternative: C. M. Guilini mit Chicagi SO 1977.


    Für den Zugang zu den Sinfonie hilft auch: Hrsg. Renate Ulm, Gustav Mahlers Symphonien, dtv-Bärenreiter 14,50 Euro. Oder umfangreich Constantin Floros, Mahler 3 Bde. und biografisch: Jens Malte Fischer, Gustav Mahler. Ich habe erst nach sehr langem Hören angefangen, die Bücher zu lesen. Für den Zugang ist das aber doch wichtig. Man mag das bedauern oder nicht, manches hört man danach anders.


    Ich hoffe, Du kannst mit meinen Tips etwas anfangen. Mit freundlichem Gruß


    Matthias


    P.S.: Vaclav Neumann würde ich bei Mahler nicht empfehlen. Zur 5. gibt es eine große Menge günstiger Aufnahmen, die ich noch vorziehen würde: etwa Solti (Chicago SO 1970), Bernstein (Wiener Phil. 1988) oder selbst Karajan (Berliner Ph 1973).

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Werde trotzdem jeweils nur die erstgenannte als "persönlichen Favoriten" werten.


    Was Neumann/Gewandhausorchester angeht: Gute und interessante Aufnahme, ist aber insbesondere meiner Solti-Aufnahme (CSO!?) nicht vergleichbar - etwas zu aufgebauscht, habe ich den Eindruck.


    Gruss,


    Hendrik

  • Hallo, ich bin Martin aus Borken, habe mich vor 2 Tagen angemeldet und dies ist meine erste Antwort. Dementsprechend unsicher bin ich in Formulierung und Aufbau. Ich versuchs`einfach.


    Meine Mahler-Vorlieben weichen nicht wesentlich von denjenigen der anderen Forumsteilnehmer ab, Nuancen gibt es jedoch.


    Nr. 1 Solti, Chicago
    Nr. 2 Klemperer, Philharmonia Orch.
    (Solti war hier lange Zeit mein Favorit, inzwischen kommt mir seine Lesart etwas zu "sportiv" vor. Die Virtuosität steht etwas zu sehr im Vordergrund)
    Nr. 3 mag ich nicht
    Nr. 4 Klemperer, Philh. Orch.
    Nr. 5 Leinsdorf, Boston
    Nr. 6 Barbirolli, Philh. Orch.
    Nr. 7 Gielen, SWF-Orch.
    (Bei den Nrn. 5 bis 7 habe ich bis vor einiger Zeit ebenfalls Solti favorisiert. Das Chicago Symph. Orch. ist zwar unter seiner Leitung sicherlich das virtuoseste Orch. gewesen, die Klangschönheit kommt mir dabei jedoch etwas zu kurz (z.B Scherzo der 6. oder der 2. Satz der 5.)
    Nr. 8 mag ich nicht
    Lied von der Erde: Klemperer, Philh. Orch.
    Nr. 9 Barbirolli, Berliner Philh.


    Gruß Martin

  • Hallo Martin,


    ich bin ganz begeistert, dass noch jemand eine Leinsdorf-Aufnahme in die Liste der Besten stellt.


    Ich bin äußerst eng mit der 1. Mahler verbunden, mit der ich begonnen habe, klassische Musik zu hören. Da ist die Leinsdorf-Aufnahme meine liebste, nachdem ich lange Zeit Solti gehört habe (davor Bernstein).


    Die Aufnahme der 5. Mahlersinfonie von Leinsdorf suche ich schon lange. Es gab sie zuletzt als Billigaufnahme. Sie ist aber offenbar schon lange out of print. Ich würde sie zu gern hören.


    Bei der 3. solltest Du noch einen Versuch mit der Horenstein-Aufnahme machen. Oft liegt die Schwierigkeit des Zugangs auch daran, dass die Einspielung, auf die man zunächst stößt, die Musik doch nicht ganz schlüssig und überzeugend vermittelt. Jahrelang habe ich bestimmte Stücke nicht besonders geschätzt (sogar das Lied von der Erde), bis ich die richtige Aufnahme hatte (für mich dabei Klemperer - wie bei Dir).


