Kein armer Wandergesell - Der Komponist Eduard Künneke

  • Vor wenigen Tagen wurde hier an seinen 123. Geburtstag erinnert, aber ich fürchte, auch sein 125. in zwei Jahren wird nicht genügen um an einen der originellsten und besten Operettenkomponisten deutscher Sprache zu erinnern, der zwar wegen einiger Evergreens (z. B. "Ich bin nur ein armer Wandergesell" aus seinem erfolgreichsten Werk, DER VETTER AUS DINGSDA), kaum aber mehr wegen seiner zahlreichen kunstvollen Operetten bekannt ist, die zum Besten gehören, was uns das letzte Jahrhundert in dieser Gattung seit Lehars LUSTIGER WITWE und dem GRAF VON LUXEMBURG sowie den Werken von Oscar Straus beschert hat. Es ist aber auch kein Zufall, dass Straus und Künneke gerne mit einem der besten deutschen Librettisten zusammen gearbeitet haben (und dieser mit ihnen). Die Rede ist natürlich in aller Bescheidenheit von Rideamus, dem Texter des VETTER AUS DINGSDA und EHE IM KREIS. Da ist es mir doch eine Verpflichtung ihm hier wenigstens den überfälligen Thread zu widmen.


    Fangen wir mit dem Wesentlichen an, seinen Lebensdaten:


    Geboren wurde Eduard Künneke als Sohn eines aus Friesland stammenden Buchhalters am 27. Januar 1885 im niederrheinichen Emmerich. Schon zu seinem Studium an der Hochschule für Musik, wo er Klavier und Komposition studierte und, wie schon gesagt, meisterschüler von Max Bruch und, bezeichnenderweise, Oscar Straus war, verschlug es ihn nach Berlin, wo er nach verschiedenen Tätigkeiten als Korrepetitor u.ä. Kapellmeister an Max Reinhardts Deutschem Theater wurde. Dort schrieb er auch Schauspielmusiken, u. a. für Goethes FAUST II und eine Aufführung von Calderóns CIRCE mit der jungen Tilla Durieux. Eine erste Oper blieb unvollendet, aber mit der 1909 in Mannheim uraufgeführten, komischen Oper ROBINS ENDE um den englischen König Charles II und dessen Pächter Robinson, genannt Robin, landete er seinen ersten großen Erfolg, dem er es verdankte, dass er fortan als freier Komponist tätig sein konnte. Auch seine nächste Oper, COUR-AS von 1913 war ein Erfolg. Dann aber unterbrach der Erste Weltkrieg seine Karriere, und er musste sich, deshalb eigens vom Militär freigestellt, als Dirigent u. a. von Bertés DAS DREIMÄDERLHAUS verdingen. Bei dieser Gelegenheit kam er auf den Geschmack der Operette, auch wenn er sein nächstes Werk, DAS DORF OHNE GLOCKE noch als Singspiel bezeichnete. Dieses rührselige, stark von Berté beeinflusste Werk wurde ein Riesenerfolg, der Künneke später aber eher peinlich war, auch wenn er noch länger von den Tantiemen von beliebten Melodien wie "Ein Dorf ohne Glocke, ein Herz ohne Lieb' gut leben konnte.



    Lange blieb er aber darauf nicht angewiesen, denn schon 1921 läuteten ihm nicht nur Glocken, sondern die Riesenerfolge von DER VETTER AUS DINGSDA und DIE EHE IM KREISE nach Büchern des genannten Rideamus sein goldenes Jahrzehnt ein, während dem er mit Operetten wie LADY HAMILTON (1926), DER TENOR DER HERZOGIN (1930), LISELOTT (1931) und GLÜCKLICHE REISE nicht nur einen Großerfolg nach dem anderen, sondern auch künstlerische Höhepunkte der Operette schuf. Im sogenannten DRitten Reich, mit dem er wenige Kompromisse einging, wurde er zwar seiner Popularität wegen beschäftigt, aber wegen seiner Ehe mit einer Jüdin, zu der er stand, wenig gefördert. So wandte er sich wieder klassischeren Stoffen zu und vertonte E.T.A. Hoffman (DIE LOCKENDE FLAMME, 1933), Charles Dickens (KLEIN DORRIT, 1935) und Carlo Gozzi (HOCHZEIT IN SAMARKAND, 1937). Daneben schrieb er auch Instrumentalmusik, etwa ein Klavierkonzert, und etliche Ouvertüren. Seine letzte und wohl Zu Recht vergessene Operette war die 1949 uraufgeführte HOCHZEIT MIT ERIKA.


    Dank der Popularität seiner Melodien konnte er es sich leisten, seinen Hobby nachzugehen, die er ohnehin stets mehr liebte, als das ARbeiten am Klavier. So verbrachte er Jahre damit, das englische Opus BEOWULF zu übersetzen, wofür ihm die Universität Marvburg die Ehrendoktorwürde verlieh, und sich Spezialthemen wie der indischen Religionsphilosophie oder der Kultur der Sumerer zu widmen, aber auch Fragen des Urheberrechts zu studieren und sich für die Rechte von Komponisten einzusetzen.


    Künneke starb am 27. Oktober 1953 in Berlin, aber sein Name blieb noch lange in aller Munde, da seine Tochter Evelyn Künneke das ihre tat, ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


    Seine Kompositionen, von denen hier hoffentlich noch sehr viel detaillierter die Rede sein wird, beeindrucken durch ihren spielerisch-progressiven Einsatz amerikanisch beeinflusster Rhythmen und Klangfärbungen, die er immer wieder höchst innovativ zu orchestrieren wusste. So komponierte er LADY HAMILTON für ein Orchester mit Saxophonen anstelle der zweiten Violinen. Leider wurden viele dieser Neuerungen später von dem Operettendirigenten Franz Marszalek nivellierend überarbeitet, so dass wir seine Werke fast nur noch mit konventioneller Besetzung im seichten Stil gewöhnlicher Operetten mitsamt den offenbar zwangsläufig dazu gehörenden Albernheiten und Sentimentalitäten zu hören bekommen, jedenfalls in den wenigen Aufnahmen, die heute noch greifbar sind.


    Soviel erst mal zur Einführung, für die ich auf Texte aus den Lösungsthreads meiner Rätsel zurück griff. Die werden auch das Kernstück der beiden ersten Stücke sein, die ich hier kurz vorstellen werde, wobei ich den VETTER AUS DINGSDA als sein bekanntestes Stück bewusst Euch überlasse, nachdem Ihr hoffentlich diese beiden Links schon gelesen habt:


    DER VETTER AUS DINGSDA
    und
    Der Vetter aus Dingsda am 6.10.2007 in Wiesbaden


    :hello: Jacques Rideamus

  • Dies ist eine überarbeitete und erheblich ergänzte Übernahme meines Textes zu dieser Operette aus Ein Olympisches Rätsel - Der Lösungsthread


    Eduard Künnekes Operette geht auf den über die Jahrhunderte beliebten Stoff des Amphitryon zurück, dessen Frau Alkmene von Zeus in Gestalt ihres Ehemannes verführt wurde und der Herakles zeugte. Diese Geschichte wurde schon von Sophokles dramatisiert und später u. a. von Plautus und Molière als Komödienstoff aufbereit. Die direkte Vorlage der Librettisten Herrmann Haller und Rideamus war wohl die Komödie AMPHITRYON von Heinrich von Kleist, der allerdings seine Klassiker sehr gut kannte. DIE EHE IM KREISE debütierte mit großem Erfolg 1921, also kurz nach Künnekes endgültigem Durchbruch mit DER VETTER AUS DINGSDA, und auch sie zeigt Künneke auf der Höhe seiner großen Kunst. Alle ehrwürdigen Vorläufer wurden von Haller und Rideamus in bester Offenbach-Tradition gehörig durch den Kakao gezogen. So wurde u. a. Jupiters Frau Juno durch die Göttin Europa ersetzt, was Jupiter einen anderen Seitensprung erlaubte, weil er in dieser Version, wie in den meisten Komödien um das Thema, bei Alkmene nicht landen konnte.


    1935 wurde der Stoff mit engerem Bezug auf Kleist und den Titel seiner Komödie - sowie im erotischen Bereich erheblich zahmer - von Reinhold Schünzel mit Willy Fritsch, Käthe Gold und Adele Sandrock verfilmt. Dass der Drehbuchautor Reinhold Schünzel die Operette Künnekes offensichtlich kannte, wohl aber nicht die Rechte daran hatte, ergibt sich aus der sehr ähnlichen Behandlung der Figuren und dem Umstand, dass eigens eine neue Musik der Filmoperette von Franz Doelle geschrieben wurde, die aber auch nicht von schlechten Eltern ist, Der Stummfilm THE MARRIAGE CIRCLE / EHE IM KREISE, den Ernst Lubitsch 1924 in Hollywood drehte, hat dagegen mit dem Stoff nichts als den Titel und eine ähnliche Konstellation der Personen gemeinsam.


    Diese Operette voll "herrlicher Ensemblekomik" (Volker Klotz) wurde zu einem Glanzstück der Diseuse Claire Waldoff, die in der Rolle der Europa mit Nummern wie "Ich brauch nen Mann", "Hey, Shimmy, so klingt es" und "Wir woll'n den Gram im Sekt ertränken" brillierte. Wie schon im VETTER AUS DINGSDA hat Künneke nämlich auch hier ganz frech moderne Tänze in das Stück eingebaut, die neben regelrechten Operettennummern (be-)stehen und nicht den geringsten Reiz des Werkes ausmachen.


    Die Geschichte darf zumindest bei Kleist-Kennern und älteren Kinogängern als in groben Zügen bekannt vorausgesetzt werden. In Rideamus' Version: weil Amphitryon und sein Diener Sosias in den Krieg ziehen müssen, empfehlen sie ihre Frauen dem Schutz Jupiters an. Dieser wirft ein Auge auf die schöne Alkmene, Amphitryons keusche Gemahlin, und beschließt, die Abwesenheit ihres Gatten zu nutzen um sie aus ganz besonderer Nähe zu begat... beschützen. Amphitryon will aber gar nicht in die Schlacht und muss erst überredet werden, was Jupiter nicht schwer fällt, weil er ihm die Verlockungen der thebanischen Freudenhäuser in schönsten Farben schildert. Also entschließt sich Amphitryon doch:


    "Ich muss mal eben...
    Ich geh nach Theben
    Und das für lange, lange, lange Zeit
    Ich muss nach Theben
    Mal was erleben...."


    Weil Alkmene Jupiters Angebot ablehnt, mit ihr einen Helden zu zeugen, nehmen der und der Gott Merkur die Gestalt von Amphitryon und Sosias an. Die Verwechslung glückt, aber bevor Jupiter sein Ziel erreicht, schreitet die Göttin Europa ein, die Jupiter noch immer wegen ihrer Entführung in Stiergestalt gram ist. Sie informiert Alkmene und Sosias' Frau Charis, dass die Schlachten ihrer Männer eher mit narten Körperteilen als harten Gegenständen ausgefochten werden sollten. Voller Empörung müssen jetzt auch Alkmene und Charis mal eben nach Theben, und auch Leda, die schon ihre Erfahrungen mit Jupiter hat, findet sich dort ein, denn ihr schwant etwas. Europa nimmt nun ihrerseits die Gestalt Alkmenes an, und der Bock Jupiter bekommt zwar sein Schäferstündchen (bzw. die erwünschte Nacht), macht jedoch keine neue Eroberung. Nachdem die Missverständnisse aufgeklärt sind, kann das Ensemble in ein Loblied der Treue einstimmen: "Ach wie schön ist doch die Treue".


    Wie bei einer fatalen Anzahl wirklich guter Operetten des frühen 20. Jahrhunderts gibt es natürlich auch von dieser Operette keine Einspielung. Immerhin kann man vielleicht auf dem einen oder anderen Claire Waldoff-Sampler ein Stück daraus finden und das krönende Treue-Ensemble auf diesem authentischen Komponistenportrait hören:



    Vielleicht gibt es aber auch eine Möglichkeit, dass diese Gesamtaufnahme aus der Kölner Oper vom 17. Juni 2006 nicht nur vom RUndfunk übertragen, sondern enes Tages auch kommerziell veröffentlicht wird:


    EDUARD KÜNNEKE
    DIE EHE IM KREISE
    Operetta in three acts
    Aufführung vom 17 June 2006, Oper der Stadt Köln (WDR)


    Jupiter ............................................ Josef Protschka, Tenor
    Merkur ............................................ Julian Krüper, Tenor
    Amphitryon, Feldherr der Thebaner . Johannes Preißinger, Tenor
    Alkmene, seine Frau ...................... Lisa Wedekind, Sopran
    Sosias, sein Waffenmeister ............. Henner Leye, Tenor
    Charis, dessen Frau ....................... Charlotte Stoppelenburg, Mezzosopran
    Europa ........................................ Mechthild Georg, Alt
    Leda .......................................... Julia Klein, Sopran
    Io .............................................. Elisabeth Weingarten, Sopran
    Semele ....................................... Raika Maier, Mezzosopran
    Danae ........................................ Franziska Hösli, Mezzosopran
    Erster Krieger .............................. Philipp Fermand, Tenor
    Zweiter Krieger ............................ Daniel Keminer, Bass
    Dritter Krieger .............................. Ki Tae Kim, Tenor
    Vierter Krieger ............................. Nik Kevin Koch, Tenor
    Fünfter Krieger ............................ Peter Kubik, Bass
    Sechster Krieger .......................... Ralph Riehl, Bass
    Siebter Krieger ............................ Martin Schmidt, Tenor
    Achter Krieger ............................ Alexander Schmitt, Bass


    WDR-Rundfunkorchester Köln; Leitung: MICHAIL JUROWSKI


    In Kürze werde ich hoffentlich etwas mehr dazu sagen können. Vorerst muss ich aber noch etwas um Geduld bitten, denn ich habe die Aufnahme erst kürzlich erhalten und noch nicht genug hören können. Ich kann aber schon jetzt sagen, dass sie weit mehr als ein bloßer Lückenbüßer ist.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Hallo JR2,


    es gibt für mich zwei Kompositionen von Künneke, welche zu meinen absoluten Favoriten gehören:


    Da wäre zum einen sein Klavierkonzert in As-Dur, dessen dritten Satz man sich hier in der für mich eher lahmen Interpretation durch Tiny Wirtz anhören kann:


    http://eduard-kuenneke.de/03lebhaft.mp3



    Diese CD ist leider mittlerweile zusammen mit Koch im Orcus verschwunden.


    Tiny Wirtz hat dieses Konzert auch für den WDR Köln aufgenommen und ist eine sehr verdienstvolle Interpretin der Klavierwerke von B.A. Zimmermann.
    Aber dieses sauschwere und eigentlich sehr brilliante Konzert erfordert einen wirklich hochvirtuosen Pianisten, jemanden, der diesen dritten Satz z.B. nicht im fast halben Tempo spielt.
    Trotzdem ist es natürlich toll, daß sich Tiny Wirtz so für dieses Konzert eingesetzt hat.
    Aber, nun ja, die "Pranke" fehlt mit leider.


    Mein Lieblingsinterpret dieses Konzertes ist der seinerzeit ( 60er bis 80er Jahre) hochvirtuose und begnadete Rundfunkpianist Ernst-August Quelle, der dieses schöne Klavierkonzert für den NDR, den SWR und den BR aufgenommen hat.
    Zum Glück werden diese seine Aufnahmen immer noch regelmäßig gesendet.


    Weiterhin liegt mir eine wertvolle Aufnahme mit dem hervorragendem Willi Stech unter Franz Marszalek vor.


    Überhaupt wäre es einen Thread wert, einmal auf die hochvirtuosen ehemaligen Rundfunkpianisten wie Quelle, Herrlinger, Buhts, Stech u.a. hinzuweisen.
    Diese waren absolute Könner, welche wirklich alle Stilrichtungen adäquat und virtuos abdecken konnten und sehr mitreissende Aufnahmen hinterlassen haben.


    Julius Buhts als Solist im Konzert von Theo Mackeben z.B.......


    Meine Güte, unter "normalen" -nicht rundfunkmäßigen- Umständen müsste man Ihn, wie auch E. A. Quelle, als absoluten Übervirtuosen anerkennen.


    Aber diese Pianisten haben dasselbe Schiksal wie sehr viele Korrepetitoren an den Theatern:
    Sptzenleistung bei absolut fast keiner Würdigung.
    Furchtbar so etwas eigentlích.


    ---------------------------------------------------------------------------------------------------
    Das andere für mich wertvolle Werk von Künneke ist die "Tänzerische Suite für Jazz-Band und Orchester " , komponiert für die Funkausstellung 1929.


    Dieses Werk ist in jüngerer Vergangenheit glücklicherweise immer mal wieder aufgeführt worden, aber die mir vorliegende Aufnahme mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter Künneke von 1938 ist für mich ein Zeitdokument ersten Ranges.


    Die Komposition und die alte Aufnahme kann ich für mich nur als hinreissend beschreiben.


    Mir liegt eine alte 50er Jahre Telefunken-LP in spitzenmäßger Klang und Pressqualität und eine DAT-Überspielung aus dem damaligen 90er Jahre Digital-Rundfunk dieser Aufnahme vor.


    Dutton hat diese für mich sehr wertvolle Aufnahme mittlerweile auch als CD herausgebracht.



    Die ersten fünf Tracks sind Klangbeispiele aus dieser für mich bemerkenswerten und geliebten Komposition und Ihrer unübertroffenen Aufnahme des Berliner Philharmonischen Orchesters unter Künneke von 1938:


    http://www.amazon.de/German-Co…ic&qid=1236650983&sr=8-18


    Alles liebe,
    Michael

  • Lieber Michael,


    vielen Dank für diesen Beitrag, der mich in meinen Zweifeln bestärkte, ob ich Künneke nicht Unrecht tue, wenn ich seinen Thread nicht im Komponistenforum, sondern im "Operettenghetto" einstelle. Ich halte ihn nämlich für einen sehr ernst zu nehmenden Komponisten, kenne aber von seinen Instrumentalwerken aber nur den von Dir eingestellten 3. Satz seines Klavierkonzertes.


    Allgemein scheint es aber eine unverdiente Geringschätzung der Werke von Operettenkomponisten zu geben, die nicht zu dieser Gattung zählen, obwohl sich fast alle ursprünglich in "seriöseren" Gattungen versucht haben, nur dort erfolgreicher waren. Du selbst hast andernorts schon auf das CXellokonzert des Dvorak-Freundes Victor Herbert hingewiesen, aber selbst die Cellokompositionen Jacques Offenbachs waren lange von diesem Vorurteil betroffen und sind es zum Teil heute noch.


    Die Liste ließe sich bestimmt noch um einige verlängern, denn selbst ein ursprünglich ernst genommener Komponist wie Korngold musste sich ja gefallen lassen, dass seine Opern lange unter der Geringschätzung seiner Filmmusiken zu leiden hatten.


    Aber die Schwierigkeit der Kritik und Musikgeschichtsschreibung, die "leichte" Musik ernst zu nehmen, die man für flach hält, nur weil man nicht genug "Tiefe" und Sperrigkeit erkennen kann, ist ein ganz anderes, wenngleich gewichtiges Thema, das man einmal separat und dann wirklich im passenden Forum angehen sollte.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Ich liebe Kuenneke's Musik---und fand es traurig in einer internet biografie zu lesen, dass er seine eigenen Kompositionen nie fuer Freunde spielen wollte---als ob er sie fuer nicht gut genug hielt. Fuer mich ist Operette als Genre genauso ernstzunehmen, wie Oper, es ist eben nur eine andere Musikrichtung und Kuenneke gab sie die wunderbarsten Melodien.


    Ich habe mich gerade durch eine Gesamtaufnahme von "Der Tenor der Herzogin" durchgehoert und fand es erstaunlich wie schoen ausgearbeitet das Terzett "Die Eifersucht ist eine Leidenschaft" war. Bei der musikalischen Szene wo der Tenor der Soubrette Gesangstunden unterricht gibt, aber verzweifelt versucht seine Tochter vor ihr geheimzuhalten, habe ich Traenen gelacht. Und natuerlich kriege ich jedesmal eine wunderbare Gaensehaut wenn ich das bekannte "Liebe ist Glueck" hoere.

  • Zitat

    Original von operettenfan
    Ich liebe Kuenneke's Musik---und fand es traurig in einer internet biografie zu lesen, dass er seine eigenen Kompositionen nie fuer Freunde spielen wollte---als ob er sie fuer nicht gut genug hielt. Fuer mich ist Operette als Genre genauso ernstzunehmen, wie Oper, es ist eben nur eine andere Musikrichtung und Kuenneke gab sie die wunderbarsten Melodien.


    Natürlich ist Operette ernst zu nehmen, sonst wäre ich Jahrzehnte nicht ernst genommen worden, ich stand 24 Jahre auf der Bühne mit Operette, wie man an meinem Avatar sehen kann.


    Künnekes Vetter aus Dingsda ist eine "kleine" Operette, sie hat einige Hauptdarsteller und wenig oder gar keinen Chor. Die Melodien sind spritzig und passen auch in unsere Zeit, Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht......


    Der strahlende Mond ist ein wunderschönes Lied und das Duett "Mann, o Mann, an dir ist wirklich nichts dran....passt doch auch oft in die heutige Zeit...oder?

  • Genau! Ich liebe den Vetter aus Dingsda. Kennen Sie die Aufnahme mit Anny Schlemm und Rupert Glawitsch. Allerliebst. :-) Ich liebe auch "Liselott" mit einem weiteren schoenen Auftrittslied einer Heldin "Gluecklich am Morgen". Einfach schoen! :pfeif:

  • Hallo Operettenfan, wir duzen uns hier im Forum alle....ist doch viel persönlicher.


    ich besitze leider keine CD-Sammlung, doch Anny Schlemm war zu meiner Zeit eine gute Operettensängerin.


