Regietheater - Was bezweckt es eigentlich ??

  • Ok - und wer hätte das Gegenteil über Dich behauptet?


    Ich werde jetzt nicht nochmal den ganzen Thread durchsehen, um den Beitrag zu finden, indem du erklärst, dass Joseph II und ich zu einer Minderheit gehören würden, da wir das Regisseurtheater ablehnen, aber eigentlich noch nicht im "richtigen Alter" dafür sind. Du weißt es aber, ich weiß es, und Joseph II kann sich daran bestimmt auch noch erinnern.


    Zitat


    Es ist Dir sicher klar, welcher Unterschied darin besteht, zu schreiben, es gäbe "Massen von Internetforen, in denen das Regisseurstheater in den höchsten Tönen gelobt wird" oder zu schreiben, dass jemand sich herzlich wenig in Internetklassikforen auskennt, der behauptet, die RT-Gegner hätten dort überall die Mehrheit. .


    Wer soll das denn bitte behauptet haben? Im übrigen habe ich - was auch zweifelsfrei aus meinem Beitrag ersichtlich ist - absichtlich etwas übertrieben. Es gibt nicht mal "Massen" an Klassikforen. Nur jemand, der schon zum zweiten Mal suggeriert, dass Tamino praktisch als Tal der Ahnungslosen die einzige und letzte Bastion der RT-Gegner sei, sollte sich im klaren darüber sein, dass dies absoluter Humbug ist, da es in allen Foren, in denen ich mitlese, dazu sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Von Facebook ganz zu schweigen. :whistling:

    Zitat

    Ich verstehe nicht, was Dir diese verdrehte Darstellung bringen soll. Geht es Dir denn nur ums Rechthaben oder darum, das letzte Wort zu haben?


    Diese Frage gebe ich sehr gern an dich zurück.


    Zitat

    Aber ich habe hier noch keinen Hardliner-Traditionalisten erlebt, der dies bekundet hätte. Ich habe nur von Forianern, die moderne Inszenierungen nicht grundsätzlich ablehnen, mitbekommen, dass sie dieser Diskussion den Rücken gekehrt haben. Siehst Du das anders? Und das spricht doch eher dafür, dass es die aufgeschlossenen Forianer sind, die sich abwenden.


    Wofür das angeblich spricht, ist deine Interpretation, die ich aufgrund solcher tendenziösen Bezeichnungen wie "aufgeschlossen" sowieso ablehne. Mit solchen Rückschlüssen wäre ich aber überhaupt sehr vorsichtig, wenn ich nicht weiß, wieviele Mitglieder das Forum insgesamt hat, wieviele davon sich für Oper interessieren, wieviele von diesen wiederum traditionelle Inszenierungen bevorzugen und wieviele Lust haben, überhaupt darüber zu diskutieren. Und ich nehme mal an, dass du als Nicht-Mod darüber nicht wirklich besser Bescheid weißt als ich.


    Zitat

    Und zum Thema wie ich sie hier mit dir ständig führe bzw. führen muss: Wer zwingt Dich denn?


    Natürlich niemand, allenfalls die fixe Idee, in einem Thread das Thema zu berücksichtigen und dabei zu bleiben. Aber das ist wohl wirklich eine fixe Idee bzw. eine unrealistische Wunschvorstellung.


    Zitat

    Du suggerierst mit Deinen Worten, es läge an meínem Diskussionstil, dass einige hier nicht mitdiskutieren wollen


    Das hast du im Bezug auf mich getan. Und zwar wiederholt. Beispiele dafür gibt es genug.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Liebe Strana!


    Ich werde jetzt nicht nochmal den ganzen Thread durchsehen, um den Beitrag zu finden, indem du erklärst, dass Joseph II und ich zu einer Minderheit gehören würden, da wir das Regisseurtheater ablehnen, aber eigentlich noch nicht im "richtigen Alter" dafür sind. Du weißt es aber, ich weiß es, und Joseph II kann sich daran bestimmt auch noch erinnern.


    Das ist eine weitere Verdrehung. Es ging nicht darum, ob ich erklärt hätte, dass Du und Joseph II. eine Minderheit wären, sondern es ging darum, ob Du erklärt hättest, in diesem Forum einer Minderheit oder Mehrheit anzugehören. - Ich gehe davon aus, dass Dir der Unterschied klar ist und dass es Dir eigentlich keine Probleme bereitet, einem Satz in indirekter Rede den Aussagekern zu entnehmen. - Wenn Dir das Aufsuchen zu mühsam ist: Beiträge 708+720.


    da es in allen Foren, in denen ich mitlese, dazu sehr unterschiedliche Meinungen gibt.


