Beethoven, Ludwig van: Streichquartette Nr 1 - 3 op. 18

  • Hallo zusammen,


    wie angedroht, ein paar Kommentare zu den Streichquartetten von Beethoven, zunächst den frühen opera 18, daraus nur die ersten 3, weil die in der Regel auf eine Scheibe passen.


    Vorab: Ich könnte auf das gesamte Werk Beethovens verzichten, wenn ich nur die Streichquartette behalten dürfte. Ob Symphonie, Klaviersonate, Violinsonate, Oper oder Klaviertrio - im Streichquartett hat Beethoven für mich seinen Zenit erreicht (auch gegenüber anderen Komponisten). Und diese Qualität wird für mich schon in den frühen Quartetten deutlich.


    Die sind für mich weniger ein langsames Herantasten des jungen Nachwuchsmusikers an die Genregiganten Haydn und Mozart, sondern eher ein ziemlich nassforsches "So hätte man es auch komponieren können, Herr Mozart ...." In der Struktur ganz klar der Klassik verpflichtet offenbart Beethoven schon im numerisch 1. tatsächlich aber 2. Quartett harmonische Entwicklungen und thematische Verarbeitungen, die bei Haydn oder Mozart nur rudimentär, wenn überhaupt, zu hören sind. Vielleicht macht diese Einschätzung auch deutlich, was ich von Einspielungen erwarte: spontanes, energisches, voranpreschendes Spiel, extrovertiert, nervös ....


    Einen guten Eindruck hinterlässt (überraschenderweise) das Lindsay String Quartet (The Lindsays) mit der Einspielung aus ihrem ersten Zyklus - es gibt mittlerweile zwei Komplettaufnahmen dieses Ensembles:



    Das ganze hört sich an wie ein im Studio aufgenommene (nicht produzierte!) Liveaufnahme. Vieles wirkt rauh, die Intonation ist beileibe nicht perfekt, die Ecksätze kommen ziemlich gehetzt daher. Bei genauer Verfolgung der Partitur müsste man auch über einige fehlende/falsche Noten oder komische Phrasierungen stolpern - ich mache das jedoch in der Regel nicht und freue mich zumindest bei letzterem, den Phrasierungen, über ein "neues" Hörerlebnis. Gestört hat es mich jedenfalls nicht.


    Die Lindsays sind für diese Art des Spielens ("unsauber" ist ein häufig verwendeter Ausdruck) ziemlich verrufen. Es ist aber bei weitem nicht so schlimm, wie in den Schubert-Aufnahmen. Wer von diesen abgestoßen ist, könnte den Beethoven dennoch genießen. Wenn ich die Interpretation mit einem Satz zusammenfassen sollte, würde ich sagen: Das Ensemble spielt die Musik mit dem Wissen, dass sie für Beethoven nur ein Zwischenstation war - die Vorfreude auf kommende Ereignisse (op. 59) ist hörbar.


    Interpretation 7-8
    Klang: 7

    Gruß,
    Gerrit

  • Nächster Vergleich:



    Der zweite komplette Zyklus des Alban Berg Quartetts, aufgenommen live Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein zweispältiger Eindruck. Das von Beethoven auf Drängen eines Freundes als erstes opus publizierte Werk gefällt mir hier gar nicht. Eine gewisse Nervosität ist zwar zu spüren, allerdings bleiben die Musiker an der Oberfläche. So richtig griffig drauflosspielen ist nicht angesagt. Ganz anders die opera 18/2 und 3. Hier sprühen sie vor Spielfreude, da wird auch schon mal danebengegriffen oder ein Ton bricht zusammen - kann passieren, ist live und man merkt es. Gefällt mir insgesamt abe nicht so gut wie die Lindsay-Aufnahme. Der Ton ist übrigens ein wenig dünn, es fehlt das Volumen.


    Interpretation: 6
    Klang 6

    Gruß,
    Gerrit

  • Ein weiterer Beitrag, dieses Mal nur mit dem op. 18/1 in F-Dur



    Eine Einspielung, an der sich anscheinend die Geister scheiden. Sowohl vollste Zustimmung als auch totale Ablehnung hat das Hagen Quartett bisher für seinen Beethoven-Zyklus geerntet. Ich kann das kritische Lager verstehen, zähle mich aber dennoch zu den euphorischen Befürwortern. Das Hagen Quartett spielt auf höchstem Niveua, mit gerinstem Vibrato, schnell und dramatisch. Selten habe ich den ersten Satz wirklich so "con brio" gehört - und dennoch hört man die dynamischen Abstufungen, die Beethoven in das Werk eingebaut hat. Das Hagen Quartett drängt nach vorne, selbst im langsamen Adagio, dass zwar auf dem Papier (im Beiheft) schneller und kürzer ist als viele Konkurrenzaufnahmen, aber dennoch nicht oberflächlich gehetzt wirkt. Ein wenig mehr "Dialog" (im von Goethe für das Streichquartett definierten Sinn) wäre wünschenswert/möglich, der "Mangel" mindert den Spaß aber nicht sonderlich. Bisher die überzeugendste Einspielung des F-Dur Quartetts.


    Interpretation: 8,5
    Klang: 8

    Gruß,
    Gerrit

  • Interesse scheint nur begrenzt, macht nichts :D


    Wieder eine klassische Einspielung:



    ACHTUNG MONO


    Das Budapest String Quartet hatte in den 40er-Jahren in den USA einen Status wie ihn später das Juilliard String Quartet oder im deutschsprachigen Raum das Alban Berg Quartett bekommen sollte. Ein vorzügliches Ensemble, das hier in der Tempogestaltung sehr relaxt zur Sache geht. Das Zusammenspiel ist famos, da meint man wirklich vier Menschen sprechen zu hören. Fließend, hin und wieder mit "Bums". Es wirkt klassisch ausgewogen - und deshalb kann das nicht die einzige Aufnahme sein, die man haben sollte. Auch kann es Momente geben, wo alles zu ruhig wirkt. Eine Platte mit beruhigender, aber nicht einschläfender Wirkung - am späten Abend zum Ausklang perfekt.


    Interpretation: 7
    Klang: 6-7 (siehe oben)

    Gruß,
    Gerrit

  • Tag,


    der Klang der LP-Kassette des Budapester Streichquartett ist sehr direkt, gelegentlich meint man das Aufsetzen der Finger als Finger verfolgen zu können. Ein Stück Interpretationsgeschichte auf Schallplatte. Die Musikdarstellung ist geprägt von Harmonik, Melodie, kleinmotivischer Akkuratesse und Rhythmus - in dieser Reihenfolge. Noch einen Schritt weiter ging das Vlach-Quartett (Supraphon), der musikalische Fluß geschah als Melodie, Harmonie, kleinmotivische Gestaltung und untergründigem Rhythmus. Der resultierende Tonfall grenzte ans Idyllische. Perfekt im Falle der Rasumovsky-Quartette (op. 59. 1-3).


    Dann kamen die 'Strukturalisten', man wurde modern, drückte auf's Tempo. Na ja. Was von der Modernität schlicht Fortschritt der Aufnahmetechnik, was Interpretation gewesen war, wer weiß. Ich nicht.


    MfG
    Albus

  • Nächster Schritt:



    Wieder mono, ein wenig beschränkter in der Dynamik als die "Landsleute aus Amerika" auf Sony/Columbia, musikalisch dafür einen Tick expressiver. Dabei geht jedoch das lyrische und melodische Moment keinesweg verloren. Im Gegenteil, vor allem in den langsamen Sätzen kann ich die Welt um mich herum vergessen.


    Interpretation: 7-8
    Klang: 5

    Gruß,
    Gerrit

  • Morgen,


    ja, wieder schöne Sachen präsentiert, das Ungarische Streichquartett, deren Aufnahmen ursprünglich auf COLUMBIA erschienen waren. Ein sehr 'darmsaitiger' Ton, gelegentlich etwas sehr zart, aber lyrisch! Von Poesie zur Prosa - so der Gang der Gesamtaufnahme der sämtlichen Beethoven-Streichquartette durch die vier Herren des Ungarischen Streichquartettes. Schön.


    MfG
    Albus

  • Wesentlich moderner, dramatischer:



    Dass die schnellen Ecksätze hier "con brio" und "molto" kommen, steht völlig außer Zweifel. Die Emersons beweisen aber auch, wie man die langsamen Sätze herangehen sollte. Gefordert ist Andante "con moto" (in 18/3) und Adagio affettuoso ed "appassionato" (in 18/1). Die Scherzi kommen knackig und tänzerisch daher. Schlanker, manchmal metallischer Ton, aggressiver Zugriff. Die Wurzeln von Haydn und Mozart sind kaum noch präsen, Beethoven wird als vollkommen eigenständiger Komponist gespielt. Klingt zumindest beeindruckend, aber es fehlt ein etwas:


    Interpretation: 6-7
    Klang: 7-8

    Gruß,
    Gerrit

  • Hallo
    Streichquartette waren lange Zeit in meiner Sammlung tabu,erst seit etwa 2 Jahren habe ich hier meine Sammlung 3ein wenig komplettiert.
    Deshalb hab ich auch nicht allzuviel Herzblut und Geld in meine Einkäufe gesteckt, sondern bin den Weg des geringsten Widerstands gegangen, wohl auch auf Qualität schauend.



    Daher habe ich die erste Einspielung diese Werke mit dem Alban Berg Quartett gekauft.



    Zum Kennenlernen ein guter Kauf, meine ich


    Grüße aus Wien



    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Hallo Alfred und der Rest,



    Über Meinungen lässt sich zwar trefflich streiten, aber man sollte sie respektieren. Zustimmen kann ich aber dennoch nicht. Es gibt bessere Alternativen, auch zum Kennenlernen. Das ABQ selbst hat mit seinem zweiten, live eingespielten Zyklus, ihren ersten Studioversuch übertroffen. Beide Zyklen sind jedoch nicht gut genug, um mich zu überzeugen.


    Die Eindrücke der Studioaufnahmen sind ähnlich wie die der Konzertmitschnitte, doch geht es hier auch noch weniger spontan zu. Es fehlt das tänzerische Moment, ich empfinde das Spiel als routiniert und lustlos - oder aber bewusst zurückhaltend und spaßbremsend. Ganz nett ist der langsame Satz von op. 18/2, während ich op. 18/1 - wie auch in der Liveaufnahme - für schlechterdings misslungen halte. Ich kenne viele bessere Aufnahmen der Beethoven-Quartette und auch deutlich bessere Aufnahmen des ABQ. Für dieses Repertoire ist das schlicht zu wenig, eine herbe musikalische Enttäuschung auf höchstem spieltechnischen Niveau.


    Interpretation: 5
    Klang: 7-8

    Gruß,
    Gerrit

  • Hallo Thorsten,


    Ich finde gerad die Vielfalt der Meinungen ist ja das Interessante, das sollten wir hier mehr pflegen , desgleichen die "Streitkultur", die diesem Forum ja erst die Würze gibt... ;)


    Mag sein, daß jene, die das Forum lediglich als Kaufberatung nutzen (ist es natürlich indirekt auch, allerdings nicht hauptsächlich) drüber nicht so glücklich sind, aber das ist ja nicht primär unser Anliegen


    Es ist, das möchte ich betonen, auch immer eine Frage des persönlichen und des nationalen Geschmacks, damit meine ich, daß tendenziell Österreicher und Engländer eher eine "kultivierte" zurückhaltende Wiedergabe goutieren, als eine "spontane, schroffe" mit "Attacke".


    Das komm auch in der Beurteilung der Studioaufnahme des Alban Berg Quartett durch die englische Musikzeitschrift "Gramophone" zum Ausdruck:


    Zitat

    A first choice for anyone about to invest in these works for the first time


    Trotzdem bin ich für deine Einschätzung dankbar und werde in nächster Zeit die Probe aufs Exempel machen...


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Lieber Alfred,


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Trotzdem bin ich für deine Einschätzung dankbar und werde in nächster Zeit die Probe aufs Exempel machen...


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred


    Nimm diese Einspielung:



    Es fällt mir schwer, nicht in zu übertriebene Lobhymnen auszubrechen. Am besten fange ich mit einem Schwachpunkt an: der Klang der Aufnahme ist ein wenig dünn, manchmal droht es in Metallische abzugleiten. Zum Spiel: In der Tradition der "alten" (ost-)europäischenQuartette stehend, sprühen die Italiener hier vor Spielwitz. Die Melodien werden betont, aber dem Hörer nicht ins Gesicht geschleudert. Feinste dynamische Abstufungen werden hörbar, hier ist das Italiano trotz des dünnen Klangs im Vorteil zu den stärker rauschenden Aufnahmen des Ungarischen und des Budapest Streichquartetts. Vor allem die Ecksätze gelingen sehr lebendig, rhythmisch pulsierend, vorwärts drängend und dennoch atmend. Wiener Klassik mit Wurzeln südlich der Alpen.


    Interpretation: 8-9
    Klang: 6-7

    Gruß,
    Gerrit

  • Diese Empfehlung ist wieder eine ungemeine Hilfe für jemandem, der bekanntermaßen keine Gesamteinspielungen kauft...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus
    Diese Empfehlung ist wieder eine ungemeine Hilfe für jemandem, der bekanntermaßen keine Gesamteinspielungen kauft...


    So ein Pech.

    Gruß,
    Gerrit

  • Morgen,


    ja, Quartetto Italiano, das ist es. - Staatlicherseits (Italien) hatte man der einen Dame und den drei Herren exzeptionelle Streichinstrumente angeboten, man verzichtete, spielte aus Überzeugung auf Metallsaiten und sehr guten modernen Instrumenten. (Schreibweise des Namens aus dem Gedächtnis, gegebenfalls bitte ich um Nachsicht:) Paolo Borciani, der Primarius, verhüllte seinen Stolz darüber nicht, als Streichquartett eine gewisse Prominenz errungen zu haben. Das Hagen-Quartett nahm Stunden bei dem Quartetto Italiano.


    Ein Nachtrag zum Ungarischen Streichquartett. Auf dem gezeigten CD-Cover sind die Herren im mittleren Alter, es sind die Mono-Aufnahmen von 1953. In Paris 1966 nahm das Ungarische Streichquartett die Beethoven-Quartette erneut auf, in Stereo; dafür gab es den Grand Prix du Disque. LP SERAPHIM Stereo SIC-6005, Die Mittleren Quartette SIC-6006, die Späten Quartette SIC-6007.


    Début des Ungarischen Streichquartett 1935 in Budapest. Die Besetzung wechselte nur in der Person des Cellisten. Die 1966er Besetzung: Zoltan Szekely, Violine: eine Stradivarius von 1718, "Michelangelo"; Michael Kuttner, Violine: Guarnerius, 1704, "Santa Theresa"; Denes Koromzay, Viola: Michele Decanet, Venice, 1766; Gabor Magyar, Cello: Alessandro Gagliano, Neapel, 1706.


    MfG
    Albus

  • Nächster Schritt:



    Sehr komisch. Beim ersten Hören vor einigen Tagen war ich eher enttäuscht, heute finde ich vieles, was ich bei anderen Interpretationen nicht finde: Eine Ballance aus feurigem, jugendlichem, vorwärtsdrängendem Spiel, gepaart mit der nötigen Poesie und Gelassenheit in den langsamen Sätzen. Die Emersons haben die zupackende Interpretation also nicht erfunden, hätte mich ja auch gewundert. Was diesen aber fehlt, ist hier zu finden.
    Die Intontation ist aggressiv, aber nicht aufdringlich.
    Nachteilig wirkt sich das etwas stumpfe, farblose Klangbild aus, zudem ist Primarius Mann sehr prominent aufgenommen. Rein musikalisch ist das zum heutigen Zeitpunkt mein Favorit, das kann sich (siehe letzte Woche) aber wieder ändern:


    Interpretation: 9
    Klang: 6

    Gruß,
    Gerrit

  • Hi,


    endlich wieder etwas, wo wir gleicher Meinung sind. Für eine Gesamtaufnahme (und Teile werden kaum erhältlich sein) ist diese für mein Empfinden eine dicke Empfehlung wert (und ich verkneife mir jede weitere Bemerkung über die 'misslungene' Aufnahme des ABQ).


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • So langsam wird es eng bei den Bewertungen. Und mir wird dennoch nicht langweilig. Oben abgebildete Aufnahmen entstand in den 50er-Jahren. Es sind Konzertmitschnitte, man hört es - und das ist gut so!


    Von den mittel- und osteuropäischen Einspielungen mein klarer Favorit, wenn es um 18/1-3 geht. In den langsamen Sätzen wird für meinen Geschmack genau der Ton und das Tempo getroffen. Was mich besonders umgehauen hat, war jedoch der Finalsatz des 1. Quartetts: Ich weiß nicht, ob ich es nicht gleich "Lebensfreude" nennen soll, denn "Spielfreude" greift eigentlich zu kurz. Die Melodien werden nicht nur auf den Punkt gespielt, man meint zu "hören", wie sich die Musiker dazu bewegen und per Blickkontakt miteinander kommunizieren - wer einmal das Video von DuPré und Co. beim Forellenquintett gesehen und gehört hat, versteht, was ich meine. Ein nahezu pefektes Beispiel für einen musikalischen Dialog. Geringe Abstriche bei den Kopfsätzen: Für meinen Geschmack nicht vorwärts treibend genug, aber im Konzept des Quartetts durchaus logisch.


    Bisher bester Mono-Klang, in der Relation zu anderen Mono-Aufnahmen auch besser als die Stereo-Juilliards im Vergleich zu anderen Stereo-Aufnahmen der gleichen Zeit sind. Hier kann man auch als Skeptiker nichts falsch machen (bezieht sich nur auf op. 18/1-3).


    Die Veghs haben die Quartette gut 20 Jahre später übrigens in gleicher Besetzung für das Label Valois (heute Naive) aufgenommen.


    Interpretation: 9
    Klang: 7

    Gruß,
    Gerrit


  • Das Beste am Anfang: Sehr gute Klangqualität, die alle vier Instrumente transparent wiedergibt. Die Einspielung an sich ist allerdings sehr extrem - was mir normalerweise entgegenkommen sollte, es aber in diesem Fall nicht sonderlich tut. Der Fokus liegt ganz klar auf der rhytmischen Betonung der Melodien - auf Kosten des Flusses. Hier wird mit dem musikalischen Finger auf die sowieso vorhandenen - und offensichtlichen - Strukturen gezeigt. Das Ensemblespiel ist sehr gut, dennoch beschleicht einen schon nach wenigen Minuten das Gefühl, nicht hinhören zu müssen.


    Interpretation: 5
    Klang: 9

    Gruß,
    Gerrit


  • Es spielt das Amadeus Quartet: brav und weitgehend gesichtslos, lediglich die Finalsätze überzeugen. Ansonsten nichts besonderes.


    Interpretation: 4-5
    Klang: 8

    Gruß,
    Gerrit


  • Schwierig einzuschätzen. Zunächst Negatives: Wer es nicht mag, die Musiker atmen zu hören, sollte die Finger davon lassen. Wer das jedoch tut, verpasst eine der spannendsten Einspielungen, zumindest der frühen Quartette. Im Vergleich zur ersten Aufnahme des Vegh Quartets sind diese, mit dem gleichen Personal eingespielten, Interpretationen "alterweiser".


    Technische Perfektion ist hier nicht zu erwarten, es scheint manchmal ein wenig zu holpern. Bin gerade zu faul, um zu prüfen, ob es sich auch um Live-Mitschnitte handelt - die Aufnahmen hören sich jedenfalls so an, wie am Stück eingespielt.


