Musikunterricht in der Schule

  • Angeregt durch einen anderen Thread, möchte ich nun mal dieses Thema aufgreifen.
    Seit mehr als ca. 30 Jahren unterrichte ich das Fach Musik in den Klassenstufen 5-7 einer Realschule. d.h. ich blicke auf langjährige Erfahrung zurück. Ab Klasse 8 findet kein Musikunterricht mehr statt.
    Die Akzeptanz von klassischer Musik im Unterricht ist mit den Jahren immer geringer geworden. Spielten früher noch einige Schüler ein Instrument, so sind es jetzt nur noch ganz wenige. Am Gymnasium sieht das vielleicht anders aus.
    Wenn die Kinder bei uns eingeschult werden, dann fragt man sie schon mal ein bisschen aus, inwiefern das Thema klassische Musik zu Hause eine Rolle spielt. Man kann davon ausgehen, dass noch nicht einmal in 2% der Familien klassische Musik eine Rolle spielt. Das ist eine meiner Ausgangspositionen.
    Die zweite entscheidende Position hängt mit dem Musikunterricht in der Grundschule zusammen. An vielen Grundschulen findet kein Musikunterricht durch Fachlehrer statt, d.h. es wird höchstens mal gesungen.
    Bei diesen Schülern ist der Musikunterricht besonders schwierig, da sie auf jegliche klassische Musik mit totaler Ablehnung reagieren.
    Wenn die Kinder bereits Fachunterricht in der Grundschule genossen haben, sieht die Sache schon ganz anders aus. Die Kinder gehen schon ganz anders an das Fach heran, verfügen bereits über Notenkenntnisse und auch rhythmische Kenntnisse.
    Trotz allem versuche ich natürlich klassische Musik an die Kinder heranzubringen. Zu den Werken, die ich bespreche, gehören:


    Die Moldau
    Der Zauberlehrling
    Karneval der Tiere als großes Projekt
    Erlkönig
    Zauberflöte in Ausschnitten
    Lindenbaum
    Bolero


    Besonders schwierig ist der Musikunterricht in Klasse 7, da dann durch den Gruppenzwang mit heftiger Ablehnung reagiert wird.


    Minierfolgserlebnisse hat man dann doch. So hatte sich ein Mädchen von den Eltern gewünscht, einmal die Oper Zauberflöte besuchen zu dürfen und hat dann in der Klasse darüber berichtet. Sie stieß dann allerdings bei vielen Schülern auf großes Unverständnis.


    So weit erst einmal von mir.


    Liebe Grüße
    Jolanthe

  • Hallo Jolanthe,



    für die meisten Kids ist die klassische Musik alt, verstaubt und nicht anhörenswert. Wir wohnen in einer Straße, die die Schüler einer Gesamtschule passieren müssen, wenn sie zur Straßenbahn gehen. Es sind sehr viele Schüler/innen, die einen Migrationshintergrund haben. Fast alle haben ein Handy. Dort werden die "Musik" oder "Stücke" von einigen Rappern angehört. In irgendeiner Weise ist es beachtlich, dass sie all diese Stücke auswendig mitsingen können. Bei einem deutschen Gedicht der Romantik versagen sie dann kläglich. Das ist für mich ein echtes Phänomen... Verkommt die deutsche Sprache nun vollends und muss diesem "Kanackdeutsch weichen???

  • Zitat

    Original von MosesKR1
    Hallo Jolanthe,



    für die meisten Kids ist die klassische Musik alt, verstaubt und nicht anhörenswert. Wir wohnen in einer Straße, die die Schüler einer Gesamtschule passieren müssen, wenn sie zur Straßenbahn gehen. Es sind sehr viele Schüler/innen, die einen Migrationshintergrund haben. Fast alle haben ein Handy. Dort werden die "Musik" oder "Stücke" von einigen Rappern angehört. In irgendeiner Weise ist es beachtlich, dass sie all diese Stücke auswendig mitsingen können. Bei einem deutschen Gedicht der Romantik versagen sie dann kläglich. Das ist für mich ein echtes Phänomen Verkommt die deutsche Sprache nun vollends und muss diesem "Kanackdeutsch weichen???


    Ich könnte jetzt, nicht ganz vorurteilsfrei und gehässig sagen: dann gehörst Du wohl in so eine Gegend! Mit Deinem Fazit und dem eingefrorenen Schubladendenken qualifizierst Du Dich zumindest hervorragend!
    Ich möchte hier mal eine Lanze für unsere jungen Leute, respektive Kinder (neudeutsch Kids :D ) brechen. Auch wir waren jung und jeder Jugendliche will auf seine Art anders, rebellisch oder was auch immer sein. Das ist nun mal die Pubertät und sie wird von jeder Generation anders ausgelebt. Auch ich habe den Kopf darüber geschüttelt, was für "müllige Musik meine Alten gehört haben" und dass sie jeden Sonntag ihr Theaterabo wahrgenommen haben.


    Man wollte mich keineswegs bekehren oder interessieren - ich denke das wäre nach hinten losgegangen. Im Musikunterricht der Polytechnischen Oberschulen wurde ein Lehrplan abgearbeitet, der neben der nötigen Rotlichtbestrahlung durchaus auch ein wenig Notenlehre behandelte und in klassische Musik hereinschnupperte. Interessiert hat mich das ganze eher weniger, aber dennoch habe ich, durchaus lebensfähig, meinen Weg gefunden. Man soll es nicht glauben, man kann auch leben ohne Violine oder Cello, wenigstens aber Klavier spielen gelernt zu haben.


    Unsere Kinder spiegeln ganz hervorragend unsere eigene Gesellschaft wider. Die einen haben durch finanzielle Flexibilität alle Möglichkeiten (Bücher, Musik, Musikinstrument, Musikunterricht), andere haben sie nicht und versuchen dies durch hier 'andersartige, fehlgeleitet Kultur' bezeichnetes Gehabe zu kompensieren. Und den daran hängenden Teufelskreis brauche ich nicht weiter zu erörtern - die Armut wird über die Bildung verrerbt. Ich wohne in einer Gegend, in der das Gegenteil vorherrscht. Drei Gymnasien im Umkreis von 2 Kilometern - eines besonders kulturinteressiert, eine Privatschule. Bezeichnenderweise kommt aus dieser Gegend der meiste Gegenwind gegen die Hamburger Schulreform, die im Kern allen Jugendlichen möglichst gleiche Chancen geben will. Man ist in Deutschland gar nicht daran interessiert alle jungen Leute zu gebildeten Menschen zu machen. Was wäre denn eine Gesellschaft ohne eine Elite - in der alle gleich sind? So lassen wir die Schere ganz bewusst weiter aufklaffen! Alle finden es schade, aber alle machen mit!


    So, und jetzt mimen wir alle weiter die Betroffenen, freuen uns aber insgeheim, dass es uns gut (besser als den armen Prolls) geht! :kotz:


    Steffen

  • Liebe Jolanthe,


    Musikunterricht, dass ist schon lange her bei mir. Außer die bekannten Wanderlieder ect. haben wir da keine Tiefe kennen gelernt. Gerne erinnere ich mich an die Initiative des hiesigen Musikvereins. Der in unserer Schule für Nachwuchs warb. Einige zeigten Interesse. Auch weil der Musikverein die Instrumente stellte. Damit war für mich der Weg offen Klarinette zu lernen. Die Musik fand ich nicht so berauchend. Aber es hat viel Freude gebracht. Mit dem aufhören aktiv mitzuspielen musste ich mein Instrument zurückgeben. Es war eben eine Leihgabe. Irgendwann habe ich mir ein eigene Klarinette gekauft und mit meinen Kindern Musik gemacht.


    Klassik muss ein Erlebnis für Kinder werden. Ein Katalysator ist notwendig um die Liebe zu erfachen. Liebe Jolanthe, mit Deiner Erfahrung und der nötigen Liebe, wirst Du ungeahnte Akzente setzen. Früchte die vielleicht nach Jahren erst geerntet werden können. Aber Dein Einsatz lohnt sich.


    Viel Freude Dir weiterhin


    Detlef

    Werden im Wirken - Großes braucht seine Zeit

  • Liebe Jolanthe ,



    wenn Du frei eAuswahl hast , Deine Werke selbst zusammenzustellen ( Stichwort : Bürkratischer Lehrplan ) , so entsprechen diese bis auf Ravels "Bolero" ( der nu wirklich sehr eingängig ist ) genau dem , was wir als Grundschüler ( 4 Jahre ) und Gymnasisten ( 9 Jahre ) als festes Programm hatten . Atatt des Bolero gab es "Der Freischütz" . Opernbesuche des Freischützes wie der Zauberflöte waren in Aachen bzw. Düsseldorf Pflichtveranstaltungen im Musikunterricht .


    Das Erlernen eines Instrumentes war primär eine Frage der elterlichen finanziellen Möglichkeiten .Leihinstrumente gab es wenige im Verhältnis zu dem Interesse von Eltern wie Schüler(innen) .


    "Ausreisser" innerhalb der Schüler gab es etwa mit Einsetzen der Pubertät . Die Schwierigkeiten bei Jungs waren eindeutig grösser als bei Mädchen , die in aller Regel sehr viel zielstrebiger , konstanter waren .


    Lehrer spielten eine ausserordentliche Rolle . Ich erinnere mich sehr genau , dass im Musikschulunterricht gerade die Minimalzahl in der Oberstufe erreicht worden ist , um den Unterricht durchzuführen .


    Ein anderer Musiklehrer aus unserem Gmnasium hat gemeinsam mit einer Oberstudienrätin eines Mädchengymnasius eine frewillige (!) Musikveranstaltung zweistündig jede Woche ins Leben gerufen . Ergenbnis : Restlos ausgebucht ! Da fanden sich auch "entschieden Musikgegner" (!) , die sonst "Kunst" gewählt hatten .


    Im Abi ist meines Wissens nie ein Schüler geprüft worden . Dafür mussten aber bi s zu 50 Prozent in Englisch , Mathe zum mündlichen Abitur antreten .


    Obwohl unser Gymnasium in einem sehr bevorzugten Stadtteil Düsseldorfs lag und es sicherlich zahlreiche Sponsoren schon damals gegeben hätte , kann ich mich sogar naemntlich an nur einen Schüler erinnern , der systematisch Geigenuntericht privat hatte .


    E r f o l g kannein Musilehrer nur dann haben , wen der von der Politik vorgegeben Lehrplan auch Musik bis zur letzten Klasse als Pflichtfach mit Prüfungen einführt !


    Zu meiner Gymnasialzeit herrschte wenigstens noch eine "Beatles-Begeisterung" ( oder eben auch für andere Gruppen der damaligen Zeit ) , was schon sehr hilfreich war , um überhaupt in die Musik hineinzufinden ( Noten lesen , etwa Gitarrenunterrichtbzu nehmen ) .


    Auf den meisten mir bekannten Privatschulen sieht dies derzeit völlig anders aus . Es ist kein Zufall , dass Eltern ihre Kinder lieber dorthin schicken aks auf völlig überfüllte "Gesamtschulen" ( auch dafür gibt es in Düsseldorf einsehr abstossendes Beispiel , das seinerzeit nur aus parteipolitischen Gründen ins Leben gerufen worden war ) .



    Ich kann Lehrer sehr gut verstehen , wenn sie sich auf prüfungsrelevante Fächer mit Notenerteilung zurückziehen .


    (Allgemein-) Bildung ist in Deutschland jedenfalls kein hohes , wichtiges Gut ( mehr ) .


    Beste Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

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  • Es geht halt einfach nicht anders als dass man in den Lehrplänen genau vorgibt , w a s in Schulen als Musikunterricht mindestens gleisetet werden muss !