    Darin sind wir uns völlig einig. - Meine Wahrnehmung ist, dass es in den meisten Foren Befürworter und Ablehner moderner Inszenierungen gibt, und zwar recht ausgewogen. - Man könnte noch den Stil der Diskussion in den verschiedenen Foren besprechen.


    Zitat Wolfram
    Es ist Dir sicher klar, welcher Unterschied darin besteht, zu schreiben, es gäbe "Massen von Internetforen, in denen das Regisseurstheater in den höchsten Tönen gelobt wird" oder zu schreiben, dass jemand sich herzlich wenig in Internetklassikforen auskennt, der behauptet, die RT-Gegner hätten dort überall die Mehrheit.


    Wer soll das denn bitte behauptet haben?


    Es geht nicht um eine Behauptung, es geht um eine Verdrehung. Ich habe gesagt, dass derjenige, der sagt, in RT-Gegner hätten in Internetforen überall die Mehrheit, sich herzlich wenig damit auskennt. Du hast das dahingehend verdreht , dass ich angeblich behauptet hätte, dass es "Massen von Internetforen, in denen das Regisseurstheater in den höchsten Tönen gelobt wird" gäbe.


    Aber ich danke Dir schon mal für das Eingeständnis, dass Du übertrieben hast.


    Zitat von Strano Sognator

    Im übrigen habe ich - was auch zweifelsfrei aus meinem Beitrag ersichtlich ist - absichtlich etwas übertrieben.


    Ok - aber was soll das? Um des Effektes willen?


    So, Beispiele für mangelhaften Diskussionstil meinerseits hast Du nicht geliefert. Ich werte das mal als Eingeständnis dafür, dass es auch keine gibt. Aber Du kannst gerne noch welche anführen. Beispiele für Deinen Diskussionstil liefert dieser Beitrag mit den Zitaten und den darin enthaltenen Verdrehungen und der von Dir eingestandenen Übertreibung ja wieder mal genug.


    :hello:

  • Was Anlass zu meinem Betrag Nr.694 ist.


    Welcher Beitrag 694? In diesem Thread ist jedenfalls der Beitrag 694 von "La Roche".


    So, so? Jedenfalls bei meiner Anzeige auch noch 19 Uhr 20 nicht!


    Hallo ksm,


    darf ich Dein Stillschweigen so deuten, dass Du Dich getäuscht hast?
    Oder sollte Dein Beitrag nur auf meinen "ganz hervorragenden" Beitrag Nr. 694 aufmerksam machen?


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Ich muss sagen, lieber Wolfram, dass du dein Talent hier sinnlos vertust, anstatt es zu Geld zu machen. Wenn man deine letzten Beiträge liest, meint man, dass du der neue Loriot bist. Solltest du auch noch so zeichnen können, würde ich mir wirklich darüber Gedanken machen und diese Eigenschaften vergolden.



    So, Beispiele für mangelhaften Diskussionstil meinerseits hast Du nicht geliefert. Ich werte das mal als Eingeständnis dafür, dass es auch keine gibt

    .
    Auch das ist wieder so eine Interpretation deinerseits, die du gern glauben kannst, die ich aber keineswegs so sehe. Viele andere sicher auch nicht.


    Zitat

    Aber Du kannst gerne noch welche anführen.


    Das könnte ich schon, werde es aber bestimmt nicht machen, weil ich dir nicht noch weiter dabei helfen möchte, diesen Thread durch unsinnige Nebenthemen weiter zu zerfasern , so wie du es ja so gern tust bei Themen, die dir nicht belieben.



    Zitat

    Beispiele für Deinen Diskussionstil liefert dieser Beitrag mit den Zitaten und den darin enthaltenen Verdrehungen und der von Dir eingestandenen Übertreibung ja wieder mal genug.


    Perfekte Analyse deines eigenen Stils. Bravo! So bleibt mir nichts mehr zu sagen.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Welcher Beitrag 694? In diesem Thread ist jedenfalls der Beitrag 694 von "La Roche".


    Knapp daneben.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Liebe Sognatrice,

    Zitat

    Zitat von Strano Sognator (vollständig):Perfekte Analyse deines eigenen Stils. Bravo! So bleibt mir nichts mehr zu sagen


    Zitat

    Zitat von Wolfram: Amen

    Mit diesem, wie so häufig, von ihm zerstückelten Zitat von dir, das ich hier vollständig zitiert habe, hast du jetzt endlich von ihm selbst die kräftigste Bestätigung, die es überhaupt gibt, dass deine Worte über ihn voll den Tatsachen entsprechen. Herzlichen Glückwunsch!


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Zu diesen Streitereien: Könnten die das nicht besser per Brieftaube unter sich ausmachen, anstatt hier im Forum??

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Zu diesen Streitereien: Könnten die das nicht besser per Brieftaube unter sich ausmachen, anstatt hier im Forum??


    Das ist eine überaus charmante Idee, lieber Klaus 2, und obgleich ich Schuberts Taubenpost sehr liebe, würde ich in diesem Fall doch eher nicht davon Gebrauch machen wollen und schlage daher vor, dass alle (!) wieder zum Thema zurückkommen. Das da lautet: Was bezweckt das Regietheater?


    Meine Ansichten dazu habe ich schon mehrfach gesagt und auch begründet.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Ein kleines Schlaglicht. Eine Realschullehrerin nimmt mit ihrer 5. Klasse die "Entführung aus dem Serail" durch. Da dieses Stück gerade in Essen läuft, geht die Klasse dorthin. 2 Stunden vor der Abfahrt sitze ich mit der Mutter, die die Zehnjährige dorthin begleiten wird, zusammen. Wir klicken die Inszenierungsfotos an. Alltagskostüme und eine fast völlig leere Bühne, alles hellweiß, ein paar Ornamente. "Regietheater", sage ich. "Oh je, das wird dem Kind gar nicht gefallen!", sagt die Mutter. Und so war es auch, obwohl die Mutter von den Sängern begeistert war. Anders als wir früher scheinen Kinder und Jugendliche heute keine Chance mehr zu haben, ein Werk in traditioneller Gestalt (sage ich lieber als Originalgestalt) richtig kennenzulernen. Und nicht nur Kinder, sondern auch ich will im Theater Licht, Phantasie, Kostüme, Verzauberung, eine Verzauberung, die die Musik ja immer noch hat. Also scheint der Sinn des Regietheaters hier zu sein, die junge Generation zu langweilen und aus den Theatern zu vertreiben.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Mein lieber Herr Doktor!
    Das Beispiel würde aber doch auch funktionieren, wenn die Klasse eine schlechte traditionelle (die Bezeichning ist sehr viel besser)Aufführung gesehen hätte. Mir scheint es hier ein bisschen so zu sein, dass traditionell mit gut gleichgesetzt würde und das ist doch wohl Quatsch.
    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Deine Erwiderung geht ein wenig an der Pointe vorbei. Die Pointe ist doch die, dass man, wenn man Opern zu sehen beginnt, erst mal eine Inszenierung sehen sollte, die traditionell ist, damit man die Oper kennenlernt, dass man die Geschichte gut versteht, dass man von den Kostümen und der Handlung verzaubert ist. Da spielt es für Kinder und Jugendliche nicht so eine große Rolle, ob diese Inszenierung gut oder schlecht ist (eine Gleichsetzung von traditionell mit gut würde ich nie behaupten). Die Kinder können ja auch die musikalische Leistung noch nicht richtig bewerten (die ja hier überragend gewesen sein muss). Mein Argument ist dies: eine Oper zum ersten Mal kennenzulernen in einer Art Verfremdung oder Parodie, ist immer ein schlechter Weg. Und wenn das die Regel wird, wird man den Nachwuchs aus den Opernhäusern heraushalten, statt wie erhofft durch Anbiederung hineinbringen.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Ich weiss es nciht. Meine 1. Erinnerung an einen Theaterbesuch war irgendein Weihnachtsmärchen. Ich habe in Erinnerung behalten, dass da eine Riesengestalt über die Bühne gestapft ist und dass mich das total beeidruckt hat. So wie ich das erinnere (es ist alles vage, ich weiß) war das wohl total übertrieben und bestimmt nciht traditionell, aber eben sehr effektvoll. Und so wurde Theater (und Oper natürlich in der Folge) für mich ein Ort des Zaubers, wo ich Dinge zu sehen bekomme, die ich sonst nie in Wirklichkeit sehen kann. Und deshalb kann ich diese Effekthascherei lieben. - gut, eine leere Bühne hätte das nicht zuwege gebracht, insofern sind wir da auf einer Linie. Aber (mal so aus dem Ärmel geschüttelt) Hänsel und Gretel in einer Maschinenhalle hätte vielleicht gut funktioniert. Stelle ich mir gerade vor, gewaltige drehende Schwungräder beim Hexenhaus....
    Was ich meine ist, dass es doch darum gehen muss, dass der Regiseur mit allen Mitteln versucht, das Publikum in den Bann zu ziehen. Und dazu scheinen mir manche (!) Mittel recht zu sein.
    Natürlich, wenn sich da nur einer produziert und meint, alles besser zu wissen als Komponist und Librettist, das ist Murks.


