Paukenschlag! - Unbekannte oder wiederbelebte Orchesterwerke und Sinfonien auf CD

  • Liebe Forianer,


    im Opernforum habe ich bereits einen ähnlichen Thread gestartet. Auch hier geht es um die Sehnsucht (nach so viel Bach, Händel, Vivaldi, Mozart, Haydn, Beethoven usw.) hin und wieder auch einmal andere, völlig unbekannte Töne zu hören...


    Vielleicht kennt ja der eine oder andere von euch auch solche Komponisten und Werke...


    :hello: LT

  • Der Spanier Ramon Garay schrieb seine Sinfonien zwischen 1790 und 1817:



    Orquesta De Cordoba, Jose Luis Temes [*]Label: Verso, DDD, 2009



    Zunächst ist man versucht aus den Werken einen Mix aus Gluck, Mozart und Haydn heraushören zu wollen. Doch wenn man ganz genau hinhört, dann stellt man fest, dass dies doch eine völlig andere Musik ist: melodienreich und sehr abwechslungsreich.


    Lieber einmal mehr zu Garay greifen als die zigste Haydn-Sinfonie kaufen!!!


    :hello: LT

  • Aber da gibt es wirklich genug. Die Frage ist lediglich ab wo gilt denn das Attribut "unbekannt" ?
    Sollen hier auch Werke nominiert werden, denen im Tamino Klassikforum bereits ein Thread an anderer Stelle gewidmet wurde ?
    Ich meine JA - denn an unbekannte Werke muß immer irgendwie erinnert werden. Umgekehrt ermuntere ich alle -hier nominierte Werke, so sie interessantgenug erscheinen irgendwann doch einen eignen Thread zu widmen.


    Mein Einstand gilt Niccolo Zingarelli, der von 1752-1837 lebte
    Nein man kauft nicht die xte Aufnahme einer Haydn Sinfonie. Zwar mag ein allererster Eindruck manchen an frühe Haydn Sinfonien erinnern - aber nein -nach einer Weile wird jeder den unverwechselbaren Zingarelli Ton heraushören.
    Hier eine Aufnahme der Mailänder Sinfonien -Vol 1:


    Obwohl die Aufnahme bereits im Feber 2010 veröffentlicht wurde - eine Folge 2 ist bis dato noch nicht erschienen.
    Schade - den die Sinfonine haben bei aller Leichtigkeit und Beschwingtheit - doch Eigencharakter



    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Der 1816 im schlesischen Liegnitz geborene Johann Ernst Benjamin Bilse erlernte zunächst als Stadtmusikus das Spielen der meisten Instrumente, später nahm er in Wien Violinunterricht bei dem berühmten Geiger Josef Böhm, spielte dann im Orchester von Johann Strauß (Vater). Zum Leiter der Stadtkapelle Liegnitz wurde er 1842 ernannt. Dieses Orchester spielte dann 1847 unter dem Namen Bilse'sche Kapelle in Berlin. Dieses Ensemble gilt als das Orchester, aus dem sich später das Berliner Philharmonische Orchester bilden sollte.


    Bilse war also seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin musikalisch gesehen up to date. Leider ist von seinen Kompositionen heute kaum noch etwas bekannt. Deshalb kann man die Veröffentlichung bei cpo nicht hoch genug loben. Das WDR RO Köln unter der Leitung von Christian Simonis präsentiert sich hier in bester Spiellaune mit allerschönster Unterhaltungsmusik im besten Sinne, die sich nicht hinter der Musik der Strauß-Familie zu verstecken braucht.



    Sturmmarsch Galopp;Baumgartenallee-Polka;Marienwalzer;
    Nur mit Dir;Schlesische Lieder;Catharina-Quadrille;Die
    Fürstensteiner;Bomben und Granaten;Winterflocken-Galopp;
    Victoria Walzer;Königspolonaise;Die Provinzialen;
    Concerthaus Polka;Schützenmarsch op. 13




    • Künstler: WDR RO Köln, Christian Simonis
    • Label: CPO , DDD, 2005


    :hello: LT

  • Heute rufe ich ein Werk in Erinnerung, das schon vor Jahren im Forum vorgestellt wurde - allerdings ist der Thread unauffindbar. Zudem haben wir viele neue Mitglieder seit damals.


