Chant français – Große Stimmen der französischen Oper auf Schellack

  • Liebe Taminos,


    zwei Aufnahmen aus Boieldieus Oper La dame blanche, die ich vor einiger Zeit im Rundfunk hörte, waren „schuld“ an meinem neu entdeckten Sammelgebiet: Ich hörte ein eigenwilliges Timbre, einen hell timbrierten, fast androgyn klingenden Tenor, verbunden mit einem virtuosen und subtilen Singen, das den Anruf an die gentille dame und die Erinnerung an den moment plain de charme wirklich gestisch vor Augen führte. Der Sänger mit seiner doch recht kräftigen Stimme hatte keine Mühe, ins zarte Pianissimo zu gehen, dazu eine sehr schöne voix mixte – die gespannt erwartete Absage des Moderators lautete „David Devriès“, ein Name, den ich bisher noch nicht gehört hatte.


    Ich fand seine Aufnahmen zunächst auf einigen allgemeinen Editionen und Samplern von französischer Oper und Liedern mit Interpreten der Schellackzeit und lernte dadurch Opern, Stimmtypen und Ausdrucksformen kennen, die angesichts des Siegeszuges der Ästhetik Verdis und Wagners, und nicht zuletzt des Verismo, im Verlauf des 20. Jh.s wohl etwas verloren gegangen sind: z. B. den französischen bariton martin, der nicht die ausladende Kraft und die Spitzentöne seiner italienischen Kollegen der Verdi- und Pucchini-Opern benötigte, sowie hell timbrierte Tenöre, die nicht dem von Caruso gesetzten stimmlichen Ideal des baritenore folgten und deren Singen vielleicht in späteren Ohren sogar etwas legère klang (Nachfolger waren in späterer Zeit wohl Sänger wie Gérard Souzay, Leopold Simoneau und Nicolai Gedda).


    Es sind oft Aufnahmen voll Charme, Eleganz und Virtuosität, und ich möchte einige dieser Sänger, die vielleicht im Laufe der Jahrzehnte doch etwas in Vergessenheit geraten sind, wieder in Erinnerung rufen und in nächster Zeit hier vorstellen (Einige der Bekannteren haben ja schon eigene threads). Vielleicht habt Ihr auch Favoriten aus dieser Sparte, die Ihr gern präsentieren würdet?


    Liebe Grüße
    Petra

  • Tolle Idee, liebe Petra! :jubel: :hello:


    Dazu gehören bei den Frauenstimmen auch die sehr hohen Mezzi, nahe am Sopran, die Rollen wie Marguerite, Sappho, Mignon etc zu singen hatten und leichtere virtuose Soprane mit viel lyrischem Schmelz für Lakmé, Leila, Manon usw.
    Ich habe gelesen, dass der Begriff Falcon wie der Bariton Martin eigens für einen frz. Mezzo entwickelt wurde. Weisst du da z.B. Näheres drüber?
    Leider kenne ich nur Sänger des 20 Jh etwas besser. Ich mag z.B. sehr gerne Regine Crespin und Janine Micheau, Gérard Souzay oder Michel Senechall.
    Die Schellck-Ära ist mir bisher zu weit weg, aber umso besser, wenn Du sie näher heranholst.


    F.Q.

  • Ein Sänger, der sich am Ende der Schellackära begann zu rühren ist der Tenor Alain Vanzo. Er verstarb dieses Jahr im Alter von 73 Jahre.


    Ich habe eine Aufnahme von ihm, wo er bereits was älter war: Les Pêcheurs des perles (Bizet).



    Es ist die erste Version der Pêcheurs. Vanzos Stimme ist trotzdem noch immer leidlich bis gut. Und die Cotrubas ist natürlich auch nicht die schlechteste.
    Und auch von ihm habe ich eine mono-Aufnahme des Cantique de Noëls (Adam), eine der schönsten Weihnachtslieder je komponiert. Und wunderbar gesungen durch Vanzo.


    LG, Paul

  • Liebe Fairy,


    Zitat

    Original von Fairy Queen:: Ich habe gelesen, dass der Begriff Falcon wie der Bariton Martin eigens für einen frz. Mezzo entwickelt wurde. Weisst du da z.B. Näheres drüber?


    den Begriff Sopran falcon habe ich zum ersten Mal in Verbindung mit Victoria de los Angeles gehört. Er geht zurück auf Marie Cornélie Falcon, die von 1812 bis 1897 lebte und einen Sopran mit einer reichen Mittellage besaß, der sie in die Nähe des Mezzos rückte. Sie hatte eine sehr kurze Karriere, wohl weil sie oft über ihre stimmlichen Grenzen hinaus ging. Sie sang die Rachel in La Juive und die Valentine in Les Huguenots in den Uraufführungen, und nach ihr ist dieser Stimmtyp benannt.


    Régine Crespin, die eine meiner Lieblingssängerinnen ist, kann wohl auch zu diesem Stimmtyp gezählt werden. Auch bei ihr hat man ja geglaubt, sie habe einen dramatischen Kern und ihr zu Wagner geraten :faint:.



    Lieber Paul,


    ich habe schon häufig feststellen müssen, dass ich zwar die ganz neuen und die ganz alten Sänger kenne, aber dazwischen klafft oft eine Lücke, die glücklicherweise durch viele Tamino-Tips immer kleiner wird :].


