Bevorzugte Beethoven-Dirigenten

  • Lieber Willi,


    Karajan hat die Beethoven Klavierkonzerte mit Alexis Weissenberg zusammen eingespielt.


    Zumindest die Klavierkonzerte 3-5 sind derzeit erhältlich:


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • ...und das sind immer noch diejenigen, mit denen ich sozusagen "groß geworden" bin: Klemperer, Böhm, Karajan (wobei dessen erste GA aus den 1960er Jahren bei mir in höherem Kurs steht, als die spätere), aber auch Szell und Haitink.


    Als dann seinerzeit "Arte Nova" für die GA mit dem Zürcher Orchester unter Zinman mit der Aussage warb, hier würden die Beethoven-Sinfonien in der neuen Fassung von Jonathan del Mar eingespielt, habe ich die Box, neugierig geworden, gekauft. Ich mußte dann allerdings feststellen, daß die "Rückführung auf die Originalgestalt" garnicht so gewichtig waren, wie man in der Werbung argumentiert hatte. Im Grunde genommen merkt der Hörer diese Änderungen überhaupt nicht, es sei denn, er vergleicht anhand der Partituren - von der Generalpause im Finalsatz der Neunten mal abgesehen. Es bleibt natürlich festzuhalten, daß Interpreten immer den Willen des Komponisten beachten müssen; die Bereinigung des Notenmaterials von irgendwelchen zeitbedingten Zutaten ist schon wichtig.


    Heute habe ich, neben der erwähnten Zinman-Aufnahme noch die folgenden


    Klemperer, 5. und 8. Sinfonie (bei Emi)
    Szell, 9. Sinfonie aus Cleveland (RCA)
    Haitink, 9. Sinfonie aus Amsterdam (Philips)
    Karajan, 6. Sinfonie, BP (DG, erste Aufnahme aus den sechzigern Jahren)
    Münchinger, 3. Sinfonie, RSO Stuttgart (Intercord)


    LG

    .


    MUSIKWANDERER

  • ...und das sind immer noch diejenigen, mit denen ich sozusagen "groß geworden" bin: Klemperer, Böhm, Karajan (wobei dessen erste GA aus den 1960er Jahren bei mir in höherem Kurs steht, als die spätere), ...


    Es sollte heißen "als die späteren", und die von 1963 war auch nicht seine erste!


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Theophilus schreibt:


    Zitat

    Es sollte heißen "als die späteren", und die von 1963 war auch nicht seine erste!


    Das HvK später noch mehrmals die Sinfonien Beethovens aufgenommen hat und die von mir als Favorit genannte auch nicht seine erste GA war, wußte ich nicht. Läßt sich das, bitte, präzisieren? Nicht, weil es unbedingt wichtig wäre, aber es interessiert mich halt...


    LG

    .


    MUSIKWANDERER

  • ... Das HvK später noch mehrmals die Sinfonien Beethovens aufgenommen hat und die von mir als Favorit genannte auch nicht seine erste GA war, wußte ich nicht. Läßt sich das, bitte, präzisieren? Nicht, weil es unbedingt wichtig wäre, aber es interessiert mich halt...


    Karajan's erste Einspielung geschah für die EMI (1951-55). Die drei folgenden Zyklen wurden für die DGG eingespielt (1961-62, 1975-77, 1982-85). Dazu kommt noch ein Zyklus auf Video (1967-77).


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Die Einspielung für EMI 51-55 erfolgte aber nicht mit den Berlinern sondern mit dem Philharmonia London.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • @ Norbert:


    Ich wussste wohl, dass Karajan etwas mit Weissenberg aufgenommen hatte, mir war aber nicht bekannt, dass es en ganzer Beethvoen-Zyklus war. Dass er die Symphonien zuvor in London aufgenommen hatte, wusste ich wohl.


    Liebe Grüße


    Willi ;)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich richte nochmal die Frage nach dem idealen Beethoven-Zyklus unter Furtwängler an die Furtwänglianer und inbesondere unseren Experten Swjatoslaw. :D
    (Ich glaube, sie wurde schon mal gestellt, aber ich finde den Thread nicht, und eigentlich gehört es ja hier herein.)


    Es scheint eine unglaubliche Vielzahl an Aufnahmen einzelner Symphonien (etwa 3., 5. und 9.) zu geben, so daß man hier schnell den Überblick verliert.


    Ich habe selber lediglich bei zwei Symphonien eigene Favoriten, soweit ich es beurteilen kann:


    - 5.: 1947, erstes Nachkriegskonzert mit den Berlinern
    - 9.: 1954, die Aufnahme aus Luzern


    Da für mich die Tonqualität auch eine gewisse Rolle spielt, würde ich bei "Patts" die klangtechnisch bessere Aufnahme bevorzugen. :sleeping:


    Danke schon mal für eure Ergänzungen!


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Werte Leser,


    Was muss ein Beethoven-Dirigent überhaupt mitbringen, um als herausragend zu gelten? Um das für sich zu klären, muss man Beethovnes Konzerte und Symphonien zunächst reduzieren, einfach mal filtern, was alle gemeinsam haben.


    Jeder Satz von Beethoven ist ein Verführer.


    Jeder Satz von Beethoven ist eine Entdeckungsreise.


    Jeder Satz von Beethoven hat einen Bezug zu den anderen Sätzen in einem Werk.


    Alles, was uns vordergründig an Rythmen oder Themen erscheint, fordert den Ausführenden wie den Hörer heraus, diese Vordergründikeit zu hinterfragen und Beethoven in der Weiterführung und Gestaltung zu folgen.


    Beethoven modelliert seine Musik mit den unterschiedlichsten Elementen, z.B. das Zusammenwirken prägnanter Einzelstimmen mit großen Orchesterteilen.


    Es sind oft nur minmalste Konstrukte, teiweise nur Einzelnoten, die aber zwingend für das Werk sind, es charakterisieren und einmalig machen.


    Und hier tritt der Interpret als Manipulator auf. Jeder Satz Beethoven`s ist geeignet, ihn auf die persönliche Sicht des Dirigenten hin zu gestalten. Furtwängler, Klemperer und Karajan sind Meister dieses Faches.


    Oder der Dirigent tritt als Vermittler auf. Tempo ist plötzlich ein Thema, Ausgewogenheit der Orchestergruppen, Soloinstrumente bekommen ihren Klangraum, gestalten mit. Es wird leise gespielt, ohne das Tempo zu verlangsamen, markante Schlüsselstellen in das Werk eingearbeitet ohne ihre gestalterische Wirkung zu verlieren.


    Hogwood.


    Viele Grüße Thomas


  • Lieber Joseph,
    ich habe diese Frage schon öfter gestellt bekommen - worüber ich mich wirklich sehr freue, beweist dies doch das große Interesse, das Furtwängler auch bei jenen Musikliebhabern genießt, die - wie Du - aus tonqualitativen Gründen sonst nicht so gern auf historische Aufnahmen zurückgreifen.


    Auf die Frage von John Doe habe ich letzten Monat folgendes geschrieben:

    Die vermutlich beste Aufnahme einer Beethoven-Sinfonie durch Furtwängler hast Du möglicherweise bereits: dies ist m.E. die Neunte mit Tilla Briem, Elisabeth Höngen, Peter Anders, Rudolf Watzke, dem Bruno-Kittel-Chor und den Berliner Philhilharmonikern (rec. live Berlin 22.-24.3.1942). Grandios finde ich auch die Fünfte mit dem Orchestra Sinfonica di Roma della RAI (rec. live Rom 10.1.1952). Eigentlich finde ich alle Live-Aufnahmen Furtwänglers aus der Zeit ab 1942 mustergültig, während ich die frühen Studioaufnahmen (z.B. die beiden Studio-Versionen der Fünften aus dem Jahr 1929 und vom November 1937) wie auch den EMI-Studio-Zyklus der 50er Jahre (welcher allerdings nicht vollendet wurde: für die EMI-Box mit "allen Neunen" musste daher bei der Zweiten, der Achten und der Neunten auf Live-Material zurückgegriffen werden) nicht für eine Furtwängler-"Grundausstattung" empfehlen würde. Vielleicht darf ich, lieber John, für alles Weitere auf zwei Postings von mir verlinken, die ich in einem anderen Thread mal zu diesem Thema geschrieben habe?
    Früher war alles besser ... - die Alten leben hoch !!
    Früher war alles besser ... - die Alten leben hoch !!


    Wenn Du diesen beiden Links zum Thread "Früher war alles besser" folgst, hast Du einiges beisammen, was ich zu diesem Thema bisher geschrieben habe. Speziell zur "Eroica" noch folgendes:


    Mein Tip: versuche es doch mal mit der - relativ günstig zu erwerbenden - Aufnahme des RAI vom 19.1.1952. Erhältlich in dieser 6 CD-Andromeda-Box:

    Du bekommst dann gleichzeitig eine der besten Fünften überhaupt geliefert sowie den 1. Akt der Walküre und den 3. Akt der Götterdämmerung und und und (alles 1952er Aufnahmen).


    Über den Luzerner Mitschnitt der Neunten von 1954 haben Du und ich uns ja bereits an anderer Stelle ausgetauscht: von der Aufnahmequalität her ist das in der Tat die beste Furtwängler-Aufnahme überhaupt.
    Herzliche Grüße
    Swjatoslaw

  • Lieber Swjatoslaw,


    vielen herzlichen Dank für die Antwort!
    Ich entsinne mich an die von dir jetzt verlinkten Threads, fand sie nur nicht mehr.


    Ich denke, daß es in der Tat etliche Taminos und auch Mitleser gibt, die gerne "alle Neune" unter Furtwängler hätten, aber nicht unbedingt auf die (Halb-)Studioaufnahmen, die ja nicht immer das Optimum darstellen sollen, zurückgreifen wollen.


    Danke auch für den Link zu der Seite mit sämtlichen Furtwängler-Aufnahmen von Beethovens Symphonien. Das ist ja eine richtige Schatzgrube. Bis auf die 2. und 8. hat man ja auch bei jeder eine Menge Auswahl, sehr beeindruckend! Ich denke, ich werde mir von daher meinen Wunsch-Zyklus im Laufe des Jahres zusammenstellen können.


    Liebe Grüße an dich und viel Freude auch weiterhin mit Furtwängler
    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Wer bestreitet denn das Furtwängler ein großartiger Beethoven-Dirigent war?


    Und die Brillianz seines Dirigates ist wunderbar auf You Tube dokumentiert. Schön leise, wenn möglich den Equilizer runter regeln, sind die Aufnahmen auch akustisch erträglich. :thumbup:

  • Wer bestreitet denn das Furtwängler ein großartiger Beethoven-Dirigent war?

    Nicht einmal ich, obwohl ich mit ihm nur die Neunte von Beethoven habe, mit Anders und Watzke sowie den Berlinern. Aber dafür dreimal Fidelio, 2 x EMI, 1 x Cantus und Zauberflöte und Don Giovanni. Über die Interpreten in den 3 Fidelio-Aufnahmen lässt sich vortrefflich streiten, über Dirigent und Orchester (3 mal Wiener Philharmoniker) nicht. Hervorragend. Den Sinfonien-Zyklus habe ich mir bisher noch nicht zugelegt, da ich ihn aus meiner damaligen LP-Sammlung klanglich nicht gut in Erinnerung habe. Aber das ist auch schon lange her.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hiermit greife ich den Vorschlag von Wolfgang Kaercher auf, alte Beethoven-Threads wieder zu beleben.


    Beginnen möchte ich mit meinen bevorzugten Beethoven-Dirigenten, beschränke mich aber zunächst einmal auf die Sinfonien.


    In der Mono-Ära, als ich begann, LPs zu sammeln, standen für mich an der Spitze:


    Wilhelm Furtwängler (Nr. 1, 3, 5, 6, 7, 9)

    Arturo Toscanini (Nr. 2, 3, 6, 7)

    Erich Kleiber (Nr. 3, 5, 6, 7 mit CGO Amsterdam, Nr. 3 mit den Wiener Philh.)

    Eugen Jochum (Nr. 3, 6, 7 mit Berliner Philharmoniker)

    Bruno Walter (CBS, Aufnahmen von 1946-1954) (Nr. 6)


    Nachdem STEREO seinen Siegeszug angetreten hatte (so ab 1960), verlagerte sich mein Interesse auf andere, damals aktuelle Künstler:


    Franz Konwitschny (Nr. 1, 2, 6, 7)

    Ferenc Fricsay (Nr. 3, 5, 7, 9)

    Otto Klemperer (Nr. 2-4, 6-9) + Nr. 5 von 1954 (Mono)

    Herbert von Karajan (Nr. 3, 5, 7, 9 aus dem Zyklus von 1961/62) Nr. 3 & 5 (Zyklus v. 1977) + Nr. 7 (mit Wiener Philh., DECCA)

    Karl Böhm (Nr. 1, 4, 6, 9 aus dem Zyklus von 1970, Nr. 3 & 7 einzeln mit den Berliner Philh.)

    Pierre Monteux (Nr. 1, 3, 4, 6-8) + Nr. 3 mit dem CGO Amsterdam

    George Szell (Nr. 1, 3, 5, 7-8) + Nr. 5 mit dem CGO Amsterdam

    Bruno Walter (CBS-Aufnahmen von 1958-1960, Stereo) (Nr. 1, 2, 4, 6)

    René Leibowitz (alle)

    Günter Wand (mit NDR SO, RCA) (Nr. 1, 3, 4-8)

    (In Klammern stehen die Werke, die ich von diesen Künstlern am meisten schätze).


    die alle reichhaltig (meist mit GA) in meiner Sammlung vertreten sind. Natürlich haben die genannten Dirigenten unterschiedliche Leistungen vollbracht, sowohl was die einzelnen Werke betrifft als auch in den Fällen, wo ein Dirigent (z.B. Karajan) diverse Zyklen eingespielt hat (EMI-Columbia 1951-1955, DGG 1961/62, 1977, 1983/85).

    Auch von Klemperer existieren Mono-Aufnahmen von Nr. 3, 5 & 7 (EMI), wobei gerade die Fünfte in der alten Monofassung von 1954 künstlerisch die spätere in Stereo von 1959 überragt.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).