    Das Hauptwerk dieser CD ist die "Santa Claus Symphony" ein schlagender Beweis, daß die Amerikaner schon im 19 Jahrhundert eine Neigung zum Kitsch und zum Plakativen hatten, diese Kunst jedoch durchaus zur Meisterschaft brachten. Das Wek ist fröhlich, effektvoll und voller melodiöser Einfälle. Der Komponist, William Henry Fry (1813-1863) war nicht nur Komponist, sondern auch Musikkritiker. Man kann ihm - hört man die Sinfonie - auch einen gewissen Humor nicht absprechen. Ein guter - und preiskünstiger Tip, für alle, di sich an Weihnachtsoratorian des 18. Jahrhunderts bereits satt gehört haben....
    Mitgeliefert werden ein paar Nebenwerke...


    eine frohen Advent
    wünscht Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • BRISTOW George Frederick (1825-1898)


    81bUDRPbJ0L._SL300_.jpgIch belebe diesen Thread nach neun Jahren mit der zweiten Sinfonien von Georg Frederick Bristow, einem heut unbekannten amerikanischen Komponbist. Es ist immer schwer zu entscheiden, ob man für einen fast vergessenen Komponisten des 19. Jahrhundert einen neuen Thread eröffnet oder ihn beispielsweise hier placiert. Der besagt Komponist hat 135 Werke, teils ohne Opuszahl geschtieben, darunter 2 Opern, 3 Oratorien, 2 Streichquartette und 6 Sinfonien, einige Lieder und Klaviermusik - aber es sst derzeit so gut wie nichts auf CD zu bekommen. Da einiges bereits vor Jahren aufgenommen wurde, aber fast alles davon wieder gestrichen ist, gehe ich davon aus, daß es in absehbareer Zeit auch keine Neuerscheinungen geben wird. Daher stelle ich die im Bild gezeigte Aufnahme der

    Sinfonie Nr 2 "Jullienne"

    in diesem Thread vor.



    Der Titel ist der Name des Widmungsträgers Louis Antoine Julliet (1812-1860) einem französischen Dirigenten und auch (gescheiterten) Komponisten

    Was Werk stammt aus dem Jahr 1853, hat vier Sätze und eine Gesamtspiedauer von gut 43 Minuten, wobei der Löwenanteil, 16 Minuten auf den ersten Satz fällt. Die Uraufführung war 1856 durch die New Yorker Philharmoniker-

    Der erste Satz ist gezeichnet durch einen etwas hemdsärmeligen, oder aggressiven Charakter, man kann es auch als "kraftvoll", "zupackend", "energisch" beschreiben. Interessant, daß nach einiger Spieldauer dieser Charakter immer wieder durch geradezu wohlklingesnde Stellen unterbrochen wird, was einen guten Kontrast ergibt und die Balance herstellt. Der zweite Satz ist eher freundlich und angenehm zu hören, der dritte dann noch etwas milder. Mit dem 4 Satz (Allegro-agitato-Grandioso -L# istesso tempo) kehrt der Komponist aber wieder in temperamentvolle Gefilde zurück


    Obwohl die Sinfonie derzeit nicht am Markt erhältlich scheint (Amazon bietet ein letztes Einzelstück an) - geht aber nicht hierher zu verlinken und nicht als Werbepartnerware zu beziehen) finden wir bei youtube ZWEI Fassungen, die gezeigte Aufnahme mit der Royal Northern Sinfonia

    unter Rebecca Miller


    und eine Alternativaufnahme mit dem Royal Philharmonic Orchestra (London) unter Karl Krueger-



    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Eine weitere Sinfonie ist noch beim Werbepartner erhältlich:


    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Hallo Maurice,


    ich hatte dieser Tage, als ich Alfreds Beitrag las gedacht ... "den Bristow, den kennste doch irgendwo her :huh: ".

    Jetzt sehe ich es in deiner Abb:

    Die tolle Barber-CD mit der Sinfonie Nr.2 ... da ist die Bristow: Sinfonie Nr.3 op.26 gekoppelt.


    Man sollte noch erwähnen, dass Bristow von 1843 - 1879 der 1.Geiger der New Yorker PH war. Seinen Werken schenkte man wenig bis gar keine Aufmerksamkeit. Ohnehin war das eine Zeit in der amerikansche Komponisten von Orchestern vernachlässigt wurden.

    Bristow setzte sich als Verfechter einheimischer Komponisten von Anfang an für die eigenständige amerikanische Musik ein und gründete ab 1852 - 1859 mehrere Wohltätigkeitsorganisationen für Musiker aus den USA.

    Erst im 20.Jhd konnte sich die amerikanische Musik mehr und mehr mit Erfolg durchsetzen ...


    Ich finde die Musik nicht übel und die Bristows Sinfonie Nr.3 ist an den Stil von Mendelssohn und Schumann angelehnt ... Schulbuchmodellhaft sauber und lupenrein komponiert.

    Letztendlich können mich die weniger klassischen Amis des 20.Jhd dann doch mehr überzeugen ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang