Nicht nur Plenty of Nothing - George Gershwins PORGY AND BESS

  • Hallo Michael,


    vielleicht ist es ja auch schon zu lange her, doch ich habe die Mitwirkenden anders im Ohr. Könntest du mir die Auflistung der Stücke mit Sänger machen, damit ich sie zuordnen kann?


    Danke lG

  • Ob Du es glaubst oder nicht, auf der Orginal-Schallplatte ist auch nur explizit Cab Calloway als Sportin Life erwähnt.
    Ich habe jetzt auch nur die Wiki-Seite und die Movie-Base-Seite auf die schnelle entdeckt, aber auch dort sind die Sänger nicht genannt.

  • Zitat

    Unlike the long out of print American Columbia sound track LP, this CD import actually credits the voice of Robert McFerrin (the father of jazz singer Bobby McFerrin) as Porgy. Still uncredited are singers Adele Addison (Bess), Loulie Jean Norman (Clara) and Inez Matthews (Serena). A special treat on this album is Cab Calloway as "Sportin' Life", who replaces Sammy Davis Jr. from the film, whose voice could not be used on the sound track album due to his exclusive contract with another record label. Calloway is far better suited to this role and his performance adds an edge to the character missing in Davis' more comic turn in the film. Calloway's vocals are backed up by the identical orchestral tracks (conducted by Andre Previn) used in the film for Davis. Although this version of Porgy and Bess was not well liked by the Gershwin family because it was treated more as a Broadway Musical than an opera, this film was immensely popular in its time and has gained stature over the years. The film was recently named one of the 100 greatest film love stories by the American Film Institute. The release of this matchless film on home video would be a cause for rejoicing. Andre Previn's conducting and especially Ken Darby's excellent choral direction have never been bettered in any performance of PORGY AND BESS.


    Das ist von der amazon.com Seite, dort haben einige Kenner, wie ich ja schon erwähnt habe, erhellendes zu dieser Aufnahme geschrieben.


    Lies es Dir doch einmal durch.


    LG,
    Michael

  • Vielen Dank Michael,


    ich habe Sammy Davis vermisst als Sporting life, den ich noch besonders gut im Ohr habe. Kann es sein dass Sammy Davis auf der original LP selber gesungen hat, oder? Nach dem Artikel ist er nicht auf der CD

    A special treat on this album is Cab Calloway as "Sportin' Life", who replaces Sammy Davis Jr. from the film, whose voice could not be used on the sound track album due to his exclusive contract with another record label.


    Es ist ja schon Jahrzehnte her seit ich diese LP gehört habe und ich glaube sie heute ganz anders zu hören als damals. Interessant diese Entdeckung.


    LG

  • Zitat

    Kann es sein dass Sammy Davis auf der original LP selber gesungen hat, oder?


    Hallo,
    neinnein, ich habe doch schon geschrieben, daß auf der Orginal-LP Cab Calloway singt und auch als einziger Sänger namentlich aufgeführt ist.
    :hello:
    Michael

  • Zitat

    Original von musika
    ich habe Sammy Davis vermisst als Sporting life, den ich noch besonders gut im Ohr habe. Kann es sein dass Sammy Davis auf der original LP selber gesungen hat, oder? Nach dem Artikel ist er nicht auf der CD.


    Nein kann er nicht. SDj war nur im Film zu hören und nicht auf der Soundtrack-Platte (Exklusivkünstler für eine andere Plattenfirma).

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Vielen Dank,


    na dann hoffe ich doch irgendwann mal den Film zu bekommen.


    Liebe Grüsse und ..danke.. Michael..für deine Geduld.


    :jubel:

  • Hallo musica


    bin gerade auf diesen Strang gestoßen. Ich habe und hatte die LP auch, und den Film habe ich seinerzeit, da ich in einem Kino arbeitete, das ihn längere Zeit zeigte, sehr oft gesehen und gehört.


    Was in diesem Thread steht, ist im Wesentlichen richtig. Sammty Davis, Jr. hat zwar das "It Ain't Necessarily So" (mehrfach (?) separat aufgenommen, aber seine Filmaufnahme ist nur in dem Film zu hören.


