Dom Karlos/Don Carlos - historische und poetische Wahrheit

  • Zu Schillers Don Carlos hat es mehrfach schon Diskussionsansätze gegeben, einmal im Zusammenhang mit Verdis "Don Carlos" (it. Don Carlo), sowie auch im Zusammenhang von historischer Wahrheit und poetischer Gestaltung. Um dieser Diskussion einen Platz zu geben, habe ich diesen Thread eröffnet.


    Beiträge aus anderen Threads, die dort OT sind, werde ich hier einstellen.


    Liebe Grüße Peter

  • Lieber Wulf,

    Zitat

    Aber sage mal: wo hast Du denn den Don Carlos gelassen??


    Aber der Schiller hat doch nichts mit Frankreich zu tun. Außerdem ist "Don Carlos" ein Schauspiel und keine Oper. :D
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Lieber Wulf,


    Aber der Schiller hat doch nichts mit Frankreich zu tun. Außerdem ist "Don Carlos" ein Schauspiel und keine Oper. :D
    :hello:


    Lieber Edwin,


    das gilt dann auch für Pelléas et Mélisande. Das ist doch auch ein Schauspiel und keine Oper. Maurice Maeterlinck war bekanntlicherweise Belgier, allerdings hat er das Schauspiel immerhin auf Französisch verfasst. Eine Schauspielmusik gibt es u.a. von Schönberg und von Sibelius.


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Lieber Peter,
    Du hast meine Bosheit nicht verstanden. Ich weiß: Unbegreiflich, daß jemand so denkt. Dennoch ist es so...
    :hello:


    Iiich schon :beatnik: :pfeif:


    (Ich gebe zu, sie allerdings bei Deiner Schenk-Besprechung nciht verstanden zu haben :angel: )

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Lieber Peter,
    Du hast meine Bosheit nicht verstanden. Ich weiß: Unbegreiflich, daß jemand so denkt. Dennoch ist es so...
    :hello:


    Wobei man dann weiterleiten könnte, es ist ja nicht Schillers Don Carlos sondern der von Abbé de St. Réals und es müsste als "Dom Carlos" heißen ...


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von pbrixius
    Wobei man dann weiterleiten könnte, es ist ja nicht Schillers Don Carlos sondern der von Abbé de St. Réals und es müsste als "Dom Carlos" heißen ...


    Heißt nicht auch Schillers Don Carlos in Wirklichkeit Dom Karlos?...


    :hello:
    Martin

  • Zitat

    Original von Philhellene


    Heißt nicht auch Schillers Don Carlos in Wirklichkeit Dom Karlos?...


    :hello:
    Martin


    Nicht ganz - unter "Dom Karlos" liefen Schillers Vorstudien, veröffentlicht wurde die Tragödie als "Don Karlos", erst später wurde aus dem K das C.
    lg Severina :hello:

  • Schiller vermischte scheinbar das portugiesische "Dom" mit dem spanischen "Don".

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • @ Severina


    Nixx Vorstudien... - ui, gefährliches Halbwissen


    Zunächst betitelte Schiller das Thalia-Fragment mit "Dom Karlos" (1785-1787) - Er arbeitete daran bis zum 3. Akt


    1787 erstellte Schiller ein komplettes Drama in einer Prosafassung unter dem Titel "Dom Karlos - Infant von Spanien".


    Erst 1805 schuf Schiller das dramatische Gedicht unter dem Titel "Don Karlos - Infant von Spanien"


  • Wenn du schon unbedingt eine Literaturabhandlung willst:
    Beide Fassungen, die in Prosa und die in Blankversen, wurden 1787 vollendet, allerdings wurde bei der Uraufführung die Prosafassung gespielt und erst ein Jahr später die Versfassung, die allerdings sofort veröffentlicht wurde, während die erste Version erst 1808 in Buchform erschien.
    Schiller selbst mischt in seinen Briefen über den Don Karlos immer wieder Dom und Don, weshalb viele Literaturwissenschaftler (z.B. Newald/de Boor) auf dieses Problem gar nicht eingehen, sondern einheitlich von "Don Karlos" sprechen. (In meinem Uralt-Reclamtext ist das K noch erhalten, die späteren Ausgaben verwenden alle schon C)
    lg Severina :hello:

  • @ Severina


    Nixx Vorstudien... - ui, gefährliches Halbwissen


    Zunächst betitelte Schiller das Thalia-Fragment mit "Dom Karlos" (1785-1787) - Er arbeitete daran bis zum 3. Akt


    1787 erstellte Schiller ein komplettes Drama in einer Prosafassung unter dem Titel "Dom Karlos - Infant von Spanien".


    Erst 1805 schuf Schiller das dramatische Gedicht unter dem Titel "Don Karlos - Infant von Spanien"


    Mitte Juni 1787 schickte Schiller die Jambenfassung der Hamburger Bühnenfassung auch unter dem Titel "Dom Karlos" nach Hamburg an den Theaterdirektor Schröder.


    Erst 1805 in der letzten Fassung taucht der Titel "Don Karlos" auf.


