Strawinsky - Le sacre du printemps

  • Hallo allerseits,
    ich bin mal wieder auf der Suche...
    Strawinsky gehört eigentlich nicht zu meinen Favoriten, aber den "Sacre" muss man m.E. in der Sammlung haben. Ich habe zwar die Einspielung Inbal / Philharmonia O. / Teldec, suche aber "die eine" Einspielung, die man haben muss. Mehr sollen es dann auch nicht werden.
    Habe die Kritiken bei Rondo, Classics-Today, JPC und Amazon durchstöbert und auch schon bei Saturn probegehört. Demnach kristallisieren sich folgende Kandidaten heraus:


    Boulez - Cleveland Orchestra (1992)
    Barenboim - Chicago (siehe Rondo)
    Ozawa - Chicago (klang jedenfalls beim Probehören interessant)
    Monteux - Boston (habe ich leider nicht gefunden)


    Wer kann was dazu beitragen, hat vielleicht sogar bessere Alternativen.
    Danke und Gruß
    Achim

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Hallo achim,


    Boulez ist schon eine gute Adresse - aber ich persönlich finde seine Aufnahme mit dem Cleveland Orchester noch gelungener.


    .


    Und eine weitere Empfehlung ist Rene Leibowitz, gibt es sogar noch bei amazon, aber nicht ganz billig. Dafür - trotz des Alters (1960) 1a Klang (von Chesky bestens restauriert).



    Gruß aus Hamburg
    Uwe

  • Hallo Musikliebhaber des 20.Jahrhunderts,


    Pierre Boulez ist immer eine gute Adresse für Strawinsky, richtig Uwe, ich stimme Dir zu das die CBS-Boulez-Aufnahme irgendwie noch mehr hergibt als die neuer DG-Aufnahme mit ihm.


    :) Meine erste wirklich überragende Aufnahme auf LP, die heute nicht mehr auf CD zu haben ist, war mit Swetlanow/Moskauer PH auf Eurodisc. Die rhytmischen Energien konnten kaum besser wiedergegeben werden.


    Später folgten dann die Boulez-Aufnahmen auf LP und CD - auch Phantastisch.


    :] Eine Aufnahme die dann alles bisher dagewesene Übertraf und zudem klanglich von den tiefsten Frequenzen (Große Trommel) ab alles brachte war eine japanische CD-Pressung auf dem Label JVC, Eurodisc-Aufnahme mit Dimitri Kitaenko/Moskauer PH.


    :] Da die Kitenko-Aufnahme aber nicht mehr greifbar ist, kann ich diese DECCA-Eloquence-CD, die ich mir eigndlich wegen Petruschka gekauft hatte, ebenfalls als ganz großen Wurf für beide Werke empfehlen - und das für 5,99€:
    Solti/Chicago SO


    Gruß aus Bonn
    Wolfgang

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo,
    danke für Deine Tipps. Die Empfehlung der Solti-Einspielung ist ineressant, weil sich da Rondo und classics-today einig sind, dass das keine überragende Einspielung sein soll. werde mich auch dieser mal widmen...
    Gruß
    Achim

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Zum Sacre sind die Aufnahmen von Markevich legendär - und das mit Grund.
    Z.Z. sind auf einer CD die Aufnahmen von 1951 (mono) und die von 1959 (stereo) lieferbar.


    Bei mir hat Margriet de Moor s Kreutzersonate den letzten Anstoß für die Suche und Anschaffung gegeben, dort spielt eine noch ältere Aufnahme eine Rolle.


    Ich empfehle neben anderen schon genannten diese Aufnahmen zum Hören (insbes. 1959):



    Mit freundlichen Grüßen


    Matthias


    P.S.: Zu Markevich Sacre kann ich u.a. auch auf die Besprechungen bei Rondo verweisen, die Achim ja in bezug genommen hat.

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo Achim


    Meine Empfehlung ist eindeutig die Pierre Boulez-Einspielung für SONY-CBS. Trotz des analogbedingten Grundrauschens geb ich ihr den Vorzug vor allen anderen mir bekannten Einspielungen. Mag die ein oder andere Detailfrage bei den Konkurrenten besser gelöst sein, in Sachen Over-All-Performance gebe ich persönlich ihr die Palme.


    Die Empfehlung der Solti-Einspielung von teleton ist IMO eine typische teleton-Empfehlung (nicht grollen, die Erklärung folgt ;) )


    An sich sehr knallig und schmissig, typischer Decca Sound, ein Fressen für Jeden HIFI-Freak ist diese Analogaufnahme mancher Digitalaufnahme vozuziehen. Solti dirigiert, wie so oft, nervös, drängend, unter Dauerspannung. Und genau das ist die Crux. Er lässt den lyrischen Stellen nicht Luft zum Atmen, zur Entspannung, was so wichtig wäre um die brutalen Teile zu betonen, eine Kunst die Boulez meisterhaft beherrscht.
    Ich würde auf jeden Fall mal vergleichend hineinhören in die CBS-Sony Produktion, die zudem noch den Vorteil hat im Midprice Segment angesiedelt zu sein.


    Irgendwo hab ich mal gelesen, daß wer das Sacre je im Konzert gehört hat, KEINE Einspielung auch nur für annähernd befriedigend akzeptiert !!! :D
    Jene Brachialgewalt, wie sie das Stück eigentlich erfordert ist auf CD einfach nicht realisierbar. :D



    Nur "EINE" Einspielung des Saccre ?
    Dies aus dem Mund eines europabekannten "Planetensammlers" ? ?
    Da sag ich nur: HA HA :D


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Zitat

    Nur "EINE" Einspielung des Saccre ?
    Dies aus dem Mund eines europabekannten "Planetensammlers" ? ?
    Da sag ich nur: HA HA


    ..na ja, oder zwei oder drei, aber höchstens!!!

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Hallo,


    wenn man ernsthaft über Einspielungen von 'Le sacre du printemps' sprechen will, sollte man wohl auch die Meinung des Komponisten einholen. Die gibt es nämlich auch auf CD zu bewundern (sogar in zeitlich verschiedenen Versionen). Das wäre dann ein Ausgangspunkt für vergleichende Betrachtungen. Weiters muss auch Strawinskys Freund und Dirigent mehrerer Uraufführungen Ernest Ansermet hinzugezogen werden, der noch impressionistische Züge einfließen lässt.


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Alfred,


    Du schreibst über Solti´s Le Sacre du printemps:

    Zitat

    An sich sehr knallig und schmissig, typischer Decca Sound, ein Fressen für Jeden HIFI-Freak ist diese Analogaufnahme mancher Digitalaufnahme vozuziehen.Sollti dirigiert ,wie so oft, nervös , drängend unter Dauerspannung. Und genau das ist die Crux.

    Und genau das ist es, was mir an der Interpretation so gut gefällt, da wird der Hörer unter Spannung gehalten, das man hin und weg ist.
    Da spielt wieder der persönliche Geschmack eine Rolle - vielleicht ist diese Richtung typisch für mich, wie Du schreibst.


    Zitat

    Irgendwo hab ich mal gelesen, daß wer das Sacre je im Konzert gehört hat, KEINE Einspielung auch nur für annähernd befriedigend akzeptiert !!!
    Jene Brachialgewalt, wie sie das Stück eigentlich erfordert ist auf CD einfach nicht realisierbar.

    Ich habe in der Beethovenhalle den Sacre mit Sixten Ehrling in den 80er-Jahren gehört - das war ein Erlebnis der Extraklasse (ganz im Gegensatz zur Berlioz-Sinfonie fantastique auf CD mit ihm) .
    Richtig, eine akzeptable Wiedergabe bei diesem Werk ist meist ein Problem der heimischen Stereoanlage; die meisten Anlagen können die brachiale Atmosphäre nicht so genial rüber bringen, wie in einem Live-Konzert.
    Aber die heutige Aufnahmetechnik (insbesondere SACD) ist schon in der Lage eine fast reale Aufnahme zu erstellen.
    Meine japanische JVC-CD vom Sacre, die ich in meinem Beitrag von gestern erwähnte, hat diese Eigenschaft und bringt auch klanglich eine gut akzeptable Wiedergabe, die an Auflösung und Ausbreitung der Brutatismen, auch in der Lautstärke, keine Wünsche offen läßt.
    (Meine großen Standboxen (4Stück für DolbySurround) erlauben diese Aussage - es ist auch beim Sacre schon sehr nahe am Liveerlebnis.)


    ;) Die Solti-Aufnahme ist aber schon ziemlich nah dran, auch wenn sie den typischen Decca-Sound (das keine negative Bezeichnung, sondern man freut sich auf so einen Sound) hat, sie erreicht aber nicht in den Tiefen den Frequenzumfang der JVC-CD.


    Theophilus schreibt:

    Zitat

    Weiters muss auch Strawinskys Freund und Dirigent mehrerer Uraufführungen Ernest Ansermet hinzugezogen werden, der noch impressionistische Züge einfließen lässt.

    Ein guter Vorschlag, auch die von Strawinsy gemachten Aufnahmen für weitere Betrachtungen hinzuzuziehen. Ansermet gehört zu meinen Lieblingsdirigenten (hatte ich im entsprechenden Thread vergessen); seine Strawinsky-Ballette habe ich in einer LP-Gesamtaufnahme. Den Sacre habe ich aber nur höchstens 2mal mit Ansermet gehört, weil ich zu der Zeit die spannendere Swetlanow-Aufnahme vorgezogen habe. Ich fand sie gut aber es fehlte das, was mir die Solti-Aufnahme heute geben kann.
    Vom Sacre gab es immer schon genügend Auswahl.


    Zitat

    Nur "EINE" Einspielung des Saccre ?
    Dies aus dem Mund eines europabekannten "Planetensammlers" ? ?
    Da sag ich nur: HA HA

    Vom Sacre kann und sollte man wirklich mehrere Einspielungen haben.


    Gruß aus Bonn
    Wolfgang

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo,


    mir ist nachträglich noch eingefallen, dass wir ja auch noch den Uraufführungsdirigenten hören können. Daher gäbe es beim Sacre eine schöne Möglichkeit, die Interpretationsgeschichte eines Werkes von den Anfängen bis in die Gegenwart zu durchlaufen.
    Strawinsky selbst scheint die Interpretationen von Pierre Monteux sehr geschätzt zu haben ("Monteux n'a jamais donné une version bon marché du Sacre, où il n'a jamais cherché une gloire personnelle, et il a toujours été scrupuleusement fidèle à la partition"). Es muss ein interessanter Versuch sein, ob die für heutige Ohren sicherlich rundere und verhaltenere Lesart eines Pierre Monteux gegenüber modernen Spektakeln noch in irgendeiner Form bestehen kann.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Theophilius schrieb:


    Zitat

    Es muss ein interessanter Versuch sein, ob die für heutige Ohren sicherlich rundere und verhaltenere Lesart eines Pierre Monteux gegenüber modernen Spektakeln noch in irgendeiner Form bestehen kann.


    Das ist tatsächlich die Frage, ob die alten Lesarten wirklich "runder" und "verhaltener" waren.


    Uns wenn sie es waren - dann solten wir uns ernstlich fragen, ob die wilderen Interpretationen nich doch schon eine wenig Karikaturen sind, ähnlich wie die angeblich "authentischen" "historisch informierten" Mozartinterpretationen, wo man unter dem Mantel der "historischen Treue" die Werke auf den schlechten amerikanisierenden Geschmak unserer Zeit hingebogen hat.


