Studentenlieder

  • Hallo zusammen,


    vielleicht war der Eine oder Andere von Euch auch während des Studiums einer studentischen Verbindung oder Corporation beigetreten. Dort wurde u.a. auch gerne gesungen und einige der Kommersgesänge sind richtige Klassiker geworden.


    Heute möchte ich Euch ein Lied vorstellen, welches mir in vielen Jahren ans Herz gewachsen ist. Es heißt:



    O alte Burschenherrlichkeit


    O alte Burschenherrlichkeit! wohin bist du verschwunden?
    Nie kehrst Du wieder, goldne Zeit, so froh und ungebunden!
    Vergebens spähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr.
    |: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!:|



    Den Burschenhut bedeckt der Staub, es sank der Flaus in Trümmer,
    der Schläger ward des Rostes Raub, erblichen ist sein Schimmer,
    verklungen der Kommersgesang, verhallt Rapier- und Sporenklang.
    |: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! :|



    Wo sind die, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen,
    die ohne Spieß bei Scherz und Wein den Herrn der Erde glichen?
    Sie zogen mit gesenktem Blick in das Philisterland zurück.
    |: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! :|



    Da schreibt mit finsterm Amtsgesicht der eine Relationen,
    der andre seufzt beim Unterricht, und der macht Rezensionen,
    der schilt die sündge Seele aus, und der flickt ihr verfallnes Haus.
    |: O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! :|



    Allein, das rechte Burschenherz kann nimmermehr erkalten;
    im Ernste wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn stets walten;
    die alte Schale nur ist fern, geblieben ist uns doch der Kern,
    |: und den laßt fest uns halten! :|



    Drum, Freunde! Reichet euch die Hand, damit es sich erneue,
    der alten Freundschaft heilges Band, das alte Band der Treue.
    Klingt an und hebt die Gläser hoch, die alten Burschen leben noch,
    |: noch lebt die alte Treue, noch lebt die alte Treue! :|


    Von Eugen Höfling (1808-1880), Mitglied der Marburger Burschenschaft

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo zusammen,


    die Melodie des folgenden Liedes hat Johannes Brahms als krönenden Abschluß seiner Akademischen Festouverture verwendet. Der Text wird dem aus Halle stammenden Theologen Christian Wilhelm Kindleben (1748-1785) zugeschrieben.



    Gaudeamus igitur


    |: Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus; :|
    post jucundam juventutem, post molestam senectutem
    |: nos habebit humus! :|



    |: Ubi sunt qui ante nos in mundo fuere? :|
    Vadite ad superos, transite ad inferos:
    |: Hos si vis videre! :|



    |: Vivat academia, vivant professores! :|
    Vivat membrum quodlibet, vivant membra quaelibet,
    |: semper sint in flore! :|



    |: Vivat et respublica et qui illam regit! :|
    Vivat nostra civitas, maecenatum caritas,
    |: quae nos hic protegit. :|



    |: Vivant omnes virgines graciles, formosae! :|
    Vivant et mulieres tenerae, amabiles,
    |: bonae, laboriosae! :|



    |: Pereat tristitia, pereant osores! :| Pereat diabolus, quivis antiburszius
    |: atque irrisores! :|

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Ich kenne es mit folgendem deutschen Text. Woher dieser Text kommt, weiß ich leider nicht.


    Gaudeamus igitur


    Ein freies Leben führen wir
    ein Leben voller Wonne,
    der Wald ist unser Nachtquartier,
    bei Sturm und Wind marschieren wir,
    der Mond ist unsre Sonne.


    Heute kehren wir bei Pfaffen ein,
    bei reichen Pächtern morgen;
    da gibt's Dukaten, Bier und Wein,
    fürs Übrige da lässt man fein
    den lieben Herrgott sorgen.


    Und haben wir in Rebensaft
    die Gurgel ausgebadet,
    so machen wir uns Mut und Kraft
    und mit dem Teufel Brüderschaft,
    der in der Hölle bratet.


    Und wenn dann unser Stündlein kommt,
    das unsre Taten lohnet,
    so trinken wir uns toll und voll
    und bring'n dem Schwarzen unsern Zoll,
    der in der Hölle thronet.



    LG


    Maggie


  • Liebe Maggie,


    er ist von Friedrich von Schiller und zwar ist es das Räuberlied aus "Die Räuber" (4. Akt, 5. Szene):


    DIE RÄUBER singen.
    Stehlen, morden, huren, balgen
    Heißt bei uns nur die Zeit zerstreun.
    Morgen hangen wir am Galgen,
    Drum laßt uns heute lustig sein.


    Ein freies Leben führen wir,
    Ein Leben voller Wonne.
    Der Wald ist unser Nachtquartier,
    Bei Sturm und Wind hantieren wir,
    Der Mond ist unsre Sonne,

    Mercurius ist unser Mann,
    Ders Praktizieren trefflich kann.


    Heut laden wir bei Pfaffen uns ein,
    Bei masten Pächtern morgen,
    Was drüber ist, da lassen wir fein
    Den lieben Herrgott sorgen.


    Und haben wir im Traubensaft
    Die Gurgel ausgebadet,
    So machen wir uns Mut und Kraft,
    Und mit dem Schwarzen Brüderschaft,
    Der in der Hölle bratet.


    Das Wehgeheul geschlagner Väter,
    Der bangen Mütter Klaggezeter,
    Das Winseln der verlaßnen Braut
    Ist Schmaus für unsre Trommelhaut!


    Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken,
    Ausbrüllen wie Kälber, umfallen wie Mucken,
    Das kitzelt unsern Augenstern,
    Das schmeichelt unsern Ohren gern.


    Und wenn mein Stündlein kommen nun,
    Der Henker soll es holen,
    So haben wir halt unsern Lohn,
    Und schmieren unsre Sohlen.
    Ein Schlückchen auf den Weg vom heißen Traubensohn,
    Und hurra rax dax! gehts, als flögen wir davon.