    Es kann nicht jede(r) hochmusikalisch sein .


    Aber es kan doch nicht hingenommen werden , dass "Rapper" & Co. den Kulturhintergrund in einem Land bestimmen , das einmal eine Mozart , Beethoven J S Bach , Schumann bis zu Berg , Stockhausen hervorgebracht hat .


    Wer in einem Land , unabhängig wo dies auf der Welt ist , der muss sich auch in Sachen Musik mit den kulturellen Gegebenheiten des neuen Landes ( bei Einwohnern ) vertraut machen .


    Und Musik muss eben benotet werden wie Deutsch , Französisch , Biologie oder Chemie .


    Wenn ich nach Frankreich gehe , dann muss ich ein Wissen haben über Chnasons zum Besipiel und auch wissen , wer eta Charles Trenet war und welche Rolle er mit seinem "La mer" bis heute ungebrochen für Frankreich insgesamt hat .


    Das dauernde Entschuldigen mit "Migrationshintergrund" ist nicht akzeptabel . Es gab auch sehr gute z.B. türkische Künstler ( etwa die grosse Sopranistin Leyla Gencer ) oder wichtige Musiker in Ägypten . Wer in diesem Länder einmal für einige Monate zu Studienzewcken gewesen ist , der kann dies bestätigen .


    Beste Grüsse ,


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Hallo Frank,


    interessant Deine Abhandlung zum Thema.


    Mir kam so die Idee, es müsste ein übergreifender Unterricht zum Geschichtsunterricht geben. Das man Land und Leute in der jeweiligen Epoche kennen lernt und zugleich mit der jeweiligen kulturellen und musischen Begebenheit (be)greifen lernt. Der Lernerfolg wäre vertiefend und nachhaltiger.


    Liebe Grüße
    detlef

    Werden im Wirken - Großes braucht seine Zeit

  • Lieber Detlef ,


    danke für diese sehr interessante Anregung !


    Egon Friedell hat dies in seiner "Kulturgeschichte der Neuzeit ähnlich gemacht .


    Dein Ansatz erscheint mir höchst plausibel , weil dann fachübergreifend die Epochen besprochen würden und somit auch an Musik primär nicht Interessierte etwa über geschichte zu ihr finden könnten . Das schlösse dann die Naturwissenschaften auch mit ein .


    Dies käme einem Studium universale schon recht nahe .


    Ich bin gespannt , wie Dein Denansatz hier aufgenommen wird .


    Beste Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Aber es kan doch nicht hingenommen werden , dass "Rapper" & Co. den Kulturhintergrund in einem Land bestimmen , das einmal eine Mozart , Beethoven J S Bach , Schumann bis zu Berg , Stockhausen hervorgebracht hat .


    Warum kann das nicht hingenommen werden? Wer redet denn von bestimmen? Diese Art junge, neuartige Jugendkultur "bestimmt" genauso die Kulturlandschaft wie seinerzeit die moderne Klassik, Jazzmusik, der Rock´n Roll, zu meiner Zeit die Neue deutsche Welle und Wavemusic. Und genauso wie diese andere Musik in anderen Kulturepochen als andersartig abgestempelt und teilweise auch verfolgt und verboten wurde, wird dies jetzt auch durch Euch getan? Nix dazu gelernt beim Thema Toleranz? :no:


    Trotzdem besinnen sich reifende junge Menschen auf das alte Kulturgut. Wie schnell sie reifen hat man nur wenig in der Hand. Ich finde es klasse, wie sich Jolanthe dabei einbringt und engagiert, aber wie sie selbst schreibt, ist es zu dem Zeitpunkt, da sie eingreifen kann, eigentlich schon zu spät die jungen Menschen für E-Musik zu öffnen.


    Ich erinnere mich, dass wir in der ersten oder zweiten Klassen "Peter und der Wolf" von Sergeij Prokofjew kennenlernten, sicher auch die "Moldau", ich erinnere mich nur verschwommen. Smetanas "Moldau" wurde bei meiner fast 10-jährigen Tochter, die übrigens nicht bei mir lebt sondern in einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein, schon im Sachkundeunterricht der 3. Grundschulklasse, sowohl malerisch als auch musikalisch behandelt. Dort wird Flötenunterricht (ab 1. Klasse) mit Notenlehre, Schulchor und vieles mehr angeboten. Man interessiert sich sehr wohl, wenn man sich als Eltern denn auch interessiert und ggf. die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen kann bzw. auch möchte! Für Papi ist nun mal die megageile Glotze und das Surroundsystem oder der Altersruhesitz bei Antalya wichtiger als die musikalische Weiterentwicklung des Juniors. Die Schwerpunkte sind in der Erziehung völlig aus der Balance. Durch die Medien werden, nicht nur bei unserem Nachwuchs, völlig verzerrte Wertevorstellungen suggeriert. Es läuft nur auf eines hinaus: Konsum = Kaptitalismus.


    Wie war das hier noch gleich mit politischen Diskussionen? :untertauch: Ohne diese anzuschneiden kann man aber das Thema (musikalische) Kindeserziehung leider nicht angehen. Es ist leider NICHT so schwarz/weiss wie es gern dargestellt wird. Diese Erkenntnis frustriert, - nicht nur auf dem Gebiet, um das es in diesem Thread gehen soll. Ein Schuldiger ist hier schnell gefunden: für die Eltern ist die Schule Schuld, für die Schule sind die Eltern und die Vorschuleinrichtungen, also die Früherziehung Schuld.


    Den Ansatz, die Musik fachübergreifend mit der Geschichte zu verbinden, finde ich gut! Was geschah wann? Welcher Komponist schrieb wann welches bahnbrechende Werk? Und weil wir gerade dabei sind, sollten wir auch noch die Naturwissenschaften gleich mit einbeziehen. Musikalische Leistung wird begreifbarer wenn man sich mal vorstellt, dass es damals keinen Strom gab, keine Tonträger und Instrumente aus synthetischen Kunststoffen, geschweige denn geeignete Technologien. Die Künstler lernten von anderen Künstlern über Abschriften von Partituren, in seltenen Fällen über Konzerte anderer Künstler. Sie schrieben ihre Ideen bei Kerzenlicht nieder. Konzertreisen "Tourneen" wurden mit der Kutsche gemacht und dabei musste dann auch noch das Notenmaterial und Instrumente mitgeführt werden. Krankheiten bedrohten das Leben und man darf nicht vergessen, viele Künstler mussten von dem Erschaffenen irgendwie überleben. Sich selbst versorgen, den Arzt bezahlen, die Logistik usw.


    Ein anderer Ansatz wäre, die Kinder zum genauen Hinhören zu animieren. Es gibt einige Pop-Musikstücke, in denen klassiche Themen oder wenigstens Ähnliches verbaut sind.


    Ich rede mich hier gerade in Rage, vielleicht weil meine beiden fast-"Schwiegereltern" auch Musiklehrer sind und meine Tochter mitbetroffen? Weil ich den Alltag eines Lehrers kenne? Weil ich weiss, dass es durchaus Förderung gibt? Man kann nun mal nicht alle erreichen, also sollte man die fördern, die man erreicht - aber nicht durch elitäre Schulsysteme, durch die Gleichstellung zunichte gemacht wird!


    :hello: Steffen

  • Zitat

    Original von Steffen_P
    Die Künstler lernten von anderen Künstlern über Abschriften von Partituren, in seltenen Fällen über Konzerte anderer Künstler. Sie schrieben ihre Ideen bei Kerzenlicht nieder. Konzertreisen "Tourneen" wurden mit der Kutsche gemacht und dabei musste dann auch noch das Notenmaterial und Instrumente mitgeführt werden. Krankheiten bedrohten das Leben und man darf nicht vergessen, viele Künstler mussten von dem Erschaffenen irgendwie überleben. Sich selbst versorgen, den Arzt bezahlen, die Logistik usw.


    Ein anderer Ansatz wäre, die Kinder zum genauen Hinhören zu animieren. Es gibt einige Pop-Musikstücke, in denen klassiche Themen oder wenigstens Ähnliches verbaut sind.


    :hello: Steffen


    Hallo Steffen,


    bei Deinen Ausführungen kam mir das Buch von Stefan Zweig "Sternstunden der Menschheit" in Erinnerung. Unter anderem wird auch von Händel und seinen "Messiah" in einer fesselnden Art geschrieben, die mich bis heute 'gefesselt' hält. Wie oft habe ich mir CD angeschaut, die dieses Musikwerk interpretieren. Irgendwie suche ich noch nach der Fassung, die ich beim lesen empfunden habe. Ich bin noch auf der Suche.


    So etwa stelle ich mir einen lebensnahen Unterricht vor. Habe natürlich hochachtung vor allen Lehrern die versuchen den Lehrstoff auf irgendeine Art bei unserem kostbaren Gut, unseren Kindern, einzupflanzen.


    Nachdenklich grüßt
    detlef

    Werden im Wirken - Großes braucht seine Zeit

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  • Geschichtlich in die Musik eintauchen kann man ja auf verschiedene Art und Weise! Um die Sache für Jugendliche interessant zu machen kann man Musikgeschichte ja auch geschichtlich mit "ihrer" Musik in Zusammenhang bringen. Geschichte ist ja auch eine Entwicklung, eine Entwicklung aus vielen, vielen kleinen Revolutionen, an deren Spitze in der Gegenwart unter anderem die Musik der Gegenwart existiert, neben der weiteren U-Musik, die ich teilweise noch viel grauenhafter finde als bspw. RAP-Musik, die wenigstens noch etwas sagen, etwas ausdrücken will - es sind zum Ausdruck gebrachte Emotionen der Jugend, ihre Art diese zu artikulieren! Es ist pädagogisch sicher super wertvoll sich hinzustellen und diese Musik als "Kanackenmusik" zu bezeichnen - ein Signal, das mit Sicherheit in die falsche Richtung fürht.


    Wenn man es konzeptionell schafft den Schülern klar zu machen wo ihre Musik herkommt, kann man sie vielleicht auch für die Wurzeln interessieren. Ob das geschichtlich vorwärts oder rückwärts auf dem Zeitstrahl besser oder schlechter geht muss man sehen. Man muss den Schülern klar machen, was für Rebellen Beethoven und Mozart waren und wie ihre Musik die kulturelle Landschaft aufwühlte und umkrempelte. Neben der Musik ist auch sehr interessant, welche Komponisten sich kannten, wer was von wem hielt usw. Auch belegte charakterliche Züge von Künstlern könnten sehr interessant für Kinder und jugendliche sein, denn auch die Musik der Klassikkomponisten sind ein Produkt der Verzweiflung, wie ihre Rap-Musik.


    Noch besser geht das sicherlich mit der Ablösung der Romantik durch die Moderne. Erinnern wir uns doch mal wie die andersartige Kultur auch missbraucht wurde und wo geschürter Hass hinführen konnte! Musik spiegelt auch eine gesellschaftliche Entwicklung wider und wenn diese aggressiver wird, so machen nicht die Jugendlichen was falsch, sondern wir, die sie erziehen. Wer jetzt aus dem Alter des Erziehers raus ist, ist aber noch lange nicht aus dem Schneider, denn er hat es entweder bei der Generationen der jetzigen Erziehenden/Einflusshabenden vergeigt oder er sollte ganz einfach den Mund halten weil er rein gar nichts zur (Weiter-)Entwicklung beigetragen hat, ausser als Wasserträger zugesehen zu haben. Resignation ist der Feind aller Entwicklung!


    Mal sehen ob sich Schwiegervater (pensionierter Musiklehrer) am Wochenende auf das Thema einlassen will.


    :hello: Steffen

  • Hut ab vor allen Musiklehrern! Sie haben es bestimmt nicht leicht.
    I
    ch fühle mich durch dieses Thema immer angesprochen. Einfach weil ich glaube, dass die Menschen Musik brauchen und dass es eine besonders schöne Freudenquelle sein kann, wenn jemand an den Werken der klassischen Musik Freude finden kann. Warum sollte man dann nicht versuchen, anderen dazu zu verhelfen – natürlich ohne Zwang und vielleicht auch ohne aktuellen Erfolg.


    Die Idee, den Musikunterricht mit Geschichte, Kunstgeschichte usw. zu verbinden, finde ich für sehr gut. Ich glaube, sie werden von vielen Musiklehrern auch praktiziert.


    Ich möchte gern wissen, wo die so genannte Kodály-Methode (die relative Solmisation, didaktisiert mit Hilfe von einem Liederschatz, in Ungarn knüpft sich das an den Namen von JenQ Ádám) außer den ungarischen Musikschulen noch verwendet wird. Diese Methode ist mit dem Singen verbunden.


    Da muss ich mich auch fragen, ob die Kinder heute (und die Teenager erst recht) überhaupt noch singen können / wollen. Bei einem Klassenausflug hat man in meiner Jugend im Bus die ganze Zeit unsere schönen Pentaton-Volkslieder gesungen. Heute hört man das nach meinen Informationen gar nicht mehr, weil die Musik, die die Jugend mag, weder vom Text, noch von der Melodie her in dieser Art (mit)gesungen werden kann. Nichts gegen diese Musik – aber warum nur diese?


    Ein noch nicht ganz gut ausgenützter Bereich des Musikunterrichts ist auch der Computer. Es gibt bei uns eine CD-Serie mit interaktiven Spielen für Kinder, ich kenne sie durch die Kinder in meinem Freundeskreis. Am besten gefällt mir die CD „Manó Muzsika“ (Musik von Zwergen). Man (nicht nur das Kind!!!!) kann stundenlang damit herumspielen. Es ist schon gleich am Anfang nicht ganz einfach, in das „Land der Instrumente“ hinein zu gelangen, und dann muss man verschiedene Aufgaben lösen, wenn man die entsprechenden Punktzahlen usw. sammeln und gewinnen will. Man kann Instrumente nach dem Hören unterscheiden lernen und Komponisten ihre Werke zuordnen und alles wird in gut aufgebauten Schritten vermittelt und dann geübt und kontrolliert. So was sollten die Informatiker und die Musikkundigen in verschiedenen Formen und mit verschiedenen Aufgaben usw. zusammenstellen!!!!!


    „Ulrica“ schreibt in einem Konversationsfaden (ich kann nicht mehr rekonstruieren, wo :O …), dass die Leute auch Anderes mögen würden, wenn ihnen auch mal was Anderes angeboten würde, nicht nur immer dieselbe Musik usw. Ich glaube, sie hat recht. Wenn gute Computerspiele mal durch „klassische“ Musik begleitet würden, könnten die Kinder diese Musik genauso lieb gewinnen, wie zum Beispiel die Millionen, die seit den achtziger Jahren mit großer Begeisterung Nobuo Uematsus Musik zum Final Fantasy hören und spielen.


    Gute Nacht - und einen schönen neuen Tag :hello:
    Piroska

  • Hallo,


    wie soll denn ein Musikunterricht in der Schule aussehen? Was ich aus Erfahrung kenne, heute auch von meinen Enkelchen, wenn Musikunterricht erteilt wird, dann werden ein paar Liedchen gesungen und das ist es.


    Meine Meinung, es liegt auch am Elternhaus wie Kinder mit Musik umgehen und sich dafür interessieren. In einer Familie, in der nur die Musik vorherrscht, die nichts mit Klassik zu tun hat, können die Kids nicht an die Klassik herangeführt werden. Die Kinder werden doch geprägt von den Eltern, wenn zuhause nur der Fernseher läuft und das Internet, woher sollen sie es denn wissen? Eltern sollen Vorbild sein, in jeder Hinsicht.


    Meine Kinder sind mit klassischer Musik aufgewachsen und sie betrachten Klassik als was "Höheres" was "Teures "und auch ihre Kinder haben von klein an gelernt damit umzugehen. Natürlich hören sie nicht nur Klassik, doch sie stellen Fragen und gehen mit den Eltern in die Kinderoper.


    Musikunterricht in den Schulen mit den Grundkenntnissen der Notenlehre, Komponisten und ihre Werke ist wohl auch in Zukunft leider nicht zu erwarten, oder?

  • Zitat

    Original von musica
    Hallo,


    wie soll denn ein Musikunterricht in der Schule aussehen? Was ich aus Erfahrung kenne, heute auch von meinen Enkelchen, wenn Musikunterricht erteilt wird, dann werden ein paar Liedchen gesungen und das ist es.........


    Musikunterricht in den Schulen mit den Grundkenntnissen der Notenlehre, Komponisten und ihre Werke ist wohl auch in Zukunft leider nicht zu erwarten, oder?


    Wenn ich von der Situation an den Grundschulen ausgehe, dann wird da manchmal wirklich nur gesungen, weil viele Grundschulen keine ausgebildeten Musiklehrer haben.


    Bei mir an einer weiterführenden Schule erhalten die Schüler selbstverständlich Grundkenntnisse in der Notenenlehre, z.Teil auch mit praktischem Bezug am Keyboard. Auch sogenannte Lebensbilder von berühmten Komponisten werden besprochen.


    zu Piroska:
    Du sprichst an, ob die Schüler überhaupt noch singen können.
    Es hat sich sehr verschechtert. Viele Kinder treffen nicht mehr die richtigen Töne. Aber die kleineren, d.h. Klasse 5 singen noch sehr gern. Aber die Bereitschaft zum Singen nimmt dann doch rapide ab.


    Vielleicht noch eine interessante Beobachtung. Schüler sind eher bereit sich einen Ausschnitt aus einem klassischen Werk anzuhören, als sich mit dem musikalischen Geschmack ihrer Mitschüler auseinanderzusetzen. Vor den Ferien macht man das schon mal, dass man den Schülern erlaubt eine CD mitzubringen mit ihrer bevorzugten Musik.
    Da geht es dann aber richtig zur Sache, denn wenn der Geschmack der meisten anderen nicht getroffen wird, dann gibt es lautstarke Proteste von den anderen Schülern. Für mich ist das immer ein Anlass das Thema "Toleranz gegenüber Menschen, die einen anderen musikalischen Geschmack haben" zu besprechen.


    LG
    Jolanthe

  • Tja ein wirklich kompliziertes Thema ;(


    Nun ja, ich bin noch Jugendlicher, ich versuche jetzt ein paar Aussagen "aus nächster Nähe" zu formulieren:


    Ich hatte das Glück in der Grundschule Fachunterricht zu genießen. Wie Jolanthe richtig sagt, ist die Akzeptanz in solchen Klassen mit Fachunterricht für Klassische Musik wesentlich größer als anderswo. Da ist man begierig darauf jeden Bereich der Musik kennenzulernen und da gehört auch die Klassik dazu. :yes: :yes: :yes:


    Das Problem ist die auf die Grundschule folgende Oberstufe:
    Ich habe das Glück auf ein Gymnasium zu gehen, wo es einen Musikzweig gibt. Die Schüler dort sind sehr tolerant gegenüber Klassischer Musik, hören sie auch gerne und praktizieren sie auch. Das ist ja der Schlüssel: Man muss sie praktizieren, man muss sich mit ihr außernandersetzen, um sie zu verstehen.
    Viele haben keinen Zugang zur Klassik wegen Familie, Freunde etc., viele sind aber leider auch viel zu bequem, um sich mit Klassik außernanderzusetzen: ein Problem unserer Zeit :boese2:


    Schüler, die keinen praktischen Musikunterricht genießen dürfen sind dahingehend aber sehr intolerant. :(
    Man wird ja fast als Sonderling betrachtet, wenn man sagt, man hört Klassische Musik... 8o
    Aber das mit den 2% finde ich ein bisschen übertrieben. Ich glaube schon, dass es mehr Leute als 2% gibt, die Klassische Musik hören.
    Events wie das aktuelle (kostenlose) Konzert der Wiener Philharmoniker locken auf jeden Fall Leute, die nicht so oft bis gar nicht Klassik hören, in ein solches Konzert...


    Nun gut man darf gespannt auf die Zukunft sein. Viele Jugendliche entdecken erst in späteren Jahren ihre Liebe zu Klassik.


    Gruß :hello:

    Komponiert ist schon alles - aber geschrieben noch nicht. (W.A. Mozart)

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  • Zitat

    Original von Hammel
    Aber das mit den 2% finde ich ein bisschen übertrieben. Ich glaube schon, dass es mehr Leute als 2% gibt, die Klassische Musik hören.


    Ich gehe da nicht von der Allgemeinheit aus, sondern von meinem Schultyp, an dem ich unterrichte. Es handelt sich dabei um eine Realschule. Bei den Schülern, die das Gymnasium besuchen, werden die Zahlen etwas positiver aussehen.
    Wenn man die Kinder fragt, ob zuhause klassische Musik gehört wird, dann verneinen das in manchen Klassen alle.


    LG
    Jolanthe


  • Genau das ist es, was ich meine. Wenn von zuhause aus kein Interesse an Klassik besteht, wie können dann die Schüler Interesse an klassischer Musik haben, sie sind nicht vorbelastet.


    Heute gibt es musische Gymnasien die Kinder nehmen, die eine besondere Begabung haben, Instrumente spielen, was dort natürlich gefördert wird, natürlich auf klassischem Gebiet.


    Es gibt Schulchöre, die Schüler werden dort in die Pflicht genommen, wenn genug Stimme da ist, in diesen Chören zu singen, sie machen Konzerte und Vorspielabende.


    Ich habe in einem Internat für Mädchen Gesang unterrichtet, dort spielte jedes Kind ein Instrument und es gab einen Chor, der sogar bei Wettbewerben oft an 1. Stelle stand. Den Chor leitete die oberste Nonne, die durchaus aufgeschlossen war auch für nicht klassische Musik.
    Sie haben sogar CDs aufgenommen. Die Lehrer waren alle für die entsprechenden Instrumente ausgebildet. Dort gab es natürlich auch Vorspielabende, jedes Mal ein großes Ereignis.


    Warum aber gibt es keinen Musikunterricht an Hauptschulen?

  • Zitat

    Wenn man die Kinder fragt, ob Zuhause klassische Musik gehört wird, verneinen in manchen Klassen alle...


    Gut das ist ein großes Problem...
    Das mit den 2% hab ich dann wohl falsch verstanden... :stumm:


    Das Problem ist eben dieses, dass, wenn zu Hause kein Interesse an Klassischer Musik mehr herrscht, dass es für die Kinder praktische unmöglich ist, sich für klassische Musik zu interessieren, so sehr sie die Musik später vielleicht auch schätzen würden... :O


    Dann müssen diese Kinder von sich aus die Klassik entdecken, müssen sich von sich aus gegen den Gruppenzwang des "Klassikfeindlichen Mobs" stellen und müssen geduldig diese Musik hören um sie zu begreifen und DAS ist ein Problem: das tut eben fast keiner von sich aus ;( ;( ;(


    Zitat

    von musica: Warum aber gibt es keinen Musikunterricht an Hauptschulen?


    8o Dem will ich einmal protestierend widersprechen! 8o
    Ich bin selbst auf eine Hauptschule gegangen, bin auch stolz drauf, habe mir nichts besseres vorstellen können, und wir haben SEHRWOHL Musikunterricht genossen! Haben sogar Musicals erarbeiten, wo die gesamte Schule mitgeholfen hat, haben Konzerte mit Erwachsenenchören gesungen! Musikunterricht an Hauptschulen ist sehrwohl ausgeprägt! :motz:


    Gruß :hello:

    Komponiert ist schon alles - aber geschrieben noch nicht. (W.A. Mozart)

  • Zitat

    Original von musica



    Warum aber gibt es keinen Musikunterricht an Hauptschulen?


    Das Problem gibt es hier in meiner Gegend auch. Das hängt einfach damit zusammen, dass diejenigen, die Musik fürs Lehramt studieren, hauptsächlich Lehramt für Gymnasium oder Realschule studieren, aber nicht für die Hauptschule.
    Dafür habe ich vollstes Verständnis, denn es ist ein hartes Brot dieses Fach an der Hauptschule zu unterrichten. Selbst an meinen Schulzweig ist es schwierig, weil das Fach bei den Schülern (und Eltern) einen geringen Stellenwert hat. Denn ich unterrichte auch lieber mein anderes Fach Mathematik, das von Schülern und Eltern ernst genommen wird.


    LG
    Jolanthe


  • Prima, doch das ist leider nicht überall so.

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  • Zitat

    von musica: Prima, doch das ist leider nicht überall so.


    Tja das hängt aber, wie Jolanthe richtig gesagt hat, nicht von der Schule ab, sondern von den dort tätigen Lehrern...


    Gruß :hello:

    Komponiert ist schon alles - aber geschrieben noch nicht. (W.A. Mozart)

  • Zitat

    Original von Hammel


    Tja das hängt aber, wie Jolanthe richtig gesagt hat, nicht von der Schule ab, sondern von den dort tätigen Lehrern...


    Gruß :hello:


    Klar hängt das von den Lehrern ab, doch Schulen, in denen kein Musiklehrer tätig ist, kann kein Unterricht erfolgen. Das wiederum hängt vom Schulsystem ab, ob Musiklehrer eingestellt werden oder nicht. Heute ist wohl alles wichtiger als Musik.

  • Zitat

    Original von musica



    Klar hängt das von den Lehrern ab, doch Schulen, in denen kein Musiklehrer tätig ist, kann kein Unterricht erfolgen. Das wiederum hängt vom Schulsystem ab, ob Musiklehrer eingestellt werden oder nicht. Heute ist wohl alles wichtiger als Musik.


    Das Problem ist nicht, dass keine Musiklehrer eingestellt werden, sondern dass es keine gibt.


    LG
    Jolanthe

  • Zitat

    Original von Jolanthe


    Das Problem gibt es hier in meiner Gegend auch. Das hängt einfach damit zusammen, dass diejenigen, die Musik fürs Lehramt studieren, hauptsächlich Lehramt für Gymnasium oder Realschule studieren, aber nicht für die Hauptschule.
    Dafür habe ich vollstes Verständnis, denn es ist ein hartes Brot dieses Fach an der Hauptschule zu unterrichten. Selbst an meinen Schulzweig ist es schwierig, weil das Fach bei den Schülern (und Eltern) einen geringen Stellenwert hat. Denn ich unterrichte auch lieber mein anderes Fach Mathematik, das von Schülern und Eltern ernst genommen wird.


    LG
    Jolanthe


    Das ist sehr interessant, was du da schreibst. Doch woran liegt es, dass es auf Hauptschulen anders ist als auf höheren Schulen?

  • Zitat

    Original von musica


    Das ist sehr interessant, was du da schreibst. Doch woran liegt es, dass es auf Hauptschulen anders ist als auf höheren Schulen?


    Liebe musica,


    das liegt einfach daran, dass die leistungsschwächsten Schüler die Hauptschule besuchen. Selbst wir haben viele Schüler, die für unsere Schulform nicht geeignet sind und irgendwann auf der Stecke bleiben.
    Meistens stammen diese Schüler auch aus sozial schwachen Familien und sind auch ausgesprochen schwierig ( natürlich nicht alle ).
    Da ich auch viele Kontakte zu Kindergärtnerinnen habe, müßte nach Aussagen dieser die Förderung schon viel früher einsetzen. Selbst bei dreijährigen Kinder ist der Unterschied zu anderen schon verhaltensmäßig erkennbar, d.h. die Eltern bräuchten schon im Kleinstkindalter Unterstützung von außen. Ich wohne in einem Gebiet mit einem sehr geringen Ausländernanteil, d.h. daran liegt es bei uns hier nicht.


    Liebe Grüße
    Jolanthe

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  • Ja, das kann ich gut verstehen. Es gibt Städte, da ist auch der Ausländeranteil sehr hoch und sie haben eine andere Kultur. In meiner Geburtsstadt war es so, eine Arbeiterstadt. Die Klassen in der Grundschule waren über die Hälfte mit Ausländerkindern besetzt.
    Das änderte sich schlagartig auf der höheren Schule.


    Doch gerade deshalb ist es wichtig die Kinder schon ziemlich früh auf die klassische Musik aufmerksam zu machen, das geht wiederum auch nur, wenn die Eltern in der klassischen Musik zuhause sind und ihnen alles erklären können, was damit zusammenhängt.

  • Ihr Lieben,


    dass Problem an Schulen mag gegeben sein. Es sollte uns dennoch nicht davon abhalten den Kindern eine musikalische „Früherziehung“ zu teil werden zu lassen. In meiner Jugend gab es wenig Initiative seitens der Erwachsenen. Irgendwie schossen Bands nur so aus dem Boden. Viele trafen sich in irgendwelchen Jugendgruppen zusammen und haben ihre Lieder gesungen.


    Wir, die eine solche Eigeninitiative entwickelt hatten, können wir dieses Wissen nicht unseren Kindern, vielleicht schon Enkelkindern mit auf den Weg geben. Es bedarf sicherlich einiger Anstrengungen. Vielleicht gab es ja auch irgendwelche Elemente die uns motiviert hatten. Wäre ein Ansatzpunkt zum Nachdenken.