    :hello:

  • Tschuldigung. Ich bin in den USA das Duzen und Siezen gar nicht mehr gewohnt und Sorge mich dann, dass ich vielleicht als unhoeflich gesehen werde, da ich aus versehen Duze...hahaha...ich bleibe dann also per "Du" (gott-sei-dank!)

  • Zitat

    Original von operettenfan
    Tschuldigung. Ich bin in den USA das Duzen und Siezen gar nicht mehr gewohnt und Sorge mich dann, dass ich vielleicht als unhoeflich gesehen werde, da ich aus versehen Duze...hahaha...ich bleibe dann also per "Du" (gott-sei-dank!)


  • Hallo Rideamus,


    ich bin erst jetzt dazugekommen, diesen Thread einmal durchzulesen. Du hast im Beitrag vom 09.03.2009 versprochen, mehr über "Die Ehe im Kreise" mitzuteilen. Wenn die Operette im Rundfunk übertragen wurde, gibt es ja vielleicht die Möglichkeit, diese über den Mittschnitt.Radio@WDR.de zu erwerben, worauf ich an anderer Stelle (zu anderem Thema) schon hingewiesen habe. Da aber ein solcher Mittschnitt zwischen 50,00 und 60,00 € kostet, wäre es wichtig zu wissen, ob es sich lohnt.


    :)
    Uwe

  • Lieber Uwe,
    der user Rideamus wird Dir hier im Forum nicht antworten können, da er wenige Wochen nach diesem Beitrag hier ausgeschieden ist.
    Die Operette "Die Ehe im Kreise" vom WDR hat er übrigens ganz legal und kostenlos bei RapidShare im Internet heruntergeladen. Dieser Weg steht ja jedem offen, da sich der WDR ja immer so anstellt, wenn er was rausrücken soll!


    Inzwischen gibt es noch einiges mehr für relativ kleines Geld an Operetten-Gesamtaufnahmen von Eduard Künneke zu erwerben, so z.B.:



    Eduard Künneke (1885-1953)
    Das Dorf ohne Glocke

    Trude Eipperle, Lorenz Fehenberger, Karl Hoppe,
    Orchester des Münchner Rundfunks,
    Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke


    +++++++++++++++++++++++



    Eduard Künneke (1885-1953)
    Der Tenor der Herzogin

    Kurt Wehofschitz, Colette Lorand, Rupert Glawitsch, Christel Davenport,
    Orchester des Hamburger Rundfunks,
    Dirigent: Wilhelm Stephan


    * Erscheinungstermin: 4.12.2010


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo Harald,


    vielen Dank für die Hinweise. Ich habe mich schon eine Weile gefragt, wieviele User im Operettenformum eigentlich noch sind. Die beiden von dir vorgestellten Operetten kenne ich noch nicht in ihrer Gesamtheit, nur hier und da ein Lied davon. In den letzten Wochen habe ich mich mit "Die große Sünderin" und "Die lockende Flamme" beschäftigt. Beide waren auf dieser CD, und zwar erstere Gesamt, die zweite als Bonus nur in Teilen, diese konnte ich aber durch Radiomittschnitte ganz gut ergänzen. Vielleicht davon später einmal mehr.



    Sehr hilfreich auch der Hinweis auf RapidShare, ich hatte bisher noch nie davon gehört. Ich habe die Seite mal aufgerufen, bei mir funktioniert allerdings noch nichts, d. h. konkret nicht der Link auf Anwendungsbeispiele ohne registiert zu sein. Und was ich im Wikepedia darüber gelesen habe, klingt einigermaßen abschreckend.


    Uwe
    :hello:

  • Lieber Uwe,


    zu Thema "RapidShare" gibt es jede Menge infos hier im Forum, es sind/waren etliche Taminos dort und haben über ihre Erfahrungen, Musik hoch- oder 'runterzuladen berichtet!


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Uwe,


    ich muß Dir leider recht geben, es sind nur noch wenige hier im Forum, die sich für Operette interessieren.
    Dabei hätte es gerade Eduard Künneke verdient, daß man sich näher mit ihm und seiner Musik befasst!


    "Operette" wollte er eigentlich nie schreiben, schon als ganz junger Mann hat er seine ersten Opern geschrieben, 1909 kam seine Oper "Robins Ende" im Nationaltheater Mannheim zur Aufführung, 40 weitere Bühnen folgten....


