Rautavaara, Einojuhani - Die Orchesterwerke

  • Die 2. Symphonie von Rautavaara entstand zwar nur ein Jahr nach der ersten - 1957 - aber musikalisch liegen Welten zwischen den beiden. Orientierte sich die erste zumindest im langsamen Kopfsatz noch weitgehend an der Spätromantik, so ist die zweite klar ein Werk, das der Avantgarde zuneigt. Es ist zwar nicht vergleichbar mit den seriellen Kompositionen, die zeitgleich in Deutschland, Italien und Frankreich entstanden, aber doch ein Werk, dass sich klar auf die Dodekaphonie bezieht. Am eindrucksvollsten m.E. wieder der erste Satz - Quasi grave - den ich als Vorboten der Musik höre, die wenige Jahre später Allan Pettersson in Riesenkompositionen ausbreitete. Die kurzen Sätze 2-4 sind noch spröder und der Finalsatz mindestens so dissonant wie das dissonanteste was Stravinsky und Bartok dargeboten haben. Für mich eine Komposition gerade noch diesseits der Grenze dessen was ich goutiere, aber vermutlich für einige schon jenseits davon.

  • Die dritte Symphonie von Rautavaara entstand 1961 und ist mit über 32 min die längste der ersten vier. Mit ihr kehrt er vorübergehend wieder zu einer gemässigten Tonsprache zurück. Man könnte sie als seine "Bruckner'sche" bezeichnen, denn die Bezüge zur Symphonie des Österreichers sind sehr offensichtlich. Gleich der raunende Beginn ist Bruckner pur und in allen vier Sätzen gibt es zahlreiche brucknernahe Passagen. Erstaunlicherweise funktionieren die aber doch so, dass man nie das Gefühl hat, hier würde ein Imitat abgeliefert. Die Ideen mit denen Rautavaara dieses Gerüst ausfüllt, sind ureigene und es ist m.E. seine bis hier überzeugendste Arbeit. Charakteristisch an vielen Stellen die orchestralen Vogelstimmen, die in seinem weiteren Werk ja noch eine Rolle spielen werden bis hin zu direkten Einspielungen vom Tonband. Die Qualität des Stückes wird vielleicht auch dadurch verbürgt, dass Ondine bereits eine zweite Einspielung von diesem Werk unter Leif Segerstam produziert hat.
    FonoForum 06 / 08: "Das 1961 komponierte Werk kann nur als gelungen bezeichnet werden. Es ist ein schlagendes Beispiel nicht nur für die eingängige neuromantische Tonsprache dieses Komponisten, sondern auch für seine Fähigkeit, weite Bögen zu spannen und auf formaler Ebene rundweg zu überzeugen."

  • Nur ein Jahr nach der dritten Symphonie schrieb Rautavaara ein Stück mit dem Namen Arabescata, dass er 1986 zu seiner vierten Symphonie erklärte unter Zurückziehung des ursprünglichen Werkes, über dessen Verbleib ich nichts herausfinden konnte.
    Rautavaara's Vierte gilt bis heute als die einzige komplett serielle finnische Symphonie (wobei ich mindestens eine andere kenne) und dürfte für viele Hörer den Tiefpunkt seines Oeuvres darstellen. Wie zahlreiche andere Komponisten versuchte sich Rautavaara da in einer Tonsprache, die ihm letztendlich fremd blieb. Das hört man auch, denn immer wieder versucht er aus den seriellen Reihen doch noch so etwas wie ein spät-spät-romantische Musik zu formen. Als positive Aspekte kann man die relative Kürze (16 min) und eine gekonnte und abwechslungsreiche Instrumentierung konstatieren. Aber wie die meisten seriellen Kompositionen hat auch diese das Problem, das es statt dem "so und nicht anders" ein "es könnte auch anders und würde genauso klingen" gibt. Nach diesem Werk verstummt der Symphoniker Rautavaara jedenfalls für fast ein Vierteljahrhundert.