    Somit hätten wir zwar nicht unserem Thema gemäß das Problem angegangen, sondern nur unsere Kinder musikalisch geschult. :yes:


    Kreative Gemeinschaft pflegen und nicht einfach nur rumhängen. Wir leben in einer Zeit, so meine ich, wo viele unserer Kinder zu „Einzelkämpfern“ erzogen werden. Gemeinschaft pflegen, bedeutet auch auf das schwächste Glied acht zu geben und mit zu integrieren.


    Soweit mein Wort zum Sonntag
    detlef

    Werden im Wirken - Großes braucht seine Zeit

  • Liebe Jolanthe,


    wie sieht denn deine Toleranz gegenüber der Musik aus, die die Schüler mitbringen? Vielleicht wäre damit erst mal ein vernünftiger Musikunterricht möglich? Die Schüler dort abholen, wo sie stehen. Außerdem hängt ja vernünftiger Musikunterricht nicht allein von der Vermittlung klassischer Musik ab, die Rahmenpläne und die Fachdidaktik haben sich in diesem Punkt glücklicherweise doch ein wenig weiterentwickelt.


    Schöne Grüße aus dem Wiesengrund

  • Zitat

    Original von wiesengrund
    Liebe Jolanthe,


    wie sieht denn deine Toleranz gegenüber der Musik aus, die die Schüler mitbringen? Vielleicht wäre damit erst mal ein vernünftiger Musikunterricht möglich? Die Schüler dort abholen, wo sie stehen.


    Schöne Grüße aus dem Wiesengrund


    Meine Toleranz gegenüber Popmusik ist sehr groß, denn ich kann ja nicht von den Schülern verlangen tolerant gegenüber dem Geschmack ihrer Mitschüler zu sein, wenn ich selbst das nicht bin.
    Das heißt nicht, dass ich welche höre. Allerdings bin ich sehr vertraut damit, denn ich habe einen Pop-Musik hörenden Mann und Sohn.
    Selbstverständlich wird Popmusik in den Unterricht miteinbezogen.
    Mir geht es einfach auch darum, dass Kinder überhaupt mal mit Klängen der Klassik vertraut gemacht werden, da sie das vom Elternhaus nicht kennen. Wenn ich nur einen pro Klasse damit erreiche, ist schon viel gewonnen.


    Viele Grüße
    Jolanthe

  • Ich muss sagen, dass nicht selten auch die Lehrer sehr unmotiviert an das Thema gehen. Ich habe in meinem Zeugnis in Musik eine 2 stehen. Eine riesengroße Frechheit, denn ich hatte in Musik mehr Ahnung als meine ganze Klasse, mehr als meine Lehrerin selbst.
    Die Frau brachte es sogar fertig, KV 545 als Beispiel für die Sonatenhauptsatzform hinzustellen, um dann zu behaupten die Reprise sei wieder in der Grundtonart C-Dur. :pfeif:
    Im selben Atemzug behauptete sie, es sei ein Jugendwerk Mozarts, weil es ja so leicht zu spielen sei.
    Kurz; Ich hatte wohl großes Pech mit meiner Musiklehrerin. Und der Beruf stirbt aus, deswegen gab es auch nur diese eine an der ganzen Realschule. :kotz:


    Und zu allem Überfluss dann diese dumme Jugend. ( :untertauch:)
    Ich musste mich schon einige Male in meinem Leben für irgendwas "outen", aber ich kann mich nicht erinnern, dass je etwas so viel Aufsehen erregte wie mein Bekenntnis zu dieser Musik. (Was ich nicht verstand)
    Ich schickte daraufhin vielen Leuten an der Schule (Man hat sie ja alle in irgend nem Messenger drinnen) klassische Musik. Sehr melodisch und abwechslungsreich, und nicht selten auch sehr emotional. Und ich war mehr als erstaunt, als dann viele schrieben "Wie kannst du das nur mögen, ist ja immer dasselbe!"
    Ähm...entschuldigung, sind sie blöd???
    In der Popmusik, wo alleine der Refrain 8x wiederholt wird ohne jeden Sinn, und die "Musik" sich eigentlich nurnoch auf irgendeinnen wenig originellen Text bezieht, ist also mehr Abwechslung zu finden?
    Meine Neuste entzückung ist übrigens, der neue Trend zu dieser "Lady Gaga", Unmusikalischer gehts wohl kaum. :kotz:



    Ich drifte vom Thema ab, aber darüber kann ich mich fast täglich aufregen.


    Zurück zum Musikunerricht;
    Dieser WÜRDE Sinn machen, wenn die Lehrer sich stets große Mühe geben, dieses Thema den Schülern näher zu bringen. Denn eines steht fest; Fast keiner wird sich nach dem Unterricht offen zum neugewonnenen Interesse dazu bekennen. (Was wiederum wahrscheinlich der Grund ist, warum so viele Musiklehrer irgendwann den Ehrgeiz dran verlieren, weil sie denken es sei sinnlos.)
    Aber ich denke einige werden angespornt werden, in aller Heimlichkeit mal was von der Musik zu kosten.
    Das reicht auch schon. Man lass die Kerle mal älter werden und dann werden sie schon merken, dass manche Dinge auch in/aus der Vergangenheit besser sein können... :pfeif:
    Denn fest steht; heutzutage muss man erstmal Lernen was Musik ist.
    Klingt doof, ist aber so. Keiner kann mir erzählen, dass uninteressante Reime was mit Musik zu tun haben. :angry:
    Und trotzdem glauben das so viele Menschen. Denn nicht selten hört man "Der Text spricht mich einfach an."



    :hello:



    C.




    PS:
    Man könnte auch mal hinterfragen, warum die Jugend aber moll-Werke so toll finden. Mozart's Requiem (allem voran das Confutatis) ist da sehr beliebt.
    Aber Dur scheint da gepeinigt. ?(

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