GOETHE, Johann Wolfgang von: FAUST, DER TRAGÖDIE ZWEITER TEIL

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832):


    FAUST

    DER TRAGÖDIE ZWEITER TEIL



    Uraufführung des für unspielbar gehaltenen und von Eckermann in drei Teile gegliederten Werkes

    am 20. Oktober 1852 mit „Faust am Hofe des Kaisers“,

    die beiden restlichen Teile „Faust und Helena“ und „Faust’s Tod“

    am 24. Juni und am 28. September 1856 in Weimar



    DIE PERSONEN DER HANDLUNG


    Faust / Mephistopheles / Ariel / Kaiser / Kanzler / Heermeister / Schatzmeister / Marschall /

    Herold / Mutter / Trunkener / Furcht / Hoffnung / Klugheit / Knabe Wagenlenker / Narr / Helena / Paris / Famulus /
    Bakkalaureus / Wagner / Erichtho / Chiron / Manto /Empuse / Dryas / Panthalis / Lynceus / Euphorion



    INHALTSANGABE



    ERSTER AKT


    Faust liegt müde und unruhig Schlaf suchend auf einer Gebirgswiese mit grandiosem Panorama. Der Elfenkönig Ariel kommt mit seinen Elfen und weist die Schar an, Fausts durch den Tod seines Gretchens aufgewühlte Seele in den Heilschlaf des Vergessens zu versenken. Die Elfen erfüllen den Befehl Ariels und zerstreuen sich dann, während Faust später mit einem neuen und ausgeruhten Lebensgefühl erwacht. Der Tod Margaretes ist aus seinem Gedächtnis verschwunden.


    Die Szene wechselt in den Thronsaal der Kaiserlichen Pfalz. Der Kaiser zieht mit Trompetenschall und mit dem Hofgesinde ein. Die Majestät will Karneval feiern, aber der Staatsrat erwartet den Herrscher zu einem dringenden Gespräch: Der Kanzler nennt die Situation im Reich unhaltbar, weil Bürger, Ritter und Soldaten aufbegehren. Außerdem sei die Staatskasse leer.


    Mephisto, der den Hofnarren betrunken gemacht und dessen Rolle bei Hofe eingenommen hat, bietet der Majestät seine Hilfe an: Er schlägt vor, die Reichtümer des Bodens, die ja Eigentum der Krone sind, zu heben. Und neues Papiergeld soll eingeführt werden, das die Deckung durch die riesigen Bodenschätze erfährt. Der Hofastrologe denkt – wie der Kaiser – an den Karneval und das damit verbundene Vergnügen und schlägt vor, zuerst zu feiern und später zu entscheiden.


    Der Mummenschanz beginnt mit dem Knaben Wagenlenker, der den als Plutus, den griechischen Gott des Reichtums, verkleideten Faust herbeiführt. Unter dem Gejohle der Gäste zaubert er einen Goldschatz hervor. Als griechischer Hirtengott Pan erscheint der Kaiser mit Nymphen. Doch das Spektakel endet plötzlich, als der Kostümbart des Kaisers sich an Fausts Feuerzauber entzündet und in der Folge den ganzen Maskenzug in Brand steckt. Auch jetzt erweist sich Plutus wieder als hilfreich: er löscht das Feuer mit einem Zaubertrick.


    Am folgenden Morgen wird dem Kaiser das mit Hilfe von Faust und Mephisto geschaffene neue Papiergeld präsentiert. Und weil es im Volk gut ankommt, ist der Monarch mehr als erfreut und verkündet das Ende der Staatskrise. Und das heißt für ihn: der Karnevalstrubel muss weitergehen. Er verlangt von Faust, dass Paris und Helena erscheinen sollen. Faust, weiß allerdings nicht, wie das zu bewerkstelligen ist und Mephisto muss ihm helfen. Aber der weiß es angeblich auch nicht und er schickt Faust deshalb zu den „Müttern“, geheimnisvollen götterähnlichen Wesen, die eine Art Archiv verwalten, in dem Ereignisse und Menschen registriert sind. Aber er warnt Faust auch vor diesem Weg, den er für gefährlich hält, denn diese Welt erscheint ihm wie eine ins geistige transferierte Welt ohne feste Konturen, und die ist ihm verschlossen. Das hält aber einen Doktor Faust nicht ab - Mephisto kann ihm noch einen Schlüssel in die Hand drücken, dessen Sinn sich Faust nicht erschließt, und er versinkt.


    Der Kaiser ist mit seinem Hofstaat inzwischen in den Festsaal eingezogen. Während der Herold das Geschehen kommentiert, sorgt Mephisto nun für eine Art Massensuggestion, durch die die ganze Gesellschaft Fausts Vision miterleben kann: Der ist zu den Müttern gelangt, berührt mit dem Schlüssel mehr oder weniger unabsichtlich eine auf einem glühenden Dreifuß stehende WeihrauchSchale – und plötzlich senkt sich Dunst herab, aus dem zunächst Paris hervortritt, dann die schöne Helena. Faust ist von den beiden fasziniert: Als Paris jedoch nach der schönen Helena greift um sie zu entführen, fährt Faust dazwischen. Mit einer heftigen Explosion zerstiebt das ganze Schauspiel und Faust stürzt ohnmächtig zu Boden.



    ZWEITER AKT


    Mephisto tritt in Fausts alte Studierstube und wirft seinen Blick auf den Schlafenden. Dann zieht er an einem Glockenstrang und der gerade zum Bakkalaureus ernannte ehemalige Schüler Fausts, den er einst an der Nase herumgeführt hatte, tritt in die Stube. Der fühlt sich inzwischen aber seinem alten Meister weit überlegen:

    Hat einer dreißig Jahr vorüber, so ist er schon so gut wie tot.

    Am besten wär‘s euch zeitig totzuschlagen.

    Hochmütig entfernt er sich wieder.


    Eine neue Szene zeigt uns Wagner, Fausts Famulus, der inzwischen zu einem renommierten Wissenschaftler avanciert ist, und der in seinem Laboratorium gerade einen künstlichen Menschen, den Homunkulus, erzeugt. Mit Mephistos Hilfe gelingt es ihm tatsächlich, und ein flammenartig leuchtendes, männliches Wesen erscheint. Das ist offensichtlich in der Lage, die Träume des schlafenden Faust erkennbar zu machen. So erfahren wir, dass Zeus sich als Schwan der Leda naht und so der Vater der schönen Helena wird. Der Homunkulus weist Mephisto mit Faust zur klassischen Walpurgisnacht nach Griechenland. Erichtho, die thessalische Hexe, rüstet sich auf den Pharsalischen Feldern zum „Schauderfeste dieser Nacht“, weicht aber Faust, Mephisto und dem Homunkulus aus, die soeben heranschweben, weil sie Lebenden nicht schaden will.


    Das Tableau wird in den folgenden Szenen turbulent, manchem im Publikum sogar unverständlich. Man muss Einführungen in das Werk lesen, um das Dargestellte nachvollziehen zu können: Faust wurde nach Griechenland versetzt; er will Helena treffen. Er trennt sich von Homunkulus und Mephisto und auf getrennten Wegen durchstreifen sie das Land. Mephisto staunt über die Welt am oberen Peneios, macht aber auch deutlich, dass sie ihm fremd ist:

    Mythische Gestalten tauchen auf;

    Sphinxe und Greife ringen mit Arimaspen, den Einäugigen, um Gold,

    kolossal große Ameisen rennen geschäftig umher,

    Sirenen stimmen ihre eigenartigen Gesänge an.


    Faust dagegen ist wundersam berührt von dieser Zauberwelt; er fragt die Sphinxe nach Helena, doch die wissen es nicht (oder wollen es ihm nicht sagen), raten ihm jedoch, Chiron, einen der Kentauren und Halbbruder von Göttervater Zeus, zu fragen. Und Faust folgt diesem Rat.


    Am Peneios sieht Faust Nymphen, junge Frauen und majestätische Schwäne. Erstaunt über diese wunderbaren Bilder fragt er sich, ob es Träume oder nur Erinnerungen an Gelesenes sind, die sich ihm jetzt offenbaren. Plötzlich aber dröhnt der Boden und Chiron naht auf einem schweren Pferd. Faust bittet den Halbgott, ihn zu Helena zu führen, doch Chiron hilft nicht, er weist Faust weiter zu der Seherin Manto. Und die macht sich mit ihm auf den Weg in Persephones Reich, aus dem Helena hervorgeholt werden soll.


    Nun erschüttert mit heftigem Beben Seismos die Erde. Während die Sirenen flüchten, harren die Sphinxe aus. Die riesigen Ameisen laufen weiterhin geschäftig umher, um das Gold einzusammeln, das Greife in Ritzen gesichtet haben. Pygmäen machen Anstalten, gegen Kraniche zu kämpfen und ldie Imsen schaffen Metall herbei, während Daktyle, die Hölzer aufschichten, mit denen sie Waffen schmieden wollen.


    Indessen streift Mephisto durch die Ebene und erlebt, dass sich die dürren und bleichgesichtigen Lamien an ihn drängen. Homunkulus möchte „entstehen“ und hat zwei Philosophen ausgemacht, die ihm weiterhelfen könnten. Anaxagoras und Thales streiten sich über die Entstehung eines neuen Gebirges. Anaxagoras hält das

    Plutonisch grimmig Feuer, Äolischer Dünste Knallkraft

    für grundlegend, während Thales die lebendige und bildende Kraft des Wassers für verantwortlich hält. Während dieses Gesprächs stechen wilde Kraniche mit scharfen Schnäbeln und Krallen auf das Pygmäenvolk ein. Anaxagoras reagiert entsetzt und ruft die „Dreinamig-Dreigestaltete“ herbei: Diana, Luna, Hekate.Und die zeigt sich ihm, nur ihm, denn Thales bemerkt sie nicht.


    Zwei Philosophen verschwinden gerade mit dem in seiner Phiole schwebenden Homunkulus zur einen Seite, während Mephisto von der anderen Seite her auftaucht. Der Weltfahrer Dryas ist zur Stelle und mischt sich ein, schickt Mephisto zu den Phorkyaden, jenen Schreckgestalten, die nur einen Zahn und ein Auge besitzen, die sie jedoch schwesterlichmiteinander teilen. Mephisto aber verzaubert sich – für die nächste Zeit – in den grottenhäßlichen Phorkys. Die Sirenen lagern sich singend auf den Klippen der Ägäis unter dem im Zenit stehenden Mond; Nereiden und Tritonen kommen mit den göttlichen Kabiren von Samothrake her.


    Thales bringt Homunkulus währenddessen zu Nereus, dem Vater der Nereiden, in der Hoffnung, dass der dem „Künstlichen“ zu einer körperlichen Existenz verhelfen kann. Doch Nereus denkt nicht im Traum daran; er wartet auf seine Tochter Galatee und schickt deshalb die beiden zu Proteus, den Alten von Meer, der die Gabe besitzt, in vielfältigsten Gestalten zu erscheinen. Und eben der naht, einmal als Riesenschildkröte, ein andermal in edler Gestalt. Thales schafft es, ihn zu fassen, indem er ihn mit der leuchtenden Phiole anlockt. Gern will Proteus dem wundersam-lichten Knaben helfen, zu „entstehen“. Als Delphin trägt er Homunkulus in die Meereswogen, in denen sich Psyllen und Marsen tummeln und die Doriden auf Delphinen reiten. Plötzlich naht auch die schöne Galatee auf ihrem Muschelthron, Homunkulus zerschellt an ihm - es flammt und blitzt

    Und rings um ist alles vom Feuer umronnen, / So herrsche denn Eros, der alles begonnen!


    DRITTER AKT


    Die Szene spielt in Sparta. Vor Menelaos' Palast beklagt die von Choretiden begleitete Helena das ungewisse Schicksal, das ihr Gatte für sie bestimmt hat. Von Troja kommend hatte er sie zur Vorbereitung eines Opfers zum Palast vorausgeschickt. Mephisto erscheint in der Gestalt der Phorkyas am Palast und verkündet ihr, dass sie selbst als Opfer bestimmt sei und zeigt ihr sofort einen Fluchtweg: an Eurotas Quellen sei eine feste Burg aufgetürmt worden, in die sie sich mit ihren Getreuen retten könne. Helena folgt diesem Rat, Nebel steigt auf und die Szene verwandelt sich in einen Burghof.


    Hier tritt Faust als der Burgherr auf und begrüßt Helena; an seiner Seite steht der gefesselte Lynkeus, der Turmwächter. Er soll hingerichtet werden, da er die Ankunft Helenas nicht rechtzeitig gemeldet hat. Doch Helena will das Urteil nicht hinnehmen und fordert Gnade für ihn. Faust ist über diese Großmut betroffen und legt ihr die Herrschaft über die Burg zu Füßen. Helena will ihn als Mitregenten an ihrer Seite sehen. Plötzlich ist Kriegslärm zu hören: das Heer Menelaos naht und Faust ruft die Fürsten zur Gegenwehr auf, zieht sich aber mit Helena nach Arkadien zurück.


    Unsichtbar halten sich Faust und Helena in einer weiträumigen unterirdischen Höhle auf. Sie liegen schlafend mit den Choretiden verteilt in der Höhle. Phorkyas (alias Mephisto) weckt sie alle auf. Man sieht das gemeinsame Kind von Faust und Helena, Euphorion, umher tollen. Während ein melodisches Saitenspiel erklingt, kommt der Knabe voller Lebenslust aus der Höhle hervor und fordert eine der wilden Figuren der Choretiden zum Tanz auf – sie flammt auf und lodert in die Höhe.


    Der vom Meer her ertönende Kriegslärm zieht Euphorion magisch an. Dem Ikarus gleich beflügelt, wirft er sich in die Lüfte, das Gewand trägt ihn zwar einen Augenblick, sein Gesicht strahlt vor Übermut und Lebenslust, doch vor den Augen seiner Eltern stürzt er sich zu Tode. Sein Körper verwandelt sich in eine Aureole und steigt zum Himmel auf; sein Kleid, der Mantel und die Lyra bleiben liegen. Leise hört man aus der Tiefe seine zum Erbarmen flehende Stimme:

    Lass mich im düstern Reich, Mutter, nicht allein!


    Die letzte Szene dieses Aktes ist von düsterem Abschied gekennzeichnet, denn Helena beklagt des Lebens wie der Liebe zerrissenes Band. Faust ein letztes Mal umarmend löst sich ihr Körper auf und in Fausts Armen bleiben Schleier und Kleid zurück. Die Choretiden verwandeln sich in Naturgeister, und aus Phorkyas wird wieder Mephisto.



    VIERTER AKT


    Faust findet sich im Hochgebirge wieder; die Traumerlebnisse fallen wie ein lästiger Schleier von ihm ab. Er fühlt sich ausgeruht, frisch und gestärkt. Was ihn schon lange ärgert muss er ändern: das herrische und ungestüme Meer wälzt sich immer wieder an das Land und macht es unfruchtbar. Er muss für Dämme sorgen und dem Wasser fruchtbares Land abringen.


    Da ertönt aus der Ferne kriegerische Musik; wir hören, dass das Reich in Gefahr ist. Eine Blase verblenderischen Reichtums, durch das Papiergeld hervorgerufen, hat den Kaiser zum Leichtsinn und das Reich ins Chaos getrieben. Durch unheilvolle Allianzen wurde von Fürsten ein Gegenkaiser ausgerufen. Aber mit Fausts Hilfe und durch Mephistos Zauberkraft kann sich der Herrscher nicht nur auf dem Thron halten, sondern auch seine Gegner bezwingen. Und der Kaiser erweist sich gegenüber Faust dankbar: Er gibt ihm jenen unfruchtbaren Küstenstreifen als Lehen, den sich Faustfür seinen neuen Tatendrang ausersehen hat.



    FÜNFTER AKT


    Philemon und Baucis, die berühmtesten Alten der griechischen Mythologie und ebenso berühmt für ihre den Göttern gewährte Gastfreundschaft, haben in diesem Akt ihren Auftritt. Sie wollen partout ihre ärmliche Hütte nicht aufgeben, die Faust als Schandfleck seines Herrschaftsgebietes betrachtet. Er wünscht sich an der Stelle der erbärmlichen Kate seine Altersruhesitz – und Mephisto ist natürlich und gründlichst behilflich: Der Alten Hütte brennt nieder, Philemon und Baucis kommen im Feuer um und Faust ist entsetzt über diesen wilden Einfall Mephistos. Traumartig sieht er plötzlich vier alte, graue Weiber, Mangel, Schuld, Not und Sorge, und hinter ihnen erblickt Faust zu seinem Schrecken den Tod. Merkwürdig: Not, Mangel und Schuld verschwinden aus seinem Blick, aber die andere, die Sorge, bleibt. Nicht nur das: die Alte und Graue haucht ihn an und Faust erblindet. In seinem unermüdlichen Streben ruft er Mephisto herbei, der für ihn ein Sumpfgebiet trockenlegen soll, denn, und das ist Fausts Weisheit:

    Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.

    Dabei bleibt es aber nicht, denn Faust wird bewusst, dass er am Ende seines Lebens angelangt ist; er bäumt sich auf und verkündet laut einen Wunsch:

    Zum Augenblicke dürft‘ ich sagen: / Verweile doch, du bist so schön!

    Es kann die Spur von meinen Erdentagen / nicht in Äonen untergehn.


    Aber Faust ist am Lebensende angelangt, er sinkt tot zurück – und Mephisto sieht seinen Plan als erfüllt an: Fausts Seele gehört ihm. Lemuren, begleitet von den Dickteufeln mit kurzem und geradem Horn und den Dürrteufeln mit langen und krummen Horn, haben bereits Fausts Grube ausgehoben. Mephisto aber, der sich seiner Sache so sicher fühlte, wird durch Heerscharen von Engeln in die Realität zurückgeholt: Sie heben Fausts Seele, die Unsterbliche, in die Höhe und führen sie fort, nach oben. Frauen ziehen vorbei, heilige Büßerinnen, darunter auch Gretchens unsterbliche Seele, die sich liebevoll verzeihend Fausts unsterblicher Seele zuneigt – alle schweben sie der Mater Gloriosa zu, und vereinen sich zum Chorus Mysticus:

    Alles Vergängliche / Ist nur ein Gleichnis! /Das Unzulängliche, / Hier wird's Ereignis;

    Das Unbeschreibliche, / Hier ist's getan; / Das Ewig-Weibliche / Zieht uns hinan.


    © Manfred Rückert für den Schauspielführer im Tamino-Klassikforum 2021

    unter Hinzuziehung von Schauspielführern aus dem Reclam-Verlag und Georg Hensels Spielplan I,

    digbib (Dramen Text), sowie AnthroWiki, Inhaltsangabe 24, LernHelfer, u.a.

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    MUSIKWANDERER

    Einmal editiert, zuletzt von musikwanderer ()

  • Eine Aufzeichnung der berühmten Gründgens-Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Als Faust ist Will Quadflieg, als Mephisto Gustaf Gründgens zu hören. Aber die Liste der renommierten Schauspieler dieser Inszenierung ist noch viel länger: Benno Gellenbeck, Hermann Schomberg, Volker Brandt, Uwe Friedrichsen, Eduard Marks, Maria Becker, Solveig Thomas, Antje Weisgerber - um nur einige wenige zu nennen.

    :hello:

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    MUSIKWANDERER

  • Lieber Musikwanderer,


    vielen Dank für Deine ausführliche Inhaltsangabe dieses vielschichtigen und wortgewaltigen 'Wahnsinnsstücks', in das ganze Generationen von Literatur-Wissenschaftlern immer wieder neue Ideen und Thesen hineininterpretiert haben und das doch das rätselhafteste Werk der Theaterliteratur geblieben ist. Johann Wolfgang von Goethe nannte den zweiten Teil seines „Faust“ sehr untertreibend ein 'episches Gedicht' - die vielen Chorpassagen sah er sogar für eine opernhafte Vertonung vor – und hat mit dieser intellektuellen Großtat und seiner phantastischen Reise durch Zeiten und Orte die Grenzen des Theaters weit überschritten. Dieses personenreiche Bühnenwerk (wohl 230 Rollen incl. Choristen und Statisten) mit seinen nicht weniger als 26 Szenenwechseln und gigantischen Anforderungen an die Kostüm- und Bühnenwerkstätten – ganz zu schweigen von den schauspielerischen Strapazen für die Hauptdarsteller – ist m. W. bisher zur Gänze nur in der vollkommen strichlosen Inszenierung Peter Steins bei der 'EXPO 2000' in Hannover (reine Spieldauer: 9 Stunden, verteilt auf zwei Abende und auf 18 Bühnen) aufgeführt worden. (Zusammen mit „Faust I“ kam man sogar auf eine Aufführungsdauer von 21 Stunden incl. einiger Pausen!)


    Daher müsste der „Faust II“ für die 'Hörbühne' (Rundfunk, Schallplatte und Hörbuch) leichter zu realisieren sein, doch es gibt nur wenige Einspielungen. Die nachstehend genannten Aufnahmen enthalten schon allein wegen der zeitlichen Dimension einer Aufführung bzw. Rundfunksendung zahlreiche 'Fehlstellen', d. h. mehr oder weniger umfangreiche Kürzungen des Textes, Wegfall einzelner Personen und sogar die Streichung ganzer Szenen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit bei den Besetzungsangaben folgt zuerst eine Aufstellung der einzelnen Szenen mit den darin auftretenden Personen (die teilweise in mehreren Szenen zu sehen sind) in der Reihenfolge ihres Auftritts, um die Rollen und ihre Interpreten zuordnen zu können; außerdem kann man daraus auch die gestrichenen Szenen in den Tondokumenten erkennen.



    „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe


    Erster Akt:

    Szene 1 - „Anmutige Gegend“: Ariel, Faust, Chor.

    Szene 2 - „Thronsaal der kaiserlichen Pfalz“: Kaiser, Zwei Junker, Mephistopheles, Kanzler, Heermeister, Schatzmeister, Marschalk, Astrologe, Chor.

    Szene 3 - „Weitläufiger Saal mit Nebengemächern“: Herold, Gärtnerinnen, Gärtner, Allegorien (Olivenzweig mit Früchten, Ährenkranz, Phantasiekranz und -strauß, Rosenknospen), Mutter, Tochter (stumme Rolle), Holzhauer, Pulcinelle, Parasiten, Trunkener, Satiriker, Aglaia, Hegemone, Euphrosyne, Atropos, Klotho, Lachesis, Alekto, Megäre, Tisiphone, Furcht, Hoffnung, Klugheit, Zoilo-Thersites, Knabe Wagenlenker, Plutus (Faust), Abgemagerter, Hauptweib, Weiber, Geiz, Faune, Satyr (Der Kaiser), Gnomen, Riesen, Nymphen, Chor.

    Szene 4 - „Lustgarten“: Faust, Kaiser, Mephistopheles, Marschalk, Heermeister, Schatzmeister, Kanzler, Zwei Pagen, Zwei Kämmerer, Zwei Bannerherren, Narr.

    Szene 5 - „Finstere Galerie“: Mephistopheles, Faust.

    Szene 6 - „Hell erleuchtete Säle“: Kämmerer, Marschalk, Mephistopheles, Blondine, Braune, Dame, Page.

    Szene 7 - „Rittersaal“: Herold, Astrologe, Mephistopheles, Architekt, Faust, Sechs Damen, Zwei Ritter, Kämmerer, Junge Dame, Ältere Dame, Älteste Dame, Diplomat, Hofmann, Poet, Duenna, Gelehrter, Erscheinung von Helena und Paris (stumme Rollen).


    Zweiter Akt:

    Szene 8 - „Studierstube“: Mephistopheles, Insekten, Famulus, Baccalaureus, Chor.

    Szene 9 - „Laboratorium“: Wagner, Mephistopheles, Homunculus.

    Szene 10 - „Pharsalische Felder“: Erichtho, Homunculus, Mephistopheles, Faust.

    Szene 11 – Am oberen Peneios I“: Mephistopheles, Zwei Greife, Ameisen, Arimaspen, Sphinx, Sphinxe, Sirenen, Faust, Chor.

    Szene 12 - „Am unteren Peneios“: Peneios, Faust, Nymphen, Chiron, Manto, Chor.

    Szene 13 - „Am oberen Peneios II“: Sirenen, Seismos, Sphinxe, Greife, Ameisen, Pygmäen, Daktyle, Generalissimus, Imsen, Kraniche des Ibykus, Mephistopheles, Lamien, Empuse, Oreas, Homunculus, Anaxagoras, Thales, Dryas, Phorkyas (Mephistopheles), Phorkyaden, Chor.

    Szene 14 - „Felsbuchten des ägäischen Meers“: Sirenen, Nereiden, Tritonen, Thales, Homunculus, Nereus, Proteus, Telchinen, Psyllen, Marsen, Doriden, Jünglinge, Galatee, Echo, Chor.


    Dritter Akt:

    Szene 15 - „Vor dem Palast des Menelas zu Sparta“: Helena, Panthalis, Phorkyas (Mephistopheles), Sechs Choretiden, Chorführerin, Chor.

    Szene 16 - „Innerer Burghof“: Chorführerin, Helena, Faust, Lynceus, Phorkyas (Mephistopheles), Chor.

    Szene 17 - „Schattiger Hain“: Phorkyas (Mephistopheles), Euphorion, Helena, Faust, Panthalis, Vierfach geteilter Chor.


    Vierter Akt:

    Szene 18 - „Hochgebirg“: Faust, Mephistopheles, Raufebold, Habebald, Haltefest.

    Szene 19 - „Auf dem Vorgebirg“: Obergeneral, Kaiser, Zwei Kundschafter, Faust, Vier Herolde, Raufebold, Habebald, Eilebeute, Haltefest, Mephistopheles.

    Szene 20 - „Des Gegenkaisers Zelt“: Eilebeute, Habebald, Vier Trabanten des Kaisers, Kaiser, Erzmarschall, Erzkämmerer, Erztruchsess, Erzschenk, Erzbischof, Erzkanzler, Geistlicher.


    Fünfter Akt:

    Szene 21 - „Offene Gegend“: Wanderer, Baucis, Philemon.

    Szene 22 - „Palast“: Lynceus, Faust, Mephistopheles, Drei gewaltige Gesellen, Chor.

    Szene 23 - „Tiefe Nacht“: Lynceus, Faust, Mephistopheles, Drei gewaltige Gesellen.

    Szene 24 - „Mitternacht“: Mangel, Schuld, Sorge, Not, Faust.

    Szene 25 - „Großer Vorhof des Palastes“: Mephistopheles, Lemuren, Faust, Chor.

    Szene 26 - „Grablegung“: Lemur, Lemuren, Mephistopheles, Die himmlische Heerschar, Chor der Engel, Chor.

    Szene 27“ - „Bergschluchten“: Chor und Echo, Pater Ecstaticus, Pater Profundus, Pater Seraphicus, Die seligen Knaben, Chor der Engel, Doctor Marianus, Chor der Büßerinnen, Magna Peccatrix, Mulier Samaritana, Maria Aegyptiaca, Una Poenitentium – sonst Gretchen genannt, Mater Gloriosa, Chorus Mysticus.



    Das gab es auf Schallplatten:


    Faust – Will Quadflieg / Mephistopheles – Gustaf Gründgens / Ariel – Ullrich Haupt / Der Kaiser – Sebastian Fischer / Der Kanzler – Gerhard Bünte / Der Heermeister – Kurt Langanke / Der Schatzmeister – Fritz Wagner / Der Marschalk – Benno Gellenbeck / Der Herold – Ullrich Haupt / Eine Mutter – Maria Becker / Der Trunkene – Hermann Schomberg / Die Furcht – Hannelore Koblentz / Die Hoffnung – Ursula Lillig / Die Klugheit – Solveig Thomas / Knabe Wagenlenker – Volker Brandt / Der Narr – Ludwig Linkmann / Famulus – Ulrich Erfurth / Baccalaureus – Uwe Friedrichsen / Wagner – Eduard Marks / Erichtho – Maria Becker / Chiron – Hermann Schomberg / Manto – Hannelore Koblentz / Empuse – Ella Büchi / Dryas – Ursula Lillig / Helena – Antje Weisgerber / Panthalis – Herta-Maria Gessulat / Lynceus – Ullrich Haupt / Euphorion – Volker Brandt / Raufebold – Uwe Friedrichsen / Habebald – Rudolf Fenner / Haltefest – Eugen Klimm / Ein Kundschafter – Hubert Hilten / Ein Wanderer – Hermann Schomberg / Baucis – Elly Burgmer / Philemon – Joseph Offenbach / Der Mangel – Margund Sommer / Die Schuld – Herta-Maria Gessulat / Die Sorge – Maria Becker / Die Not – Elisabeth Goebel / Pater Ecstaticus – Volker Brandt / Pater Profundus – Hermann Schomberg / Doctor Marianus – Will Quadflieg / Una Poenitentium, sonst Gretchen genannt – Antje Weisgerber / Mater Gloriosa – Maria Becker / Musik: Mark Lothar / Bearbeitung und Inszenierung: Gustaf Gründgens / Aufnahme-Regie: Peter Gorski (Studio-Aufnahme vom Herbst 1958 nach der Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg). In Gustaf Gründgens' Bühnenfassung (mit zahlreichen Kürzungen) fehlen folgende Szenen: Nr. 6 („Hell erleuchtete Säle“), Nr. 11 („Am oberen Peneios I“) und Nr. 14 („Felsbuchten des ägäischen Meers“); auch ist die Rolle des 'Homunculus' komplett gestrichen!.

    Veröffentlicht 1959 vom 'Literararischen Archiv der Deutschen Grammophon Gesellschaft' auf drei Schallplatten (Spieldauer: 134,16 Minuten) und später in verschiedenen Ausgaben auf LP und CD erneut herausgegeben. Ich habe noch einige Presseberichte und Zeitungskritiken zu der Premiere (in Anwesenheit der intellektuellen und politischen Prominenz jener Jahre) am 9. 5. 58 im Hamburger Schauspielhaus. Während die Aufführung beim Publikum sehr gut 'ankam' (vor allem Maria Beckers 'durchgeknallte' Erichtho und die überragende sprachlich-darstellerische Leistung Gustaf Gründgens wurden gefeiert), hatten die Berufskritiker wieder einmal viel zu bemäkeln. Leider wurde diese Inszenierung – die auch nicht auf Reisen ging wie der „Faust I“ - nicht optisch dokumentiert...



    Das gab es im Rundfunk:


    Faust – Horst Caspar / Mephistopheles – Erich Ponto / Der Kaiser – Kurt Lieck / Der Kanzler – Werner Hessenland / Der Heermeister – Wilhelm Pilgram / Der Schatzmeister – Heinrich Fürst / Der Marschalk – Bernd M. Bausch / Baccalaureus – Klaus Ponto / Famulus – Eduard Hermann / Wagner – Ernst Hetting / Homunculus – Edith Heerdegen / Chiron – Gerhard Geisler / Manto – Marlene Riphahn / Helena – Maria Wimmer / Lynceus – Hannsgeorg Laubenthal / Euphorion – Renate Hofrichter / Ein Wanderer – Peter-René Körner / Philemon – Paul Maletzki / Baucis – Else Bischoff / Sorge – Emmy Graetz / Una Poenitentium, sonst Gretchen genannt – Antje Weisgerber / In weiteren Rollen: Hilde Engel, Ursula Götz-Egydi, Gerda Gymnich, Trude Meinz, Frank Barufski, Heinz Drache, Alf Marholm, Alwin Joachim Meyer, Hans Müller-Westernhagen und Hermann Stein / Eine Aufnahme des Westdeutschen Rundunks Köln vom August 1949 / Funkbearbeitung und -regie: Ludwig Berger / Künstlerische Gesamtleitung: Wilhelm Semmelroth (WDR Westdeutscher Rundfunk Köln, Sendung am 28. 8. 1949).

    Diese Aufnahme wurde nicht auf Schallplatten gepresst, sondern ist nur auf CD erschienen u. z. 1999 bei 'Litraton' auf 5 CDs (zusammen mit der WDR-Aufnahme des „Faust – Erster Teil“ von 1952) und 2011 bei 'Random House Audio' in der Box „Johann Wolfgang von Goethe: Werke“ (40 CDs). Diese Rundfunk-Produktion (Dauer: 132 Minuten), die merkwürdigerweise vor dem ersten Teil des „Faust“ - aufgenommen im März 1952 - entstand, ist für mich ebenso bedeutend wie die Schallplatten-Aufnahme aus Hamburg und zugleich auch eine wertvolle Erinnerung an Horst Caspar (der mit Antje Weisgerber verheiratet war und Ende 1952 mit erst 39 Jahren starb) und Erich Ponto.


    Faust – Thomas Holtzmann / Mephistopheles – Will Quadflieg / Ariel – Detlef Jacobsen / Der Kaiser – Wolfgang Stendar / Zwei Junker – Hans Brand und Peter Kollek / Der Kanzler – Paul Hoffmann / Der Heermeister – Helmut Janatsch / Der Schatzmeister – Gerhard Geisler / Der Astrologe – Curth A. Tichy / Der Herold – Erik Frey / 'Olivenzweig' – Dietlind Haug / Eine Mutter – Margaret Carl / Ihre Tochter – Helma Gautier / Der Trunkene – Edd Stavjanik / Knabe Wagenlenker – Karl-Heinz Martell / Ein Satyr – Detlef Jacobsen / Zwei Pagen – Heinz Ehrenfreund und Adolf Beinl / Zwei Kämmerer – Josef Wichart und Herbert Fux / Der Narr – Max Mairich / Die Blondine – Maria Urban / Die Braune – Dietlind Haug / Der Diplomat – Reinhold Siegert / Der Poet – Richard Tomaselli / Die Duenna – Roswitha Posselt / Baccalaureus – Bruno Dallansky / Wagner – Joachim Teege / Homunculus – Margaret Carl / Erichtho – Gisela Mattishent / Chiron – Paul Hartmann / Manto – Erna Korhel / Empuse – Ingrid Kohr / Anaxagoras – Benno Sterzenbach / Thales – Hanns Obonya / Helena – Sonja Sutter / Lynceus – Paul Schöffler / Euphorion – Karl-Heinz Martell / Ein Mädchen - Helma Gautier / Raufebold – Michael Janisch / Habebald – Edd Stavjanik / Haltefest – Max Mairich / Ein Wanderer – Benno Sterzenbach / Philemon – Rudolf Forster / Baucis – Mila Kopp / Der Mangel – Erna Korhel / Die Schuld – Gertrud Ramlo / Die Sorge – Alma Seidler / Die Not – Roswitha Posselt / Pater Ecstaticus – Helmut Janatsch / Pater Profundus – Paul Hartmann / Doctor Marianus – Thomas Holtzmann / Magna Peccatrix – Margaret Carl / Mulier Samaritana – Gertrud Ramlo / Maria Aegyptiaca – Roswitha Posselt / Una Poenitentium, sonst Gretchen genannt – Aglaja Schmid / Mater Gloriosa – Gisela Mattishent / Eine Aufführung der Salzburger Festspiele 1963 im Kleinen Festspielhaus, aufgenommen am 3. 8. 1963 / Musik: Rolf Langnese / Einstudierung der Sprechchöre: Ellen Widmann / Bearbeitung und Inszenierung: Leopold Lindtberg (ORF Österreichischer Rundfunk, Sendung am 20. 8. 1963).

    Nach den Aufführungen des „Faust I“ im 'Großen' Salzburger Festspielhaus bei den Festspielen 1961 und 1962 wechselten der Regisseur Leopold Lindtberg und der Ausstatter Teo Otto bei ihrer „Faust II“-Inszenierung für die Jahre 1963, 1964 und 1965 in das akustisch für das Sprechtheater besser geeignete 'Kleine' Salzburger Festspielhaus (auch „Faust I“ wurde 1964 und 1965 in diesem Theaterbau neu einstudiert). Bemerkenswert ist 1963 die Besetzung des Türmers 'Lynceus' mit dem Sänger Paul Schöffler; 1964 und 1965 spielte der Münchner Schauspieler Peter Lühr diese Rolle.



    Das gab es im Fernsehen:


    Faust – Wolfgang Dehler / Mephistopheles – Fred Diesko / Helena – Rosemarie Deibel und 44 weitere Mitglieder des Ensembles des Nationaltheaters Weimar / Eine Aufführung des Nationaltheaters Weimar vom 31. 3. 1968 / Inszenierung: Fritz Bennewitz /

    Bühnenbild: Franz Havemann / Kostüme: Ingrid Rahaus / Choreographie: Ruth Wolf / Fernsehregie: Peter Deutsch (DFF Deutscher Fernsehfunk, Sendung am 12. 4. 1968). Für diese Inszenierung komponierte Jens-Uwe Günther die Bühnenmusik, die vorab im Tonstudio eingespielt wurde. Unter den Gesangssolisten befand sich auch die später bekannt gewordene Sopranistin Ingeborg Zobel; Jens-Uwe Günther dirigierte den Chor des Nationaltheaters Weimar und Mitglieder der Weimarischen Staatskapelle.


    Faust – Manfred Heine / Mephistopheles – Klaus-Martin Boestel u. a. / Eine Aufführung des Nationaltheaters Weimar / Inszenierung: Fritz Bennewitz / Bühnenbild: Franz Havemann / Kostüme: Ingrid Rahaus / Choreographie: Grita Krätke / Fernsehregie: Margot Thyrét (Fernsehen der DDR, Sendung am 9. 11. 1975). Diese Neuinszenierung entstand anlässlich der Feierlichkeiten '1000 Jahre Weimar'. Wieder wurde die Bühnenmusik von Jens-Uwe Günther verwendet, die unter seiner Leitung neu aufgenommen wurde. Zwei spätere Sänger der Staatsoper Berlin befanden sich unter den Gesangssolisten: Uta Priew und Peter-Jürgen Schmidt.


    Faust – Bernhard Baier / Mephisto – Matthias Günther / Der Kaiser – Dietmar Terne / Der Herold – Ulrich Mühe / Homunculus – Andreas Hermann / Helena – Heike Jonca und Ensemble-Mitglieder des Städtischen Theaters Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) sowie Studenten der Theater-Hochschule 'Hans Otto' in Leipzig / Inszenierung: Piet Drescher / Bühnenbild: Wolfgang Bellach / Kostüme: Helga Laue / Choreographie: Heinz Kretzschmann / Fernsehregie: Margot Thyrét (Fernsehen der DDR, Sendung am 22. 4. 1984). Auch für diese Inszenierung wurde die Bühnenmusik von Jens-Uwe Günther gespielt.


    Faust – Bruno Ganz und Christian Nickel / Mephistopheles – Robert Hunger-Bühler, Johann Adam Oest und Christine Oesterlein / Helena – Corinna Kirchhoff / Das Ensemble des „Faust“-Projekts (in diversen Rollen): Hille Beseler, Melanie Blocksdorf, Dorothee Harlinger, Brigitte Hobmeier, Ana Kerezovic, Tanja Kübler, Elke Petri, Gisela Salcher, Schirin Sanaiha, Nicole Schößler, Petra Tauschler, Stephan Baumecker, Justus Carrière, Stephan von der Decken, Aom Flury, Christian Habicht, Jürgen-Christoph Kamke, Daniel Keberle, Lorenz Christian Köhler, Thorsten Loeb, Bernd Ludwig, Patrick O'Beirne, Alexander Peutz, Rainer Philippi, Hans Michael Rehberg, Michael Rotschopf, Jürgen Sarkiss, Johannes Zeiler / Inszenierung: Peter Stein / Bühnenbild: Stefan Mayer / Kostüme: Moidele Bickel / Musik: Arturo Annecchino / Fernsehregie: Thomas Grimm / Ein Zusammenschnitt von Proben und Aufführungen im 'Arena-Theater' Berlin im Oktober und November 2000 (ZDF Zweites Deutsches Fernsehen, Sendung am 18. 2. 2001 auf '3sat').

    Peter Steins 'Faust-Projekt' für die Weltausstellung „Expo 2000“ in Hannover brachte die beiden Teile von Goethes „Faust“ erstmals ungekürzt an je zwei Abenden in einer Länge von 21 Stunden (reine Spieldauer: 13 Stunden) auf die Theaterbühne, verteilt auf 18 Bühnen in einer Halle auf dem Ausstellungsgelände. Die Neueinstudierung dieser Produktion am 'Arena-Theater', einer ehemaligen Industriehalle in Berlin-Treptow, wurde vom Zweiten Deutschen Fernsehen aufgezeichnet: „Faust I“ wurde am 16. 2. 2001 im 'ZDF' gezeigt, während „Faust II“ am 18. 2. 2001 (mit einer Dauer von 9 Stunden) nur im Kultursender '3sat' zu sehen war. Auf DVD erschien 2007 bei 'Arthaus' eine 870 Minuten dauernde Fassung („Faust I und II“) dieser Aufführungen; leider gibt weder der Abspann der TV-Aufzeichnung noch das Beiheft der DVD-Ausgabe eine detaillierte Rollenbesetzung.



    Natürlich hat ein derart die Grenzen sprengendes Bühnenwerk nicht nur Bewunderung hervorgerufen und schon bald nach der Veröffentlichung des Textes 1832 und den sporadischen ersten Aufführungen ab 1856 gab es kritische Rezensionen und sogar Parodien. Am bekanntesten wurde die wohl beste Satire auf Goethes 'zweiten' „Faust“:


    „Faust. Der Tragödie dritter Theil. Treu im Geiste des zweiten Theils des Goethe'schen Faust gedichtet von Deutobold Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinsky“, veröffentlicht 1862. Hinter diesem Namen verbirgt sich der schwäbische Ästhetiker und Professor für deutsche Literaturgeschichte, Friedrich Theodor (von) Vischer (1807-1887), dem wir zahlreiche wissenschaftliche Werke, aber auch Gedichte und Aphorismen zu verdanken haben – von ihm stammt auch der Begriff „Die Tücke des Objekts“. Der renommierte Regisseur Ludwig Cremer hat 1969 für den WDR diese Satire – die nicht nur dem 'Kenner' von Goethes Schauspiel Spaß bereitet - für den Rundfunk bearbeitet und in drei Folgen (mit der Musik von Hans-Martin Majewski, interpretiert von den Rosy-Singers) inszeniert:


    „Faust. Der Tragödie dritter Teil“ (1): Faust – Hermann Schomberg / Mephisto – Joachim Teege / Lieschen – Ursula Herking / Die Stimme des Herrn – Heinz Klevenow / Der Erzengel Michael – Edwin Dorner / ferner Sabine Postel, Marlies Spohr, Rosemarie Vörkel, Jaromir Borek, Stephan Brückner, Thomas Brückner und Wolfgang Peau / Der Sprecher: Balduin Baas / Regie: Ludwig Cremer (Westdeutscher Rundfunk Köln, Sendung am 10. 1. 1970).


    „Faust. Der Tragödie dritter Teil“ (2): Faust – Hermann Schomberg / Mephisto – Joachim Teege / Erste 'Mutter' – Ida Ehre / Zweite 'Mutter' – Ruth Hellberg / Dritte 'Mutter' – Elfriede Rückert / Helena – Lore Lorentz / Euphorion – Maria Häussler / Ein Schemen – Helmut Peine / Ein kleiner Fuchs – Walter Bluhm / Valentin – Benno Sterzenbach / Der Sprecher: Balduin Baas / Regie: Ludwig Cremer (Westdeutscher Rundfunk Köln, Sendung am 17. 1. 1970).


    „Faust. Der Tragödie dritter Teil“ (3): Mephisto – Joachim Teege / Valentin – Benno Sterzenbach / Bärbel – Edith Hancke / Denkerke – Alfred Balthoff / Grübelwitz – Alois Garg / Brösamle – Josef Meinertzhagen / Deuterke – Otto Rouvel / Scharrer – Walter Bluhm / Alter Herr – Helmut Peine / Ein Unbekannter – Kurt Horwitz / Der Sprecher: Balduin Baas / Regisseur: Ludwig Cremer (Westdeutscher Rundfunk Köln, Sendung am 24. 1. 1970).


    Allein schon die Namen Edith Hancke, Ursula Herking und Lore Lorentz zeigen, dass hier Unsinn 'auf hohem Niveau' getrieben wird. Leider sind diese jeweils ca. 50 Minuten dauernden Sendungen – die zuletzt vom Hessischen Rundfunk am 24. 4., 1. 5. und 8. 5. 2011 gesendet wurden – m. W. bisher nicht als 'Hörbuch' erschienen.


    Zum Schluss noch ein weiser Spruch von Friedrich Theodor Vischer: „Das Leben ist schwer, das will Bedacht: vor dir besonders nimm dich in acht!“


    Carlo

  • Es gibt meiner Erinnerung nach noch einen "Faust I" und "Faust II" aus dem Theater Graz, erstmals 1982 auf ORF 1 gesendet und 1988 auf 3sat wiederholt. Regie führte Kurt Josef Schildknecht.

  • Ich habe Faust II nie gelesen,


    aber ich erinnere mich an eine Schulstunde...... es war gerade langweilig, und ich hatte heimlich im Reklambüchlein die Inhatsangabe von II gelesen, als der ( hochintelligente ) Lehrer fragte ob jemand den 2.Teil gelesen habe......ich hatte dann aus dem Kurzzeitgedächtnis die Inhatsangabe abgeliefert. Der Herr Oberstudienrat war begeistert weil er das nicht erwartet hatte, jedenfalls hatte ich dann bei ihm "einen Stein im Brett". Aber der Faust I hat mich nie losgelassen, habe alle Aufführungen in meiner Gegend besucht......Bruchsal, Baden-Baden, Stuttgart......und werde immer wieder hingehen wenn er auf dem Spielplan steht. Mein Vater hatte den Mephisto gegeben ( passte zu ihm ), aber da war ich noch zu jung. Gründgens hatte ich als Hörspiel (I) sehr genossen.

    Werde den zweiten Teil doch nachholen müssen.....


    Kalli

  • Faust I und II gehörten in der Abiturklasse zur Pflichtlektüre. Ich mußte es lesen, war sicher durch die Pflicht von beiden teilen nicht begeistert. Aus dem 2. Teil mußten wir den Monolog "Ein Sumpf zieht am Gebirge hin...." sogar auswendig lernen, was auch nicht dazu führte, meine Liebe zu vertiefen.

    Jetzt allerdings gehört der Teil I zu meinen Favoriten im Schauspiel, die Gründgens-Inszenierung ist mindestens 1x jährlich auf meinem DVD-Player. Und seit es in Gera zu Verunstaltungen (Fausts Studierstube wurde z.B. in den OP-Raum eines Pathologen verlegt) kam, meide ich Livebesuche. Dennoch habe ich tolle Inszenierungen in Weimar (1961), Gera (3x), in Kronach auf der Burg und besonders in Dessau erleben dürfen. Aber zu Faust II habe ich noch immer keine Bindung.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Aber zu Faust II habe ich noch immer keine Bindung.

    Das kann ich aber hunderterpro nachvollziehen, lieber La Roche, denn ich weiß, wovon ich schreibe: diese Inhaltsangabe hat mich monatelang mit immer wieder neuem Lesen des Reclam-Heftes "Faust II" beschäftigt...

    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ich habe zu Faust ein zwiespältiges Verhältnis. Dem "Faust I" ziehe ich den "Urfaust" vor: ein Stück wie der Götz, Woyzeck oder die besten Sachen von Brecht. Den "Faust II" habe ich überflogen und danach keine Lust gehabt, das zu lesen. Man muss bedenken, dass es nicht viel Sinn macht, den Faust II ohne Kommentar zu lesen, worin die vielen Anspielungen erklärt werden. Ein Buch, dass in jeder Zeile lange Fußnoten hervorbringt, muss von mir gänzlich ungelesen bleiben. Dennoch, mein lieber Manfred, werde ich deine Inhaltsangabe ausdrucken und sie dort lesen, wo ich die größte Muße habe: in der Badewanne!

    ...wieweit soll unsere Trauer gehn? Wieweit darf sie es, ohne uns zu entwurzeln? (Die Tote Stadt)