"LA SONNAMBULA" von Bellini live aus der MET 21. März 2009

  • Da ich leider für die Vorstellung keine Kinokarte bekommen habe, sitze ich neidvoll zuhause und eröffne schon mal einen Thread, in dem alle, die mehr Glück im Vorverkauf hatten, ihre Eindrücke schildern können.


    Hier erst einemal die Besetzungsliste der MET:


    LA SONNAMBULA (Vincenzo Bellini) - Samstag, 21. März 2009

    Es singen:
    Amina Natalie Dessay
    Elvino Juan Diego Flórez
    count Rodolfo Michele Pertusi
    Lisa Jennifer Black
    Teresa Jane Bunnell
    Notary Bernard Fitch
    Alessio Jeremy Galyon


    Chor und Orchester der Metropalitan Opera, N.Y.


    Conductor - Evelino Pidò
    Production - Mary Zimmerman
    Set Designer - Daniel Ostling
    Costume Designer - Mara Blumenfeld
    Lighting Designer - T.J. Gerckens
    Choreographer - Daniel Pelzig


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mein sehr subjektiver Eindruck nach dem 1. Akt vor dem Radio:
    Dessay ist aktuell eine Idealbesetzung; sie hat den Fachwechsel von der reinen Koloratur zur höhensicheren Belcantistin wunderbar geschafft.
    Florez gefällt mir von seiner Stimmfarbe nicht wirklich (aber das ist mein persönliches Problem) und ich bin mir auch nicht sicher, ob Bellini wirklich sein ideales Fach ist (er hat mir schon auf der CD mit bartoli nicht wirklich gefallen - aber immer noch besser als diese).
    Petrusi singt mehr als anständig, die restliche Besetzung ist (positiv)rollendeckend.
    Gut der Chor, nicht sesselreißend das Dirigat.


    Michael 2

  • Bei uns hat's schon um 18 Uhr angefangen und wir haben gottseidank ein Abo- lieber Harald , mein tiefstempfundenes Mitleid- du hast eine sensationelle Sonnambula versäumt.


    Achter Himmel. Ich krieg mich gar nciht mehr ein und berichte morgen, weil im Moment nur verliebtes und unzurechnungsfähiges Gelalle aus mir rauskommt.


    Ich trink jetzt erstmal einen Bellini zum Beruhigen.






  • Hi


    Ja, Natalie Dessay hat mir auch sehr gut gefallen, solange nicht extreme Höhe gefragt war (die Finaltöne waren fast ein Schmiss). Wie Brunello habe auch ich ein Problem mit Florez in dieser Partie. Das war wohl sehr gut, aber das Timbre wollte mir einfach nicht gefallen. Das Dirigat war ganz ok, in Summe war die Vorstellung akustisch sicher recht gut, aber Queenies Begeisterung ist ohne Optik nicht ganz nachvollziehbar.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Fairy,
    mir geht es ähnlich, wie dir! Vor zwei Wochen sah ich die "Butterfly" und war nicht besonders beeindruckt von der Vorstellung. Deshalb ging ich heute Abend mit zurückgeschraubte Erwartungen ins Opernkino. Was ich dann erlebt habe, hat meine Vorstellungen bei weitem übertroffen! Alles hat gestimmt: die Sänger, die Regie, die Kostüme und Bühnenbilder. Die Regisseurin hat die Handlung in die Gegenwart geholt und als eine Probe zu einer "Sonnambula" dargestellt. Das Bühnenbild zeigt einen der Proberäume der Met (wenn ich richtig verstanden habe), im Hintergrund drei hohe Bogenfenster, überall stehen Notenständer, Kleiderbügel mit Kostüme, einen improvisierten Arbeitstisch und sogar ein Modell des Bühnenbildes (im staubi Stil ;): idyllischer schweizer Dorf mit Kirche und Berge im Hintergrund). Die Chorsänger treffen einer nach dem anderen ein und stimmen das erste Lied an. Lisa ist die (eifersüchtige) Regieassistentin, die der Amina, die von allen verhätschelte Sopranistin des Ensemble, ihr Glück nicht gönnt. Die Probe verwebt sich allmählig mit der "Realität", bis man kaum erkennbar ist welche Geschichte wir gerade sehen. Die Darstellung der Amina hat mir besonders gut gefallen, sie war nicht das grundnaives Mädchen, das man sonst immer presentiert bekommt, sondern eine lebendige, fröhliche und ehrliche Junge Frau, die für ihre Liebe kämpft und am Ende Siegt.
    Sowohl Dessay, als auch Florez waren in Spitzenform, ich hatte sogar das Gefühl, dass der Tenor gefühlsvoller gespielt hat, wie sonst. An die schauspielerische Fähigkeiten der Dessay hab ich nie gezweifelt, und wurde auch nicht enttäuscht. Die (positive) Überraschung war für mich Florez, der nicht so hölzern und linkisch agierte, wie von ihm gewohnt, ich hatte den Eindruck, er fühlt sich richtig wohl in seiner Rolle. Die beide haben mich mit wunderschönen Momenten beschehrt, nicht selten haben sie mich zu Tränen gerührt.
    Alles in einem, war eine super tolle Vorstellung, schade nur, dass ich nicht die Möglichkeit hatte sie "richtig" (vor Ort) zu sehen.
    In der Hoffnung, dass andere Taminos und Paminas mein etwas zu mageren Bericht noch ergänzen werden, wünsche ich eine gute Nacht und viele schöne,schlafwandlerische Traüme! :D
    nina

  • Sagitt meint.


    eine ganz kleine Scene im zweiten Akt machte mir bereits den Abend zum Ereignis.


    Die Dessay nach ihrer grossen Arie im zweiten Akt, in der sie die Vergänglichkeit der Blume und der Liebe besingt, vom Beifall umtost, steht ganz ruhig, eine winzige Träne im Auge,


    Wie sagte sie im Interview: bei Bellini stehst du nackt da.


    Das genau macht ihr Künstlerum aus. Nicht, ob sie irgendeinen hohen Ton bekommt,. Sondern , dass sie sich ganz in eine solche Rolle begeben kann.


    So sein, als wäre sie diese Amina. Das macht ihre Darstellung so glaubwürdig. :jubel: :jubel: :jubel:

  • Guten Morgen und welch eine Freude, hier gleich Ninas Beitrag zu finden! :hello:


    Die Begeisterung , um Theo gleich zu antworten, kann man wohl nur nachvoll ziehen, wenn man ein echter Bellini und Dessay-Junkie ist und insbesondere auch die Schwächen des Librettos vor Augen hat, das mit der Inszenierung von Mary Zimmerman eine wahre Adrenalinspritze bekommen hat.


    Was die musikalische Leitung von Evelino Pido angeht (in unseren programm steht er netterweise als "Elvino Pido" ;) ), bin ich ganz eurer Ansicht. Das war nichts Besonders, ordentliche Routine-Arbeit, aber zu wenig Dynamik und Finesse.


    Was mch diesmal wirklich störte war der Ton. Irgendwas war der falsch eingestellt, denn es klang viel zu laut und stellenweise schrill und an der Grenze zum sich überschlagen, vor allem im ersten Teil. Das gereichte leider vor allem Florez zum Nachteil, dessen Brillanz man manchmal mit Penetranz verwechseln konnnte.


    Ansonsten: eine absolute Sternstunde!


    Diese so selten gegebene Oper hat hier eine Verjüngungskur in jedweder Hinsicht erfahren, ohne dabei zu verlieren- im Gegenteil.
    Nina hat das Inszeneirungskonzept bereits beschrieben- eine geniale Idee von Mary Zimmermann, um das wahrlich nciht sehr plausible Libretto auf eine andere Ebene zurückzustellen und die Personen ernstzunehmen.


    Der Konflikt zwischen der intriganten weil frustrierten Lisa(sehr gute Bühnendarstellung von Jennifer Black, die mich stimmlich nur mässig überzeugte) und dem von allen geliebten und sehr sympathischen Star Amina war sofort deutlich.
    Elvino in Lederjacke und Jeans und noch reichlich grün hinter den Ohren der Menschenkenntnis, von blinder Eifersucht fehlgeleitet und als rettende Schlüsselfigur der charmante Conte Rodolfo- durchaus kein Kostverächter, aber mit dem Herz am rechten Fleck.
    Dazu die warmherzige und wenn's drauf ankommt auch mal resolute Mutter Teresa udn ein bemitleidenswerter Alessio, der Besseres verdient hâtte als sich ausgerechnet in die zickige Lisa zu verlieben.


    Ein hervorragend singender und spielender Chor, der in dieser Oper recihlich zum Einsatz kam und sich selbst sowie das Schweizer Volk darstellte.



    Zimmerman ist es m.E. gelungen, diese Oper mit der raffinierten Verschränkung der Ebenen Probe und Aufführung im besten Sinne zu entstauben und heutigen Zuschauern nahezubringen.
    Konzertant bzw von CD wird Bellinis unsterbliche Musik immer die Herzen der dafür Empfänglichen erreichen, aber auf der Bühne kann man ihn leider nicht ohne grosses Fingerspitzengefühl vor mancher Geschmacks-Entgleisung retten, in die ihn seine Libretti allzu leicht hineinmanôvrieren. :wacky:


    Dafür ein grosses Bravissima! :jubel: :jubel: :jubel:


    Jennifer Black hatte für die Rolle der Lisa zwar genau das richtige Erscheinungsbild und zusammen mit ihrer Schauspielkunst eine sehr gute Rollenidentifikation, aber die Tessitura war m.E. zu hoch für sie. Sie hat in den lyrischen Partien weit besser ausgesehen als bei den bewegten Spitzen ihrer beiden kurzen Arien. Gewöhnlich hält man ja die Lisas für potentielle Anwärterinnen auf die Amina- davon kann hier keine Rede sein. Weder was Stimmfarbe noch technische Möglichkeiten angeht.


    Michele Pertusi als Rodolfo hat mit seiner guten gesanglichen Leistung zwar keinen eigenen Glanzpunkt setzen können, hatte es aber zugegebenermass neben zwei Superstars auch besonderes schwer.


    Sein "Vi ravviso", eine Arie die ich besonders liebe, hatte nicht ganz den zu Herzen gehenden Schmelz , den ich mir wünschen würde , aber es gibt ncihts Greifbares zu kritisieren. Einfach ein guter Sänger, der in dieser Rolle weniger den altväterlichen Beschützer als den charmanten Lebemann gab, der aber weiss ,was Ehre und Anstand ist und auch nciht allzu spürbar unter seinem "Verzicht" gelitten hat.


    Juan Diego Florez war stimmlich in Topform. Einen solchen Strahl, eine solche Durchschlags- und Durchhaltekraft hab ich von ihm noch in keiner Liveübertragung gehört. Brillantissimo!
    M.E. kann er sich langsam bzw progressiv ins etwas grössere lyrische Fach wagen, die Vorraussetzungen hat er nun immer mehr.
    Die Höhe ohne Fehl und Tadel- da sass jeder Ton- eine derzeit wohl konkurrenzlose Leistung im hohen Belcanto-Fach.
    Bravisssimo! :jubel: :jubel: :jubel:


    Was sein Timbre und seine Eignung zum Bellini-Tenor angeht, sind die Meinungen offensichtlich geteilt- auch unter den Zuhörern gestern, mit denen ich gesprochen habe.
    Meinem Mann hat die Stimme z.B. hier auch nciht so ganz gefallen- das ist wohl bei einem so unverwechselbaren Timbre Geschmackssache und zeigt nur die Einzigartigkeit des Sängers.


    Man kann sich tatsächlich einen "romantischeren" Elvino mit weniger Glanz und dafür mehr Schmelz vorstellen, aber wo soll der sein?
    Und in dieser Inszenierung war Florez ohnehin absolut rollendeckend, denn die Figur des Elvino war in Richtung einens etwas unreifen noch nciht ganz erwachsenen und auch ein bisschen trotzigen Temperamentsbündel ausgerichtet. Da passte der Stimmklang prächtig.


    Was nun meine heissgeliebte Natalie Dessay angeht- ich weiss nciht, was ich dazu "Vernünftiges" sagen soll und würde das lieber "Neutraleren" überlassen


    Ich fand sie wieder einmal umwerfend und Grenzen sprengend.
    Bin mir aber durchaus bewusst, dass das nicht nur an der Stimme sondern zu nicht geringem Teil auch an ihrer überwältigenden Bühnenpräsenz und Darstellungskunst liegt.


    Sie hat dieser Rolle eine bisher nciht gesehene Note gegeben und sie aus einer Mottenkiste befreit. Fröhlich ,ehrlich, lebendig, authentisch-Nina hat es bereits gesagt.


    Ihre erste grosse Arie "Come per me sereno....Sovra il sen la man mi posa" war eine wahre Wonne der Schauspiel- und Gesangskunst.
    Sie war während dieser Arie in der Kostüm- und Accessoire -Probe und hat als Clou für Eingeweihte eine typische Dessay-Clownerie eingebaut. Bei "Sovra il sen" gibt es am Ende ja die vielen Koloraturen auf die Worte "Ah si"
    Da Dessay gerade Schuhe anprobieren musste und ein Paar nach dem Anderen nicht gut genug fand (als Diva...) sang sie statt "Ah si" einfach "Ah no"- und machte die netsprechenden Grimassen dazu- kôstlich!


    Ihre tragisch-elegische Seite zeigt sie dann auf Feinste im Höhepunkt der Oper "Ah non credea mirarti" einem der Geniestreich des Melodikers Bellini.
    Eine Planke der Bühne wurde dazu über in den Orchestergraben ausgefahren, so dass glecihzeitig der Eindruck der über dem Abgrund balancierenden Sonnambula wie auch das Herausgehobensein und musiklaische Ausnahmesituation deutlich wurden.


    Dessay musste wohl selbst hier mit starlken Emotionen kämpfen, wie man nach der Arie an ihrem verlaufenden Augenmakup und den Tränenspuren sah und der Wrikung dieser Arie kann sich wohl kaum ein fühlender Mensch entziehen.
    Wenn man dann noch ihr unverwechselbares und schon per se anrührendes Timbre hinzufügt, hat man dann die ultimative Bellinisternstunde.


    Die Stretta "Ah non giunge" musste sie im ersten Teil tanzend und hüpfend und daher in möglcihst stimmfreundlciher Basic- Variante bringen, hat dann aber bei der Wiederholung alle tradtionellen und darüber hinaus Dessayschen Verzierungen gezeigt.
    Das Ende hätte- ich gebe Theo da recht- brillanter sein können, aber zwischen einer Cd-Aufnahme und einer Live-Aufführung mit wahnsinnnigen Schauspielanforderungen, und dazu in der Luft gesungen (sie wurde von Choristen im Trimphzug und mit schönstnen Schweizer Trachten getragen), bestehen nun mal erheblche Unterschiede.


    Gesanglcihe Spitzenleistungen in dieser Höhe und dieser Virtuosität kann man nur ausgeruht und in einer absolut entspannten Position bringen.


    Wie auch Brunello bin ich der Ansciht, dass sie iin diesem Repertoire wirklich angekommen und eine derzeitige Idealbesetzung ist. :jubel: :jubel: :jubel:


    Für mich war dieser lang ersehnte Höhepunkt der Saison wirklch ein Solcher und ich finde es sehr sehr schade, dass nächste Saison in der Met kein weiterer Bellini auf dem Programm steht. ;( ;( ;(


    Fairy Queen

  • Sagitt meint:


    Ein kleiner Nachtrag zur Musik. Es gibt ja die Aufnahme mit Bartoli und Florez und dem Orchester La scintilla.
    "1996 formierte sich aus dem Orchester der Oper ein eigenständiges Ensemble von erstklassigen spezialisierten Musikerinnen, das sich einen hervorragenden Ruf schaffte. Der Funke der Begeisterung an neuer «Alter Musik» gab dem Ensemble seinen Namen: La Scintilla – der Funke. Aufführungen mit Koryphäen des Faches wie Nikolaus Harnoncourt («Lucio Silla», «Il Ritorno d'Ulisse in Patria», «L’Incoronazione di Poppea»), William Christie («Orphée et Euridice», «Iphigénie en Tauride», «Les Indes galantes», «Radamisto», «Orlan-do»), Mark Minkowski («Les Boréades», «Il trionfo del tempo e del disinganno», «Giulio Cesare»), Reinhard Goebel und Giugliano Carmignola gerieten so erfolgreich, dass das Opernhaus Zürich alle barocken und fast alle aus der klassischen Zeit stammenden Opern von seiner Barockformation «La Scintilla« spielen liess und spielen lässt. Ausserdem konzertiert das Orchestra «La Scintilla» der Oper Zürich mit namhaften Solisten – Instrumentalisten wie Sängern – und tritt unter der Leitung von Ada Pesch regelmässig in den grossen Konzertsälen Europas wie der Londoner Royal Festival Hall, dem Concertgebouw Amsterdam, der Philharmonie Berlin und dem KKL Luzern auf. So begleitete es jüngst äusserst erfolgreich Cecilia Bartoli auf mehrwöchigen Konzerreisen in Noramerika und Euro-pa (u.a. in der Carnegie Hall)."
    http://www.opernhaus.ch/d/kuen…tler_detail.php?bioID=292


    Das gefällt mir deutlich besser als das Orchester der MET.
    Was nicht bedeutet, die Leistungen der MET herabzuwürdigen. Es ist wohl eher eine Frage der Ausrichtung.


    An die Stimmexperten die Frage, wer denn in der Liga ,in der Florez singt,momentan ernsthafter Konkurrent ist ?
    Man mag die Stimme nicht mögen, aber dass Herr Florez sein Fach beherrscht, kann doch nicht in Zweifel gezogen werden. Wo also sind die Konkurrenten ?

  • Es war mein erster "Met-Opernbesuch im Kino". Anfangs skeptisch, zum Schluss restlos begeistert. Natürlich sind die akustischen Qualitäten eines Kinosaales und einer elektronischen Übertragung nicht mit einem Live-Erlebnis vergleichbar. Aber dafür diese Bildregie! Wenn man die Totale gewohnt ist (von der Galerie betrachtet), dann sind Naheinstellungen natürlich begeisternd.


    Nun zur Aufführung der Met aus meiner Sicht. Wie bereits hier erwähnt kann die Regie und das Konzept mit dem Handlungstransfer in einen Proberaum und die Überlagerung der beiden Situationen voll überzeugen. Besonders in den Augenblicken der "echten" Liebe zwischen Florez und Dessay. Begeistert hat mich auch die Liebe zum Detail, etwa der Wasserspender für die Probenpausen! Dass von der Präsentatorin vor dem ersten Akt die Handlung in ein "Swiss village in the Tyrolean alps" verlegt hat erzeugte im Kinosaal ein leises Schmunzeln und wirft ein Licht auf das US-Bildungssystem.


    Über die Stimmen ist alles gesagt worden: Meiner Meinung nach kann man heute keine "Live"-Aufführung in besserer Qualität hören, wenn auch geschauspielert werden muss. Berührend die Schluss-Szene als Dessay über dem Orchestergraben dahinschwebt, da kommt jetzt noch die Gänsehaut. Über einzelne Töne zu diskutieren halt ich in diesem Zusammenhang für nicht opportun, schließlich muss man das erst einmal "dersingen" wenn einem die Ballettänzer beim höchsten Ton in die Höhe werfen, wie es Dessay machen musste.


    Bin gespannt, ob mich alle Kinoopern so begeistern wie die gestrige!

  • Ihr Lieben,
    vielen Dank für eure begeisterten und begeisternden Berichte! Ich hab die Übertragung ja nur zeitversetzt am Radio mitverfolgt, und da ging es mir ein bisschen wie Theo. Allerdings hat mich Fairy jetzt total überzeugt: Die etwas scharfen Höhen, die ich bei Dessay einige Male zu hören glaubte, lagen wohl wirklich an der Tonqualität der Übertragung.
    Das Regiekonzept klingt toll, so kann man wirklich alle peinlichen KLippen de Libretto elegant umschiffen. Ich hab's ja nicht so mit Oper im Kino (Denke noch an meine Enttäuschung über den Bohéme-Film :( ), jetzt tut es mir aber fast ein wenig Leid, dass ich nicht dort war. Allerdings tröstet mich natürlich der Gedanke, dass ich meinen Liebling schon im April live an der WSO hören darf, dreimal als Nemorino und zweimal als Lindoro. (Die 3. L'Itlaliana muss ich leider auslassen ;( ;( ;( ;( ;( )


    Zu sagitt: Für mich ist Flórez in seinem Fach momentan absolut kokurrenzlos, denn auch ein Javier Camarena, Francesco Meli etc. die man in letzter Zeit als Flórez-Nachfolger gehandelt hat, reichen bei Weitem nicht an seine technische Brillianz heran. Ich tu mir auch insofern leicht, als ich auch sein helles Timbre sehr mag, allerdings eben nur im reinen Belcantofach. Als Duca z.B. hielt sich meine Begeisterung in Grenzen.
    Es freut mich zu hören, dass ihm der Elvino offensichtlich auch schauspielerisch gelegen ist, denn das ist halt leider sein Schwachpunkt. Aber wenn ihn ein Regisseur fordert, klappt's scheinbar. In unserer "Sonnambula" beschränkte er sich leider auf seine "Lieblingsrolle": Dekorativ in der Kulisse zu stehen und zum Niederknien schön zu singen. :jubel:
    lg Severina :hello:

  • Ein NACHFOLGER für einen Tenor, der knapp dreissig Jahre alt ist?


    fragt erstaunt Sagitt



    Herr Florez macht nicht den Eindruck, er misshandele seine Stimme.


    Es gab lyrische Tenöre, die konnten über Jahrzehnte singen ( Haefliger).

  • Nun muß ich mich doch auch von der Seite der nicht ganz so Belcanto-Begeisterten zu Wort melden. Das ist an Opernmusik nicht so ganz meine Welt und zum Schrecken einiger wird mir ansatzweise ein bißchen fad bei dieser Inflation an schönen und lustig beschwingten Gesängen. Macht nichts - werd von anderen schel angesehen, wenn ich bei Richard Strauss dahin schmelze oder von Puccini und Giordano schwärme. Nix für Ungut also liebe Fairy - deine Begeisterung ist entzückend und dein Beitrag voll herzerfrischend zu lesen!


    Davon abgesehen, dass gerade Sonnambula also nicht wirklich "meins" ist (wenn schon Bellini dann Norma), freute auch ich mich an einer vor allem von Seiten der beiden Hauptprotagonisten her wirklich erstklassigen Aufführung. Was Natalie Dessay betrifft schließe ich mich Fairys Kommentar voll an. Irgend jemand hat nachher zu mir gesagt, die Sutherland hätte das besser gesungen - mit deren Stimm-Maschine konnte ich jedoch nie etwas anfangen und die Dessay war wirklich berührend. Traumhaft natürlich vor allem die große Nachtwandler-Szene, wobei meine Aufmerksamkeit von diesem als Trampolin über den Orchestergraben geschobenen Bühnenmechanismus etwas abgelenkt war. (Um Himmels Willen ist das nicht dieselbe Technik, die im Vorjahr Gary Lehmann im Tristan kopfüber in den Soufleurkasten befördert hat?!)


    Florez fand ich wunderbar. Ja, ja es gibt diese ganz hellen, offenen Stimmen... Aber er ist toll - ist in diesem Fach derzeit einfach Weltklasse. Was ihr bisher nicht so erwähnt habt: Mann o Mann schaut der gut aus - so naturbelassen in Jeans, Hemd und Lederjacke - in High-Definition auf der Breitleinwand. Wow :angel: :D :D Tausende Frauen in den Kinos weltweit sind da wohl ganz nervös geworden :pfeif: (Am Ostersonntag geh ich in Liebestrank !!! Freu mich schon!)


    Einiges mehr an Schwung aus dem Orchestergraben hätte der Aufführung gut getan. Auch wenn's ja sooo schööön iiissst - muß man nicht so schleppen.


    Die Freude an der Inszenierung kann ich nicht so teilen. Irgendwas daran war zwar wohl gemeint, von Ansatz her recht gut aber nicht wirklich schlüssig. Gestört hats mich, seit mir eingefallen ist, dass man dieses Regiekonzept wahllos auf alle Opern dieser Welt anwenden kann. Da war ja die Schultafel, die uns jeweils belehrte, was das nicht vorhandene darstellen sollte: "Dorfplatz", "Wiese am Bach", "Platz vor Kirche". Bingo - wir schreiben "Uferlandschaft am Nil", "Dach der Engelsburg", "Ballsaal des Fürsten Gremin" und sparen eine Menge Produktionskosten.


    Krass auch die Kostüme in der Endszene, wo Dessay, Florez und die anderen in über und über mit Edelweiß und Auerhähnen schrill bestickten Pseudo-Trachten erschienen. Wie sich der kleine Ami halt so das Leben in einem Schweizer Dorf in den Tiroler Alpen vorstellt - oder war es ein Tiroler Dorf in den Schweizer Alpen? (Möchte wissen, ob Frau Voigt sich ihre Moderation selber geschrieben hat - oder ob diese tolle geografische Bezeichnung gar im Programmheft steht). :D Hab fest noch mit dem Erscheinen des Matterhorns im Hintergrund gerechnet - aber ganz klischeemäßig hats auf einmal geschneit, denn Jahreszeit hin oder her - in den schweiz-tirolerischen Bergen schneits halt.


    Das Cineplexx an der Wiener Reichsbrücke war überaus gut besucht. Da bereits vor Wochen fast ausverkauft war, hatte man dankenswerter Weise einen 2. Saal aufgemacht, so kam auch ich dann noch zu sehr guten Karten. Mit dem Programm verteilt wurde die Vorschau auf 2009/2010 - am 10.10. beginnt es mit Tosca, aber darüber wurde ja schon in einem anderen Thread geschrieben.

  • Liebe Brangäne, für den Satz mit der Sutherland könnt ich Dich knutschen!!!! :lips:


    Und wenn sogar Belcanto-Fernere wie Du etwas mit der Aufführung anfangen konnten- umso besser!


    Was die Inszeneirung angeht sind wir sehr unterschiedlicher Ansicht, was den Juan Diego Guapo angeht jedoch nicht.
    Ja, der ist schon ziemlich knackig, vor allem auch im Hinblick daraiuf, was man sonst so an gut singenden Tenören geboten bekommt.....
    Und ich suche natürlich ebenfalls ohne Erfolg den Tenor, der ihm derzeit das Wasser reichen könnte- siehe oben. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf... Calleja........


    ?( ?( ?( :untertauch:


  • Liebe Brangäne,
    kann das nicht einfach bewusst satirisch gemeint sein, eben ganz im Sinne von "Wie sich der kleine Ami die Schweiz vorstellt?" Bei einem derart schlüssigen Regiekonzept - zumindest wirkt es mich so - kann ich mir nämlich nicht vorstellen, dass die egisseurin einfach nur so in die plumpe Kitschfalle gestolpert ist.
    Natürlich sieht JDF gut aus, und gottlob wird das einem Sänger im Unterschied zu einer Sängerin :wacky: nie zum Vorwurf gemacht, sonst hieße es auch bei Flórez: "Der macht ja nur Karriere, weil er so schnuckelig ist, andere singen viel besser!"
    Nur sind die anderen nicht in Sicht, Calleja, den Fairy vorschlägt, singt zumindest für meine Ohren in einer eindeutig schlechteren Liga. (Hoffentlich macht Gregor einen Sonntagsausflug ;) )
    lg Severina :hello:

  • Hallo an alle,

    Zitat

    Original von copy
    "Wenn man die Totale gewohnt ist (von der Galerie betrachtet), dann sind Naheinstellungen natürlich begeisternd."


    -das ist eine der bitteren Pillen, die ich im Opernkino schlucken muss. Oft sind die Nahaufnahmen nicht vorteilhaft, besonders, wenn die Sänger keine gute Schauschpieler sind. Dazu kommt es noch, dass viele kleine Details, Geste und Blicke nicht nur von der gerade singende Person zu sehen sind, sondern überall auf der Bühne verteilt, und all dies bleibt uns, Kinobesuchern, verborgen. Schade, weil sie für den Gesamteindruck sehr wichtig sind, für mich reicht es nicht, wenn die Handlung nur von den Hauptfiguren getragen wird. Sicher, wenn man im Opernhaus sitzt, bekommt man auch nicht alles mit, habe ich aber mindestens die Möglichkeit mir "rauszupicken", was mir gefällt. Ideal ist es natürlich eine Vorstellung mehrere male anzuschauen, dann entdeckt man immer wieder neue Aspekte, die begeistern können (Schöne Grüsse Severina!).Im Kinosaal ist man vom Kameramann abhängig, und das ist öfters etwas frustrierend. Immerhin, ein Teil zu sehen ist auch besser, als garnichts, nichtwar?



    Zitat

    Original von sagitt
    "einen Tenor, der knapp dreissig Jahre alt ist"


    -immerhin, ist er auch schon näher zum 40, als zum 30...Trotzdem, einen Nachfolger für ihm zu suchen ist tatsächlich viel zu früh!



    Zitat

    Original von Brangäne
    "Florez(...)- Mann o Mann schaut der gut aus - so naturbelassen in Jeans, Hemd und Lederjacke "


    -vielleicht gerade deshalb war er natürlicher, als sonst, weil er selbst sein durfte (was nicht umbedingt für seine Darstellungskunst spricht... :(). Ich konnte mich allerdings seinem Charme (auch) nicht entziehen. Hin und wieder musste ich mich ernsthaft zusammenreissen, um nicht "Bravo!" zu schreien :yes: Am 8.April in Wien wird mich aber keiner mehr davon abhalten!!! :baeh01:



    Zitat

    Original von Brangäne
    "Krass auch die Kostüme in der Endszene, wo Dessay, Florez und die anderen in über und über mit Edelweiß und Auerhähnen schrill bestickten Pseudo-Trachten erschienen"


    -ich fand das köstlich amüsant, weil ich das als Parodie empfunden habe!



    Zitat

    Original von Brangäne
    "von Ansatz her recht gut aber nicht wirklich schlüssig. Gestört hats mich, seit mir eingefallen ist, dass man dieses Regiekonzept wahllos auf alle Opern dieser Welt anwenden kann"


    -du hast vollkommen recht! Aber "wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Die Idee fand ich neu, weil ich sie noch nie gesehen habe. Auf der nächste Oper angewendet gilt sie für mich nur noch eine langweilige Kopie.


    LG
    nina


  • Liebe Nina,
    da triffst du genau den wunden Punkt, der mir oft auch so manche DVD vermiest, besonders, wenn ich die Vorstellung kenne und daher weiß, was gerade auf der Bühne passiert, abseits des Kameraauges. Besonders bei unserer "Fille du Regiment" habe ich mich geärgert, wenn der Kameramann gerade auf Zoomtrip war und ich aber so gerne die ganze Szene im Bild gehabt hätte. Gerade im ersten Akt passieren zwischen Dessay und Flórez so viele köstliche Kleinigkeiten (Alleine, wenn Tonio sich am Kartoffelschälen versucht :hahahaha: ), dass ich dann bei der TV-Übertragung richtig gelitten habe, weil das meiste davon überhaupt nicht rüberkam. Ich freue mich immer auf die DVD einer geliebten Produktion und bin dann meist enttäuscht.
    Aber auch bei fremden Inszenierungen quält mich oft der Gedanke: "Und was macht sie/er gerade? Wie reagieren die anderen auf diese Situation?" Aber natürlich denke ich mir dann immer "Besser das, als gar nix", besonders wenn es sich um Opernhäuser handelt, wo ich nie im Leben hinkomme.
    lg Severina :hello:

  • Liebe Severina,
    den Unterschied habe ich auch zum ersten mal bei der "La fille"erlebt, allerdings umgekehrt: zuerst sah ich die Übertragung der Premiere im 3sat und verstand nicht so recht, warum alle so aus dem Häuschen sind. Sie war sicher nicht schlecht, aber die Begeisterung des Publikums fand ich etwas übertrieben! Zwei Wochen später saß ich in Wien und klatschte und trampelte und schrie genau, wie meine Nachbaren! Eine tolle Vorstellung, die man vor Ort sieht, kann man einfach durch nichts ersetzen, die muss man erleben! Allein schon die Atmosphäre, die man durch kein High-Tech der Welt übertragbar ist! Und wenn ich in der Luft die von den Instrumenten versursachte Schwingungen spüre (selbst, wenn ich in der Galerie sitzte) erhöht sich mein Puls! Und wenn die Sänger auch in Topform sind und die Zuschauer in ihren Bann ziehen, dann ist man plötzlich in einer magischen Welt, einmalig und einzigartig! :jubel: Dieses Gefühl hat man weder im Kino, noch im Wohnzimmer! Entschuldigung, ich habe mich zu sehr von der Thema entfernt! Ich möchte nur sagen, dass ich den Unterschied kenne. Und trotzdem war ich gestern froh dabei zu sein und habe mich auch mit den Krümeln zufrieden gegeben :D
    Liebe Grüße
    nina
    P.S. es wäre schön, wenn ich dich im April kennenlernen dürfte... :)

  • Zur grundsätzlichen Diskussion "Oper im Kino" eine Anmerkung nach meinem ersten diesbezüglichen Besuch:


    Die Tonqualität ist meine erste Kritik an den Kinovorstellungen, es geht halt nichts über ein Live-Erlebnis. Das gilt meiner Meinung nach auch und noch viel mehr für CD- und DVD-Aufnahmen, weshalb ich immer öfter vom Kauf absehe und lieber ins Konzert/in die Oper gehe.


    Die Kameraführung kann helfen oder stören, der große Vorteil ist natürlich die Großaufnahme, und da sind natürlich die schauspielerischen Fäühigkeiten gefragt. Die sind aber in den letzten Jarhren/Jahrzehnten viel besser geworden!


    Der Blick von der Galerie der Oper bietet halt schon wenig Detailsicht, außer mit dem Glas (das ich ohnedies immer mithabe).


    Generell musste ich aber alle Vorurteile gegenüber Oper in der Kino nach meiner ersten Vorstellung über Bord werfen.....

  • Lieber Copy, mir geht es ganz genauso- ich versuche soviel wie möglich live zu erleben und da Oper ohne den Theateraspekt fûr mich weniger als die Hällfte wert ist, in diesem Genre umso mehr.
    Ich empfinde das Oprnkino aber als guten Kompromiss zwischen Cd und echtem Opernbesuch. Unsereins kommt eben niemals in die Met oder dei Scala oder oder oder.
    Von daher ist das scho nein Riesengeschenk, nicht nur vor dem Radio dabei zu sein, denn gerade bei der Aufführung am Samstag war die Schauspielkunst von Dessay allesentscheidend.
    Auch Florez hat sich diesbezüglich recht wacker geschlagen, wobei ernatürlich von solh einer Pertnerin nur profitieren konnte.


    Natürlich kann gar nichts die Atmosphäre und insbesodnere die menschlichen und musiklalischen Schwingungen eines Live-Opern-Besuches ersetzen.
    Man spürt als sensibler Mensch ja geradezu physisch, was die Sänger und Musiker aussenden und das geht bei jedweder Konserve verloren.
    Aber tausendmal besser Kino-Met mit Bellini und Florez und Dessay als kein Bellini mit Florez und Dessay! :yes:


    F.Q.