  • Dann freue ich mich schon darauf, was lutgra zu den Sinfonien fünf und sechs zu sagen hat. Ich will ihm hier auch nichts vorwegnehmen, finde aber diese beiden Kompositionen ganz besonders reizvoll und originell - bei den letzten drei Nummern, die man bösartigerweise dem New Age zuordnen könnte, sinkt dann mein Interesse wieder etwas. Nichtsdestotrotz ist Rautavaaras Gesamtwerk des Kennenlernens absolut wert.


    Eine Frage an lutgra, der in dieser Materie vermutlich im Augenblick stärker drin steckt als ich. Gehe ich recht in der Annahme, dass die ersten beiden Sinfonien, von denen die erste, wie weiter oben bereits teleton bemerkt hat, eine leichte Nähe zu Schostakowitsch aufweist, Jahrzehnte später überarbeitet wurden und damit dem spätestromantischen Stil des Meisters doch wieder stärker entsprechen? Von daher blieben die eigenwillige Bruckner-Dritte und die serielle Fünfte als Unikate bestehen. Rautavaaras Personalstil ist gar nicht so verschieden, was die Anfänge und das Alterswerk anbelangt, nur dazwischen hat er experimentiert.


    Ich glaube, dass ich mir mal wieder die zweite Sinfonie anhöre, vielleicht jetzt gleich.


    :hello: Wolfgang

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  • Die zweite Sinfonie läuft gerade und ich erinnere mich allmählich wieder.


    Es ist tatsächlich so, dass es eine Erstfassung aus dem Jahr 1957 gibt und eine spätere Revision aus dem Jahr 1984. Diese ist, dem Komponisten zufolge (Booklet meiner BIS-Ausgabe), "stellenweise reicher" in der Instrumentation, aber nicht prinzipiell anders geartet. (Mag also sein, dass sich meine oben vielleicht relevante Erinnerung doch eher auf die erste Sinfonie bezog - das werde ich allerdings heute nicht mehr überprüfen.) Den Beobachtungen lutgras zur zweiten Sinfonie will ich insofern gerne zustimmen (siehe allerdings spätere Klammerbemerkung: :D ).


    Es bleibt noch die interessante Frage im Raum, ob es Unterschiede zwischen den Einspielungen mit Kantorov (BIS) und mit Pommer (ONDINE) gibt. Die mit Pommer besitze ich nämlich nur für die Sinfonien 1 und 3, nicht jedoch für 2. Das liegt daran, dass mir eine andere Auskopplung vorliegt. Ich habe mir nie die anfangs abgebildete Gesamteinspielung der Sinfonien bei ONDINE zugelegt, sondern einzeln gesammelt - und von daher gibt es bei mir vereinzelt Abweichungen von dieser Integrale. Da ich allerdings durchaus schon die ebenfalls am Anfang des Threads abgebildete ONDINE-Integrale der Konzerte besitze, musste ich einige ärgerliche Dopplungen in Kauf nehmen. Es gibt von den meisten Werken des Finnen halt doch nur zwei oder drei unterschiedliche Einspielungen auf dem Markt (Ausnahme natürlich: der Cantus arcticus), wenn nicht sogar nur eine einzige.


    Hier die verlinkte Abbildung und zum Vergleich für lutgra die Zeiten bei Kantorov:



    Sinfonie Nr. 2 (1957, Fassung von 1984; Edition Pan)


    Quasi grave (8:59) - Vivace (2:18) - Largo (4:12) - Presto (2:40)


    (Anmerkung privat ( :D:) ): Ich bin immer wieder überrascht, wie Du Deinen Musikgeschmack bei großorchestraler Musik ein klein wenig einschränkst, während Du bei Streichquartetten hemmungslos modern zu sein scheinst. Also - wenn überhaupt - geht es mir ja umgekehrt. Und da dürfte ich zu einer Mehrheit gehören - oder siehst Du das tatsächlich anders? Mittlerweile bin ich allerdings im Zweifelsfall fast überall beinahe hemmungslos modern ...)


    Ein schönes Feiertagswochenende wünscht der Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

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  • 1985 griff Rautavaara den symphonischen Faden wieder auf und komponierte ein Werk, das man als Schlüsselwerk der Postmoderne bezeichnen kann. Bestanden zwischen der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Symphonie jeweils eine Art These-Antithese-Beziehung ist die 5. als Synthese hörbar. Ein spätromantisch aufgebauter Riesensatz (31:32) amalgamiert alle "Modernismen" bis hin zu Serialismus und Alleatorik in ein musikalisches Gebilde bei dem der Klang selbst im Vordergrund des Geschehens zu stehen scheint. Dadurch entsteht eine Art "Hörkino" zu einem imaginären Film. Auffällig auch die inzwischen erfolgte Rezeption der Musik von Gustav Mahler, die zwischen 1962 und 1985 ja die Konzertsäle der Welt erobert hatte. Speziell im zweiten Teil der 5. Symphony finden sich langgezogene Streicherpassagen, die an vergleichbare Sätze von Mahler erinnern. Insgesamt wirkt die Musik auf mich fast tranceartig eine fremde und schönere Welt heraufbeschwörend. Dies ist für mich (und wohl auch für WolfgangZ) eine der faszinierenden Schöpfungen des Komponisten und ich denke, dass er mit ihr auch eine ganze Generation von finnischen Komponisten (Sallinen, Lindberg, Nordgren) nachhaltig beeinflusst hat.

  • Was ich noch nicht herausgefunden habe: Ist der unglaublich mitreißende Beginn dieser Sinfonie überhaupt ein rein akustisches Orchesterprodukt? Vermutlich ja, und da wir nie so genau wissen können, in welchem Ausmaß Tontechniker manipulieren (können), müsste man eine Live-Aufführung erleben. Aber einerseits ist der Klangeindruck eben kein eindeutiger, zum anderen kennen wir, lutgra und andere und ich, die Vincentiana ... ;)


    Schön ist lutgras obige Beschreibung. Wenn der Begriff Postmoderne (ich verwende ihn gerne, hat er doch den Ruch des Gebildeten) denn einen Sinn hat, dann einen bezüglich des Finnen. Wie ich meine, bezüglich dieses Finnen schlechthin.


    :hello: Wolfgang


    PS: In Beitrag 34 muss es im Kontext des "New Age" natürlich heißen: "bei den letzten beiden Sinfonien".

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  • Die 1992 komponierte 6. Symphonie von Rautavaara ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Sie ist mit ca. 42 min seine längste und besteht grösstenteils nicht aus originärer Musik, sondern aus Themen und Orchesterteilen seiner fünf Jahre zuvor vollendeten Oper "Vincent" über den niederländischen Maler. Dementsprechend tragen auch drei der vier Sätze Titel mit Bezug zu Gemälden und Orten, die für van Gogh bedeutsam waren.


    1. Starry Night
    2. The Crows
    3. Saint-Remy
    4. Apotheosis


    Ein weiteres auffälliges Merkmal dieser Symphonie ist die Verwendung eines Synthesizers (im Booklet albernerweise als "Synthetisator" übersetzt). Diesem kommt vor allem die Aufgabe zu, die Bilderwelt zu charakterisieren, während die Orchestermusik die reale Welt charakterisiert. Beide Welten verschränken sich zunehmend. Die Tonsprache ist ähnlich wie die der 5. Symphonie, etwas gemässigter vielleicht und leitet über zu der Klangwelt der letzten beiden Symphonien. Eine gewisse Nähe zur Musik von Olivier Messiaen im 1. Satz ist nicht zu überhören. Der dritte Satz dekonstruiert noch einmal den Walzer, noch radikaler als Ravel es seinerzeit tat.


    Ich muss gestehen, mit diesem Werk ein wenig Probleme zu haben, was vor allem am Synthesizer liegt. Als ehemaliger Yes und Genesis Fan bin ich natürlich mit diesem Instrument eng vertraut, aber im Kontext des Orchesters empfinde ich ihn als Fremdkörper. Es stört mich nicht ganz so wie die Ondes Martinot bei Messiaen, aber richtig glücklich macht es mich nicht. Den letzten Satz - die wunderbare Apotheosis - hat Rautavaara später noch einmal als separates Stück überarbeitet - ohne Synthesizer - und ich wäre nicht unfroh, wenn er es mit der ganzen Symphonie noch täte. Wobei der Synthesizer überwiegend nur am Anfang und Ende von Sätzen zu hören ist.


  • Über die Probleme mit dem Synthesizer bin ich ein wenig - nicht prinzipiell - hinausgekommen. (Ich nehme an, dass Lutgra noch nicht kurz vor dem Sechser auf der Zehnerposition steht.) Bei der Vincentiana stört sie mich deshalb so wenig, weil zum einen dem Synthesizer ein klares Programm zugeordnet scheint - Lutgra hat es ja geschrieben - und weil zum andern - und sei es nur als Konsequenz aus dem einen - die Möglichkeiten der Elektronik ganz bewusst eben nicht der Effekthascherei dienen. Für das Effektvolle braucht Rautavaara keine Elektronik.


    Ich wiederhole dennoch meine Fragen an den (oder die) Musikkollegen dahier: Wie muss ich mir den Anfang der Fünften vorstellen?
    Ich bin tatsächlich ratlos und finde dazu nichts, erwarte auch von niemandem eine klare Antwort - es geht mir nur um die Hörvermutung.


    :hello: Wolfgang

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  • Ich wiederhole dennoch meine Fragen an den (oder die) Musikkollegen dahier: Wie muss ich mir den Anfang der Fünften vorstellen?
    Ich bin tatsächlich ratlos und finde dazu nichts, erwarte auch von niemandem eine klare Antwort - es geht mir nur um die Hörvermutung.


    Lieber Wolfgang
    ich werde mir die 5. zeitnah noch einmal zu Gemüte führen, um dieser Frage und einer möglichen ANtwort näher zu kommen.


    Zu Deiner privaten Anmerkung in Beitrag 35: Erklären kann ich das auch nicht, es hängt wohl mit dem Klang der Instrumente zusammen. Atonales/serielles Klavierspiel z.B. ist mir ein Graus. Ich habe vor wenigen Tagen die Sonate von Alban Berg mit Mitsuko Uchida gehört, das Stück ist gerade noch innerhalb meines Akzeptanzkreises.

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  • Danke schon mal, Lutgra (Zeit hat das sowieso nach Belieben), und ich freue mich auf Deine Kurzcharakterisierungen der beiden Traumschiff-Nummern Sinfonien Nummer sieben und acht.


    :hello: Wolfgang

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  • So, jetzt weiß ich was Du meinst. Das ist eindeutig vom Band eingespielter Vogelgesang, in Mono diesmal, denn beim Cantus arcticus ist das in Stereo. Eine englische website bestätigt das:


    "The composer left the form alone for two decades, resuming with the Fifth Symphony in 1986. This is a very different single-movement work of 31 minutes duration. It has a slow evolutionary gait and possesses a closer engagement with the lyrical. A dazzle of birdsong is in there just like the slow impressive unfold of Cantus Arcticus."

    Read more: http://www.musicweb-internatio…ODE1145.htm#ixzz44IwguKF8

  • Die 7. Symphonie entstand 1994 also nur zwei Jahre nach der 6. Sie trägt den Titel "Angel of Light". Darüber bin ich nicht ganz glücklich. Er lädt zu Missverständnissen ein, ähnlich wie Strauss' Sinfonia Domestica. In beiden Fällen hätten sich die Komponisten negative Kritiken ersparen können. Für Rautavaara repräsentieren Engel natürlich nicht die üblichen Weihnachtskitschfiguren sondern Archetypen der Menschheit, aber das muss man jedesmal erklären. Und ich brauche solche Titel sowieso nicht.
    Wolfgang hat ja schon mehrfach angedeutet, was er von den letzten beiden Symphonien hält. Ich teile diese Einschätzung nicht. Ich höre weder New Age (mit dem Begriff kann ich sowieso nicht viel anfangen, für mich ist das das Hintergrundgedudel, das in Wellness-Oasen kaum hörbar gespielt wird) noch Traumschiff. Zugegeben, die 4-sätzige Symphonie hat viel von Filmmusik, aber der erste Satz Tranquillo evoziert bei mir da eher Erinnerungen an unheimliche Psychothriller, jedenfalls keine vergnüglichen Seefahrten. Grandiose Naturfilmaufnahmen (Terra X) vielleicht noch. Im Mittelteil klingt eindeutig Sibelius an. Das Scherzo hat für mich klar Prokofieff'sche Züge. Und das come un sogno ist ein wunderschöner langsamer Satz romantischer Prägung. Der Finalsatz beginnt brucknerisch-majestätisch, hier stelle ich auch eine gewisse Affinität zur Musik von Alan Hovhaness fest, der in einigen seiner Symphonien ähnliches formuliert hat. Mein Eindruck ist, dass Rautavaara erst mit dieser Symphonie wirklich bei sich selbst angekommen ist. Wolfgang, vielleicht gibst Du dem Stück noch einmal eine Chance?

  • Zunächst, werter Kollege lutgra, besten Dank für die aussagekräftigen Vergleiche bei der siebten Sinfonie. Ich bin immer sehr dankbar für Namen, weil es auch mein Hobby ist, solche Analogien herzustellen. Wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, werde ich mir die siebte (und vielleicht später die achte) Sinfonie genauer vorknöpfen und versuchen, Deine Bemerkungen nachzuvollziehen. Vielleicht kann ich dann auch konkreter zustimmen oder - immer aus subjektiver Sicht zwangsläufig - in Frage stellen.


    Es ist nicht so, dass mich die letzten beiden Sinfonien Rautavaaras (und auch manche andere der späten Orchesterwerke) langweilen würden oder ich sie als nur modisch empfände. Nur brauche ich nach solchem Konsum immer ein wenig Gegengift - sagen wir Streichquartette oder Wiener Klassik. Den Ausdruck New Age habe ich mit Augenzwinkern benützt, Du kannst ihn gerne streichen (und was er genau impliziert, weiß ich wohl so wenig wie Du oder diejenigen, die ihn erfunden haben ... ;) )


    Bleibt das Problem mit der Fünften. Ich beziehe mich explizit auf das mehrmalige, bezüglich Tonalität und Dynamik unterschiedliche Auftauchen eines monströsen Akkords zu Beginn der Sinfonie. Er entwickelt sich aus einem Crescendo - und ich traue genau diesem Akkord bezüglich seiner Erzeugung nicht über den Weg. Vielleicht magst Du nochmals nachhören. Das von Dir angeführte Zitat habe ich mittlerweile auch gefunden. Aber ich sehe keinen Zusammenhang, weil ich beim besten Willen keine Vogelstimmen vernehme. Oder liege ich irgendwie komplett falsch? Danke in jedem Fall für die Eruierung!


    Besten Gruß, Wolfgang

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  • Ich beziehe mich explizit auf das mehrmalige, bezüglich Tonalität und Dynamik unterschiedliche Auftauchen eines monströsen Akkords zu Beginn der Sinfonie.


    Die Symphonie beginnt ja mit einem Schwellton, der dann crescendomäßig in ein ziemlich dissonanten Akkord mündet, das wiederholt sich in den ersten drei Minuten - leicht verändert - viermal. Ich nehme an Du meinst diesen Akkord. Der ist tatsächlich grandios, ich denke aber er ist mit "natürlichen" Mitteln also nur mit Orchesterinstrumenten erzeugt. Da es keine Alternativaufnahme gibt, können wir derzeit nicht überprüfen, wie er mit einem anderen Orchester klingen würde. Ein guter Grund für eine weitere Einspielung.


    P.S. Das mit den Vogelstimmen war übrigens eine Verwechselung meinerseits, wovon der dann aber in dem Zitat redet, weiß ich auch nicht.

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  • Gut, das ist ein Wort! Weiter oben hatte ich ja überdies auch die Meinung vertreten, dass man wohl von keiner Beteiligung der Elektronik ausgehen sollte, wenn sich denn - im Gegensatz zur Sechsten - davon explizit kein Wort im Booklet, also auch seitens des Komponisten, und in den bequem zu eruierenden Internetquellen findet. So ist es ist in der Tat schade, wenn bislang keine zweite Einspielung existiert.


    :hello: Wolfgang

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  • Eure Diskussion habe ich heute Abend zum Anlass genommen mir die Sinfonie Nr.5 (1986) mal komplett anzuhören. Der Abend jetzt gegen OUhr ist für diese Trancemusik ohnehin genau richtig - gleich mit ein zwei Gläschen Whisky o.ä. - dann wirkt es noch besser.
    :huh: Im Prinzip ein Fehler dies bisher nicht gemacht zu haben ... denn bisher war mir das Werk - (am Tage) - zu langatmig.
    :angel: Aber ich habe mich heute dem Klängen hingegeben und darin gebadet = schön !
    :!: Das in Beitrag 42 zitierte Vogelgezwitscher vom Band folgt neben den ruhigen und tonalen Passagen in Mitte der Sinfonie ab 15:10 (bei der Ondine - Aufnahme mit Pommer). Jedenfalls ist es dort passend eingefügt und hat keineswegs den Kitschfaktor wie in Cantus Arcticus.
    Die Bezeichnung New Age halte ich für diese Musik (auch für die Sinfonie Nr.7) verfehlt, denn davon habe ich eine andere Vorstellung zumal ich diese Richtung ausserhalb der Klassik schätze.


    Ich sehe das Werk ab heute mit anderen Gedanken als zuvor. Aber es ist nichts für jeden Tag ... aber für den Abend ... Prosit !



    ---------------------------


    Jetzt "bade" ich weiter in der Sinfonie Nr.6 "Vincentiana" (1992).
    Mich stört der sporadisch auftauchende Synthesizer gar nicht (wie WolfgangZ) und finde die ausgewählte Synthy-Klänge gut eingebunden in den Orchesterklang ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Das "wie" ist zweideutig. Also: Mich stört der Synthesizer hier so gut wie gar nicht, lutgra stört er etwas mehr. :P


    :hello: Wolfgang

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  • Das ist eindeutig vom Band eingespielter Vogelgesang, in Mono diesmal, denn beim Cantus arcticus ist das in Stereo.

    Im Booklet des Doppelalbums »Meet the Composer« heißt es dazu:

    Zitat

    The work incorporates a tape with bird sounds of the North, taped by the composer on the bogs of Liminka near Oulu, an excellent place for bird-watching.

  • Liebe Taminos,


    wie die finnischen Nachrichten heute vermittelten, starb Einojuhani Rautavaara in der gestrigen Nacht im Alter von 87 Jahren. Der international bekannte Komponist galt als eine der führenden Musikerpersönlichkeiten des Nordlands und wurde von Jean Sibelius persönlich gefördert. Zu seinen Schülern an der Sibelius-Akademie in Helsinke gehörten Esa-Pekka Salonen, Magnus Lindberg und Kalevi Aho, die alle selber heute bekannte Komponisten geworden sind. Rautavaare hinterlässt ein umfangreiches Oeuvre mit Sinfonien, Opern, Konzerten, die ihn in der Musikwelt unvergesslich machten.
    R.I.P


    Beste Grüße
    Christian

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  • Zitat von »lutgra«
    Lieber Agon,
    Ich muß gestehen, dass ich adhoc gar nicht weiß, welche Aufnahme der 8. ich besitze, die Box mit allen 8 habe ich nämlich nicht, ich habe über die Jahre alle einzeln gekauft. Kann also gut sein, dass es die Vänska-Einspielung ist, ich schaue heute abend mal nach.
    Lieber lutgra,


    ich habe auch nicht die Box, sondern die Einzelausgaben über die Jahre zusammengekauft. Ist doch auch viel schöner so, denn man beschäftigt sich dann auch viel intensiver und individueller mit den Werken.
    Die Achte kenne ich halt mit Segerstam und dann noch mit Inkinen auf Naxos (nicht so toll). Aber Vänskä auf BIS schärft mich halt auch sehr.


    So, ich habe nachgeschaut und auch gleich gehört, ich besitze tatsächlich die Aufnahme mit Osmo Vänskä und der Lahti Sinfonia. Nun kenne ich nicht die Segerstam-Aufnahme, aber wenn man nach den zahlreichen hymnischen Rezensionen beim Werbepartner geht, brauchst Du die hier vermutlich auch. :D

  • Also, die Achte unter Vänskä werde ich dann wohl auch "brauchen", ja. Aber nicht sofort.


    Die folgende CD brauche ich nicht, denn ich habe sie schon :D :



    Einojuhani Rautavaara:

    Cellokonzert Nr. 1 op. 41 (1968)


    Janos Starker, Cello
    SWR SO Baden-Baden & Freiburg,
    Herbert Blomstedt, Ltg.

    (swrmusic, 2/1975; Hans-Rosbaud Studio, Baden-Baden)


    Es dürfte sich hierbei um die Erstaufnahme dieses ca. fünfzehnminütigen Stücks handeln. Was für ein Glück, daß sich solch hochrangige Künstler diesem Werk angenommen haben. Es ist insgesamt von einer freitonalen Sprache geprägt und wirklich nicht "spätromantisch", was man Rautavaara ja oft unterstellt hat. Hörenswert.

  • Ich war kürzlich in Lappland im Winterurlaub, versuche seitdem, mir etwas mehr Wissen über finnische Kultur zu verschaffen. Ich bin nach vielen Jahren ein wenig übersättigt von der Wirkung der Sibelius- Sinfonien und einzelner weiterer Orchesterwerke. Auch wenn einzelne Abschnitte z.B. der "Lemminkäinen"- Suite op. 22 recht anziehend sind, tönt diese einfach so weiter, mehr oder weniger vor sich hin Auch kann ich Sibelius` Klaviermusik kaum was abgewinnen.


    Dass aber bei einer so dünnen Besiedelung des Landes und nur wenigen Städten so ein Output an Musikern in weniger als 150 Jahren entstanden ist, fasziniert mich dann doch und ich begann, etwas umherzulesen und mich mit Rautavaara und auch mit Frau Saariaho zu beschäftigen, von der ich mal - ich glaube beim ECLAT Festival - ein interessantes Stück gehört habe, und natürlich hier die Schnipsel und eine ganze Reihe von YT- Dateien.


    Nun habe ich mir von R. die "12 Concerti" (in Beitrag # 28) kommen lassen und schon Vielfältiges und Interessantes gehört. Das werde ich erstmal vertiefen. Dann wohl darüber berichten. Saariaho scheint dabei etwas mehr Zeit zu benötigen...


  • In den Jahren vor seinem Tod und im Todesjahr hat Einouhani Rautavaara (1928-2016) Werke für Streichinstrumente und Orchester komponiert. Es sind Auftragskompositionen für Solisten, die ihn um Werke gebeten hatten. Das finnische Label Ondine hat sie auf einer CD veröffentlicht.


    In der Produktinformation des Werbepartners findet man nähere Angaben zu den Werken.


    Wer in die geheimnisvolle Klangwelt des finnischen Komponisten entführt werden möchte, wird gut bedient.


    Fantasia für Violine & Orchester (2015)

    2 Serenaden für Violine & Orchester (2016, 2018 durch Kalevi Avi vervollständigt)

    In the Beginning für Orchester (2015) *

    Lost Landscapes für Violine und Orchester (2005, 2016) *


    * Weltersteinspielungen


    Simone Lamsma (Violine), Malmö Symphony Orchestra, Robert Trevino

    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928