    Er selbst nannte seine erfolgreichsten Werke "Singspiele" oder "romantisches Singspiel"(Die lockende Flamme).
    Und noch kurz vor seinem Tode schrieb er eine Oper "Nadja", die sich mit dem Leben des Walter von der Vogelweide befaßt, sowie ein Singspiel über das Leben von Friedrich Silcher.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo, Uwe!


    Ich kann Dir auch diese Operette sehr empfehlen, da die Musik wirklich hörenswert ist. Es gibt darin eines der schönsten Operetten-Duette die ich kenne. "Immerzu, singt mein Herz Deinem Herzen zu", dieses Duett ist nicht nur schön, sondern verlangt zwei sehr gute Sänger mit guter Höhe.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Harald,


    kannst du mehr über die Werke Künnekes schreiben, die ich im Operettenführer nicht geschrieben habe? Seine Operetten werden leider heute kaum oder garnicht mehr gespielt, doch einzelne Melodien tauchen immer wieder mal auf in Operettenkonzerten. Vielleicht kann man mal die erfolgreichsten Melodien hier zusammenstellen, ich beginnen mal:


    Strahlender Mond, (Vetter aus Dingsda)
    Am Amazonas (Glückliche Reise)
    Drüben in der Heimat (Glückliche Reise)
    In meiner Heimat, in Andalusien (Die Lockende Flamme)
    Ich träume mit offenen Augen (Die lockende Flamme)

  • Hallo Wolfgang,


    nachdem ein Diskussionsforum ja durchaus auch konträre Meinungen aushalten muss, traue ich mich nun, meine Einschätzung der "großen Sünderin" zum Besten zu geben. Also, mit dem Duett kann ich Dir ja noch zustimmen - danaben gibt es noch ein anderes tolles Lied: "Das Leben des Schrenk". Gerade dieses Lied dürfte verantwortlich dafür sein, das das Werk oft in die Nähe der Oper gerückt wird - in Wikepedia wird es als Oper aufgelistet, andere sprechen von einer opernnahen Operette. In einer Radiomoderation habe ich erst neulich gehört, Künneke selbst habe es als Operette bezeichnet.


    Obwohl ich kein großer Opernkenner bin, kann ich das Werk beim besten Willen nicht als Oper einstufen, auch nicht als komische, denn besonders komisch ist es ja nicht. Ich sehe das Werk, und zwar in direkter Fortsetzung der "Lockenden Flamme" eher als Versuch Künnekes, den ausgetreteten Pfaden der Operette duch Verwendung ungewöhnlicher Harmonik und Rythmik neue Impulse zu geben - dabei aber weniger gelungen, als vorgenannte Operette. Das bereits erwähnte Duett empfinde ich dabei noch als eines der gelungenen Beispiele. Bei vielen anderen Musiktiteln ist für mich nicht genau zu erkennen, ob es sich um bewusste Abkehr gängiger Melodik oder einfach nur um mangelnde Inspiration handelt.


    Auch die Thematik der Operette rund um die "Sünde" wirkt meines Empfindens nach heutzutage geradezu peinlich. Einerseits war es wohl im prüden Nazideutschland von 1935 ganz schön mutig, ein Plädoyer für die "Sünde" zu halten, anderseits zeigt die "verklemmte" Behandlung der "Sünde", bei welcher nächtliche Techtelmechtel im Schlossgarten als "Herzen und Scherzen" getextet wurden, wie wenig man sich da getraut hat.


    :thumbdown:
    Uwe

  • In meiner Radio-Ecke habe ich schon darauf hingewiesen, aber hier passt es ebenso:


    heute, Freitag, 10. Dezember 2010 um 20.05 Uhr:
    Operette
    Mit Thorsten Klein
    WDR 4 für Liebhaber
    Vom Leben des Schrenk
    Vor 75 Jahren uraufgeführt: Eduard Künnekes Operette "Die große
    Sünderin"


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich mag Künnekes Operetten. Einzelne Stücke haben Operncharakter. "Das Lied vom Leben des Schrenk" (mit Wiunderlich, Rosvaenge oder dem jungen Schock - genial, auch Franz Fehringer singt das ganz toll, Aufnahme schwer zu bekommen). "Ich träume mit offenen Augen" (herrlich interpretiert von Peter Seiffert, "Immerzu singt mein Herz ..." (da gibt es eine Traumaufnahme mit Nicolai Gedda und Anneliese Rothenberger).


    LG
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • WDR 4 übertägt heute - in meiner Radio-Ecke habe ich schon darauf hingewiesen - die Operette live im Radio:


    Samstag, 25.06.2011
    20.00 Uhr
    Kölner Philharmonie


    Eduard Künneke
    Glückliche Reise

    Operette konzertant
    Libretto von Max Bertuch und Kurt Schwabach
    Mitwirkende:


    Heike Susanne Daum als Lona Vonderhoff
    Natalie Karl als Monika Brink
    Stefan Boving als Stefan von Schwarzenbarg
    Jürgen Sacher als Robert von Hartenau
    Josef Otten, Brangersen
    Boris Leisenheimer als Homann, Inhaber eines Reisebüros
    Dirk Schortemeier, Manager
    Franziska Hösli , Sarah
    WDR Rundfunkorchester Köln
    Antony Hermus, Leitung


    Zitat

    Reise mit Happy End?


    »Am Amazonas, da wohnen unsere Ahnen.« Aber nicht nur die. Unter anderem leben dort auch zwei Freunde aus Berlin, die eine kleine Farm am Rande des Urwalds bewirtschaften. »Drüben in der Heimat« hingegen sitzen zwei attraktive Reisebürokauffrauen und träumen von einem Leben jenseits der engen Großstadtmauern. Wie es der Zufall will, stehen die beiden Damen mit den Exberlinern aus Übersee in reger Korrespondenz. Schließlich verabreden sich die Paare zu einem Blinddate. Ob an dessen Ende jedoch eine »Glückliche Reise« ins Happy End steht, wird an dieser Stelle noch nicht verraten.

    (Quelle: WDR)


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Eine weitere Operette von Künneke sollte der Vergessenheit entrissen werden:



    Die Hochzeit in Samarkand
    Operette in 3 Akten
    von Eduard Künnecke,
    Libretto von Richard Kessel,
    Uraufführung am 14.2.1938 Theater des Volkes Berlin
    mit Hans Fetscherin • Maria Jakisch • Hans Komorek • Ilse Schmidt-Ellum,
    Dirig. Edmund Nick.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    "Ich träume mit offenen Augen" (herrlich interpretiert von Peter Seiffert, "Immerzu singt mein Herz ..." (da gibt es eine Traumaufnahme mit Nicolai Gedda und Anneliese Rothenberger).


    Hallo, Manfred!


    Diese Gesangsnummern höre auch ich sehr gerne. Ich habe sie von vielen Interpreten gesungen. Hervorragend darin Herbert Ernst Groh und Reinhold Bartel. Das Dueii "Immerzu, singt mein Herz..." singen auch wunderschön Peter Schreier und Sylvia Geszty.




    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Ich träume mit offenen Augen...


    Diese hier konnten es auch




    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Mein lieber Bernward!


    Die CD mit Norbert Orth kannte ich nicht. Sehr interessant! Leider ist sie bei Amazon gestrichen. Ich werde mich mal woanders umsehen.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Liselott
    Operette von Eduard Künnecke,
    Uraufführung am 17.2.1932 im Admiralspalast Berlin
    mit Käthe Dorsch • Gustav Gründgens • Hilde Hildebrand.



    LG


    :angel:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Von dieser Operette habe ich bisher nur 6 Radiomitschnitte, darunter ein wahres Juwel: "Gräfin dazu bin ich zu vornehmen" mit Gustav Gründgens und Hilde Hildebrand aus der 1932er Uraufführung mit dem Komponisten am Pult.
    Daneben noch zwei neuere Aufnahmen mit Lucia Popp und Harry Friedauer.


    Bevor ich mir die von Harald abgebildete Cantus CD zulege, warte ich noch, ob ich nicht noch eine neuere Einspielung finde. Manchmal ergänze ich auch meine Mittschnitte durch einzelne MP3 Downloads.


    Viele Grüße


    :) Uwe

  • Uwe, ich habe eine live Aufnahme einer 2004 Heidelberger "Liselott", wenn's Dich interessiert. Kannst mir gerne emailen wenn Interesse besteht. Anny Schlemm ist die absolut beste Liselott. Eine wahre Paraderolle fuer sie, ich kann oben erwaehnte Aufnahme waermstens empfehlen, obwohl sie natuerlich nicht die Klangqualitaet hat, die Du bevorzugst. :-)

  • Hallo Operettenfan,


    ich habe Deine Antwort leider heute erst gelesen, da ich in letzter Zeit intensiv mit anderen Dingen beschäftigt war. Ja, Interesse besteht, aber Deine Mail-Adresse habe ich ja leider nicht. Du kannst meine Adresse in facebook finden.


    :)