    Über Monteux ist bei Metzler nachzulesen:


    Zitat

    Monteux der ein überragender Dirigent ebenso von Werken der Wiener klassik, als auch der französischen Musik war, setzte sich intensiv auch für die neue Musik ein. Präzision, Lebendigkeit und herausarbeitung der Struktur eines Werkes kennzeichneten seine Interpretation


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Hallo Theophilius,


    ja, das Thema Uraufführungsdirigent ist interessant.
    Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen das die russische Uraufführung von meiner ehemaligen Favoritenaufnahme (Eurodisc) mit Jewgenij Swetlanow/Moskauer PH stammt, der auch gleich die Schallplattenproduktion in einem gemacht hat.


    Alfred stellte die berechtigte Frage:

    Zitat

    Das ist tatsächlich die Frage, ob die alten Lesarten wirklich "runder" und "verhaltener" waren.

    Nein, das kann man von der russ.Uraufführungsplatte nun wahrlich nicht behaupten. Im Vergleich zu Ansermet werden bei Swetlanow werden die Barbarissmen unglaublich effektvoll ausgespielt.


    :D Die alte LP werde ich heute nochmal hervorholen - ich freue mich schon. Dank der interessanten Diskussion !


    Beste Grüße aus Bonn
    Wolfgang

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von teleton


    Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen das die russische Uraufführung von meiner ehemaligen Favoritenaufnahme (Eurodisc) mit
    Jewgenij Swetlanow/Moskauer PH stammt, der auch gleich die Schallplattenproduktion in einem gemacht hat.


    Wie bitte? Meinst du das im Ernst?


    Bitte um Klärung.


    Gruß

  • @Alfred


    Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich getraute mich wegen Unkenntnis der Monteux-Aufnahme nicht so weit aus dem Fenster zu lehnen. Es steht nirgends geschrieben, dass Strawinsky, Monteux oder Ansermet Spitzeninterpretationen abgeliefert haben, aber man muss ihnen ein hohes Mass an Authentizität zubilligen. Nur aus diesem Wissen heraus sind neuere Aufnahmen sinnvoll zu beurteilen, weil wir beim Sacre doch noch recht genau den Willen des Komponisten erkennen können.
    Die Einschätzung der Monteux-Einspielung war eine reine Extrapolation meinerseits, die auf den mir bekannten Aufnahmen von Monteux und Ansermet beruhte. Monteux ist zumeist der etwas feinsinnigere, Ansermet der strukturellere Dirigent.


    teleton


    Wenn Swetlanow die russische Uraufführung dirigiert hat, dann dürfte schon fast ein halbes Jahrhundert Rezeptionsgeschichte verarbeitet sein, und es wundert mich auch nicht, dass die russische Variante zupackender ist als die eher französische von Ansermet. Trotzdem dürfte ein detaillierterer Vergleich zwischen den beiden interessant sein.


    Wenn ich raten müsste, würde ich in der Nachfolge von Monteux und Ansermet am ehesten Boulez und Maazel sehen, während Solti eher eine Kreuzung von Swetlanow mit Toscanini sein dürfte.


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • @ teleton


    Ich dachte, meine Frage ist höflich formuliert und deutlich genug. Wo bleibt eine Antwort aus?


    Gruß

  • Also ich hätt das auch nicht als höflich betrachtet, das war unverkennbar spitz, hätt ich an einem guten Tag auch nicht beantwortet. An einem weniger guten allerdings schon...


    Antworten können nicht eingefordert werden, es obliegt jedem Mitglied ob es bereit ist auf eine Frage eines anderen Mitglieds zu antworten oder nicht


    Es ist in den letzten Wochen ein spitzer Ton hier eingekehrt, der mir nicht sehr gefälllt , einen unserer fleißigsten Poster haben wird deshalb verloren !!!! X(


    Alfred, Moderation

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Dann muß ich wohl oder übel selbst antworten:


    Die Uraufführung fand in Paris 1913 statt.
    Russische Erstaufführung - 1914 Koussevitky (konzertant), 1965 Roshdestvensky (szenisch).


    Jetzt zum Ton.


    Man kann nicht alles wissen. In dem Fall, wenn man einen Fehler begeht und korrigiert wird, kann man sich beleidigt stellen. Ich persönlich würde das nicht tun. Man könnte es zugeben, zum Beispiel: Da war ich zu schnell, oder Das war meine Tochter, die das geschrieben hat, oder So steht es im blöden Begleitungstext, oder Svetlanov hat das zu mir im persönlichen Gespräch gesagt. Oder noch einfacher: Sorry, das hab ich erfunden, dumm gelaufen. Oder noch besser: Danke für den Korrekturvorschlag, gehe gleich in die Bibliothek, um richtige Daten zu holen.


    In diesem Fall habe ich um die Klärung gebeten, somit den zeitlichen Rahmen gegeben, den Fehler selbst zu korrigieren. Meine Frage "wie bitte?" hat nur ein Fragezeichen, ist somit kein Schrei, sondern eine Einladung mitzumachen, die Qualität des Forums zu erhören. Statt einer Antwort bekam ich eine Rüge, mit dem Hinweis auf einen mythischen fleißigen Poster, der zu meinen Opfern gezählt wird. Wenn es um den "Klassikliebhaber" gehen sollte, dann tut es mir wahnsinnig leid. Erstens ist er ein Teilnehmer des Forums, er liest mit, ist somit da. Zweitens ist er (das habe ich in mehreren Beiträgen im Forum gesagt) nicht durch den "spitzen Ton" verlorengegangen und nicht mal durch die mangelhaften Kenntnisse, sondern durch seine Unfähigkeit zu kommunizieren.


    Lieber Alfred! Wenn dir die Arroganz der Nichtwissenden lieber ist als die Belehrungen der Wissenden, kannst du es ruhig sagen. :-)


    P.S. Über Alfreds anderswo formulierte Idee, "Mimosen" speziell zu behandeln, bin ich gerne bereit, weiter an der entsprechenden Stelle zu diskutieren. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema für die Moderation.

  • Hallo Alfred und hallo Peet,


    Peet ich kenne Dich schon aus dem für Alfred "verabscheuungswürdigen Forum" und weiß das Du kein Blatt vor dem Mund nimst, aber das muß man vertragen können. Man kann aber nicht immer Recht haben.


    Zum Thema:
    Ich habe am Wochenende nochmal auf meiner Eurodisc-LP mit Swetlanow nachgesehen und diese mit Begeisterung gehört.
    :rolleyes: Diese Aufnahme ist von 1964 und es handelt sich um die russische Erstaufnahme auf Schallplatte / nicht russ.Erstaufführung.


    Da ich meine Beiträge größtenteils vom Büro aus schreibe, konnte ich nicht gleich nachsehen und hatte das verwechselt --- ich bitte um Entschuldigung für meinen Fehler.


    :) Alfred, ich habe mir auch nochmal die Boulez-Aufnahmen, die Du favorisierst angehört. Seine Auffassung der Werke hat sich in den Jahren zwischen SONY und DG nicht großartig geändert. Kein Detail bleibt unterbelichtet, alles äußerst Präzise - phantastisch gespielt. Dies erreicht er durch ein langsameres Tempo als seine Kollegen.
    Wer die russ.Aufnahmen mit Swetlanow und Fedossejew oder auch gerne Solti im Ohr hat, dem werden die Boulez-Aufnahmen zu spannungsarm vorkommen und man wünscht sich in den eruptiven Passagen und nicht nur beim Opfertanz am Schluß einfach mehr Energie.
    Dies ist für mich um so verwunderlicher, da auf der gleichen DG-CD mit Boulez die meiner Meinung beste Aufnahme des Feuervogel-Balletts (Gesamtaufnahme, keine Suite) mit drauf ist. Hier spielt das Chicago SO : Boulez läßt auch hier nichts unterbelichtet, bietet zudem aber einen Höllentanz des Königs Katschei, der an Härte und Bombastik alles bisher dagewesene übertrifft. So hätte ich mir den Boulez-Sacre gewünscht. Strawinsky nimmt hier quasi den Sacre vorweg.



    Diese CD ist ein ganz heißer Tipp für 10,-€, da sie die Aufnahmen enthält, die auch auf den beiden DG-Hochpreis-CD´s für 19,95€ zu haben ist.


    :D In der RONDO-Kritik habe ich gelesen, das Bernstein in New York bei seiner ersten (von Drei) Einspielung auf CBS eine hörschockartige Interpretation abgeliefert hat:
    Mehr als allen anderen Dirigenten gelingt es Bernstein, den Schock begreiflich zu machen, den das Werk bei seiner Uraufführung auslöste. In ihrer Wildheit und Brutalität kommt diese Aufnahme einem orchestralen Exorzismus gleich. Das Orchester ist bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gefordert – und darüber hinaus: Gelegentlich sind durchaus Erschöpfungserscheinungen spürbar.


    Diese Sätze machen Appetit - die CD gibt es jetzt wieder.......


    Gruß aus Bonn
    Wolfgang

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von teleton
    Diese Aufnahme ist von 1964 und es handelt sich um die russische Erstaufnahme auf Schallplatte / nicht russ.Erstaufführung.


    Hallo teleton,


    es freut mich, daß du dich positiv gemeldet hast.


    Über die russische Erstaufnahme würde ich gerne noch einmal nachhaken. Da bin ich immer noch nicht sicher. Es kann nämlich sein, daß das Gastspiel von Strawinski in Leningrad 1962 aufgenommen und als LP-Sammlung ediert wurde. In diesem Fall wäre Svetlanovs Aufnahme die erste Studioaufnahme des Balletts in Russland. Immerhin. :-)


    Gruß

  • Hallo teleton,
    vielen Dank für Deine sehr sachlichen Ausführungen. Ich tendiere bisher trotz der auch von Dir gemachten Einschränkungen zu der späteren Boulez-Aufnahme, weil ich die Beschreibung bei Rondo sehr "symphatisch" finde, sie mir beim Probehören gefiel und mich auch der bessere Klang lockt (vom günstigen Preis mal ganz abegesehen...). Leider hatte ich noch keine Gelegenheit, die ältere Boulez-Aufnahme zu hören.
    Die ernsthaftesten Alternativen sind wie schon erwähnt Barenboim mit dem CSO(Referenz-Status bei Rondo, Verriss bei classics-today..., kann man leider bei Saturn nur sehr rudimentär probehören, weil der Sacre hier aus nur 2 Tracks besteht, bei anderen Einspielungen dagegen aus 15 oder 16)) und Ozawa mit dem CSO (glaube ich), die mir beim Probehören bei Saturn sogar noch einen Tick besser gefiel, weil feuriger und farbiger. Diese ist aber von Ende der 60er und da bin ich mir hinsichtlich der Klangqualität unsicher - die kann man ja leider beim Probehören bei Saturn nur sehr schwer beurteilen.
    Ich werde aber noch weiter "querhören", z.B. auch die Solti-Aufnahme - am Ende werden's dann vielleicht doch mehrere Einspielungen sein...
    Gruß und vielen Dank
    Achim

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Hallo,
    ich habe das Seiji Ozawa Aufnahme gehört und mir hat es gefällt. Vielleicht gibt es irgendjemand, dass mir eine riskiertere Aufnahme empgehleen kann.
    ;)


    R.

  • Eigentlich plappere ich nicht nach, was Magazine so sagen. Aber "Rondo" meint, der Sacre von Chailly mit dem Cleveland Orchester 1987 sei der beste. Ich habe mir diese CD gerade erst gekauft. Und es stimmt. Chailly schlägt Boulez um Längen. Die Aufnahme ist nicht so extrem analytisch, dafür wärmer und dadurch mehr unter die Haut gehend (dieser Sacre befindet sich auf der Decca-Doppel-CD "Stravinsky Ballets". Übrigens ist die Aufnahmequalität unglaublich, auf einer Stufe mit meinen besten SACDs. Wo wir bei SACDs sind : Der Sacre von Rattle und den Berliner, der vor wenigen Wochen auf "Rhythm is it" erschienen ist, ist nahezu genauso gut. Dies sind die besten. Bernstein finde ich weniger gut. Das ist nicht mehr archaisch, nur gewalttätig. Bernstein macht aus dem Sacre ein Psychogramm, welches bei Mahler (vielleicht) seine Berechtigung hat...

