Wolfgang Wagner tritt zurück

  • Bayreuther Festspiel-Chef Wolfgang Wagner tritt zurück


    Lange hatte er gezögert - jetzt hat sich Wolfgang Wagner offenbar zum Rücktritt entschlossen. Der Bayreuther Festspielleiter gibt nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa Ende August seinen Posten ab.


    Bayreuth - Die Nachrichtenagentur beruft sich auf nicht näher genannte sichere Quellen. Der 88-jährige Wagner leitet seit 1951 die Bayreuther Festspiele.


    (Quelle: Spiegel.de)


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Na endlich..wird auch Zeit, das hätte er schon vor 30 Jahren tun sollen.
    Mal sehen, wer den senilen Herrn ersetzt und die Karre aus dem Dreck zieht..


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Mittlerweile ist es offiziell:
    16:24 Uhr - die Pressekonferenz: Ministerialdirigent Toni Schmid spricht: "Gester Abend habe ich per Fax einen Brief des Festspielleiters Wolfgang Wagner bekommen." Er zitiert aus dem Schreiben: "Hiermit erkläre ich zum 31. August, dass ich mein Amt als Festspielleiter niederlegen werde." OB Hohl erklärt: "Dieses Schreiben ist der Endpunkt vieler Gespräche und Netzwerk- und Abstimmungsarbeit gewesen. Ich bin sehr froh, dass wir ihnen heute dieses Zwischenergebnis präsentieren können. Der Weg zu einer neuen Festspielleitung sei jetzt offen. Auch als Gesellschafter solle Wolfgang Wagner in der nächsten Zeit abgelöst werden, so Hohl.

  • Mal abgesehen davon, dass hier in geradezu unglaublicher Art und Weise auf die Regularien der Satzung gepfiffen (mir würde noch ein ganz anderes Wort mit "ge..." einfallen, hat mit dem Excorpieren von Stoffwechselprodukten zu tun, aber das will ich Alfred nicht antun) wird:


    Wenn hier nochmals ein Lebenszeit-Vertrag hergegeben wird, ist klar, was passiert - Eva ist in maximal 10 Jahren weg (herausgeekelt, kaltgestellt oder mit 70+ einfach zu alt für die effektive Mitgestaltung und Katharina spielt einen weiblichen Fafner in Nachfolge ihres Papis für die folgenden etwa 30 Jahre.


    40 Jahre Alleinherrschaft (einer Person, deren künstlerische wie organisatorische/intendantische Qualitäten keineswegs offenkundig bzw unbestritten sind) - damit wäre der Grüne Hügel künstlerisch wohl endgültig tot. Und das hat wirklich nichts mit Kassandra-Rufen zu tun.

  • Mal sehen, ob's jetzt besser wird - ich glaub's ehrlich gesagt eher nicht.
    Bisher konnte man all die (Fehl-)Entwicklungen der letzten Jahr(zehnt)e auf den alten Mann und den Niedergang seiner Ära schieben - das wird künftig jedenfalls nicht mehr gehen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Man sollte Wolfgang Wagners Lebensleistung nicht vergessen oder unterbewerten. Selbst in seinen Inszenierungen eher konservativ hat er seine Ästhetik gleichwohl nicht zum Bayreuther Maßstab gemacht. Er hat immerhin Regisseure wie Ponnelle, Chéreau, Müller und Friedrich nach Bayreuth geholt, die - wenn auch oft umstritten - bedeutendes geleistet haben.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Lieber Misha,


    auch ich möchte eine Lanze für den oft zu Unrecht geschmähten Wolfgang Wagner und seine Lebensleistung brechen. Nach dem frühen, unerwarteten Tod von Wieland Wagner entstand eine ganz schwierige, existenzgefährdende Situation für Bayreuth. Wolfgang Wagner sprang in die Bresche und führte und sicherte die Festspiele auf einer wirtschaftlich gesichterten Basis zukunftsfähig ab. Um dies zu erreichen war Kontinuität und Verlässlichkeit eine wichtige Voraussetzung.
    Wolfgang Wagner war der "Gralshüter" der Bayreuhter Tradition. Er bewahrte die Festspiele vor gefährlichen Experimenten, wie ganzjährige Spielzeit, Öffnung auch für Werke anderer Komponisten. Genau diese Forderungen wurden von anderen Mitgliedern der Familie Wagner erhoben. Zuletzt ordnete er in Partriarchen-Manier noch sein Haus, durch den Vorschlag, der sicherlich eine Mehrheit finden wird, seine beiden Töchter mit der Festspielleitung zu betrauen. In wirtschaflichen Kategorien gedacht, würde man bei einem Unternehmen von einer reifen Leistung sprechen - auch wenn zugebener Maßen die Entwicklung neuer Konzepte nicht all zu kreativ angegangen wurde.
    Auch als Regisseur wurde Wolfgang Wagner zu sehr in den Schatten seines Bruders Wieland gestellt. Zum Beispiel sein Ring 1960 -1964 unter Rudolf Kempe, mit der fabelhaften Idee einer Scheibe als Schauplatz des Geschehens, war eine Meisterleistung gelungener Opernregie. Darüber hinaus war Wolfgang Wagner immer ein der Musik als Leitidee verpflichteter Regisseur.
    Also Anerkennung und Dank an Wolfgang Wagner und alle Hoffnung für die Zukunft auf das nachfolgende Damen-Duo.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Auch ich glaube, dass man Wolfgang Wagner Unrecht tut, wenn man ihn nur aufgrund seines Verhaltens in den letzten Jahren bewertet. Er hat mehr Initiative gezeigt und mehr zugelassen, als so mancher Operndirektor - sogar, daß Richard Wagner in mancher Inszenierung unsanft vom Podest gestoßen wurde. Es ist eine Tragödie, daß Wolfgang Wagner nicht wußte, wann es genug ist und das eigene Bild so beschädigt hat. Allerdings: Was im Gedächtnis bleiben wird, wird nicht die Dickköpfigkeit eines alten Mannes sein, sondern die "Werkstatt Bayreuth", der interpretationshistorisch größte Verdienste zukommen.
    :hello:

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