Die Tamino-Regisseure

  • Zitat

    Original von Basti
    "In diesen heil'gen Hallen": Sarastro verkehrt diese Arie ins Gegenteil, indem er sie- vor einer komplett schockierten und aufgelösten Pamina- aus einem Toilettenraum heraus singt.


    Das wäre zumindest insofern eine gute Idee, als sich das Regietheater in ihr selbst kommentieren würde: Oper, verdaut und durchs Klo gespült.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Lieber Musicophil,


    bei Donizetti brauchst Du gar nicht weit suchen, in "Lucia" die Erklärung des Enrico dass "Maria auf dem Thron folgt und seine Partei im Staub liegt" zaubert immer ein Lächeln auf meine Lippen.


    Darum rege ich wieder einmal an, darüber nachzudenken, wie es nach dem Schluß der Oper weitergehen könnte. Macht Enrico doch Karriere ?
    Ist er letztendlich froh über den erstochenen Bräutigam ? Oder sieht ihn seine Partei dann schon als Verräter ?


    Es gibt bei der großen Anzahl von Donizetti - Opern sicher eine Menge zu entdecken !


    Liebe Grüße -


    vom Operngernhörer :hello:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Zitat

    Original von Operngernhörer
    Darum rege ich wieder einmal an, darüber nachzudenken, wie es nach dem Schluß der Oper weitergehen könnte.


    Lieber Operngernhörer.


    Dann habe ich vielleicht eine Neuigkeit für Dich. Es gibt eine Zauberflöte Teil II. :D


    Peter von Winter komponierte um 1797-1798 "Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen", wobei der Untertitel lautet "Der zweyte Theil der Zauberflöte".
    Die Besetzung ist dieselbe als in der Zauberflöte. Und Schikaneder himself schrieb das Libretto.


    Jetzt kannst Du einmal prüfen, ob Du daneben lagst mit Deiner Vermutung.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Draugur
    Das wäre zumindest insofern eine gute Idee, als sich das Regietheater in ihr selbst kommentieren würde: Oper, verdaut und durchs Klo gespült.


    :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

  • Zitat

    Original von Knusperhexe


    :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


    Fasziniert mich immer wieder: diese typische Kombination aus dem Ruf nach Respekt und Law-and-order im Opernbetrieb einerseits und diesem Stammtisch-Geholze andererseits.


    Ich frage mich immer öfter, ob beides nicht doch desselben Geistes Kind sind. :no:


    M.

  • Zitat

    Original von Mengelberg
    Fasziniert mich immer wieder: diese typische Kombination aus dem Ruf nach Respekt und Law-and-order im Opernbetrieb einerseits und diesem Stammtisch-Geholze andererseits.


    Ich frage mich immer öfter, ob beides nicht doch desselben Geistes Kind sind.


    Lieber Mengelberg,


    Man darf reagieren. Muß es aber nicht.


    LG, Paul

  • Ich tendiere zur Zeit ja immer mehr zur wirklich historischen Aufführung, aber das kommt halt auch immer auf die Oper an, ich versuche mir da immer eine ganz flexible Herangehensweise zu erhalten, damit ich nicht jedem Werk nur eine Ästhetik überstülpe.



    Das Erste Werk an dem ich mich vergehen würde wäre Mozarts Idomeneo.


    Ich liebe diese Oper immer mehr und gerade da könnte ich mir eine historisierende Inszenierung sehr gut vorstellen.


    In diesem Fall wären auch sämtliche Kulissen gemalt. :pfeif:
    Kostüme wurde ich auch entsprechend entwerfen, aber mich nicht an den erhaltenen Entwürfen zusehr orientieren - die finde ich persönlich nicht ganz so knülle.



    Ein paar Szenen sehe ich schon ganz deutlich vor mir.


    Der erste Rache Auftritt von Elettra geht ja direkt in den Sturm und den Schiffsbruch über.
    Wahrscheinlich ein Szenenwechsel der viele vor Probleme stellt, weil ja wärenddessen die ganze Location wechselt - dabei ist das eigentlich die Gelegenheit diesen typischen barocken Kulissenwechsel zu zeigen,
    wenn sich der königliche Palast zum Strand mit den Klippen verwandelt.


    Da muss sich dann der Himmel zuziehen und über den schwer tobenden Wellen ein Schiff gegen das Unwetter kämpfen.
    Ich glaube Neptun soll da ja auch zu sehen sein.



    Oder die Szene, als das Ungeheuer auftaucht und in der Stadt wütet.


    Da würde ich mir einen Gag erlauben - denn das muss einfach sein:
    Ich will Godzilla :D



    Die Statue des Neptun, sollte sich mechanisch bewegen, wenn die "Stimme" ertönt - aber, eben so, dass man das nicht gleich ahnt.
    Ich denke da kann man was hinzimmern, was wirklich etwas erschreckend wirkt.



    Ja und natürlich würde ich größten Wert auf eine historische Choreographie legen und die barocke Gestik beim Singen.


    Beleuchtung nur mit Kerzen und dezenten Scheinwerfen, das Orchester auch im Kostüm.

  • In loser Folge werde ich hier nun szenenweise ein Konzept zum "Ring des Nibelungen" schreiben. Kommentare erwünscht!


    _____________________________________________________________


    RICHARD WAGNER


    DER RING DES NIBELUNGEN


    VORABEND: DAS RHEINGOLD


    I. Szene
    Vorspiel: Komplette Düsternis. Schemenhaft erkennbar öffnet sich der Vorhang.


    Bei "Weia! Waga! Woge, du Welle!" gehen schlagartig die Scheinwerfer an.


    Die Bühne zeigt einen durchgewühlten Haushalt mit einem Sofa in der Mitte, auf dem die nackten Rheintöchter sitzen und eine Kissenschlacht veranstalten.


    Alberich trägt ein Sakko und eine gepunktete Krawatte, verhält sich generell sehr tollpatschig.


    Alle Requisiten sind überdimensioniert, sodass die Rheintöchter sich hinter den zahlreichen Kissen, Kommoden etc., die durcheinandergeworfen bzw. offen sind, verstecken können.


    Nach der Jagd bleibt Alberich, erschöpft, aber sichtbar, im Chaos liegen.


    Die Rheintöchter holen unter dem Sofa einen blitzeblanken Aluminiumkoffer hervor, auf dem "Rheinische Goldbank*" steht.


    Alberich wühlt in seinen Taschen, entdeckt zusammengenknüllte Zettel, Kaugummis, dann seine Brieftasche: Kein Geld drin! Dann liest er die Aufschrift des Koffersl reißt sich ihn unter den Nagel und stürmt davon. Währenddessen geht der Koffer auf, einige Goldbarren fallen heraus, Alberich guckt erstaunt, beeilt sich dann, die Barren wieder in den Koffer zu stopfen. Sofa und Kommoden beginnen sich zu drehen, die Rheintöchter zücken altmodische Handys mit ausziehbarer Antenne (diese ganz frühen) und rufen "Rettet das Gold!" etc. hinein.


    Soweit die erste Szene.
    _____
    *evtl. auch "Rheinische Goldrücklagen", das muss ich mir noch überlegen

  • Das finde ich an sich ziemlich gut und bei weitem besser als manche Inszenierungen, die es so gibt.


    Allerdings frage ich mich, warum normales Gold solche Zauberkraft besitzen soll. ;)

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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  • Mich würde ja mal interessieren, wie Wieland Wagner das in seinen Inszenierungen gelöst hat. Das Problem ist natürlich, daß man sich da weitgehend auf die Erinnerungen von Zeitzeugen stützen muß, zumal sein "Ring" das letzte Mal vor 40 Jahren lief.


    Übrigens finde ich grad die I. Szene im MET-"Rheingold" sehr schön und amüsant gelöst, auch dank der grandiosen Schauspielkünste von Ekkehard Wlaschiha als Alberich. Seine Worte


    Garstig glatter glitschiger Glimmer!
    Wie gleit' ich aus! Mit Händen und Füßen
    nicht fasse noch halt' ich das schlecke Geschlüpfer!


    bekommen da auch mal einen Sinn, weil man genau dieses Ausgleiten sieht.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe einen ziemliches Problem mit dem Hang zur Nackheit - Verhüllendes ist mitunter reizvoller als Unverhülltes.
    Insofern sitzes ich recht gern weit weg von der Bühne auf dem zweiten Rang. Das ist häufig gnädiger als ein zu naher Blick auf die Sänger.

    mit freundlichen Grüßen
    Martina
    Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht!

  • ich hab da ein ganz anderes Problem mit.


    Nacktheit ist einfach überstrapaziert - mit Nackten, selbst mit Pornos holt man doch keinen Hund mehr hinterm dem Sofa hervor.


    In der Kunst, die ja mit dem Inszenieren von Opern Hand in hand geht gibt es immer noch Leute die sich daran abarbeiten müssen, aber ich finde das anödend.


    Meist ist das ja auch ziemlich provokativ - oder soll es sein.
    Aber ich bin da wohl schon zu abgestumpft, weil das einfach zu oft geboten wird.


    Ich finde Inszenierungen die mit der Psyche spielen viel packender, oder aber wenn man wirkliche Tabus bricht - aber das wird dann schnell essentiell und wird ja oft verhindert.



    Aber Nackte sind kein Tabu, das ist langweilig... mmmhh kommt halt auch auf die Personen an :D:angel:

  • Und hier kommen meine Bildanweisungen. Zugegeben, sie sind genauso konzeptlos wie die von Basti, aber sie bieten den Vorteil von musikalischer und szenischer Einheit:


    Grünliche Dämmerung, nach oben zu lichter, nach unten zu dunkler. Die Höhe ist von wogendem Gewässer erfüllt, das rastlos von rechts nach links strömt. nach der Tiefe zu lösen die fluten sich in einem immer feineren, feuchten Nebel auf, so dass der Raum der Manneshöhe vom Boden auf gänzlich frei von Wasser zu sein scheint, welches wie in Wolkenzügen über den nächtlichen Grund dahinfließt.
    Überall ragen schroffe Felsenriffe aus der Tiefe auf und grenzen den Raum der Bühne ab, der ganze Boden ist in ein wildes Zackengewirr gespalten, so dass er nirgend vollkommen eben ist und nach allen Seiten hin in dichterster Finsternis tiefere Schlüchte annehmen lässt.

  • Änderung: Die Rheintöchter tragen Ballerinas, Pullover und Miniröcke.


    II. Szene


    Die Bühne stellt ein vollständig eingerichtetes Wohnzimmer in Originalgröße dar. Der Rest der Bühne ist mit schwarzen, beweglichen Brettern vernagelt. Couch mit Tisch in der Mitte. Auf dem Tisch stehen zahlreiche Flaschen hochprozentigen Inhalts: Es war eine lange Nacht. Wotan liegt auf der Couch und schläft. Der Gott ist jung; er trägt seine charakteristische Augenklappe, Chucks und ein trendiges T-Shirt.


    Fricka kommt herein. Sie ist eine Streberin und trägt eine dicke Brille. Unter dem Arm hält sie eine Aktentasche, weiters hat sie einen züchtigen Rock und hochhackige Schuhe an.


    Fricka rüttelt Wotan wach, der nach dem Blick auf die Schnapsflaschen zu halluzinieren beginnt. Plötzlich findet er einen Bauplan und breitet ihn aus: "Vollendet das ewige Werk!" Der Plan trägt ein paar Alkoholflecken davon, die Wotan hektisch abzuwischen versucht.


    Fricka setzt sich in einen Sessel, die beiden setzen ihr Gespräch fort. Bei "Wolltest du, Frau, in der Feste mich fangen" steht Wotan auf und schaltet den Fernseher ein. Sein Solo singt er nun mit Blick auf die Mattscheibe. Als er geendet hat, schaltet Fricka den Fernseher wieder aus, beide stehen auf und beginnen zu streiten.


    Oberhalb und seitlich des Wohnzimmers klappen nun die ersten Bretter nach oben. Zum Vorschein kommen eine Treppe und ein Balkon, der zu drei weiteren Zimmern führt. Oben herrscht typisches Familienchaos. Poster an Wänden und Türen. Freia stürmt die Treppe hinab, ihr Handy in der Hand: "Vom Felsen drüben drohte mir Fasolt, mich Holde käm er zu holen!"
    Wotan nimmt ihr das Handy weg und wirft es auf den Tisch.




    ________________
    Soweit der erste Teil der zweiten Szene. Kommentieret! Kommentieret! :D

  • Zitat

    Original von BastiWotan nimmt ihr das Handy weg und wirft es auf den Tisch.




    ________________
    Soweit der erste Teil der zweiten Szene. Kommentieret! Kommentieret! :D


    Wenn ich das richtig verstehe, versuchst Du, den Ring ins heutige Leben zu verpflanzen. Etwas unterschichtig kommt es auch rüber, die Szenen erinnern mich ein wenig an diese Bausparwerbespots, die auch so trashig sind.
    Gut, man kann so beginnen, etwas zu inszenieren, indem man Szene für Szene nacheinander betrachtet. Aber was außer dem Handygebrauch bindet die Szenen zu einer größeren Einheit zusammen?

    mit freundlichen Grüßen
    Martina
    Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht!

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  • Zitat

    Original von Martina-Sophie
    Warum ist unten kein Wasser?


    Keine Kritik, nur Neugierde!


    Davon ausgehend, dass du mich meintest: Kommt es auf das Wasser ein? Wenn bei Wagner stünde: "Die Rheintöchter schwimmen in Fäkalien", wäre es auch wieder falsch, wenn man's im Wasser machen würde.


    Zitat

    Original von Knusperhexe
    Was soll ich sagen?


    Du hast das Mahler-Zitat schon selbst gewählt...


    Und das aus gutem Grund.



    Zitat

    Original von Joseph II.
    Allerdings frage ich mich, warum normales Gold solche Zauberkraft besitzen soll.


    Ganz einfach: Alberich ist völlig pleite. Stell dir vor, du hättest im Lotto gewonnen! Es ist alles eine finanzielle Sache, und die Gier nach Geld und der damit verbundenen Macht.



    Zitat

    Original von Martina-Sophie
    Aber was außer dem Handygebrauch bindet die Szenen zu einer größeren Einheit zusammen?


    Wie du unten lesen kannst, bindet das Wohnzimmer sogar den ganzen "Ring" zu einer Einheit zusammen.


    Zitat

    Original von Knusperhexe
    Und was ist das Konzept?


    So ist das Ganze doch nur eine alberne Bebilderung.


    Sagt der, der rein illustrative Inszenierungen sehr gern mag... :no:
    Nur mal aus Interesse: Wie würdest du die Stelle bebildern, an der eine Walküre "Die Stute stößt mir der Hengst!" ruft?


    Himmelherrgott, ich liebe Wagner und kenne vor allem das Rheingold in- und auswendig. Aber warum muss immer alles so schwerfällig sein? Die Götter sind eine Familie. Dieses "Rheingold" ist humorvoll und klar ins Heute versetzt. Und um Christoph zu beruhigen: Speere gibt's auch bei mir noch. Aber Fafner wird kein Drachen, sondern ein schwerreicher Manager, der im Cadillac sitzt, sein, Loge wird in einem 2CV vorfahren, Alberich ist im "Rheingold" ein Bankdirektor, im "Siegfried" ein in einem Trabbi hausender Einsiedler. Im "Rheingold" werden von Szene zu Szene mehr Klappen aufgehen, bis schließlich die komplette Bühne zu sehen ist. Das Wohnzimmer fährt langsam nach hinten, dann nach unten, bis es verschwunden ist. Auf der leeren Riesenbühne bleiben die Götter mit ihrem Bollerwagen (siehe Seite 1 dieses Threads) im Freeze stehen.


    Der Walkürenfelsen ist keiner, sondern eine wilde Ansammlung aus rostigen Stellwänden, die von zahlreichen Einschüssen durch Hinrichtungen durchlöchert sind. An Häken hängen acht Maschinengewehre.


    Hundings Haus ist die spießigste Doppelhaushälfte, die man sich vorstellen kann.


    Feuerzauber: Wie einst bei Wieland.


    "Siegfried" beginnt wieder im Wohnzimmer, leicht verändert eingerichtet (Schmiede), wieder wird die Bühne größer, bis das Finale auf der leeren Bühne endet.


    Die "Götterdämmerung" beginnt auf der leeren Bühne (die Nornen lösen ein riesiges Puzzle), später kommt immer mehr Einrichtung dazu. Die Gibichungenhalle: Ein verrücktes Geflecht aus Treppen, Geländern und Gittern. An einem wird Siegfried gehängt.
    Das Ende wieder auf- bis auf das Wohnzimmer, das jetzt aber verwüstet ist- komplett verhüllter Bühne. Brünnhilde und die Rheintöchter sitzen auf dem Sofa. Was sie dort und die Götter auf der Bühne machen, steht auf Seite 1 dieses Threads. Schließlich ist die Bühne komplett mit Brettern verdeckt. Auf ihnen erscheint die Aufschrift: "WIR SAGEN NICHTS WEITER!"


    Das soll zunächst als grobes Konzept reichen.


    :hello:

  • Zitat

    Original von Basti


    Sagt der, der rein illustrative Inszenierungen sehr gern mag... :no:


    Ja, das stimmt: Ich mag illustrative Inszenierungen, die sich dem Libretto verpflichtet fühlen. Deine Ideen verlegen "Das Rheingold" einfach in eine andere Zeit. Das ist ebenfalls illustrativ, entspricht jedoch nicht meinem Geschmack. Da helfen auch keine Speere mehr...


    So kann man es natürlich machen, so wird es einem landauf und - ab seit zwei Jahrzehnten zugemutet und genau deswegen sind derartige "Konzepte" für mich nur noch Asche des Chereau-Ringes, der bis zum Erbrechen angebetet und rezitiert wird.

  • 1.

    Zitat

    Original von Knusperhexe



    So kann man es natürlich machen, so wird es einem landauf und - ab seit zwei Jahrzehnten zugemutet [...]


    2.

    Zitat

    Original von Knusperhexe
    [...] und genau deswegen sind derartige "Konzepte" für mich nur noch Asche des Chereau-Ringes, der bis zum Erbrechen angebetet und rezitiert wird.


    1. Aber nicht in einem so konsequenten Realismus, dass man das Gefühl bekommt, das könnte einem selbst passieren.


    2. Lässt mich vermuten, dass der dir auch nicht gefällt.


    Was ist mit "Die Stute stößt mir der Hengst!"? Kopulierende Pferde, die diese Stelle offenbar bezeichnet, oder was willst du da zeigen :D?


    :hello:

  • Lieber Basti,


    zunächst mal muss ich jetzt wohl wirklich mal betonen, das ich Deine Ideen - auch wenn sie nicht meinem Geschmack entsprechen - sehr begrüße. Ich sehe meine Kritik auch als Hilfestellung an. Mit derartigen Fragen wirst Du nämlich garantiert konfrontiert, wenn Du mal ein Regiekonzept öffentlich vorstellen musst.


    Nun zu der Rössergeschichte: Hm, so genau habe ich mir das noch nicht überlegt. Ich muss aber auch sagen, dass ich die von mir geliebte MET-Produktion hier nicht überzeugend fand. Das Wilde der Musik war nicht konform mit der Bühnenhandlung. Ehrlich gesagt habe ich das in diesem Fallle nur einmal erlebt und zwar bei der Disney-Umsetzung des Walkürenritts. Nun bietet der Film natürlich auch andere Möglichkeiten als die Bühne. Ich denke, das ich dementsprechend mit Projektionen arbeiten würde und die Walküren schemenhaft hinter Schleiern agieren lassen würde, so dass vieles der Phantasie der Zuschauer überlassen sein würde.


    Du hast recht, ich mag den Chereau-Ring nicht sonderlich. Einmal gesehen: Gut, ich hatte meinen Spaß. Doch die MET-Produktion ist mir lieber.


    VG,
    Knuspi

  • Zitat

    Original von Basti
    Was ist mit "Die Stute stößt mir der Hengst!"? Kopulierende Pferde, die diese Stelle offenbar bezeichnet, oder was willst du da zeigen :D?


    Ich hatte zu der Szene auch mal ein paar nette Ideen. Zu Beginn des "Walkürenrittes" sieht man ein Militärlazarett, in dem eine Reihe von Verwundeten liegen. Als der diensthabende Arzt verschwindet, lotst eine als Rotkreuzschwester verkleidete Walküre ihre ebenfalls verkleideten Schwestern in den Saal. Sie reißen den Verwundeten freudig die Kanülen raus, ersticken sie mit Kissen etc., werfen sich dann in Militärkluft (wie bei Kradmeldern: Mäntel, Stahlhelm, Staubbrille) und laden ihre Beute in die Beiwagen ihrer Motorräder. Sie brausen jubelnd davon (im Hintergrund Landschafts- und Himmelsprojektionen). Born to be wild... :D


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)


  • :hahahaha:


    So hat Regietheater wenigstens Biß! :jubel:


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • die deutsche nationaloper ist für mich einzig der "freischütz" und,obwohl ich beileibe kein konservativer und neuerungen gegenüber aufgeschlossen bin, würde ich ihn in der oper mal wieder so erleben wie etwa anfang der 60er jahre des letzten jahrhunderts,also vor dem mittelbaren gesellschaftlichen umbruch der 68er jahre. in meiner schulzeit hörte ich die oper auch auf der freilichtbühne im eutiner schloßpark, ohne umdeutungen und inhaltlichen verzerrungen, mit regelrechter waldeslust und echtem waldesleid, einer wolfsschlucht mit ordentlichem klamauk mit blitz und donner und schwefeldunst. ich finde, dadurch fängt die musik webers erst richtig an zu leben, nicht durch eine umdeutung der wolfsschlucht in eine weibliche vulva, mag diese auch nicht allzu sehr weit hergeholt zu sein.
    sicher waren die eutiner aufführungen musikalisch nicht immer spitzenklasse und manchmal auch vom wettergott bestraft, aber alle beteiligten waren mit freude bei der sache.
    ich habe die historische aufnahme von den salzburger festspielen 1954 unter furtwängler, diese aufnahme kommt besonders wegen der interpretation durch den dirigenten meiner vorstellung sehr nahe.
    warum versucht heute kein rigisseur mehr mal, den freischütz so zu inszenieren, wie er gedacht war, als deutsches oder vielmehr mitteleuropäisches musikalisches märchen. er spielt ja immerhin im böhmerwald.

    friedrichsfelde

  • Bei mir würde der Holländer in einem heruntergekommenen Hotel spielen, in der alle auf Besseres warten. Jede Figur hat ein eigenes Zimmer, und wenn von den Gefühlen der jeweiligen Person die Rede ist, geht die jeweilige Tür auf.
    Die Protagonisten wissen bis zu ihrem Aufeinandertreffen nichts voneinander. Der Steuermann ist ein Page, der Chor übernimmt wieder eine Art Kommentarfunktion: An von ihm zu singenden Stellen kommen die Köpfe der Choristen aus der Wand "gekrochen".
    (Teil 2 folgt...)

  • Teil 2:


    Am Ende erkennt der Holländer, dass Senta es ernst meint- und erschießt alle: Senta, Erik, Mary und Daland. Er erlöst sie und nicht sie ihn- und ergibt sich dann dem Chor, der jetzt des Hotelflurs Wände einreißt und in persona auf der Bühne steht. So irrt der Holländer weiter umher, denn er begreift nicht, warum ihm jemand treu sein sollte und zieht die "Erlösung" dieser Treuen vor...

  • Neue Idee: Ich ändere mein "Giovanni"-Finale. Der Don wird jetzt nicht mehr kastriert, stattdessen tauscht der Komtur ihn durch eine geschminkte Leiche aus und beraubt ihn so seiner Persönlichkeit. Giovanni ist jetzt untot und verflucht wie der Komtur selbst und versucht in der Scena ultima verzweifelt, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, aber keiner sieht ihn mehr. In den letzten Takten ist er allein auf der Bühne, versucht sich zu erschießen- das Leben ist des Lebemannes Strafe.


    Meinungen?

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