    Worauf ich aber hionauswollte - Bei den Fassungen von 1787 handelt es sich um keine Vorstudien!


  • OK, meinetwegen. Im Unterschied zu dir habe ich kein Problem damit, nicht Recht zu haben. Wäre ich du, würde ich dir jetzt in 99 Posts zu beweisen versuchen, wie ich den Begriff "Vorstudien" gemeint habe und dass ich daher ... blabla blabla .......
    lg Severina :hello:


    PS: Vielleicht können die Mods dieses OT-Problem irgendwann löschen, damit es mit den französischen Opern weitergehen kann!


  • Mein Gott, ist denn hier der Wahnsinn ausgebrochen? Ich kann gerne in aller Ausführlichkeit die Genese des Don Carlos von Schiller darstellen, wenn es gewünscht wird, da ich das nötige wissenschaftliche Rüstzeug und die dazugehörige Literatur habe, tue ich das gerne - aber doch nicht in diesem Thread.


    Von gefährlichem Halbwissen lese ich hier nichts, sondern sehe nur unterschiedliche Grade an Informiertheit, unvollständig und zu falschen Schlüssen führend sind alle.


    Nun ging es bei dem kleinen Wortgefecht zwischen mir und Edwin (und wir können das in aller Freundschaft tun, was ich mal anderen Anwesenden dringendst empfehlen möchte) nur um den Titel, nicht die Fassungen.


    Will man nun die Betitelung des Werkes durch Schiller beurteilen, so darf man nicht außer Acht lassen, wie er das Werk in seinen Briefen benannt hat. Und da schwankt er von einem Brief zum anderen.


    Dass er so lange an dem "Dom" festhielt, dass es einer Rezension bedurfte, um ihn auf das "Problem" aufmerksam zu machen (Allgemeine Literatur-Zeitung in Jena, 11.6.1788, lag an der "Novelle" (so in der Rez. genannt) des St. Real, woher er eben diese Titel- und Namensform kennen lernte.


    Dass es ihm durchaus nicht um eine Darstellung der Geschichte ging, sondern um anderes, dazu hat er sich ausführlich in seiner Schrift "Über die tragische Kunst" (1792) geäußert, wo er sich vehement dagegen zur Wehr setzt, er habe die Geschichte verfälscht. In dieser Schrifr erörtert Schiller den Unterschied zwischen der "historischen Wahrheit" und der "poetischen Wahrheit". Die Lektüre kann ich allen empfehlen, die den Unterschied noch nicht verstanden haben.


    Es könnte durchaus sein, bei Interesse werde ich da mal meine Nase in die Forschung stecken, dass er die "falsche" Namensschreibung gerade deshalb beibehielt, weil es ihm um die poetische Gestalt und nicht um die historische ging - und später, als er meinte, seine Zeitgenossen hätten ihn nun verstanden, zur anderen Schreibweise überging. Damit machte er aber immer noch nicht aus der poetischen nun eine historische Wahrheit.


    Was die Schreibung Carlos/Karlos anging, so wechselt diese innerhalb eines Briefes (etwa 7.6.1784 im Brief an Dalberg). Daraus ist philologisch kein Kapital zu schlagen, wir sind noch im Jahrhundert von Duden und wechselnde Schreibweisen kommen (wenn man sich mit Autografen und nicht den berichtigenden Ausgaben beschäftigt) längelang vor.


    Also, ein Streit um Nichts, von erheblichen Unwissen gekennzeichnet und hier mit erhobener Stimme von einem Mitglied geführt, der eher einmal die leiseren Töne suchen sollte.


    So - und damit beende ich die Diskussion in diesem Thread und werde jeden weiteren Beitrag dann in das richtige Unterforum befördern. Wer sich mit meiner Beteiligung über germanistische Philologie unterhalten will, ist mehr als willkommen. Lernfähigkeit setze ich aber voraus, wenn ich da mein professionelles Wissen einbringe.


    Liebe Grüße Peter

  • Lieber Peter,


    in meinen Äußerungen gegenüber Severina wollte ich nur deutlich machen, dass es sich beim Drama im Jahre 1787 um keine "Vorstudien" mehr handelte.

  • Zitat

    Original von severina


    Nicht ganz - unter "Dom Karlos" liefen Schillers Vorstudien, veröffentlicht wurde die Tragödie als "Don Karlos", erst später wurde aus dem K das C.
    lg Severina :hello:


    Kommentar erübrigt sich wohl.......
    lg Severina :hello:

  • severina


    ja, der Kommentar erübrigt sich, weil es, wie ich bereits sagte nicht stimmt:


    Buchausgabe 1787:


    Dom Karlos. / Infant von Spanien / - / von / Friedrich Schiller. / - / Leipzig, / bei Georg Joachim Göschen / 1787. /


  • Lieber Liebestraum!



    Wenn ihr bei Schiller und Verdi keine anderen Probleme habt, dann ist der Sache ja geholfen und die Welt schon in Ordnung.


    Liebe Grüße sendet Peter aus Wien. :hello: :hello: :baeh01: :hello: