Walter Geisler - ein vergessener Tenor?

  • Lieber Wolfgang! Lieber Hart! Lieber William"


    Also, so richtig verstehe ich die Aufregung über meinen letzten Beitrag nicht! Der Titel des Threads hat am Ende ein Fragezeichen. Darauf habe ich geantwortet: "Ja, sicher ist er weithin vergessen!".


    Selbst in unserem Forum, das ja "DAS deutschsprachige Musikforum" ist, wird über Walter Geisler eigentlich nur in diesem Thread hier etwas geschrieben, der, wie gesagt, ausdrücklich die Frage stellt, ob Walter Geisler vergessen ist.
    Ansonsten kommt der Name in Aufzählungen vor oder in Besetzungsangaben einiger weniger Mitschnitte, die von ihm greifbar sind. Da finden sich durchweg keine Äußerungen über Qualitäten und Rang des Sängers.
    Wenn - das ist ja ein beliebtes Spiel - in den verschiedenen Threads denkbare oder wünschenswerte Idealbesetzungen für einzelne Arien, Partien oder ganze Werke gesucht werden, taucht sein Name nicht auf.


    Ist es da wirklich respektlos, wenn ich konstatiere, dass der Sänger vergessen ist?


    Ich bin einer der Melomanen, die geradezu zwanghaft Aufnahmen von Sängern sammeln, die sie irgendwann und irgendwo einmal gehört habe. Ihr glaubt sicher nicht, von wem ich alles Aufnahmen besitze. So habe ich auch den Lohengrin-Querschnitt, der diese ganze Diskussion ausgelöst hat. Zudem den Macbeth, auf dem Geisler den Macduff singt. ICH habe Walter Geisler nicht vergessen. Hätte ich dann in diesem Thread geschrieben? Ich habe ihn vermutlich öfter gehört als jeder, der hier im Forum unterwegs ist. Deshalb habe ich auch gesagt, dass ich seine Leistungen meist "verlässlich" , "ordentlich" oder "brav" fand. Walter Geisler - ein vergessener Tenor? Genau das hast du auch gesagt, lieber Hart!
    Dass es eine Leistung ist, wenn jemand den Judas Maccabäus, Pylades, Stewa, José oder Stolzing ordentlich singt, stellt ja überhaupt niemand in Abrede! Ich ganz sicher als letzter! Für mich ist das aber denn doch nicht genug, um mich dafür einzusetzen, dass dieser Sänger im kollektiven Gedächtnis des heutigen Opernpublikums einen Platz hat.


    Bei meiner Suche nach Stellen, in denen etwas in unserem Forum über Geisler geschrieben wurde, bin ich auf eine nette Anekdote gekommen, die Milletre - es ging um Einspringer - erzählt und die ich vielleicht noch zitieren darf!


    Zitat

    Ein "Otello" z.B. fällt mir ein, in dem der Sänger der Titelrolle kurzfristig ausfiel und ein gewisser Walter Geisler husch-husch eingeflogen wurde. Das Pikante an dieser Sache war, dass Geisler die Rolle nur deutsch konnte, also erwartete ich, dass die Jurinac im Liebesduett auch deutsch singen würde, hat sie doch dieses Duett in einer großartigen Aufnahme mit Peter Anders auf Deutsch gestaltet. Doch sie sang hartnäckig wie vorgesehen auf Italienisch und der arme Geisler natürlich auf Deutsch.


    Den bizarren Höhepunkt des Abends gab es kurz nach Beginn des 2. Akts, als Gobbi seine paar Takte sang, dann Geisler sichtbar wurde und zu Gobbi sagte: "Was sagst du?" Gobbi darauf: "Nulla!" Da war dann der Abend als Lachnummer gerettet.


    Beste Grüße Euch allen


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Auch über Trudeliese Schmidt urteilte Caruso41:


    Werter Caruso! Als anerkannter Fachmann sollte man sich nicht so äußern. Sonst landen wir schon wie geschrieben bei Kategorie A oder B. Und Erinnerungen nur an Sänger/innen der Kategorie A? Sei bitte nicht böse, aber das mußte raus!


    Gruß Wolfgang ;)


    Lieber Wolfgang!


    Ich lasse mal beiseite, ob ich das Recht habe, selbst zu entscheiden, über wen ich was schreibe, ob ich genug über ihn/sie weiss und ob ich hinreichend aufschlussreiche und aussgekräftige Aufnahmen von ihm/ihr habe, die ein fundiertes Urteil erlauben!


    Hinter Deiner Mahnung oder Belehrung steht ja ein Thema, das eher grundsätzlicher Art ist:


    Dürfen wir zwischen schlechten, soliden, guten, und herausragenden Sängern unterscheiden? Und Du schließt daran die Frage an, ob wir nur die Erinnerung an die Besten pflegen dürfen. Diese Frage würde ich entschieden mit "Nein" beantworten. Natürlich können wir auch an weniger gute Sänger erinnern. Manch einem wird die eine oder andere Aufführung mit ihnen einen starken Eindruck gemacht haben und deshalb unvergesslich sein. Ich will gerne zugeben, dass ich auch für mach einen Tenor oder Sopran eine Schwäche habe, der/die nicht in der Champiosleague gesungen hat. Darüber müssen wir nicht streiten.


    Interessanter finde ich die erste Frage! Ich drehe sie mal etwas provokativ um: Müssen wir nicht - auch hier im Forum - versuchen, in einem durchaus kontroversen Meinungsbildungsprozeß etwas Klarheit darüber gewinnen, welcher Sänger herausragende Gesangsleistungen bietet (und was diese Gesangsleistungen zu herausragenden macht), wer gute und wer eben nicht. Es soll natürlich nicht um Rangfolgen und Taxonomien gehen. Aber die Aufmerksamkeit auf Qualitätsunterschiede zu lenken, fände ich schon wichtig.
    Aber vermutlich sind wir auch in dieser grundsätzlichen Frage gar nicht weit voneinander entfernt.


    Dissenz gäbe es vermutlich nur bei dem einen oder anderen Fall. Darüber kann man dann ja streiten! Ist das schlimm?


    Beste Grüße
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Zitat

    Aber vermutlich sind wir auch in dieser grundsätzlichen Frage gar nicht weit voneinander entfernt.


    Doch, lieber Caruso! Bei mir zählen auch Sänger/innen, die ich entweder selber erlebt habe, oder mir durch Opernaufnahmen im TV in Erinnerung sind.
    Dazu zählen z. Bsp. Toni Blankenheim, Heiner Horn, Robert Schunk, Jean Löhe, Horst Wilhelm, Matthias Hölle, Trudeliese Schmidt u. A.. Wahrscheinlich entsprechen diese nicht Deinen hohen Anforderungen, aber ich möchte sie dennoch in Erinnerung rufen. Leider habe ich damals zu spät von der schweren Erkrankung von Toni Blankenheim erfahren, sonst hätte ich ihn noch im naheliegenden Waldkrankenhaus besucht. Ich sehe ihn noch gerne in einer Gesamtaufnahme des "Freischütz" mit Ernst Kozub und Gottlob Frick.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Zitat

    Für mich ist das aber denn doch nicht genug, um mich dafür einzusetzen, dass dieser Sänger im kollektiven Gedächtnis des heutigen Opernpublikums einen Platz hat.


    Siehst du, lieber Caruso,
    das sind die unterschiedlichen Ansätze, die wir haben. Du setzt dich für die Sänger ein, an denen dir etwas liegt, damit sie im "kollektiven Gedächtnis des heutigen Opernpublikums" einen Platz haben. Ich setze mich in meinem Thread für alle Sänger ein, nach Möglichkeit noch mit der Benenung einer Aufnahme, ebenso für alle Instrumentalisten, Dirigenten und für alle die, ohne die der Rest gar nicht möglich wäre, die Komponisten, damit sie im Gedächstnis aller Musikliebhaber einen Platz behalten. Jedenfalls versuche ich, mit meinen Beiträgen dazu ein wenig beizutragen. Ausdrücklich akzeptiere ich jedoch deine Anischt, so wie du siicherlich meine akzeptierst.