    Die Herausbringung dieses Films wird nach den letzten mir bekannten Infornationen tatsächlich noch von Gershwins Erben bzw. deren Anwälten verhindert, weshalb ich annehme, dass es eher um Geld und zukünftige Anteile als deren Missstimmung über den Film selbst geht.


    Bis der Film von den Rechtsnachfolgern der Samuel Goldwyn Company, vermutlich in dem Fall der ursprüngliche Weltvertrieb Columbia, offiziell herauzsgebracht wird, gibt es ihn definitiv NUR als Bootleg, d. h. Raubkopie, die gelegentlich bei ebay u. ä. angeboten werden. Dabei handelt es sich immer um Abtastungen einer Filmkopie mehr oder weniger guter Qualität, oft mit asiatischen Untertiteln, deren Qualität überraschend gut sein kann, zuweilen aber auch fragwürdig ist - was gerade bei einem Musikfilm nicht unerheblich ist.


    Da Piraten im Gegensatz zu den amerikanichen Majors ein Interesse daran haben, ihren Markt möglichst weltweit offen zu halten, spielen sie ihre Filme fast immer mit dem weltweit gültigen Regionalcode 0 auf. Das gilt auch, wenn z. B. bei der amerikanischen ebay.com das NTSC-Format angegeben ist.


    Fraglos gibt es einen gewissen Erwartungsdruck an die Herausbringung des Films, aber ich fürchte, die Gershwin-Erben bzw. deren Anwälte überschätzen den damit zu machenden Gewinn, und so kann es noch dauern, bis der Film legal herausgebracht wird :boese2: :boese2: :boese2: :motz: :motz: :motz: X( X( X( .


    Oder auch nicht =) =) =)


    :hello: Rideamus

  • Gershwin-Fans sollten sich schon mal für morgen Abend auf dem Kalender anstreichen:


    Deutschlandradio Kultur, Berlin:
    Samstag, 29. Dezember 2007
    19:05 Uhr: Konzert


    Historische Tondokumente
    Berlin, Titania Palast
    Aufnahme vom 21.9.52
    George Gershwin
    "Porgy and Bess",

    Tournee der Everymen Opera Company
    William Warfield - Porgy
    Leontyne Price - Bess
    Cab Calloway - Sporting Life
    John McCurry - Crown
    Joseph James - Jake
    Helen Colbert - Clara
    Howard Roberts - Robbins
    Helen Thigpen - Serena
    u.a.
    Mitglieder des Eva-Jessye-Chores
    RIAS-Unterhaltungsorchester
    Leitung: Alexander Smallens

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Hallo Herbert,
    das ist aber nur eine Umspielung alter Vinyl-Platten auf CD (gibt es auch von Cantus Classics für 5,50 Euro)


    Hier ist die Original-Aufnahme von CBS, basierend auf den Masterbändern:



    Klingt wie eben erst im Studio eingespielt!


    Hier die Daten:
    Aufnahme: 5.–13.4.1951, Studio
    Spieldauer: 130'19 Dirigent: Lehman Engel
    Columbia Symphony Orchestra
    J. Rosamunde Johnson Chorus
    Chorleitung: J. Rosamunde Johnson
    Kommentar: stark gekürzt
    Labels: Masterworks CD: MH2K 63322, Naxos historical 8.110287-88 (2 CD), Cantus Classics 500799 (2 CD)


    Rollen und Sänger
    Annie: Sadie McGill
    Bess: Camilla Williams
    Clara: June McMechen
    Coroner: Peter van Zant
    Crab man: Ray Yeats
    Crown: Warren Coleman
    Detective: George Matthews
    Frazier: J. Rosamund Johnson
    Jake: Eddie Matthews
    Jim: Georg Fischer
    Lily: Helen Dowdy
    Maria: Helen Dowdy
    Mingo: William A. Glover
    Mr. Archdale: Robert Carroll
    Nelson: Ray Yeats
    Peter: Harrison Cattenhead
    Policeman: Peter van Zant
    Porgy: Lawrence Winters
    Robbins: Irving Washington
    Serena: Ines Matthews
    Sporting Life: Avon Long
    Strawberry woman: Helen Dowdy
    Undertaker: Hubert Dilworth




    LG
    Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Herbert,
    ich habe meine Doppel-CD seinerzeit (vor ca. 2 Jahren) bei zweitausendeins bekommen (12,99 EUR), war allerdings Auslaufware/reduzierte Restbestände.


    Das Bild habe ich von amazon.de, die bieten die Aufnahme im marketplace an (da wohl im aktuellen Katalog gestrichen).


    Zitat

    Artikelbeschreibung:
    Die hervorragende vollständige Studioaufnahme dieser Oper aus dem Jahre 1951 wurde nun mit perfekten technischen Mitteln auf das neue Medium der CD übertragen. Die Sänger sind Lawrence Winters als Porgy, Camilla Williams als Bess, Ines Matthews als Serenca, June McMechen als Clara und andere.


    Diese amerikanische Kultoper übertragen auf eine zeitgenössische Doppel-CD darf in keiner ernstzunehmenden Musiksammlung fehlen. Ein Kultgenuss!

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ende dieses Monats erscheint jetzt auch die amerikanische Neuaufnahme von Porgy and Bess bei Decca, mit der vielgepriesenen Sopranistin Nicole Cabell als Bess. Aufgenommen wurde das Ganze in Nashville/Tennessee. Dort wurde vor kurzem auch eine interessante Neuaufnahme der "West Side Story" produziert.



    Nicole Cabell, Marquita Lister, Alvy Powell, Robert Mack,


    Nashville SO & Chorus, John Mauceri
    Label: Decca , DDD, 2006
    jpc-Bestellnummer: 5573918


    (Beim Krokodil gibts die schon länger und dank des niedrigen Dollarkurses auch viel billiger)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Während in Düsseldorf an der DOR die West Side Story die Theaterferien überbrückt, wird an der Deutschen Oper in Berlin das andere große amerikanische Zugpferd, Gershwins "Porgy and Bess" während der Sommerferien gegeben:


    The Gershwins® Porgy and Bess


    Oper in drei Akten von George Gershwin, DuBose und Dorothy Heyward und Ira Gershwin
    Uraufführung am 10. Oktober 1935 im Alvin Theatre, New York
    (In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln)


    Premiere
    Freitag, 04.07.2008, 20:00 Uhr


    Musikalische Leitung Willie Waters
    Inszenierung Angelo Gobbato
    Bühne, Kostüme Peter Cazalet
    Licht Mannie Manim
    Choreographie Maxwell Rani
    Chöre Albert Horne


    Cape Town Opera Voice of the Nation Chorus
    Orchester der Deutschen Oper Berlin


    Eine Produktion der Cape Town Opera mit der Deutschen Oper Berlin und der Den Norske Opera Oslo, insgesamt 29 Vorstellungen bis zum 1. August 2008.


    Mehr dazu gibt es hier direkt bei der DOB.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Obwohl der Thread ursprünglich einer Spezialanfrage nach dem Filmsoundtrack galt, hat er sich zu dem einzigen allgemenen über Gershwins Oper und ihre Einspielungen entwickelt, ohne dass jemals wirklich auf das Werk selbst eingegangen worden wäre. Dies sei hiermit nachgeholt, wobei ich den Threadtitel angepasst, wieder auf eine meiner Rätsellösungen zurückgegriffen und diese für den Zweck eines allgemeinen Threads überarbeitet habe. Das Original steht hier: Der Lösungsthread zu "Grisetten, Treulose, Kurtisanen - Das erste luderliche Rätsel"


    Hier wurde oft die Frage gestellt, ob dieses Werk eigentlich ein Musical oder eine Oper ist. iese Oper immer als Musical kategorisiert hatte. Offensichtlich ist das Werk bekannt, aber eben nicht auf dem Radarschirm des normalen Opernliebhabers. Hinzu kam, dass wohl viele die populären Nummern der Oper kennen (nicht von ungefähr wurde in weiteren Tipps immer die Jahreszeit - "Summertime" - betont), weitaus weniger aber die Handlung des Stückes in den Details, die nicht von den Hits gecovert werden, zu denen auch "Bess You Is a Woman Now", "I Loves Your, Porgy" oder Sporting Life's herrliches "It ain't necessarily so" gehören. Dennoch sehe ich nicht, warum man sie nicht als die Oper ansehen sollte, für die ihr Komponist sie hielt. In einem anderen Thread habe ich das mal so begründet:



    Hand auf's Herz: wie oft und wann zuletzt habt Ihr das ganze Werk gehört oder in einer Aufführung gesehen? Der sehr gelungene Film von Otto Preminger (der allerdings die Oper kürzt und die Orchestrierung hollywoodartig aufblies) mit den (synchronisierten) Stars Harry Belafonte und Dorothy Dandridge läuft leider aus lizenzrechtlichen Gründen schon ewig nicht mehr, denn Gershwins Erben verlangen dafür wohl enorme Summen, obwohl sie die Verfilmung ursprünglich nicht sehr schätzten.


    Die gesamte Inhaltsangabe ist andernorts nachzulesen (leider noch nicht im OPERNFÜHRER), deshalb hier nur ein paar Sätze zu der Frage "Wer tötet wen?". Da ist zunächst einmal der bullige Hafenarbeiter Crown, der mit seiner Festanstellung etwas mehr Geld hat als die armen Fischer der Catfish Row, und dem Bess verfallen ist. Sie ist keineswegs eine zynische Schlampe, sondern eine Frau, die ihren Lebensumständen entfliehen und etwas Besseres sein und haben will. Ihr bleibt nichts übrig als dafür die wenigen Mittel einsetzt, über die sie verfügt, und dazu gehört natürlich ihre körperliche Attraktivität. Deshalb hilft sie Crown auch, nachdem er im durch Rauschgift verstärkten Suff einen Fischer erschlagen hat, weil der im Würfelspiel gewonnen hatte. Crown ist ein brutaler, unsympathischer Kerl, aber er würde wohl "nur" wegen Totschlag verurteilt werden. Tatsächlich hilft er den furchtsamen Fischern der Catfish Row sogar bei der Suche nach ein paar verschollenen Kollegen.


    Dagegen ist es Porgy, der Crown erst niedersticht und dann erwürgt, als dieser Bess abholen will, in die sich Porgy verliebt hat, und die er nicht wieder an Crowns Seite verkomen lassen will. Vielleicht kann man von mittelbarer Notwehr sprechen, aber juristisch ist das wohl doch Mord - an einem Einbrecher zwar, aber ohne Bedrängnis von Leib und Leben. Die Einteilung in Gut und Böse ist also gar nicht so leicht, zumal der eigentliche Schurke des Stückes der Dealer Sporting Life ist, der persönlich keiner Fliege etwas zu Leide tut und dennoch mehr Schaden anrichtet ls alle Crowns der Gegend zusammen genommen.


    Diese Vielschichtigkeit, die zwar nicht frei von Romantisierung ist, tatsächlich voller Klischees der damaligen Wahrnehmung vom Leben der Schwarzen steckt, aber auch sehr viel Realität und Lokalkolorit aufgreift, ist es, die mich neben den hinreißenden Melodien und komplexen Ensembleszenen dieser Oper begeistert. Sie allein schließen schon jeden Verdacht aus, dass es sich hier nicht um eine Oper handeln könnte. Natürlich ist sie auch von der Melodienwelt des Musicals geprägt, wenn auch auf ganz andere Weise als Gershwins beste Musicals. Das macht sie ja so populär. Aber die Verarbeitung und Einbettung dieser Melodien geht einen Riesenschritt über Gershwins Musicals hinaus, weshalb viele Anhänger harmloser Musicals mit der ganzen Oper auch echte Schwierigkeiten haben.


    Damit wäre auch das Kriterium definiert, nach dem man "seine" beste Gesamtaufnahme aussucht. Für mich führt trotz sehr guter Alternativeinspielungen, etwa unter Lorin Maazel oder John de Main und anderen mit hevorragenden Sängern, kein Weg an dieser Aufnahme von Simon Rattle mit den Londoner Philharmonikern sowie Willard White, Cynthia Hayman und Damon Evans vorbei, denn
    sie verbindert großartige Musikalität bis ins Detail mit einer exzellenten Besetzung in eigentlich allen Rollen:



    Andererseits wäre es natürlich auch falsch, das populäre Eigenleben der Hits zu ignorieren, zumal wenn sie von Größen wie Ella Fitzgerald, Louis Armstrong und den klassischen Sporting Lifes Cab Calloway oder Sammy Davis, Jr. gesungen und gespielt werden. Nur sollte man dann nicht glauben, die Oper selbst zu hören, denn die machen wirklich das Jazzmusical, für das viele diese Oper halten, die sie nie ganz oder richtig gehört haben. Was natürlich unbedingt einmal geändert werden sollte.


    Beispielsweise anhand der parallel dazu entstandenen DVD, denn Opern wollen ja auch gesehen werden. Leider kenne ich sie nicht, weil es sie (oder meinen DVD-Player?) noch nicht gab, als ich mir die Platten zulegte. Kann jemand sagen, ob sie sich lont, auch wenn man den musikalischen Teil davon schon hat? Oder ist es womöglich eine andere Aufnahme mit einer teilweise identischen Besetzung?




    :hello: Jacques Rideamus

  • Ich hatte das Glück, dass ich neben zwei konzertanten Aufführungen auch zweimal Porgy and Bess live auf der Bühne erleben konnte: einmal im Juli 2000 in Graz (Gastspiel des Centro Pro Arte Lirico, La Habana - eine ordentliche Aufführung - nicht mehr) und dann im Juli 2004 in Linz (Gastspiel der Harlem Opera New York - eine sehr gute Produktion mit der ausgezeichneten Bess von Marquita Lister), doch meine Begeisterung für dieses Werk wurde ursprünglich durch die Schallplatte ausgelöst.


    Seit ich bei einem Freund die Aufnahme unter Maazel 1976 gehört habe liebe ich diese Oper und das sieht man, wenn man in meinen CD/LP-Schrank hineinschaut: Ich habe mir alle für mich verfügbaren Aufnahmen so nach und nach besorgt:



    Natürlich zunächst die Aufnahme unter Maazel - mit einem ausgezeichneten Ensemble - eine Einspielung, die bis zu einem gewissen Grad darauf ausgelegt ist, dieses Werk international durchzusetzen - das bedeutet, dass die Aufnahme fast schon zu viel große Oper ist - vielleicht ein bisschen zu wenig Gershwin - aber dafür hört man jede komponierte Note (zumindest behauptet das die Textbeilage).


    Zumindest in Europa hat es die gleichzeitig auf den Markt gekommene, im Zuge einer Aufführungsserie in Housten produzierte Einspielung unter John DeMaine, schwer gehabt - kaum bekannte Sänger, kein bekannter Dirigent - nur pralle Musik - nahezu ein Liveerlebnis - nicht so subtil ausgehorcht wie bei Maazel dafür Opernleidenschaft pur.


    1988 wurde dann in die Glyndebourne-Produktion - wenn auch im Studio produziert - unter Rattle herausgebracht. Jaques Rideamus hat recht - an ihr führt kein Weg vorbei. Rattle verbindet die zwei Welten, die ich oben angesprochen habe - Studiopräzision und Bühnenluft - die DVD Produktion überzeugt mich nicht so - aber die CD ist erstklassig.


    Im Jahr 1951 kam, wie schon Harald Kral beschrieben hat, bei CBS (heute Sony) eine gekürzte Fassung unter Lehman Engel auf den Markt - das Spirituel stand Pate - zumindest hat man beim Anhören der Aufnahme diesen Eindruck - was nicht falsch sein muss - Doch trotzdem zum Teil Sänger der Uraufführung mitwirkten - es bleibt eine interessante aber keine große Einspielung, die es definitiv nicht geschafft hat, das Werk außerhalb der USA durchzusetzen.


    Das hat die Everymen Opera Company dann mit ihrer Europa Tournee geschafft - und von der Aufführung in Berlin im April 1952 liegt bei verschiedenen Anbietern ein klanglich durchaus akzeptabler Mitschnitt vor - und was für ein Mitschnitt: die blutjunge Leontyne Price als Bess mit William Warfield als Porgy und dem unvergleichlichen Cab Calloway als Sporting Life. Geleitet wird die Aufführung vom Dirigenten der Uraufführung, Alexander Smallens. Man kann vielleicht hinsichtlich der Aufnahmen unter DeMain, Maazel und Rattle streiten - welche denn von diesen die beste ist aber nicht wenn man dieses Tondokument kennt – obwohl leicht gekürzt – so kann, ja so muss Porgy and Bess klingen.


    Die 2006 in Nashville aufgenommene Fassung der Uraufführung erreicht nicht ganz die Klasse der besten Aufnahmen – trotzdem, eine ausgezeichnete Einspielung mit einem mehr als kompetenten Dirigenten und meist sehr guten Solisten. Für Tüftler: Unter Zusammenarbeit mit verschiedenen Musikwissenschaftlern hat Mauceri (der Dirigent) versucht, selbst die Notizen in der Partitur des Dirigenten der Uraufführung bzw. in den Orchesterstimmen anhand des erhaltenen Aufführungsmaterials wurden für die Rekonstruktion herangezogenen – soweit die Textbeilage.


    In meinem Besitz befinden sich aber noch einige Aus- bzw. Querschnitte, die die Entwicklung bzw. die Einstufung dieser Oper widerspiegeln:



    Bei Readers Digest erschien im Rahmen eines Sammelwerkes über Musicals und Operetten ein Querschnitt unter Lehman Engel, der Porgy hier ganz klar als Musical verstand und dementsprechend arrangierte, mit der Moffo als Clara, selbstverständlich der berühmte Querschnitt von 1963 mit der Price und Warfield unter Skitch Henderson,


    natürlich die LP mit der Filmmusik unter Andre Previn wieder mit dem unvergleichlichen Calloway als Sporting Life und schließlich Große Oper: der Querschnitt unter Leonard Slatkin mit Simon Estes als Porgy und Roberta Alexander in den Frauen-Partien, wie vor ihr schon die Price – die Aufnahme von 1984 stammt aus Berlin und für Jazzfans:


    0886974919926.jpg


    Porgy and Bess arrangiert von Gil Evans mit Miles Davis (p.1958 – hier stimme ich mit Achim überein – es ist ein epochales, allerdings eigenständiges Werk und hat mit der Porgy and Bess soviel zu tun wie etwa eine Klavierparaphrase von Liszt mit der verarbeiteten originalen Oper.

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

  • Giovanni: Sehr schöne Zusammenstellung! Aber wenn du zum Schluss mit Miles Davis auffährst, dann muss natürlich auch die Scheibe von Ella Fitzgerald und Louis Armstrong erwähnt werden!


    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Lieber Tehophilus, danke für die Ergänzung,


    aber da ich mir diese Aufnahme bis heute noch nicht gekauft habe - ich kann sie bei dem oben erwähnten Freund immer hören - fehlt sie bei meiner Zusammenstellung.


    Ich glaube, dass es nun doch an der Zeit ist sie zu erstehen und dazu noch einen Querschnitt unter Alexander Smallens (Ursprünglich bei Decca erschienen), den ich bei meinen Recherchen für die entsprechende Bestellung entdeckt habe.



    Liebe Grüße

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

  • Nach Abschluß der eigentlichen Spielzeit gastiert das New York Harlem Theatre im Düsseldorfer Opernhaus mit Gershwins "Porgy and Bess", und zwar täglich vom 28. Juli bis 9. August 2009.


    Die Düsseldorfer Star-Sopranistin Morenike Fadayomi, die diese Rolle bereits in der ganzen Welt gesungen hat, wird auch in ihrer Heimatstadt die Hauptrolle der Bess übernehmen, wie zur Zeit in Dresden.


    Näheres findet ihr auf der neuen Web-Seite der Rheinoper. Leider sind die Eintrittspreise für diese Gastspiel gegenüber den normalen Preisen für repertoire-Vorstellungen stark erhöht.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Im Juli 2009 führte Nikolaus Harnoncourt bei der Styriarte Porgy and Bess halbszenisch auf. Das Dokument dieser Aufführungsserie liegt bei Sony vor.


    Wie bei Harnoncourt nicht anders zu erwarten war stellt er wieder eine höchst persönliche Sicht auf das Werk. Im Textheft erklärt er zB dezidiert, dass er sich hier entscheidend gegen die „Vermusicalisierung“ des Werkes ausspricht. Harnoncourt grenzt sich hier z.B. konkret von dem, nicht nur von mir, hoch gepriesenen Mitschnitt einer Aufführung unter dem Dirigenten der Uraufführung ab. Die von ihm vorgestellte Fassung orientiert sich grundsätzlich an der Einrichtung der Uraufführung mit ihren Strichen, doch nicht so kompromisslos wie etwa Mauceri. Sie wird ergänzt durch einzelne Details.Ob das Konzept aufgeht muss jeder Hörer selbst entscheiden. Harnoncourt nimmt das Werk jedenfalls ernst, wirklich ernst.


    Die Vokalbesetzung mit Lemalu als Porgy und Kabatu als Bess ist ausgezeichnet bzw. sehr gut (Bess) – ein Highlight für mich: die Alexander als Maria.Das Orchester und der Chor erfüllen ihre Aufgaben ausgezeichnet. In Summe eine beeindruckende Aufnahme die allerdings nicht ganz die Qualität der Einspielungen unter Rattle und Smallens erreicht - eine Einspielung für Sammler von Harnoncourt oder für Komplettisten wie ich einer bin bzw. eine wertvolle Erinnerung an eine gewiss beeindruckende Aufführung.Als Ergänzung noch ein paar Worte zu zwei weiteren Aufnahmen, die ich als wesentliche Beiträge zur Diskographie von Porgy and Bess erwähnt hatte:Der Dirigent der Uraufführung Smallens legte bei Decca bereits in den frühen 40er-Jahren Aufnahmen vor, die als Querschnitt vorliegen. Im Zentrum steht Anne Brown als ausgezeichnete Bess, Clara und Serena – ihr zur Seite steht mit Todd Duncan ein ungewöhnlich leichtstimmiger und außergewöhnlich felxibel singender Porgy – ein lohnender Rückblick in die Interpretationsgeschichte.Aus der Welt des Jazz zunächst Armstrong und Fitzgerald mit dem Orchester Russell Garcia. Vielleicht bin ich etwas überkritisch aber Satchmo und Ella erreichen gemeinsam nicht ganz die Höhe der Darstellung wie sie es jeweils allein oder mit anderen Partnern (z.B. Armstrong mit Velma Middleton –allerdings diese nicht als Bess) erreicht haben. Trotzdem , eine wichtige und wunderschön swingende Aufnahme.Abschließend noch eine Empfehlung:Die für mich beste CD-Einspielung unter Rattle (auch die zugehörende DVD-Produktion) ist derzeit bei jpc preisgünstig zu haben!
    :jubel: :jubel: :jubel: Zugreifen!!!
    :jubel: :jubel: :jubel:

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

  • 2012 wurde George Gershwins Meisteroper am Broadway (Richard Rodgers Theater) unter dem Titel "The Gershwins' Porgy and Bess" als Musical herausgebracht. Die Musik wurde dabei von Diedre L. Murray und das Libretto von Suzan-Lori Parks, der ersten afro-amerikanischen Pulitzer-Preisträgerin, bearbeitet. Das Ergebnis der Arbeit polarisierte das Publikum wie Presse http://www.huffingtonpost.com/…orgy-and-b_b_1213918.html und http://theater.nytimes.com/201…and-bess-review.html?_r=0 bzw. http://www.vulture.com/2012/01…eview-porgy-and-bess.html und http://www.hollywoodreporter.c…ess-theater-review-280994. Besonders eindeutig äußerte sich Stephen Sondheim in einem Brief an die New York Times http://artsbeat.blogs.nytimes.…-revamped-porgy-and-bess/.
    Die Überarbeitung verändert nicht nur die Instumentation und führt zu starken Strichen sondern verändert auch die musikalische Struktur. Der "neue" Text ersetzt gesungene Passagen durch gesprochenen Text. Die Oper wird konsequent in ein Musical umgewandelt - das kann man mögen oder auch nicht.


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    Für mich:
    Mit der CD-Einspielung dieser Broadway-Produnktion besitze ich nun eine leichte Musikbegleitung für nicht zu anspuchvolle Autofahrten mit einer beeindruckenden Bess (Audra McDonald), einem guten Porgy (Phillip Boykin) und einem ausgezeichneten Sporting Life (David Alan Grier) aber keine neue "Porgy and Bess".




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    Sechs Jahre nach der Ersteinspielung von Porgy and Bess unter Lehman Engel versuchte Bethlehem Records 1956 auf einen damals erfolgreichen"Zug" aufzuspringen: Jazzfassungen erfolgreicher Broadway- und Filmmusicals. Russ Garcia, wie auch spter in der Fitzgerald-Armstrong-Fassung, war verantwortlich für die Arrangements, der Jazz-Discjockey Al "Jazzbo" Collins sprach die verbindenden Worte. Die Besetzung wurde angeführt von Mel Tormé als Porgy, neben den Solisten und dem Bethlehem Orchestra wirkten das Pat Moran Quartet, das Australian Jazz Quintet und die Stan Levy Group an der Einspielung mit. Selbst der nicht nur damals berühmte Duke Ellington spendete einen eineinhalbminütigen Beitag (Summertime-instrumental).
    Das Ergebnis ist erstaunlich: Eine, bis auf die gebräuchlichen Striche, Gesamtaufnahme, die Porgy and Bess glaubhaft in das Swing-Zeitalter transformiert und das mit einer nahezu durchgehend ausgezeichneten Vokalbesetzung. Die Tonqualität ist beeindruckend. Wenn ihr eine "Jazzfassung" von Porgy and Bess hören wollt: neben Fitzgerald/Armstrong und Miles Davis - dann ist diese Einspielung eine überzeugende Möglichkeit.

    Schöne Grüße aus Wien
    Giovanni

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

  • Die von Giovanni  Giovanni Bertati erwähnte Harnoncourt-Gesamtaufnahme der Urfassung ist längst gestrichen.

    Jonathan Lemalu, Isabelle Kabatu, Angela Renee Simpson, Chamber Orchestra of Europe, Nikolaus Harnoncourt


    Die neuste Aufnahme ist eine im SACD Format und stammt aus dem Jahr 2021. Leider nur die Highlights.

    Angel Blue, Lester Lynch, Chauncey Packer, Kevin Short, Alexandria Crichlow, Philadelphia Orchestra, Marin Alsop


    Die Rattle-Aufnahme aus dem Jahr 1988 gibt es in einer Neuauflage. Giovanni Bertati und Jacques Rideamus hatten sie gelobt.

    Willard White, Cynthia Haymon, Harolyn Blackwell, Damon Evans, Marietta Simpson, Gregg Baker, Bruce Hubbard, Cynthia Clarey, Glyndebourne Chorus, London Philharmonic Orchestra, Simon Rattle


    Eine über 70jährige Aufnahme aus dem Jahr 1952 hat das Label audite herausgebracht.

    William Warfield, Leontyne Price, Cab Calloway, John McCurry, Joseph James, RIAS-Unterhaltungsorchester, Alexander Smallens


    Die jüngste Gesamtaufnahme, live eingespielt, stammt von der Met in New York, die 2019 dort aufgeführt wurde.

    Eric Owens, Angel Blue, Latonia Moore, Golda Schultz, Denyce Graves, Metropolitan Opera Orchestra, David Robertson

    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928