    Auch Alain Vanzo war mir bisher kein Begriff, danke, dass Du an ihn erinnerst. Und das Cantique de Noel von Adam höre ich auch sehr gern.



    :hello: :hello: Liebe Grüße
    Petra

  • Liebe Petra, danke für die Info. Ich Möchte hier gerade für dieses Stimmfach Falcon oder Liebhaber desselben eine Cd mit Vesselina Kasarova empfehlen:


    Nuit resplendissante


    Sowie eine mit frz. Opernarien, die sehr selten gehört werden von Regine Crespin.
    Ich finde dieses Repertoire und Fach ganz wunderbar reich und hinreissend schön und das hat m.E. nciht das Geringste mit dem hochdramatischen Sopran deutscher Prägung zu tun.
    Hier ist immer noch der Belcanto im Spiel und sehr viel lyrischer Schmelz gefragt. Die dramatische Deklamation spielt eine kleinere Rolle.
    Die Falcon-Rollen von Massenet oder Gounod oder Berlioz(wobei es da schon grenzwertiger wird) sind mit Wagner oder Strauss-Heroinen m.E. nciht vergleichbar.


    Lieber Paul, die Perlenfischer mit Vanzo habe ich auch. Ich glaube ich habe ihn auch als Gerald auf einer Lakmé. Er klingt manchmal l ein wenig überfordert fidne ich -bei diesen Mörderrolen aber kein Wunder...... :faint:
    Das Cantique ist doch auf deiner Weihnachts-Cd oder?. :jubel: :jubel: :jubel:


    F.Q.

  • Hallo petra,


    ein baryton-martin, der mir besonders gut gefällt, ist Camille Maurane (geb. 1911), der insbesondere für seine Darstellung des Pelléas (besonders schön die Aufnahme von 1953 unter Jean Fournet) und seine Beschäftigung mit Rameau bekannt wurde.



    Ich weiß nicht, welche Recitals des französischen Gesanges Du kennst, aber für die Beschäftigung insbesondere mit den Sängern der Schellackzeit ist diese mittlerweile recht preiswert (25 Euro) zu bekommende 8 CDs umfassende Sammlung sehr hilfreich:







    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo GiselherHH,


    die "Introuvables" sind wirklich eine wunderbare Sammlung, die ich auch jedem zum Einstieg nur empfehlen kann, und ich habe mich darüber gewundert, wie preiswert man mittlerweile an ein solches Kompendium mit wirklich hervorragenden Aufnahmen der französischen Gesangskunst kommt!


    Auch aus der Serie "Great Voices of the Opera" gibt es einige CDs, die sich speziell französischen Sängern der Schellackzeit widmen.


    Im Moment bin ich auf der Suche nach Gesamteinspielungen mit einigen meiner Favoriten, und bin erstaunt darüber, dass es doch eine ganze Menge von Live-Mitschnitten auch aus dem recht frühen 20. Jh. gibt.


    Camille Maurane ist mir bisher als Name bekannt, ich habe jedoch noch keine Aufnahmen mit ihm gehört.


    :hello: Petra

  • Einer meiner Favoriten ist der Bariton Arthur Endrèze (1893-1976). An purer Stimmschönheit waren ihm vielleicht einige andere überlegen, sein warmer, dunkler Bariton hat jedoch ein Timbre von (zumindest für mich) hohem Wiedererkennungswert, und er verbindet gestisches, ausdrucksvolles Singen mit einer Technik und Virtuosität, in der man noch etwas von der alten Schule hören kann.


    Geboren wurde er als Arthur Endres Kraeckmann in Chicago; seine Stimme wurde von dem Dirigenten Walter Damrosch entdeckt, der den Studenten der Agrarwissenschaft ermutigte, mit dem Gesangsstudium zu beginnen. 1928 kam er nach Frankreich und studierte bei Jean de Reszke. Zunächst strebte er eine Laufbahn als Konzertsänger an; sein Operndebüt zeigte ihn 1925 als Don Giovanni. Reynaldo Hahn wurde auf ihn aufmerksam, beide Künstler haben später oft zusammen musiziert; ihre Zusammenarbeit ist auch in einigen Aufnahmen (von denen ich leider bisher erst eine kenne) der Nachwelt erhalten geblieben.


    1928 kam er an die Grand Opéra, deren führender Bariton er für fast 20 Jahre werden sollte. Neben dem traditionellen Repertoire kreierte er insbesondere auch Rollen in zeitgenössischen Opern; einer seiner größten Erfolge war sein Guercoeur in der gleichnamigen Oper Magnards. Während der Besetzung Frankreichs im 2. Weltkrieg konnte er als gebürtiger Amerikaner in die USA zurückkehren; nach dem Krieg kam er jedoch nach Frankreich zurück und wirkte als Pädagoge in Paris.




    Von den Aufnahmen, die ich bisher mit ihm kenne, sind die Szenen aus dem Hamlet („Spectre infernale“ und der Monolog) meine Lieblingsaufnahmen. Endrèze sah sich in erster Linie als Interpret des Ernsten, Tragischen; introvertierte Charaktere lagen ihm mehr als die extravertierte Geste.


    Als Anschaffung geplant sind bei mir auf jeden Fall die Liedaufnahmen mit Reynaldo Hahn am Klavier, sowie die Gesamtaufnahme der „Cavalleria rusticana“ unter Gustave Cloez aus dem Jahr 1939, in der Endrèze den Alfio singt – sicherlich seinetwegen, aber nicht zuletzt auch dehalb, weil der von mir sehr geschätzte Gaston Micheletti den Turiddu darstellt.


    GiselherHH: Ich weiß jetzt, woher mir der Name Camille Maurane bekannt vorkam: Ich habe eine Aufnahme mit ihm auf den "Introuvables", und dass sie mir gestern nicht eingefallen ist, liegt sicherlich nicht an seiner wirklich sehr schönen Stimme, sondern wohl eher daran, dass es eine so kurze Szene ist: "Brillant soleil" aus "Les Indes Galantes" - da übernimmt der Chor ja sehr schnell, und er hat einen nur kurzen Moment des Singens.


    Liebe Grüße
    Petra

  • Als Liebhaber historischer Aufnahmen hadert man manchmal mit der Aufnahmetechnik des frühen 20. Jh.s, die es leider nur sehr selten ermöglichte, ganze Aufführungen aufzuzeichnen. In Jules Massenets ins Deutsche übersetzter Autobiografie „Mein Leben“ las ich z.B. folgenden Satz (S. 280): „Als Don Quichotte hatten wir den großartigen Sänger Vanni Marcoux, und den Sancho sang der meisterhafte Komödiant Lucien Fugère.“ Nun werden in Massenets Erinnerungen Adjektive wie „großartig“ und „meisterhaft“ recht großzügig verteilt, aber für diese beiden Sänger, die im Jahre 1910 in einer Aufführung des „Don Quichotte“ zusammentrafen, sind sie meiner Meinung nach wirklich angebracht, und man kann nur bedauern, dass es keine vollständigen Aufnahmen ganzer Opern mit ihnen gibt.


    Zu Vanni Marcoux habe ich vor einiger Zeit schon einen Thread gestartet, daher soll hier nur kurz auf ihn verwiesen werden (er ist übrigens auf dem Cover der von Giselher empfohlenen "Introuvables" abgebildet). Lucien Fugère habe ich darüber hinaus nur in Aufnahmen gehört, die er im Alter von 80 bzw. 82 (!) Jahren gemacht hat. Diese Aufnahmen mögen in Bezug auf die Stimme vielleicht ein Abglanz seiner besten Zeiten sein, aber Fugères leichter, heller, eleganter Bariton, sein Humor, der ausgefeilte Stil, die kluge Nuancierung und das Gestische und Kommunikative seines Singens machen sie für mich immer wieder zu einem Hörvergnügen.



    Lucien Fugère wurde am 22. 07. 1848 in Paris geboren. Mit 14 Jahren begann er, als Gehilfe bei einem Bildhauer zu arbeiten. Als er beschloss, seine Stimme ausbilden zu lassen, wurde er am Conservatoire national zunächst abgewiesen; daher nahm er neben seiner Berufstätigkeit Gesangsunterricht bei den Pädagogen Raguneau und Batiste. Zunächst behalf er sich mit Engagements an kleineren Bühnen; erst 1877 kam er an die Pariser Opèra comique. Dort wurde er zu einem der beliebtesten Künstler seiner Generation und wirkte in zahlreichen Uraufführungen mit; Beispiele hierfür sind Chabrier: Le roi malgré lui, Messager: La Basoche, Fortunio, Saint-Saëns: Phryné, Godard: La Vivandière, Massenet: Cendrillon, Le jongleur de Notre-Dame, Pierné: La fille de Tabarin, Charpentier: Louise. Auch Mozart (Figaro, Leporello, Papageno) war ein wichtiger Teil seines Repertoires.


    Als Liebling der Opéra comique gastierte er nur selten an anderen Opernhäusern, hatte jedoch einige Auftritte in London, Nizza und Marseille. Seine Karriere gehörte zu den längsten überhaupt: Seinen letzten Auftritt auf der Bühne hatte er als Rossinis Bartolo im Jahre 1933.


    Die erstaunte Frage, wie man mit über 80 Jahren noch so gut singen könne, soll er übrigens mit folgender Replik gekontert haben: „Wenn ein Mann mit 83 Jahren noch nicht gut singt, wann soll er es denn dann?“


    Liebe Grüße
    Petra

  • Sie hat sich auf offiziellen Fotos gern ein wenig kunstvoll-weltentrückt stilisiert, und so sang sie oft auch: Eidé Norena, die als Karoline Hansen am 26.04.1884 in Oslo geboren wurde, eine Karriere auf Umwegen machte und im französischen Fach Modellaufnahmen hinterlassen hat.



    Fée des glaces nannte sie der französische Kritiker André Tubeuf – meiner Meinung nach eine sehr zutreffende Charakterisierung: ein heller, leichter Koloratursopran von kristalliner Reinheit, allerdings wenig individuell im Timbre, was jedoch von ihr durch Stil, Geschmack und Kunstverstand mehr als ausgeglichen wurde. Und als vokaler Typus eine femme fragile - jedoch nicht das kleine Mädchen, das mit hold geflöteten Tönen auf den Märchenprinzen wartet, sondern eine zarte, träumerische, aber zugleich auch ein wenig kühl und distanziert wirkende junge Frau, also gerade nicht die innig-jugendliche Naive, die sonst von Koloratursopranen so oft dargestellt wurde.


    Zunächst begann sie als Konzertsängerin, debütierte dann 1907 an der Oper von Oslo als Amor in Glucks „Orféo ed Euridice“. 1909 heiratete sie den Schauspieler Egel Eidé und trat seitdem als Kaja Eidé an der Oper auf.
    Der weitere Verlauf ihrer Karriere liegt zunächst etwas im Dunkeln; nach dem 1. Weltkrieg studierte sie jedoch noch einmal bei Raimund von zur Mühlen, nachdem sie wohl auch von Nellie Melba einige Ratschläge zur Verbesserung ihrer vokalen Technik erhalten hatte.


    Mit 40 Jahren hatte sie dann an der Mailänder Scala als Gilda in einer von Toscanini dirigierten „Rigoletto“-Aufführung einen großen Erfolg. 1924 sang sie am Covent Garden alternierend mit Maria Ivogün wiederum die Gilda, und die Violetta abwechselnd mit Selma Kurz. Seitdem trat sie auch unter dem Pseudonym Eidé Norena auf. Von 1926-28 sang sie an der Oper von Chicago, u.a. in der Uraufführung von Cadmans „A witch of Salem“.
    Obwohl sie auch an anderen berühmten Opernhäusern gastierte (u.a. an der Met und in Salzburg), war sie vor allem in Frankreich populär. 1928 verlegte sie ihren Wohnsitz nach Paris und hatte großen Erfolg an der Grand Opéra. Rollen waren u.a. Juliette, Ophélie, Butterfly, Desdemona, Mathilde in „Guillaume Tell“, Violetta, Liú, Antonia in „Les Contes d'Hoffmann“, Mimì und Marguerite.


    Auf den „Introuvables“ ist sie als Ophélie zu hören, und als Juliette in den Duetten mit dem feurigen und aristokratischen Roméo des korsischen Tenors Gaston Micheletti: zwei Stimmen und Gesangsstile, die sich wunderbar ergänzen.


    Wer sie nicht nur im französischen Repertoire hören möchte: Es gibt bei Preiser auch eine CD aus der Serie „Lebendige Vergangenheit“ mit einem gemischten Repertoire.



    Eine meiner Lieblingsaufnahmen mit ihr ist Gildas „Caro nome“ (in französischer Sprache): Es steht wieder kein kindlich-naives, sondern ein träumerisches, sehnsuchts- und phantasievolles junges Mädchen auf der Klangbühne.


    Dass sie auch eine eminente Liedsängerin war, ist u.a. an einer Aufnahme von Franz Liszts „Oh! quand je dors“ zu hören, die sie gegen Ende ihrer Laufbahn aufgenommen hat.


    Bereits 1939 beendete sie ihre Karriere und lebte seitdem wieder in Norwegen. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie allerdings wieder in Frankreich – in Lausanne, wo sie am 19.11.1968 starb.

  • Ein Hoch der "Fee aus dem Eis";
    ich schließe mich Petras Ausführungen an;
    GERMAINE LUBIN sollte auch nicht unerwähnt bleiben (Isolde!!!)...


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Hallo Heldenbariton,


    Zitat

    GERMAINE LUBIN sollte auch nicht unerwähnt bleiben (Isolde!!!)...


    nein, das sollte sie wirklich nicht, danke für die Anregung! Ich werde mich dann demnächst auf die Spur der dramatischen Soprane begeben, die ja
    z. B. auch ein Vorbild für Régine Crespin darstellten (wenn auch bei letzterer die Ausflüge in die Wagner-Opern stimmlich sicherlich problematisch waren).


    :hello: Petra

  • Liebe Petra,


    Bei mir wurde wieder Mayrs "Ginevra di Scozia" gedreht. Die Titelrolle hat die Sopranistin Elizabeth Vidal. :lips: :lips: :lips:
    Such/hör mal bei YouTube die Spielpuppearie aus Hoffmans Erzählungen.


    LG, Paul

  • Habe ich ihn überlesen, oder hat tatsächlich noch niemand an Georges Thill gedacht ? In meiner CD-Sammlung befindet sich ein "Werther" (aufgenommen 1931), der nahezu überirdisch klingt. In dieser Rolle ist Thill für mich der einzige Sänger, der neben Alfredo Kraus bestehen kann (man kann es aber auch genau umgekehrt sehen/sagen).


    Michael 2

  • Lieber Paul,


    als Name war mir Elizabeth Vidal zwar ein Begriff, gehört hatte ich von ihr bisher jedoch noch keine Aufnahmen. Sie scheint, was den Bekanntheitsgrad angeht, vielleicht ein wenig im Schatten von Natalie Dessay zu stehen?


    Ich habe auf Deine Anregung hin einige Aufnahmen bei YouTube entdeckt, die mir sehr gut gefallen haben: Noch lieber als ihre Olympia höre ich jedoch ihr "Je suis Titania" aus der "Mignon" und - wieder einmal eine Neuentdeckung, die ich Dir verdanke :hello: - die Arie aus Aubers "Manon Lescaut".


    Aus der Frühzeit der Schallplatte habe ich in den letzten Tagen gerade einige Aufnahmen aus "Les Contes D´Hoffmann" gehört, die ich auch deshalb interessant fand, weil in dieser Anthologie bei den meisten Aufnahmen ein direkter Vergleich möglich ist, denn nach dem französischsprachigen Sänger folgt jeweils direkt anschließend eine Aufnahme desselben Stückes in deutscher bzw. tschechischer oder schwedischer Übersetzung: "Les oiseaux dans la charmille" z.B. mit Janine Micheau und anschließend mit Miliza Korjus (auch ein Name, den ich noch nie gehört hatte).



    Lieber Michael,


    George Thill gehört für mich zu den Sängern, bei denen ich mir immer extra vergegenwärtigen muss, dass sie ja noch in die Schellackzeit zu rechnen sind; er kommt mir immer viel "moderner" vor und steht stilistisch auch für mein Empfinden Alfredo Kraus näher als vielen seiner Zeitgenossen.


    Eine Gesamtaufnahme mit ihm habe ich allerdings noch nicht, da ist der "Werther" ein guter Tipp. Mein Lieblings-Werther ist übrigens Tito Schipa; Alfredo Kraus, der mir sonst oft ein bisschen zu viel "clarté" in Stimme und Singen hat, schätze ich in dieser Rolle jedoch auch sehr.


    :hello: Petra

  • Liebe Petra, Elisabeth Vidal steht nciht nur in der Bekanntheit weit hinter Natalie Dessay.... meine ehrliche Meinung dazu.
    Ich habe ausserdem eine DVD mit ihr als Offenbach Eurydike, auf der sie zwar gut singt, aber ihre extrme Gescihtsmimik mich sehr abstiess.


    Von Janine Micheau habe ich etliche Aufnahmen gehört, sie ist m.E. eine typisch frz. Sopranstimme der leichtten lyrischen Gattung und serh serh gut als Goubod Juliette, Manon oder Leila. :jubel:


    Miliza Korjus kenne ich von der Cd "Famous Sopranos of the Past". Ihre reine Nachtigallenzwitscherei dort hat mich nicht weiter angesprochen. Insbesondere mit Verdi-Arien fand ich sie viel zu leicht besetzt und geradezu körperlos tirilierend.
    Allerdings bin ich aufgrund der aufnahmetechnischen Stimmveränderungen bei scheinbar zu leichten Stimmen, die mir unser Grande schonmal erklärt hat, als es um Nellie Melba ging, da doch etwas vorscihtig geworden.


    F.Q.

  • Liebe Fairy,


    eine starke Mimik war mir bei Elizabeth Vidal auch aufgefallen; ich war aber jetzt mehr vom Höreindruck ausgegangen, weil auf diesen kleinen Ausschnitten bei YouTube oder auch auf dem TV-Bildschrim gerade Opernsänger(innen) ja oft stark überzeichnet aussehen, was Gestik und Mimik betrifft. Im Theater relativiert sich das alles ja meistens.


    Ihre Stimme gefällt mir jedoch gut, soweit ich das jetzt aus den kleinen Schnipseln beurteilen kann; für die Olympia aber vielleicht etwas zu üppig (?), weshalb mir das prunkende "Je suis Titania" mit ihr auch besser gefiel.


    Von Miliza Korjus kenne ich, wie gesagt, nur diese eine Aufnahme, und als Olympia ist eine etwas körperlos-künstlich klingende Stimme sicherlich eher angebracht als bei Verdi (Als Gilda möchte ich sie auch nicht hören :wacky:). Mir gefallen auf dieser Vergleichs-CD die französischen Sänger eigentlich immer besser als ihre Kollegen aus anderen Sprachen, was wohl in erster Linie an den stilistischen Unterschieden liegt.


    Das, was ich insbesondere bei den älteren Sängerinnen der Schellackzeit als "typisch französisch" im Stil höre und was mich ein wenig an die späteren Chanson-Sängerinnen erinnert, ist vielleicht auch bei den heutigen ein wenig verloren gegangen im Sinne einer "Angleichung" oder "Internationalisierung" der Stile? Aber das ist ein Höreindruck von mir, der nicht stimmen muss, da kennst Du Dich sicherlich besser aus.


    :hello: Petra

  • Für das kleine sogenannte „Madrigal“ aus Gounods Roméo et Juliette: "Ange adorable", die erste Annäherung der beiden jungen Leute, hatte bisher ich zwei Favoritenpaare: Jussi Björling und Bidú Sayao, live 1947 aus der Met, sowie den bei uns leider recht wenig bekannten korsischen Tenor Gaston Micheletti und Eidé Norena in einer Aufnahme aus dem Jahre 1928. Vor einigen Wochen ist noch eine Einspielung dazugekommen, für die man noch weiter in die Geschichte der Tonaufzeichnung zurück reisen muss: 1913 nahmen der französische Tenor Edmond Clément und die amerikanische Sopranistin Geraldine Farrar dieses Duett auf.


    Vergleicht man den Roméo, den Clément hier auf die Klangbühne stellt, mit der feurigen, aristokratischen Art Michelettis oder mit dem hymnischen, schwärmerischen Ton, mit dem Björling die Rolle gestaltet, so mag man ihn, was Stimme und Ausstrahlung betrifft, zunächst für recht unspektakulär halten: Ein elegischer, verhaltener junger Mann steht hier vor seiner Juliette. Und singt mit feinen Nuancen, Schattierungen und – für mich das ganz große Plus seines Singens – mit subtiler Balance aus Wort und Ton. Diese Balance zeichnet auch das Duett aus „Les Pêcheurs de perles“ aus, das Clément 1912 mit dem französischen Bass Marcel Journet aufgenommen hat, weswegen ich diese Aufnahme auch der zwar klangsinnlicheren, aber auch etwas „glatteren“ Version mit Björling und Merrill vorziehe.




    Zur Biografie (nach Kestings einbändigem „Die großen Sänger“, S. 405/06):
    Clément wurde am 28.03.1867 in Paris geboren und am Conservatoire national von Paris ausgebildet. Sein Debut erfolgte 1889 an der Opéra comique als Vincent in Gounods „Mireille“; später sang er hier auch in Uraufführungen zweier Opern: „La Vivandière“ von Godard und „La fille de Tabarin“ von Pierné. Seine Aufnahmen, die er zwischen 1905 und 1920 gemacht hat, können sicherlich als exemplarisch für den französischen Stil betrachtet werden. Und doch ist sein Ruhm wohl durch den stärker vom Verismo geprägten Stil Carusos und dessen Nachfolger etwas überschattet worden – an der Met debütierte er 1909 zusammen mit Geraldine Farrar, blieb dort jedoch nur eine Saison lang. In Frankreich dauerte seine Karriere jedoch bis in die 20er Jahre; er war darüber hinaus auch als Pädagoge tätig. Am 24.02.1928 starb er in Nizza.


    Jürgen Kesting vergleicht Clément mit dessem etwas älteren italienischen Kollegen Fernando de Lucia und bezeichnet ihn als „Ziseleur des Singens.“ Beiden ist sicherlich gemeinsam, dass sie vom stimmlichen "Material" her nicht mit den sinnlicheren Prachtstimmen eines Caruso, Gigli, Björling oder McCormack zu vergleichen wären. Und wie de Lucia besticht Clément durch stilistische Finessen, die diesen kleinen „Nachteil“ (wenn es denn einer war) mehr als wettmachen.


    Cléments Singen ist jedoch meiner Meinung nach stärker als das seines italienischen Kollegen von der französischen Clarté bestimmt; bei aller technischen Virtuosität gebraucht er z. B. weniger Rubati, die bei de Lucia ja oft im Überfluss vorhanden sind und die Linie manchmal etwas zu sehr aufweichen. Cléments „Ecco ridente“ ist oft gerühmt worden und sicherlich auch ein Meisterstück an technischer Virtuosität – mir fehlt hier jedoch etwas die „Sonne im Ton“, die vor allem einige der italienischen Sänger in dieses Ständchen legen konnten.


    Aber im französischen Repertoire, in dessem Stil er wirklich zu Hause war, gibt es genug zu bewundern: Außer den oben genannten z.B seine Aufnahmen aus dem „Werther“, aus "La dame blanche", die Traumerzählung aus „Manon“ und zwei vielleicht weniger bekannte Stücke, die jedoch zu meinen Lieblingsaufnahmen dieses Sängers gehören: „Soulève l´ombre de ses voiles“ aus Massenets „Le Mage“, in dem er stimmlich mehr aus sich herausgeht als in den meisten anderen Aufnahmen, ohne jedoch zu forcieren, und Weckerlins Mélodie „Bergère légère“. All dies sind Aufnahmen, in denen seine elegische Grazie voll zum Tragen kommt.


    :hello: Petra

  • Zitat

    Original von petra
    Sie hat sich auf offiziellen Fotos gern ein wenig kunstvoll-weltentrückt stilisiert, und so sang sie oft auch: Eidé Norena, die als Karoline Hansen am 26.04.1884 in Oslo geboren wurde, eine Karriere auf Umwegen machte und im französischen Fach Modellaufnahmen hinterlassen hat.


    Fée des glaces nannte sie der französische Kritiker André Tubeuf – meiner Meinung nach eine sehr zutreffende Charakterisierung: ein heller, leichter Koloratursopran von kristalliner Reinheit, allerdings wenig individuell im Timbre, was jedoch von ihr durch Stil, Geschmack und Kunstverstand mehr als ausgeglichen wurde. Und als vokaler Typus eine femme fragile - jedoch nicht das kleine Mädchen, das mit hold geflöteten Tönen auf den Märchenprinzen wartet, sondern eine zarte, träumerische, aber zugleich auch ein wenig kühl und distanziert wirkende junge Frau, also gerade nicht die innig-jugendliche Naive, die sonst von Koloratursopranen so oft dargestellt wurde.


    Gerade wollte ich einen längeren Beitrag über Eidé Norena schreiben, aber siehe da: Es gibt schon einen! Bislang war mir Norena nur vom Namen her ein Begriff. Nachdem ich in den letzten Wochen aber ihre Aufnahmen kennen gelernt habe, bin ich bereit, in jede Lobeshymne einzustimmen.


    Erstmals bewusst wahrgenommen habe ich die Sängerin leider unabhängig von Euren Beiträgen, die mich schon etwas früher auf Norena hätten aufmerksam machen können, sondern mehr oder weniger zufällig, als ich einen der ältesten Mitschnitte aus der MET hörte: Gounods Roméo et Juliette vom 26.01.1935 und zugleich die einzige Aufnahme einer vollständigen Oper mit Norena:



    Auch wenn man stellenweise hört, dass man es nicht mehr mit einer ganz jungen Sängerin zu tun hat, haben wohl bislang nur wenige Sängerinnen den Typus des schwärmerischen Teenagers derart überzeugend verkörpert wie die damals 50jährige Norwegerin. Der kleine brillante Walzer im 1. Akt ("Je veux vivre dans le rêve"), wird von Norena mit großer Präzision ausgeführt, ohne dass sie aber mechanisch wirkt; sie bleibt immer glaubwürdig als Mädchen, das sich der Vergänglichkeit von Liebe bewusst ist. Einige nicht notierte hohe Töne gibt es von ihr zusätzlich. Ansonsten sind es aber gerade die Duette mit dem Roméo von Charles Hackett, in denen sie mit praktisch endlosem Atem ihre Stimme strömen lassen kann, hier ist sie auf der Höhe ihrer Ausdruckskraft. Dass einige der Spitzentöne von Norena nicht mehr unmittelbar attackiert werden können, sondern von unten "hochgezogen" werden, verzeiht man ihr gerne.


    Jedenfalls hatte die Sängerin mein Interesse geweckt, und ich habe mir auch die übrigen Aufnahmen von Norena besorgt – allzu viele sind es ja nicht. Eine sehr leichte Stimme, wie sie gewöhnlich mit den Attributen "glockenrein" oder "nachtigallengleich" belegt wird; dennoch ist Norena tatsächlich weit entfernt von seelenlosem Gezwitscher: Ein lyrischer Sopran mit guter Geläufigkeit, klarer Artikulation und hervorragender Technik, der mich dennoch bei aller Virtuosität auch auf der sinnlichen Ebene anspricht. Norena ist nämlich auch gerade keine Sängerin der Kategorie freundliches Seelchen, sondern hat diese schwer fassbare ahnungsvolle Traurigkeit in der Stimme, eben wie eine wissende "Fee aus dem Eis".


    Am besten gefallen mir die späteren Aufnahmen französischer Opernarien: die Juwelen-Arie aus Gounods Faust, die Micaela-Arie aus dem 3.Akt von Carmen und Thomas’ Ophelia-Arie "Sa main depuis hier n’a pas". Nicht nur dass Norena alle Triller, Verzierungen und Läufe bemerkenswert akkurat ausführt, es gelingt ihr auch, diese Figuren als zerbrechliche, verträumte Gestalten zu beleben. Aber auch die Arie "Care selve" aus Händels Atalanta hat Bewunderung verdient: Nach dem wunderschön gefluteten, lang ausgehaltenen A singt Norena seelenruhig die lange Phrase zuende, ohne dass ihr wie den meisten Sängerinnen an dieser Stelle die Luft ausgeht.


    Für mich eine der schönsten musikalischen Entdeckungen der letzten Monate.

  • Lieber Zauberton,


    ich wusste bisher gar nicht, dass es auch eine Gesamtaufnahme mit Eidé Norena gibt, vielen Dank für die Vorstellung der CD, die kommt garantiert auf meine dank Tamino immer länger werdende Liste der unbedingt anzuschaffenden Aufnahmen!


    Denn gerade das, was Du hier über ihre Ausstrahlung schreibst,


    Zitat

    Original von Zauberton:


    Norena ist nämlich auch gerade keine Sängerin der Kategorie freundliches Seelchen, sondern hat diese schwer fassbare ahnungsvolle Traurigkeit in der Stimme, eben wie eine wissende "Fee aus dem Eis".


    ist es auch, das mich besonders an dieser Sängerin fasziniert und sie deutlich von der Klein-Mädchen-Ausstrahlung manch anderer Koloratur-Sopranistin abhebt.


    Ich kenne bisher einige Ausschnitte aus „Roméo et Juliette“, die sie mit dem korsischen Tenor Gaston Micheletti aufgenommen hat. Letzteren höre ich auch gern und habe mir in letzter Zeit einige Aufnahmen mit ihm zusammengesammelt. Ihn werde ich hier wahrscheinlich als Nächsten vorstellen.


    Liebe Grüße
    Petra

  • Liebe Petra,


    ich könnte mir gut vorstellen, dass Dir die Aufnahme aus der MET gefällt. Das Interessante an dem Mitschnitt ist, dass bei der Vorstellung in den tragenden Rollen keine Sänger der damals jüngeren Generation zum Einsatz kamen, sondern fast ausschließlich Interpreten, die ihren ersten Gesangsunterricht noch im 19. Jahrhundert erhalten hatten. Dadurch glaubt man noch über das Jahr 1935 hinaus in die Gesangsgeschichte zurückzublicken. Ich habe die Aufnahme im Vergleich zu der Aufnahme mit Björling / Sayao von 1947 gehört, die Du ja sicher auch kennst. Und da hat die ältere Aufnahme einen eher verinnerlichten Eindruck gemacht, während die spätere ja doch manchmal eher auf äußere Brillanz abhebt.


    Das Ereignis der Aufnahme ist für mich Eidé Norena, ganz klar. Aber auch der Roméo ist gar nicht schlecht: Charles Hackett (1889-1942), für den das auch die einzige erhaltene Gesamtaufnahme ist. Das Timbre ist etwas nasal, aber nicht unangenehm. Er hat natürlich nicht ganz die Klasse von Björling, hat aber auch sehr schöne Momente, insbesondere in den Duetten mit Norena.