  • Hallo mathemike,


    das mit der neuen Rattle-Aufnahme kann ich bestätigen, eine umwerfende Aufnahme ist da gelungen (wie dumm, dass die EMI sie nicht herausbringen wollte, und wie gut, dass sie jetzt doch herausgekommen ist). Der Rest der CD, die die Filmmusik zu dem sehenswerten Dokumentarfilm "Rhythm is it" enthält, ist zwar vernachlässigbar, aber für diesen Sacre lohnt sich die Sache (gibt es sowohl als CD als auch als SACD).



    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo Mathemike,


    aufgrund der Rondo Kritik über den Sacre bin ich auf Bernsteins-CBS-Aufnahme mit den New Yorker PH von 1958 neugierig geworden und habe mal bei EBAY gesehen ob die CD günstig zu haben ist - und siehe da ich hatte Erfolg und die Aufnahme aus der dunkelblauen SONY-Bernstein-Serie supergünstig ersteigert und dieses Wo-Ende gehört.

    :] Ich muß dazu folgendes sagen:
    Bernsteins Interpretation (1958 ) ist absolut überwältigend; kein Detail wird verschluckt, die Schlaginstrumente kommen sauber und trocken über den Lautsprecher. Spannung vom ersten Teil bis zum Schluß, wie Fedossejew(JVC) und Solti(Decca). In wilden Passagen entsteht kein Klanggewusel (=die Instrumente verschwimmen ineinander) der Schlaginstrumente (wie bei Boulez), sondern jeder Schlag ist präzise einzeln durchzuhören. Die CBS-Techniker waren schon 1958 auf einem zukunftsweisenden Stand der Technik.
    Die Petruschka-Version (1947) auf der Bernstein-CD ist ebenfalls spitzenmäßig gelungen.


    Seit ich in diesem Forum unterwegs bin achte ich auf Dinge, auf die ich vorher nicht so genau geachtet habe. So nach dem Motto:" eine neue Aufnahme müßte klanglich eigendlich besser sein". So muß ich (nicht nur wegen dieser CBS-Aufnahme) Alfred recht geben, das die alten CBS - Aufnahmen in vielen Fällen mehr zu bieten haben als neuere DG-Aufnahmen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Strawinsky-Freunde und Mathemike,


    ich möchte Dir Deine Begeisterung für die Rattle-Aufnahme nicht nehmen; höre diese, wenn sie Dir gefällt. Ich war gestern nicht auf Inhalte Deines Beitrages eingegangen, weil ich dazu noch nicht viel sagen konnte.


    Strawinsky läßt mich nicht los und ich war gestern in einem gutsortierten CD-Laden in Bonn und habe in die Rattle-Aufnahme länger reingehört: Was da über die Kopfhörer tönte erreichte nicht annähernd die kompositorischen Intentionen Strawinky´s, der sich positiv über Bernstein´s NewYorker CBS-Aufnahme von 1958 äußerte.


    Was heißt schon beste Einspielung - die Rattle-Einspielung mag für Dich die Beste sein. Mir hat diese Softversion des Sacre überhaupt nicht gefallen. Für absolut falsch halte ich den letzten Satz Deines Beitrages (mit Mahler).