    Noch ein Tipp für Alfred zur 6. Mahler:
    Die 6. Mahler zählt IMO zu den ganz großen und tiefgehenden Stücken, deshalb würde ich noch einen Versuch starten: Versuche es einmal mit der Solti-Aufnahme oder der von Simon Rattle. Gut manchmal muss man auch den richtigen Moment treffen, um die Musik zu hören. Die 7. und die 8. Sinfonie sind für mich auch nicht einfach im Zugang gewesen.


    Einstweilen liebe Grüße


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo Matthias,
    auf die Leinsdorf-Aufnahme bin ich eher zufällig gestossen.


    Ich hatte vorher Solti und Inbal mit dem RSO Frankfurt. Die Inbal-Aufnahme klingt zwar gut, ist aber in puncto Interpretation und Intensität eher eine Enttäuschung. Mangelnde Intensität kann man Solti zweifellos nicht nachsagen. Seine Aufnahmen bersten geradezu vor Energie. Die Orchesterkultur kommt mir bei Ihm oft zu kurz. Man höre sich das oft "scheppernde" Blech in seinen Aufnahmen der 5., 6. und 7. an.


    Aus diesem Grund habe ich, ohne die Aufnahme zu kennen, zu Leinsdorf gegriffen und war positiv überrascht. Die Aufnahme aus den Sechzigern klingt gut und Leinsdorf versucht nicht, wie z.B. Bernstein, die ohnehin expressive Musik Mahlers zusätzlich aufzuheizen.


    Zur 3:
    Meine Ablehnung der 3. ist nicht darin begründet, daß sich mir die Musik nicht erschließt. Vielmehr ist mir die 3. zu lärmend, mit zuviel "Zirkusmusik" überladen. Außerdem habe ich mit dem Chorfinale Probleme. Ich bin grundsätzlich kein Freund der menschlichen Stimme innerhalb der klassischen Musik. Vieles klingt mir zu pathetisch, zu aufgesetzt. In dieser Hinsicht habe ich auch mit dem Finale der 2. und 4. und generell mit der 8. meine Probleme. Im Fall der 2. und 4. überzeugen mich jedoch die restlichen Sätze, so daß ich die Finalsätze "in Kauf" nehme.


    Nachtrag zu Leinsdorf:
    Bei Orfeo ist vor kurzem eine Liveaufnahme der 6. mit dem Orch. des Bayr. Rundfunks aus den 80er Jahren erschienen. Die Aufnahme ist im Fono Forum gut bewertet worden. Vielleicht wäre das etwas für Dich.


    Gruß Martin

  • Zitat

    Original von Martin Finke
    Vielmehr ist mir die 3. zu lärmend, mit zuviel "Zirkusmusik" überladen. Außerdem habe ich mit dem Chorfinale Probleme.


    Hallo Martin,


    mit dem Chorfinale in der Dritten würde jeder sein Problemchen haben. :P


    Viele Grüße

  • Lieber Martin,


    die erste, dritte und sechste Mahler-Sinfonie von Leinsdorf habe ich schon längere Zeit. Auch zur sechsten kann ich Deinen Eindruck bestätigen. Die Einspielung ist mit keiner anderen vergleichbar, weil völlig unpathetisch und zugleich sehr analytisch gespielt. Hoch interessant, aber sehr ungewöhnlich. Man braucht diese und andere Einspielungen. Auch Deiner Solti-Einschätzung kann ich voll zustimmen. Zunächst sehr intensiv und anziehend, sehr massiv - aber mitunter zu wenig analytisch. Wichtig auch die andere Seite dieser Musik zu hören. Geht zumeist nur mit anderen Aufnahmen. Es ist immer wieder gut, Stücke, die man wirklich mag, immer wieder anders zu hören.


    Die fünfte ist wirklich nirgendwo lieferbar, weder alt noch neu. Vielleicht kannst Du mir helfen. Schreib mir doch bitte ein e-mail, wenn dies nicht zu viel verlangt ist.


    Herzlichen Dank


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo Peet,


    danke für den dezenten Hinweis. Die 3. Mahler endet natürlich nicht mit einem "Chorfinale", sondern mit dem Adagio. Sorry. Da ich die 3. Mahler schon längere Zeit nicht mehr gehört habe, war mir die Reihenfolge der Sätze nicht mehr so geläufig.


    Gruß Martin