Der Musiker Gräber

  • Charlotte Huhn - * 15. September 1865 Lüneburg - † 15.Juni 1925 Hamburg


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    Zum heutigen Geburtstag von Charlotte Huhn


    Charlotte wurde als jüngstes von fünf Kindern in einfache Verhältnisse geboren; der Vater betrieb einen Friseur-Salon in der Grapengießerstraße 27 zu Lüneburg; starb aber früh, ein älterer Bruder Charlottes führte das Geschäft weiter.
    Bereits in der Schulzeit fiel Charlottes Stimme und auch ihre außergewöhnliche Musikalität auf. Hinzu kam noch ihr stattlicher Wuchs, also eine ideale Kombination für eine imposante Bühnenerscheinung.


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    Entscheidend für ihren Werdegang war, dass sie vom damaligen Oberbürgermeister Otto Lauenstein und Maria Gravenhorst gefördert wurde.
    Diese Maria Gravenhorst war eine in ihrer Zeit ungewöhnliche Frau, Gattin eines Rechtanwalts, der in Lüneburg etwas zu sagen hatte. Maria Gravenhorst wurde anlässlich eines Berlin-Aufenthalts nicht nur Kaiser Wilhelm I. vorgestellt, sondern hatte dort auch Kontakt mit den Operngrößen Albert Niemann und Pauline Lucca. Sie brachte dergestalt etwas Kultur in die Hansestadt Lüneburg, dass sie über einen repräsentativen Saal verfügen konnte, der zum Schönsten der Stadt gehörte. Hier fanden kulturell hochstehende Abende statt, die von der Dame des Hauses moderiert wurden; manchmal - so ist in alten Schriften zu lesen - ließ sie auch ihre »betörende Altstimme« bei solchen Veranstaltungen hören. Maria Gravenhorst wusste, dass es ihr zum Weltruhm nicht mehr reichen würde, setzte jedoch alles daran, dass ihre junge Mitbürgerin Charlotte Huhn diesen Status erreichen konnte. Bei den wohlhabenden und kunstverständigen Kreisen der Stadt setzte sich Marie Gravenhorst rührig dafür ein, dass für Charlotte Huhn ein Studium am Konservatorium in Köln möglich wurde.


    Dort studierte sie ab 1881 bei Karl Hoppe. Nachdem sie ihre Studien 1885 wohl außergewöhnlich erfolgreich beendet hatte - es ist überliefert, dass von 30 Schülern und Schülerinnen nur zwei das Reifezeugnis für Konzertgesang erhielten - trat sie zunächst als Konzertsängerin auf.
    1887 hatte sie das Bedürfnis ihre Studien zu vervollkommnen, ging nach Berlin und studierte bei Julius Hey und der großen Wagnersängerin Mathilde Mallinger. 1889 fühlte sie sich endlich reif für die Opernbühne und debütierte an der Berliner Kroll-Oper als Titelheld in Glucks »Orpheus und Eurydike«, wobei der Erfolg ganz außerordentlich war und sie nun unter den ersten Häusern wählen konnte, die ihr Angebote unterbreiteten. Charlotte Huhn wagte gleich einen großen Sprung und entschied sich für die Metropolitan Opera New York
    , wo sie in zwei Spielzeiten, also bis 1891 in 17 Rollen zu hören war. Zunächst sang sie am 27. November1889 dort in der Premiere von Wagners »Der Fliegende Holländer« die Partie der Mary. Die berühmteren deutschen Namen waren jedoch an der »Met« in jenen Tagen die von Lilli Lehmann und ihrem Gatten Paul Kalisch.
    Durch Gastspiele der »Met« in Chicago und Boston lernte Charlotte Huhn auch andere nordamerikanische Städte kennen. Nach Europa zurückgekehrt, studierte sie mit der sehr erfahrenen Altistin und Gesangspädagogin Marianne Brandt (*1842) in Österreich einige Wagner-Partien ein, welche dann Glanzpunkte ihrer Opernkarriere wurden.
    Als Konzertsängerin konnte man Charlotte Huhn während mehrerer Auftritte beim Elften Schlesischen Musikfest in Görlitz (in der Regel wird hier Breslau genannt) bewundern, das vom 7. bis 9. Julie 1891 unter der Leitung von Professor Dr. Franz Wüllner stattfand. Bezüglich der sechs im Programm genannten Gesangssolisten ist die Sängerin aus Lüneburg so angesagt:
    »Fräulein Charlotte Huhn, von der deutschen Oper zu New-York, Alt«. Und das Glanzstück durfte bei diesem Musikfest auch nicht fehlen: »Scenen aus Orpheus, 2. Akt ... Chr. W. von Gluck«, dargeboten von Fräulein Leisinger und Fräulein Huhn.


    Dass Fräulein Huhn anschließend ein Engagement am Opernhaus Köln annahm ist nicht verwunderlich, denn schließlich hatte sie in dieser Stadt studiert und der musikalische Leiter des Musikfestes, Professor Dr. Franz Wüllner, war eine Kölner Koryphäe. Bis 1895 sang sie in Köln recht erfolgreich, um dann jedoch einem Ruf der Hofoper Dresden zu folgen, wo Ernst von Schuch wirkte.
    Dort kam sie mit August Bungerts Tetralogie »Homerische Welt« in Berührung und sang in der Uraufführung von »Kirke« und »Nausikaa«.
    Wenn man auf Kritiken stößt, welche über die Konzertsängerin Charlotte Huhn berichten, dann liest sich das meist recht positiv. So würdigt Eberhard Bernsdorf, ein damals namhafter Kritiker der Fachzeitschrift »Signale für die Musikalische Welt«, die Künstlerin in einem Konzert, das im Oktober 1898 im Leipziger Gewandhaus stattfand, dass sie bei Schuberts »Erlkönig« den verliehenen dramatischen Schwung und das wohlgetroffene Auseinanderhalten der Charaktere des Liedes bewundernswürdig dargestellt hat. Auch als Charlotte Huhn an gleichem Ort als Zugabe »Das Meer hat seine Perlen«, eine Liedkomposition von Robert Franz, nach einem Text von Heinrich Heine sang, wurde von der Empfindungswärme ihres Vortrags sowie der Sonorität und trefflichen Behandlung Ihrer umfangreichen Alt- beziehungsweise Mezzo-Sopranstimme sehr lobend berichtet.
     
    Als Charlotte Huhn sich 1902 nach München wandte, um dort an der Hofoper zu singen, währte ihr Engagement bis zum Jahr 1906. In München wirkte sie bei der Uraufführung der Oper »Le donne curiose«, einem Lustspiel von Emanno Wolf-Ferrari, am 27. November 1903 mit. Neben diesen Festengagements gab Charlotte Huhn natürlich auch Gastspiele an den Hofopern Wien, Berlin. Mannheim ...
    Und sie war auch in Holland, Schweden, Dänemark und Norwegen zu hören und schließlich zog es sie auch noch nach Brasilien und Argentinien, was so eine Art »Auszeit« gewesen sein soll.
    Charlotte Huhn konzentrierte sich etwa ab 1906 auf ausgesuchte Gastspiele, wo sie immer noch eindrucksvoll ihr Können darzubieten vermochte. Leider lehnte sie die Aufnahme ihrer Stimme ab, was ja zu ihrer Zeit durchaus möglich gewesen wäre. Sie wandte sich nun zunehmend auch pädagogischen Aufgaben zu. So gründete sie in Köln ihre eigene Gesangsschule, bekam aber die Leitung des gesamten Gesangswesens der großherzoglichen Hochschule für Musik und Gesang in Weimar angeboten, eine interessante Position, die sie jedoch nach drei Jahren wieder abgab, um in Berlin wieder unter eigener Regie eine eigene Gesangsschule zu führen.
    Die beste Zeit hatte Charlotte Huhn nun hinter sich; mit einem ihrer Schüler, einem Tenor, trat sie in ein so enges Verhältnis, dass sie ihn und seine junge Familie, auf deren Leben kein Segen ruhte, in all dem Kummer und Elend begleitete. In Hamburg, wo sie in einem letzten Versuch nochmal eine Gesangsschule gegründet hatte, starb sie mit 59 Jahren - wie es heißt, nach einer missglückten Stimmbandoperation.


    Nach ihrem Tode erschien im Sonntagsblatt der Lüneburgischen Anzeigen am 13. Juni 1926 ein Nachruf:


    »An einer schönen Stelle im ältesten Teil des Michaelisfriedhofes ist nun das Grabmal Charlotte Huhns errichtet. Dunkle Bäume bilden einen wirkungsvollen Hintergrund für des schimmernde Weiß des Granits, und prächtig hebt sich von diesem die Bronze des Bildnisses und der Urne ab. Die drei auf dem Deckel des Aschekruges eingravierten Namen verkünden mit der in Gold aus dem Hell des Denkmals leuchtenden Inschrift, dass hier eine der großen musikdramatischen Bühnengestalterinnen von ihrer Erdenpilgerung ausruht und dass die Pilgerung ehrenvoll war ...«


    Auf dem Deckel der Schmuckurne ist zu lesen: Fides - Orpheus - Ortrud; diese Inschrift würdigt die herausragenden Stationen ihres Lebens als Bühnenkünstlerin. Die Fides in Meyerbeers »Der Prophet«, als Titelheld in »Orpheus und Eurydike« von Gluck und aus ihrer Zeit an der Metropolitan Oper New York als Ortrud in Wagners »Lohengrin«.


    Praktischer Hinweis:
    Michaelisfriedhof in 21339 Lüneburg, Lauensteinstraße 41
    Das Grab befindet sich im Feld A, das ist nahe am Eingang, man wendet sich bei der Kapelle nach rechts.

  • Carl Amand Mangold - * 8. Oktober 1813 Darmstadt - † 4. August 1889 Oberstdorf


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    Zum heutigen Geburtstag von Carl Amand Mangold


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    Hinter diesem Namen verbirgt sich ein großartiges Musikerleben und C. A. Mangold war zu seinen Lebzeiten eine hochgeachtete Musikerpersönlichkeit. Er schrieb einige Opern und Oratorien, aber auch Lieder und Ballettmusik und wirkte viele Jahrzehnte in Darmstadt als unermüdlicher Chordirigent.
    Wenn Mangolds Oratorien wie »Frithjof« oder die »Hermannsschlacht« aufgeführt wurden, saßen da schon mal 155 Mann im Orchester, aber heutzutage sind solche Dinge nicht mehr en vogue, wenngleich sein 1859 komponiertes Oratorium »Abraham« noch als CD-Aufnahme zur Verfügung steht.


    Von Geburt an war Carl Ludwig Amand - so seine exakten Vornamen - von Musik umgeben. Ursprünglich kam die Familie aus dem nahen Odenwald nach Darmstadt. Die Musiktradition der Mangolds reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, da waren Türmer und Stadtmusikanten, Sänger, Dirigenten, Kantoren ...
    Nun gab es in Darmstadt einen Großherzoglichen Hof, an dem musiziert wurde. Der Vater von Carl Amand, Großherzoglicher Hofmusikdirektor und Hofkapellmeister Georg Mangold, musste seinen Sohn nicht alleine in die musikalischen Kenntnisse einweisen, denn da war noch der ältere Bruder Wilhelm Mangold, ebenfalls Hofkapellmeister, und seine Schwester, die Sängerin Charlotte Mangold, immerhin Schülerin bei Carl Maria von Weber und Giacomo Meyerbeer, die dem kleinen Nachkömmling - er war der letzte der vierzehn Kinder - zeigen konnten wie Musik funktioniert.


    Als Carl Amand 1834 nach London reiste, lernte er dort Händels Oratorien kennen und bei seinem späteren Schaffen lag der Schwerpunkt seiner Kompositionen in der Vokalmusik.
    Als Vater Georg Mangold 1835 starb, trat Carl Amadeus in Darmstadt erstmals als Sänger auf, war aber auch als Violinspieler solistisch zu hören und führte eigene Kompositionen auf.
    In den Jahren 1836 bis 1839 studierte er am Pariser Konservatorium, das damals von Luigi Cherubini geleitet wurde. In Paris kam er mit den bedeutenden Musikern seiner Zeit - Frédéric Chopin, Franz Liszt, Hector Berlioz, Giacomo Meyerbeer, Jacques Fromental Halévy ... in Kontakt und trat auch schon als Dirigent und Komponist hervor.
    Zudem stand er in seiner Pariser Zeit auch mit Robert Schumann in Verbindung, den er für dessen »Neue Zeitschrift für Musik« mit Berichten aus dem Musikleben der französischen Hauptstadt versorgte. 1839 kehrte er dann wieder nach Deutschland zurück, weil sich eine ursprünglich geplante Einbürgerung nicht verwirklichen ließ.


    1841 wurde Mangold am Hoftheater Darmstadt als Korrepetitor angestellt, und in dieser Theaterluft entstand nun seine erste Oper »Das Köhlermädchen«; die Uraufführung war 1843.
    Im gleichen Jahr wurde auch sein erstes Oratorium »Wittekind oder der Sieg des Glaubens« aufgeführt.
    Interessant ist nun, dass sich sowohl Richard Wagner als auch Carl Amand Mangold fast zeitgleich mit dem gleichen Stoff für eine Oper beschäftigten, die Titel unterscheiden sich nur geringfügig - Mangold komponierte »Tanhäuser« und Wagner die Oper »Tannhäuser«.
    Die beiden Herren hatten von der Parallelität ihrer Arbeit keine Ahnung; Mangold begann seine Komposition am 8. Oktober 1843, Wagners Arbeitsbeginn war erst im November 1843. Allerdings vollendete Wagner seinen »Tannhäuser« bereits am 29. Dezember 1844 und Mangold setzte den Schlusspunkt zu seinem »Tanhäuser« erst eine Woche später, am 6. Januar 1845.
    Bei Mangolds Werk hatte der Textdichter - Eduard Duller - die Sage vom Getreuen Eckert herausgearbeitet und nicht den Sängerkrieg; Mangolds Librettist stellt die Geschichte des Minnesängers Heinrich von Ofterdingen in den Mittelpunkt.
    Mangolds »Tanhäuser« wurde mehrmals erfolgreich aufgeführt, in der »Neuen Zeitschrift für Musik« sah der Rezensent A. Müller1848 das Werk so:


    »In Darmstadt ist vor Kurzem ein Werk eines jungen deutschen Componisten zum vierten Male über die Bühne gegangen, welches so viel des Schönen enthält, daß es wohl verdient, bekannt und verbreitet zu werden; es ist die Oper: Tanhäuser von C. A. Mangold, Gedicht von Eduard Duller. Der Handlung liegt eine bekannte Sage vom dem Ritter Tanhäuser in Thüringen und dem Hörselberge zum Grunde. Der Componist hat in der Ouvertüre einen wirkungsvollen Anfang der Oper hervorgerufen und damit, so wie in dem ganzen Werke eine große Instrumental-Kenntnis und einen sehr richtigen Tact in der Verwendung der musikalischen Mittel an den Tag gelegt, welche uns zu wahrer Anerkennung und Bewunderung auffordern müssen. Die Hauptcharaktere der Oper: Tanhäuser, Innigis und Eckhard, sind in allen Situationen so wahr und trefflich gezeichnet, daß sie ihre große Wirkung nicht leicht verfehlen können. Namentlich sind hervorzuheben: die Romanze Tanhäusers im Hörselberge - die beiden Arien der Innigis - die Romanze des treuen Eckhard vor dem Hörselberge und das gleich darauf folgende Gebet (Tanhäuser, Innigis, und Eckhard), als Terzett ohne Instrumentalbegleitung behandelt. Die Parthie des Patriarchen Urban ist, besonders anfangs, so würdevoll gehalten, und ihm solch schöne versöhnende Cantabiles von trefflichen Chören unterstützt, in den Mund gelegt, daß die Behandlung des Actes gewiß großes Lob verdient. Der beiden Pilger-Chöre muß ich noch extra gedenken; auch sie zeugen von der Kraft und dem Talente des Componisten, das Beste zu leisten. Und so will ich denn mein Referat über diese Oper mit dem Bemerken schließen, daß der Componist Hoffnung hat, es baldigst auf einer der allerersten Bühnen Deutschlands zur Aufführung zu bringen. Wir wünschen ihr dort, so wie überall, das Glück, das die Oper verdient, und daß sie auch bei uns in reichem Maße gefunden hat. Die letzte dicht bedrängte Vorstellung, welche vom Componisten selbst geleitet wurde, war aber noch abgerundeter als die früheren, und ließ beinahe nichts zu wünschen übrig«.


    Die gute Besprechung und die guten Wünsche des Rezensenten halfen wenig, Mangolds »Tanhäuser« eroberte die großen Bühnen nicht, sowohl in Leipzig als auch in Berlin waren die Theaterdirektoren mit Wagner befreundet und wussten es einzurichten, dass Mangolds »Tanhäuser« außen vor blieb.


    Privat war es für Carl Amand Mangold in dieser Zeit besser gelaufen; im Herbst 1844 heiratete er die Tochter des Großherzoglichen Hessischen Ministerpräsidenten. Mangold hatte nun Zugang zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft und die damals sehr berühmte Sängerin Jenny Lind trug oft in ihren Konzerten Mangolds »Zwiegesang« vor, es war eines von mehr als 300 Sololiedern, die Mangold komponierte.
    1848 wurde Carl Amand Mangold zum Hofmusikdirektor ernannt. Neben seinen Oratorien, die sehr erfolgreich waren und dem Zeitgeist entsprachen schuf er das Ballett »Dornröschen« und das Singspiel »Die Fischerin«.
    Auch nach seiner Pensionierung 1869 war Mangold immer noch viele Jahre als Chorleiter und Komponist tätig und hatte in der Fachwelt einen guten Namen. Aber berühmter wurden Verdi und Wagner, die ebenfalls 1813, also wie Mangold, geboren waren.
    Carl Amand Mangold hielt sich im August 1889 zu einem Erholungsurlaub in Oberstdorf im Allgäu auf, wo ein Herzinfarkt seinem Leben ein Ende setzte.


    Praktische Hinweise:
    Das Grab der Musikerfamilie Mangold befindet sich auf dem Alten Friedhof in 64285 Darmstadt, Herdweg 105. Man geht vom Eingang aus etwa 100 Meter geradeaus und findet dann die relativ große Grabanlage rechts des Weges.
    Auf diesem Friedhof befinden sich auch die Gräber der Sängerin Erika Köth und des Komponisten Friedrich von Flotow (siehe Beitrag #84).

  • Lieber hart, wieder einer Deiner Friedhofsbesuche, bei dem man Dich sehr, sehr gern begleitet. Danke. Ein diskreter Hinweis sei mir erlaubt. Vielleicht möchtest Du ja den zweiten Vornamen von Mangold, Amand, durchgängig verwenden. Die Autokorrektur spielt auch mir bei solch seltenen Namen gern Streiche.


    Mangolds »Tanhäuser« wurde mehrmals erfolgreich aufgeführt ...

    In neuer Zeit gab es übrigens eine Aufführung in Annaberg-Buchholz. Die Kritik des Online-Merker findet sich noch im Netz.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Vielleicht möchtest Du ja den zweiten Vornamen von Mangold, Amand, durchgängig verwenden

    Lieber Rheingold,
    Dein Hinweis war dringend notwendig, denn ich hatte schon vorher das vage Gefühl da irgendwas falsch gemacht zu haben - danke!

  • Auf der Suche nach Material über Egeon Wellesz fand ich den Hinweis auf sein Grab in Wien und habe die Gelegenheit zu einem virtuellen zu den Gräbern von Musikern unternommen, die sich auf dem Wiener Zentralfriedhof befinden. Anbei Orientierungskarte, die behilflich sein kann bei Suche nach Grabstätten

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    Ich fand dort außerdem die Gräber folgender Musiker (Komponisten, Sänger, Dirigenten, Instrumenbauer) geordnet nach Todesjahr bis 1991.


    Christoph Willibald von Gluck (1714-1787) (32A-49).

    Ludwig van Beethoven (1770–1827) (32A-29).

    Franz Schubert (1797–1828) (31A-28).

    Hans Rott (1858–1884) (23-2-59).

    Franz von Suppe (1819–1895) (32A-31).

    Johannes Brahms (1833–1897) (32A-26).

    Carl Zeller (1842–1898) (47B-G1-9).

    Johan Jr. Strauss (1825–1899) (32A-27).

    Carl Millöcker (1842–1899) (32A-35).

    Wilhelm Jahn (1835-1900) (0-1-26).

    Hugo Wolf (1860-1903) (32A-10).

    Anton Rückauf (1855-1903) (32A-12).

    Max Josef Beer (1851–1908) (72D-G1-31).

    Leopold Demuth (1861-1910) (33H-7-7).

    Josef Bayer (1852-1913). (0-1-66).

    Karl Goldmark (1830-1915) (52A-1-13).

    August Stoll (1853-1918) (59-A-8-23).

