Keith Jarrett - Der Solist

  • Im Oktober 2021 verkündete Keith Jarrett aus gesundheitlichen Gründen das Ende seiner musikalischen Karriere: "Ich kann nur noch mit der rechten Hand spielen - das überzeugt mich nicht".

    Ein Blutgerinsel hat sein Gehirn geschädigt. Er wird keine Konzerte mehr mit ihm geben.


    * * * * *


    Es gibt in seinem Schaffen neben den Auftritten mit seinem Trio ein Genre, das in seinen Dimensionen solitär ist: die grossangelegten Improvisationen vor Publikum. Für manche ein Egotrip, für andere, zu denen ich mich zähle, ein einzigartiges Phänomen in der Musikgeschichte. Es gibt keinen anderen Pianisten, der uns mit seinem Ideenreichtum und Improvisationstalent im Konzert oder festgehalten auf Tonträgern immer wieder überrascht hat.


    Das Label ECM hat diese Live Konzerte veröffentlicht. In diesem Thread sollen sie nebst anderen Solo-Einspielungen vorgestellt werden.


    Das The Köln Concert Album ist das meistverkaufte der Jazzgeschichte. (Stand 2022: 3,5 Millionen)

    Die Aufführung besteht aus vier Stücken. Es dauert über eine Stunde und ist eine Demonstration von Keith Jarretts Genie, ein besserer Ausdruck fällt mir für diesen Ausnahmepianisten nicht ein.



    Es gibt einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag.


    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Köln_Concert


    Von diesem legendären Auftritt am 24. Januar 1975 in der Kölner Oper, wohl verstanden eine Improvisation, gibt es eine Transkription, die im Notendruck bei Schott erschienen ist.





    Im November 1976 trat Keith Jarrett an fünf Konzerten in Japan als Solist auf: in Kyoto, Osaka, Nagoya, Tokio und Sapporo. Veröffentlich wurden die Improvisationen in einer Box mit dem Titel Sun Bear Concerts.


    400 Minuten Improvisationskunst vom Feinsten. Kein Konzert gleicht dem anderen. Da die Wiedergabe jeder Veranstaltung mit der Zugabe länger als die Spieldauer einer CD dauert, wurden die Encores auf einer separaten CD veröffentlicht. Die ursprüngliche Vinyl-Ausgabe ist mit 10 LPs ein Schwergewicht und mit ihren Fotografien auch ein grafisch hervorragend gestaltetes Objekt.


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    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Keith Jarrets Musik begegnete mir zu ersten mal in dem Album Bremen/Lausanne


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    im Jahre 1973. Als CD natürlich immer noch zu kaufen



    Es ist bei weitem nicht so berühmt, wie The Köln Concert, hat mir aber immer etwas mehr bedeutet. Für mich war dieses Hineingraben in den Klavierton und das Entwickeln aus ganz kleinen Keimzellen ein wichtiges musikalisches Erlebnis. Bremen/Lausanne hatte etwas mehr Ecken und Kanten (und durchaus auch etwas mehr Leerlauf :)), was dann aber der weiteren Entwicklung des Spielks mehr Gewicht gibt.


    "The Köln Concert" kam direkt hinterher. Tatsächlich kannten das auch einige meiner Klassenkameraden, die ansonsten anderer Musik frönten ..


    Für die Sun Bear Concerts hatte ich damals 100+ DM ausgegeben (ich weiß das noch, weil das für mich zu der Zeit viel Geld war) und kam dann mit einem mehrere Kilo schweren Album mit 10 Platten nach Hause ....


    Aus dem Album


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  • Lieber astewes


    Was du als Leerlauf bezeichnest, ich denke, er gehört zur Improvisation. Sie entsteht aus dem Moment, unmittelbar, es ist eine Reise, auf die uns der Pianist mitnimmt. Als Hörer muss man sich darauf einlassen. Es ist die Besonderheit dieses musikalischen Ausdrucks im Gegensatz zu einem komponierten Werk, die mich fasziniert.


    LG moderato

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    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Was du als Leerlauf bezeichnest, ich denke, er gehört zur Improvisation. Sie entsteht aus dem Moment, unmittelbar, es ist eine Reise, auf die uns der Pianist mitnimmt. Als Hörer muss man sich darauf einlassen. Es ist die Besonderheit dieses musikalischen Ausdrucks im Gegensatz zu einem komponierten Werk, die mich fasziniert.

    So ist es. Es ist ein Suchen und Tasten und Vorfühlen ..... Um so überraschender wohin dann die Reise geht ....

  • 1971 begann die lange Zusammenarbeit mit dem Label ECM, was für Edition of Contemporary Music steht. Manfred Eicher, einer der Gründer, konnte Keith Jarrett für das Label gewinnen.


    Am Anfang stand eine Solo-Studio Produktion. In fünf Stunden wurde das Album Facing You mit seinen acht Tracks in Oslo aufgenommen und erregte Aufsehen diesseits wie jenseits des Atlantiks. Alle Stücke stammen von Keith Jarrett. in der Musik der Schwarzen Amerikas verankert hört man avantgardistische Klänge. Viele Pianisten sagten, dass dieses Album sie stark beeinflusst habe.


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  • Keith Jarretts Leben ist durch Brüche in seiner Biographie und Krankheit geprägt. Seit 1996 litt er für drei Jahre am chronischen Erschöpfungssyndrom. An ein öffentliches Auftreten war nicht zu denken. In dieser Krankheitsphase nahm er im Tonstudio seines Wohnhauses in New Jersey 1998 zehn Tracks auf.


    Dieses Mal waren es Melodien aus dem American Sonbook und Volkslieder, die die Grundlage für das Spiel bildeten. Weil es ein privates Weihnachtsgeschenk, eine Liebeserklärung für seine zweite Frau war, bildeten Love Songs von Duke Ellington, George und Ira Gershwin, Oscar Hammerstein, Jerome Kern und Oscar Levant sowie Interpretationen von Volksliedern wie My Wild Irish Rose und Shenandoah die Grundlage.


    Es sind keine Improvisationen. Die Stücke sind sorgfältig aufgebaut. Viele der Standards hat Keith Jarrett bereits mit seinem Trio gespielt. Der Eindruck dieser Interpretationen ist jedoch intimer und zärtlich.

    Der Titel des Albums. The Melody At Night, With You


    Dass diese Solo-Stücke ursprünglich für einen privaten Zweck entstanden und dennoch veröffentlicht wurden, ist ein Glücksfall.


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  • Keith Jarrett interpretiert auch Solo-Werke anderer Komponisten.


    Ein Rätsel in der Discografie Keith Jarretts war mir lange Zeit eine Solo-CD mit Klaviermusik des Philosophen, Mystikers und Musikers Georges I. Gurdjieff (1866-1949), die 1980 bei ECM herauskam: Sacred Hymns.


    Dieses Album zeigt eine weitere Facette im solistischen Klavier-Spiel Keith Jarretts. Er stellt sein Ego hinter das Werk eines Komponisten. Er sollte dies während seines pianistischen Wirkens noch einige Male zeigen.


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    Hört man sich die kontemplativen, einfach komponierten Stücke an, fragt man sich verwundert, warum ein Pianist, der über alle pianistischen Möglichkeiten verfügt, diese Musik spielt.


    2005 berichtete Keith Jarrett, dass seine Musik durch die Philosophie und Lehre des aus Russland stammenden, griechisch-Armeniers Georges I. Gurdjieffs, der in Frankreich wirkte, beeinflusst wurde.

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  • Hört man sich die kontemplativen, einfach komponierten Stücke an, fragt man sich verwundert, warum ein Pianist, der über alle pianistischen Möglichkeiten verfügt, diese Musik spielt.


    Gurdjeff hat seine Musik nicht für Klavier setzen können. Es war Thomas de Hartmann, der das für ihn tat. Gurdjeff hat vorgsesungen und getanzt und solche Dinge getan ... :). Es gibt mit Herbert Henck noch einen weiteren wichtigen Pianisten, der diese Werke teilweise eingespielt hat. Auch ein Album, was mir lange Zeit sehr gut gefallen hat....



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  • Im Jahre 1987 wurde viel Werbung von ECM für die Einspielung des WTK von Keith Jarrett gemacht. Alle haben so etwas wie einen Glenn Gould II++ erwartet. Als das Album herauskam, waren alle überrascht. Es war die Zurücknahme pur. Mir hat es immer sehr gut gefallen ...


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  • Von Keith Jarretts Interpretation Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier, Teil 1 hat das Label ECM New Series einen Live-Mitschnitt herausgegeben. Er stammt vom 7. März 1987 und wurde in der Troy Savings Bank Music Hall aufgenommen, somit vor der Studio-Aufnahme, die in Beitrag 10 zu sehen ist.


    Auch hier fällt die Zurückhaltung in seiner Interpretation auf. Sein Sinn für Klang wird in dieser Aunahme auf einem Konzertflügel spürbar. Diese CD gefällt mir besser, denn Keith Jarrett spielt vor Publikum. Im Studio wollte er es wirklich gut machen. in der Liveaufnahme empfinde ich es musikalischer, atmender, mehr im Dialog.


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  • Den zweiten Teil des bachschen Wohltemperierten Klaviers hat Keith Jarrett bei ECM drei Jahre später 1990 folgen lassen. War es in Teil 2 ein Konzertflügel, wählte er für diese Einspielung ein Cembalo aus, von dessen Klang er begeistert war.


    Bemängeln muss ich, dass im Beiheft, eher Beiblatt, keine Angaben zum Instrument angegeben sind.


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  • Ich bin kein Keith Jarrett-Fanboy und kein Jazz-Fan. Und das ist die einzige CD, die ich von ihm habe. Aber die Aufnahme gehört tatsächlich zur schönsten Musik, die ich kenne: Jazz-Standards gespielt, als ob es sich um Schubert handeln würde…


    Besonders schön: „I‘m Through with Love“.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Gurdjieff hat seine Musik nicht für Klavier setzen können. Es war Thomas de Hartmann, der das für ihn tat. Gurdjieff hat vorgsesungen und getanzt und solche Dinge getan ... :). Es gibt mit Herbert Henck noch einen weiteren wichtigen Pianisten, der diese Werke teilweise eingespielt hat. Auch ein Album, was mir lange Zeit sehr gut gefallen hat....

    Lieber astewes


    Danke für den Hinweis der Ko-Autorenschaft Thomas de Hartmanns, die mir unbekannt war. Wieder etwas gelernt. Es passt, wenn diese Musik Gurdjieff vorsang wurde und sie notiert wurde. Fern jeder Esoterik habe ich diese Musik gehört. Keith Jarrett hat mit seinem Spiel diese mir unbekannte Musik nahe gebracht.


    LG moderato

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  • Ende 1996 erhielt Keith Jarrett die Diagnose: myalgische Enzephalomyelitis, das chronische Müdigkeitssyndrom. Ich hatte in Beitrag 6 von dieser erzwungenen Pause geschrieben.


    Vor diesem Einschnitt, er sollte für zwei Jahre nicht mehr auftreten, improvisierte er im Oktober in vier Konzerten in Italien: Modena, Ferrara, Turin und Genua waren die Konzertorte. Sie setzen das Ende der ersten Periode der Solokonzerte.


    Ein wahrer Kosmos an pianistischer Improvisationskunst kommt aus den Lautsprechern. Die ganze Bandbreite des Ausdrucks kostet Keith Jarrett aus: von wild und verwegen, an die Grenzen des Möglichen gehend bis zum Schönklang ist alles enthalten. Wenn man dies berücksichtigt passt der Titel: A Multitude Of Angels, was ich mit eine Vielzahl von Engeln übersetze. Engel haben vielfältige Erscheinungsformen. So weit so gut.


    Liest man den von ihm selbstverfassten Booklet-Text, kommt das krude daher. Bei diesem geäusserten geistigen Dünnschiss möchte ich ihm nicht folgen wollen. Da hätte das Label ECM ein Machtwort sprechen müssen. Sehr wahrscheinlich wollte man den Maestro nicht verärgern.


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  • In meinem Booklet steht unter einem Bild mit Jarrett am Cembalo: "Harpsichord (1988) by Tatsuo Takahashi (Double manual Italian/German style)"

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Im Booklet, eher ein Faltblatt würde ich es nennen, meiner Doppel-CD ist zum Cembalo nichts vermerkt. Ich sehe eine Fotografie des Interpreten und die Nummern der Tracks, der je 24 Präludien und Fugen.


    LG moderato

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  • Das unwiederbringlich letzte Solo-Album, eine Doppel-CD, entstand während der Tournee 2016 in Budapest. Bei seinem Erscheinen 2020 gab Keith Jarrett bekannt, dass er nach zwei Schlaganfällen sich nicht mehr in der Lage sehe, Klavier zu spielen. So fällt ein wehmütiges Licht auf diesen Konzertmitschnitt.



    Was auffällt. die grossen Teile mit weitem Spannungsbogen sind einer Struktur kleinerer Abschnitte gewichen. Das verrät ein Blick auf die Trackliste. Es hat Elemente des Jazz, klassisch anmutende Sequenzen, freie Improvisationen, die keinem Stil verpflichtet sind. Die Zugaben, Standards, stammen aus dem American Songbook. Das Ganze hat etwas Suitenhaftes. Sein Klavierspiel ist nach unzähligen Veröffentlichtlichungen eindeutig zu erkennen. Der Käufer bekommt das, was auf der Rückseite des Covers steht: Keith Jarrett, Piano.


    Man kann den Standpunkt vertreten, Keith Jarrett wiederhole sich. Ja. Die banale Tatsache, Improvisation ist aus dem Moment entstanden, darf nie vergessen werden. Die enttäuschten Hörer in den Rezensionen erwarten eine Steigerung, den ultimativen Kick. Die Wendung zu neuen Ufern. Keith Jarrett hat einen weiten pianistischen, musikalischen Horizont. Da dürfte beim Lesen der Beiträge klar sein. Es werden noch Aufnahmen erwähnt werden, die diese Aussage untermauern. Die Metapher der Reise, auf die er uns Hörer mitnimmt, wurde bereits erwähnt. Sie dauert an die 50 Jahre. Mir fällt das Bild einer Raumsonde ein, die in die Weite des Kosmos vordringt. Was ist, wenn wir dem Glanz der Sterne ein Stück näher gekommen sind? Das ist nicht wenig.

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  • Keith Jarrett ist eine Diva, die um ihren Qualität weiss, aber auch die beleidigte Leberwurst sein kann. In Konzerten kann er ausrasten und einen Zuhörer aufs übelste beschimpfen, der mit seinem Smartphone ein Bild aufnimmt. Das ist ein unschöner Aspekt seiner Persönlichkeit. Zeigt aber auch, dass er bei Konzerten unter einer hohen Anspannung steht. Er gibt mit seinen Improvisationen alles und lässt uns in sein Innerstes blicken. Wenn man um seine esotherische, mystische Orientierung weiss, kommt eine weitere Qualität hinzu. Mit dem Kauf einer Konzertkarte oder CD tritt man in Keith Jarretts Reich ein.

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  • Keith Jarrett überrascht, wenn ein Album herauskommt, das wenig wie in diesem Fall mit Klavier zu tun hat. Davon gibt es übrigens mehrere.


    So geschehen 1986 mit dem Doppel-Album No End, wenn er in seinem Heimstudio mit verschiedenen Instrumenten improvisiert. Mit ektrischen Gitarren, elektrischem Bass, Schlagzeug und Perkussion sowie wenig Klavier ist er zu hören. Er experimentiert im Labor des Studios mit der Mehrspur-Bandmaschinen und improvisiert zu einer eigenen Improvisation. Es hat etwas Spielerisches.


    „Es gab, soweit ich mich erinnere, keinerlei Vorüberlegungen oder Kompositionen im herkömmlichen Sinn – nur ein Gefühl oder reine rhythmische Idee oder ein Konzept für eine Basslinie oder Melodie. Nichts davon war niedergeschrieben.“


    Über die Instrumentierung: „Schlagzeug war immer irgendwie mit mir“, reflektiert Jarrett. „Ich habe mich immer von Instrumenten angezogen gefühlt, die man direkt berührt, ohne einen zwischengelagerten Mechanismus. Von daher kann ich nicht von mir sagen, das Piano jemals so geliebt zu haben wie Schlagzeug oder Gitarre.“


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  • Der thread Titel soll Keith Jarrett als Solisten vorstellen. Die Doppel-CD Spirits zeigt wiederum Keith Jarrett als Multiinstrumentalisten, der dank Mehrkanaltonband 1985 alle Instrumente solo einspielen und abmischen konnte. Eine pakistanische Flöte, Percussionsinstrumente, Flügel, Gitarre und Saxxophone hatte er verwendet. Die 26 Tracks werden Spirits genannt.


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  • Solist ist Keith Jarrett auch, wenn er 1976 am Spieltisch der Orgel der Benediktiner Abtei im bayerischen Ottobeuren sass. Soweit ich es überblicke, ist das Doppelalbum Hymns / Spheres die einzige Aufnahme mit der Königin der Instrumente, die er eingespielt hatte.

    Was aus den Lautsprechern an Improvisation kommt, überzeugt vielleicht auch Orgelspezialisten.


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  • Keith Jarrett und Produzent Manfred Eicher waren 1976 im Studio Davout in Paris eingetroffen, um einen Soundtrack zu Michèle Rosiers Film Mon cœur est rouge aufzunehmen. Nachdem sie einige Stunden Studiozeit übrig hatten und von der Qualität des Studioklaviers beeindruckt waren, entschieden sie sich spontan, dieses Album aufzunehmen.


    Das Album Staircase hat drei Teile zu je drei Sätzen: Staircase, Sundial und Sand. Hourglass besteht wie der Zeitmesser aus zwei Teilen.


    Es ist ein Beispiel, wie es Keith Jarrett in den 75 Minuten gelingt, den Klavierklang für sich zu nutzen. Ein lyrisches Album, das den spezifischen Jarrett Sound dokumentiert. War ein Jahr zuvor das Instrument in The Köln Concert verstimmt und nicht im besten Zustand, hat der Tontechniker Roger Roche den perfekt gestimmten Flügel optimal auf die Magnetspur gebannt.


    Eine Bemerkung zum Cover. Barbara Wojirsch, die Grafikerin des Labels ECM in seiner Anfangszeit, zeichnete für die Covergestaltung und das Layout verantwortlich. Sie hat den Stil und das Erscheinungsbild des Labels ECM geprägt. Das widerspiegelt sich in einem Designethos, der sich durch schöne Fotografie und kreative Typografie auszeichnete. Ihre wunderbar verspielten Layouts aus Schriftarten und handgeschriebenen Titeln wie auch streng aufgebauten Konzeptionen sind eine wahre Freude.


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  • Eine Bemerkung zum Cover. Barbara Wojirsch, die Grafikerin des Labels ECM in seiner Anfangszeit, zeichnete für die Covergestaltung und das Layout verantwortlich. Sie hat den Stil und das Erscheinungsbild des Labels ECM geprägt. Das widerspiegelt sich in einem Designethos, der sich durch schöne Fotografie und kreative Typografie auszeichnete. Ihre wunderbar verspielten Layouts aus Schriftarten und handgeschriebenen Titeln wie auch streng aufgebauten Konzeptionen sind eine wahre Freude.

    Dem kann ich nur zustimmen. Die optische Qualität der Cover ist überragend ....


    Lieber moderato Vielen Dank für diese Empfehlung. Sie ist bei mir auf dem Einkaufszettel ... Was so Musiker zu ihrer Musik schreiben ist wahrscheinlich nicht immer erhellend! Es gibt Ausnahmen! Ich habe zum Beispiel Badura-Skodas Ausführungen zu seinen Beethoven Sonaten mit viel Freude beim Hören gelesen, so auch die Ergänzungen von Angela Hewitt zu ihren Scarlatti Einspielungen ...

  • Lieber astewes


    Meine erwähnten Keith-Jarrett-Aufnahmen sind keine Empfehlungen im Sinne, hört hin, das ist eine Spitzenleistung. ich möchte die enorme Bandbreite des musikalischen Ausdrucks in seinen Solo-Aufnahmen aufzeigen. Da liegt Banales neben Hochmusikalischem.


    Was ich als nächstes in Angriff nehmen werden, alle meine Keith-Jarrett-CDs zu sortieren in Solo, Trio und Mitwirkung in anderen Formationen. Womit bereits eine Schwierigkeit der Archivierung gegeben ist, denn die CDs, die er mit Miles Davis, dem Chamäleon der Jazzmusik, aufgenommen hat, werde ich wohl unter dem Buchstaben D eingeordnet lassen. Die Aufnahmen Keith Jarretts mit klassischen Werken bleiben unter den Namen der Komponisten auf dem Regal .


    Im Thread, der seinem Trio gewidmet ist, sind absolute Highlights erwähnt. Keith Jarrett - Trio

    Als sein Müdigkeitssyndrom überwunden war, hat Keith Jarrett energiegeladene Musik mit Gary Peacock und Jack DeJohnette gespielt, die mich vom Hocker gehauen hat. Die Doppel-CD Always Let Me Go - Live In Tokyo hattest du dort erwähnt, die ich auch bemerkenswert halte.


    Da ich momentan keine Musik höre, dieser Zustand dürfte noch weiter bestehen bleiben, krame ich in meiner Erinnerung.


    Es grüsst dich moderato

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  • Oh,


    das tut mir sehr leid für dich. Die Anregung ist aber gut, ich werde in den nächsten Tagen mal wieder meine CDs hören.


    Kalli

  • Dass Keith Jarrett öfters in Japan auftrat, hat Gründe. Er hatte dort neben einer treuen Fangemeinde einen Konzertmanager, mit dem er seit Jahren zusammenarbeitete und für ihn das passende Umfeld schuf. So stieg der Pianist vertraglich zugesichert im immer gleichen Hotel im immer gleichen Zimmer ab. Was als Schrulle abgetan werden könnte, brauchte Keith Jarrett. Wenn er sich noch um unpassende Rahmenbedingungen kümmern und darüber ärgern müsste, verbraucht das unnötig Energie. Solo-Konzerte forderten ihn äusserst stark. in einem Interview benutzte er das Bild des Bauchredners und der Puppe, der Schöpfer und Ausführender ist, um die Erfordernisse an den Improvisator zu beschreiben. Das hatte ihm gesundheitliche Probleme verursacht.


    Die beiden Live-Konzerte aus dem Jahr 2002 in Osaka, 27.10.2002 und in Tokyo, 30.10.2002, verewigt auf der Doppel-CD Radiance, zählt Keith Jarrett zu den inspiriertesten Darbietungen seiner Karriere.


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