    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von pbrixius
    Das Wehgeheul geschlagner Väter,
    Der bangen Mütter Klaggezeter,
    Das Winseln der verlaßnen Braut
    Ist Schmaus für unsre Trommelhaut!


    Das gehört zu den Versen, bei denen ich mir immer denke: ist der gute Schiller dafür so berühmt geworden? :untertauch:

  • Student sein


    Student sein, wenn die Veilchen blühen,
    das erste Lied die Lerche singt,
    der Maiensonne junges Glühen
    triebweckend in die Erde dringt,
    Student sein, wenn die weißen Schleier
    vom blauen Himmel grüßend wehn:
    |: Das ist des Daseins schönste Feier!
    Herr, laß sie nie zu Ende gehn! :|


    Student sein, wenn die Humpen kreisen
    in lieberschloss' nem Freundesbund,
    von alter Treue bei den Weisen
    der Väter jauchzt der junge Mund,
    Student sein, wenn die Herzen freier
    auf der Begeistrung Höhe stehn:
    |: Das ist des Lebens schönste Feier!
    Herr, laß sie nie zu Ende gehn! :|


    Student sein, wenn zwei Augen locken,
    ein süßer Mund verschwiegen küßt,
    daß jählings alle Pulse stocken,
    als ob im Rausch man sterben müßt,
    Student sein an der Liebe Morgen,
    wenn jeder Wunsch ein frommes Flehn:
    |: Das ist das Leben ohne Sorgen!
    Herr, laß es nie vorübergehn! :|


    Student sein, wenn die Hiebe fallen
    im scharfen Gang, der selbst gewählt,
    im blut'gen Aneinanderprallen
    der Mut sich für das Leben stählt,
    Student sein, wenn dein einzig Sorgen,
    ob fest und tapfer du wirst stehen
    |: an deines Lebens Wagemorgen:
    Herr, laß die Zeiten nie vergehn! :|


    Student sein, wenn in Abendmatten
    dein Weg sich sacht schon niederneigt.
    Von West die Schar der Wolkenschatten
    schon vor das Blau des Tages steigt.
    Student sein, wenn der Sang verklungen,
    der deinem Lenz einst Flügel lieh
    |: und jung du trotzdem mit den Jungen,
    dann war es recht, dann stirbst du nie. :|


    Josef Buchhorn (1875-1952) von der Turnerschaft Hohenstaufen zu Tübingen

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo zusammen,


    Albrecht Graf Wickenburg (1838-1911) hat 1888 mit dem folgenden Lied die schöne Universitätsstadt Heidelberg am Neckar besungen.
    Die Melodie stammt von Otto Lob (1839-1908 ).


    Heidelberg, du Jugendbronnen


    Heidelberg, du Jugendbronnen, Zauberin am Neckarstrand,
    solchen Fleck, uns warm zu sonnen, gab der Herrgott keinem Land!
    Schläger schwirren, Gläser klingen, alles atmet Frohnatur,
    |: selbst im Laub die Vöglein singen: Gaudeamus igitur! :|


    Wohl die alte Burg voll Narben trauert um vergangne Zeit,
    doch sie tut's in lichten Farben fröhlich-feuchter Traurigkeit.
    Schaut sie so aufs viele Bürsten wie mit sanfter Rührung hin,
    |: denkt sie ihrer alten Fürsten, die so groß und stark darin. :|


    Schäumend tosten hier die Becher, und Herrn Otto Heinrich galt's
    der berühmter noch als Zecher, denn als Graf der schönen Pfalz.
    Nur ein Burgzwerg trafs noch besser, der ging recte gleich zum Spund,
    |: und das größte aller Fässer schlürft' er aus bis auf den Grund! :|


    Seine Tat, so kühn gelungen, lebt im Lied unsterblich fort,
    und der Sänger, der's gesungen, ragt in Erz gegossen dort.
    Schar um Schar zum Scheffelhaine wogt empor auf Waldespfad,
    |: und "Alt-Heidelberg, du Feine" summt's dort oben früh und spat! :|


    Frohe Stadt, zum Unterpfande, daß dein Glück dich nicht verläßt,
    grüßt uns hoch vom Dachesrande ein verwegnes Storchennest!
    Ei, wie han's die lebensfrischen Weiblein hier sich gut bestellt:
    |: geht der Storch im Neckar baden, kommt ein Löwenfux zur Welt! :|


    So gedeih bei Storch und Kater, fröhliche Studentenschaft!
    Brausend klingt dein Landesvater stets bei Wein und Gerstensaft!
    Prosit deinem Sangesmeister, Prosit deinem großen Zwerg,
    |: Scheffels und Perkeos Geister walten über Heidelberg! :|

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Lieber Siegfried, ich kenne bisher gar keine Studentenlieder-wir Damen waren da während meines Studiums eher aussen vor .
    Hast du die Lieder selbst in einer Burschenschaft mitgesungen oder kennst du sie vom Hören? Kannst du vielleciht etwas zu der Musik, die zu den Texten gehört, sagen?
    Sind das eher strophenartige Volkslieder oder gehen sie auch in Richtung Kunstlied? Gibt es etwas Interessantes zu den Komponisten zu sagen?
    Ich weiss von einem ehemaligen Burschenschaftler etwa deiner Generation, dass da auch politische Gesinnungen eine nicht geringe Rolle spielten und es Burschenschaften unterschiedlichster aber auch wirklich nationalistischer Couleur gab. Der Ursprung kam wohl zum Teil aus der deutschnationalen aber noch liberalen Bewegung zu Beginn des 19 Jh. Ich denke z.B. an das Hambacher Fest.
    Da ich aber wirklich nur Wissensfetzen aus meinem Gedächtnis hier auskrame, wäre es schön, da etwas Genaueres von Dir oder anderen zu Musik und Hintergrund der eingestellten Texte zu erfahren.


