Hans Swarowsky (16.09.1899 - 10.09.1975)

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    Geboren wurde er in Budapest,gestorben ist er in Salzburg.


    Er war mit Anton Webern und Richard Strauss befreundet und arbeitete am Libretto zu dessen Oper "Capriccio" mit.


    1945-46 war er GMD Stuttgart,von 1946-1947 war er Chefdirigent der Wiener Symphoniker,1957-59 Chefdirigent des Scottish National Orch. Edinburgh und ab 1959 ständiger Dirigent an der Wiener Staatsoper.


    1946-1975 war er Dirigentenlehrer an der Wiener Musikakademie,wo er zahlreiche bis heute bekannte Dirigenten ausbildete, darunter Claudio Abbado, Adam und Iván Fischer, Mariss Jansons, Jesus Lopez-Cobos, Zubin Mehta, Heinrich Schiff, Giuseppe Sinopoli, Bruno Weil.


    Von seinen zahlreichen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen haben es nur wenige auf CD geschafft.
    Der Schallplatten- und CD-Sammler muß berücksichtigen, dass Alfred Scholz (alias Henry Adolph, Dirigent) Tonaufnahmen produzierte und mit dem Namen Hans Swarowsky als Dirigent veröffentlichte, wo nicht sicher ist, dass Swarowsky tatsächlich dirigierte. Viele der Ausführenden sind Pseudonyme. Süddeutsche Philharmonie(South German Philharmonic), Stuttgarter Kammerorchester,Südwest-Studioorchester, Philharmonia Slavonica, Mozart Festival Orchestra u.a.



    1968 spielte er den kompletten Ring des Nibelungen von Richard Wagner ein, eine CD-Neuauflage erschien Mitte 2013.

    mfG
    Michael

  • Lieber Schneewittchen (das liest und schreibt sich irgendwie merkwürdig ;) ),


    danke für die Erinnerung an einen sehr bekannten Dirigentenlehrer, aber viel zu wenig bekannten Dirigenten.
    Du hast ja schon auf eine spezielle Problematik hingewiesen. Nicht bei allem, bei dem "Swarowsky" draufsteht ist offenbar auch "Swarowsky" drin. Ich selbst besitze eine Gesamtaufnahme der Brahms Sinfonien, die ich für insgesamt sehr gelungen halte und die angeblich von Hans Swarowsky und der Süddeutschen Philharmonie stammt.



    Aber selbst wenn es authentische Swarowsky-Aufnehmen gibt, sind diese schwer erhältlich, aber immer wert, nach ihnen zu suchen.


    Mahlers 5. Sinfonie ist zum Beispiel eine sehr hörenswerte Alternative:



    Zitat von mir vom 14. Juli 2007:

    Zitat

    Hans Swarowsky dirigiert Mahlers 5. Zu unrecht ist Swarowsky fast ausschließlich als Professor für Dirigieren und nicht als Dirigent bekannt. Höreindruck nach zwei Sätzen: Welch intensiver und detaillierter Mahler. Dazu noch antiphonale Aufstellung der Violinen, wunderbar.


    oder vom 28.Juli 2007:

    Zitat

    Mit über 77 Minuten handelt es sich um eine sehr langsame, aber keinesfalls langweilige Einspielung. Im Gegenteil, auch der "Mahler-Kenner" entdeckt dort einige Details, die er so sehr selten zu hören bekommt. Beeindruckend ist die Intensität, mit der Swarowsky musizieren ließ.


    Du erwähntest bereits Swarowskys neu aufgelegten "Ring". Zeitgleich entstand auch der "Lohengrin", der es ebenfalls wert ist genannt zu werden:



    An nur drei Tagen wurde die gesamte Oper aufgenommen, aber dank der immensen Kompetenz des weitgehend unbekannten Sängerensembles (Leonore Kirschstein, Ruth Hesse, Herbert Schachtschneider, Heinz Imdahl, Otto von Rohr und Hans Helm) und des werkdienlichen, unaufdringlichen Dirigats von Swarowsky entstand nicht nur für mich eine der schlüssigsten Interpretationen des romantischen Werkes.


    Amazon teilt mir gerade mit, daß ich auch diese Aufnahme besitze:



    Die müsste ich allerdings noch einmal hören, um sie detailliert beurteilen zu können...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Untrennbar mit dem von Norbert oben erwähnten "Lohengrin" ist ja die erste zusammenhängende Studioaufnahme von Wagners "Ring" durch Swarowsky im August 1968.



    Da ließe sich allein ja schon ein Buch darüber zu schreiben - irgendwie hat dieser "Ring" seinen Platz in der Schallplattengeschichte gefunden - durch die gleichzeitige Zerschlagung des "Prager Frühlings" duch die Truppen des Warschauer Pakts im August 1968.


    Auf CD gab es den Ring m.W. seit Ende 1995 - ich habe mein Exemplar im Dezember 1995 im "Weltbild"-Shop in der Düsseldorfer Friedrichstraße erworben (DM 99.00).
    Amazon gibt an, seit Februar 1996 die Box im Sortiment zu haben:



    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo,


    Hans Swarowsky ist m.E. das typische Beispiel für einen "Conductor´s Conductor", der bei seinen Fachkollegen sehr angesehen, aber dem breiten Publikum weniger bekannt war. Sein Ring ist -ungeachtet der teiweise chaotischen Umstände bei seiner Aufnahme- eine echte Entdeckung und braucht den Vergleich mit den übrigen prominenten Aufnahmen nicht zu scheuen.


    Viele Grüße
    Joachim Schneider

    "Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

  • Auch ich habe zu seinem heutigen Todestag aus meiner Sammlung den prachtvollen Ring ausgesucht:






    Heute ist Hans Swarowskys 40. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Und heute ist sein Geburtstag, zu dem mein vorheriges Posting wohl noch ausreicht.


    Heute ist die 116. Wiederkehr seines Geburtstages.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Sehr empfehlenswert ist diese Box mit elf CDs des Labels Profil / Edition Günter Hänsslerer, die Hans Swarowskys Wirken als Dirigenten zeigt.

    Die Auswahl belegt, weshalb er als bedeutender Dirigent zu gelten hat.


    In Beiträgen 1 und 2 ist erwähnt, dass es schwierig sei, an authentische Aufnahmen des Dirigenten Hans Swarowsky zu kommen. Diese Edition schliesst diese Lücke.


    Informativ ist die siebenseitige historische Einordnung, die Manfred Huss und Reinhard Kapp vornehmen. Einige erwähnte Fakten:


    Sinfonien Haydns nahm er auf, als dieser Komponist nicht in den Konzertprogrammen erschien.


    Der genaue Blick in die Partitur war ihm wichtig. Die originalen Partituren von Beethoven und Schubert beachtete er und korrigierte überkommene falsche Angaben in den Partituren.


    Mit Friedrich Gulda hat er Mozart Klavierkonzerte aufgenommen und Parameter der historisch informierten Interpretationspraxis berücksichtigt, als dies noch nicht üblich war. Mit Nikolaus Harnoncourt hatte er intensive Gespräche geführt.


    Gustav Mahlers 3. Sinfonie lag ihm am Herzen. Er führte als erster die mahlerschen Sinfonien für das Radio integral auf. Als Knabe sang er in der Sinfonie der Tausend mit.


    Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Hans Swarowsky Werke Arnold Schönbergs als erster auf die Konzertprogramme. Sie waren ihm Bekenntnis.


    Richard Wagners Der Ring des Nibelungen nahm er auf. In Beitrag 3 erfährt man in der Produktinformation, weshalb dieses Aufnahmeprojekt eine einmalige Geschlossenheit besitzt.


    Wenig bekannte Musiker bevorzugte er vor bekannten Namen, wenn sie ihn musikalisch überzeugten.


    Mit Richard Strauss hat er eng zusammengearbeitet.


    Generationen von Dirigenten hat er sein Wissen vermittelt. 17 Namen sind im Booklet aufgeführt.


    Claudio Abbado schreibt über Hans Swarowsky: "Unvergesslich bleiben seine fanatische Ehrlichkeit gegenüber jeder Partitur und sein tiefes Wissen, seine ausdauernde Geduld beim Erklären der Werke. Er versuchte immer, neue Wege zu zeigen, um eine Partitur zu analysieren ... Jeder von uns hat sich dann in eine andere Richtung entwickelt, jeder hat seinen persönlichen Stil ausgebaut, aber die musikalische Basis blieb bei allen erhalten."


    * * * * *


    Eine persönliche Bemerkung: Mit seiner Interpretation der beiden Schubert-Sinfonien hat er mich begeistert.


    Joseph Haydn: Symphonien Nr. 70, 93, 100

    Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzerte Nr. 21 & 27 (*); Serenade Nr. 13 "Eine kleine Nachtmusik"

    Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 3; Die Geschöpfe des Prometheus-Ouvertüre op. 43; Große Fuge op. 133 (Orchesterversion von Felix Weingartner)

    Franz Schubert: Symphonien Nr. 8 & 9

    Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzert op. 64 (+); Konzert E-Dur für 2 Klaviere & Orchester (%)

    Gustav Mahler: Symphonie Nr. 3 (")

    Arnold Schönberg: Kol Nidre op. 39 für Sprecher, Chor & Orchester; 6 Orchesterlieder op. 8; Ein Überlebender aus Warschau op. 46 für Sprecher, Männerchor & Orchester

    Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2; Ungarische Tänze Nr. 1-3, 5

    Richard Strauss: Till Eulenspiegel op. 28; Einleitung & Walzer aus Der Rosenkavalier; Waldszene aus Intermezzo; Schleiertanz aus Salome

    Richard Wagner: Rienzi-Ouvertüre; Lohengrin-Vorspiele zum 1. & 3. Akt; Meistersinger-Vorspiel; Tannhäuser-Ouvertüre; Tristan und Isolde-Vorspiel; Parsifal-Vorspiel

    Johann Strauss II: Der Zigeunerbaron-Ouvertüre; Vergnügungszug; Geschichten aus dem Wienerwald; Freikugeln; Csardas; Frühlingsstimmen; Kaiserwalzer

    Josef Strauss: Ohne Sorgen; Du und du



    Das sind die Musiker und Musikerinnen sowie Orchester dieser Aufnahmen:


    Friedrich Gulda *, Ivry Gitlis +, Orazio Frugoni %, Eduard Mrazek %, Sona Cervena ", Wiener Akademie Kammerchor, Akademie Kammerorchester Wien, Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Wiener Symphoniker, Orchester der Wiener Staatsoper, Radio-Symphonie-Orchester Berlin

    Es gibt ein Leben vor dem Tode.

  • hallo moderato,


    als Neuling dachte ich jetzt, warum ein Beitrag über Hans Swarowsky, und staunte nicht schlecht, als ich sah, dass zu diesem Dirigenten hier bereits viele Beiträge zu sehen sind. darunter sehr lesenswerte! danke dafür.


    Gruß Bernd

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Hans Swarowsky hatte eine noble Gesinnung. Ich verweise auf den Spiegel-Artikel in Beitrag 7.


    Auf der Seite der Wiener Staatsoper, die eine Ausstellung zu Hans Swarowsky 2018 zeigte, liest man diese Zeilen:


    "Der Wiener Staatsoper selbst war er über Jahrzehnte intensiv verbunden – neben Dirigenten und Korrepetitoren profitierten zahllose Sängerinnen und Sänger dieses Hauses von seinen Erfahrungen und Unterweisungen (mittellosen Künstlern bezahlte er übrigens aus eigener Tasche die Kosten von diversen Meisterkursen)."


    Anmerkung: Unterstreichung durch moderato

    Es gibt ein Leben vor dem Tode.

  • Hans Swarowsky hatte eine noble Gesinnung. ich verweise auf den Spiegel-Artikel in Beitrag 7.


    Auf der Seite der Wiener Staatsoper, die eine Ausstellung zu Hans Swarowsky 2018 zeigte. liest man diese Zeilen:


    "Der Wiener Staatsoper selbst war er über Jahrzehnte intensiv verbunden – neben Dirigenten und Korrepetitoren profitierten zahllose Sängerinnen und Sänger dieses Hauses von seinen Erfahrungen und Unterweisungen (mittellosen Künstlern bezahlte er übrigens aus eigener Tasche die Kosten von diversen Meisterkursen)."

    ...den habe ich natürlich bereits gelesen. In der Tat, sein Einsatz für Menschen jüdischen Glaubens im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte ist bemerkenswert!

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

  • "Der Wiener Staatsoper selbst war er über Jahrzehnte intensiv verbunden – neben Dirigenten und Korrepetitoren profitierten zahllose Sängerinnen und Sänger dieses Hauses von seinen Erfahrungen und Unterweisungen (mittellosen Künstlern bezahlte er übrigens aus eigener Tasche die Kosten von diversen Meisterkursen)."


    Anmerkung: Unterstreichung durch moderato

    In meinem Wiener Semester (Motto: Oper statt Bibel) habe ich ihn oft am Pult in der Staatsoper erlebt

    Da wusste man immer, dass da nichts schief gehen würde. Auch bei der Soldateska (na gut, Stehplatzhirsche im 5. Rang) war er sehr beliebt

    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Ein gewichtiges Werk über den Dirigenten Hans Swarowsky haben Markus Grassl und Reinhard Kapp im Böhlau-Verlag 2022 herausgegeben.


    Der Dirigent Hans Swarowsky (1899–1975): Musik, Kultur und Politik im 20. Jahrhundert


    Auf über 1000 (!) Seiten sind Artikel vereinigt, die musikwissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Eine aufschlussreiche Lektüre, die diesen vom öffentlichen Interesse und den Schallplattenfirmen vernachlässigten Dirigenten würdigen.


    Bei Google Books kann man eine 211seitige Vorschau lesen.


    Es gibt ein Leben vor dem Tode.