    Bisher hat mich keine Einspielung so oft veranlasst, aufzuhören und aufzumerken. Ich meine, die Musik neu zu hören - was sowohl ein großes Kompliment als auch eine vernichtende Kritik sein kann. Ich tendiere, mein Urteil zu teilen: opus 18/1 fand ich beim ersten Hören schrecklich, op. 18/2 und op. 18/3 überragend. Die langsamen Sätze sind phänomenal gut gelungen. So gut, das der fehlende Esprit in den Ecksätzen fast aufgewogen wird. Aber nur fast. Ich muss morgen nochmal hören.


    Interpretation: 3-9 (!)
    Klang: 6-7 (atmungsbedingt)

    Gruß,
    Gerrit

  • @gerrit


    Danke, dieser Schnellkurs durch die Diskografie der op. 18, 1-3 hat mir beim Lesen viel Spaß gemacht! Gefallen haben mir auch noch das Petersen-Quartett (auf CD) und das Auryn-Quartett, die neulich live hier waren. Danke für den Tip mit dem Végh-Quartett. Wollte ich mir eh schon mal zulegen...

  • Letzter Schritt für opus 18/3 (Rundfunkmitschnitte bewusst ausgelassen)



    Eine sehr relaxte, optimistische Darstellung des Quatuor Talich. Erinnert sehr stark an das Quartetto Italiano, wenn auch deren Spielfreude nicht ganz erreicht wird: Eine Prise Strenge bleibt auch bei den Ecksätzen immer spürbar. Aufgrund der besseren Klangqualität vielleicht empfehlenswert für Hörer, die keine Extreme (in welcher Richtung auch immer) erwarten.


    Spieltechnisch natürlich auf höchstem Niveau, es fehlt halt ein wenig die Lebendigkeit. Sehr detailverliebt.


    Interpretation: 7-8
    Klang: 8

    Gruß,
    Gerrit

  • Von Gewinnern oder Verlierern zu sprechen, bietet sich hier nicht an, abgesehen davon, dass ich viel Genuß gewonnen habe. Die einzige Anschaffung, die sich so gut wie gar nicht gelohnt hat, ist die des Amadeus Quartett.


    Favoriten haben sich dennoch herauskristalisiert: Der Monozyklus des Vegh-Quartett und die Aufnahme des Juilliard Quartetts. Zu beiden ist noch anzufügen, dass die Klangqualität manch heutigen Hörer abschrecken dürfte. Doch gerade beim Vegh Quartett (bestes Mono) kann man das getrost in Kauf nehmen.

    Gruß,
    Gerrit

  • Hallo!
    Mit großem Interesse habe ich diesen wirklich sehr informativen thread über die Diskographie der Quartette gelesen und werde, wenn ich mir wieder CDs mit Beethoven-Quartetten kaufen werde, hier sicher vorher noch mal nachlesen.
    Da ich in diesem Gebiet sicherlich nicht annähernd so kompetent bin, sage ich nur kurz etwas zu den beiden Aufnahmen der Werke, die ich besitze:
    Die Einspielung des Emerson-Quartetts hat mich wirklich begeistert:
    energisch, spannend, klar, prägnant, schnell (in den Ecksätzen) - so wie ich mir eine Interpretation der Werke idealerweise vorstelle.
    Die Einspielung des Melos-Quartettes hingegen riß mich nicht vom Hocker: zu weich, zu langsam, zu "harmlos" - das hätte stilistisch eher zu Mozart gepaßt.


    Zitat

    Original von Gerrit_Stolte
    Vorab: Ich könnte auf das gesamte Werk Beethovens verzichten, wenn ich nur die Streichquartette behalten dürfte. Ob Symphonie, Klaviersonate, Violinsonate, Oper oder Klaviertrio - im Streichquartett hat Beethoven für mich seinen Zenit erreicht (auch gegenüber anderen Komponisten). Und diese Qualität wird für mich schon in den frühen Quartetten deutlich.


    Auch für mich sind die Streichquartette die Werkgattung in Beethovens Schaffen, denen ich persönlich die größte Bedeutung beimesse. Es sind kompositorisch durchweg Gipfelwerke seiner jeweiligen Schaffensphase und gleichzeitig auch sehr persönlich und gefühlsgeladen im Ausdruck.


    Ich möchte hier noch ein paar Anmerkungen zum Streichquartett F-dur op.18 Nr.1 machen, das mir von den drei ersten Quartetten am besten gefällt:
    Zum ersten mal zu Ohren kam es mir (zumindest die ersten paar Takte) als Titelmelodie zur Sendung "Kaisers Corner" in Bayern4-Radio (vielleicht kennt sie ja der ein oder andere), wo ich zum ersten mal auf Beethoven-Streichquartette aufmerksam wurde. In der Tat ist das erste Thema des Kopfsatzes (allegro con brio) sehr prägnant und einprägsam (ein richtiger Ohrwurm). Gerade in den ersten beiden Sätzen erinnert nicht mehr viel an Haydn und Mozart, die Ausdruckskraft dieser Sätze ist in der Kammermusik bis dahin wohl selten zu finden.
    Beethoven hat angeblich bei der Komposition des in d-moll stehenden, sehr persönlichen, traurigen 2.Satz (adagio affettuoso ed appassionato) an die Schlußszene von "Romeo und Julia" im Grabgewölbe gedacht und "les derniers soupirs" in sein Skizzenbuch notiert.
    Deutlich weniger problembeladen und konventioneller ist das anschließende Scherzo.
    Das Finale (allegro) endet heiter, ohne das aber zwischendurch das Geschehen noch mal spannungsreicher wird und sich nach moll wendet.
    Interessanterweise beginnt der Satz mit dem selben Auftaktmotiv wie der Schlußsatz des Streichtrios op.9 Nr.3.


    Zum Abschluß noch ein Zitat zu den Quartetten op.18 von 1801: "sehr schwer auszuführen und keineswegs populair". Wer immer diesen Ausspruch tat, was hat er wohl bloß zu den späteren Quartetten gesagt...


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    etwas erstaunt war oder bin ich, als ich heute diesen Thread gelesen hatte - das Alben Berg Quartett wird so schlecht bewertet! (Gilt das nur für diese drei Streichquartette oder auch für die anderen?)


    Wahrscheinlich liegt es bei euch auch daran, dass ihr zu sehr durch viel bessere Aufnahmen geprägt seid - wie Alfred habe ich sie auch als Einstieg benutzt und bin zufrieden.


    Wie Pius gefällt auch mir op.18 Nr.1 am besten. Was sagte ich neulich zu dir, welches Wort den Charakter ganz gut beschreibt? Frühlingshaft. Eine Frische und Leichtigkeit - einfach zum Genießen!
    Dieses Quartet gefällt mir eigentlich durchgängig - im Gegensatz zu op.18 Nr.2. Hier warte ich immer voller Sehnsucht auf die letzten beiden Sätze. Ich bin ja nun einmal solch ein Hörer, der immer das ganze Werk hört (nur wenn es einmal durchgehört ist, darf ich spezielle Sätze wiederholen :yes: ) und somit höre ich auch immer die ersten beiden mit - das wirkt sich auch aus, denn so gefiel mir neulich auch der 1.Satz etwas besser. Man hört sich langsam rein und bleibt nicht auf den alten Bekannten und Geliebten sitzen.
    Dennoch bilden das Scherzo und Allegro molto, quasi presto den Höhepunkt. Ein charakterisierendes Wort fällt mir gerade nicht ein, aber bei weitem nicht frühlingshaft.
    Eher unangerührt bin ich von op.18 Nr.3 - ich weiß nicht was, aber mir fehlt etwas. Ich kann keine schöne Beziehung aufbauen. An diesem Quartet konnte ich bisher noch kein wirkliches Gefallen finden. Vielleicht das Presto, aber viel mehr noch nicht.
    Aber was nicht ist, kann ja noch werden.



    Zum Einstieg gab es also das ABQ - die zweite CD aus der Serie hab ich auch gleich geholt, nur noch nicht gehört.
    Da ich für mich persönlich keine großen Kritikpunkte an der Interpretation finde, bleibe ich auch beim ABQ für die anderen Quartette - mir geht es ja vordergründig darum, die Werke kennen zu lernen.



    Lieben Gruß, Maik


    PS: Ansonsten fand ich den Thread sehr reich an tollen CD Vorstellungen. Vielleicht gehe ich in ferner Zukunft manchem nach.

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Zitat

    Original von Maik
    etwas erstaunt war oder bin ich, als ich heute diesen Thread gelesen hatte - das Alben Berg Quartet wird so schlecht bewertet! (Gilt das nur für diese drei Streichquartette oder auch für die anderen?)


    Mach dir da keine Gedanken, das Alban-Berg-Quartett (mit zwei t hinten bitte!) ist sehr gut, wenn auch vielleicht manchmal etwas glatt.


    Zitat


    Wie Pius gefällt auch mir op.18 Nr.1 am besten. Was sagte ich neulich zu dir, welches Wort den Charakter ganz gut beschreibt? Frühlingshaft. Eine Frische und Leichtigkeit - einfach zum Genießen!


    Frische und Leichtigkeit im langsamen Satz? Das ist eher eine tragische Opernszene.. Im Scherzo, wo man nie richtig weiß, ob das Dur oder Moll sein soll? Es ist ein großartiges Quartett, aber m.E. vom Finale abgesehen ein recht ernstes, sehr konzentriertes und dramatisches Werk.


    Zitat


    Dieses Quartett gefällt mir eigentlich durchgängig - im Gegensatz zu op.18 Nr.2. Hier warte ich immer voller Sehnsucht auf die letzten beiden Sätze. Ich bin ja nun einmal solch ein Hörer, der immer das ganze Werk hört (nur wenn es einmal durchgehört ist, darf ich spezielle Sätze wiederholen :yes: ) und somit höre ich auch immer die ersten beiden mit - das wirkt sich auch aus, denn so gefiel mir neulich auch der 1.Satz etwas besser. Man hört sich langsam rein und bleibt nicht auf den alten Bekannten und Geliebten sitzen.
    Dennoch bilden das Scherzo und Allegro molto, quasi presto den Höhepunkt. Ein charakterisierendes Wort fällt mir gerade nicht ein, aber bei weitem nicht frühlingshaft.


    #2 ist ein Meisterwerk des Humors, sprühend von Witz und Energie. Der Kopfsatz enthält einige parodistische Elemente (muß man ein paar Haydn-Q. zum vergleich hören) oder der "Einbruch" des schnellen Abschnittes im adagio


    Zitat


    Eher unangerührt bin ich von op.18 Nr.3 - ich weiß nicht was, aber mir fehlt etwas. Ich kann keine schöne Beziehung aufbauen. An diesem Quartett konnte ich bisher noch kein wirkliches Gefallen finden. Vielleicht das Presto, aber viel mehr noch nicht.


    Das kann ich gut nachvollziehen. Es ist eines der Beethovenquartette, die ich heute noch etwas schwierig finde.
    Ich habe es wohl schonmal gesagt, aber ich würde Dir wirklich empfehlen (zumal die ABQ-Aufnahmen ja einzelnen preiswert zu haben sind) als nächstes ein oder zwei der "mittleren" Quartette zu hören. Die sind, wenn man aus der Richtung Dvorak kommt, passender als die frühen.
    Und bloß keine falsche Angst vor den späten; gar nicht wenige Hörer sind mit denen eingestiegen...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes,


    ich bin gerade am überlegen, ob ich nicht Nr.1 und 2 verwechselt habe.
    Aber eigentlich - gerade beim 2. - bin ich mir sicher, dass ich dies nicht tat.
    Ich werde mir das Erste heute noch einmal anhören - vielleicht hat ja was mit meiner Wahrnehmung nicht gestimmt...



    Welche der mittleren würdest du denn empfehlen?
    Wie gesagt, ich habe noch Nr.4-6 - mit denen wollte ich mich nächste Woche, vielleicht schon ein bisschen an diesem Wochenende, beschäftigen.



    Lieben Gruß, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Zitat

    Original von Maik
    ich bin gerade am überlegen, ob ich nicht Nr.1 und 2 verwechselt habe.
    Aber eigentlich - gerade beim 2. - bin ich mir sicher, dass ich dies nicht tat.
    Ich werde mir das Erste heute noch einmal anhören - vielleicht hat ja was mit meiner Wahrnehmung nicht gestimmt...


    Beschreibungen haben ihre Grenzen, vielleicht hast du #1 auch so erlebt (ich empfinde, wenn überhaupt #2 "frühlingshafter"). Ich glaube, dass wir viele Werke von Haydn, Mozart und auch Beethoven heute als heiterer wahrnehmen als sie sind. Außerdem sind Humor und Dramatik keine Widersprüche; die dramatische Form der Zeit ist ja die Opera buffa.


    Zitat


    Welche der mittleren würdest du denn empfehlen?


    op. 59 "Rasumowsky", eigentlich egal welches der 3 (am besten alle drei.. das Großartigste finde ich #1, aber #2 und #3 dürften mit die beliebtesten Quartette überhaupt sein) das f-moll op. 95 ist ein fantastisches, aber hochkonzentriertes, sehr herbes Werk, dagegen Es-Dur op. 74 sehr schön, aber eher lyrisch-entspannt, nicht was man zuerst mit Beethoven assoziiert.
    Von den späten würde ich op. 132 und 127 als Einstieg empfehlen, dann op. 135 und schließlich die beiden anderen und die Große Fuge (131, 130, 133)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo


    Nachdem der frühe Beethoven momentan meine bevorzugte musikalische Nahrung darstellt, gebe ich ein wenig Senf zum bislang geschriebenen dazu. Mir stehen vier Zyklen zur Verfügung, die ich jetzt ausgiebig gehört habe. Das Erfreuliche daran ist die Tatsache, dass alle vier auf sehr hohem Niveau liegen, und sich dabei alle vier innerhalb der Bandbreite meines Geschmacks bewegen, so dass es egal ist, welche Nummer ich gerade spiele. Immer ist für höchstes musikalisches Vergnügen gesorgt. Weiters ist interessant, dass alle vier Formationen grundsätzlich ein sehr ähnliches Tempo spielen, vor allem in der subjektiven Empfindung liegen sie eng beieinander. Alle vier Gruppen spielen ein eher flottes Tempo und erzielen einen lebendigen, eher schlanken Eindruck der Beethovenschen Werke und geben dennoch den langsamen Sätzen genügend Raum zum Atmen. Lediglich bei einzelnen Sätzen gibt es merkliche Unterschiede.