    Oh wei. ich merke gerade, dass ich Angst bekomme, in die Schusslinie zu geraten.
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Lieber Klaus,


    das heißt doch nicht, dass traditionell auch immer gut inszeniert ist, aber die Verunstaltung des Originalwerkes (Verlagerung von Ort und Zeit, was überhaupt nicht mit dem historischen Hintergrund übereinstimmt oder gar noch Veränderung der Handlung, Verkehrung ins Gegenteil, "Ausschmückung" durch allerhand alberne Gags, deren Sinn der Zuschauer nicht durchschaut) ist in jedem Fall wesentlich schlechter als eine noch so schlechte Inszenierung unter Beibehaltung des Werkinhalts. Maschinengewehre und Panzer passen nicht zu einer Oper, die sich "Julius Caesar" nennt. Eine Elisabeth I war wohl sicher keine Bürotippse, Lady Macbeth keine Strandnixe, Rusalka (eine echte Märchennixe) wohl keine vom Wassermann in Fritzls Inzestkeller eingesperrte und vergewaltigte Jugendliche, Lohengin ist keine Muppetshow mit einem ekelhaften Embryo in der Schlußphase und die Wartburg war wohl nie ein Biogasbehälter.
    Man könnte hier Hunderte von Beispielen solcher Verunstaltungen aufführen. Da ist eine traditionelle Aufführung in jedem Fall immer noch besser. Die moderne Technik hat soviele Möglichkeiten, die Inszenierung getreu dem Originalwerk darzustellen. Aber da scheinen die Einfälle zu fehlen, also vergewaltigt man die Handlung.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Zitat dr.pingel:

    Zitat

    Also scheint der Sinn des Regietheaters hier zu sein, die junge Generation zu langweilen und aus den Theatern zu vertreiben.


    Nicht nur diese, sondern auch Opernliebhaber, die jahrzehntelang treue Theater- und Opernbühnen-Besucher waren!

    W.S.

  • Ich finde es seltsam, dass ich mich hier auf einmal auf seiten des Regietheaters befinde, dass ich zu großen Teilen (bestimmt 90%) ablehne. Aber bei uns in Aachen wurde Aida gegeben. Und zu Anfang sah man Aufnahmen auf einer Leinwand von einem Krieg der Israelis. Der Rest war ziemlich, aber nur ziemlich, traditionell. Die Uniformen waren teilweise z.B. neuzeitlich. Das hat - nach anfänglichem Ärger bei mir - ganz gut funktioniert. Mir wurde gut nahebebracht, dass hier zu Beginn ein Krieg herrschte. Mit allem, was dazu gehört, nämlich z.B. gnadenlosem Töten. Dieses moderne Mittel hat mich unmittelbar berührt. Und danach konnte ich die Geschichte sehr gut an mich heranlassen.


    Als in Bayreuth die Ratten auf der Bühne waren, habe ich umgeschaltet. - Nur um noch einmal meine grundsätzliche Haltung zu verdeutlichen.


    Aber noch einmal auf den Titel zurück: bei der Aida bezweckte der Regieeinfall, den Bogen über die Zeit zu schlagen.


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Zitat Klaus 2:

    Zitat

    Ich finde es seltsam, dass ich mich hier auf einmal auf seiten des Regietheaters befinde, dass ich zu großen Teilen (bestimmt 90%) ablehne. Aber bei uns in Aachen wurde Aida gegeben. Und zu Anfang sah man Aufnahmen auf einer Leinwand von einem Krieg der Israelis. Der Rest war ziemlich, aber nur ziemlich, traditionell. Die Uniformen waren teilweise z.B. neuzeitlich. Das hat - nach anfänglichem Ärger bei mir - ganz gut funktioniert. Mir wurde gut nahebebracht, dass hier zu Beginn ein Krieg herrschte. Mit allem, was dazu gehört, nämlich z.B. gnadenlosem Töten. Dieses moderne Mittel hat mich unmittelbar berührt. Und danach konnte ich die Geschichte sehr gut an mich heranlassen.


    Und Aida und Radames wurden sicherlich in einem Bunker auf den Golan-Höhen eingemauert?

    W.S.

  • Aber (mal so aus dem Ärmel geschüttelt) Hänsel und Gretel in einer Maschinenhalle hätte vielleicht gut funktioniert. Stelle ich mir gerade vor, gewaltige drehende Schwungräder beim Hexenhaus....
    Klaus


    Sag mal, lieber Klaus, riechst Du denn nicht das mystisch-Drohende des geheimnisvollen Märchenwalds, wenn Du diese Musik hörst? Da müßten doch andere Phantasien aufkommen.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Zitat Klaus 2:


    Und Aida und Radames wurden sicherlich in einem Bunker auf den Golan-Höhen eingemauert?


    Nein. Eben nicht. Da wurden einfach Metaphern benutzt. Sie wurden eben einfach nur von der Welt abgeschnitten. Aber es ist schon geschehen, was ich befürchtet habe. Da wurde etwas für die Inszenierung benutzt, das nicht von anfang an offensichtlich war und schon war es halt alles Kappes. - Schade.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.


  • Sag mal, lieber Klaus, riechst Du denn nicht das mystisch-Drohende des geheimnisvollen Märchenwalds, wenn Du diese Musik hörst? Da müßten doch andere Phantasien aufkommen.



    Sag mal, lieber Klaus, riechst Du denn nicht das mystisch-Drohende des geheimnisvollen Märchenwalds, wenn Du diese Musik hörst? Da müßten doch andere Phantasien aufkommen.


    Doch natürlich. Und ich würde auch eine solche Aufführung bevorzugen. :!::!::!: Ich will doch nur sagen, dass man manchmal eben doch etwas versuchen kann. Mir ging es um das Beispiel von Dr. Pringel und meine uralte Erinnerung.
    Ne, was ist das schwierig....

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Klaus 2 schrieb:

    Zitat

    Natürlich, wenn sich da nur einer produziert und meint, alles besser zu wissen als Komponist und Librettist, das ist Murks.


    Volle Zustimmung.


    Zitat


    Oh wei. ich merke gerade, dass ich Angst bekomme, in die Schusslinie zu geraten.


    Na, Klaus, hast du denn deine kugelsichere Weste nicht an? Die gehört eigentlich zur Grundausstattung. Jedenfalls bei uns! ;):hello: Aber eigentlich ist die Weste nur Vorsorge, denn bisher sind mir jedenfalls nur Platzpatronen begegnet. Also - nur Mut!

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • ich versuche es noch mal von einer ganz anderen Seite: Darf ein Asiate/Schwarzer z.B. den tamino spielen? Der ist doch bestimmt als Kaukasier gedacht.


    (Bei uns in Aachen sind momentan die beliebtesten (und zwar zu Recht) Solisten Koreaner. Ganz zu Anfang ist da bei mir schon einmal eine Verunsicherung. so ala: "Ach Lohengrin war Chinese?". Aber nach Minuten ist es vorbei und alles ist gut. Die Geschichte, die Musik und die Worte sind stark genug, das locker wegzustecken.


    Und wer von uns (ich bestimmt nicht) weiß denn, wie eine Bühne aussehen würde, wenn sie die Zeit von sagenwirmal Lohengrin wirklichkeitsgetreu nachbilden sollte? Ich werde da den 1. Stein nciht werfen.
    Bei der Zauberflöte könnte ich gar nciht sagen, in welcher Zeit das spielt, also welche Kleidung wirklich angemessen wäre. Oder Elektra? Wie sah es denn damals aus? Das weiß doch keiner auch nur annähernd. Wir müssen doch da irgendwelche willkürlichen Metaphern benutzen, oder?

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Lieber Klaus, du hast da vollkommen Recht. Man kann viel experimentieren, und wenn es gut gemacht ist, vergessen wir, dass Tamino ein Koreaner ist. Aber was das Kind in meinem Fall zu sehen bekommen hat, war ein phantasielose Abstraktion, also eine moderne Reflektion oder Meditation über die "Entführung". Das, was für einen Erwachsenen, der die Entführung gut kennt und sie in vielen Interpretationen kennengelernt hat, heilsam und interessant sein kann, ist für einen Anfänger tödlich. Und wenn es nur Parodien oder extreme Interpretationen gibt, entwickelt sich Langeweile und keine Liebe zum Theater. Dabei war diese Interpretation der Entführung durchaus frei von widerlichen Ekelszenen, die für Kinder völlig tabu sein sollten. Aber Langeweile im Theater, und das bei der Entführung? Das geht auch nicht!

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Und wer von uns (ich bestimmt nicht) weiß denn, wie eine Bühne aussehen würde, wenn sie die Zeit von sagenwirmal Lohengrin wirklichkeitsgetreu nachbilden sollte? Ich werde da den 1. Stein nciht werfen.


    Nun, Klaus 2, so einfach würde ich es mir aber nicht machen. Mit ein paar Klicks gelangst du heute zu fast jedem verfügbaren Libretto, in dem genau nachzulesen ist, wo was angesiedelt ist. So hat man zumindest eine Vorstellung. Videos (oft mit Gesamtaufnahmen) findet man mit den unterschiedlichsten Inszenierungen ebenfalls massenweise (und kostenlos) im Netz. Man kann sich also mehr denn je gut vorbereiten.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Nun, Klaus 2, so einfach würde ich es mir aber nicht machen. Mit ein paar Klicks gelangst du heute zu fast jedem verfügbaren Libretto, in dem genau nachzulesen ist, wo was angesiedelt ist. So hat man zumindest eine Vorstellung. Videos (oft mit Gesamtaufnahmen) findet man mit den unterschiedlichsten Inszenierungen ebenfalls massenweise (und kostenlos) im Netz. Man kann sich also mehr denn je gut vorbereiten.


    Was ich meinte war, dass es ja manchmal in vorgeschichtlicher Zeit spielt, oder sogar in einer reinen Phantasiewelt, die überhaupt nicht realistisch darzustellen ist.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.


  • Was ich meinte war, dass es ja manchmal in vorgeschichtlicher Zeit spielt, oder sogar in einer reinen Phantasiewelt, die überhaupt nicht realistisch darzustellen ist.


    Nein, eine Phantasiewelt ist eine Phantasiewelt, das ist natürlich richtig.
    Wenn aber der Auftritt des Tamino so beschrieben wird:
    Tamino kommt in einem prächtigen japonischen Jagdkleide rechts von einem Felsen herunter, mit einem Bogen, aber ohne Pfeil; eine Schlange verfolgt ihn, dann kann man sich ein "prächtiges japonisches Jagdkleid" sicherlich sehr unterschiedlich vorstelllen, aber ganz gewiss nicht als die zerfledderte Kutte eines Penners. Es sollte schon klar sein, dass es sich um einen Prinzen handelt.



    Zitat

    (Bei uns in Aachen sind momentan die beliebtesten (und zwar zu Recht) Solisten Koreaner. Ganz zu Anfang ist da bei mir schon einmal eine Verunsicherung. so ala: "Ach Lohengrin war Chinese?". Aber nach Minuten ist es vorbei und alles ist gut. Die Geschichte, die Musik und die Worte sind stark genug, das locker wegzustecken

    .


    Das wird sich in Zeiten der Globalisierung wohl kaum ändern lassen. Solange gesangliche und darstellerische Leistung stimmen, sehe ich dies aber auch als das geringste Problem an.


    Dr. Pingel schrieb:

    Zitat

    Mein Argument ist dies: eine Oper zum ersten Mal kennenzulernen in einer Art Verfremdung oder Parodie, ist immer ein schlechter Weg. Und wenn das die Regel wird, wird man den Nachwuchs aus den Opernhäusern heraushalten, statt wie erhofft durch Anbiederung hineinbringen.


    Da hast du einen wichtigen, vermeintlichen Zweck des RT angesprochen. Die Jugend soll ans Theater herangeführt werden, was angeblich durch werktreues Theater nicht geschieht. Nicht nur dein Beispiel belegt, wie falsch diese Annahme ist.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Der Penner würde mir vielleicht auch nicht gefallen, oder sicher nicht, aber die Schlange? Da muss man doch sofort anfangen, nach Lösungen zu suchen. eine Schlange würde man einfach nciht sehen.
    Nochmal: Natürlich wieß ich, dass man ganz oft meilenweit über das Ziel hinausschießt und einfach nur Murks produziert. Aber: er gibt keine klare Grenze zwischen getreu und absonderlich.
    Es gibt vielleicht nur gut und schlecht....

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.