Valerie Bak

  • Liebe Melomanen,


    die Pionierarbeit, die der deutsche Rundfunk bei der musikalischen 'Volksbildung' geleistet hat, wird heutzutage kaum gewürdigt, wahrscheinlich auch, weil dieses Medium im Alltag der Menschen seine ursprüngliche dominante Rolle längst an das Fernsehen und das Internet verloren hat.


    Erst mit Einführung der Langspielplatte (in der BRD seit 1952) war es möglich, komplette Bühnenwerke für den 'Hausgebrauch' zu konservieren; Tonbandgeräte in privatem Besitz zwecks Mitschneiden von Radiosendungen waren damals sehr selten. Während der Rundfunk schon seit den 30er Jahren über ein umfangreiches Archiv an Tonaufnahmen verfügen konnte, musste die Schallplattenindustrie erst einen entsprechenden 'Katalog' vollständiger Opern und Operetten aufbauen und bevorzugte natürlich gängiges, gut verkaufbares Repertoire. Der Nachkriegs-Rundfunk war von solchen Marktstrategien nicht abhängig und konnte so auch abgelegene Werke berücksichtigen, insbesondere solche, die im Dritten Reich boykottiert wurden.


    Dafür benötigte man aber auch Sänger, die bereit waren, für wenig Geld und kaum Aussicht auf weitreichende Popularität ihre Partien speziell nur für diesen einen Zweck zu lernen. Denn die Aufnahmen wurden - bedingt durch die großflächige Aufteilung des westdeutschen Rundfunks in ursprünglich sieben Sendegebiete - nur ein paar Mal im lokalen Bereich gebracht, selten wurden Produktionen unter den Sendern ausgetauscht. Auch war der überregionale Mittelwellenempfang einzelner Sender trotz Antennenverstärkung bis in die späten 50er Jahre noch längst nicht störungsfrei. (Die Situation des ostdeutschen Rundfunks in der DDR kann ich nicht beurteilen.)


    Einige bewährte und viel beschäftigte Kräfte wie z. B. Margot Guilleaume, Anneliese Rothenberger, Anny Schlemm , Herta Talmar, Christo Bajew, Franz Fehringer, Herbert Ernst Groh, Willy Hofmann, Helmut Krebs, Horst Günter, Heinz Maria Lins, Benno Kusche und Otto von Rohr wurden sogar zu speziellen Rundfunksängern und wurden mit ihren 'Haussendern' identifiziert. (Lediglich der Bayerische Rundfunk legte sich von Anfang an nicht auf bestimmte Künstler fest, was dessen Aufnahmen in der Rücksicht auch wegen dieser Besetzungspolitik sehr hörenswert macht.)


    Die Schallplattenbranche verfolgte zwar das gleiche Ziel und bemühte sich, Sänger aufzubauen und sie in ihren (anfangs schmaleren) 'Katalog' zu integrieren. Allerdings erreichte man durch die feste Bindung einiger erfolgversprechender Künstler mittels Exclusivverträgen, dass in manchen Fällen deren aufkommende Popularität überschätzt wurde und sie durch ihre Omnipräsenz – und jederzeitige Verfügbarkeit via Schallplatte - für den Konsumenten, wenn er nicht gerade ein Verehrer des Sängers war, weniger interessant waren.


    Zu den Stimmen, die Anfang der 50er Jahre in einigen interessanten Opern-Projekten des Rundfunks – hauptsächlich in München und Hamburg, gleichzeitig Orte ihrer Festengagements an den jeweiligen Opernhäusern – zu hören war, gehört auch der Sopran der Ungarin Valerie Bak. Geboren am 19. 7. 1914 als Valérie Korpás in Budapest und dort sechs Jahre lang an der Musikhochschule 'Franz Liszt' zur Opern- und Konzertsängerin und Gesangspädagogin ausgebildet, gab sie ihr Debüt 1944 an der Budapester Staatsoper.


    Die Kriegsereignisse führten sie – zusammen mit ihrem Mann, dem Komponisten und Pianisten Ludwig (Lajos) Bak – nach München, wo sie ihr Gesangsstudium fortsetzte und 1946 schon erste Aufnahmen beim Bayerischen Rundfunk machte. Am Stadttheater Augsburg, dem damaligen 'Ludwigsbau', sang sie ab 1949 in zwei Jahren 14 Partien ihres Fachs, bevor sie 1951 Festverträge mit der Bayerischen Staatsoper München (bis 1953) und der Hamburgischen Staatsoper - zu deren Ensemble sie bis 1955 gehörte - abschloss. Nach einem umjubelten Auftritt als 'Königin der Nacht' 1953 in Düsseldorf unterschrieb sie dort zunächst einen Abendvertrag und blieb von 1957 bis zu ihrem Bühnenabschied 1971 Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper am Rhein (wie man sich nach dem Zusammenschluss der Opernhäuser von Düsseldorf und Duisburg ab 1956 nannte), wo ich sie noch einige Male in (altersbedingt) kleineren Rollen gesehen habe.


    Bereits 1951 und 1952 gastierte Valerie Bak in London (Covent Garden); Auftritte in Birmingham, Glasgow, Dublin und Edinburgh (Gastspiel der Hamburgischen Staatsoper) folgten. In Italien (Venedig, Genua, Rom und Florenz), Barcelona und Lissabon war sie wie auch an vielen mitteleuropäischen Opernhäusern zu Gast; 1954 sang sie in Rio de Janeiro. Nur die Wiener Staatsoper, die Mailänder Scala und die Grand Opéra in Paris blieben ihr verschlossen.


    Von 1969 an (ab 1974 als Professorin) gab sie am nach Robert Schumann benannten Konservatorium in Düsseldorf 21 Jahre lang ihr Wissen an Gesangsstudenten weiter. Am 9. 12. 2005 ist sie in der NRW-Landeshauptstadt gestorben und wurde dort auch an der Seite ihres Mannes beigesetzt. Ihren musikalischen Nachlass hat sie ihrer ungarischen Verwandtschaft in Szeged und Budapest vermacht.


    Valerie Baks hell und jugendlich klingende Stimme – ein zwar nicht sehr individueller, aber virtuos geführter, lyrisch grundierter Koloratursopran, der bis in das dramatische Fach reichte - wurde ergänzt durch eine elegante Bühnenerscheinung und glaubwürdige Darstellung. Die Sängerin war neben ihren zahlreichen Auftritten als Konstanze (“Die Entführung aus dem Serail”), Königin der Nacht (“Die Zauberflöte”), Gilda (“Rigoletto”), Violetta Valéry (“La Traviata”) und Zerbinetta (“Ariadne auf Naxos”) auch eine gefragte Interpretin zeitgenössischer Musik. So hat sie nicht nur bei den Münchner Rundfunkaufnahmen von Werner Egks “Zaubergeige” und “Circe” mitgewirkt, sondern sie sang auch 1952 in der Erstaufführung seines “Peer Gynt” an der Bayerischen Staatsoper die Rolle der Solveig neben Hermann Uhde; in allen drei Opern stand der Komponist am Dirigentenpult. (Eine oft von Hörern des NDR gewünschte Aufnahme waren die “Koloratur-Variationen über ein altes Wiener Strophenlied”, das Werner Egk 1937 für Erna Berger als Einlage-Arie für den “Barbier von Sevilla” komponierte und das in Valerie Baks Interpretation auf YouTube zu hören ist.)


    Zu den Dirigenten , mit denen die Sängerin musizierte, zählen u. a. Otto Ackermann, Eugen Jochum, Hans Knappertsbusch, Josef Krips, Bruno Maderna, Bernhard Paumgartner, John Pritchard, Wolfgang Sawallisch, Hermann Scherchen , Georg Solti und auch der junge Carlos Kleiber. Den allmählichen Wechsel ins lyrische Fach vollzog sie klug und erfolgreich mit Rollen wie der Pamina, der “Figaro”-Gräfin, der Fiordiligi, der Donna Elvira, der Mimi, der Nedda, Smetanas Marie in der “Verkauften Braut” und als Rosalinde in der “Fledermaus” sang sie den Csárdás natürlich in ihrer Muttersprache. Da die beiden großen Opern ihres Landsmannes Ferenc Erkel (“Hunyadi László” und “Bánk bán”) ausserhalb Ungarns leider kaum aufgeführt werden - sie enthalten dankbare große Frauenrollen – konnte Valerie Bak in ihren Konzerten lediglich mit der virtuosen 'Hochzeits-Arie' der Mária Gara (“Ah, szememben mámor, s öröm ragyog / Ah, das Auge strahlt vor Wonne”) aus der erstgenannten Oper glänzen. Auch für das Liedschaffen von Liszt, Bartok und Kodály hat sie sich eingesetzt. Und unvergessen ist die Sängerin auch durch die Hauptrolle in der ersten großen Operninszenierung des jungen westdeutschen Fernsehens: “La Traviata” im Jahre 1953.


    Ab der kommenden Woche werde ich die mir bekannten Aufnahmen von und mit Valerie Bak auflisten.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Hallo,


    hier ist der 1. Teil der Liste mit den Aufnahmen der Sopranistin Valerie Bak!

    "Carmen" (Bizet): Carmen - Helga Pilarczyk / Don José - Herbert Ernst Groh / Micaela - Valerie Bak / Escamillo - Ernst Krukowski / Frasquita - Ruth-Margret Pütz / Mercedes - Elisabeth Hufnagel / Dancairo - Robert Koffmane / Remendado - Martin Vantin / Morales - Roland-Dietrich Kunz / Zuniga - Herbert Frenzel / Die Schöneberger Sängerknaben / Ltg.: Gerhard Hellwig / Der Chor und das Orchester der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Dirigent: Richard Kraus (Berlin, Hotel 'Esplanade', 1957) 'Opera' (1 LP / 30 cm) Diese Opern-Kurzfassung von Georg von Wysocki für den 'Europäischen Phonoclub Stuttgart' ist m. W. bisher nicht auf CD erschienen.


    "Der Kalif von Bagdad" (Le Calife de Bagdad) (Boieldieu): Harun al-Raschid, Kalif von Bagdad (Isauun) - Kurt Wehofschitz / Lemaide, eine arme Witwe (Lémaide) - Gisela Litz / Zobeide, ihre Tochter (Zétulbé) - Valerie Bak / Fatime, ihre Freundin (Késie) - Anneliese Rothenberger / Nesrur, Lemaides Neffe (Yémaldin) - Hermann Prey / Ein Aga (Le juge) - Hartwig Stuckmann / Ein Anführer aus dem Gefolge des Kalifen (Un chef de l'entourage) - Ernst Max Lühr / Ein Diener des Kalifen (Un domestique) - Franz Jonas / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Herbert Sandberg (Hamburg, Funkhaus, 8. 4. 1954) Bisher unveröffentlicht. Statt der Dialoge spricht Erwin Linder verbindende Worte. (Francois-Adrien Boieldieus kleine Opéra-comique aus dem Jahre 1800 wurde in der deutschen Bearbeitung von Fritz Schröder aus dem Jahre 1938 aufgenommen. Die originalen Rollen-Namen stehen in Klammern.)


    "Eugen Onegin" (Evgeni Onegin) (Chaikovskii): Larina, Gutsbesitzerin - Lilian Benningsen / Tatjana und Olga, ihre Töchter - Valerie Bak und Hertha Töpper / Filipjewna, Amme - Rut Siewert / Eugen Onegin - George London / Lenski, sein Freund - Anton Dermota / Fürst Gremin - Gottlob Frick / Monsieur Triquet - Franz Klarwein / Saretzki, Lenskis Sekundant - Max Proebstl / Ein Schnitter und Ein Hauptmann - Heinz Maria Lins / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Dirigent: Richard Kraus (München, Herkulessaal, 30. 6. - 5. 7. 1954) 'Myto' und 'Walhall' (CD) (Die 'Myto'-CD enthält zusätzlich die "Kindertotenlieder" von Gustav Mahler, interpretiert von George London mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter Otto Klemperer, aufgenommen 1955.) Bill Zakariasen schrieb im April 1997 in der amerikanischen “Opera News” zu der 'Myto'-Veröffentlichung: “Soprano Valerie Bak, known to collectors for her Mercury LPs in the early 50s, seems an ideal Tatyana – shimmering of tone, winsome and impressionable at the outset, resolute in her sad yet mature rejection of Onegin's too-late protestations.” (Die 'Tatjana' hat Valerie Bak nie auf der Bühne gesungen, wohl aber die 'Lisa' in der “Pique Dame” des gleichen Komponisten: im Mai 1953 in einer Neuinszenierung der Hamburgischen Staatsoper mit Peter Anders in der männlichen Hauptrolle.)


    "Der Wasserträger" (Le porteur d'eau ou Le deux journées) (Cherubini): Graf Armand, Parlamentspräsident - Walter Geisler / Constanze, seine Gemahlin - Valerie Bak / Mikeli, ein Savoyarde, Wasserträger - Hermann Prey / Daniel, dessen Vater - Karl Otto / Antonio, Mikelis Sohn - Kurt Marschner / Marcelina, dessen Schwester - Anneliese Rothenberger / Sémos, ein reicher Pächter in Gonesse - Ernst Max Lühr / Rosette, seine Tochter, Antonios Braut - Maria Hüger / Ein Leutnant - Caspar Bröcheler / Ein Sergeant - Horst Sellentin / Ein Mädchen - Dorothea Förster-Georgi / Chorsolistin - Vilja Puck / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Herbert Sandberg (Hamburg, Funkhaus, 20. 1. - 22. 1. 1954) Bisher unveröffentlicht. (Der Schauspieler Erwin Linder führt – an Stelle der gestrichenen Dialoge – als 'Chronist' durch Cherubinis Werk aus dem Jahre 1800, das ein prägnantes Beispiel für die damals populären 'Rettungsopern' als Nachhall der Französischen Revolution darstellt und das auf deutschen Bühnen wesentlich öfter gezeigt wurde als in Frankreich.)


    Viele Grüße!


    Carlo

  • "DerWasserträger" (Le porteur d'eau ou Le deux journées)(Cherubini): Graf Armand, Parlamentspräsident - Walter Geisler /Constanze, seine Gemahlin - Valerie Bak / Mikeli, ein Savoyarde,Wasserträger - Hermann Prey / Daniel, dessen Vater - Karl Otto /Antonio, Mikelis Sohn - Kurt Marschner / Marcelina, dessen Schwester- Anneliese Rothenberger / Sémos, ein reicher Pächter in Gonesse -Ernst Max Lühr / Rosette, seine Tochter, Antonios Braut - MariaHüger / Ein Leutnant - Caspar Bröcheler / Ein Sergeant - HorstSellentin / Ein Mädchen - Dorothea Förster-Georgi / Chorsolistin -Vilja Puck / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: MaxThurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Herbert Sandberg(Hamburg, Funkhaus, 20. 1. - 22. 1. 1954) Bisher unveröffentlicht.(Der Schauspieler Erwin Linder führt – an Stelle der gestrichenenDialoge – als 'Chronist' durch Cherubinis Werk aus dem Jahre 1800,das ein prägnantes Beispiel für die damals populären'Rettungsopern' als Nachhall der Französischen Revolution darstelltund das auf deutschen Bühnen wesentlich öfter gezeigt wurde als inFrankreich.)

    Sehr interessant!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • Lieber Carlo!

    die Pionierarbeit, die der deutsche Rundfunk bei der musikalischen'Volksbildung' geleistet hat, wird heutzutage kaum gewürdigt, … … ...

    Mit großem Vergnügen habe ich Deinen Überblick über die Rolle der Rundfunkanstalten in den frühen Jahren der Bundesrepublik gelesen. Vieles aus dieser Zeit ist mir noch ganz nah, weil das Radiohören für mich eine ganz besondere Bedeutung hatte - und eigentlich noch bis heute hat.

    Darum hatte ich auch mal den Thread gestartet: Holt die Schätze aus den Archiven! - Was sollte auf CD veröffentlicht werden?


    Damals hatte wir aber leider noch nicht den ganzen Überblick und den systematischen Ehrgeiz, um in dem Thread und mit dem Thread etwas zu bewegen. Das ist jetzt durch Dich und Deine Arbeit wirklich entschieden besser geworden. Ich habe in vielen Deiner Beiträge schon Hinweise auf Rundfunkaufnahmen gefunden, von denen ich bisher nichts wusste.

    Dafür herzlichen Dank!


    Anfang der 60erJahre habe ich dann ein Tonbandgerät geerbt. Da habe ich viel aus den Rundfunk aufgenommen. Etliche Operngesamtaufnahmen sind da in meine Sammlung gekommen und viele Sängeraufnahmen. Viele davon scheint es selbst bei den Rundfunkanstalten nicht mehr zu geben! Leider aber sind einige Bänder nicht mehr gut anhörbar. Kopiereffekte, Ausfransen Dehnungen und so weiter . Trotzdem sind sie mir lieb und teuer und ich lege sie von Zeit zu Zeit auch noch mal auf die Bandmaschine!


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Carlo, noch ein kurzer Nachtrag:

    "Carmen"(Bizet): Carmen - Helga Pilarczyk / Don José - Herbert Ernst Groh /Micaela - Valerie Bak / …. Opern-Kurzfassung …. 'Europäischen Phonoclub Stuttgart' ...

    Durch diese Aufnahme habe ich mehr von der Oper CARMEN kennen gelernt als die drei oder vier Wunschkonzert-Nummern. Ich habe sie oft gehört.

    Wie die Oper eigentlich zu klingen hat, habe ich aber dann erst gelernt, als mir ein Freund die Aufnahme unter André Cluytens mit Solange Michel und Raoul Jobin, Michel Dens und Martha Angelici vorspielte. Trotzdem habe ich die Aufnahme nie aus meiner Sammlung verbannt. Ich habe sie als eine der wenigen Aufnahmen von Helga Pilarczyk im gängigen Repertoire einfach geschätzt.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Les Huguenots von Meyerbeer

    mit Valery Bak, Maud Cunitz, Karl Terkal, Walter Berry, Gottllob Frick

    Wiener Staatsoper, Robert Heger

    1955

    habe ich bei meinen Opern

  • Hallo, 'kurt2',


    ich weiß von über 25 Opern- und Operetten-Gesamtaufnahmen des Rundfunks mit Valerie Bak.


    Diese Aufnahmen werde ich in wöchentlichen 'Raten' von jeweils ca. 4 bis 5 Aufnahmen auflisten - alphabetisch getrennt nach Komponisten. Die von Dir genannten "Hugenotten" sind auch dabei.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Lieber 'Caruso41',


    ich danke Dir für Deine Beiträge Nrn. 4 und 5!



    Heute geht es um Valerie Baks Aufnahmen zweier Opern von Werner Egk.


    "Die Zaubergeige" (Egk): Kaspar , ein junger Knecht - Jaro Prohaska / Gretl, seine Freundin - Hilde Güden / Der Bauer, Kaspars Brotherr - Hans Hermann Nissen / Ninabella, eine reiche Dame - Valerie Bak / Amandus, ihr Verehrer - Lorenz Fehenberger / Guldensack, Ninabellas Hofmarschall - Georg Hann / Fangauf und Schnapper, zwei Spitzbuben - Paul Kuen und Rudolf Wünzer / Cuperus, ein guter Geist – Georg Wieter / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Dirigent: Werner Egk (München, Seidlhaus, 1950) Bisher unveröffentlicht. (Die Radio-Erstsendung dieser Aufnahme der Oper von 1935 – neben dem „Revisor“ wohl Werner Egks bekanntestes Bühnenwerk - war am 3. 5. 1950; leider existieren die Originalbänder des Bayerischen Rundfunks nicht mehr.) Werner Egk hat die Oper als ironisiertes Märchenspiel im Sinne von Rimskii-Korsakovs „Der goldene Hahn“ und Prokofievs „Die Liebe zu den drei Orangen“ konzipiert und persifliert in seiner Musik sogar Wagners „Tristan und Isolde“!


    Apropos „Die Zaubergeige“ - Ich habe eine große Szenenfolge auf einer 30cm-LP der 'DGG' (LPEM 19062), aufgenommen in der Neufassung der Oper aus dem Jahr 1954: Kaspar - Marcel Cordes / Gretl - Erika Köth / Ninabella - Elisabeth Lindermeier / Amandus – Richard Holm / Guldensack – Max Proebstl / Fangauf – Karl Ostertag / Schnapper – Josef Knapp / Cuperus – Gottlob Frick / Ein Richter – Paul Kuen / Zwei Lakaien – Emil Graf und Walter Bracht / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper / Chorltg.: Herbert Erlenwein / Dirigent: Der Komponist (Mittlerweile auf CD erschienen bei 'Metronome', wobei dort als Aufnahmedatum 'September 1954' angegeben wird – die Premiere der „Zaubergeige“ im Münchner Prinzregententheater mit der genannten Besetzung war erst am 25. 11. 1954.)


    Weitere Schallplatten-Einspielungen hat es nicht gegeben, dafür hat sich aber neben dem BR (siehe oben) auch der ORF dieses Werks – das vollkommen von unseren Bühnen verschwunden ist – angenommen. Hier die Besetzung: Kaspar – Walter Berry / Gretl – Anneliese Rothenberger / Der Bauer – Leo Heppe / Ninabella – Gerda Scheyrer / Amandus – Kurt Wehofschitz / Guldensack – Norman Foster / Fangauf – Erich Majkut / Schnapper – Endre Koreh / Cuperus – Hans Hermann Nissen / Ein Richter – Kurt Equiluz / Der Chor des Österreichischen Rundfunks / Chorltg.: Gottfried Preinfalk / Das Große Wiener Rundfunkorchester / Dirigent: Werner Egk (Vom ORF gesendet am 15. 4. 1958 und wiederholt am 6. 12. 1958.)


    Es gab sogar zwei TV-Inszenierungen, beide im ZDF: am 20. 10. 1963 mit Raymond Wolansky, Edith Mathis, Caspar Bröcheler, Ingrid Bjoner, Andor Káposy, Benno Kusche, Fritz Göllnitz, Hans Herbert Fiedler und Gottlob Frick (Dirigent: Der Komponist / Regie: Wolfgang Liebeneiner) und am 16. 5. 1976 mit Bernd Weikl, Jutta-Renate Ihloff, Nikolaus Hillebrand, Norma Sharp, René Kollo, Alexander Malta, Kurt Marschner, Toni Blankenheim und Karl Ridderbusch (Dirigent: Heinz Wallberg / Regie: Hans Hartleb / Die Wiederholung des 'Theaterkanals' kann auf 'Youtube' gesehen werden.). (Reihenfolge der Rollen wie bei der ORF-Aufnahme; die Darsteller der Nebenrollen blieben in beiden TV-Aufzeichnungen ungenannt.) Der Komponist wurde in einigen früheren Beiträgen hier im Forum scharf diskutiert – hauptsächlich aus politischen Gründen. Das ändert aber für mich nichts daran, dass die „Zaubergeige“ ein Beispiel für bühnenwirksames, unterhaltsames Musiktheater ist, wobei 'unterhaltsam' heute ja schon verdächtig ist...



    Circe" (Egk): Circe, eine Zauberin - Valerie Bak / Lybia und Asträa, Gefährtinnen der Circe – Beatrice Lagua und Hanne Münch / Arsidas, der von Circe entthronte König der Insel - Franz Klarwein / Ulyss (Odysseus) – Hans Hopf / Antistes, Steuermann - Max Proebstl / Klarin und Leporell, Matrosen – Alfred Pfeifle und Carl Hoppe / Brutamante, ein Riese - Rudolf Wünzer / Ein Zwerg - Paul Kuen / Eine Alte - Ruth Michaelis / Die Erscheinung des Achill - Kurt Böhme / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Dirigent: Werner Egk (München, Funkhaus, 19. 5. - 26. 5. 1952) Bisher unveröffentlicht. (Aufgenommen wurde das Werk in der Erstfassung von 1948; die verbindenden Worte sprach Gertrud Kückelmann.)


    Nach wenigen Bühnen-Aufführungen zog Werner Egk die Oper zurück und verfasste später eine musikalische und textliche Neufassung mit dem Titel “Siebzehn Tage und vier Minuten”, die im Juni 1966 - zum 65. Geburtstag des Komponisten - an der Württembergischen Staatsoper Stuttgart uraufgeführt und auch vom Süddeutschen Rundfunk für das Fernsehen aufgezeichnet wurde: Circe – Ruth-Margret Pütz / Lybia – Sieglinde Kahmann / Asträa – Franziska Wachmann / Baba – Hetty Plümacher / Arsidas – Stefan Kosso / Ulyss – Gerhard Stolze / Antistes – Karlheinz Peters / Klarin – Alfred Pfeifle / Leporell – Fritz Linke / Ein Zwerg – Salvatore Poddine / Ein Löwe – Franz Steinmüller / Das Orchester der Württembergischen Staatsoper Stuttgart / Dirigent: Ferdinand Leitner / Ausstattung: Ita Maximowna / Regie: Günther Rennert (TV-Sendung: ARD, 1. Programm, 22. 8. 1966)


    1968 produzierte der WDR eine Rundfunk-Aufnahme der Version von 1966 mit folgender Besetzung: Circe – Helen Donath / Lybia – Elisabeth Witzmann / Asträa – Jean Evans / Baba – Raili Kostia / Arsidas – Lorenz Fehenberger / Ulyss – Waldemar Kmentt / Antistes – Wolfgang Anheisser / Klarin – Alfred Pfeifle / Leporell – Hans Franzen / Moro – Arwed Sandner / Ein Zwerg – Walter Jenckel / Eine Alte – Barbara Dommer / Ein Löwe – Jaromir Borek / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie Orchester / Dirigent: Der Komponist. Im Juli 1966 dirigierte Werner Egk in Ost-Berlin drei Ausschnitte aus dieser Oper für eine Schallplatte der 'Eterna': die Ballettmusik, das Duett Circe-Ulyss “Ulyss, mein liebster Feind!...Was ist die ganze Nacht” und das Finale “Eingesetzt in seine Rechte sei der Tag!” mit Rosemarie Rönisch und Peter Schreier; es spielte das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin. (Ferner enthält die LP noch die 'Spagnola' aus der “Zaubergeige” und den 'Tango' aus Egks “Peer Gynt” sowie drei Zwischenspiele aus Wolfgang Fortners “Bluthochzeit”, dirigiert vom Komponisten.)


    Carlo

  • Hallo,


    hier folgen weitere Opern-Gesamtaufnahmen des Rundfunks mit Valerie Bak:


    "Karl V." (Krenek): Kaiser Karl V. - Otto Wiener / Juana, seine Mutter - Sonja Draksler / Eleonore, seine Schwester - Valerie Bak / Ferdinand, sein Bruder - Erich Kienbacher / Isabella, Karls Gemahlin - Marie Thérèse Escribano / Francisco Borgia, ein Jesuit - Kurt Equiluz / Franz I., König von Frankreich - Anton Dermota / Frangipani - Fritz Sperlbauer / Martin Luther - Edmond Hurshell / Ein Anhänger Luthers - Adolf Tomaschek / Sultan Soliman - Franz Fuchs / Sein Hofastrologe - Herbert Prikopa / Vier Geister - Helene Vopenka, Anna Vajda, Christine Zottel und Johanna Herndl / Vier Uhren - Martha Dietrich, Eva Held, Elfriede Tomek und Emmy Becker / Stimmen - Anton Mitterwurzer, Paul Stolm, Max Maxen und Paul Burian / Die Stimme Gottes - Adolf Tomaschek / Die Sprechrollen: Juan de Regla, Karls Beichtvater - Peter Weihs / Henri Mathys, Karls Leibarzt - Erich Padalewsky / Alarcon, Alba und Frundsberg (Hauptleute des Kaisers) - Herbert Kersten, Alfred Schnayder und Herbert Lenobel / Ein Kanzler des Kaisers - Felix Pflichter / Papst Clemens VII. - Felix Steinböck / Ein Kardinal - Peter Gerhard / Kurfürst Friedrich von Sachsen - Kurt Müller / Kurfürst Moritz von Sachsen - Erich Schenk / Ein protestantischer Hauptmann - Ernst Wappel / Der Chor und das Große Orchester des Österreichischen Rundfunks / Chorltg.: Gottfried Preinfalk / Dirigent: Ernst Krenek / Dialogregie: Otto Ambros (Wien, Funkhaus, 10. 11. 1960) Bisher unveröffentlicht. (Dem Konzert sind einführende Worte - verfasst und gesprochen vom Komponisten - vorangestellt.) Dieses 'Bühnenwerk mit Musik' - uraufgeführt 1938 in Prag - ist das erste konsequente Zwölftonwerk Kreneks und zeigt Stationen und Begebenheiten aus dem Leben des aus Spanien stammenden 'Deutschen Kaisers' Karl V. Die konzertante Aufführung des ORF bringt die Neufassung von 1957, szenisch uraufgeführt am 11. 5. 1958 in Düsseldorf mit Karl Wolfram in der Titelrolle und Valerie Bak als Eleonore unter Reinhard Peters.


    "Undine" (Lortzing): Berthalda - Marianne Schech / Hugo von Ringstetten - Josef Traxel / Veit, sein Knappe - Karl Krollmann / Kühleborn, ein Wasserfürst - Gottfried Fehr / Undine, eine Wassernixe - Valerie Bak / Tobias, ein Fischer - Heinrich Sailer / Marthe, sein Weib - Ina Gerhein / Hans, Gastwirt - Richard Kogel / Pater Heilmann - Rudolf Wünzer / Coro e orchestra sinfonica di Milano della RAI / Chorltg.: Roberto Benaglio / Dirigent: Robert Heger (Mailand, Auditorium di Milano della RAI, 20. 9. 1953) 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' (CD) Die von einem Erzähler (Elio Jotta) gesprochenen Zwischentexte wurden für die CD-Veröffentlichung eliminiert. Der Chor singt in italienischer Sprache.


    "Die Hugenotten" (Les Huguenots) (Meyerbeer): Margarete von Valois, Gemahlin des Königs Heinrich von Navarra - Valerie Bak / Der Graf von Saint-Bris, katholischer Edelmann - Walter Berry / Valentine, seine Tochter - Maud Cunitz / Der Graf von Nevers, Katholik - Franz Fuchs / Raoul von Nangis, protestantischer Edelmann - Karl Terkal / Marcel, sein Diener - Gottlob Frick / Urban, Page der Königin - Eta Köhrer / Katholische Edelleute: Tavannes - Hugo Meyer-Welfing, Cossé - Kurt Equiluz, Méru - Harald Buchsbaum, Retz - Leo Heppe, Maurevert - Norbert Balatsch / Eine Hofdame - Elisabeth Hölzl / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Richard Rossmayer / Das Große Wiener Rundfunkorchester / Dirigent: Robert Heger (Wien, Funkhaus, Dezember 1955) 'Walhall' (CD) Eine konzertante Aufführung der Oper in einer vieraktigen Version (mit großen Strichen!).


    Carlo

  • Ich kann mich, lieber Carlo, nur dem Dank der Vorredner anschließen.

    Ein sehr lesenswerter Thread.


    Die angeführten "Hugenotten" gehören zu meinen Lieblings-CD`s. Wunderbare Musik mit glanzvoller Besetzung.

  • Danke, Gregor, für Deine anerkennenden Worte!



    Nun folgen Aufnahmen mit Werken von Wolfgang Amadé Mozart (1. Teil):


    "Apoll und Hyacinthus" (Apollo et Hyacinthus) (Mozart): Oebalus, König von Lakedämonien - NN / Melia, seine Tochter - Valerie Bak / Hyacinthus, sein Sohn - Cäcilie Reich / Zephyrus, Vertrauter des Hyacinthus - Mechthild Brehm / Apoll, Gastfreund des Oebalus – Hanne Münch / Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Dirigent: Karl Schleifer (München, 1949) Bisher unveröffentlicht. Vom Bayerischen Rundfunk gesendet am 28. 3. 1949; leider ist nicht mehr feststellbar, wer die Tenorpartie des Oebalus sang, da der Bayerische Rundfunk die Aufnahme gelöscht hat. (Viele frühe Radioproduktionen entstanden oft ziemlich kurzfristig oder wurden sogar live gesendet, so dass die Rundfunkzeitungen – die ja mindestens 10 Tage vorher gedruckt wurden - manchmal keine kompletten Besetzungen nennen konnten.) Mozarts lateinisches Intermedium zu Rufinus Widls Tragödie “Clementia Croesi” (Die Milde des Croesus) aus dem Jahre 1767 wurde in einer gekürzten Version und in deutscher Sprache gesendet.


    “La Betulia liberata” (Das befreite Bethulien) (Mozart): Ozia (Josias), Herrscher von Bethulien – Helmut Krebs / Giuditta (Judith), Witwe des Manasses – Lore Fischer / Amital, eine adlige Israelitin – Valerie Bak / Achior, Fürst der Ammoniter – Bruno Müller / Cabri und Carmi, zwei Hauptleute der Bethulier – Agnes Giebel / Der Bach-Chor Stuttgart / Der Chor und das Sinfonie-Orchester des Süddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Hermann Josef Dahmen / Dirigent: Hans Müller-Kray (Stuttgart, Liederhalle, 7. 10. 1956) Bisher unveröffentlicht. Dieses Konzert - in italienischer Sprache - gilt als die Uraufführung der 'Azione sacra' (komponiert 1771 vom fünfzehnjährigen Mozart auf ein Libretto von Pietro Metastasio), weil die Musikwissenschaft bis heute keine frühere Aufführung nachweisen kann. Erich Ade war im Auftrag des Stuttgarter Mozartfestes 1956 für die Edition zuständig; seine Version enthält 12 Solo-Arien, 2 Chöre und gekürzte Rezitative - die Rundfunkübertragung dauerte ohne Pause 120 Minuten. (In neuerer Zeit wurde das oratoriumartige Werk auch für die Bühne entdeckt.)


    “Die gefangenen Schönen” (L' oca del Cairo) (Mozart): Don Pippo, Marchese von Ripasecca – Karl Kronenberg / Celidora, seine Tochter – Valerie Bak / Biondello, ihr Geliebter – Theo Herrmann / Flora, eine Hofdame – Hanna Scholl / Calandrino, ein Edelmann – Karl Liebl / Auretta, ein Kammermädchen – Käthe Nentwig / Chichibio, der Diener des Marchese – Carl Hoppe / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Dirigent: Hans Georg Ratjen (München, Seidlhaus, 23. 6. 1950) Bisher unveröffentlicht. Mozarts Opernfragment von 1783, “Die Gans von Kairo” (eine parodistische Variante vom Mythos des 'Trojanischen Pferdes'), wurde in der musikalischen Bearbeitung von August Schmid-Lindner mit dem deutschen Text von Willy Meckbach aufgenommen. (Die Ouvertüre zu “Il sposo deluso” wurde an Stelle der verschollenen Einleitung gespielt und die sieben erhaltenen Musiknummern mit gesprochenen Versen verbunden. Die Sendedauer betrug 45 Minuten.) Dies ist eine der seltenen Aufnahmen des deutschen Tenors Theo Herrmann (Düsseldorf, Frankfurt und Augsburg), nicht zu verwechseln mit dem österreichischen Bassisten gleichen Namens, der überwiegend in Hamburg sang. Witzigerweise haben die beiden Namensvettern 1937 beim Reichsrundfunk Tenor/Bass-Duette aufgenommen (“Der Waffenschmied”, “Martha” und “Die verkaufte Braut”), die von 'Walhall' im Anhang zu deren Ausgabe der Frankfurter “Zar und Zimmermann”-Aufnahme von 1951 auf CD veröffentlicht wurden. (Eine 'Spezialität' des Bassisten Theo Herrmann war übrigens die Interpretation von Spirituals; im Archiv des NDR befinden sich davon mehrere Aufnahmen.)


    Carlo


  • Liebe 'Taminos',


    heute folgt der 2. Teil mit Valerie Baks Aufnahmen von Werken Mozarts.

    "Der Schauspieldirektor" (Mozart): Madame Herz - Valerie Bak / Mademoiselle Silberklang - Rosl Schwaiger / Monsieur Vogelsang – Kurt Wehofschitz / Frank, Schauspieldirektor - Willy Maertens / Tänzer der Ballettschule Lola Rogge / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Walter Martin / Choreographie: Lola Rogge / Bühnenbild: Karl Hermann Joksch / Kostüme: Dorothea ('Dore') Clemens / Regie: Ludwig Berger (Eine TV-Produktion des Norddeutschen Rundfunks, gesendet am 25. 11. 1954.) Bisher unveröffentlicht. Der Sänger des M. Vogelsang wurde in der TV-Zeitung nicht genannt. Ich habe aber ein – unkommentiertes - Szenenfoto aus dieser Fernseh-Sendung und ich bin mir sicher, dass Kurt Wehofschitz darauf zusammen mit Valerie Bak und Rosl Schwaiger abgebildet ist. (Wie alle TV-Opern der frühen Fernsehjahre wurde auch “Der Schauspieldirektor” im Playback-Verfahren produziert, so dass es eine Tonspur gab, die auch für eine Radiosendung verwendet werden konnte.)


    "Die Zauberflöte" (Mozart): Sarastro - Gottlob Frick / Tamino - Rudolf Schock / Die Königin der Nacht - Valerie Bak / Pamina - Lore Wissmann / Drei Damen der Königin der Nacht - Gertraud Hopf, Margrit von Syben und Nancy Waugh / Papageno - Horst Günter / Papagena - Rita Streich / Monostatos - Josef Schmidinger / Drei Knaben - Elsa Hegg, Helene Morath und Nadine Wolf / Zwei Geharnischte - Albert Kunz und Jakob Keller / Les Choeurs du Grand Théâtre de Genève / L' Orchestre de la Suisse Romande / Dirigent: Heinrich Hollreiser (Genf, Grand Casino, 19. 10. 1952) Ausschnitte aus der genannten Aufführung auf CD bei 'Relief'. (Neben der 'Konstanze' in der "Entführung aus dem Serail" war die 'Königin der Nacht' die international am häufigsten gesungene Partie von Valerie Bak.) 1956 gastierte Valerie Bak in Genf auch mit einer weiteren Glanzpartie ihres Repertoires: als 'Zerbinetta' in “Ariadne auf Naxos” mit Lisa Della Casa (Ariadne), Christa Ludwig (Komponist) und Hans Hopf (Bacchus); der Dirigent war Robert F. Denzler.


    “C-moll-Messe, KV 427” (Mozart): mit Agnes Giebel, Fritz Wunderlich und Friedhelm Hessenbruch / Der Chor und das Sinfonie-Orchester des Süddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Hermann Josef Dahmen / Dirigent: Hans Müller-Kray (Stuttgart, Liederhalle, 22. 6. 1957, Live-Aufnahme) Bisher unveröffentlicht.


    “Vesperae solennes de Confessore, KV 339”(Mozart): mit Hanne Münch, Richard Brünner und Heinz Maria Lins / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg. und Dirigent: Josef Kugler (München, ca. 1953) 'Mercury' (LP / 25 cm)


    “Mozart und Händel”: Motette für Sopran-Solo und Chor “Regina coeli, KV 127” / Rezitativ und Arie “Ma che vi fece, o stelle ... Sperai vicino il lido, KV 368” / Rezitativ und Arie “Mia speranza adorata ... Ah, non sai qual pena, KV 416” (Mozart) / Kantate “Lob der Harmonie (Praise of Harmony), HWV 124” (Händel) / Der Münchner Kammerchor und das Münchner Kammerorchester / Dirigent: Kurt Graunke (München, ca. 1954) 'Mercury' (LP / 30 cm) Dies ist m. W. die einzige Aufnahme in deutscher Sprache (“O blick herab, harmonische Heil'ge ... Dein Wohllaut schmückt des Dichters Sang”) von dieser kleinen Solo-Kantate Georg Friedrich Händels zum Lob der Hl. Cäcilie, komponiert vermutlich 1736 für Tenor (!), Streicher und Cembalo. Der englische Originaltext von Newburgh Hamilton lautet: “Look down, harmonious Saint ... Sweet accents all your numbers grace”.


    Viele Grüße,


    Carlo


  • Hier folgen drei Komponisten mit "P"!


    “Palestrina” (Pfitzner): Giovanni Pierluigi Palestrina – Julius Patzak / Ighino, sein Sohn – Käthe Nentwig / Silla, sein Schüler – Katja Sabo / Carlo Borromeo, Kardinal – Hans Hotter / Giovanni Morone und Bernardo Novagerio, Kardinallegaten des Papstes – Ferdinand Frantz und Franz Klarwein / Christoph Madruscht, Fürstbischof von Trient – Max Proebstl / Ercole Severolus, Zeremonienmeister des Konzils von Trient – Benno Kusche / Graf Luna, Orator des Königs von Spanien – Albrecht Peter / Abdisu, der Patriarch von Assyrien – Walter Carnuth / Der Kardinal von Lothringen – Hans Ducrue / Anton Brus von Müglitz, Erzbischof von Prag – Georg Wieter / Der Bischof von Budoja – Karl Ostertag / Theophilus, Bischof von Imola – Mathias Mertes / Dandini von Grosseto, italienischer Bischof – Karl Mösch / Avosmediano, Bischof von Cadix – Rudolf Wünzer / Ein spanischer Bischof – Willy Schmitz / Papst Pius IV – Georg Wieter / Die Erscheinung der Lucretia, Palestrinas verstorbener Frau – Ina Gerhein / Drei Engelsstimmen – Valerie Bak, Hanna Scholl, Ingrid Steger / Kapellsänger der Kirche Santa Maria Maggiore – Carl Hoppe, Adolf Keil, Karl Mösch, Walter Carnuth und Rudolf Wünzer / Die Erscheinungen verstorbener Meister der Tonkunst – Walter Carnuth, Karl Mösch, Karl Ostertag, Carl Hoppe, Benno Kusche, Adolf Keil, Hans Ducrue, Rudolf Wünzer und Georg Wieter u. v. a. / Der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München / Chorltg.: Herbert Erlenwein / Dirigent: Robert Heger (München, Prinzregententheater, 24. 7. 1951) Veröffentlicht auf LP bei 'Melodram' und auf CD bei 'Myto' und 'Opera d'Oro'.


    "La Bohème" (Puccini): Rudolf - Libero De Luca / Schaunard - Hermann Prey / Marcel - Horst Günter / Colline - Sigmund Roth / Bernard - Karl Otto / Mimi - Hjördis Schymberg / Musette - Valerie Bak / Alcindor - Kurt Marschner / Parpignol - Joshard Daus / Ein Sergeant - Karl Alberti / Ein Zollwächter - Ernst Max Lühr / Der Chor und das Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Dirigent: Eugen Szenkar (Hamburg, Funkhaus, 24. 11. - 29. 11. 1953) 'Walhall' (CD - Gesamtaufnahme) und 'Documents' (CD – Querschnitt)


    “Die Feenkönigin” (The Fairy Queen) (Purcell): (Personen in der Reihenfolge ihres Auftritts) Titania, die Feenkönigin – Lore Fischer / Rabindranath, Titanias indischer Page – Tilla Briem / Wamme, der betrunkene Dichter – Hans Zenk / Zwei Elfen – Valerie Bak und Gerda Sommerschuh / Allegorien: Die Nacht, die Verschwiegenheit und der Schlaf - Valerie Bak, Carola Meyer und Max Proebstl / Coridon, ein Hirte – Karl Friedrich Schubert / Mopsa, eine Hirtin – Sigrid Eichhorn / Eine Schäferin – Gerda Sommerschuh / Phoebus, der Gott Apollon – Richard Brünner / Die vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Margarete Mühlenbeck, Carola Meyer, Karl Friedrich Schubert und Max Proebstl / Hymen, der Gott der Ehe – Gerhard Misske / Der Münchner Kammerchor / Mitglieder des Orchesters der Bayerischen Staatsoper / Dirigent: Karl Schleifer (München, Sophiensaal, 22. 7. 1949) Bisher unveröffentlicht. Henry Purcells “The Fairy Queen” von 1692 (Zweitfassung von 1693) ist eine sogenannte 'Semi-Opera' und wurde für eine Aufführung von Shakespeares “A Midsummer Nights Dream” komponiert, wobei der vollständige Musikanteil ca. 135 Minuten gegenüber 100 Minuten des Schauspiels beträgt. Es ist nur ein Teilautograph der Partitur erhalten; der Librettist war vermutlich Elkanah Settle - tatsächlich wurde kein einziges Wort aus Shakespeares Schauspiel vertont. (Schon früh hat man versucht, Purcells Musik als eigenständiges Bühnenwerk aufzuführen: schöne Aufführungen der “Feenkönigin” gab es z. B. 1964 in Schwetzingen und 1965 durch Jean-Pierre Ponnelle am Münchner Gärtnerplatztheater.) Die obengenannte Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem deutschen Text von Ernst Leopold Stahl und einer Spieldauer von 110 Minuten wurde mit einem zusätzlichen verbindenden Text gesendet.


    Carlo

  • Hallo,


    nun folgen weitere Opern-Produktionen mit Valerie Bak:

    “Die Witwe von Ephesus” (Reutter): Die Witwe – Walburga Wegner / Die Sklavin – Valerie Bak / Der Soldat – August Gschwend / Der Freund – Hans Günter Nöcker / Der Bürgermeister – Hans Hofmann / Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino (?) / Dirigent: Gerhard Maasz (Florenz, Teatro della Pergola, 5. und 10. 5. 1955) Einem Zeitungsartikel zufolge plante der NDR eine Fernsehproduktion dieses 1954 in Köln uraufgeführten Werks in der Regie seines Opern-Chefregisseurs, Herbert Junkers , der auch die Florentiner Bühnenaufführung inszenierte. Gerhard Maasz, der nicht nur Komponist und verantwortlicher Musikredakteur beim NDR war (er dirigierte u. a. die Aufnahmen zu den TV-Inszenierungen von “Hänsel und Gretel” und Brittens “Der kleine Schornsteinfeger”), sollte die Fernsehaufnahmen musikalisch leiten. Ob in Florenz Tonaufnahmen durch ein Team des NDR entstanden, weiß ich nicht; zu der TV-Sendung ist es aber nach meinen Erkundigungen nicht gekommen. (Im Oktober 1965 gab es bei Radio Bremen eine Funkfassung des Einakters von Hermann Reutter unter dem Dirigenten Siegfried Goslich.)


    "Der goldene Hahn" (Solotoi petushok) (Rimski-Korsakov): Zar Dodon - Benno Kusche / Zarewitsch Gwidon und Zarewitsch Afron, seine Söhne - Richard Brünner und Carl Kronenberg / Die Königin von Schemacha - Valerie Bak / General Polkan – Egmont Koch / Der Hofastrologe - Paul Kuen / Amelfa, Aufseherin in Dodons Palast - Hanne Münch / Stimme des goldenen Hahns - Maria Eisenrieth / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Dirigent: Hans Altmann (München, Funkhaus, 17. 3. 1950) Bisher unveröffentlicht. (Die Rundfunkzeitung nennt Georg Wieter als 'General Polkan', tatsächlich sang aber Egmont Koch diese Rolle.) Nikolai Rimski-Korsakov hat aus seiner letzten Oper nur einige Teile - darunter die 'Hymne an die Sonne' der Königin von Schemacha - in konzertanter Form hören können. Die russische Zensur verzögerte wegen der offensichtlichen Kritik an den herrschenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen (unmittelbar nach der Revolution von 1905) die Uraufführung – und dann auch nur mit großen Strichen - bis sechzehn Monate nach dem Tod des Komponisten, der 1908 starb. Die Rolle der mystischen Königin aus dem Kaukasus ist eine wahre Tour-de-force für jede Sopranistin, singt sie doch im zweiten Akt fast ununterbrochen 25 Minuten lang in halsbrecherischen Koloraturen. ( Ich habe eine Aufnahme der Oper mit Beverly Sills und Norman Treigle unter Julius Rudel.) 2016 gab es an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf eine von Publikum und Presse gut aufgenommene Inszenierung dieses Meisterwerks einer satirischen Oper.


    "Die Fischerin" (Schröter): Dortchen - Valerie Bak / Ihr Vater - Horst Günter / Niklas - Walter Geisler / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Walter Martin (Hamburg, Funkhaus, 25. 11. - 28. 11. 1953, Dauer 45 Min.) Bisher unveröffentlicht. (Die Dialoge sprechen Rosemarie Gerstenberg, Heinz Klevenow und Peter Schütte / Dialogregie: Edward Rothe) Das Libretto zu diesem Singspiel von Corona Schröter schrieb kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe und es enthält die erste Vertonung des "Erlkönigs", gesungen bei der Uraufführung 1782 in Tiefurt von der Komponistin selbst. 'Die Schröterin' war in dem für Frauen des 18. Jahrhunderts eng gesetzten Rahmen das, was man heute eine 'Powerfrau' nennen würde: Sängerin (ausgebildet von Johann Adam Hiller), Komponistin (u. a. zwei Alben mit Liedern), Schauspielerin (1779 die erste 'Iphigenie auf Tauris'), Schauspiellehrerin und Malerin. Sie schlug Heiratsanträge von Goethe und Herzog Carl August aus, befreundete sich mit Schiller und dessen Frau und war in Weimar Mitglied des 'Musenhofs' der Herzogin-Mutter Anna Amalie. Corona Schröter setzte Modetrends und ihr Privatleben sorgte in Weimar für Gesprächsstoff. Vor zehn Jahren war ich u. a. in Ilmenau und stand auch vor ihrem Grab, das sich nahe dem Friedhofseingang einsam auf einer Wiese befindet, weil alle anderen Gräber im Laufe der Zeit eingeebnet wurden.


    LG


    Carlo

  • Liebe Opernfreunde,


    heute präsentiere ich Valerie Bak als Verdi-Sängerin.



    “Macbeth” (Verdi): Macbeth – Willi Wolff / Lady Macbeth – Helena Braun / Banquo – Max Proebstl / Macduff – Friedrich Eugen Engels / Malcolm – Kurt Messerschmidt / Die Kammerfrau – Valerie Bak / Der Arzt – Hans Zenk / Ein Bote und Ein Mörder – Maximilan Eibl / Drei Erscheinungen – Friedrich Jonas, Inge Fischer-Stumböck und Valerie Bak / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Dirigent: Hans Altmann (München, Funkhaus, 14. 10. 1949) Bisher unveröffentlicht. (Es ist zwar nur eine Comprimario-Rolle, aber Verdi setzt die 'Kammerfrau' auch zur vokalen Unterstützung der 'Lady Macbeth' im Finale des 1. Aktes der Oper ein, wo beide Sängerinnen ein hohes 'C' singen müssen. In Giuseppe Sinopolis Berliner Aufnahme des “Macbeth” singt z. B. Lucia Aliberti an der Seite von Mara Zampieri die 'Kammerfrau'.)


    "La Traviata" (Verdi): Violetta Valéry - Valerie Bak / Alfred Germont - Hugo Sieberg (Hans Krull) / Georg Germont - Hans-Herbert Fiedler / Flora Bervoix - Susanne Herz (Waltraud Kramlinger) / Gaston - Kurt Marschner (Holger Hagen) / Baron Douphol - Carl Bay (Alfred Johst) / Marquis d'Obigny - Walter Blanke / Dr. Grenvil - Adolf Meyer-Bremen / Annina - Lissi Frahm (Thea Hüttenmüller) / Joseph - Joshard Daus (Gustl Richter) / Floras Diener - Horst Sellentin (Gerhard Riedel) / Der Chor und das Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Dirigent: Herbert Sandberg / Szenenbild: Karl Hermann Joksch / Kostüme: Dorothea ('Dore') Clemens / Regie: Herbert Junkers (Hamburg, Fernsehstudio, November 1953) Bisher unveröffentlicht. Diese TV-Produktion, gesendet am 1. 1. 1954, war die erste große Operninszenierung des Deutschen Fernsehens! Sie entstand im Playback-Verfahren, d. h. mit separat aufgenommenem Ton (Funkhaus Hamburg, 10. 11. - 13. 11. 1953) und mit Schauspielern (Namen in Klammern) für einige Rollen.


    “Falstaff” (Verdi): Sir John Falstaff – Heinz Imdahl / Sir John Ford – Vladimir Ruzdak / Fenton – Rudolf Francl / Dr. Cajus – Walter Beißner / Bardolph – Herold Kraus / Pistol – Anton Imkamp / Alice Ford – Valerie Bak / Ännchen – Vilma Georgiou / Mrs. Quickly – Hanna Ludwig / Meg Page – Martha Deisen / Der Chor der Deutschen Oper am Rhein / Chorltg.: Hans Frank / Die Düsseldorfer Symphoniker / Dirigent: Alberto Erede (Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, 7. 10. 1956) Bisher unveröffentlicht. (Mit dem “Falstaff”, dirigiert von Arthur Grüber, wurde in Duisburg die bis heute bestehende Theatergemeinschaft der 'Deutschen Oper am Rhein' am 30. 9. 1956 eingeleitet - einen Tag nach der “Elektra” in Düsseldorf mit Karl Böhm am Pult. Der genannte Mitschnitt hält die “Falstaff”-Premiere im Düsseldorfer Opernhaus fest.)


    Carlo

  • NACHTRAG


    „Die Schändung der Lukrezia“ (The Rape of Lucretia) (Britten): Der Erzähler – Franz Klarwein / Die Erzählerin – Marianne Schech / Collatinus – Max Proebstl / Lucrezia – Irmgard Barth / Bianca – Ina Gerhein / Lucia – Valerie Bak / Tarquinius – Hermann Uhde / Junius – Albrecht Peter / Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Dirigent: Robert Heger (München, Theater im Brunnenhof, 24. 11. 1951) Es handelt sich um den Mitschnitt eines Münchner 'Musica Viva'-Konzerts.


    Carlo


    In der nächsten Woche geht es mit Operetten-Aufnahmen weiter.

  • Hallo,


    da bin ich wieder!


    Eine Besonderheit des Rundfunks der 50er und 60er Jahre waren sogenannte 'Melodienfolgen' aus wenig oder kaum bekannten Operetten, im Gegensatz zur Schallplattenindustrie, die aus marktstrategischen Gründen hauptsächlich die populären Werke dieses Genres berücksichtigte. Vor allem der Norddeutsche Rundfunk Hamburg mit seinen beiden Chefdirigenten für die 'Gehobene Unterhaltungsmusik' am Pult des längst nicht mehr existierenden Hamburger Rundfunkorchesters, Wilhelm Stephan (von 1948 bis 1958) und danach Richard Müller-Lampertz, hat – neben zahlreichen Operetten-Gesamtaufnahmen - Dutzende solcher 'Potpourris' eingespielt, von denen viele inzwischen auf CDs des 'Hamburger Archivs für Gesangskunst' veröffentlicht wurden oder im Internet als Download zur Verfügung stehen. Erfreulicherweise wird das lange brach liegende Feld der Operette in den letzten Jahren von einigen Theatern und engagierten CD-Firmen wieder bestellt; leider fehlt es für dieses Fach aber häufig an geeigneten Interpreten (Sänger wie Regisseure), die in der Lage sind, auch die unglaubwürdigste Handlung, den banalsten Text und die schwülstigste Melodie zu 'servieren'. Bekanntlich ist nichts so schwer wie die leichte Muse...



    Beginnen möchte ich mit einer veritablen Zarzuela:



    "Lamparilla" (El barberillo de Lavapiés) (Barbieri): Die Infantin Maria Luisa von Spanien - (Freca Renate Bortfeld) / Marquesa Estrella de Vierzo, ihre Hofdame - Valerie Bak (Karin Jacobsen) / Don Pedro, Polizeipräsident - Horst Günter (Heinz Klevenow) / Don Luis de Haro, Polizeihauptmann - Herbert Ernst Groh (Hermann Lenschau) / Don Alfonso, Polizeileutnant - (Manfred Steffen) / Lamparilla, ein Schneider - Kurt Wehofschitz (Rolf Nagel) / Lope, sein Gehilfe - Rupert Glawitsch (Gerd Niemitz) / Paloma, eine Schneiderin - Anneliese Rothenberger / Don Fernando de Peralta - (Heinz Dunkhase) / Zwei Sergeanten - Carl Bay und Kurt Fuß / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan / Dialogregie: Carl Heinz Schroth (Hamburg, Funkhaus, 1956 – die Namen der Dialogsprecher in Klammern). Das 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' hat nicht die Gesamtaufnahme, die ich habe, sondern nur eine Szenenfolge auf CD herausgegeben. "Der kleine Barbier aus der Vorstadt" von Francisco Asenjo Barbieri aus dem Jahre 1874 wurde vom NDR in einer Rundfunkbearbeitung von Christian Bock eingespielt und ist m. W. die bisher einzige Aufnahme einer Zarzuela in deutscher Sprache. Barbieri gilt mit “Jugar con fuego” (Das Spiel mit dem Feuer) von 1851 als der Urheber der 'Zarzuela grande', also die dreiaktige Art dieser spanischen Sonderform des Singspiels, im Gegensatz zum 'Género chico' (Einakter), der Ende des 19. Jahrhunderts bis in's frühe 20. Jahrhundert populär war und dann wieder von großen, mehr operettenartigen Bühnenwerken abgelöst wurde. (Bekannt geworden ist das Lied der Paloma "Como nací en la calle de la Paloma", das zuletzt Elina Garanca auf ihrer CD "Habanera" interpretiert hat. Aber Anneliese Rothenberger singt "Sanft wie ein Täubchen" auch sehr schön!)


    LG


    Carlo

  • Liebe Taminos,


    nach einer längeren Pause geht es nun weiter!

    Vorab ein Wort zu dem musikalischen Leiter der meisten der hier genannten Operetten-Aufnahmen mit Valerie Bak: Wilhelm Stephan (1906 – 1994), aus Lüneburg gebürtig, interessierte sich schon früh für die Militärmusik und trat 1925 einem Infanterie-Regiment in Hannover bei, in dessen Musikkorps er als Posaunist eingesetzt wurde. 1932 begann er an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin ein Studium zum Militärkapellmeister und wurde drei Jahre später zum Musikmeister eines Hildesheimer Regiments ernannt, was auch bedeutete,, dass er mit seinem Orchester ab 1939 mehrere Feldzüge begleiten musste. 1943 ging Wilhelm Stephan als Lehrer an die Stätte seines Studiums in Berlin und wurde nach Schließung der Hochschule im Herbst 1944 als Stabsmusikmeister der 16. Panzer-Division in Polen eingesetzt; am Ende des Krieges geriet er in sowjetische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung kehrte er 1946 nach Hildesheim zurück und kam über die Leitung des Niedersächsischen Sinfonie-Orchesters in Hannover 1948 als Chefdirigent des neu gegründeten Hamburger Rundfunkorchesters zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg. Dort hatte er das gesamte Spektrum der sogenannten 'Gehobenen Unterhaltungsmusik' auszufüllen und wurde durch das große Einzugsgebiet des damaligen NWDR schnell zu einem der bekanntesten Rundfunk-Dirigenten in der jungen BRD. Nach zehn Jahren in dieser Tätigkeit wechselte er (zunächst als Oberstleutnant und 1961 als Oberst) als Musikinspizient zur Bundeswehr und wurde 1968 in den Ruhestand versetzt. Während dieser Jahre hat er mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr für die Firma 'Philips' zahlreiche Schallplatten mit Armeemärschen eingespielt.


    Es folgen einige Operetten-Gesamtaufnahmen und -Querschnitte unter Mitwirkung von Valerie Bak – heute der 1. Teil:


    „Rosita“ (Genée): Rosita – Valerie Bak, Viola – Else Mühl, Der Kapitän – Kurt Wehofschitz, Der Leutnant – Kurt Marschner, Balandier – Horst Günter / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan (Hamburg, Funkhaus, 1957) Eine Szenenfolge – sieben Musiknummern mit einer Gesamtdauer von 20 Minuten – auf einer Doppel-CD beim 'Hamburger Archiv für Gesangskunst', die auch Querschnitte aus Genées Operetten “Nanon”, “Der Seekadett” und “Der Musikfeind” enthält. (Ob im dazugehörigen Booklet Näheres zum Inhalt von “Rosita” steht, kann ich nicht sagen, weil ich diese CDs nicht habe.) Der in Danzig geborene und in Berlin Musik studierende Richard Genée – sein Vater war Opernsänger und Theater-Intendant - war nicht nur der 'Gesangstext-Lieferant' für Suppé, Millöcker, Strauß etc. und Übersetzer zahlreicher französischer (Offenbach, Lecocq, Hervé) und englischer (Sullivan) Operetten-Libretti, sondern auch der Komponist von über dreißig eigenen komischen Opern und Operetten. Während seiner Zeit (1857 bis 1862) als Musikdirektor in Mainz komponierte er die als 'romantisch-komische Oper in drei Akten' bezeichnete“Rosita” (natürlich auf ein eigenes Textbuch), die dort auch am Neujahrstag 1864 uraufgeführt wurde. Unter dem Titel “Rosina” - allerdings mit anderem Rollen-Personal - gab es 1881 am Theater an der Wien eine weitere Operette Genées; ob es sich hier um eine etwaige Umarbeitung der “Rosita” handelt, konnte ich bisher nicht ermitteln.


    "Die Spitzenkönigin" (Goetze): Valerie Bak, Friedel Blasius, Herbert Ernst Groh und Otto Albrecht / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan (Hamburg, Funkhaus, 1955) (Ausschnitte – ca. 12 Minuten - auf zwei CDs des 'Hamburger Archivs' mit der Gesamtaufnahme von “Schach dem König” und Szenen aus “Ihre Hoheit, die Tänzerin”, beide von Walter Wilhelm Goetze und beide in Aufnahmen des WDR dirigiert von Franz Marszalek, dessen bevorzugte Komponisten Goetze und Eduard Künnecke waren.) Zur 1920 im damaligen Stettin uraufgeführten, dreiaktigen Operette “Die Spitzenkönigin” habe ich bisher nur herausgefunden, dass sie – mit dem Libretto von Richard Bars und Oskar Felix – im frühen 19. Jahrhundert bei flandrischen Spitzenklöpplern ('Kantwerkster' genannt, eine Tätigkeit, die früher auch von Männern ausgeübt wurde) spielt. Weiß hier jemand Details über diese Operette?


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Hallo!


    Heute stelle ich drei weitere Operetten-Querschnitte mit Valerie Bak vor:


    "Der Orlow" (Granichstaedten): Nadja Nadjakowska, Tänzerin - Valerie Bak / Dolly Marbanks, Sekretärin - Friedel Blasius / Großfürst Alexander Alexandrowitsch, als Flugzeugmechaniker unter dem Namen Alex Doroschinsky - Kurt Wehofschitz / Jolly Jefferson und John Walsh, Flugzeugkonstrukteure - Rupert Glawitsch und John Walsh - Hans Herbert Fiedler / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan (Hamburg, Funkhaus, 1956) Ausschnitte von ca. 15 Minuten Dauer. Enthalten sind so bekannte Nummern wie das von Johannes Heesters populär gemachte 'Zigarettenlied' (“Da nehm ich meine kleine Zigarette und blas die Wölkchen vor mich hin”), das Lied der Nadja “In meinem kleinen Boudoir... Für dich, mein Schatz, für dich hab' ich mich schön gemacht” und das Tango-Duett Nadja-Alexander “Spiel, my jazzband, spiel”. Diese am 3. 4. 1925 im Theater an der Wien (392 Wiederholungen!) mit Betty Fischer und Hubert Marischka - Tenorstar und zeitweiliger Direktor dieser Wiener Traditionsbühne - uraufgeführte und damals sehr gefeierte 'Jazz-Operette' von Bruno Granichstaedten behandelt das Schicksal einiger Exil-Russen, die nach der Revolution von 1917 in die USA geflüchtet sind und dort versuchen, sich dem 'American Way of Life' anzupassen. Dabei spielt der von Alexander Alexandrowitsch nach Amerika geschmuggelte Diamant “Orlow” eine wichtige Rolle. Mit dem titelgebenden Edelstein ist der heute in der Schatzkammer des Kreml ausgestellte legendäre Solitär gemeint, den 1776 der russische Großfürst Grigori Orlow der – bekanntlich aus Deutschland stammenden - Zarin Katharina 'die Große' schenkte, um sie bei Laune zu halten. Doch die Dame hatte schon längst einen anderen Favoriten...


    "Mam'zelle Nitouche" (Hervé, d. i. Florimond Ronger): Denise de Flavigny, Klosterschülerin - Valerie Bak / Célestin, Organist im Kloster "Die kleinen Schwalben unserer lieben Frau" - Kurt Wehofschitz / Der Chor des Nordeutschen Rundfunks / Chorltg.: Max Thurn / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan (Hamburg, Funkhaus, 1955) Aus dem “Fräulein Rührmichnichtan” - Hervés bekannteste Operette von 1883 - wurden sechs Musiknummern mit einem verbindenden Text (gesprochen von Inge Windschild und Hermann Lenschau) in zwei Versionen aufgenommen: eine für die Sendung tagsüber und eine Fassung für die abendliche Sendung! Dauer ca. 17 Minuten. Beim 'Hamburger Archiv' wurde eine der beiden Szenenfolgen auf CD veröffentlicht – gekoppelt mit Ausschnitten aus Audrans “Die Puppe” und Planquettes “Die Glocken von Corneville”. (Der bekannte französische Schauspieler 'Fernandel' hat die Rolle des Célestin nicht nur im Film - 1954 mit Pier Angeli - sondern auch 1968 für die Schallplatte dargestellt; diese Version – natürlich mit umfangreichem Dialog bei diesem Hauptdarsteller! - habe ich auf zwei LPs der französischen DECCA. Unter dem Label 'Accord' ist sie auch auf zwei CDs in Frankreich erschienen.)


    "Kaiserin Joséphine" (Kálmán): Joséphine Beauharnais - Valerie Bak / Juliette, ihre Zofe - Else Mühl / Napoléon Bonaparte - Kurt Wehofschitz / Bernard, Napoléons Kammerdiener - Rupert Glawitsch / Hippolyte Charles, Joséphines Verehrer - Hans-Herbert Fiedler / Das Hamburger Rundfunkorchester / Dirigent: Wilhelm Stephan (Hamburg, Funkhaus, 1957) Das 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' bringt diese Melodienfolge von 15 Minuten Dauer zusammen mit Querschnitten aus “Der Sänger von Mexico” und “Das goldene Vlies” (beide von Francis Lopéz), “Mädels vom Rhein” von Rudolf Kattnigg und Richard Genées 'Rosina”. Imre Kálmáns letzte europäische Operette in 8 Bildern – uraufgeführt am 18. 1. 1936 am Züricher Stadttheater – handelt vom Aufstieg des korsischen Generals Napoléon Bonaparte zum französischen Kaiser und der Liebe zu seiner Frau Joséphine Beauharnais, der Witwe eines in der französischen Revolution hingerichteten Generals.


    LG


    Carlo