SALOME-Premiere in München

  • Die mit Spannung erwartete erste Opernauffühung der Spielzeit 2006/7 in München, der Beginn der "Ära Nagano", war zumindest hinsichtlich Regie (Friedkin), Bühnenbild und Kostümen eine absoluter Fehlstart. So eine biedere Regie kann man schon seit 30 Jahren an allen Stadttheatern sehen (vielleicht ist diese Feststellug sogar eine Beleidigung für die Stadttheater) Es gab für das sog. Regieteam kein einziges Buh, weil die biedere Inszenierung so lähmte.


    Großartig Frau Denoke als Salome. Vom Dirigat Naganos, seiner sterilen Ekstase, war ich persönlich nicht begeistert. Stehe aber damit im Widerspruch zu den Vorkritiken der sog. Profis.


    Zuvor gab es als Uraufführung Rihms "Das Gehege" ein halbstündiger "Dialog" einer Sängerin (G. Schnaut) mit einem Adler nach einem Text von B. Strauß. Bin kein Kenner zeitgenössischer Musik, aber in Donaueschingen würde diese Komposition wie "Madame Butterfly" wirken.

  • Friedkin wäre ja nicht der erste Filmregisseur, der sich auf der Opernbühne überraschend konventionell aufführt. Mir fallen da Werner Herzogs "Lohengrin" oder Schlöndorffs "Lady Macbeth" ein. Oder als etwas anders gelagerter Fall Doris Dörrie, die die abgenudelsten Klischees des Regietheaters als originell verkauft (nicht dass ich Friedkin mit Dörrie vergleichen möchte...).
    Chéreau ist natürlich eine Ausnahme, kommt aber ja eigentlich vom Theater.


    Wäre trotz Friedkin und wegen Nagano und Denoke in München gerne dabeigewesen.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Es gab für das sog. Regieteam kein einziges Buh, weil die biedere Inszenierung so lähmte.


    Auch eine Leistung! :D


    (Oder sollte das nur eine Abwandlung der These sein, dass eine Inszenierung, die nicht ausgebuht wird, automatisch langweilig und schlecht sein muss? ;) )

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Hallo,
    ich warte,bis Frau Netrebko Salome singt. :D


    :hello:Herbert


    Aber Herbert, bist du jetzt ins Spanner-Fach gewechselt ? 8o

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Hallo,
    ich warte,bis Frau Netrebko Salome singt. :D


    :hello:Herbert


    Och, Frau Denoke schaut doch auch recht fesch aus..und singen kann Sie mindestens genauso gut. :D

  • Natürlich ist Angela Denoke eine hervorragene Sängerin,die im besten Saft steht.Ihre Stuttgarter Walküren-Sieglinde beschert mir heute noch eine Gänsehaut im positiven Sinne.Wurde ihre Salome auf DVD verewigt?

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hier meine Eindrücke zur gestrigen Aufführung:


    "Das Gehege" hat mich musikalisch zwar nicht begeistert, fad war die Musik aber keineswegs. Welchen Zweck das bloße Vertonen einer Schlussszene hat, erschließt sich mir nicht, aber spannend war die Aufführung in toto durchaus. Frau Schnaut hat das zweifelsohne das nötige Organ und kann die Anita auch darstellerisch glaubwürdig präsentieren - ich finde es aber schade, dass ihre Diktion so undeutlich ist. Ohne Übertitel wäre ich jedenfalls aufgeschmissen gewesen.


    Die "Salome" hingegen war für mich musikalisch ein voller Genuss - anders kann ich es nicht beschreiben. Die Regie hingegen war bestenfalls zweitklassig. Das hat weniger mit dem orientalischen Schwulst der Kostüme zu tun, der immer wieder auf der Bühne zu sehen ist, sondern viel eher mit der ständigen Unruhe auf der Bühne. Man hat den Eindruck, Friedkin tue alles um den Spannungsbogen nicht einbrechen zu lassen - die Torbögen fahren hin und her, der bizarre Granitfelsflügel, der gleich zweimal aus dem Bühnenboden emporsteigt, etc. Erst zum Schlussmonolog der Salome kehrt "Ruhe" ein. Auch die Personenregie findet nur begrenzt statt: Die Herodias (Vermillon - anfangs ungewöhnlich dunkel timbriert) läuft ständig auf ihren Gatten zu, schimpt und läuft zur Ausgangsposition mit wallenden Gewändern zurück. Das war's. Salome begrabscht Narraboth so direkt, dass man sich fragt, worin der Sinn ihrer verbal zurückhaltenden, wortreichen Verführung liegt ("Ich werde dir vielleicht zulächeln"), warum sich der Hauptmann breitschlagen lässt, wenn er schon so viel mehr von Salome bekommt als sie ihm für den nächsten Tag verspricht. Narraboth (Schukoff vereint Schmelz mit heldischer Attacke) verdreht dabei die Augen wie bei der Teufelsaustreibung des Exorzisten... Positiv hingegen der Schleiertanz, bei welchem Salome alle Anwesende betört.
    Seltsam blass bleibt der Jochanaan von Alan Titus - was die Tochter der Herodias an diesem Propheten findet, wird die wohl am besten wissen. Deulicher klarer konturiert und nach Denoke am meisten Applaus einstreichend der Herodes von Wolfgang Schmidt, der sich fernab der rollenüblichen Deklamtion befindet und stellenweise operettenartig ("tauche deine kleinen Lippen") schmachtet.
    Einen persönlichen Triumph kann Angela Denoke für sich verbuchen - anders kann man es schwer bezeichnen. Raubtierhaft bewegt sie sich von der ersten Minute an auf der Bühne - fast ein wenig zu viel, wie hier ja schon erwähnt wurde. Ich denke aber mal, dass dies eher mit der Regie zu tun hat. Ein Rezensent bemängelte, Denoke sei keine Nilsson. Gott sei Dank ist sie das nicht - Nilsson in Ehren, aber eine Salome war sie stimmlich nie für mich. Denokes Stimme klingt silbern, zart, schlank, gleichzeitig mit der nötigen Kraft, die Orchesterwogen zu übertönen. Allerdings merkt man ihr an, dass die Partie ihre Grenzen aufzeigt. Trotz hoher Noten gestaltet sie sie aber wundervoll...


    Naganos Baden-Badner "Lohengrin" war phasenweise eher matt, dann wieder sehr knallig, sein "Billy Budd" wurde dann neben der "Lulu" und dem "Zwerg" zu einer meiner drei Lieblingsopern des 20. Jahrhunderts. Auch in dieser Aufführung hat mich Nagano begeistert - viele Stimmgruppen habe ich zum ersten mal überhaupt wahrgenommen, ohne dass der Blick für's Ganze verloren gegangen wäre. Analytischer Klang - ja, weniger romantisches Schwärmen. Insbesondere die Liebhaber von "Elfenmusik" werden an diesem Dirigat ihre Freude haben.


    Fazit: Trotz zweitklassiger Regie ein mehr als gelungener Abend, nicht zuletzt dank bemerkenswerter Uraufführung, Angela Denoke und Kent Nagano.

  • Hallo ulf, das kann ich mir vorstellen, dass dir die Denoke gefallen hat (hast sie ja als Avatar :D ). Daran habe ich noch gar nicht gedacht, dass sie auch Salome singen könnte. Eine tolle Sängerin!

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.