Die wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts

  • Ich halte Sibelius und Strauss für wesentlich bedeutender als beispielsweise Lachenmann.
    Vielleicht sollte man unterscheiden zwischen den "wichtigsten Musikern", den "wichtigsten Klangspektalerzeugern" und den wichtigsten "Ideenerfindern" :pfeif:

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Lieber Medard,
    völlig einverstanden, Henze fliegt, Hartmann kommt.
    Sibelius sollte drin sein (er hat die gesamte englische Symphonik bis herauf zu Maxwell Davies geprägt, und seine Verwandlungstechniken sind auch ziemlich originell), aber ich habe nichts dagegen, Birtwistle oder Milhaud für Sibelius hinauszuschmeißen.
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Da die gesamte Neue Musik vom seriellen Denken geprägt ist, komme ich jedoch um deren Exponenten Stockhausen und Boulez nicht herum[...]


    Wieso? Die haben es doch von Goeyvaerts. Stockhausen und Boulez haben es nur geschmackiger gemacht ...

  • Zitat

    Original von Matthias Oberg
    Reich muß raus - m. E. eine Sackgasse, die sich schnell in Wiederholungen und Verflachungen verlohren hat.


    Hör Dir mal Schnebels Sinfonie X an ...
    :hello:

  • Lieber KSM,
    aber Goeyvaerts hat den Bogen in die Postserialität nicht geschafft. "Aquarius" etwa ist leicht modernisierter Holst...
    Ich sehe die wirkliche Bedeutung von Stockhausen und Boulez nicht im strengen Serialismus, sondern im Geschmeidigmachen des Systems, wodurch erst die Weiterentwicklung möglich war, während Goeyvaerts ein Gefangener der eigenen Idee war und keinen Schritt weitergegangen ist, sondern eine totale Kehrtwendung vollzogen hat.
    Ich hätte aber nichts dagegen, Goeyvaerts in eine darwinistische Liste ebenfalls zu integrieren (und dafür Barraqué zu feuern).
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Ich hätte aber nichts dagegen, Goeyvaerts in eine darwinistische Liste ebenfalls zu integrieren (und dafür Barraqué zu feuern - aber das sollten wir im anderen Thread besprechen).


    Es geht mir nicht darum, Goeyvaerts hineinzureklamieren, sondern darum, dass mit einer Auflistung der "Erfinder" hauptsächlich relativ unbedeutende/unbekannte/mäßig geschätzte Komponisten herauskämen.


    Im 19. Jh. hätten wir womöglich dann Field statt Chopin oder dergleichen ...

  • Es geht ja nicht bloß um die Erfinder einer Gattung, das wäre in der Tat etwas abstrus, obwohl Fields Einfluss vielleicht gar nicht soo gering ist. Aber in der Tat müssten dann auch Tomasek - der Erfinder des Impromptus - rein. Das wird auch Edwin nicht meinen.

  • Ja, kennt sich denn keiner von Euch mit der Musik des 20.Jahrhunderts aus? :faint:


    SO muß die Liste doch aussehen 8) , in alphabetischer Reihenfolge:


    - Bela Bartók
    - Benjamin Britten
    - John Cage
    - Claude Debussy
    - Gérard Grisey
    - Paul Hindemith
    - Toshio Hosokawa
    - Charles Ives
    - Charles Koechlin
    - György Kurtág
    - Olivier Messiaen
    - Arvo Pärt
    - Maurice Ravel
    - Steve Reich
    - Eric Satie
    - Giacinto Scelsi
    - Arnold Schönberg
    - Dmitrij Schostakowitsch
    - Jean Sibelius
    - Valentin Silvestrov
    - Igor Strawinskij
    - Tan Dun
    - Toru Takemitsu
    - Galina Ustwolskaya
    - Heitor Villa-Lobos
    - Claude Vivier



    Ich habe ein grundsätzliches Problem damit, noch lebende oder erst vor kurzem verstorbene Komponisten als bedeutend einzustufen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dafür fehlt uns der zeitliche Abstand. Deshalb habe ich einige Komponisten genannt, die eine ganz eigene, unverwechselbare Tonsprache gefunden haben. Sie wird man (hoffentlich) auch in 400 Jahren noch hören, ganz wie ihre Vorgänger aus den vergangenen Jahrhunderten heute, selbst wenn sie nicht so bedeutend sind wie Beethoven.


    Es sind zwar nur 26, aber ich kann später noch ein paar ergänzen….

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Ich will aber einen etwas anderen Ansatz probieren. Ich gehe einmal von den Komponisten aus, die man nicht entfernen kann, weil man sonst das Gebäude der Musikgeschichte zum Einsturz brächte. Alle diese Namen habe ich oben gefettet. Den Versuch der Objektivität wird man daran erkennen, daß ich einen meiner erklärten Lieblinge, nämlich Britten nicht gefettet habe.


    Die gefetteten sind meiner Meinung nach die Basis, und zwar entweder für eine bedeutende regionale oder eine internationale Entwicklung. Ich halte also bei folgender Fixliste:


    Wobei das Hauptproblem ist, welche regionale Entwicklung nun bedeutend genug sein soll, welche nicht ...


    Und wann "das Gebäude der Musikgeschichte einbrechen würde, hätte dieser Komponist nicht komponiert oder jener" ...


    Nehmen wir Schönberg, Berg und Webern. Will man begründen, dass ohne die 3 der Nachkriegsserialismus nicht stattgefunden hätte - wer weiß, es gab auch andere 12-tönige Ansätze neben Schönberg - ein "hätte-wäre"-Nachweis ist nicht möglich.
    :hello:


  • Mach bitte keine Witze, Alfred.
    ;)
    Oder zähle mal (aber jetzt wirklich alle) 36 bedeutenden Komponisten des 19. Jh. im dortigen Thread auf (natürlich inklusive Oper).
    :baeh01:

  • Robert hat völlig Recht. Satie ist sträflicherweise vernachlässigt worden, oder habe ich den immer nur übersehen???


    Satie führt nicht nur zu Cage sondern nimmt um mehr als 40 Jahre den Minimalismus vorweg (z.B: Enfantillages pittoresques). Ist er heute auch noch nicht unumstritten, in eine Liste mit 36 hat er IMO auf jeden Fall seinen Platz verdient.


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Wulf
    Robert hat völlig Recht. Satie ist sträflicherweise vernachlässigt worden, oder habe ich den immer nur übersehen???


    Ja hast Du übersehen. Der war schon in Edwins Liste von gestern, die inzwischen etwas transformiert worden ist.


    Besonders gut finde ich aber, daß Robert Tan Dun unter die 36 »wichtigsten« Komponisten des 20. Jahrhunderts rechnet. Das ist immerhin mal eine steile These. :wacky:


    Toshio Hosokawa und Toru Takemitsu kenne ich überhaupt nicht.


    Valentin Silvestrov hat einige wirklich starke Kompositionen vorgelegt (insbesondere die 3. Sinfonie, die ich mal im Konzertsaal gehört habe, ist schon beeindruckend; auch die 5. ist ein ungeheuer starkes Werk). Die Sachen aus jüngerer Zeit finde ich aber sehr durchwachsen. Das Requiem für Larissa etwa hat absolut bestürzende Passagen, ergeht sich aber streckenweise auch ganz schön in kitschverdächtigen Sentimentalitäten. Für die Musikszene der Ukraine ist der Mann sicherlich sehr, sehr wichtig, das ist sehr, sehr richtig - aber ich würde ihn wirklich nicht zu den wichtigsten 36 zählen - genausowenig wie Villa-Lobos, den ich allerdings zu meinen persönlichen Lieblingskomponisten zählen würde.


    Dafür finde ich den Hinweis auf Claude Vivier wichtig.


    Viele Grüße,
    Medard

  • Ich muss heute mit Blindheit geschlagen sein - danke.

    Zitat

    Original von Klawirr
    Besonders gut finde ich aber, daß Robert Tan Dun unter die 36 »wichtigsten« Komponisten des 20. Jahrhunderts rechnet. Das ist immerhin mal eine steile These. :wacky:


    Toshio Hosokawa und Toru Takemitsu kenne ich überhaupt nicht.


    Nana, das schmeckt nach Reich-Ranickischer Argumentation. Der kann den Nobelpreis gar nicht verdient haben. Schlicht aus dem Grund, weil ICH ihn nicht kenne.... ;)



    Zitat


    Dafür finde ich den Hinweis auf Claude Vivier wichtig.


    Hat Edwin den nicht aufgeführt??


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Satie würde ich eher im 19. Jahrhundert unterbringen, da nicht die bürokratische Sonate, sondern wohl doch eher die Gymnopedies und Gnossiens etc. bahnbrechend waren.
    :hello:


    Die Gymnopedieswaren vielleicht das bahnbrechendste, aber nicht das einzig bahnbrechende Werk des Herrn Satie. Außerdem hat Satie für die Musik des 19. Jhd. so viel Bedeutung wie Beethoven für das 18. Jhd. Oder würdest Du Beethoven aus der 19. Jhd. Liste streichen, hätter er seine Eroica noch im 18. Jhd. komponiert?? (Wobei der Einfluss auf Haydn im 18 Jhd. noch da ist, während ich einen Satieschen Einfluss auf andere Komponisten erst aus dem 20. Jhd. kenne....)

  • Zitat

    Original von Wulf
    Ich muss heute mit Blindheit geschlagen sein - danke.


    Nana, das schmeckt nach Reich-Ranickischer Argumentation. Der kann den Nobelpreis gar nicht verdient haben. Schlicht aus dem Grund, weil ICH ihn nicht kenne.... ;)


    Nee Wulf, das stimmt nicht. Ich wollte nur meine Unkenntnis dokumentieren. Im Gegensatz zu MRR folgt für mich daraus keine Argumentation oder gar ein Urteil, sondern die Feststellung daß ich mir in diesem Fall keine Einschätzung erlauben kann.


    Tan Duns »Nominierung« halte ich jedenfalls für ziemlich aberwitzig. Die »Water Passion« ist ja ganz ansprechend - nimmt sich aber neben den zugleich und im Rahmen des selben Kompositionsauftrags entstandenen Passionsmusiken von Gubaidulina und Rihm fast wie ein Webber-Musical aus. Die Musik zu »Tiger & Dragon« ist brilliante Filmmusik (wirkt - das ist jetzt geschmacksiniduziert - auf mich allerdings ähnlich hypertroph wie der Film selbst [dabei hat Ang Lee ja auch richtig gute Filme gemacht wie Eissturm und Ride with the Devil]) - es ist aber schon etwas seltsam den Mann in eine Reihe mit u.a. Mahler, Schönberg, Hartmann, Messiaen oder Boulez zu stellen, oder?


    Viele Grüße,
    Medard

  • Zitat

    Original von Wulf
    Außerdem hat Satie für die Musik des 19. Jhd. so viel Bedeutung wie Beethoven für das 18. Jhd. Oder würdest Du Beethoven aus der 19. Jhd. Liste streichen, hätter er seine Eroica noch im 18. Jhd. komponiert??


    Schon wieder "würde" "hätte"
    :no:
    Es zählt, wann die Werke komponiert wurden, nicht, wann der Einfluß war.
    Sonst können wir auch JS Bach ins 19. Jahrhundert geben ...
    ;)

  • Ich bleibe dabei: Qualität des eigenen Werks und Einflußnahme auf die Musikgeschichte sind die beiden wichtigsten Kriterien - es müssen beide vorhanden sein, um in meiner Rumpfliste (nicht in der durch Alfreds Gnaden erweiterten) vorzukommen. Deshalb wäre bei mir der von mir heiß geliebte Vivier nicht drin - mangels Einfluß.
    Auch Silwestrow und diverse andere Russen würde ich ebenso als Einzelphänomene sehen wie auch etwa den Norweger Fartein Valen mit seiner sehr frühen Zwölftonmusik und den Amerikaner Carl Ruggles.


    Was bei Satie bahnbrechend war, darüber ließe sich endlos diskutieren, das Kerlchen ist ja ziemlich vielgestaltig. Die "Gymnopédies" sind 19. Jahrhundert - aber das Baukastensystem des "Socrate" ist 20. Und ich halte auch "Relâche" für ein enorm wichtiges Stück. Nur, weil fast jeder Franzose, der was auf sich hielt, eine eigene "Gymnopédie" komponiert hat, ist Saties Wirkung doch nicht auf sie zu begrenzen.


    Zitat

    Zitat KSM
    Wobei das Hauptproblem ist, welche regionale Entwicklung nun bedeutend genug sein soll, welche nicht ...


    Wenn sie repräsentativ für eine Region ist, also Sibelius und Nielsen für den Raum Finnland und Skandinavien, nicht aber Ruth Crawford-Seeger, da sie zwar unglaubliche Musik geschrieben hat, aber im US-amerikanischen Kontext ebenso wie in jedem anderen wirkungslos geblieben ist.


    :hello:

    ...

  • Dazu kenne ich die Musik von Tan Dun zu wenig. Von der Frage ausgehend wieviel Einfluss Tan Dun ausübt, ist es vermutlich auch etwas verfrüht.


    Und ich wollte Dir das auch nicht ernsthaft unterstellen, daß Du ein Urteil ableitest, Medard. Habe mir schon gedacht, daß Du das soo nicht meinst. Klang bloß nach der Kritik an der Tan-Dun-Nominierung wie eine Implikation. :P


    apropos Ang Lee (Mini-OT): kennst Du "Eat Drink Man Woman"?


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Wulf



    Hat Edwin den nicht aufgeführt??


    Wer weiß, wo Edwin wieder seinen Kopf hatte.... :beatnik:


    Ich hatte ja ausdrücklich angegeben, daß ich etliche Komponisten gelistet habe, weil sie einen unverwechselbaren Personalstil haben. Ob sie bedeutend sind, wird die spätere Zeit erweisen. Dazu gehören zB Tan Dun, Silvestrov, Hosokawa, Vivier, Grisey, Ives, Pärt oder Scelsi. In der Aufstellung spiegelt sich auch mein persönlicher Geschmack wider, ganz klar.


    Die anderen Listen blenden den Fernen Osten vollkommen aus, was ich für ein schweres Versäumnis halte. Takemitsu ist der bedeutendste jap. Komponist und mE einer der besten Komponisten eigenständiger Filmmusik (also keine Streichersosse oä.) überhaupt. Wie er zB für "Woman in the Dunes" (Teshigahara, 1964) musique concrete verwendet hat, ist genial.


    Hosokawa verbindet mE sehr gekonnt westliche Avantgarde mit Elementen traditioneller jap Musik. Das machen auch andere jap. Komponisten, aber keiner so gut wie er.


    Auch Tan Dun wirkt - bezogen auf China - in diese Richtung.


    Silvestrov steht für mich für eine ganze Reihe postsowjetischer Komponisten wie zB auch Kancheli, Vasks, Auerbach usw., deren endgültige Bedeutung heute noch niemand einschätzen kann. Ich persönlich ziehe sie aber jederzeit und ohne zu zögern Lachenmann, Rihm, Birtwistle, Xenakis, Lutoslawski usw. vor.

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Tan Duns »Nominierung« halte ich jedenfalls für ziemlich aberwitzig. Die »Water Passion« ist ja ganz ansprechend - nimmt sich aber neben den zugleich und im Rahmen des selben Kompositionsauftrags entstandenen Passionsmusiken von Gubaidulina und Rihm fast wie ein Webber-Musical aus. Die Musik zu »Tiger & Dragon« ist brilliante Filmmusik (wirkt - das ist jetzt geschmacksiniduziert - auf mich allerdings ähnlich hypertroph wie der Film selbst [dabei hat Ang Lee ja auch richtig gute Filme gemacht wie Eissturm und Ride with the Devil]) - es ist aber schon etwas seltsam den Mann in eine Reihe mit u.a. Mahler, Schönberg, Hartmann, Messiaen oder Boulez zu stellen, oder?


    Da kennst Du aber wenig von Tan Dun. Ich hatte eher an "Bitter Love" (Vokalwerk auf der Basis von Peony Pavillon), "Death & Fire - Dialog mit Paul Klee", "Eight Colors for StringQ" oder "Ghost Opera" gedacht.


    Seine Nominierung ist nicht aberwitziger ist die des einen oder anderen der genannten europäische Zeitgenossen...


    Xenakis in eine Reihe zB mit Messiaen oder Debussy zu stellen? Da ist doch bei jeder der letzten bis zu einem gewissen Grad persönlciher Geschmack dabei.

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner


    Wenn sie repräsentativ für eine Region ist, also Sibelius und Nielsen für den Raum Finnland und Skandinavien, nicht aber Ruth Crawford-Seeger, da sie zwar unglaubliche Musik geschrieben hat, aber im US-amerikanischen Kontext ebenso wie in jedem anderen wirkungslos geblieben ist.


    Verzetteln wir uns dann nicht in Regionalismen?
    :D
    Es fehlen z.B. noch Brasilien, Mexiko, Japan, Schweiz ...

  • Zitat

    Es fehlen z.B. noch Brasilien


    Genau, gerade Brasilien! Ich hätte da einen Kandidaten, den ich mich bisher nicht traute zu nennen! :D :P


    Gut, bin schon wieder still. :stumm:


    Von einem hier Mitleser, der nur auch mal kurz was sagen wollte ;)
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Es fehlen z.B. noch Brasilien, Mexiko, Japan, Schweiz ...


    Stimmt! Mir fehlt Villa-Lobos :D


    Aber daran, dass diese Listen total eurozentrisch und selbst darin noch ziemlich xenophob sind, sollten wir uns doch schon gewöhnt haben.


    :hello: Jacques Rideamus


  • Jaja, ich wußte doch, dass der hier gerne gehört wird ...
    :D
    Mach' doch einfach auch eine Liste - oder fürchtest Du Dich davor, dass sie nachher zerpflückt wird?


    Sogar Barraqué konnte ganz unbemerkt hier ein Weilchen Konsens suggerieren.
    8o :D
    Als ob 3 und 2/2 Serialisten nicht genug wären.
    :baby:

  • Genau, Rideamus spricht es aus und wie eben erst gesehen, hatte auch schon Robert Stuhr Villa-Lobos genannt. Aber genau wie Klawirr, würde ich in Frage stellen, ob sein Gesamt-Einfluss so groß ist, dass er in die Liste gehört. Sicher, ich höre ihn extrem gerne und schätze ihn sehr - aber darum geht es ja hier nicht. Weiterhin ist sein Einfluss auf die Brasilianische Musikszene immens - aber insgesamt?


    Zumindest habe ich vor kurzem mit Staunen gelesen, dass Geirr Tveitt in Paris ein Schüler von Villa-Lobos gewesen sein soll! (Bald können wir wieder WolfgangZ-Theorien ausgraben und eine Verbindung zu Aarre Merikanto herstellen :beatnik:).


    Um hier selbst eine Liste zu erstellen fühle ich mich gar nicht kompetent genug. Klar könnte ich eine Liste der mir liebsten Komponisten des 20. Jahrhundert erstellen - aber ich wiederhole mich - darum soll es hier doch gar nicht gehen.


    Selbst kann ich gar nicht beurteilen, ob irgendwelche Serialisten bedeutenden Einfluss haben (will ich gar nicht ausschließen) - habe ich mich nur nie mit auseinandergesetzt und momentan auch nicht die Lust zu.


    Positiv finde ich schon mal, dass sich auch Benjamin Britten nun seinen Platz gesichert zu haben scheint.


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.



  • Lieber Robert,


    von den Werken, die Du nennest, ist mir tatsächlich nur Ghost Opera bekannt. Außerdem kenne ich noch (neben der erwähnten Water Passion und der Filmmusik zu T&D) diese Fest-Symphonie, die er anläßlich der Übergabe Hongkongs an China komponiert hat und irgend so ein Pipa-Konzert. Außerdem hab ich bei Freunden mal die (vorsicht: Geschmacksurteil!) abgeschmackte Tee-Oper von DVD gesehen (seine Marco Polo-Oper, die ungleich avancierter sein soll, kenne ich leider nicht – habe sie mir aber grade mal bestellt, um in Zukunft besser informiert zu sein).


    Zugegeben: das ist nicht viel. Und nochmals zugegeben: ich hab' oben ordentlich polemisiert. Beim Kern der Sache bleibe ich aber: bisher sehe ich eigentlich nicht, daß Tan Dun zu den 36 wichtigsten gehört (das gilt – wie gesagt – IMO für Silvestrov genauso). Das ist bei Xenakis, den Du als Beispiel unmittelbar dagegen setzt, anders: Der hat ganz klar eine neue und völlig eigenständige Position im Kontext der neueren Musik markiert, und daß seine Position folgenreich ist, zeichnet sich ja zumindest ab.


