Robert Schumann: Bunte Blätter Op. 99

  • Bunte Blätter Op. 99 sind Klavierwerke Robert Schumanns, die er zwischen 1834 und 1849 komponiert hatte und in einer Sammlung veröffentlicht hat.


    Die Stücke wurden einzeln oder in Gruppen zusammengefasst zum Kauf angeboten. Es wurden unterschiedliche Farben für die Umschläge ausgewählt, weshalb der Titel eine Entsprechung in der Präsentation findet.


    Ursprünglich hatte Schumann sie unter dem Titel "Spreu" veröffentlichen wollen, wogegen sein Verleger Einspruch erhob. Aus Sicht des Komponisten mag es passend gewesen sein, denn bei den Stücken handelte es sich ausschließlich um Werke, die nicht zur Veröffentlichung vorgesehen waren oder mit früheren Stücksätzen zur Veröffentlichung abgelehnt worden waren. Es ist despektierlich gesagt eine Resteverwertung. Wir dürfen froh sein, dass Schumann die Partituren nicht zum Anfeuern des Kamins benutzt hat. Die Sammlung vereinigt Stücke vom geringsten bis zum höchsten Schwierigkeitsgrad.


    0:00 - Stücklein No.1

    1:46 - Stücklein No.2

    2:33 - Stücklein No.3

    3:31 - Albumblätter No.1

    5:31 - Albumblätter No.2

    6:07 - Albumblätter No.3

    8:21 - Albumblätter No.4

    10:39 - Albumblätter No.5

    12:00 - Novellete

    14:31 - Präludium

    15:37 - Marsch

    23:59 - Abendmusik

    27:28 - Scherzo

    31:23 - Geschwindmarsch



    Es spielt in diesem You Tube Beitrag mit Score Youri Egorov.


    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Bunte Blätter Op. 99 führen die Pianisten öffentlich gerne auf.


    Grigory Sokolov hat sie 2020 in Genf in einem Rezital in das Programm aufgenommen.


    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Ich habe davon nur eine Aufnahme,


    ist leider nicht lieferbar. Sie ist in dieser Box ( gebraucht noch zu finden ) enthalten, werde ich gleich anhören :



    Als ( teure Doppel CD, ich meine soviel hatte ich für die 13 CD Box bezahlt ) gibt es sie noch :


  • Es ist despektierlich gesagt eine Resteverwertung. Wir dürfen froh sein, dass Schumann die Partituren nicht zum Anfeuern des Kamins benutzt hat. Die Sammlung vereinigt Stücke vom geringsten bis zum höchsten Schwierigkeitsgrad.

    Es ist so eine wunderbare Sammlung, ich liebe sie sehr! Tatsächlich fehlt mir auch immer etwas, wenn Pianisten nur Teile davon spielen. Gibt es keine motivischen oder harmonischen Bezügen zwischen den Stücken? Das kann ich mir kaum vorstellen, auch die Anordnung folgt einer zwingenden Choreographie. Das letzte Drittel entwickelt einen großen Sog und hier muss Schumann in jedem Fall bei der Zusammenstellung Anpassungen vorgenommen haben, bei den Übergängen, aber auch harmonisch. Unübertroffen ist die Eurodisc-Aufnahme von Sviatoslav Richter, zuletzt hat aber auch Artur Pizzaro eine klanggewaltige, herrliche sonore Einspielung vorgelegt.

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  • Bunte Blätter Op. 99 führen die Pianisten öffentlich gerne auf.


    Grigory Sokolov hat sie 2020 in Genf in einem Rezital in das Programm aufgenommen.


    Ein Konzert vor sehr wenigen Zuschauern (2020!) - ich hoffe auf eine Veröffentlichung!

  • Sehr schöne Auszüge aus den "Bunten Blättern" hat die unvergessene Clara Haskil (1895-1960) uns hinterlassen:


    Clara Haskil spielt Schumann - Klavierkonzert a-moll Kinderszenen Bunte Blätter [Vinyl LP record] [Schallplatte]

    und zwar die Nr. 1 bis 6. Es sind Mono-Aufnahmen aus den 1950er Jahren, der Klang ist gut.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lose-Blätter-Sammlungen gibt es tatsächlich eine ganze Menge als stückweise Auswahl. Das liegt natürlich an der Geschichte dieser Werkzusammenstellung.


    Vollständig eingespielt findet man die Sammlung zum Beispiel auf einem Carnegie-Rezital von Arcadi Volodos aus dem Jahre 1998. Zu der Zeit gab es noch eine große Transkriptionssammlung von ihm, was vielleicht als musikalisches Spektrum verblüffend erscheinen mag.


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  • Im Jahre 1994 spielte der damals noch junge Lars Vogt die vollständige Sammlung zusammen mit der Kreisleriana ein für EMI ein. Leider kenne ich die Aufnahme nicht.



  • Clara Haskils Einspielung ist noch beim Werbepartner zusammen mit anderem für wenig Geld zu erhalten. Die Wiederveröffentlichung erschien bei Hänssler in der Profil-Reihe


  • In meinem Buch über Robert Schumann steht leider nur sehr wenig über die Bunten Blätter.


    Es mag sich ja um eine Art "Restverwertung" handeln, aber ich bin mir relativ sicher, dass Schumann die Stücke für diese Sammlung bearbeitet hat, dass er sich die Anschlüsse genau überlegt und die Tonarten aufeinander abgestimmt hat. So schließt der stürmische Beginn des zweiten Stücks ohne Zweifel an das Ende des ruhigen ersten Stücks an. Und auch das dritte Stück wirkt wie eine Weiterführung des thematischen Materials usw. Und das 9te, 10te und 11te Stück wirken in ihrer Abfolge wie füreinander und aufeinander komponiert. Auch 12 und 13 wirken sehr zwingend in ihrer Abfolge.


    Das soll alles nur eine Restverwertung sein? Kann jemand mehr über das verwendete Material beitragen?


    Es gibt hier einen Unterschied zu den viel loseren Albumblättern op. 124.

  • Es gibt hier einen Unterschied zu den viel loseren Albumblättern op. 124.

    Ich empfinde das auch so. Vielleicht war es aber auch nur eine glückliche Hand von Schumann. In der sehr empfehlenswerten "Gesamt"-Einspielung von Florian Uhlig, werden die Bunten Blätter wild über verschiedene CDs verteilt ;)



    Im Booklet zum Vol. 2 der Charakterstücke findet sich die Bemerkung:


    Zitat von Booklet


    ...Er wollte seine Verleger aber nicht ständig vor den Kopf stoßen und fand schließlich eine pragmatische Lösung: Er sammelte, ordnete und überarbeitete kleinere und technisch meist nicht zu anspruchsvolle Klavierstücke, die meist zu größeren zyklischen Werken gehört hatten, aber aus formalen, nicht musikalischen Gründen aussortiert worden waren, Albumblätter und Gelegenheitswerke für Familie und Freunde sowie frühe Skizzen aus den Jahren 1832 bis 1849 und gab sie als Bunte Blätter op. 99 (Dezember 1851) und als Albumblätter op. 124 (Dezember 1853) heraus....

    Das Ganze war eine Reaktion auf den wachsenden Erfolg Schumanns als Komponisten.

  • Mein Zugang zu Schumann war nie besonders gut, ist heute aber besser als in der Vergangenheit. Demzufolge ist meine Schumann Sammlung ziemlich klein. So war ich eigentlich überrascht eine Aufnahme der "Bunten Blätter" vorzufinden, allerdings mit einem mehr oder weniger unbekannten französischen Pianisten. Ich beschloss die Aufnahme abzuhören (Es sind all 14 Nummern enthalten) um mich ein wenig zu informieren, Dabei fand ich heraus daß der französische Pianist Jean Martin (1927-2020) als ausgesprochener Spezialist für deutsches romantisches Repertoire galt und die in meinem Besitz befindliche CD mit 2 renommierten Schallplattenpreisen ausgezeichnet wurde.

    Jean Martin nahm vorzugsweise für "ARION" und "Marco Polo" auf, ein durchwegs interessantes Repertoire, aber heute weitgehend gestrichen....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



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  • Ich kenne die Aufnahme, Alfred, aber wenn Du das Werk interessant findest, dann besorge dir doch mal die Einspielung von Sviatoslav Richter. Es dürfte eine seiner besten Einspielungen überhaupt sein, und das heißt was bei diesem Pianisten. Richters Aufnahme hat einen unglaublichen Zug und man erlebt diese Stücke ohne Zweifel als zusammengehörend.

  • ... besorge dir doch mal die Einspielung von Sviatoslav Richter. Es dürfte eine seiner besten Einspielungen überhaupt sein

    Lieber Christian B.,


    ich denke, Du sprichst von dieser Aufnahme:

    Schumann: Bunte Blätter Op. 99, Brahms: 6 Klavierstücke Op. 118

    die ich allerdings nicht auf CD, sondern als LP besitze. Leider seit Jahren ungehört, aber in bester Erinnerung. Aufnahmedaten sind nicht vermerkt (vermutlich frühe 70er Jahre?).


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die Aufnahme entstand im September 1971 auf Schloss Kleßheim bei Salzburg


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    Auf CD ist die Einspielung um 2010 erschienen und beim Werbepartner noch erhältlich



    Die klassikorientierten Streamingdienste bieten die Aufzeichnung an. Sie ist in Stereo und für eine Richteraufnahme technisch von exzellenter Qualität. Es gibt IMO überwältigend interpretierte Einzelstücke in den Bunten Blättern, aber für meine Begriffe auch weniger Überzeugenderes. Aber hier reden wir natürlich über Geschmack ...

  • Es gibt IMO überwältigend interpretierte Einzelstücke in den Bunten Blättern, aber für meine Begriffe auch weniger Überzeugenderes.

    Meinst Du damit diese Richter-Aufnahme? Das würde mich allerdings sehr wundern ;-)


    Gibt es hier denn gar niemand, der etwas über die meines Erachtens vorhandenen thematischen und harmonischen Zusammenhänge ausführen kann? Was steht denn im Booklet von Uhlig? Das ist ja von einem Schumann-Experten. Verteilen sich da die Anmerkungen auf einzelne CDs?

  • Meinst Du damit diese Richter-Aufnahme? Das würde mich allerdings sehr wundern ;-)

    Ja, diese Aufnahme meine ich. Wie gesagt, es ist Geschmackssache.

    Gibt es hier denn gar niemand, der etwas über die meines Erachtens vorhandenen thematischen und harmonischen Zusammenhänge ausführen kann? Was steht denn im Booklet von Uhlig? Das ist ja von einem Schumann-Experten. Verteilen sich da die Anmerkungen auf einzelne CDs?

    So ist es! Da müsste ich jetzt alle CDs durchgehen, wo Uhlig ein Buntes Blatt hinterlassen hat ;). Das mache ich bei Gelegenheit. Aber schon die Tatsache, dass Uhlig das nicht als geschlossenes Werk einspielt, spricht doch eine gewisse Sprache. Ein Zitat habe ich ja gegeben.

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  • Den Begriff "Resteverwertung" habe ich gewählt, weil Schumann ursprünglich die Absicht hatte, den Titel "Spreu" zu verwenden. Sein Verleger wehrte sich dagegen.


    Die Spreu vom Weizen trennen bedeutet Wertloses vom Wertvollen zu trennen.


    Aus heutiger Sicht beurteilen wir Liebhaber die schumannschen Komposition anders.


    Die Werke stammen aus verschiedenen Perioden des Schaffens von Robert Schumann.

    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Ich bin gespannt auf die Texte des Schumann Forschers Joachim Darheim für die Uhlig-Aufnahmen. Die sind auf dem letzten Forschungsstand und er zitiert in Vol. 3 Schumann (weiter bin ich noch nicht gekommen), dass das Opus früher aus "30 kürzeren Stücken" bestanden habe, woraus ja klar hervorgeht, dass Schumann die Stücke für die Ausgabe unter dem Titel "Bunte Blätter" überarbeitet hat. Dass die Stücke aus einem längeren Zeitraum stammen, ist bekannt, aber interessant ist doch, was er daraus für diese Ausgabe gemacht hat.

  • Diese "kürzeren Stücke" stammen qaus verschiedenen Epochen und teilweise zu privaen Anlässen (Claras Geburtstag) Teilweise waren sie überhaupt nicht für eine Veröffentlichung gedacht, aber die meisten sollten eine Fortsetzung für das "Album für die Jugend sein. Schliesslich bot Schumann die Werke seinem Verleger unter den Namen Spreu an. Als dieser Ablehnte, splittete Schumann die Sammlung und gabe sie teilweise als "Bunte Blätter" op. 99 heraus, der Rest wurde ebenfall susammengefasst und als "Albumblätter" op. 124 (1853) veröffentlicht


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Ich bin gespannt auf die Texte des Schumann Forschers Joachim Darheim für die Uhlig-Aufnahmen. Die sind auf dem letzten Forschungsstand

    Ich hatte gestern noch in das Album mit den Kinderszenen reingeschaut. Aus den Resten der ursprünglich "30 putzigen Dinger" ist auch ein wenig in die Bunten Blätter geraten


    Zitat von Booklet Uhlig Schumann vol. 3

    [Robert an Clara] "...War es wie ein Nachklang von Deinen Worten einmal, wo Du mir schriebst ‚ich käme Dir auch manchmal wie ein Kind vor‘ – Kurz, es war mir ordentlich wie im Flügelkleid und hab da an die 30 kleine putzige Dinger geschrieben, von denen ich ihrer zwölf ausgelesen und ‚Kinderscenen‘ genannt habe. ...."

    ...

    [Draheim aus dem Booklet] ...Von den „an die 30 kleinen putzigen Dingern“ lassen sich mit einiger Sicherheit nur einige nachweisen, die Schumann 1851 in den Bunten Blättern op. 99 und 1853 in den Albumblättern op. 124 publiziert hat: Albumblatt II op. 99, Nr. 5, im Autograph Fata Morgana genannt, Albumblatt IV op. 99, Nr. 7 (Jugendschmerz im Autograph) sowie aus op. 124, Nr. 5 (Phantasietanz), Nr. 7 (Ländler), Nr. 9 (Impromptu), Nr. 10 (Walzer Es-Dur) und Nr. 18 (Botschaft). Ein Skizzenblatt mit einer ersten Version der Nr. 9 (Ritter vom Steckenpferd) und dem Incipit von Nr. 6 (Wichtige Begebenheit), ...

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  • So richtig aufschlussreich sind die Ausführungen Draheims leider nicht, zumal auf vier oder fünf CDs verteilt, was schwer nachzuvollziehen ist. Die Forschungslage scheint sehr dünn zu sein.


    Ich habe den Eindruck, dass Schumann für "Bunte Blätter" auch dramatischere und teilweise längere Stücke (#11 Marsch ist 8 Minuten lang!) ausgewählt und bei der Zusammenstellung auf eine stimmige Abfolge geachtet hat. Der Zyklus wirkt für mich - auch harmonisch - wie aus einem Guss, was für eine "Resteverwertung" ungewöhnlich ist.


    Wie Schumann das hinbekommen hat, werden wir wohl nie erfahren.


    Vielen Dank für Eure Bemühungen!

  • Diese CD läuft gerade bei mir - für mich als Laie wunderbar gespielt, mit viel Empfindung.

  • Diese CD läuft gerade bei mir - für mich als Laie wunderbar gespielt, mit viel Empfindung.

    Für mich als Laie auch. Es ist erstaunlich, wie dieser Pianist auf der einen Seite die schwierigsten Transkriptionen meistert und dann so etwas wie die Bunten Blätter so wunderbar empfindsam spielkt ...