    Auch die Sänger der kleineren Rollen haben hier eine Erwähnung verdient: Eine besonders grandiose Überbesetzung ist der große Giuseppe de Luca (!) in der kleinen Rolle des Mercutio. Auch der Bass Léon Rothier (1874-1951) gehört noch der goldenen Caruso-Generation an. Etwas blass fand ich Gladys Swarthout als Stephano.


    Aber das kannst Du dann ja alles selbst hören. :D


    Bei Gaston Micheletti bin ich dann wieder ziemlich blank. Ich denke, da sehe ich erstmal Deiner Vorstellung mit Vorfreude entgegen und werde mich dann mit Aufnahmen eindecken, sofern sie denn nicht allzu schwer zu bekommen sind.


    :hello:

  • Lieber Zauberton,


    diese Besetzung der MET-Aufnahme ist noch unbedingt ein weiterer Grund für mich, diese Aufnahme zu erstehen, denn ich höre sehr gern Aufnahmen mit Sängern, die noch mit einem Fuß in der Gesangstradition des 19. Jh.s stehen. Charles Hackett kannte ich bisher nicht einmal dem Namen nach, bei Léon Rothier komme ich ins Grübeln, denn dieser Name sagt mir etwas, ich kann nur spontan keinen Höreindruck zuordnen. Da aber bei mir vieles "Lange-nicht-mehr-Gehörte" auf Kassetten schlummert, ist nicht auszuschließen, dass von ihm eine Aufnahme dabei ist.


    Die Aufnahme mit Björling und Sayao von 1947 kenne ich und stimme Dir auch hinsichtlich des Abhebens auf die "äußere Brillanz" zu, weshalb sich bei mir die Aufnahme mit Björling und Schymberg aus Stockholm von 1940 (in schwedischer Sprache) auch etwas häufiger dreht. Björling war da noch etwas mehr der lyrische Tenor, wie man ihn aus den 30er Jahren kennt und singt den Roméo etwas verinnerlichter und wohl auch dem französischen Stil angemessener als in der späteren Aufnahme, die mir (obwohl brillant gesungen) in der gesamten Ausführung auch bei den anderen Mitwirkenden etwas "knalliger" erscheint und mehr auf den äußeren Effekt setzt.


    :hello: Petra

  • Liebe Petra,


    die Roméo-Aufnahme aus Stockholm kenne ich leider nicht. Björlings Aufnahmen aus Schweden wollte ich immer schon einmal anschaffen. Vielleicht wenn ich wieder etwas mehr Zeit zum Hören habe.


    Die MET-Aufnahme von 1947 hat mir auf ihre Art schon sehr gut gefallen. Im Finale des dritten Akts: wie da Jussi Björling das hohe C für gefühlte zehn Sekunden hält, das ist schon ein absolut elektrisierender Moment - auch wenn es nicht in der Partitur steht. Charles Hackett setzt da andere Prioritäten: Er gestaltet in dem kurzen Solo davor sehr eindringlich, macht dadurch vor allem die Gebrochenheit von Roméo glaubhaft und verzichtet dann auf das C. Was man bei Hackett auch hören kann: Er hat diese ganz breite, offene Höhe. Dadurch klingt er manchmal etwas gepresst, und in der Arie "Ah! Lève-toi, soleil" brechen ihm einige Töne etwas unvermittelt ab. Mich hat das ein wenig an Raoul Jobin erinnert, der ja auch einen Roméo eingespielt hat (nicht mein Geschmack).


    Zu Léon Rothier kann ich beitragen, dass er einiges mit Caruso aufgenommen hat. Ansonsten müsste ich aber auch näher nachforschen.

  • Ein paar fallen mir noch ein - die Belgier kann man ja getrost dazu nehmen :yes:.
    der große Marcel Journet
    Charles Dalmores
    Armand Crabbé
    Ninon Vallin (die oft mit Thill sang und über ihn sagte: "Er ist ein großes Baby.")
    Pol Plancon!
    André d´Arkor (Viens gentille Dame!)
    Emile Scaramberg
    uva
    Die Franzosen waren damals eine wirkliche Gesangsnation.

  • Gerade höre ich die zauberhafte Sopran-Stimme der Eidé Norena. Erstaunlich die Bandbreite ihrer Stimme. Hier die Atalanta, über Micaela, Desdemona zu den halsbrecherischen Koloraturen der Königin aus den "Hugenotten" und Ophelia aus "Hamlet".


    W.S.

  • Gerade höre ich die zauberhafte Sopran-Stimme der Eidé Norena. Erstaunlich die Bandbreite ihrer Stimme. Hier die Atalanta, über Micaela, Desdemona zu den halsbrecherischen Koloraturen der Königin aus den "Hugenotten" und Ophelia aus "Hamlet".


    Die Dame war zwar Norwegerin, aber zumindest vom Gesangs-Stil und Repertoire her eine "Französin"... ;)

  • Zitat

    La Gioconda: Die Dame war zwar Norwegerin, aber zumindest vom Gesangs-Stil und Repertoire her eine "Französin"...


    Ja, so war es auch gemeint. :jubel:

    W.S.