    Ludwig Bösendorfer (1835-1919) (17B-G1-10).

    Natalie Bauer-Lechner (1858-1921) (59B-G1-21).

    Karl Michael Ziehrer (1843-1922) (32C-1).

    Heinrich Berte (1858-1924) (59A-6-16).

    Ferdinand Löwe (1863-1925) (31B-13-9).

    Rudolf Pichler (1856-1925) (84-10-41).

    Karl Horwitz (1884-1925) (41-B-G1-36).

    Grafin Maria Misa von Wydenbrück-Esterhazy (1859-1926). (55-B-23).

    Gerhard Stehmann (1866-1926) (17-1-22).

    Franz Neidl (1855-1926) (120-5-22).

    Robert Fuchs (1847-1927) (33E-3-5).

    Hermann Theodor Gradener (1844-1929) (47F-12-7).

    Selma Kurz (1874-1933) (14C-8).

    Mathilde Fröhlich (1865-1934) (67-44-86).

    Wilhelm Kienzl (1857-1941) (32C-20).

    Alexander von Zemlinsky (1871-1942) (33G-71).

    Margaretha Rita Merlitschek-Michalek (1875-1944) (160-10-55).

    Hans Pfitzner (1869-1949) (14C-16).

    Arnold Schönberg (1874-1951) (32C-21A).

    Joseph Marx (1882-1964) (32C-29).

    Grete Wiesenthal (1885-1970) (55-A-13).

    Egon Wellesz (1885-1974) (32C-38).

    Robert Stolz (1880-1975) (32C-24).

    Lotte Lehmann (1888-1976) (32C-49).

    Ernst Krenek (1900-1991) (33G-1).

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Lieber Orfeo,

    zu Deinem Plan sollte man noch hinzufügen, dass sich das von Dir gezeigte Grab in der Gruppe 32 C befindet. Diese Gräbergruppe liegt links des Hauptweges.


    Die Fremdenführerin Hedwig Abraham, die auch Prominentengräber auf dem Wiener Zentralfriedhof beschreibt, bezeichnet in ihrem Beitrag Egon Wellesz als Schriftsteller, was diesem Mann nicht ganz gerecht wird.


    Schließlich war er Komponist und Privatschüler von Arnold Schönberg und verfasste 1920 die erste Monographie Schönbergs; Egon Wellesz war ein geachteter Musikwissenschaftler, was vielleicht dazu führte, dass er als Schriftsteller bezeichnet wird, was ja auch nicht falsch ist. Als Musikwissenschaftler beschäftigte er sich ganz besonders mit der italienischen Oper und byzantinischer Musik.
    Im Mai 1921 fand die Uraufführung seiner Oper »Die Prinzessin Girnara« gleichzeitig an zwei Opernhäusern statt - in Frankfurt und Hannover, 1924 folgte die Oper »Alkestis«, UA in Mannheim und »Die Bakchantinnen«, UA am 20. Juni 1931in Wien.


    Egons Interesse an Musik wurde früh geweckt; der Siebenjährige begann mit dem Klavier, und hörte als Vierzehnjähriger Gustav Mahler dirigieren, was den jungen Mann stark beeindruckte.
    Das von den Eltern gewünschte Jurastudium war von kurzer Dauer, recht bald wechselte Egon Wellesz zur Musikwissenschaft und war von 1929 bis 1938 Professor an der Universität Wien.
    1938 hatte er Österreich verlassen und ging nach England, wo er ein hochangesehener Musikwissenschaftler und Lehrer war und 1946 britischer Staatsbürger wurde.
    Dass er aber auch komponierte, zeigt ein Werkkatalog von 112 Opus-Nummern, darunter 6 Opern, 4 Ballette, 9 Symphonien, 8 Streichquartette, Konzertstücke für Klavier, Violine, Lieder, Chorwerke ...

  • Hab Dank für diesen, den vorangehenden ergänzenden und Egon Wellesz betreffenden Beitrag, lieber hart.

    Egon Wellesz ist mir, der ich gerade bis zum Hals in der Wiener Moderne stecke, wohl bekannt, und er verdient, wie ich finde, eine ihn in seiner historischen Bedeutung hervorhebende Beachtung.

    Ihm ist ja hier im Forum, völlig zu Recht, ein eigener Thread gewidmet: Egon Wellesz: Die Sinfonien und alles andere auch