    ;) Die aktuelle Stereoplay-CD-Kritik aus der Ausgabe 03/2005 sagt meiner Meinung alles zu der Rattle-Sacre-Aufnahme aus:
    Rezensent Martin Metzger

    Zitat

    (Auszug) Selbstverständlich ist in Rattles Sacre alles partiturgenau, fast buchhalterisch, aber ohne Pfeffer. Rattle achtet sorgsam auf Transparenz, kostet die langsamen Einleitungen der beiden Teile fast romantisch aus - und letztlich klingt der Orchester-Thriller wie gezähmt zum Echo seiner eigenen Vergangenheit: wie radikalisierter Rimsky-Korsakow. Trotz einiger wuchtiger Trommelschläge ein seltsam gemäßigtes "Sacre", bisweilen geradewegs aus der Kuschelecke, wo der Tieger als Bettvorleger geopfert wird. Keine Konkurenz jedenfalls zu Bernsteins Orgastik oder Boulez´Strukturschärfe.
    Interpretation: 6
    Klang: 8
    Repertoirewert: 3


    Fazit: Eine entbehrliche Veröffentlichung.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Jedem sein Geschmack. Ich habe auch gar kein Bedürfnis, jemanden meinen Geschmack aufzuzwingen. Was ich nicht mache : Die Kritik eines einzelnen (z.B. aus der Stereoplay) kommentarlos zu meiner Meinung zu machen. Der Sacre von Rattle ist für mich überhaupt nicht soft. Im Gegenteil. Und er passt haargenau zu der Geschichte, die hinter dem Sacre steht; und damit zur Intention Strawinskys. Da muss für mich keine kühle Akribie wie bei Boulez im Spiel sein, auch wenn diese Interpretation durchaus zu begründen ist. Und noch was zu Bernstein : Die Aufnahmen gerade auf Vinyl sind zum Teil gigantisch gut. Der psychologische Ansatz ist aber immer dramatisch spürbar, nicht nur, weil sich Bernstein häufig als Bruder im Geiste mit Mahler bezeichnete. Nur ist es so, daß ich irgendwie Probleme damit habe, zum Teil auch mit den stark variierenden Tempi. Klemperers Aufnahmen "liegen" mir mehr.

  • Hallo zusammen,


    kann der Stereoplay-Kritik auch nicht zustimmen. Sicher - Rattles neuer Sacre ist nicht so reisserisch und sicher auch nicht so "knallig" wie der von Bernstein, den teleton genannt hat. Aber just darin liegt meiner Meinung nach auch eine Qualität: Mir hat sich die Geschichte, die dahintersteht, selten so deutlich vermittelt wie in dieser Aufnahme.


    Abgesehen davon fetzt Rattle in einigen Abschnitten schon ordentlich - nur ist Bernsteins Selbstaufgabe seine Sache nicht.


    Ich denke, es muss Geschmackssache bleiben, was man bevorzugt.....


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo,
    kennt jemand zufällig die Rattle-Einspielung mit dem C.o.Birmingham SO?
    Die wird in Rondo, glaube ich, auch hoch gelobt, und von diesem Orchester habe ich viel Gutes gehört, aber sehr wenig im Regal.

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Hallo achim,


    leider kenne ich sie nicht, aber sie interessiert mich (auch im Vergleich zur neueren jetzt) auch sehr.


    Ansonsten habe ich mit dem CBSO unter Rattle recht viele Aufnahmen, und ich kann nicht sagen, dass mich eine vom Orchester her enttäuscht hätte. "Englisches Provinzorchester" gilt da jedenfalls allerhöchstens geographisch....


    Vielleicht kennt diese Sacre-Aufnahme jemand anderes hier?


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo auch,


    die von Wolfgang zitierte Stereoplay-Kritik kann ich absolut nicht nachvollziehen. Sicher reicht sie vom Brachialen nicht an die Bernstein-Aufnahme mit den NYP (die ich auch klasse finde) heran, aber es gibt auch andere Ansätze, und bei Rattle werde ich eben auf diese/einige andere Gesichtspunkte aufmerksam: Struktur, Wärme, Geschlossenheit.
    Mir gefällt Rattles Sacre mit den Berlinern wunderbar (den mit den Birmingham SO kenne ich leider auch nicht).


    Gruß
    Uwe