Jascha Heifetz - Vollkommenheit des Geigenspiels

  • Ich möchte heute nach knapp zwei Jahren wieder an diesen großen Geiger erinnern, der am 10. Dezember 1987 in Los Angeles starb.


    Heute ist sein 27. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Und heute möchte ich mit dieser Box, auf der er meine Lieblingsversion des Beethoven-Konzertes spielt, an seinen


    114. Geburtstag


    erinnern.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • auf der er meine Lieblingsversion des Beethoven-Konzertes spielt


    Gibt es mehrere Versionen des Beethoven-Konzertes, lieber Willi? :D


    Unter den älteren Stereo-Aufnahmen ist wohl das meine Lieblingsaufnahme, Francescatti und Walter harmonieren hier in einer Weise miteinander, wie man das nur selten hört:


  • Für die, die Heifetz komplett haben wollen, ist die entsprechende Edition (103 CDs, allerdings viele mit "LP-Länge") momentan wieder für einen vergleichsweise akzeptablen Preis (war sonst >200, glaube ich) zu haben:


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Tja, das ist so eine dieser Boxen, wo ich immer mal wieder denke: sollst Du?


    Dann kommt die Vernunft und sagt: Vieles hast Du doch schon und die frühen Aufnahmen willst Du doch auch eigentlich gar nicht.


    Aber nett ist sie schon, die Box. Und wiederverkauft bekommt man sie im Zweifelsfalle auch, vielleicht sogar mit einem kleinen Gewinn.


    Ach ja...

  • Also ich habe sie nicht und will sie auch nicht.
    Wobei ich dazusagen muss, dass ich vor ein paar Jahren, als sie rauskam, jemandem, der sie sich gekauft hat, ~40 CDs der älteren "braunen" Heifetz-Collection abgekauft habe (für ca. 80 EUR, damals kostete die Komplettbox aber ca. 200 EUR) und mit den CDs, die ich eh schon hatte, bestimmt 2/3 der Box habe und dabei fast alles, was mich interessieren würde. Und nur in der Hoffnung, dass ein paar der historischen Aufnahmen besser klingen als auf den 20 Jahre alten CDs, gebe ich nicht so viel Geld aus. (Gestern ging eine auf Ebay für EUR 96 + Versand, da hat jemand ein großzügiges Weihnachtsgeschenk weiterverscherbelt...)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Unter den älteren Stereo-Aufnahmen ist wohl das meine Lieblingsaufnahme, Francescatti und Walter harmonieren hier in einer Weise miteinander, wie man das nur selten hört


    Volle Zustimmung, lieber Lutgra,
    diese grosse Beethoven-VC-Aufnahme habe ich noch in der ersten CBS-CD-Version. Auf der CBS-CD ist nur das VC drauf !
    (Meine moderene Ref ist Tetzlaff/Zinman (ARTE) - vernünftig als Einzel-CD.)


    Aber nun zu Heifetz:

    Dann kommt die Vernunft und sagt: Vieles hast Du doch schon und die frühen Aufnahmen willst Du doch auch eigentlich gar nicht.


    Nein, die 103CD´s würde ich mit Sicherheit nie alle hören. :D Da bekomme ich ja nen "Quitschkoller" vor lauter Violine ! 8-) Vernünftig ist wirklich, das in Einzelaufnahmen auszuwählen, was interessiert. Insofern wäre die Box selbst für nen Fuffi für mich zu teuer.
    Die Erfahrung zeigt das der Spass schon bei 20CD-Boxen vergeht, dass ich dann im Endeffekt doch nicht alles hören kann und will.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Aus meiner Sicht wird Tetzlaff/Zinman eigentlich nur von Heifetz/Toscanini übertroffen (die ich also auch der Aufnahme mit Munch vorziehe).


    In der Heifetz-Box finden sich nun einmal viele Perlen, die anderswo schwer erhältlich sind. So war etwa die überragende Einspielung des Trio KV 563 über Jahre nicht greifbar.

  • Die Vinylfreunde können sich über die Wiederveröffentlichung zweier legendärer Heifetz-Einspielungen freuen. Man muss aber ordentlich ins Portemonnaie langen.


  • Aufnahme mit Jascha Heifetz unter Charles Munch und dem Boston Symphony Orchestra aus dem Jahr 1959:

    Stolz habe ich diese Aufnahme von Jahrzehnten meinem Schwiegervater und Beethovenverehrer vorgespielt. Er lehnte sie wegen der Schnelligkeit des Spiels komplett ab.

    Hallo, Wolfgang Kaercher,


    …. und genau diese Aufnahme ist es, die für mich (bis heute!) an der Spitze aller Interpretationen des Beethoven-Konzertes steht.

    Erstmals kennengelernt habe ich das Werk mit Schneiderhan/van Kempen (DGG) und den Berliner Philharmonikern, eine sehr schöne, leider klanglich nicht mehr konkurrenzfähige Mono-Aufnahme.

    Lange bevor ich die Namen Wulf Konold, Ulrich Schreiber und Joachim Kaiser kannte, wurde ich in einem Plattenladen auf die Heifetz-Aufnahme mit Münch aufmerksam. Ich habe sie damals spontan gekauft und später, als es sie endlich auf CD gab, gleich wieder beschafft, in dieser Ausgabe von 1985:


    Heifetz plays Beethoven & Brahms Concertos

    Als dann noch später die "Living Stereo"-Reihe von RCA wiederbelebt wurde, fand sie schließlich auch in dieser Fassung (wegen des, wenn auch leicht veränderten, Original-Covers) Eingang in meine Sammlung. Von den mir inzwischen bekannten Aufnahmen haben mich viele begeistert, diese aber hat mich beim ersten Hören gleich förmlich mitgerissen. Das phänomenale Spiel des Geigers ist schlicht atemberaubend. Seine Tempi sind frisch und lebendig, in keinem Augenblick gerät sein Spiel in die Nähe von Sentimentalität. Heifetz erhebt, wie es in einer alten Plattenkritik heißt, "den bisher nur geduldeten Glanz des Werkes zum integralen Bestandteil seiner Geistigkeit."


    Daß Dein Schwiegervater, der mit der herkömmlichen Lesart des Konzerts, sicher auch durch Erlebnisse im Konzertsaal, vertraut war, mit der Heifetz-Version nichts anfangen konnte, ist leicht nachzuvollziehen. Eingefahrene Hörgewohnheiten sind schwer zu korrigieren, da helfen noch so gute Argumente nichts. Trotzdem will ich hier ein paar Zitate von den weiter oben genannten Kritikern bzw. Musikwissenschaftlern anführen, die sämtlich eine Lanze für Heifetz brechen:

    "Beethovens Instrumentalwerke sind nun einmal keine Vorwegnahmen des 'Heldenlebens' von Richard Strauss - wie sehr sie auch in solcher Gewandung landauf, landab gespielt werden." In den konventionellen Aufnahmen des Violinkonzerts "werden Pathos und Sahne in solchem Maße verquickt, daß von Beethovens Konzert nichts übrig bleibt. Versuche, den Klassizismus des Konzerts (…) wiederzubeleben, sind - gerade von der deutschen Musikkritik - immer wieder verteufelt worden: so die Heifetz-Toscanini-Aufnahme von 1940:

    Beethoven: Violinkonzert op. 61 / Klavierkonzert Nr. 3

    und sogar die gemäßigte Heifetz-Münch-Aufnahme der 1950er Jahre." (Ulrich Schreiber).


    Der Musikwissenschaftler und langjährige Generalintendant der Nürnberger Staatstheater; Wulf Konold, urteilte 1981 so: "Wer eine der Einspielungen von Grumiaux, Stern oder Zukerman anhört und das Gehörte mit der Partitur vergleicht, muß eigentlich verzweifeln: Da wird das Allegro non troppo des Beginns zum Andante, ja zum Adagio … Das führt so weit, daß resignierende Dirigenten kaltblütig Fünf- oder gar Sechsvierteltakte einschieben, um schmalzenden Geigern nicht auf- und davonzulaufen. Dieser 'romantische' Beethoven-Stil, der sich bei anderen Werken ebenfalls findet, ist seit den präzisen Forschungen des Schönberg-Schülers und Geigers Rudolf Kolisch obsolet geworden, weil dieser nachweisen konnte, daß Beethovens oft als zu schnell eingeschätzte und deshalb verworfene Metronomangaben stimmen."

    Zum Schluß seines umfangreichen Essays verweist Konold auf die "authentische, musikalisch inspirierte und spieltechnisch unvergleichlich präzise Einspielung eines Geigers, dem man in der Regel genau das Gegenteil eines am Text orientierten Spiels nachsagt: Jascha Heifetz mit dem Dirigenten Charles Münch (….) Heifetz zeigt ohne jede Eitelkeit, mit wunderbarer Balance, die sich dem Orchester auch unterzuordnen vermag, aber mit primär geigerischer Gestaltungskraft, wie ein Notentext zum Leben zu erwecken ist."

    Und schließlich noch der verstorbene Münchner Kritiker Joachim Kaiser, der Heifetz eine Virtuosität, Geschmeidigkeit und geigerische Vollkommenheit bescheinigt, "die schlicht umwerfend ist. Wunderbar die Leichtigkeit und stürmische Brillanz der Passagen, süffig der berauschende Wohlklang. Alles das hat freilich mit einer getragenen und pompösen 'deutschen' Beethoven-Vorstellung herzlich wenig zu tun."

    Joachim Kaiser zieht im direkten Vergleich sogar noch die ältere Heifetz/Toscanini-Aufnahme vor. Darin kann ich ihm allerdings nicht so recht folgen. Toscaninis heftige, manchmal fast brutale Orchestertutti passen IMO nicht so recht zu Beethovens lyrischem Konzert. Außerdem ist sein NBC-Orchester recht weit von der überragenden Bostoner Spielkultur entfernt. Und Charles Münch dirigiert so einfühlsam und anschmiegsam, daß es eine wahre Freude ist.

    Einen ganz ähnlichen Interpretationsansatz verfolgt Henryk Szeryng mit dem London SO unter Hans Schmidt-Isserstedt in seiner geigerisch überragenden Aufnahme aus dem Jahr 1965 (urspr. PHILIPS, jetzt DECCA). Von den herkömmlichen, mehr der Tradition des 19. Jahrhunderts verhafteten Einspielungen möchte ich als besonders wertvoll noch die Version Zino Francescatti/Bruno Walter (1958, CBS) nennen, auf die ich ebenfalls nicht verzichten möchte.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).