EUGEN ONEGIN - Wiener Staatsoper, März 2009

  • Die dritte PR der laufenden Spielzeit gilt Tschaikowskis "Eugen Onegin", und um mir einen Vorgeschmack zu verschaffen, besuchte ich wie immer heute die GP. Ich werde mich in meinen Ausführungen auf den szenischen Teil konzentrieren, weil die Sänger sich drei Tage vor einer Premiere naturgemäß etwas schonen und ich ihnen daher Steigerungspotential zubillige. Zumindest bei Ramon Vargas hoffe ich dies :( , ich werde mich bei der Liveübertragung auf Radio Ö1 am Samstag davon überzeugen.
    Hatte ich in den letzten Wochen dank der hartnäckigen Präsenz von Monsieur Winter eine Art Weißallergie entwickelt, so legte heute Regisseur Falk Richter ein Schäuferl dazu, denn in 5 der 7 Bilder dieser Oper schneit es dicht auf der Hinterbühne. Damit wäre der wesentliche optische Aspekt dieser Inszenierung auch schon beschrieben, denn außer dem erwähnten Wetterphänomen, das sich auch in Form eines schneeweißen Bodenbelags manifestiert, gibt es an beweglichen Elementen nur einige verschieden große Eisblöcke, die als Sitzgelegenheiten dienen und im Ballbild auch die festliche Tafel bilden.
    Im ersten Bild sieht man im Hintergrund sechs Liebespaare, in ihrer Umarmung erstarrt.(Sie tauchen auch später immer wieder auf) Alles klar - wir befinden uns in einer Welt, in der ein dicker Eispanzer über den Menschen und ihren Gefühlen liegt, ohne konkrete Hinweise auf Ort und Zeit. Nun, das braucht's auch nicht, die Frage ist nur, ob der erste Teil tatsächlich das widerspiegelt, was Musik und Libretto uns erzählen. Ich höre und lese anderes heraus, "erstarrt" in seiner Gefühlswelt ist vielleicht Onegin, ganz bestimmt aber nicht die sensible Tatjana, die lebenslustige Olga und der schwärmerisch verliebte Dichter Lenski. Trotzdem wirken die Mädchen bis zur Ankunft der Freunde beinahe ebenso leblos wie die menschliche Staffage im Hintergrund.
    Nun bin ich durchaus bereit, einem Regisseur auf neuen Wegen zu folgen, sofern er mich von seinem Konzept zu überzeugen vermag, aber das ist Falk Richter nur in einigen wenigen starken Augenblicken gelungen. Das minimalistische Bühnenbild wäre ja ganz nach meinem Geschmack, wenn sich darin spannende Interaktionen ereignen würden, was aber über weite Strecken nicht der Fall ist.
    Besonders langweilig empfand ich das erste Bild, wo mehr neben- als miteinander agiert wurde, das gute alte Rampentheater fröhliche Auferstehung feierte. Mein Liebling Simon Keenlyside schien sich zumindest in der Anfangsphase nicht nur als, sondern auch mit seinem Onegin zu langweilen, so indifferent habe ich ihn als Schauspieler wahrlich noch nie erlebt. So blieb - ich spreche natürlich nur von mir! - ziemlich schleierhaft, was Tatjana an diesem blassen (nicht blasierten) Lebemann so faszinierend findet. Ramon Vargas hingegeben übertrieb in die andere Richtung, sein Lenski ist ein ziemlich vitaler, zupackender Liebhaber,
    der zwar von Liebe seufzt und schwärmerische Verse klopft, aber dann recht handfest zur Sache kommt, sodass schließlich Mama Larina dazwischen fahren muss.
    Dass Text und Handlung immer wieder auseinanderklaffen - dass Tatjana z.B. eine schief sitzende Haube beklagt, obwohl sie gar keine trägt, dass Lenski mitten im Schneegestöber den schönen, schattigen Garten bewundert - würde ich an sich nicht so eng sehen, hätte Falk Richter dafür plausible Gründe geliefert und vorhandenes Material genial umgedeutet, die Handlung ironisch gebrochen o.ä. Aber er deutet nichts um, er deutet gar nicht, und das ermüdete mich recht bald.
    Das zweite Bild zeigt einen Rahmen aus Eisblöcken, der Tatjanas Zimmer darstellt, Felle bedecken weitere Eisblöcke, die als Bett dienen. Natürlich schneit es noch immer. Trotzdem, optisch finde ich diese Szene sehr gelungen, sofern man sich nicht daran stört, dass Tatjana ihre Njanja bittet, das Fenster zu öffnen, weil es so schwül ist. Mich störte es nicht, zumal Tamar Iveri die Briefszene mit viel Ausdruck sang und gestaltete. Sicher nicht die beste Tatjana, aber eine sehr gute, würde ich sagen.
    Das 3. Bild wird von einer langen, aus Eisblöcken gebildeten und etwas schräg im Raum stehenden Tafel dominiert, gelbe und blaue Leuchtstäbe in verschiedener Länge hängen vom Schnürboden, was einen sehr hübschen optischen Effekt ergibt. Gottlob schneit es nicht mehr, denn allmählich begann sich mein Kopf zu drehen bei dem ewigen Flimmern vor meinen Augen. Ich denke, dass das Bühnenbild von weiter oben wesentlich effektvoller ist als von der 6. Reihe Parkett, wo ich saß. (Ich höre schon Alfreds Aufschrei: Ein Regisseur, der für die Unterprivilegierten inszeniert - ein Skandal! :motz: :motz: :motz: :motz: ) Die üppigen Speisen, von denen alle schwärmen, muss man sich aber denken. Kein Problem. Umso präsenter sind die Wodkaflaschen, aus denen sich besonders Lenski so fleißig bedient, dass ich bald über Ursache und Wirkung nachzudenken begann: Betrinkt er sich aus Eifersucht und Wut über die mit Onegin flirtende Olga, oder rastet er nur aus, weil er bereits stockbetrunken ist und die Dinge nicht mehr richtig einordnen kann. Auf jeden Fall kam nun endlich etwas Schwung in die Aufführung, wenn auch hier eine von Richters Schwächen klar zu Tage trat: Er kann mit dem Chor nichts anfangen. (Damit befindet er sich in guter Gesellschaft.....) So verfiel er auf die "geniale" :wacky: Idee, den Chor mehr oder weniger teilnahmslos herumstehen und singen zu lassen, während ständig irgendwelche Akrobaten über die Bühne fegen, Überschläge und Handstände machen usw. Schwach inszeniert fand ich auch den Auftritt von Monsieur Triquet. (Wenn ich denke, was Andrea Breth in Salzburg alleine aus diesem Ballbild herausgeholt hat......) Immerhin erwachte Simon Keenlyside nun aus seiner Lethargie und spielte den Onegin beinahe so überzeugend, wie ich mir das von ihm erhofft hatte. Ramon Vargas benahm sich eher wie Rumpelstilzchen, aber dazu neigt er leider generell.
    Im 5. Bild schneit es wieder, aber laut Libretto befinden wir uns auch im Winter. Trotzdem zieht Lenski seinen Mantel aus und betrachtet ihn so liebevoll, dass ich schon befürchtete, er würde nun "Vecchia zimarra" anstimmen. Aber es blieb beim "Kuda, kuda....", das Ramon Vargas besser sang, als mich seine vorherige Leistung befürchten ließ. Da klang sein Tenor nämlich seltsam spröde und eindimensional, erst jetzt gelang es ihm, sein Singen mit etwas Farben anzureichern. Für mich ist er trotzdem weit von einem idealen Lenski entfernt.
    Die Eisblocktafel vom vorigen Bild steht immer noch da, auch einige Alkoholleichen vom Ball kugeln noch herum. aus denen sich Onegin seinen Sekundanten rekrutiert. Wie toll hat doch Andrea Breth die Duellszene inszeniert, mit wie vielen kleinen psychologischen Details angereichert, und wie belanglos geht es im Vergleich dazu bei Falk Richter ab. Leider wurde ich beim Schusswechsel von einer lebhaft geführten Unterhaltung neben mir abgelenkt, aber mir schien, dass Onegin seinen Schuss abgab, bevor Lenski überhaupt noch seine Waffe in Anschlag gebracht hatte. Glatter Mord also. (Aber das muss ich noch verifizieren!) Gleichgültig wendet er sich ab, umso unmotivierter dann sein Zusammenbruch über der Leiche des Exfreundes, als der Arzt den Tod feststellt.
    Das 6. Bild ist für mich das stärkste: Das Bühnenquadrat wird von perforierten Platten umgeben, die von hinten beleuchtet sind, während die Gassen dazwischen schwarz bleiben, eine sanft ansteigende, grau-metallische Stiege bildet die Spielfläche. Wenn sich der Vorhang hebt, sitzt Onegin einsam und an sich und der Welt leidend auf einer Stufe. Allmählich sickert der Chor durch die schwarzen Gassen ein, und zwar als völlig gleich kostümierte und geschminkte Paare. Für Onegin sind alle Menschen gleich, gleich ausdruckslos, gleich bedeutungslos. Nur Tatjana trägt eine elegante Robe, als sie am Arm Gremins hereintritt, und hebt sich von der Masse ab. Wie elektrisiert springt Onegin auf - zum ersten Mal nimmt er Tatjana als Individuum wahr, ist sie für ihn mehr als eine unter vielen. Diese Szene ging mir als einzige wirklich unter die Haut. Nicht, dass ich das jetzt für eine absolut geniale Regieidee halte, aber es ist wenigstens eine Idee in dieser ansonsten so ideenarmen Produktion.
    Dass allerdings Tatjana samt der Bühne jedesmal in grelles Licht getaucht wird, wenn Gremin sie als seine "Sonne" besingt, ist in meinen Augen peinlich plakativ. (Überflüssige Verdoppelung pflegt Edwin dergleichen zu nennen ;) )
    Überhaupt der Fürst Gremin: Ain Anger singt ihn tadellos, ist allerdings jeder Zoll kein Gremin imTschaikowkischen Sinne: Dieser Gremin ist ein Mann in den besten Jahren, vital und äußerst viril, neben dem der um einen Kopf kleinere Keenlyside beinahe wie ein "Zniachterl" wirkt, wie wir das auf Wienerisch nennen. (So in der Art von "ein mickriges Männchen") Man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Tatjanas Eheleben an der Seite dieses Prachtexemplares so freudlos verläuft, dass sie nur aus Pflichtgefühl bei ihm bleibt.
    Nach dem 6. Bild senkt sich an Stelle des Vorhanges eine aus verschiedenen Facetten gebildete Spiegelwand herunter, an der sich Onegin entlangtastet und dann, am Boden kauernd, seinen Brief an Tatjana schreibt. Sehr effektvoll zweifellos, aber ob dieser finanzielle Mehraufwand für eine im Libretto gar nicht vorgesehene Szene von einer Minute in prekären Budgetzeiten wie diesen gerechtfertigt ist, frage ich mich schon.
    Im 7. Bild schneit es dann wieder einmal, obwohl es eigentlich in Tatjanas Empfangszimmer spielt. Nun allerdings wirkt der Schnee aufgrund der Beleuchtung wie ein golden schimmernder Vorhang. Sehr schön, wie sich die Bühne über dem wieder einsam am Boden kauernden Onegin verdunkelt, weniger schön, dass das Publikum diese bewegende Stimmung zerklatschen musste.
    Mein Fazit: Eigentlich bin ich von dieser Neuproduktion enttäuscht. Szenisch ziemlich belanglos, musikalisch auch nicht auf dem Niveau, das ich mir von der Papierform her versprochen hatte, sieht man von dem stimlich sehr guten Simon Keenlyside ab. Seiji Ozawas Dirigat reißt mich auch nicht zu Begeisterungsstürmen hin, obwohl ich ihm nichts Konkretes vorwerfen kann, da spricht einfach mein Bauchgefühl.
    Jetzt bin ich auf eure Eindrücke gespannt, sowohl live wie auch vom Radio!
    lg Severina :hello:

  • Ich konnte auch in die GP.
    Muss Severina zustimmen,fand das Dirigat etwas schleppend.
    Das Bühnenbild war mir zu karg,und die Personenführung etwas
    schwach.
    Gesanglich und darstellerisch ist Keenlyside am stärksten gewesen.
    Warten wir ab,wie das Publikum reagiert.


    Rita

  • Was ist los? ?( War gestern keiner in der PR oder hat wenigstens die Radioübertragung gehört??? Ich wäre neugierig auf eure Meinung!!!!
    lg Severina :hello:

  • Hallo zusammen!


    Hier meine Eindrücke aus der Premiere: Da ich einen Platz mit Sichteinschränkung hatte, kann ich mich nur teilweise über Regie und Bühnenbild äussern:


    Die Idee mit dem Schneefall fand ich eigentlich sehr poetisch, allerdings kam es durch den Text dabei teilweise zu Anachronismen: Wenn die Mädchen die Burschen mit Weichselkernen bewerfen wollen, wie machen die das im Winter?, wenn Tatjana bei Schneefall singt, dass es schwül ist, kann es sich wohl nur um ein überheiztes Zimmer handeln??


    Auch haben mich die wenig stimmigen Kostüme gestört, Burschen die von der Feldarbeit (im Winter!) im Arbeitsanzug mit Werkzeugköfferchen kommen!!


    Die Maske hat Gremin viel zu jung und gutaussehend erscheinen lassen, auch war von der im Text angesprochenen Verwundung nichts zu merken, da fällt es doppelt schwer, zu erkennen warum Tatjana zwischen ihm und Onegin schwankt, zumal von der Personenregie kaum etwas zu merken war.


    Aber vielleicht bin ich da zu kritisch, lege das zu sehr auf die Waagschale. Ich bin eben noch immer der heutzutage etwas altmodischen Meinung, dass Regisseure vor der Inszenierung den Text und die Partitur lesen sollten, dann bliebe uns wohl so manche Ungereimtheit erspart.


    Aber nun zur musikalischen Seite. Das Orchester unter Ozawa fand ich ausgezeichnet.
    Ebenso Ain Anger als Gremin. Bei Tatjana (Iveri) muss ich leider sagen, dass ihre Stimme nicht immer über die Orchesterwogen kam, ich halte sie für zu stimmschwach für diese Partei in diesem grossen Haus, ausserdem empfinde ich ihre Stimme als modulationsarm. Auch Keenlyside kam besonders im letzten Akt hörbar an die Grenzen seines Materials. Vargas war halbwegs bei Stimme, aber eigentlich auch keine Offenbarung, anfangs habe ich gerätselt, in welcher Sprache er eigentlich singt, später wurde es etwas deutlicher, dass es Russisch ist.


    Für eine Premiere war mir, alles in allem, das Gebotene zu wenig.

  • Die rein akustische Vermittlung im Radio wirkte offenbar besser. Ozawa bewegte sich mehr auf der lyrischen Seite, aber mit sehr ordentlichen gesanglichen Leistungen war die Übertragung durchaus gut.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • Liebe Erni,
    ganz einfach: Sie bewerfen sich mit Schneebällen! Diese Umsetzung fand ich ganz gelungen. Ansonsten stimme ich in den meisten Punkten mit dir überein (Siehe mein Eröffnungspost), bloß dass ich Ozawa nicht so toll fand und ich im Unterschied zu dir gerade die Poesie vermisste. Es lag eben eine völlig unpoetische Starre und Kälte über der gesamten Szenerie, die ich aus der Musik nicht heraushöre. (Vielleicht hast du von einem Platz aus die erstarrten Liebespaare in Hintergrund gar nicht gesehen.)
    Tamar Iveri hörte ich problemlos, aber ich saß auch in der 6. Reihe Parkett, von Keenlyside war ich gelinde gesagt auch etwas enttäuscht und warum Vargas nach "Kuda... kuda..." gestern Bravos bekam, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Muss wohl der Vargas-Fanclub gewesen sein. Er sang die Arie ordentlich, besser als bei der GP, aber zum Jubeln bestand, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, wahrlich kein Anlass.
    Wie war eigentlich die Publikumsreaktion auf das Regieteam? Ö1 hat leider vorher ausgeblendet......
    lg Severina :hello:

  • Hallo Severina!


    Das Bewerfen mit den Schneebällen habe ich von meinem Platz aus tatsächlich nicht gesehen. Aber auch das hätte mich gestört, wenn ich gleichzeitig im Text höre bzw. lese, dass sie sich mit Weichselkernen bewerfen. 'Die erstarrten Liebespaare im Hintergrund habe ich zum Teil gesehen, und das fand ich z.B. durchaus passend zum Text von Tatjanas Mutter, die die Gewohnheit an Stelle des Glücks preisen zu müssen glaubt.


    Dass Ö1 bei der Publikumsreaktion des Regieteams ausgeblendet hat, glaube ich gerne, weil das Team mit einem Buh-Orkan des Publikums empfangen wurde, unter den sich gerade ein Bravo-Ruf!! mischte.

  • Nachdem ich die Premiere der Tschaikowsky-Oper besucht habe, möchte ich hier meine ersten – aber sicher nicht letzten – Eindrücke wiedergeben.


    Der Regisseur, Falk Richter, macht in seiner Inszenierung eigentlich Tatjana zur zentralen Figur, denn es ist ihre Gefühlswelt, die plastisch dargestellt wird. Tatjana ist umgeben von Kälte, emotionaler Kälte. In ihr lodert die Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft, während rings um sie alles erkaltet ist. In den meisten Bildern schneit es im Bühnenhintergrund. Riesige Eisblöcke dienen als Tische und Sitzgelegenheiten. Ja, selbst Tatjanas Nachtgewand im zweiten Bild ist gletscherblau, nur im Inneren Tatjanas strahlt Wärme. Wie Onegin selbst empfindet man auch sie als Außenseiterin. Denn auch Olga und Lenski sind aus ganz anderem Holz geschnitzt. Erstere strotzt zwar vor Lebenslust und Freude, doch ist Olga viel zu oberflächlich, um Tatjanas Sehnsüchte zu verstehen. Diese Schwestern sind wie Tag und Nacht.


    Im ersten Bild sehen wir Tatjana, Olga und Larina, die im Hintergrund von acht Paaren, die regungslos aneinandergeschmiegt sind, umrahmt sind. Wenn dann der Chor auftritt, entsteht ausgelassene Freude und Tatjana als auch das Opernpublikum werden mit artistischen Einlagen wie Salti unterhalten.
    Nachdem Onegin und Lenski die Szene betreten, scheint Tatjana aus einer Lethargie zu erwachen. Sie – die stets mit einem Buch in den Händen zu sehen ist – beginnt sich für den gut aussehenden, charismatischen und weltmännischen Titelhelden zu interessieren und während Olga und Lenski ihr Duett singen, schreiten Tatjana und Onegin die Bühne von vorne nach hinten, von einer Seite zur anderen hinab, um über Literatur zu reden und den Ausblick zu bewundern. Hier zeigt sich, dass der Regisseur etwas von Personenregie versteht, denn nicht nur hier sind seine Figuren, wenn sie auch nicht gerade im musikalischen Focus stehen, ständig in Beschäftigung. Hier gibt es kein langweiliges Herumstehen.


    Tatjana singt ihre berühmte Briefszene in einem quaderförmigen, senkrecht aufgestellten „Bett“. Durch die Eisblockkonstruktion fühlte man sich an einen geöffneten Iglu erinnert. Das einzig Wärmende für das Mädchen sind braune Felldecken. Aber Tatjana ist trotz ihrer kalten Umgebung warm, denn in ihr brennt die aufkeimende Leidenschaft für Onegin.
    Das Bild schließt mit dem für das Publikum in Großformat gezeigten Brief Tatjanas an Onegin, dass den ganzen Bühnenraum bedeckt. Zwar keine neue Idee, aber trotzdem passend.
    Wenn ich nur russisch lesen könnte.....


    Im dritten Bild sieht man Onegin, der Tatjanas Brief liest und dabei von einigen Mädchen mit Schneebällen beworfen wird. Er steckt den Brief in die Tasche und beteiligt sich an der Schneeballschlacht. Der Mann hat eine ungeheure Wirkung auf Frauen, sie fixieren ihn, werfen sich ihm zu Boden, eine hält ihn an den Beinen fest, sodass er nicht mehr weiterlaufen kann. Als er sich losreißt und wegläuft, laufen sie ihm wie hypnotisch hinterher.


    Das vierte Bild gerät von der Regie her zu einem Höhepunkt. Wie Onegin zuerst mit Tatjana tanzt und dann heftig mit Olga flirtet, Lenski’s stetig steigende Eifersucht bis es zur verbalen Konfrontation der beiden Männer kommt, inszeniert Richter wahrlich packend und sehr intensiv.
    Auch die Duellszene im fünften Bild ist zwar minimalistisch aber trotzdem gerät sie sehr stark, oder vielleicht gerade deswegen. In Richter’s Inszenierung wird einem stark vor Augen geführt, wie wenig die beiden Männer dieses Duell wollen. Keiner will einen Rückzieher machen. Umso schmerzlicher ist es, als Richter zeigt, wie eng verbunden sich diese beiden unterschiedlichen Männer fühlen, wenn Onegin und Lenski noch einmal aufeinander zugehen und man das Gefühl hat sie wollen sich jetzt eigentlich umarmen, nicht duellieren.


    Onegin legt die Pistole an und gibt seinen Schuß ab. Doch Lenski hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal auf Onegin gezielt, sondern er ist dem schießenden Freund sogar noch in die Waffe gelaufen. Lenski hat hier den Tod gesucht, ja, es schien als wolle er durch die Hand des Freundes sterben. Somit bekommt sein Abschied von Olga auch mehr Sinn, denn von dieser verabschiedete er sich ja „auf ewig“.


    Die letzten beiden Bilder wirken erneut sehr kalt, obwohl die Eisblöcke verschwunden sind. Zur Polonaise sieht man wie Onegin auf schwarz gefärbten Stufen in einem in schwarz gehaltenen Saal sitzt, und den Einzug von Paaren, bei denen die Frauen alle gleich aussehen. Gleich angezogen, gleiche Frisuren und Haarfarben. Onegin ist derart gelangweilt von dieser Gesellschaft, dass ihm alles gleich erscheint. Bis Tatjana auftritt und er sie wiedererkennt.


    Während der Orchestereinleitung zum siebten Bild sitzt Onegin am Boden und schreibt Tatjana den Brief den sie im letzten Bild erregt in Händen hält. Die letzte Konfrontation gerät dank der beiden wunderbar agierenden Darsteller zu einem Höhepunkt der Aufführung.


    Natürlich gibt es einige Ungereimtheiten, über die man bei heutigen Produktionen hinweg sehen muß. Natürlich ist das alles recht kalt inszeniert, im Kontrast dazu steht ja die ungemein emotionelle Musik Tschaikowskys. Ein Widerspruch? Nicht für Richter. Für ihn ein logischer Kontrast.
    Diese Inszenierung ist nicht der große Wurf, aber sie bietet schon einige Denk- und Diskussionsmöglichkeiten. Einiges gefällt, wie die Personenregie, bei anderen Dingen hätte man mehr daraus machen können.


    Was die musikalische Seite betrifft muß man doch sehr zufrieden sein. Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich das Gefühl, dass die Figuren einer Oper wirklich adäquat besetzt sind.


    Simon Keenlyside sang seinen ersten Eugen Onegin. Zugegeben, Tschaikowsky bietet seiner Titelfigur nicht die großen Arien, in denen ein toller Bariton groß auftrumpfen kann. Hier sind es eher drei monologartige Arien von denen er die erste einfach perfekt singt. :jubel: Also die Arie, bei der Onegin auf Tatjanas Brief reagiert und er ihr eindeutig zu verstehen gibt, dass er nicht der Richtige für sie ist. Keenlyside singt derart farbenreich und nuanciert, dass selbst dieser, etwas nüchterne Vortrag großen Szenenapplaus und Bravorufe bringt.
    Auch gelingen ihm die recht dramatischen Szenen seiner Figur recht gut, er ist ganz ausgezeichnet in seinem Ausdruck, obwohl man in den letzten beiden Bildern das Gefühl bekommt, dass der Onegin hier eine Grenzpartie für ihn ist. Er forciert zum Glück nicht, sondern singt mit dem was ihm an Stimmvolumen gegeben ist.
    Nicht falsch zu verstehen, seine stimmlichen Ressourcen reichen absolut aus und sein Timbre ist einfach wundervoll. Seine Stimme kann mir jede Gefühlsregung glaubhaft vermitteln. :yes:
    Es ist nur so, dass zu diesem Zeitpunkt die Rolle noch nicht zu 100% die seine ist. Aber ich habe keinen Zweifel, dass einem außergewöhnlichen Stimmschauspieler wie ihm, das mit der Zeit auch noch gelingen wird.


    Darstellerisch ist er sowieso eine Wucht! :jubel::jubel::jubel: In den ersten Bildern ist er noch recht zurückhaltend, da gibt das Libretto auch noch nicht so viel her. Aber in der Ballszene des vierten Bildes ist er wahrlich in seinem Element. Da darf er seine Leidenschaft für das Schauspiel ausleben.
    Wie er forsch mit Tatjana tanzt, dann die Gesellschaft mit Langeweile beobachtet, um im nächsten Moment wieder ein Teil dieser verhassten Gesellschaft zu sein, in dem er mit Olga schon einen fast unanständigen Tanz hinlegt. Mit hoch gestreckten Armen tanzt er mit ihr Seite an Seite und dabei lassen sie ihre Hüften, oder man könnte schon sagen, ihre Hinterteile aneinander schlagen. :pfeif: Kein Wunder, dass Lenski die Fassung verliert. Wenn meine Freundin mit einem anderen Mann so tanzen würde.....


    Keenlyside’s Onegin ist arrogant, zynisch und gelangweilt, doch er ist auch sehr behutsam im Umgang mit Tatjana. Er weist sie nicht schroff zurück, sondern streicht ihr zärtlich über das Gesicht, als er sie von sich weist, so als wolle er ihr nicht wehtun.


    Höhepunkte bilden für Simon dann die beiden letzten Bilder in denen er voll aus sich herausgehen kann. Er ist schier fassungslos beim Anblick „seiner“ Tatjana. Die Erkenntnis, dass sie sehr wohl die Richtige für ihn ist, setzt er darstellerisch erschütternd um. Schließlich die finale Szene, in der er regelrecht um Tatjana bettelt, er wirt sich ihr zu Füßen. Noch nie im Leben hat sich dieser Onegin jemanden so ausgeliefert und Keenlyside spielt das ganz großartig. Kein Wunder, dass dieser Sänger in London mit dem Laurence-Olivier-Award für seine schauspielerische Leistung in einer Opernproduktion ausgezeichnet worden ist. :jubel:


    Eine gleichwertige Partnerin hat Keenlyside mit Tamar Iveri als Tatjana. Sie spielt ebenfalls großartig, vom jungen verliebten Mädchen über die enttäuscht, beinahe desillusionierende Verliebte bis hin zur selbstbewussten Frau, der es beinahe körperliche Schmerzen bereitet ihren geliebten Eugen Onegin abweisen zu müssen.
    Auch gesanglich macht sie großen Eindruck, hat keine Mühen mit der oft dramatischen Partie. Ihre Stimme kommt gut über das Orchester hinweg. Die Briefszene singt sie besonders gut, ihre Gesangstechnik ist fabelhaft, das merkt man den ganzen Abend hindurch. Man könnte allerdings bemäkeln, dass ihre Stimme etwas zu schwer ist. Es fehlen ihr irgendwie Wärme und Fragilität in der Stimme. Charakteristika, die für diese Figur auch notwendig sind und das was Mirella Freni’s Tatjana zu so etwas Besonderem machten. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte an einer insgesamt tollen Gesangsleistung. :yes:


    Ramon Vargas singt einen besseren Lenski als so manche vermuteten. In der Mittellage ist seine Stimme sehr ansprechend und auch schön im Ausdruck, seine Höhen klingen leider etwas fahl. Für das Publikum am Premierenabend war er offenbar am Besten, denn von allen Sängern schien er den meisten Jubel einzuheimsen. Für mich persönlich ist er nicht der ideale Lenski, auch wenn er im Großen und Ganzen seine Sache ganz gut macht.
    Darstellerisch wirkt er manchmal wie der Elefant im Porzellanladen, obwohl dieser Vergleich ja eigentlich unfair ist. Wissen wir doch alle, was für sensible Tiere Elefanten in Wirklichkeit doch sind. Vargas wollte mir manchmal ein bisschen zu wild sein, eben wie wir das von einem Latino kennen oder auch von einem Italienischen Tenor erwarten. Russisch wirkt er auf mich nun gar nicht. :wacky:


    Nadia Krasteva war endlich mal wieder in einer Rolle zu sehen, die ihr wirklich liegt. Nach den Ebolis und Preziosillas, die man in letzter Zeit von ihr hören konnte, und die zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich etwas für sie sind, hat sie mit der Olga eine Partie gefunden, die sie mit ihrem toll klingenden Mezzo absolut wunderbar singt. Sie sieht gut aus und die immer spielfreudige Sängerin vermittelt auch den Charakter ihrer Figur sehr gut.


    Den Gremin singt Ain Anger recht gut, aber er bleibt erstaunlich blaß in seiner Darstellung. Er ist zwar sehr groß, aber das ist auch schon alles an diesem Gremin. Was Tatjana an dem so findet? Ach natürlich, er sichert ihre finanzielle und gesellschaftliche Zukunft.


    Auch die restlichen Sänger sind für ihre Rollen gut besetzt. Überraschend gut ist das langjährige Mitglied der Wiener Staatsoper, Margareta Hintermaier als Filipjewna. Ordentlich gesungen wird die Larina von Aura Twarowska und Alexander Kaimbacher ist ein schön klingender Triquet.


    Auch der Chor – von Regisseur Richter manchmal zu sehr vernachlässigt – ist bestens disponiert. Und wer ist für den Klang im Orchestergraben verantwortlich?
    Seiji Ozawa, und der Meister enttäuscht nicht. Manche haben zwar gemäkelt, er husche stellenweise zu rasch über die Partitur – wie zum Beispiel beim Finale der Briefszene, da hätte man sich etwas mehr Umsicht gewünscht – aber er holt einen wunderbaren Tschaikowsky aus den Philharmonikern heraus, die bestens auf diesen Komponisten eingespielt sind.


    Musikalisch gesehen war es ein großer Erfolg für Dirigent, Orchester und Sänger, die mit reichlich Jubel bedacht wurden. Es gab drei Solovorhänge für die Hauptprotagonisten, das Publikum spendete fast zwanzig Minuten Beifall. Das Leading-Team wurde aber doch recht ausgebuht, obwohl es doch auch einige Bravos gab.


    Die Inszenierung ist sicher gewöhnungsbedürfig, aber wie eine Besucherin sagte, man kann damit leben. ;) Da viel Wert auf das Schauspiel gelegt wird, darf man gespannt sein, wie sich zukünftige, weniger schauspielbegabte Sänger, in der Inszenierung zurechtfinden werden.


    Ich werde die nächsten Vorstellungen auch noch besuchen, und da wird sich zeigen, was noch so alles auffällt, was bei einmaligem Ansehen gar nicht erfasst werden kann, und wie sich die Sänger in ihren Rollen weiterentwickeln werden. Denn erfahrungsgemäß ist ja eine Premiere immer die schwächste Vorstellung. Dafür war es dann aber schon sehr gut. Inszenierung Geschmacksache, musikalisches Niveau sehr hoch.


    Gregor

  • Lieber Gregor,
    danke für diesen tollen Bericht, interessant, dass du überwiegend zu einer ganz anderen Einschätzung gelangst wie ich, was die Regie betrifft. (Siehe meine GP-Reportage) Ich habe Andrea Breths Inszenierung in Salzburg wesentlich spannender gefunden, da wurde wirklich eine bis ins kleinste Detail ausgefeilte Personenführung gezeigt, während Falk Richter - zumindest für mich - nicht mehr als konventionelle Bewegungsabläufe bringt. Dass Onegin und Tajana im ersten Bild herumspazieren, damit Lenski ungestört mit Olga flirten kann, steht schon im Libretto, darin kann ich keinen Regieeinfall erkennen.
    Die einzige gute Idee war für mich der "gesichtslose", uniforme Chor im vorletzten Bild, der Onegins Isolation und auch Langeweile in dieser ihn anödenden Gesellschaft widerspiegelt, in dem dann Tatjana als Lichtgestalt auftaucht, von ihm erstmals als Individuum wahrgenommen. Das war mir aber für drei Stunden höchst belangloser Inszenierung etwas wenig. Im Ernst: Das, was da auf der Bühne an Handlung vor sich ging, hätten Keenlyside, Iveri und Krasteva auch ganz ohne Herrn Richter zu Wege gebracht, und Vargas verweigert sich ohnehin jedem Regiekonzept und spielt immer Vargas.
    Das Bünenbild in seinem Minimalismus hat mir hingegen gut gefallen, darin könnte ein wirklich spannender Onegin stattfinden, wenn man einen etwas kreativeren Regisseur aufgeboten hätte als Herrn Richter.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von Jacques Rideamus
    Zu dieser Aufführung gibt es zwar schon Severinas Bericht von der Generalprobe hier:
    Wien, WSO; GP Eugen Onegin, Tschaikowski, 5.3.2009


    Ich möchte aber die sehr ausführliche Beschreibung gerne am Anfang stehen lassen. Ich habe daher den GP-Bericht geschlossen, damit alle weiteren Reaktionen auf diese Aufführungen hier angeschlossen werden können. JR II


    Lieber Jacques,
    das verstehe ich aber jetzt nicht ganz, vielleicht gibt es ja auch Leute, die meinen Bericht kommentieren, kritisieren, anfeinden etc. wollen. Ich bin ja zu einer ziemlich anderen Einschätzung als Gregor gelangt, was die Regie betrifft, und habe ehrlich gesagt keine Lust, das jetzt im Detail hier noch einmal zu wiederholen. Wieso kannst du nicht einfach unsere beiden Threads zusammenlegen, sodass etwaige Leser auf beide Meinungen eingehen können??
    lg Severina :hello:

  • Ich fand die Geschichte mit den Schneebällen auch ganz passabel.
    Aber liebe Erni,den Text darfst Du nicht mitlesen,denn dann stimmt nichts mehr!
    Die Maske des Gremin war nicht gut. Man hätte ihn wenigstens ein paar Jahre älter
    schminken sollen.Sonst der Zuschauer nicht,warum Tatjana ihn nicht liebt.
    Im grossen und ganzen war es recht ordentlich,aber nicht außergewöhlich.


    Rita

  • Zitat

    Original von severina


    Lieber Jacques,
    das verstehe ich aber jetzt nicht ganz, vielleicht gibt es ja auch Leute, die meinen Bericht kommentieren, kritisieren, anfeinden etc. wollen. Ich bin ja zu einer ziemlich anderen Einschätzung als Gregor gelangt, was die Regie betrifft, und habe ehrlich gesagt keine Lust, das jetzt im Detail hier noch einmal zu wiederholen. Wieso kannst du nicht einfach unsere beiden Threads zusammenlegen, sodass etwaige Leser auf beide Meinungen eingehen können??


    Oje, hoffentlich ist das jetzt nicht meine Schuld. Ich muß gestehen, ich habe meinen thread einfach eröffnet, da es den Anschein hatte Severina's posting würde sich wirklich nur auf die GP beziehen, und die kann ein "Normalsterblicher" (;)) ja kaum sehen. Ich habe aus Zeitmangel Severina's Beitrag erst später gelesen. Der thread, den ich eröffnet habe, sollte sich nicht nur auf die Premiere beziehen und jeder ist natürlich eingeladen darüber, aber natürlich auch über die zukünftigen Folgevorstellungen zu berichten.


    Ein Vorschlag, Severina, ich werde in Zukunft zuerst schauen, ob es nicht schon einen passenden thread gibt (was man ja eigentlich sowieso tun sollte, ich weiß :pfeif: ) und wenn du über eine GP berichtest, dann eröffnest du einfach deinen thread und weist nur auf die Produktion hin und läßt den Hinweis auf die GP aus der Betreffzeile einfach weg. Das wäre dann sogar ein toller Start für diesen thread, du beginnst mit deinem Bericht von der GP und dem Hinweis, daß es eben die GP war die du beurteilst, und über die anderen "richtigen" Vorstellungen werden die Taminos ihre Berichte einfach anhängen. Somit hätten wir alles in einem thread und das wäre sehr übersichtlich.
    Ich denke, daß wäre auch im Sinne von JR II, denn alle zukünftigen Berichte werden sich wohl eher auf normale Vorstellungen beziehen als auf die GP. Im nachhinein denke ich, daß ich vielleicht sogar Hemmungen gehabt hätte, in deinem thread zu posten, da ich mich ja nie und nimmer auf die GP beziehen könnte, aber dein thread-Titel weist genau auf diese eine Vorstellung hin.
    Aber dein Beitrag ist natürlich genauso wertvoll. Ich habe ihn mit Interesse gelesen.


    Gregor

  • Zitat

    Original von severina


    Lieber Jacques,
    das verstehe ich aber jetzt nicht ganz, vielleicht gibt es ja auch Leute, die meinen Bericht kommentieren, kritisieren, anfeinden etc. wollen. Ich bin ja zu einer ziemlich anderen Einschätzung als Gregor gelangt, was die Regie betrifft, und habe ehrlich gesagt keine Lust, das jetzt im Detail hier noch einmal zu wiederholen. Wieso kannst du nicht einfach unsere beiden Threads zusammenlegen, sodass etwaige Leser auf beide Meinungen eingehen können??
    lg Severina :hello:


    Liebe Severina,


    es war sicher nicht meine Absicht, Kommentare auf Deinen Bericht zu unterbinden. Im Gegenteil, ich glaubte Deine eigene Praxis nachzuvollziehen, da Du ja in "Gregors" Thread geantwortet hast. Damit Dein Thread weiterhin berücksichtigt wird, habe ich ja in BEIDEN die Links zueinander gesetzt. Lesen muss man die natürlch selbst. Was ich aber vor allem verhindern wollte, war eine parallele Weiterentwicklung beider Threads.


    Wenn nun aber Gregor und Du für eine Zusammenlegung plädieren, mache ich das natürlich gerne, wie es gleich geschehen wird, und zwar unter GregorsTitel, der elegant GP UND Premiere berücksichtigt.


    :hello: Jacques Rideamus (als Moderator)

  • Danke, nun ist ja alles bestens geregelt! :] Ich war übrigens weder beleidigt noch verärgert, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte, weil hinter der Schließung meines Threads ja keine böse Absicht stand, ganz im Gegenteil. Jacques wollte eine unnötige Zweigleisigkeit verhindern, was ja nun zu aller Zufriedenheit geschehen ist. Und dass man einmal versehentlich einen Thread zu einem Thema eröffnet, das bereits so oder in ähnlicher Form vorhanden ist, kann jedem passieren.
    Womit einer spannenden Diskussion nichts mehr im Wege steht! :]
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Die einzige gute Idee war für mich der "gesichtslose", uniforme Chor im vorletzten Bild, der Onegins Isolation und auch Langeweile in dieser ihn anödenden Gesellschaft widerspiegelt, in dem dann Tatjana als Lichtgestalt auftaucht, von ihm erstmals als Individuum wahrgenommen. Das war mir aber für drei Stunden höchst belangloser Inszenierung etwas wenig. Im Ernst: Das, was da auf der Bühne an Handlung vor sich ging, hätten Keenlyside, Iveri und Krasteva auch ganz ohne Herrn Richter zu Wege gebracht, und Vargas verweigert sich ohnehin jedem Regiekonzept und spielt immer Vargas.
    Das Bünenbild in seinem Minimalismus hat mir hingegen gut gefallen, darin könnte ein wirklich spannender Onegin stattfinden, wenn man einen etwas kreativeren Regisseur aufgeboten hätte als Herrn Richter.


    Gegen Minimalismus ist nichts einzuwenden, denn man kann auch mit geringen Mitteln oft viel erreichen. Das hat für mich in den ersten Bildern ganz gut funktioniert, in den beiden letzten eher nicht so.
    Sicher, das vorletzte Bild führt uns ganz klar vor, daß Onegin gelangweilt ist. Aber muß Richter das Publikum gleich mitlangweilen? :pfeif:
    Solange es schneite hatte man wenigstens noch "erhellende" Momente, das einheitliche Schwarz gegen Ende war mir dann doch zuviel und zu plakativ. So nach dem Motto, 'seht her, wie triste Onegin seine Umwelt empfindet, alles erscheint ihm schwarz'. Das hätte man doch sicher auch mit anderen Mitteln umsetzen können.


    Die Inzsenierung ist oft auch auf gute Singschauspieler angewiesen, aber das ist ja bei den moderneren Inszenierungen sowieso eher der Fall. Für schauspielerisch nicht so begabte Rampensänger wird so eine Inszenierung zum Problemfall.
    Aber du hast schon recht, die Sänger hätten wohl auch ohne Richter ihre Rollen so spielen können. Simon hat sowieso immer seine eigenen Ideen wenn er eine Rolle spielt, und so wie ich die Iveri bisher erlebt habe, verfügt sie auch über eine gute Portion Schauspieltalent.


    Gregor

  • Da ich nur via Radio dabei war, danke ich für eure - zwar widersprüchlichen - aber doch so ausführlichen und interessanten Berichte.
    Ich liebe dieses Werk ganz besonders und habe anfangs mit gewisser Vorfreude richtiggehend zugehört. Während Lenskis (Vargas) erstem Arioso "Ja ljublju tebja" hab ich irgendwie das Bedürfnis gekriegt aufzustehen und lieber nicht mehr zu genau zuzuhören. Nicht wirklich schlecht - aber von wo kommt diese Übertragung - aus St. Pölten? Innsbruck? Aus der WSO....
    OK - in der Wohnung herumgetan, Wäsche weggeräumt und so - dafür hat die Übertragung gerade gepaßt.
    Leider auch aus dem Orchester. Wo ist die Leidenschaft geblieben? Natürlich schön (ist ja hinreißend schöne Musik) - aber irgendwie "flach". Lyrisch, hat oben jemand geschrieben, naja.
    Irgendwie hab ich wohl noch die Barenboim-Interpretation aus Berlin im Ohr. Da war zwar die viel geschmähte Inszenierung, doch die Musik war von einer mitreißenden Tiefe. Wohl hatte ich schon öfters meine Troubles mit Ozawas Versionen.
    Frau Iveri klingt zwar über große Strecken sehr interessant - dennoch merkt man so oft, dass sie an ihre Grenzen kommt. Leider muß ich dasselbe über Keenlyside sagen. Solch Lobeshymnen hab ich über ihn vernommen, dass ich ganz gespannt war. Bin ja - bekanntermaßen - ein Baritonfan. Alle Tenöre können für mich zu Hause bleiben, wenn ich eine wunderbare Baritonstimme hören darf. Ja, er singt kultiviert, in den dramatischen Stellen eher an seiner Grenze. Völlig fehlt - was beim Onegin wichtig ist - das Virile, ein bißchen Erotische in der Stimme. Nichtsdestotrotz - machte man eine Reihung der Sänger dieses Abends bekäme er die eins.
    Der Ain Anger hat mich übrigens tatsächlich positiv überrascht, hat er mir doch in anderen Rollen (Heinrich, Daland...) nicht so gefallen. Aber die Gremin-Arie ist halt einfach ein echter Hit.
    Ja und Vargas - nun er ist nicht wirklich schlecht. Etwa in Graz (Theophilus verzeih!) wär er sicherlich in dieser Rolle gut am Platz. Und (das wurde schon von meinen Vorpostern geschrieben) er hat für das Genre überhaupt kein Gefühl. Lenski ist eine der poetischsten, gefühlvollsten Figuren. Nicht so ein "Holodero"-Italiener.
    Zwischen meinem Wäsche-Wegräumen hab ich mich bei meinen Lieblingsstellen immer wieder hingesetzt um zuzuhören. Wurde aber nie wirklich überzeugt.
    Für eine Premiere aus der Wiener Staatsoper war das eine recht mittelmäßige Leistung.

  • Liebe Brangäne,
    dein Fazit ist auch das meine. Niemand war wirklich schlecht, aber von einer PR an der WSO erwartet man sich eben mehr als bloß solide Leistungen. Erstaunt bin ich in immer wieder über die sehr guten Kritiken, die Vargas bekommt. Er zehrt wohl immer noch von seiner glorreichen Vergangenheit, denn ich höre in letzter Zeit herzlich wenig tenoralen Schmelz, sondern eine Stimme, die immer spöder und farbloser wird.
    lg Severina :hello:

  • Nach der gestrigen zweiten Vorstellung ist mir genau bewußt, was mich an Vargas' Lenski stört. Er singt die Partie als würde er Verdi oder gar Puccini singen. Nach Tschaikowsky klingt das jedenfalls nicht. Das wird nicht nur hörbar in seinen Solo- sondern auch in den Ensembleszenen. Während seine Partner stimmlich alle sehr subtil agieren, dominiert er diese Szenen zu sehr und fügt sich nicht in das Ensemble ein. Es kommt einem vor, als hätte Vargas mehr Stimmvolumen als die anderen Sänger, aber das ist ganz sicher nicht der Fall. Seine Kollegen zeigen da einfach mehr Sensibilität für die Musik und den Komponisten und es ist wahrlich Vargas' Schuld, daß da kein Einklang entsteht. Das nehme ich ihm schon ein bißchen übel. Wenn er sich nur ein bißchen mehr zurücknehmen würde..... X(


    Außerdem nehme ich sofort zurück, daß ich nach der Premiere dachte, für Simon wäre der Onegin eine Grenzpartie. Denn gestern sang er auch die beiden letzten Szenen absolut souverän. :yes: Nie hatte man das Gefühl er würde an seine Grenzen stoßen. Er hatte seine Stimme viel besser unter Kontrolle als in der Premiere, war vokal viel präsenter. Naja, ich sag's ja, die Premiere ist selten die beste Vorstellung und die Rolle ist halt doch neu für ihn.


    Eigenartigerweise war das Publikum gestern weniger enthusiastisch als bei der ersten Vorstellung, obwohl die zweite in ihrer Gesamtheit viel stimmiger war. Was wieder viel über das heutige Opernpublikum aussagt. :wacky:


    Lief doch da auch ein Opernbesucher herum, der doch glatt sagte, die Geschichte dieser Oper ist natürlich Blödsinn. 8o Ach ja? Nun, zu der Zeit, zu der die Oper eigentlich spielt, war sie ganz und gar kein Blödsinn, und auch nicht wenn man die Geschichte in die Gegenwart verlegt. Hat er die Parallelen, die diese Figuren zur heutigen Zeit haben, wirklich nicht erkannt? Ein Jammer. :no:


    Freu mich jetzt schon auf die nächsten Vorstellungen.


    Gregor

  • Zitat

    Original von Brangäne
    Frau Iveri klingt zwar über große Strecken sehr interessant - dennoch merkt man so oft, dass sie an ihre Grenzen kommt. Leider muß ich dasselbe über Keenlyside sagen. Solch Lobeshymnen hab ich über ihn vernommen, dass ich ganz gespannt war. Bin ja - bekanntermaßen - ein Baritonfan. Alle Tenöre können für mich zu Hause bleiben, wenn ich eine wunderbare Baritonstimme hören darf. Ja, er singt kultiviert, in den dramatischen Stellen eher an seiner Grenze. Völlig fehlt - was beim Onegin wichtig ist - das Virile, ein bißchen Erotische in der Stimme. Nichtsdestotrotz - machte man eine Reihung der Sänger dieses Abends bekäme er die eins.


    Naja, Geschmäcker sind halt gottseidank verschieden. Aber nichts für ungut, es ist ja nicht so, daß Keenlyside erst seit gestern singt. Der Mann tummelt sich seit inzwischen 20 Jahren auf den großen Bühnen der Welt herum. Von wegen Bariton-Fan. Da hätte er einem doch mal unterkommen müssen.
    Mein Vorschlag, bevor man einen Sänger abkanzelt, immer erst mehre Opernauftritte verfolgen und dann ein Urteil bilden. Glaubt ihr, ich habe Villazon nach einem mal hören, abgeschrieben? Ich habe ihn mehrfach angehört, bis mir klar war, er ist nichts für mich.
    Bei Keenlyside würde ich empfehlen ihn als Conte Almaviva anzuhören, als Don Giovanni (sein Londoner Giovanni war großartig), als Rodrigo. Bei Keenlyside kommt immer auch die schauspielerische Komponente hinzu, und ehrlich, eine nicht gelungene Radioübertragung als Kriterium heranzuziehen, gilt sowieso nicht, jedenfalls nicht für mich.
    Ich bin halt sehr leidenschaftlich wenn's um Simon geht, tut mir leid. Dafür mag ich ihn nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch, zu sehr.


    Gregor

  • Zitat

    Original von Gregor
    Lief doch da auch ein Opernbesucher herum, der doch glatt sagte, die Geschichte dieser Oper ist natürlich Blödsinn. 8o


    8o :motz:


    Der "Eugen Onegin" hat einen der realistischsten Plots der Opernwelt überhaupt! Ein junges Mädchen verliebt sich und wird abgewiesen, heiratet einen anderen und bleibt dem treu. Das ist in der Geschichte der Menschheit sicherlich schon massenhaft vorgekommen!
    Und gleichzeitig bin ich immer wieder überrascht, wie spannend das Ergebnis trotz der sehr alltäglichen Handlung doch ist! Sicherlich trägt dazu auch die sensible musikalische Umsetzung Tschaikowskys bei, aber auch von selbst entwickelt die schlichte, schmucklose Handlung ihren anmutigen Reiz, der für mich auch irgendwie etwas Archaisches hat.


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Zitat

    Original von Gregor
    Naja, Geschmäcker sind halt gottseidank verschieden......


    Ich bin halt sehr leidenschaftlich wenn's um Simon geht, tut mir leid. Dafür mag ich ihn nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch, zu sehr.


    Gregor


    Hallo Gregor! Leidenschaftlich ist gut (-: das darfst du auch nie ablegen oder vegessen. Schon gar nicht, wenn es um Oper geht.


    Wollt auch niemanden "abkanzeln" - hab ja gesagt in dem ganzen Onegin bekäm er die "eins". Nur bin ich halt auch eher leideschaftlich ....

    :hello:


    Ja, dass es den Herrn gibt hab ich eh schon lang gewußt. Nur so haushohes Lob hab ich erst in letzter Zeit gehört und vor allem hier gelesen. Daher eben besonders gespannt gewesen.


    Sag ich ja - Figaro kann ich mir gut vorstellen, auch natürlich Almaviva, Giovanni ... ja möglich... Vielleicht mag ich ja die Baritone mehr, die zwar auch wunderschön singen, aber zusätzlich das haben was man "Schmalz" nennt. Also auch kraftvollere Nuancen bieten.


    Ewige Nummer eins: Cappuccilli. Von den Lebenden: Hvorostowsky. Auch Lucic.


    Konnte übrigens - trotz aller Wertschätzung - mit Dieskau nie was anfangen. Sein Rigoletto ist für mich katastrophal. Bei den Strauss-Liedern hör ich schon andächtiger zu.


    Nun genug- sonst wird mein Beitrag wegen "Themaverfehlung" gestrichen...


    Liebe Grüsse von Eva

  • Beim Verlassen der Vorstellung hatte ich ein etwas undifferenziertes Gefühl, was diese Produktion und Vorstellung anbelangt, werde aber weitere Vorstellungen gerne besuchen.


    Mit Eugen Onegin ist nach längerer Absenz wieder eines der wichtigsten Werke der russischen Opernliteratur im Programm der Staatsoper aufgenommen worden. Gemäß Tschaikowski handelt es sich ja „nur“ um Lyrische Szenen – und dementsprechend ist das Werk auch komponiert worden. Und da beginnt schon die Frage, wie man „lyrisch“ interpretiert. Dirigent Seiji Ozawa legt das im Jahre 2009 anders als 1988 aus – das Schwelgerische fehlt nun fast vollständig, alles wirkt irgendwie reduziert – sehr im Einklang zum Bühnenbild (Katrin Hoffmann), wo man „Eiskuben“ in diversen Größen und Formen findet und im Prinzip vom fallenden Schnee im Hintergrund beherrscht wird. Was diesen Schnee betrifft, ergibt das für Besucher der teureren Plätze ein wirkliches Aufmerksamkeitsproblem, da dieses ewige Rieseln das Auge sehr, sehr ermüdet. Von der Galerie aus gesehen ist es viel weniger anstrengend.


    Also – was hat sich Regisseur Falk Richter wohl bei der Inszenierung gedacht? Wenn man davon ausgeht, dass der Schneefall die jeweiligen Gemütszustände der Protagonisten darstellen soll, braucht man die Jahreszeiten nicht mehr in Betracht ziehen. So bleibt anzumerken, dass die Bauern zu Installateuren mutiert sind und in ihren Werkzeugkästen gleich auch ihr Essen mitbringen, das am kahlen Boden verzehrt wird. Des weiteren haben sich ein paar Akrobaten und Akrobatinnen in die Menge gemischt. Larina dürfte die Chefin der Firma sein, Olga die lebenslustige Tochter, die Hochglanzmagazine liebt, während Tatjana die Intellektuelle ist. Tatjana kuschelt sich in der Briefszene auf Braunbärfellen, die über ihr Eisquaderbett gebreitet sind. Das Fest bei Larins zeigt einen Triquet, der als Popstar gestylt und von den Mädels angehimmelt wird, es gibt eine lange Bar aus Eis (sehr praktisch zum Kühlen der sich darauf befindlichen Hummer). Die Duellszene ist gut gelöst – besonders, als zum Schluss Lenski die Pistole, die er bereits in der Hand hatte, wieder weglegt, dies aber von Onegin, der mit dem Rücken zu ihm steht, nicht bemerkt wird und dieser somit einen Wehrlosen erschießt. Die Erschütterung von Onegin danach ist echt und nachvollziehbar.


    Das Außenseitertum Onegins wird beim Ball bei Gremin gut dargestellt. Gremin wird als „mittelalterlicher“ Mann ausgelegt (was wiederum konsistent mit dem Darsteller ist) und auch die letzte Szene zwischen Tatjana und Onegin wird sehr intensiv gespielt und gesungen (es stört dabei nur, wie schon gesagt, der Schneesturm im Hintergrund, der einem, auf wienerisch gesagt, „das Aug’ raushaut“.


    Alles in allem finde ich die Produktion nicht so schlecht, wie andere Rezensenten sie gefunden haben. Es wird da sehr viel auf die Darsteller ankommen, die Rahmenbedingungen für „große“ Abende sind auf jeden Fall gegeben.


    Warum war der 10.3.2009 nun kein „großer Abend“? Ich denke, dass dies einerseits am Dirigat Ozawas gelegen hat, der, wie oben erwähnt, das ganze ziemlich trocken dirigierte und des öfteren Orchester und Sänger nicht im Einklang waren (besonders störend bei den Szenen mit Olga). Andererseits waren die Sänger durch die Bank gut, allerdings niemand wirklich überragend. Ob dies vielleicht an der nach hinten komplett offenen, sehr sängerunfreundlichen Bühne gelegen haben kann, muss Spekulation bleiben.


    Solovorhänge für ihre Leistungen hätten sich sowohl Aura Twarowska als Larina als auch Margareta Hintermeier als Njanja Filipjewna verdient. Beide waren sowohl von der Bühnenerscheinung als auch vom Gesanglichen her absolut überzeugend. Der junge Alexander Kaimbacher gefiel als Triquet – ich denke, dass der Sänger bei entsprechender Entwicklung eine große Karriere vor sich hat. Marcus Pelz und Hans Peter Kammerer absolvierten ihre Rollen ebenfalls zufrieden stellend.


    Nadia Krasteva brachte ihren dunklen Mezzo in die Rolle der Olga ein – dass sie sich zu Bewegen weiß und ihr etwas laszive Rollen liegen, ist ja bekannt. Insofern war sie eine sehr gute Besetzung, die sich sichtbar wohl in ihrer Haut fühlte. Gern ließ sie sich am Ball von Onegin zum Tanz auffordern und somit Lenski zur Weißglut bringen. Dieser Dichterling (copyright – Herta Firnberg) wird von Ramón Vargas verkörpert. Seine belcanteske Stimme stößt bei dramatischen Ausbrüchen an die Grenze, die lyrischen Phasen sind gut aufgehoben. Ein Lenski mit ein wenig Italianita ist eine neue Version der Rollenauffassung. Natürlich darf man ihn nicht mit Sängern wie Shicoff oder Wunderlich vergleichen, deren Lenskis in einer anderen Liga spielten.


    Ain Anger als Fürst Gremin konnte seine Stärke – seine warme Stimme voll zur Entfaltung bringen, es gab auch bei den Tiefen keine Probleme. Wie schon gesagt, ein relativ jung gezeichneter Gremin, der mit Onegin auch gesellschaftlich auf einer Höhe zu sein schien. Anger ist – trotz der Klasse, die er bereits hat – meiner Meinung nach noch immer eher am Beginn seiner Laufbahn und in 15-20 Jahren wird er ein Weltklasse-Gremin sein. Aktuell ist er auf dem Weg dahin.


    Ein wenig zwiespältig blieb der Eindruck bei Tamar Iveri. Die Georgierin wirkte erst im 3.Akt absolut glaubwürdig, das Jungmädchenhafte der ersten Szenen nahm man ihr nicht wo ganz ab. Es liegt ihr auch die „reifere“ Stimme, die in denn Schlussszenen notwendig ist, auch besser. Die Briefarie war von ihr zufrieden stellend gesungen, aber auch nicht mehr.


    Simon Keenlyside debütierte in dieser Serie als Onegin. Dass er ein guter Schauspieler ist bewies er ja als Billy Budd und in anderen Rollen, die er in den letzten Jahren an der Staatsoper verkörperte. Um ein wirklich „großer“ Onegin zu werden, dazu bedarf es zum einen noch an der russischen Aussprache. Wer den Onegin des Dmitri Hvorostovsky noch im Ohr hat weiß, wie genial Tschaikowski die Verse Puschkins in Musik gesetzt hat. Das Russische ist eine der melodiösesten Sprachen, eine weiche Sprache. Und die ist absolut notwendig, um gemeinsam mit der Musik zu einem höheren Ganzen zu verschmelzen. Keenlyside als „non-native speaker“ hat da naturgemäß einen Nachteil, aber es hat ja schon Furlanetto im Boris Godunov bewiesen, dass man daran arbeiten kann. Auch von der Persönlichkeit blieb Onegin an diesem Abend überraschend blass – mit fehlte diese gewisse Noblesse und Blasiertheit, die der aktuell beste Onegin-Sänger auf diesem Planeten, Hvorostovsky, ausstrahlt. Direktor Holender hat immer wieder betont, dass er die Staatsoper nicht als Experimentalbühne sieht – dieses Mal ist er von seinem Vorsatz abgegangen; mit oben angeführtem Ergebnis.


    Trotz meinen Einwänden war ich vom Gesamtergebnis sehr angetan und hoffe für die Zukunft auf neue Besetzungen bzw. Ergänzungen, die diesem wunderbaren Werk voll gerecht werden können.

    Hear Me Roar!

  • Zitat

    Original von Philhellene


    8o :motz:


    Der "Eugen Onegin" hat einen der realistischsten Plots der Opernwelt überhaupt! Ein junges Mädchen verliebt sich und wird abgewiesen, heiratet einen anderen und bleibt dem treu. Das ist in der Geschichte der Menschheit sicherlich schon massenhaft vorgekommen!
    Und gleichzeitig bin ich immer wieder überrascht, wie spannend das Ergebnis trotz der sehr alltäglichen Handlung doch ist! Sicherlich trägt dazu auch die sensible musikalische Umsetzung Tschaikowskys bei, aber auch von selbst entwickelt die schlichte, schmucklose Handlung ihren anmutigen Reiz, der für mich auch irgendwie etwas Archaisches hat.


    Ich finde alle Figuren finden wir auch in der heutigen Zeit wieder. Ich möchte nicht wissen, wieviele Eugen Onegins da draußen herumlaufen, von einer Party zum nächsten event rennen und im Grunde genauso gelangweilt sind von dieser Gesellschaft. Daß viele Frauen nicht immer den Mann bekommen, den sie eigentlich wollen und dann in einer "gesicherten" Beziehung ihr Leben führen, ist auch heute gar nicht so selten. Absolut zeitgenössische Figuren. Das sind sicher nicht die einzigen Parallelen zur heutigen Zeit.


    Gregor

  • Zitat

    Original von Brangäne
    Ja, dass es den Herrn gibt hab ich eh schon lang gewußt. Nur so haushohes Lob hab ich erst in letzter Zeit gehört und vor allem hier gelesen. Daher eben besonders gespannt gewesen.


    Sag ich ja - Figaro kann ich mir gut vorstellen, auch natürlich Almaviva, Giovanni ... ja möglich... Vielleicht mag ich ja die Baritone mehr, die zwar auch wunderschön singen, aber zusätzlich das haben was man "Schmalz" nennt. Also auch kraftvollere Nuancen bieten.


    Hallo Eva,
    ich weiß schon was du meinst, aber das würde hier wirklich zu weit führen, deshalb ziehe ich damit um in den Keenlyside-thread.


    Gregor

  • Ich danke Severina für den interessanten Bericht von der GP des Eugen Onegin. Ich habe die danach folgende Premiere gesehen, war aber vom vielen Schnee so eingefroren dass ich erst jetzt aufgetaut bin ;)


    Ich teile Severinas Meinung vollinhaltlich, szenisch :no:
    musikalisch sehr gut aber es hat das gewisse Etwas doch gefehlt. Dass die grossteils hervorragenden Sänger/Singschauspieler ihre Rollen so "rübergebracht" haben war sicher nicht Verdienst der Regie. Eine kurze Ergänzung zum verspiegelten Vorhang im letzten Akt - er war nicht nur zu aufwendig sondern erlaubte auch den ganz an der Seite sitzenden Zuschauern erhellende Spiegeleinblicke in die erste Bühnengasse auf z.B. gelangweilt herumsitzende Choristinnen.... =) Das war ja wohl nicht so geplant ??


    LG
    Isis

  • Die erste Serie dieser Neuproduktion ist nun zu Ende gegangen und es war sehr schön zu beobachten, wie sich die Qualität der Aufführung von Vorstellung zu Vorstellung gesteigert hat. :yes:
    Schade, daß außer Isis, die Produktion niemand gesehen hat. Gab es doch im Laufe der Serie einige Änderungen, wenn diese auch minimal waren.
    Die größte Diskussion löste wohl die Szene des Duells aus. Zuerst hatte es den Anschein, Lenski will sich von Onegin erschießen lassen. Aber vielleicht hat er einfach nur zu spät die Waffe beiseite gelegt und versucht sich mit Onegin doch noch zu versöhnen. Dieser hat das aber nicht mitbekommen und somit war es zu spät.


    Die gleichaussehenden Ballgäste im sechsten Bild wollten mir zuerst erzählen, daß Onegin die Leute einfach alle identisch und austauschbar findet. Eher ist es so, daß nicht nur für Onegin, die Leute alle gleichaussehen. Sie tun es wirklich! All diese Gäste sind gleich, leben ein gleiches, für Onegin unglaublich langweiliges Leben. Dadurch gewinnt diese Szene an Bedeutung für mich. Vielleicht war es vom Regisseur auch genauso gemeint.
    Mit mehrmaligem Ansehen wird diese Insznenierung sicher nicht aufregender. Da wird viel von den Sängerpersönlichkeiten abhängen, wie das auf das Publikum rüberkommt, und ich meine Persönlichkeiten.
    Für mich nach wie vor am stärksten sind die Ballszene, oder besser gesagt, Partyszene des vierten Bildes, die Duellszene in ihrer Einfachheit, die doch so packend ist, und das Schlußbild, das von den Sängerdarstellern lebt.


    Ozawa's Dirigat ist vielleicht stellenweise etwas forsch aber doch sehr effizient. Ain Anger gibt einen guten, aber nicht herausragenden Gremin, Vargas ist nach wie vor ein italienischer Lenski.
    Tamar Iveri spielt die Wandlung vom jungen Mädchen zur erwachsenen Frau wirklich gut, stimmlich überzeugt sie mehr in den beiden Schlußbildern.
    Simon Keenlyside hat eindeutig die größte Entwicklung durchgemacht, was sicher auch darauf zurückzuführen ist, daß er als einziger ein Rollendebüt gegeben hat. Ich bin echt stolz auf ihn, wie er in sechs Vorstellungen die Partie zu "seiner" gemacht hat. In der letzten Vorstellung sang er wie aus einem Guß. Eine Besucherin meinte, dieser Sänger besitze einen Luxus-Bariton. :yes: Die letzte Szene mit Iveri war großartig von beiden, das war wirkliches Musiktheater. :jubel::jubel::jubel:
    Beim gemeinsamen Schlußvorhang war das Publikum derart aus dem Häuschen, daß die Leute mit ihren Füßen auf dem Boden trampelten. Erlebt man auch nicht jeden Tag in der Oper. Einen großen Anteil daran, hatte sicher die intensiv gespielte und gesungene Schlußszene. Die wird mir als eine der highlights der Opernsaison sicher in Erinnerung bleiben. :jubel::jubel::jubel: Wie Simon da am Ende am Boden kauert, mit sich hadernd, war wirklich großartig.


    Was zieht denn da eigentlich für eine neue Unart im Opernhaus ein? Nachdem Vargas seine Arie im fünften Bild gesungen hat, wirft doch tatsächlich eine Logenbesucherin einen Strauß Rosen auf die Bühne. Mitten in die Szene! Damit wird eigentlich die ganze Vorstellung gestört. :motz: Ist dieser Person das nicht klar??? Liegen dann da für den Rest der Szene Blumen mitten auf der Bühne, was die Vorstellung und die Inszenierung enorm stört. :motz::motz::motz: Solche Leute müßte man eigentlich gleich des Hauses verweisen. Die Blumen hätte sie bei seinem Solovorhang werfen können, wie man das eben normal tut. Diese Aktion hat hörbar so einige Besucher verärgert. Ob sich Vargas die Blumen überhaupt verdient hat, ist sowieso eine andere Frage.


    Die zweite Serie kommt bereits im Mai und Juni, und nach der tollen letzten Vorstellung freue ich mich noch mehr darauf.


    Gregor

  • Lieber Gregor,
    ich war gestern auch noch einmal drinnen (wie auch in der 2. Vorstellung) und bin ebenso wie du der Meinung, dass die Produktion an Intensität gewonnen hat, was aber an den Sängern und beileibe nicht an der Regie liegt. Die halte ich immer noch für nicht WSO-würdig, wenn ich auch die Ballszene nun etwas freundlicher beurteile. Zumindest den Auftritt von Monsieur Triquet fand ich beim 3. Mal nun doch ganz gelungen, und die Duellszene habe ich inzwischen auch ohne Ablenkungen gesehen. Für mich stellt es sich so dar, dass Lenski sterben will (darauf deutet ja auch sein Abschied von Olga und einige Textzeilen in "Kuda ...kuda...." hin), Onegin kann seinen Schuss hingegen nicht mehr verhindern (Ob er es will?) Ich finde aber die Duellszene nach wie vor ziemlich schwach inszeniert, denn so ist nie im Leben ein Duell abgelaufen, da gab es ganz strikte Regeln.
    Simon Keenlysides Steigerung (stimmlich wie auch darstellerisch) war auch für mich deutlich und erfreulich, Ramon Vargas halte ich nach wie vor für eine Fehlbesetzung, abgesehen davon, dass ich den von einigen Kritikern bejubelten "Schmelz" in seiner Stimme schlicht und einfach nicht höre. Für mich klingt er schon reichlich abgesungen, vergleicht man ihn mit seiner sehr guten Leistung als Carlos vor einigen Jahren. Der Blumenwurf nach der Arie befremdete mich auch ziemlich, deshalb regte sich leise Schadenfreude, als Vargas den Strauß beim Schlussapplaus an Tamar Iveri weiter reichte. Das wird seinen Fan not amused haben :D
    Eines allerdings erstaunt mich an deinem Bericht: Eine enthusiastische Begeisterung des Publikums konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen, in meinen Ohren klangen sowohl Applaus wie auch Jubel ziemlich mittelmäßig, und fünf Solovorhänge sind mehr als mickrig, gemessen an diesem musikalisch wirklich großartigen Abend. (Ich saß übrigens in der 9er-Loge Parterre 1. Reihe, also ziemlich nahe am Geschehen)
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    ich war gestern auch noch einmal drinnen (wie auch in der 2. Vorstellung) und bin ebenso wie du der Meinung, dass die Produktion an Intensität gewonnen hat, was aber an den Sängern und beileibe nicht an der Regie liegt. Die halte ich immer noch für nicht WSO-würdig, wenn ich auch die Ballszene nun etwas freundlicher beurteile. Zumindest den Auftritt von Monsieur Triquet fand ich beim 3. Mal nun doch ganz gelungen, und die Duellszene habe ich inzwischen auch ohne Ablenkungen gesehen. Für mich stellt es sich so dar, dass Lenski sterben will (darauf deutet ja auch sein Abschied von Olga und einige Textzeilen in "Kuda ...kuda...." hin), Onegin kann seinen Schuss hingegen nicht mehr verhindern (Ob er es will?) Ich finde aber die Duellszene nach wie vor ziemlich schwach inszeniert, denn so ist nie im Leben ein Duell abgelaufen, da gab es ganz strikte Regeln.
    Simon Keenlysides Steigerung (stimmlich wie auch darstellerisch) war auch für mich deutlich und erfreulich, Ramon Vargas halte ich nach wie vor für eine Fehlbesetzung, abgesehen davon, dass ich den von einigen Kritikern bejubelten "Schmelz" in seiner Stimme schlicht und einfach nicht höre. Für mich klingt er schon reichlich abgesungen, vergleicht man ihn mit seiner sehr guten Leistung als Carlos vor einigen Jahren. Der Blumenwurf nach der Arie befremdete mich auch ziemlich, deshalb regte sich leise Schadenfreude, als Vargas den Strauß beim Schlussapplaus an Tamar Iveri weiter reichte. Das wird seinen Fan not amused haben :D
    Eines allerdings erstaunt mich an deinem Bericht: Eine enthusiastische Begeisterung des Publikums konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen, in meinen Ohren klangen sowohl Applaus wie auch Jubel ziemlich mittelmäßig, und fünf Solovorhänge sind mehr als mickrig, gemessen an diesem musikalisch wirklich großartigen Abend. (Ich saß übrigens in der 9er-Loge Parterre 1. Reihe, also ziemlich nahe am Geschehen)


    Hallo Severina,
    daß Simon gerade in dieser Vorstellung so gut sein würde, habe ich nicht zu hoffen gewagt. Hat er doch am Abend zuvor den Baritonpart in Britten's War Requiem in Birmingham gesungen. Auch wenn das natürlich kein großer Gesangspart ist, aber viele Stunden lagen ja nicht zwischen diesen beiden Auftritten und reisen muß man ja doch.


    Daß das Duell in der Realität so ablaufen würde, kann ich mir auch nicht vorstellen. Ich meine, es gibt doch eine gewiße Schrittanzahl, die die Duellanten voneinander entfernt sein müssen. Ich weiß jetzt nicht wieviele das sind, da mag es vielleicht auch Unterschiede geben, aber die müssen in der Regel doch abgezählt werden und dabei müßte sich ein doch größerer Abstand ergeben. Die beiden standen ja extrem nahe zueinander. Wenn man das ganz realistisch machen würde, könnte man wahrscheinlich die beiden Kontrahenten gar nicht mehr auf der Bühne sehen. ;)


    Daß Vargas die Blumen weitergereicht hat, habe ich von meinem Platz aus gar nicht mitbekommen. Das finde ich auch amüsant. :yes:
    Daß du dieses wilde Getrampel nicht mitbekommen hast, wundert mich schon etwas. Ich muß gestehen, ich saß diesmal am Balkon, und da wurde eben getrampelt. Ganz besonders stark war es aber auf der Galerie, auch über mir, was mir immer ein bißchen Unbehagen bereitet. Ich denke mir dann immer, hoffentlich hält das die Konstruktion aus. Das sich dieser "Lärm" nicht bis ins Parkett übertragen hat wundert mich jetzt eigentlich.


    Fünf Solovorhänge hast du gezählt? Du meinst wohl insgesamt, oder? Ich erinnere mich an jeweils zwei Einzelvorhänge für Simon, Iveri, Anger und Ozawa. In einer normalen Repertoirevorstellung gibt es oft nur einen pro Sänger. Es gab aber auch Vorstellungen in dieser Onegin-Serie da hatten Simon und Iveri drei Einzelvorhänge. Darum überraschen mich deine fünf (!) Solovorhänge, das wäre ja dann alles andere als mickrig gewesen. Aber ich denke mal du rechnest alle zusammen und nicht PRO Sänger.


    Gregor

  • Ich teile Gregors Einschätzung zu 100 %. Hatte das Vergnügen die Premiere und die 2. Reprise zu sehen und kann nur beipflichten: In jeder Hinsicht war eine Steigerung festzustellen. Auch beim Publikum, das in der Premiere wirklich zum vergessen war. So ein schaler Beifall tat fast weh!


    Keenlyside sah ich auch beim Künstlergespräch, ein faszinierender Sänger und intelligenter Rollengestalter. Teile vielleicht nicht immer die allgemeine Bewunderung seiner stimmlichen Qualitäten, da gibt es vielleicht "schönere" Stimmen, aber die Gesangskultur und Rollengestaltung war top.


    Im Gegensatz zu vielen Kritikern überzeugte mich Iveri schon. Vargas ist so an der Grenze, passte vielleicht auch nicht als Typ in die Rollen, ein jugendlicher Draufgänger ist er ja wahrlich nicht mehr.


    Bin gespannt wie sich die Inszenierung im Repertoire bewährt, jedenfalls ist sie meiner Meinung nach schon WSO-würdig.

  • Zitat

    Original von copy
    Ich teile Gregors Einschätzung zu 100 %. Hatte das Vergnügen die Premiere und die 2. Reprise zu sehen und kann nur beipflichten: In jeder Hinsicht war eine Steigerung festzustellen. Auch beim Publikum, das in der Premiere wirklich zum vergessen war. So ein schaler Beifall tat fast weh!


    Also, das Premierenpublikum reagierte doch recht freudig, gab es doch mehrere umjubelte Solovorhänge für die Sänger, während es beim Regie-Team allerdings zu heftigen Buh-Rufen kam.


    In der zweiten Vorstellung sah das dann ganz anders aus. Da gab es nur spärlichen Szenenapplaus, fast lethargisch kam einem das Publikum vor. Dann stellte ich allerdings auch fest, daß es eine Abo-Vorstellung war und mir war alles klar. :no: Ein typisches Abo-Publikum eben, das leider - wie so oft - nur mäßig applaudiert. Immerhin wachte es diesmal beim Schlußvorhang auf und spendete sogar etliche Bravo-Rufe.
    Die restlichen Vorstellungen boten wieder viel mehr Publikumsapplaus, aber es gab ja auch keine Abo-Vorstellung mehr. ;)


    Gregor