    Nachdem ich jetzt über die vielen Ähnlichkeiten geschrieben habe, mag es vielleicht etwas verwundern, dass alle vier Aufnahmen dennoch ganz eigenständig sind uns sich klar von den Mitbewerbern unterscheiden. Das ist eben Musik....



    1. Juillard String Quartet (1969) - Ein Hauch von Perfektion


    Quartettspiel in höchster Qualität. Wie diese vier Herren zusammenspielen, wie sie feinste dynamische Nuancen wie ein Mann artikulieren, grenzt oft ans Unglaubliche (z.B. das Wunder von Schlusssatz des Quartetts Nr. 3). Eine klassische Wiedergabe par excellence - aber ohne jegliche Strenge, dazu kommt, dass für mich die vollkommene Verschmelzung von musikalischem Inhalt und interpretatorischer Aussage erreicht wird. Ich höre keine Interpretation mehr, sondern lediglich das Beethovensche Werk.


    Der Klang ist typisch CBS aus dieser Zeit. Eine Nuance hell, eine Spur schlank und CBS-typisch trocken, ansonsten aber sehr gut. Ich könnte mir vorstellen, dass bei guter Qualität des Bandmaterials und entsprechender Sorgfalt ein sehr guter Transfer auf CD möglich sein sollte. Wie man hier aber schon gehört hat, soll der erste Versuch eher suboptimal gelungen sein.



    2. Ungarisches Streichquartett (ca. 1953) - Musikantischer Beethoven


    Das musikantische Element ist der Hauptunterschied zu den Juillards. Es wird etwas weicher im Ton und auch etwas freier im Tempo gespielt. Eine warme Spielweise - über weite Strecken entspannt aber bei Bedarf mit federndem Rythmus, die meine volle Zustimmung hat, ich brauche da zu nichts überredet werden. Auffallend, dass sie in schnellen Sätzen dazu neigen, ein sehr hohes Tempo anzuschlagen. Nicht dass sie gehetzt wirken, aber das Niveau der Artikulation sinkt doch merklich ein wenig.


    Klanglich sehr ordentlicher Mono-Sound. Daher nicht die alleinige Aufnahme, aber als Zweitaufnahme höchst empfehlenswert.



    3. Suske Quartett (ca. 1978 ) - Beethoven der Feinsinnige


    Diese Formation habe ich erst vor wenigen Wochen mit diesen Aufnahmen kennengelernt. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich jemals zuvor von ihnen gehört habe. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass da vor fast dreißig Jahren offenbar von mir völlig unbemerkt eine großartige Einspielung der Beethoven-Quartette erfolgte (soweit ich das bei den ersten drei Werken beurteilen kann). Sie liegen musikalisch näher bei den Ungarn als den Juillards. Sie verfügen dabei nicht über das k.u.k. Musikantentum, sondern spielen anders. Aber nix Teutonisch, sondern sehr leicht und lebendig und in einem mir bislang wohl noch nicht vorgekommenem Maße feinsinnig. Das gilt für alle vier Herren, die für einen außerordentlich schönen Ton sorgen, aber vor allem für den Primarius Karl Suske. Ich glaube, mit ein wenig Übung könnte man dieses Quartett am edlen Ton der ersten Violine erkennen. Sie spielen die schnellen Sätze fast so hurtig wie die Ungarn, schaffen dies aber ohne die geringsten Abstriche in ihrer musikalischen Artikulation!


    Die Aufnahmen besitzen allerfeinsten Analogklang. Lediglich die Tatsache, dass die Aufnahmen offenbar zumindest teilweise in einer Kirche stattfanden, und gelegentlich entsprechend langer Nachhall "mitspielt", ist zumindest etwas gewöhnungsbedürftig.



    4. Tokyo String Quartet (1993) - Beethoven der Romantiker


    Das Formationsquartett wird von der japanischen Supertruppe geschlossen (genauer: ursprünglich vier Japaner, die ihren musikalischen Feinschliff in Amerika erhielten; schon über dreißig Jahre alt, ist das Quartett mehrmals umbesetzt worden). Hier wird der Klassik-Gipfel Beethoven von leicht romantischer Seite aus betrachtet. Sie spielen mit wärmerem Ton als die Juillards, und geben mehr Ausdruck. Das ergibt mehr laut-leise Effekte und sie besitzen nicht die vollkommen gleichmäßige dynamische Abstufung der Amerikaner. Das fällt aber eigentlich nur beim direkten Vergleich auf. Beim alleinigen Hören dieser vier Herren geht einem eigentlich nichts ab und man schwelgt im fast opulenten, warmen Ton und der herrlichen Musikalität dieser Ausnahmekönner. Sie wirken zumeist etwas langsamer als ihre drei Mitstreiter-Formationen, was sich aber nicht immer in den Zeiten niederschlägt!


    Das klanglich wahrscheinlich schönste Quartett, das ich kenne. Dazu erstklassige RCA-Technik mit bei mir ideal passender Räumlichkeit, das Ganze einfach zum hinschmelzen schön....

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!