    Fairy Queen

  • Mein Freund ist auch Mitglied in einer Studentenverbindung, und die muss man ganz klar von den Burschenschaften unterscheiden (auch wenn die aktiven Mitglieder in Studentenverbindungen Burschen genannt werden). Im Allgemeinen sind die Burschenschaften radikaler, oft sehr rechts positioniert und z.T. ziemlich berüchtigt. Da spielt auch meist noch die Mensur (also ein Duell im Fechten) eine Rolle, und man erkennt viele Burschenschafter daran, dass sie einen Schmiss, also eine Narbe von diesen Mensuren im Gesicht haben.
    Normale Studentenverbindungen sind dagegen nicht schlagend, also ohne Mensur, und es geht im Prinzip um lebenslange Freundschaft, Religion, Heimat und Wissenschaft. Der ursprüngliche Sinn war z.B. in unserer Gegend, dass die jungen Leute, die fürs Studium nach Wien gezogen sind, dort nicht ganz verlassen, einsam und auf sich allein gestellt waren, sondern von Leuten aus ihrer Heimat freundlich aufgenommen und unterstützt wurden.
    Ich begleite meinen Freund ab und zu zu Veranstaltungen seiner Verbindung, und da gibt es vor dem gemütlichen Beisammensein immer ein traditionelles, etwas altmodisch anmutendes Zeremoniell, bei dem u.a. viele dieser Lieder gesungen werden. Diese gehen aber bei uns nicht in Richtung Kunstlied, sondern es handelt sich eher um, wie du schon sagst, Strophenlieder, die z.T. Volksliedern ähneln.

  • Kann man Studentenlieder zum Kunstlied rechnen kann? Betrachtet man diese Frage unter dem Blickwinkel der literarischen Qualität der vertonten Verse könnten einen leise Zweifel beschleichen. Andererseits: Ob wir Wilhelm Müllers Gedichte heute noch kennen würden, wenn Schubert sie nicht in der Winterreise vertont hätte? Wohl eher nicht.


    Die Texte der Lieder, die Siegfried hier vorgestellt hat, spiegeln die wesentlichen Themen studentischen Liedguts wieder: Studentische Feste, studentisches Lieben und Leben und Loblieder auf die eigene Universität und Universitätsstadt. Daneben spiegeln studentische Lieder, die zum allergrößten Teile aus dem 19. Jahrhundert stammen auch die wesentlichen politischen Themen ihrer Zeit wider. Besonders prominent: Das Streben nach einem deutschen Staat im Gefolge der Befreiungskriege- das im Wartburgfest von 1817 und dem Hambacher Fest von 1832 seinen Niederschlag findet. Diese Texte wie die "Wacht am Rhein" schlagen dann oft eine Tonlage an, die uns heute fremd, ja befremdend scheint, nicht zuletzt auch wegen des Pathos, das in diesen Liedern zum Ausdruck kommt.


    Gesungen werden die Lieder auch heute- wie im 19. Jahrhundert- vor allem bei festlichen Gelegenheiten ebenso wie beim gemütlichen Beisammensein- im "lieb erschlossenen Freundesbund". Häufigster Ort der Lieder sind die Kneipen- die feierliche Eröffnung und Beendigung des Semester in studentischen Verbindungen (Burschenschaften sind nur ein spezifischer Verbindungstyp, daneben gibt es eine Vielzahl anderer: So war Robert Schumann beispielsweise Mitglied der ältesten heute noch existierenden Heidelberger Korporation, dem Corps Suevia) Diese Kneipen folgen einem feststehenden Ablauf, der sich im Detail und je nach Anlass unterscheidet. Gegliedert werden die einzelnen Teile durch das gemeinschaftliche Singen der Lieder. Lieder stehen am Beginn und am Ende der einzelnen Teile einer Kneipe. Begleitet wird der Gesang in der Regel von einem Klavier, der Bierorgel, selten wird a cappella gesungen. Feiert eine Korporation ihren Geburtstag mit einer beonders festlichen Form der Kneipe tritt anstelle des Klaviers auch mal eine Blaßkapelle in Aktion.


    Am häufigsten gesungen werden meiner Erfahrung nach- neben den Klassikern die Siegfried weiter oben zitiert hat- Lieder über die eigene Universität:


    Eine Stadt, eine Universität, die in dieser Hinsicht eine besonders reiche Tradition vorzuweisen hat ist Heidelberg. Die Liste der Dichter, die in Heidelberg geschrieben haben, die sich von der idyllischen Lage der Stadt am Neckar inspieren ließen, ist lang und illuster: Den Reigen eröffnet Oswald von Wolkenstein im 15. Jahrhundert, es folgen viele weitere: Goethe, Schlegel, Brentano, Eichendorff- und nicht zu vergessen Hölderlin, der der Stadt ein gar nicht "kunstlos" sondern höchst kunstvolles Gedicht widmete.


    Der Dichter der Heidelberg eine Reihe von Liedtexten widmete, darunter Klassiker wie "Alt Heidelberg Du feine" ist Josef Viktor von Scheffel. Zu Scheffel und seinen Liedern aber ein andernmal mal mehr.



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo Freunde studentischer Lieder,


    die hier vorgestellte Sammlung von Liedern, wie sie von Studenten zu besonderen Anlässen gesungen werden, sind dem Allgemeinen Deutschen Kommersbuch entnommen. Das 1858 erstmals erschienene Standardwerk mit über 500 Seiten wurde inzwischen nahezu 200 mal aufgelegt. Wegen seines Volumens und der den Einband zierenden Nägel wird das Kommersbuch auch "Bierprügel" genannt.
    Die Frage, ob Studentenlieder den Kunstliedern zuzurechnen sind, muß ich aus Erfahrung in jungen Jahren mit Ja beantworten. Es ist nämlich vor allem zu fortgeschrittener Stunde eine große Kunst, solche Lieder zu singen...


    Der Text des folgenden Lieds stammt aus der Feder von J.W.v.Goethe. Er hat ihn im Jahre 1810 geschrieben, 3 Jahre später hat Max Eberwein die schöne Melodie dazu komponiert.


    Ergo bibamus


    Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun,
    drum, Brüderchen, ergo bibamus!
    Die Gläser sie klingen, Gespräche sie ruhn;
    beherziget: ergo bibamus!
    Das heißt noch ein altes, ein tüchtiges Wort,
    es passet zum ersten und passet so fort
    und schallet, ein Echo, vom festlichen Ort,
    |: ein herrliches: ergo bibamus! :|


    Mich ruft mein Geschick von den Freunden hinweg:
    ihr Redlichen, ergo bibamus!
    Ich scheide von hinnen mit leichtem Gepäck,
    drum doppeltes: ergo bibamus!
    Und was auch der Filz vom dem Leibe sich schmorgt,
    so bleibt für den Heitern doch immer gesorgt,
    weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt;
    |: drum, Brüderchen, ergo bibamus! :|


    Was sollen wir sagen zum heutigen Tag?
    Ich dächte nur: ergo bibamus!
    Er ist nun einmal von besonderem Schlag,
    drum immer aufs neue: bibamus!
    Er führet die Freude durchs offene Tor,
    es glänzen die Wolken, es teilt sich der Flor,
    da scheint uns ein Bildchen, ein göttliches vor,
    |: wir klingen und singen: bibamus! :|

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Caesar73
    Begleitet wird der Gesang in der Regel von einem Klavier, der Bierorgel, selten wird a cappella gesungen.


    Ich kenne das genau umgekehrt: Hier ist es üblich, dass so gut wie immer a cappella gesungen wird. Nur bei Stiftungsfest und Weihnachtsfestkommers gibt es Klavierbegleitung :yes:

  • Hallo zusammen,


    bei der Vorstellung einiger Studentenlieder sind einige Fragen zum studentischen Leben aufgetreten. Dazu möchte ich mich kurz äußern. Ich selbst gehöre seit Beginn meines Maschinenbaustudiums im Jahre 1964 einer Hochschulverbindung an, die auf eine mittlerweile über 100-jährige Tradition zurückblickt. Wir sind eine nicht satisfaktionsfähige Verbindung, das heißt, wir tragen keine Mensuren aus.
    Aus der Erinnerung meiner Zeit als Aktiver und als Vorstandsmitglied gebe ich einige unserer Werte und Ziele wieder, wie wir sie unseren interessierten Erstsemestrigen nahebringen:


    Ein Studentenleben in der Anonymität einer Hochschule, in der Wissen und fachliche Kenntnisse vermittelt werden, ist auf seinen Wert zu hinterfragen. Vor allem, wenn die darüber hinausgehende Weiterbildung der sozialen Kompetenz und die Möglichkeit zur Entfaltung eigener Vorstellungen und Konzepte in den Studiengängen der Fakultäten hinten anstehen.
    Als echte außerhochschulmäßige Bereicherung bietet sich hier u. a. das Verbindungsleben an. Ein prägender Bestandteil unseres Zusammenlebens ist gelebte Toleranz sowohl in politischen als auch in weltanschaulichen Fragen. Wir sind weder politisch noch konfessionell gebunden. Bei uns ist Jedermann willkommen, egal welcher Nationalität, Hautfarbe, Konfession und politischer Einstellung, der zu dieser Toleranz selbst fähig ist.
    Der Beitritt zu einer Verbindung bedeutet für einen jungen Studierenden: Studium mit Mehrwert - das bedeutet nicht nur besseres Erreichen des Studienziels an der heutigen Massenhochschule durch den Rückhalt in einer Gemeinschaft, sondern auch positive Einflüsse auf die Persönlichkeitsbildung durch die Teilnahme an einem Bund mit Rechten und Pflichten.
    Als Verbindung stehen wir zum Lebensbundprinzip, das heißt, Freundschaften bestehen über die Generationen hinweg. Mit der Aufnahme in den Bund wird das freundschaftliche Du zum Eisbrecher zwischen den Jüngsten, Füxe genannt, und den älteren Semestern. Durch den regen Kontakt zwischen Jung und Alt kann Jeder von den Erfahrungen des Anderen profitieren.
    Gemeinschaft heißt für uns auch, die Fähigkeiten Anderer zum Erreichen der eigenen Ziele nutzen zu dürfen, sowie die uns gegebenen Fähigkeiten zum Nutzen Anderer zur Verfügung zu stellen. So fördern wir neben der fachlichen Kompetenz auch die immer wichtiger werdenden sozialen und kulturellen Kompetenzen.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Mezzo


    Ich kenne das genau umgekehrt: Hier ist es üblich, dass so gut wie immer a cappella gesungen wird. Nur bei Stiftungsfest und Weihnachtsfestkommers gibt es Klavierbegleitung :yes:


    Liebe Mezzo,


    es kommt wohl darauf an, ob man das Glück hat, einen fähigen Bierorgler in seinen Reihen zu haben. Heute sind diese Tastenzauberer nicht mehr so zahlreich, zumindest in den Techn. Studiengängen.
    Aber zum Festkommers bei Stiftungsfesten, bei der Gründungsfeier und anderen Höhepunkten ist die Klavierbegleitung Pflicht.
    Die allg. Convente, Fuxenstunden usw. laufen etwas nüchterner (im musikalischen Sinn) ab. Die Canti ertönen gewöhnlich a capella.
    :hello:


    PS: Euer Sextett wäre als Anstimmer 3 Takte voraus und als Stimmführer gewiß sehr willkommen. :yes:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Das nächste Lied stammt von einer anderen Hochburg studentischer Tradition, vom Corps Thuringia zu Leipzig 1858.
    Rudolf Baumbach hat es 1879 gedichtet, die Melodie stammt von Valentin Eduard Becker (1814-1890).


    Heute ist heut


    Was die Welt morgen bringt,
    ob sie mir Sorgen bringt,
    Leid oder Freud?
    Komme, was kommen mag,
    Sonnenschein, Wetterschlag,
    |: morgen ist auch ein Tag, heute ist heut! :|


    Wenn's dem Geschick gefällt,
    sind wir in alle Welt
    morgen zerstreut!
    Drum laßt uns lustig sein!
    Wirt, roll' das Faß herein!
    |: Mädel, schenk ein, schenk ein! Heute ist heut! :|


    Ob ihren Rosenmund
    morgen schön Hildegund
    anderen beut -
    darnach ich nimmer frag,
    das schafft mir keinen Plag,
    |: wenn sie mich heut nur mag - heute ist heut! :|


    Klingklang, stoßt an und singt!
    Morgen vielleicht erklingt
    Sterbegeläut!
    Wer weiß, ob nicht die Welt
    morgen in Schutt zerfällt!
    |: Wenn sie nur heut noch hält! Heute ist heut! :|

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried
    PS: Euer Sextett wäre als Anstimmer 3 Takte voraus und als Stimmführer gewiß sehr willkommen. :yes:


    Mein Freund (der unser Sextett leitet) wird tatsächlich oft zum Anstimmen aufgefordert :D Zu sechst dürften wir allerdings nur unisono anstimmen, das verwirrt sonst nur ;)


    Übrigens finde ich deine Schilderung des Verbindungslebens, des Sinns dahinter etc. sehr treffend!

  • Auch Schillers Ode "An die Freude" wird bei festlichen Anlässen gern gesungen. Die Melodie ist eine Volksweise aus dem Jahr 1801.
    Hier die Fassung als Kommersgesang:


    Freude schöner Götterfunken


    Freude, schöner Götterfunken,Tochter aus Elysium!
    Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum.
    Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt,
    alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.
    Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt!
    Brüder, überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen!


    Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein,
    wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein!
    Ja, wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund!
    Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund!
    Was den großen Ring bewohnet, huldige der Sympathie.
    Zu den Sternen leitet sie, wo der Unbekannte thronet.

    Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur;
    Freude, Freude treibt die Räder, in der großen Weltenuhr.
    Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament,
    Sphären rollt sie in den Räumen, die des Sehers Rohr nicht kennt.
    Froh wie seine Sonnen fliegen durch des Himmels prächtigen Plan,
    laufet Brüder, eure Bahn, freudig wie ein Held zum Siegen!

    Freude sprudelt in Pokalen; in der Traube goldnem Blut
    trinken Sanftmut Kannibalen, die Verzweiflung Heldenmut. -
    Brüder, fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist;
    laßt den Schaum zum Himmel spritzen: dieses Glas dem guten Geist!
    Den der Sterne Wirbel loben, den des Seraphs Hymne preist,
    dieses Glas dem guten Geist überm Sternenzelt dort oben!

    Festen Mut in schweren Leiden, Hilfe, wo die Unschuld weint,
    Ewigkeit geschwornen Eiden, Wahrheit gegen Freund und Feind,
    Männerstolz vor Königsthronen - Brüder, gält's Gut und Blut:
    dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut!
    Schließt den heilgen Zirkel dichter! Schwört bei diesem goldnem Wein,
    dem Gelübde treu zu sein, schwört es bei dem Sternenrichter!



    Friedrich von Schiller (1759-1805)
    1785 gedichtet

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Schillers Text geht so:


    An die Freude

    Freude, schöner Götterfunken,
    Tochter aus Elysium,
    Wir betreten feuertrunken,
    Himmlische, dein Heiligthum.
    Deine Zauber binden wieder,
    Was die Mode streng getheilt;
    Alle Menschen werden Brüder,
    Wo dein sanfter Flügel weilt.


    Chor


    Seid umschlungen, Millionen!
    Diesen Kuss der ganzen Welt!
    Brüder - überm Sternenzelt
    Muss ein lieber Vater wohnen.


    Wem der große Wurf gelungen,
    Eines Freundes Freund zu sein,
    Wer ein holdes Weib errungen,
    Mische seinen Jubel ein!
    Ja - wer auch nur eine Seele
    Sein nennt auf dem Erdenrund!
    Und wer's nie gekonnt, der stehle
    Weinend sich aus diesem Bund.


    Chor


    Was den großen Ring bewohnet,
    Huldige der Sympathie!
    Zu den Sternen leitet sie,
    Wo der Unbekannte thronet.


    Freude trinken alle Wesen
    An den Brüsten der Natur;
    Alle Guten, alle Bösen
    Folgen ihrer Rosenspur.
    Küsse gab sie uns und Reben,
    Einen Freund, geprüft im Tod;
    Wollust ward dem Wurm gegeben,
    Und der Cherub steht vor Gott.


    Chor


    Ihr stürzt nieder, Millionen?
    Ahnest du den Schöpfer, Welt?
    Such' ihn überm Sternenzelt!
    Über Sternen muss er wohnen


    Freude heißt die starke Feder
    In der ewigen Natur.
    Freude, Freude treibt die Räder
    In der großen Weltenuhr.
    Blumen lockt sie aus den Keimen,
    Sonnen aus dem Firmament,
    Sphären rollt sie in den Räumen,
    Die des Sehers Rohr nicht kennt.


    Chor


    Froh, wie seine Sonnen fliegen
    Durch des Himmel prächt'gen Plan,
    Wandelt, Brüder, eure Bahn,
    Freudig, wie ein Held zu Siegen.


    Aus der Wahrheit Feuerspiegel
    Lächelt sie den Forscher an.
    Zu der Tugend steilem Hügel
    Leitet sie des Dulders Bahn.
    Auf des Glaubens Sonnenberge
    Sieht man ihre Fahnen wehn,
    Durch den Riss gesprengter Särge
    Sie im Chor der Engel stehn.


    Chor


    Duldet muthig, Millionen!
    Duldet für die bessre Welt!
    Droben überm Sternenzelt
    Wird ein großer Gott belohnen.


    Göttern kann man nicht vergelten;
    Schön ist's, ihnen gleich zu sein.
    Gram und Armuth soll sich melden,
    Mit den Frohen sich erfreun.
    Groll und Rache sei vergessen,
    Unserm Todfeind sei verziehn.
    Keine Thräne soll ihn pressen,
    Keine Reue nage ihn


    Chor


    Unser Schuldbuch sei vernichtet!
    Ausgesöhnt die ganze Welt!
    Brüder - überm Sternenzelt
    Richtet Gott, wie wir gerichtet.


    Freude sprudelt in Pokalen,
    In der Traube goldnem Blut
    Trinken Sanftmuth Kannibalen,
    Die Verzweiflung Heldenmuth - -
    Brüder, fliegt von euren Sitzen,
    Wenn der volle Römer kreist,
    Lasst den Schaum zum Himmel spritzen:
    Dieses Glas dem guten Geist!


    Chor


    Den der Sterne Wirbel loben,
    Den des Seraphs Hymne preist,
    Dieses Glas dem guten Geist
    Überm Sternenzelt dort oben!


    Festen Muth in schwerem Leiden,
    Hilfe, wo die Unschuld weint,
    Ewigkeit geschwornen Eiden,
    Wahrheit gegen Freund und Feind,
    Männerstolz vor Königsthronen, -
    Brüder, gält' es Gut und Blut -
    Dem Verdienste seine Kronen,
    Untergang der Lügenbrut!


    Chor


    Schließt den heil'gen Zirkel dichter,
    Schwört bei diesem goldnen Wein,
    Dem Gelübde treu zu sein,
    Schwört es bei dem Sternenrichter!


    Friedrich von Schiller
    LG Peter

  • ...und in Vollversion so:



    An die Freude


    Freude, schöner Götterfunken,
    Tochter aus Elysium,
    Wir betreten feuertrunken
    Himmlische, dein Heiligtum.
    Deine Zauber binden wieder,
    Was der Mode Schwert geteilt;
    Bettler werden Fürstenbrüder,
    Wo dein sanfter Flügel weilt.


    Chor
    Seid umschlungen, Millionen!
    Diesen Kuß der ganzen Welt!
    Brüder - überm Sternenzelt
    Muß ein lieber Vater wohnen.


    Wem der große Wurf gelungen,
    Eines Freundes Freund zu sein;
    Wer ein holdes Weib errungen,
    Mische seinen Jubel ein!
    Ja - wer auch nur eine Seele
    Sein nennt auf dem Erdenrund!
    Und wers nie gekonnt, der stehle
    Weinend sich aus diesem Bund!


    Chor
    Was den großen Ring bewohnet,
    Huldige der Sympathie!
    Zu den Sternen leitet sie,
    Wo der Unbekannte thronet.


    Freude trinken alle Wesen
    An den Brüsten der Natur,
    Alle Guten, alle Bösen
    Folgen ihrer Rosenspur.
    Küsse gab sie uns und Reben,
    Einen Freund, geprüft im Tod.
    Wollust ward dem Wurm gegeben,
    Und der Cherub steht vor Gott.


    Chor
    Ihr stürzt nieder, Millionen?
    Ahndest du den Schöpfer, Welt?
    Such ihn überm Sternenzelt,
    Über Sternen muß er wohnen.


    Freude heißt die starke Feder
    In der ewigen Natur.
    Freude, Freude treibt die Räder
    In der großen Weltenuhr.
    Blumen lockt sie aus den Keimen,
    Sonnen aus dem Firmament,
    Sphären rollt sie in den Räumen,
    Die des Sehers Rohr nicht kennt.


    Chor
    Froh, wie seine Sonnen fliegen,
    Durch des Himmels prächt’gen Plan,
    Laufet, Brüder, eure Bahn,
    Freudig wie ein Held zum Siegen.


    Aus der Wahrheit Feuerspiegel
    Lächelt sie den Forscher an.
    Zu der Tugend steilem Hügel
    Leitet sie des Dulders Bahn.
    Auf des Glaubens Sonnenberge
    Sieht man ihre Fahnen wehn,
    Durch den Riß gesprengter Särge
    Sie im Chor der Engel stehn.


    Chor
    Duldet mutig, Millionen!
    Duldet für die bessre Welt!
    Droben überm Sternenzelt
    Wird ein großer Gott belohnen.


    Göttern kann man nicht vergelten,
    Schön ist’s, ihnen gleich zu sein.
    Gram und Armut soll sich melden,
    Mit den Frohen sich erfreun.
    Groll und Rache sei vergessen,
    Unserm Todfeind sei verziehn,
    Keine Träne soll ihn pressen,
    Keine Reue nage ihn.


    Chor
    Unser Schuldbuch sei vernichtet!
    Ausgesöhnt die ganze Welt!
    Brüder - überm Sternenzelt
    Richtet Gott, wie wir gerichtet.


    Freude sprudelt in Pokalen,
    In der Traube goldnem Blut
    Trinken Sanftmut Kannibalen,
    Die Verzweiflung Heldenmut - -
    Brüder, fliegt von euren Sitzen,
    Wenn der volle Römer kreist,
    Lasst den Schaum zum Himmel spritzen:
    Dieses Glas dem guten Geist.


    Chor
    Den der Sterne Wirbel loben,
    Den des Seraphs Hymne preist,
    Dieses Glas dem guten Geist
    Überm Sternenzelt dort oben!


    Festen Mut in schwerem Leiden,
    Hülfe, wo die Unschuld weint,
    Ewigkeit geschwornen Eiden,
    Wahrheit gegen Freund und Feind,
    Männerstolz vor Königsthronen -
    Brüder, gält es Gut und Blut, -
    Dem Verdienste seine Kronen,
    Untergang der Lügenbrut!


    Chor
    Schließt den heilgen Zirkel dichter,
    Schwört bei diesem goldnen Wein:
    Dem Gelübde treu zu sein,
    Schwört es bei dem Sternenrichter!


    Rettung von Tyrannenketten,
    Großmut auch dem Bösewicht,
    Hoffnung auf den Sterbebetten,
    Gnade auf dem Hochgericht!
    Auch die Toten sollen leben!
    Brüder trinkt und stimmet ein,
    Allen Sündern soll vergeben,
    Und die Hölle nicht mehr sein.


    Chor
    Eine heitre Abschiedsstunde!
    Süßen Schlaf im Leichentuch!
    Brüder - einen sanften Spruch
    Aus des Totenrichters Munde!



    PS: Als Studentenlied wird die erstgenannte Fassung gesungen, deren Ursprung auf Schillers Aufenthalt in der Militär-Akademie Stuttgart zurückgehen dürfte.

    Freundliche Grüße Siegfried


  • Lieber Siegfried,


    Dir wird wohl aufgefallen sein, dass die Textfassung weder dem Text der volktümlichen Vertonung noch dem der 9. Sinfonie entspricht. Du hast hier die 1. Fassung (1785) zitiert, den Vertonungen zugrunde gelegt wurde aber die Thalia-Fassung (1786, vgl. meinen Beitrag), bei der Beethoven noch aus dem "was die Mode streng geteilt" ein "was die Mode frech geteilt" gemacht hat. "Vollversion" finde ich gut, passt aber wahrscheinlich zu Studentenlieder.


    LG Peter

  • Hallo,


    in meiner Studentenzeit (die sich nun langsam dem Ende entgegen neigt) haben wir diese Lieder nicht gesungen. Dennoch bin ich mit vielen dieser Lieder in einen überaus intensiven Kontakt geraten. In meiner Zeit im Rundfunk-Jugend-Chor Wernigerode haben wir nämlich eine CD mit Studentenliedern produziert. Da ich gerade frisch in den Chor gekommen bin, habe ich nicht bei allen Titeln mitgesungen, jedoch intensiv mitgeprobt.



    Hier die Titelliste:


    O alte Burschenherrlichkeit
    Festgelage
    Gaudeamus igitur
    Alles, was wir lieben, lebe
    Studentenlied
    Lützows wilde Jagd
    Burschen heraus!
    Das Wasser ist so hell und klar
    Ergo bibamus
    Heute ist heut
    Wo zur frohen Feierstunde
    Freundschaft und Liebe
    Was frag ich viel nach Geld und Gut
    Tischlied
    Lob des Weines
    Willkommen Zecher
    Jetzt schwingen wir den Hut
    Romanze vom Floh
    Brüder, reicht die Hand zum Bunde KV 623a
    Ca ca, geschmauset
    Bedenklichkeiten
    Keinen Tropfen im Becher mehr
    Vivat Bacchus!


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Gold und Silber


    Gold und Silber lieb ich sehr, kann’s auch gut gebrauchen
    hätt ich nur ein ganzes Meer, mich hinein zu tauchen!
    ‘S braucht nicht grad geprägt zu sein, hab’s auch so ganz gerne:
    |: sei’s des Mondes Silberschein, sei’s das Gold der Sterne! :|


    Doch viel schöner ist das Gold, das vom Lockenköpfchen
    meines Liebchens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen.
    Darum, du mein liebes Kind, lass uns herzen, küssen,
    |: bis die Locken silbern sind und wir scheiden müssen! :|


    Seht, wie blinkt der goldne Wein hier in meinem Becher;
    horcht, wie klingt so silberrein froher Sang der Zecher!
    Daß die Zeit einst golden war, will ich nicht bestreiten,
    |: denk ich doch im Silberhaar gern vergangner Zeiten! :|


    Nach August Schnezler (1809-1853)
    stud.phil. München 1809

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Im schwarzen Walfisch zu Askalon


    Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da trank ein Mann drei Tag,
    |: bis daß er steif wie ein Besenstiel am Marmortische lag. :|


    Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da sprach der Wirt: Halt ein!
    |: Der trinkt von meinem Dattelsaft mehr, als er zahlen kann. :|


    Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da bracht der Kellner Schar
    |: in Keilschrift auf sechs Ziegelstein' dem Gast die Rechnung dar. :|


    Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da sprach der Gast: O weh!
    |: Mein bares Geld ging alles drauf im Lamm zu Ninive! :|


    Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da schlug die Uhr halb vier,
    |: da warf der Hausknecht aus Nubierland den Fremden vor die Tür. :|


    Im schwarzen Walfisch zu Askalon wird kein Prophet geehrt,
    |: und wer vergnügt dort leben will, zahlt bar, was er verzehrt. :|


    Josef Viktor Scheffel 1854 (1826-1886)

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo zusammen,


    es gibt eine CD:


    Erich Kunz singt deutsche Universitätslieder


    Beim Fuchsenritt zu singen; Ca, ca, geschmauset; Doktor
    Eisenbart; O alte Burschenherrlichkeit; Krambambuli; 5
    Trinklieder; Altassyrisch; ob der edlen Musika;
    Studentleben; Die Auserwählte; Donaustrudel; Der Wirtin
    Töchterlein; Freut euch des Lebens; So ist's,; Lied des
    Trompeters von Säckingen; Besitz und Bildung; Lützows wilde
    Jagd; Romanze A Tale; Burschen heraus; Leichter Wanderer;
    Gaudeamus; Jägerlied; Urbummellied; Abschiedslied;
    Tragische Geschichte; Jäger Marschlied; Dudelei; Ännchen
    von Tharau; Treue Liebe; Der Lindenbaum; Der Jäger aus
    Kurpfalz; Verständige Liebe; Oberdeutsches Tanzliedchen;
    Wanderschaft; Die Lorelei; Sehnsucht; 'S Mailüfterl; Wer
    niemals einen Rausch gehabt; Wanderlied
    Label: Vanguard , ADD, 1976



    LG, Elisabeth

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Gold und Silber


    [...]


    Nach August Schnezler (1809-1853)
    stud.phil. München 1809


    Melodie: Friedrich Hieronymus Truhn (1843)



    LG Peter

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Im schwarzen Walfisch zu Askalon



    Josef Viktor Scheffel 1854 (1826-1886)


    Dazu gibt es Textvarianten:


    1. In nigro Ascalonio
    Ceto vir dies tris
    Potat, dum rigidus situs est,
    Ut scopa, sub mensis;


    2. In nigro Ascalonio
    Caupo dixit: Tene!
    Hic bibit snapsi Bactrii
    Plus quam potest solvere!


    3. In nigro Ascalonio
    Ceto tum pueri
    Rationem tegulis sex
    Ferunt cuneatam hospiti.


    4. In nigro Ascalonio
    Ceto tum hospes: "O,
    Aes praesens meum periit
    In Nini Agnello!"


    5. In nigro Ascalonio
    Quarta vigilia
    A mediastino Nubo est
    Trusus ex ianua.


    6. In nigro Ascalonio
    Vates non colitur:
    Qui ibi laute vivere vult,
    Solvit quod editur.



    Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da schlug die Uhr halb neun,
    da kam der rausgeschmiss'ne Gast zur Hintertür herein,
    da kam der rausgeschmiss'ne Gast zur Hintertür herein.


    Im schwarzen Walfisch zu Ascalon, da saßen zwei vom CV,
    die tranken zwar nur Apfelsaft und waren trotzdem blau,
    die tranken zwar nur Apfelsaft und waren trotzdem blau.


    Im schwarzen Walfisch zu Ascalon, da saß Franz-Josef Strauß,
    der Wirt war von der SPD und warf Franz-Josef raus,
    der Wirt war von der SPD und warf Franz-Josef raus.


    Im schwarzen Walfisch zu Ascalon, da saß auch einst Heinz Schenk.
    Er kriegte keinen Äppelwoi, da hat er sich erhängt.
    Er kriegte keinen Äppelwoi, da hat er sich erhängt.


    Die Melodie wurde ausgeliehen von: "Es war einmal ein Zimmergesell"

  • "Gold und Silber" ist, zumindest in der genial-neuschöpfenden Übersetzung von Dr. Erika Fuchs, das Lieblingslied Dagobert Ducks, dieses immer dann singend, wenn er sich wieder einmal in die Fluten seines Geldspeichers stürzt wie in einen Jungbrunnen.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    "Gold und Silber" ist, zumindest in der genial-neuschöpfenden Übersetzung von Dr. Erika Fuchs, das Lieblingslied Dagobert Ducks, dieses immer dann singend, wenn er sich wieder einmal in die Fluten seines Gledspeuichers stürzt wie in einen Jungbrunnen.


    Jetzt sind wir endlich bei der Kunst gelandet ...


    LG Peter

  • Zumal durch den nimmermüden Einsatz dieser Ausnahmedame - verglichen mit dem gymnasialen Deutschunterricht - wohl ein Vielfaches an literarischem Strandgut im Langzeitgedächtnis der deutschen Jugend hängen geblieben ist. Z.B. der (zu) späte Graf Isolan aus Schillers "Wallenstein" überwintert wahrscheinlich nur dank dieses wahrhaft schlauen Füchsleins.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Wütend wälzt sich einst im Bette


    Wütend wälzt sich einst im Bette
    Kurfürst Friedrich von der Pfalz;
    Gegen alle Etikette
    Brüllte er aus vollem Hals:
    |: Wie kam gestern ich ins Nest?
    Bin scheint's wieder voll gewest! :|


    Na, ein wenig schief geladen,
    Grinste drauf der Kammermohr,
    Selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
    Kamen mir benebelt vor,
    |: War halt doch ein schönes Fest:
    Alles wieder voll gewest! :|


    So? Du findest das zum Lachen?
    Sklavenseele, lache nur!
    Künftig werd ich's anders machen,
    Hassan, höre meinen Schwur:
    |: 's letzte Mal, bei Tod und Pest,
    War es, daß ich voll gewest! :|


    Will ein christlich Leben führen,
    Ganz mich der Beschauung weihn;
    Um mein Tun zu kontrollieren,
    Trag ich's in mein Tagbuch ein,
    |: Und ich hoff, daß ihr nicht lest,
    Daß ich wieder voll gewest! :|


    Als der Kurfürst kam zu sterben,
    Machte er sein Testament,
    Und es fanden seine Erben
    Auch ein Buch in Pergament.
    Drinnen stand auf jeder Seit:
    Seid vernünftig, liebe Leut,
    |: Dieses geb ich zu Attest:
    Heute wieder voll gewest. :|


    Hieraus mag nun jeder sehen,
    Was ein guter Vorsatz nützt,
    Und wozu auch widerstehen,
    Wenn der volle Becher blitzt?
    |: Drum stoßt an! Probatum est:
    Heute wieder voll gewest! :|


    Inoffiziell gehts weiter mit:

    Wütend wälzt sich einst im Bette
    Liselotte von der Pfalz;
    Gegen alle Etikette
    Hing ein Kerl an ihrem Hals:
    |: Hab' scheints wieder penetriert?
    Hoffentlich ist nichts passiert! :|


    T. August Schuster 1887
    M. Karl Hering 1887

    Freundliche Grüße Siegfried