    Übrigens: heute hatte ich wirklich keine Sänger!


    Liebe Grüße


    Willi :)


    So, jetzt geht' s auf den Ergometer.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hier ein Sänger, den ich persönlich kennengelernt habe und auch aus der Bonner und Kölner Oper in Erinnerung habe, nämlich den Tenor Robert Schunk. Auch im Ausland war er tätig, sogar an der Met in New York. Da es den "Freischütz" mit ihm leider momentan nicht gibt, sehe und höre ich mir die Walküre" mit ihm an:

    W.S.

  • Ihn hatte ich auch noch nicht auf meiner Liste, lieber Wolfgang, aber jetzt. So kann ich ihm am 5. Januar, also in 8 Wochen, zum 70. Geburtstag gratulieren. Ich habe ihn in meinem Text einstweilen mit dem Tannhäuser (unter Sir Colin) verknüpft, mit dem ich ihn auch in meiner Sammlung habe.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ausdrücklich akzeptiere ich jedoch deine Anischt, so wie du siicherlich meine akzeptierst.


    Lieber William!


    Total!! Ich akzeptiere Deine Ansicht total.
    Vor allem aber: ich würdige Deinen Einsatz um einen breit ansetzenden Überblick über Jubiläen in der Musikwelt sehr nachdrücklich!
    Es ist doch einfach gut, wenn verschiedene Ansichten und Ansätze sich nicht ausschließen sondern ergänzen!


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!


  • Doch, lieber Caruso! Bei mir zählen auch Sänger/innen, die ich entweder selber erlebt habe, oder mir durch Opernaufnahmen im TV in Erinnerung sind.
    Dazu zählen z. Bsp. Toni Blankenheim, Heiner Horn, Robert Schunk, Jean Löhe, Horst Wilhelm, Matthias Hölle, Trudeliese Schmidt u. A.. Wahrscheinlich entsprechen diese nicht Deinen hohen Anforderungen, aber ich möchte sie dennoch in Erinnerung rufen. Leider habe ich damals zu spät von der schweren Erkrankung von Toni Blankenheim erfahren, sonst hätte ich ihn noch im naheliegenden Waldkrankenhaus besucht. Ich sehe ihn noch gerne in einer Gesamtaufnahme des "Freischütz" mit Ernst Kozub und Gottlob Frick.


    Gruß Wolfgang


    Also, lieber Wolfgang, Jean Löhe und Horst Wilhelm schätze ich durchaus sehr hoch. Beide sangen in den 50er Jahren ja viel in der Städtischen Oper Berlin: Löhe als Ensemblemitglied Wilhelm meist als Gast aus Kassel. Von Löhe habe sogar ich die Gesamtaufnahme der "Perlenfischer", die ich immer wieder mal höre! Und von Wilhelm habe ich zwei LPs; unter anderem singt er da Puccini, den er - zumindest zu der Zeit - auf der Bühne sicher nicht gesungen hat, ganz ausgezeichnet! Als Rudolfo und Pinkerton singt der die Duette mit Lisa Otto, die nie soetwas auf der Bühne gesungen hat. Es ist mir immer wieder ein Vergnügen, diese schlanken und herrlich jugendlich klingenden Stimmen. in den Duetten zu hören, die meist mit größeren Stimmen assoziiert werden!


    Und Robert Schunk habe ich häufig im Wagner-Fach in München gehört. Er hat mich nie enttäuscht, aber auch nie vom Stuhl gerissen! Trotzdem schätze ich ihn als Siegmund in den Sawallisch-Aufnahme, die ich öfter mal wegen der Varady höre!


    Auch Matthias Hölle habe ich in verschiedenen Partien gehört. Vor allem ist er mir durch seine Mitwirkung auf verschiedenen Wagner-Aufnahmen von Barenboim wichtig geworden!


    Also ganz so ausschließlich, wie Du glaubst, bin ich nun auch wieder nicht auf einen kleinen Kreis von ganz herausragenden Sängern fixiert!


    Liebe Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Hallo!

    In einem anderen Zusammenhang kam heute auch Walter Geisler zur Sprache. In meiner Schallplattensammlung habe ich folgende Aufnahmen:


    Seine Recital-Platte bei der 'Eterna' (Katalognr. 7 20 046 / 25 cm) wurde hier zwar schon mehrfach erwähnt, aber nicht genau benannt. Hier die Einzelheiten: „Fidelio“ - Gott! Welch Dunkel hier... In des Lebens Frühlinmgstagen / „Der Freischütz“ - Nein, länger trag' ich nicht die Qualen... Durch die Wälder, durch die Auen / „Zar und Zimmermann“ - Lebe wohl, mein flandrisch' Mädchen / „Martha“ - Ach, so fromm, ach, so traut / „Carmen“ - Hier an dem Herzen treu geborgen / „Der fliegende Holländer“ - Willst jenes Tag's du nicht dich mehr entsinnen / Das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig / Dirigent: Horst Stein. (Aufgenommen ca. 1956).


    Der ebenfalls erwähnte „Lohengrin“-Querschnitt entstand 1958 für den 'Europäischen Phonoklub Stuttgart' mit Maud Cunitz (Elsa von Brabant), Alice Oelke (Ortrud), Walter Geisler (Lohengrin), Hellmut Gritzka (Friedrich von Telramund) und Peter Roth-Ehrang (Heinrich der Vogler) / Chor und Orchester der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Dirigent: Richard Kraus. Die Platte enthält folgende Ausschnitte: Vorspiel 1. Akt – Einsam in trüben Tagen... Du trugest zu ihm meine Klagen - Nun sei bedankt, mein lieber Schwan – Mein Herr und Gott, nun ruf' ich dich! – Euch Lüften, die mein Klagen – Gesegnet soll sie schreiten – Vorspiel 3. Akt – Treulich geführt ziehet dahin – Das süße Lied verhallt... Atmest du nicht mit mir die süßen Düfte... Höchstes Vertrau'n hast du mir schon zu danken – In fernem Land, unnahbar euren Schritten – Entsetzlich! Ha, der Schwan...Mein lieber Schwan! Ach, diese letzte traur'ge Fahrt / Veröffentlicht wurde die LP (30 cm) – eine der legendären Produktionen von Georg von Wysocki – unter dem Label 'Opera' (Katalognr. 1176) in mono und nach Übernahme von 'Bertelsmann' in stereo unter 'Baccarola' 77 039 ZR.


    Bisher nicht genannt wurde hier die Einspielung der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven mit Edith Lang, Maria von Ilosvay, Walter Geisler und Franz Crass. Artur Rother leitete die Hamburger Singakademie und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg. Die Aufnahme erschien 1959 beim 'Europäischen Phonoklub Stuttgart' unter 'Opera' mit den Nrn. 1181 (mono) und 1960 (stereo) .


    Es existiert auch ein Mitschnitt des „Freischütz“ mit Walter Geisler:


    „Der Freischütz“ (Weber). Ottokar – Gerhard Niese / Kuno – Erich Blasberg / Agathe – Anny Schlemm / Ännchen – Sonja Schöner / Max – Walter Geisler / Kaspar . Gerhard Frei / Ein Eremit . Herbert Rössler u. a. / Der Chor und das Orchester der Komischen Oper Berlin / Dirigent: Meinhard von Zallinger (Berlin, Komische Oper, 8. 11. 1955). Diese Inszenierung von Walter Felsenstein hatte am 9. 4. 1951 Premiere; es sangen Elfride Trötschel, Sonja Schöner, Walter Geisler und Gerhard Frei – der Dirigent war Heinz Gahlenbeck.


    Carlo

  • Und es begab sich, dass für eine Otello-Vorstellung der angesetzte Tenor kurzfristig absagte. Da sprang Walter Geisler ein, der die Partie auf Deutsch sang, während alle übrigen Italienisch parlierten. Die übrige Besetzung war herausragend, so dass der arme Geisler auf verlorenem Posten stand: Sena Jurinac als Desdemona und Tito Gobbi als Jago.


    Besonders apart war zu Beginn des 2. Aktes die Szene, wo Jago vor sich hin memorierte und so tat, als wäre ihm Otellos Auftritt nicht aufgefallen. Dieser (Walter Geisler eben) hörte sich Jagos Suada einige Zeit im Hintergrund stehend an, dann trat er an Gobbis Seite und fragte ihn: "Was sagst du"? Gobbi zuckte die Schultern und erwiderte, halb zu Otello gewandt: "Nulla!" Dass das Publikum in Gelächter ausbrach, war nicht verwunderlich - die Dramatik der Szene war restlos dahin.

    Das ist dermaßen köstlich, dass ich es noch einmal hervorheben will. :D Solche Geschichten schreibt das Leben, die kann man sich gar nicht ausdenken.


    Die besagte Vorstellung fand am 1. Mai 1964 statt.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Seine Recital-Platte bei der 'Eterna' (Katalognr. 7 20 046 / 25 cm) wurde hier zwar schon mehrfach erwähnt, aber nicht genau benannt. Hier die Einzelheiten: „Fidelio“ - Gott! Welch Dunkel hier... In des Lebens Frühlinmgstagen / „Der Freischütz“ - Nein, länger trag' ich nicht die Qualen... Durch die Wälder, durch die Auen / „Zar und Zimmermann“ - Lebe wohl, mein flandrisch' Mädchen / „Martha“ - Ach, so fromm, ach, so traut / „Carmen“ - Hier an dem Herzen treu geborgen / „Der fliegende Holländer“ - Willst jenes Tag's du nicht dich mehr entsinnen / Das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig / Dirigent: Horst Stein. (Aufgenommen ca. 1956).

    R-14315729-1572082991-8830.jpeg.jpg


    Diese Platte, die ich mal auf einem Flohmarkt erwarb, findet sich digitalisiert auch in meinem Bestand. Als ich sie mir jetzt wieder vornahm, stellte ich fest, dass er in der Szene des Florestan nur die Arie singt. Ich meine mich zu erinnern, dass mich das bereits bei der Übertspielung wunderte. Im Beilagezettel, den ich kopiere, ist es auch so vermerkt. Spiele die die Arie ab, so ist zunächst für fünf Sekunden das typische Abtastgeräusch einer gebrauchten Platte vernehmen. Kein Zweifgek also, ocju habe seinerzeit nicht abgeschnitten.


    Walter Geisler, Tenor


    1. Zar und Zimmermann: Lebe wohl

    2. Martha: Ach, so fromm

    3. Carmen: Hier an dem Herzen

    4. Der fliegende Holländer: Willst jenes Tages

    5. Der Freischütz: Nein, länger trag ich nicht

    6. Fidelio: In des Lebens Frühlingstagen

    Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin

    Dirigent: Horst Stein

    Eterna


    Fettung in Carlos Zitat stammt von mir.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rüdiger,


    ich habe mir gerade die obengenannte Platte - die ich schon lange nicht mehr auf dem Teller hatte - angehört: bei mir ist die 'Florestan'-Arie komplett, einschließlich des Orchestervorspiels zum zweiten Akt des "Fidelio"! Da muss wohl ein Fehler bei der Überspielung passiert sein. (Ausserdem stimmt die Reihenfolge Deiner Arien nicht mit der Platte überein: Seite A: "Fidelio" und "Der Freischütz" - Seite B: "Zar und Zimmermann", "Martha", "Carmen" und "Der fliegende Holländer". Und es spielt das Rundfunk-Sinfonie-Orchester in Leipzig!) Die Arien aus "Martha", "Carmen" und "Zar und Zimmermann" habe ich auch auf einer 'Eterna'-EP mit der Nr. 5 20 045.


    Walter Geisler muss wohl das gewesen sein, was man früher einen 'deutschen Gebrauchstenor' nannte: keine besonders individuelle Stimmfarbe, saubere Töne mit leichter Verengung in der Höhe, Gesang ohne 'Stauen' (was mich z. B. an Rudolf Schock so stört), sehr gute Textverständlichkeit. Er muss ein guter, glaubhafter Darsteller gewesen sein; kein Wunder bei der harten "Felsenstein"-Schule.


    Carlo

  • ... bei mir ist die 'Florestan'-Arie komplett, einschließlich des Orchestervorspiels zum zweiten Akt des "Fidelio"! Da muss wohl ein Fehler bei der Überspielung passiert sein.

    Merkwürd'ger Fall! Es gibt aber gelegentlich Seltsamkeiten. Bei der DDR-Eterna gab es mal einen Querschnitt durch Verdis "Macht des Schicksals" mit Hanne-Lore Kurse als Leonore. Bei der Auflage von Philips in der Bundesrepublik fehlte aus mir unerfindlichen Gründen die so genannte Einkleidungsszene "Die Himmelsjungfrau gnadenvoll den Mantel um mich breite". :(


    Wäre ich bei der Überspielung der Geisler-Platte vor vielen Jahren geistig weggetreten gewesen, dürfte es auch vor der Arie dieses unverwechselbare Geräusch nicht geben, das ein Platten von sich gibt bevor die Musik einsetzt. Zumal dann noch auffälliger zu vernehmen, wenn die Platte gebraucht ist. Sei's drum, ich werde wohl nun ohne das Rezitativ weiterleben müssen. ;)

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Geisler-Walter-03[B5DP].jpg


    Ich hörte heute in diese alte Platte, 1955 unter Leopold Ludwig mit dem Chor und Orchester der Hamburgischen Staatsoper eingespielt für Ducretet-Thomson:


    folderi5jx7.jpg

    Walter Geisler singt dort die Gralserzählung sowie das Preislied (der ebenfalls weitgehend vergessene Bassbariton James Pease steuert noch den Wahnmonolog bei).


    Die ganz große Poesie vermisst man bei Geisler, aber grundsolide ist das allemal. Vielleicht auch mehr. Dass er damit in den 1950er und 60er Jahren nur unter ferner lief, verwundert allerdings nicht. Heutzutage würde er womöglich mehr Anerkennung bekommen.


    Ich zitiere eine alte Rezension von 1957, die es recht gut auf den Punkt bringt:


    "Geisler has not perhaps all the lyrical flow required for Lohengrin or Walter, but he is an intelligent artist with a a sense of value of words and a good line."


    Der irdische Stolzing liegt ihm m. E. besser als der überirdische Lohengrin, wo ihm die Phantasie etwas abgeht.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die ganz große Poesie vermisst man bei Geisler, aber grundsolide ist das allemal. Vielleicht auch mehr. Dass er damit in den 1950er und 60er Jahren nur unter ferner lief, verwundert allerdings nicht. Heutzutage würde er womöglich mehr Anerkennung bekommen.

    Das trifft es. Ich habe den Eindruck, als sei der tüchtige, vielseitige und höchst zuverlässige Sängertyp vom Schlage Geisers ausgestorben. Das macht ihn mir immer noch sehr sympathisch. Und diese schöne alte Platte. Die hat inzwischen Seltenheitswert. Auch interessant wegen Please, dem man ja in den unterschiedlichsten Werken begegnet - von Britten bis Sullivan.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876