Schostakowitsch – Lieder und sonstige Vokalwerke

  • Ja, es gibt eine hörbare Korrespondenz zwischen dem Lebensgefühl Michelangelos und dem Schostakowitschs, wie es sich in seiner Musik ausdrückt.


    Und obwohl mein Italienisch dafür eigentlich nicht so ganz hinreichend ist, habe ich manchmal das Gefühl, dass die Spachmelodie der Verse Michelangelos, die irgenwie dem ähnelt, was seine Kunst auszeichnet, in der melodischen Linie der Lieder dieser Suite ihren Niederschlag gefunden hat.


    Obwohl, - das ist ja nun auch wieder seltsam. Denn ihnen liegt ja eine Übersetzung ins Russische zugrunde. Sollte die italienische Sprachmelodie dennoch bis dorthin vorgedrungen sein?

  • Gestern lief mir für wenig Geld eine Melodiya-LP mit der Suite nach Michelangelo-Gedichten über den Weg. Es handelt sich um eine Aufnahme mit Yevgeni Nesterenko als Solisten und dem Sohn Maxim Schostakowitsch als Dirigent des USSR RTV SO.


    Diese Stücke entstanden direkt im Anschluss an das letzte 15. Streichquartett und vor der Sonate für Viola und Klavier op. 147. Zuerst als Klavierliedzyklus, der dann aber noch vom Komponisten orchestriert wurde. Diese Musik spricht mich unmittelbar an und ich frage mich gerade, ob sie mir nicht besser gefällt als die Vokalsymphonien 13 und 14. Ich finde diese Lieder "eingängiger" und direkter wirkend als die in den Symphonien. Die Tonsprache erinnert partiell auch an frühere Symphonien, so z.B. das 10. Lied mit dem Titel "Tod", dass zur 11. Symphonien zurückblendet. Teils erinnern die Lieder sogar an die Monologe von Boris Godunow. Starke Musik, authentisch interpretiert.


    Und Mitte der 70er Jahre war offensichtlich auch die sowjetische Aufnahme- und Presstechnik beim westlichen Standard angekommen. Ein Glücksgriff.


    Einziger Wermutstropfen, keine Texte. Ich finde auch keine im Netz. Kennt jemand eine Quelle?


    P.S.


    die Michelangelo-Suite Op.145a, die allerdings nicht sehr oft aufgenommen wurde: ich besitze eine alte Melodiya-Aufnahme aus den 70ern mit dem Bassisten Yewgenij Nesterenko und Maxim Schostakowitsch, der das RSO Moskau dirigiert – das ist wundervolle, unglaublich eindrucksvolle Musik - (leider ist sie meines Wissens nie als CD erschienen, so dass ich sie selber überspielen musste)


    schrieb mein alter Freund Uwe vor gut 10 Jahren. Die diskographische Situation hat sich offensichtlich nicht verändert, ich finde jedenfalls keine CD im Netz. Und auch nicht die Hülle meiner LP.

  • Lieber Lutgra, was die Texte zu op. 145 anbelangt, ist das im Netz nicht schwer: http://www.recmusic.org - zu Shostakovic gehen, zu op. 145. Du findest ALLE 11 Texte in original Italienisch und in Russisch, der Sprache der Vertonung; an den vielen blauen beigefügten Kästchen siehst Du den Bestand an (anklickbaren) Übersetzungen, also auch viele deutsche darunter. Besagtes Internet-Archiv ist DAS Füllhorn, DIE Fundgrube für solche und ähnliche Fragen wie Deine.