    Solche Listen sind naklar immer irgendwie persönlich gefärbt – aber im Falle Xenakis bin ich unverdächtig... :D


    Viele Grüße,
    Medard

  • Lieber KSM,
    wir verzetteln uns dann nicht in Regionalismen, wenn es eine überregionale Rezeption geht - und sei es nur eine passive. Villa-Lobos ist hübsch, ich mag einige seiner werke sehr gerne, aber er ist wenig mehr als der Elgar Brasiliens so wie Kodaly der Elgar Ungarns und Elgar der Elgar Englands ist.
    Ich glaube aber, daß einige Regionalentwicklungen doch etwas wichtiger werden, wenngleich vielleicht nicht im selben Ausmaß wie Bartók. Ich finde aber, daß Spektrale Musik vorkommen sollte, obwohl sie sehr auf Frankreich konzentriert ist. Ihre Ausstrahlung aber reicht, und sei es nur durch Diskussionen über sie, über Frankreich hinaus.


    Zitat

    Als ob 3 und 2/2 Serialisten nicht genug wären.


    Kann man denn überhaupt genug Serialisten nennen? Ich hätte da auch noch Gilbert Amy zu bieten....


    Nach längerem Nachdenken: Ich glaube, der Barraqué bleibt in meiner Liste. Statt dessen fliegt der Henze hinaus. Vielleicht auch nur, weil ich eben seine "Scorribanda sinfonica" gehört habe. Ein guter Komponist tut das nicht, ein guter Komponist, der sein gutes Gewissen hat... Und das hatte Barraqué. Bonjour, Monsieur Barraqué; und ciao mio caro Giovanni...


    :hello:

    ...

  • Wenn jemand einen Platz für Tan Dun fordert, fordere ich Plätze für Puccini, Mascagni, Leoncavallo, Leoni und Giordano. Haben ungefähr alle das gleiche Niveau...! :D
    :hello:

    ...

  • Da es jetzt etwas unübersichtlicher wird, möchte auch ich dazu beitragen, dass es noch etwas unübersichtlicher wird.


    Dabei möchte ich mal nur die zweite Hälfte ansehen (ab geboren 1900) und zu meiner Liste zurückkehren, kaum modifizierend.


    Auch bleibe ich bei 30 - also 14 - gebe aber an, wen ich am ehesten noch hinzufügen würde, noch WEIT vor Dutilleux oder Takemitsu ...


    Also:
    Meine Aufstellung aktuell:


    1900 – 1950 Kurt Weill
    1906 – 1975 Dmitri Schostakowitsch
    1908 – 1992 Olivier Messiaen
    1912 – 1992 John Cage
    1918 – 1970 Bernd Alois Zimmermann
    1922 - 2001 Iannis Xenakis
    1923 - 2006 György Ligeti
    1924 - 1990 Luigi Nono
    1925 - 2003 Luciano Berio
    1925 - Pierre Boulez
    1928 - 2007 Karlheinz Stockhausen
    1935 - Helmut Lachenmann
    1936 - Steve Reich
    1952 - Wolfgang Rihm


    mögliche Ergänzungen meiner Aufstellung:


    1904 - 1975 Luigi Dallapiccola
    1905 - 1988 Giacinto Scelsi
    1905 – 1963 Karl Amadeus Hartmann
    1908 - Elliot Carter
    1913 – 1976 Benjamin Britten
    1924 - Klaus Huber
    1926 – 1987 Morton Feldman
    1930 - Dieter Schnebel
    1931 - Mauricio Kagel
    1934 - 1998 Alfred Schnittke
    1935 - Terry Riley
    1943 - Brian Ferneyhough
    1946 - 1998 Gérard Grisey
    1947 - Salvatore Sciarrino


    Britten vor Scelsi oder Kagel kann ich bislang einfach nicht einsehen ...


    Und: Das bereits genannte "in C" ist von Riley, nicht von Reich. Ich halte es für etwas schwieriger zu entscheiden, wer von den beiden der wichtigere ist, als die anderen Mitglieder hier - scheints ...
    :hello: