Alessandro Scarlatti

  • Alessandro Scarlatti geb. 2. Mai 1660 in Palermo, gest. 22 Oktober 1725 in Neapel.


    A. Scarlatti, der Vater von Domenico Scarlatti gehört vom Umfang seines Lebenswerkes und dessen Qualität her gesehen zu den bedeutensten Komponisten des Barock.



    Schon als Kind wird er nach Rom geschickt um dort seine musikalische Ausbildung zu beginnen. Eventuell war er Schüler von Carissimi, es gibt auch Verbindungen zu Legrenzi und Stradella.
    Doch obwohl er sich schnell einen Namen macht und Kontakte zu den aritokratischen Kreisen pflegte, es seien nur Christina von Schweden und die Kardinäle Ottoboni und Pamphili, Fürst Ruspoli genannt, so spielt sich sein musikalisches Leben doch hauptsächlich in Neapel ab.
    Mit seiner ersten Oper "Gli Equivoci nell'amore" in Rom errang er die Protektion der Christina von Schweden.
    Neape ist in dieser Zeit ein bewegter Ort, oft wechselten die Herrscher, als Neapel vom spanischen Joch in österreichische Herrschaft übergeht wird er 1684 Kapellmeister des Vizekönigs.
    Dabei soll ihm seine Schwester behilflich gewesen sein, sie war Opernsängerin und die Mätresse eines Adligen, mit einer kleinen Intriege soll sie ihm den Posten verschafft haben.
    Ab 1678 ist er auch Vizekapellmeister in San Giacomo degli Incurabili und 1703 Hilfskapellmeister der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.
    Doch sind diese Posten nur Nebenschauplätze - Scarlatti ist einer der wichtigsten und erfolgreichsten Opernkomponisten des Barock.


    Scarlatti ist vornehmlich ein Komponist weltlicher Vokalmusik:
    65 Opern, Serenaden, Pasticcios, eine Flut Gelegenheitsarbeiten für die Feierlichkeiten seiner Mäzene in Rom und Neapel, und mit etwa 700 Kantaten ist er wohl einer der fruchtbarsten Kantatenkomponisten der Musikgeschichte.
    Aber auch Instrumentalwerke: 12 Concerti Grossi, 7 Sonaten für Flöte und Weitere für Cembalo.
    geistliche Werke:
    34 Oratorien, ettliche Messen (man behauptet über 200) und weiter liturgische Werke, darunter über 100 Motetten, meist für Rom bestimmt.
    Zu seinen berühmtesten Werken die damals große Beachtung fanden gehören u.a. die "Johannes Passion"


    Ein Musikwissenschaftler sagte einmal: "Egal was man von Scarlatti auch nimmt, es ist immer wunderschön..."
    Und so stelle ich auch einfach 4 Aufnahmen vor die einen Einblick in die unterschiedlichen Gattungen und in sein unglaubliches Können Einblicke geben:



    Griselda Drama per Musica
    Akademie für alte Musik Berlin / Jacobs
    Dorothea Rönschmann / Lawrense Zazzo / Veronica Cangemi / Bernada Fink
    Eine der wenigen Opern die bisjetzt eingespielt worden sind



    Kantaten
    3 Kammerkantaten
    Maria Cristina Kiehr / Concerto Soave
    Und wieder hat der Musikwissenschaftler Recht...



    Il Primo Omicidio overo Cain 1707
    Akademie für alte Musik Berlin / Jacobs
    Bernada Fink / Dorothea Rönschmann u.a.
    Ein Oratorium von unglaublicher Intensität!



    Motetten
    4 Motetten interpretiert von dem Counter Tenor Gérard Lesne und Véronique Gens / Il Seminario Musicale


    Seltsamerweise steht der Vater im Schatten des Sohnes, doch ist das wirklich gerechtfertigt?
    Domenico erreicht bei weitem nicht die Genialität seines Vaters.
    Seine Sonaten mögen virtuos sein, seine Messen sind ganz dem alten Stil verpflichtet, aber an die Qualität seines Vater reicht er nicht heran - das behaupte ich jetzt einfach mal so 8)

  • Vielen Dank für den Thread! Werde mich mal ein wenig damit beschäftigen. Ich bin immer für neue Anregungen dankbar. Ich hatte mich bislang noch nicht mit A. Scarlatti beschäftigt. D. Scarlattis Klaviersonaten find ich irgendwie etwas langweilig, wenngleich sie wohl virtuos sind.
    Gruß

    Günter

  • Zu Scarlatti möchte ich hier die Concerti grossi und Sinfonien von Fabio Biondi / Europa Galante (virgin 2002) hervorheben



    und sehr schön auch das Salve Regina, das es zusammen mit dem Stabat Mater von Vivaldi und andere Stücken in einer Aufnahme mit Jeanne Lamon / Ensemble Tafelmusik gibt; sehr schön auch IMO die Aufnahme mit Charles Dutoit (June Anderson und Cecilia Bartoli) zusammen mit Pergolesi Stabat Mater auf der CD.



    Ein schönes Pfingsten wünscht


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • eine weitere kleine Entdeckung:




    Humanità e Lucifero (1CD)
    L'Eorope Galante / Biondi


    Rossana Bertini (Sopran) : Humanità
    Massimo Crispi (Tenor): Lucifero


    diese Oratorium folgt ganz den römischen Ideal - ständiger Wechsel von Rezitativ und Arie. Das Werk entstand in den Jahren 1704 / 05 .
    Es ist wesentlich kürzer und gleicht eher einer großen Kantate.
    Scarlatti gibt den beiden einzigen Protagonisten auch spezielles Instrumentarium: so wird Humanità oft von der Blockflöte , Lucifero von der Trompete begleitet.


    Die musikalische Qualität erreicht zwar nicht ganz die Dramatik des "Cain - Il primo omicidio" doch hörenswert ist es allemal, allein deswegen weil die römischen Oratorien dieser Zeit nicht unbedingt so oft aufgenommen werden.


    Die Interpretation ist natürlich überdurchschnittlich gut, es gibt nichts zu kritisieren.


    Als Zusatz sind noch zwei Sonaten von Corelli aufgenommen worden - was durchaus nicht ungewöhnlich ist, da die beiden Komponisten engen Kontakt pflegten und Corelli oft die Orchesterleitung übernahm, man denke nur an Händels frühe Oratorien die er in Rom aufführen ließ.


    mittlerweile ist sogar eine doppel CD erschienen mit dem genannten Oratorium und einem weiteren "La Maddalena" (beide von Biondi) zu kleinen Preis:


  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Gestern haben wir folgende CD erhalten, die wir hier kurz vorstellen möchten;



    7 Concerti mit Flöte, Violinen, Viola und Basso continuo
    Camerata Köln von cpo


    Die Geige war das Hauptinstrument des italienischen Barock. Umso überraschender Alessandro Scarlattis augenfällige Liebe zur Flöte in seiner späten Kammermusik. Hat hier die verbürgte Begegnung des Komponisten mit dem Flötenvirtuosen Johann Joachim Quantz eine Rolle gespielt? Wie auch immer: Scarlattis von der Camerata Köln eingespielte sieben Sonaten (Konzerte) für Flöte, Streicher und Basso continuo erweisen sich als feine Kammermusik mit spritzigen Fugen und affektgeladenen Adagio- und Largo-Sätzen. Das Ensemble musiziert insgesamt lebendig und kompetent. Für zwei der sieben Konzerte wählte man einen Traverso, für die restlichen (historisch durchaus korrekt) eine Blockflöte. Leider ist Michael Schneiders Blockflötenspiel besonders in den langsamen Sätzen auffallend tonlich starr und unflexibel und wenig charmant. Ein deutlicher Wermutstropfen für eine ansonsten verdienstvolle Aufnahme, die wir nach einmaligem Anhören doch gerne weiter empfehlen möchten.


    Übrigens weist der cpo-Katalog noch eine weitere Aufnahme mit Flötenkonzerten auf.


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Das Ensemble Alessandro Stradella Consort wurde 1987 von Velardi gegründet. Über ein Dutzend Aufnahmen hat es inzwischen lanciert.
    Die hier vorgestellte Einspielung ist eine Ersteinspielung der Serenada „Il giardino d’amore“ und hat nur entfernt mit den intimen Serenaden der Klassik und der Romantik zu tun, die wir aus der Oper und als eigenständige Musikstücke kennen. Zwar sind beides nächtliche Huldigungsstücke – im Barock jedoch weniger an die Geliebte als vielmehr an eine hochgestellte Person gerichtet. Die Violine übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Das um 1705 entstandene Oratorium erzählt die Geschichte von Venus und Adonis. Wobei die Violine mit Trillerketten das Vogelgezwitscher imitiert.
    Eine Aufnahme voller Anmut und Emphase. Der ungekünstelte Sopran singt noch die ergänzenden Kantaten.



    Il giardino d'amore mit Estevan Velardi


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Gestern erneut gehört und wiederum angenehm gefallen daran gefunden.


    La Colpa il Pentimento la grazia



    Dieses zweiteilige Passionsoratorium aus dem Jahre 1708 ist eines seiner besten. Das Libretto stammte aus der Feder des ebenso einflussreichen wie feingebildeten römischen Kardinals und Kunstförderers Pietro Ottoboni ( 1667 - 1740 ) , in dessen Palast neben literarisch-musikalischen Treffen des römischen Geistesadels Konzerte, Theater- und Oratorienaufführungen an der Tagesordnung waren. Der Inhalt ist religiös mit Schuld, Reue und Gnade anstelle mythologischer Helden; der Gnade bleibt natürlich das letzte Wort und sie weist den Weg zum Erlöser. Musikalisch herrscht besonders in Teil 2 gar die Sprache der Oper vor. Nicht nur die Arie der Colpa, "Tormento è sempre", mit wiegendem Siciliano-Rhythmus könnte aus einer Händel-Oper stammen. Steffanis Melodik ist wirkungsvoll, wenn auch langatmiger und weniger kraftvoll als die des jugendlichen Händel, der drei Tage später "La Resurrezione" im benachbarten Palazzo Ruspoli aufgeführt hat. Eine verdienstvolle, aber nicht voll befriedigende Einspielung einer Rarität.


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Vielleicht zunächst mal zwei wirkliche Meisterwerke der großen Alessandro Scarlatti - neben den hier schon genannten:


    1. »La Giuditta«, Oratorium (Label: Ambronay), mit u.a. Céline Ricci, Adriana Fernandez, Martin Oro, Le Parlamente de Musique, Leitung: Martin Gester.


    Expressive, hochdramatische Musik, die unmittelbar affiziert und den Hörer in das dramatische Geschehen reißt. Die Charaktere sind vielschichtig gezeichnet und musikalisch entworfen. Dieses kurze, kaum 75 Minuten dauernde Oratorium ist ein wundervoller, schroffer Rohdiamant, ein Mikrokosmos dramatischer Handlungen und emotionaler Verwerfungen. Die Interpreten sind allesamt überragend, wobei Celine Ricci in der Titelrolle noch aus dem Ensemble heraussticht.



    2. »La Sanctissima Tinitia«, (Virgin Classics), mit u.a. Veronique Gens und Vivica Genaux, Europa Galante, Leitung: Fabio Biondi


    Wunderbares Oratorium auf ein Libretto von Kardinal Ottoboni, in dem sich Glaube, Unglaube, Theologie, Göttliche Liebe und Zeit über die heilige Dreifalzigkeit streiten und dabei ganz ehelich anzicken - das alles in eine Musik gesetzt, die zum schönsten gehört was ich je hörte. Wunderbar die Interpreten, darunter eine überwältigende Veronique Gens als »göttliche Liebe«. :angel: HIMMLISCH!!! :angel:


    Oh je, ich gerate wieder in Schwärmen...


    Grüße,
    Klawirr

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Vielleicht zunächst mal zwei wirkliche Meisterwerke


    Auch die oben erwähnten Concerti con Flauto sind wirkliche Meisterwerke! Wir haben vor zwei Jahren mit unserem Kammermusikkreis daraus die Sonata nona (Blockflöte, zwei Violinen, Basso continuo) einstudiert und aufgeführt. Nicht nur wir als (Hobby-) Musiker, sondern auch die Zuhörer waren von der Qualität dieser Musik tief beeindruckt. Die Fuge in der Sonata Nona ist nicht einfach nur "spritzig", sondern ein Meisterwerk des Kontrapunkts.


    Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Komponist kaum bekannt ist.


    Die Kritik an Michael Schneider kann ich übrigens nicht bestätigen.


    Viele Grüsse von Fugato

  • Zitat

    Original von Fugato


    Auch die oben erwähnten Concerti con Flauto sind wirkliche Meisterwerke!


    Hallo,
    recht hast Du - derowegen hatte ich den Nachsatz »neben den hier schon genannten« angefügt ;)


    Warum Alessandro Scarlatti, der ja nicht nur meisterhaft gesetzte und bezaubernde Musik geschrieben hat, sondern so rein musikhistorisch auch nicht ganz unbedeutend gewesen ist und manchen späteren Großen von Hasse bis Händel, wenn nicht geprägt, so doch beeinflußt hat, so wenig Beachtung findet, ist mir ganz unbegreiflich. Na, immerhin wächst die A.-Scarlatti-Diskographie in den letzten Jahren ja ganz erfreulich. Hoffentlich folgt auch die Gemeinde...


    Ich liebe übrigens auch seine Concerti Grossi (alle sechs, aber das in f-moll mit der wundervollen, bohrenden und zugleich traurigen Fuge ist mein Favorit), die Sinfonii di concerti grossi, die Flötenkonzerte, den »Sedecia«, die »Griselda«, die Johannespassion, die Oratorien »Colpa, Pertimento e Grazia«, »Il primo omicidio« und »Humanita e Luciferio« und die Kantaten - nur mit seinen Werken für Tasteninstrumente bin ich bisher noch nicht im Reinen - sind IMO etwas technizistisch und steril, oder?


    Grüße,
    Klawirr

  • Zitat

    Original von Klawirr
    nur mit seinen Werken für Tasteninstrumente bin ich bisher noch nicht im Reinen - sind IMO etwas technizistisch und steril, oder?


    Ich muss gestehen, dass ich von ihm bisher nur Kammermusik kennengelernt habe (bei cpo gibt es noch eine zweite CD mit Kammermusik) und einige Fugen für Cembalo. Da gibt es also noch Nachholbedarf - nur aufgrund der Fugen kann ich mir natürlich kein Urteil über seine Werke für Tasteninstrumente erlauben.

  • Zitat

    Original von Fugato


    Ich muss gestehen, dass ich von ihm bisher nur Kammermusik kennengelernt habe (bei cpo gibt es noch eine zweite CD mit Kammermusik) und einige Fugen für Cembalo. Da gibt es also noch Nachholbedarf - nur aufgrund der Fugen kann ich mir natürlich kein Urteil über seine Werke für Tasteninstrumente erlauben.


    Hallo Fugato,
    Ich habe mehrere Toccaten von A. Scarlatti gespielt, es war gräußlich. Hab das auf mein pianistisch-technisches Unvermögen geschoben und mir in späteren Jahren eine CD mit Toccaten (und einigen wenigen Fugen), gespielt von Rinaldo Alessandrini (Label ARCANA) gekauft, um den dunkllen Fleck in meiner Scarlatti-Verehrung etwas zu bleichen. Hat aber leider meinen Eindruck bestätigt. Die Sachen sind hochvirtuos, technisch ungeheuer anspruchsvoll - aber irgendiwe kalt und steril. Echt Hardcore ist die Toccata per cembalo d'ottava stesa in d-moll aus dem Jahr 1723 - also ein Spätwerk. Es ist ein nahezu 20minütiges Monstrum mit infernalischen Läufen und Akkordkaskaden - klingt absolut unspielbar (zumindest für mich). Absolut beeindruckend - aber nicht bewegend. Danach ist man jedenfalls echt fertig und braucht was anderes von ihm, beispielsweise die Kammermusik.


    :hello:


    Klawirr

  • Hallo,


    die italienische Barockmusik ist mir häufig zu banal, zu sehr auf Äußerlichkeiten angelegt. Es ist zwar schöne Musik, aber mir fehlen da oft tiefgehende Momente - ein Thema, welches wir schon mehrfach im Forum behandelt haben. Wie dem auch sei, eine wohltuende Ausnahme sind da für mich die Vokalwerke - egal ob Opern oder Oratorien - von Alessandro Scarlatti.


    Sie sind alles andere als langweilig, alles andere als wenig einfallsreich instrumentiert. Zwei Werke, die das auf´s Beste belegen sind diese:



    Il Martirio di Sant'Orsola


    Stephanie Revidat, Marina Venant, Jean-Paul Bonnevalle, Francois Roche,
    Le Concert de L'Hostel Dieu,
    Franck-Emmanuel Comte





    Sedecia, Re di Gerusalemme


    Lesne, Jaroussky, Pochon, Padmore,
    Il Seminario Musicale,
    Gerard Lesne



    Beim erstgenannten Oratorium könnte ich mir zwar eine bessere Sängerbesetzung vorstellen - beispielsweise sind die Koloraturen des Altus Jean-Paul Bonnevalle recht buchstabiert - , aber schlecht ist die Aufnahme beileibe nicht. Gar nichts auszussetzen gibt´s dagegen beim Sedecia. Was für eine tolle Aufnahme eines grandiosen Werkes!



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von salisburgensis
    Hallo,


    die italienische Barockmusik ist mir häufig zu banal, zu sehr auf Äußerlichkeiten angelegt. Es ist zwar schöne Musik, aber mir fehlen da oft tiefgehende Momente - ein Thema, welches wir schon mehrfach im Forum behandelt haben. Wie dem auch sei, eine wohltuende Ausnahme sind da für mich die Vokalwerke - egal ob Opern oder Oratorien - von Alessandro Scarlatti.


    Hallo Thomas,


    nicht nur die Vokalwerke ist eine wohltuende Ausnahme, sondern auch die Instrumentalwerke! Die bereits von mir genannten Concerti con Flauto kann ich Dir da sehr empfehlen.


    :hello: Andreas

  • Zitat

    Original von Fugato
    Hallo Thomas,


    nicht nur die Vokalwerke ist eine wohltuende Ausnahme, sondern auch die Instrumentalwerke! Die bereits von mir genannten Concerti con Flauto kann ich Dir da sehr empfehlen.


    :hello: Andreas


    Servus Andreas,


    ausgerechnet diese Flötenkonzerte (Aufnahme der mit der Camerata Köln) fand ich nun nicht so prickelnd... :untertauch:
    Aber ich werd´s gleich mal überprüfen, ob das immernoch so ist.


    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -


  • Hallo Thomas,
    ganz Deiner Meinung!! Der »Sedecia« ist exorbitant - das Werk und die Interpretation. :jubel: :jubel: :jubel:
    Deine Einschätzung des Martyriums der heiligen Ursula teile ich auch - allerdings ist es mir recht leicht gefallen über die stimm-technischen Unzulänglichkeiten der Sänger hinwegzusehen - ist halt Alessandro Scarlatti, da bin ich immer dankbar, wenn man überhaupt ein weiteres seiner Werke zu Gehör bekommt...
    Übrigens finde ich auch, daß seine 6 Concerti Grossi alles andere als »banal und auf Äußerlichkeit« angelegt sind....
    Herzlichst,
    Medard

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Deine Einschätzung des Martyriums der heiligen Ursula teile ich auch - allerdings ist es mir recht leicht gefallen über die stimm-technischen Unzulänglichkeiten der Sänger hinwegzusehen ...


    Servus Medard,
    zwei Stücke von dieser CD, die ich besonders toll finde: das ist zum einen die Arie Sù vibratemi in Chaconne-Form - was kein Wunder ist, denn ich liebe Ostinati sehr - und zum anderen der Schlußchor, der ja gar nicht aus dem Oratorium stammt, sondern aus einer Messe von Scarlatti. Dieser traurige Chor schließt die Handlung meines Erachtens wunderbar ab und macht das Stück erst "rund".


    Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass bei diesem Stück die Schwächen der Sänger mit jedem mal Anhören mehr in den Hintergrund rücken. Beim ersten Mal war ich noch kurz davor, die CD wieder aus dem player zu entfernen, aber inzwischen stört mich das kaum noch. Man hört einfach darüber hinweg.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Die wesentlichen Instrumentalwerke von Alessandro Scarlatti kann man sich mit folgenden CDs ziemlich komplett zulegen (viel mehr ist nicht erhalten geblieben):




    Mit ihnen hat man keine Überschneidungen und grundsätzlich gute Interpretationen.
    Die SACD von Ottavio Dantone "Il Giardino di Rose" ist z.Zt. bei jpc zum Sonderpreis erhältlich - er hat die 6 Cembalokonzerte nach den in England aufgefundenen Cembalopartien rekonstruiert - etwas spekulativ, aber wunderschöne Musik, abwechselnd mit Sinfonias zu Opern und Oratorien dargeboten.
    Die Aufnahme der Concerti Grossi auf der ersten CD ist allen anderen mir bekannten Aufnahmen (Biondi incl.) überlegen.


    Für einen Cembalofreak wie mich sind seine Toccaten natürlich ein Leckerbissen, und Rinaldo Alessandrinis CD auf Arcana ein Highlight. Der seelige J.S. Bach hätte seine helle Freude daran gehabt und hat in seiner Sturm und Drang Zeit ähnliches fabriziert, aber nicht so elaborierte Passagen gewagt. Ich denke, man hat entweder einen Draht zu sowas oder eben nicht ... Alessandrinis Aufnahme ist auch wegen des italienischen Originalcembalo aus dem Besitz des WDR ein Juwel. Andrea Marcon fällt im Vergleich (auch aufnahmetechnisch) etwas ab. Die Stücke sind halt sehr extravagant, der alte Komponist hatte nichts mehr zu beweisen oder verlieren und diese Stücke aus reinem musikalischen Explorationsdrang geschrieben. Und man kann nachvollziehen, wo der junge Domenico es her hat ...

  • Zitat

    Original von Klawirr
    ... Echt Hardcore ist die Toccata per cembalo d'ottava stesa in d-moll aus dem Jahr 1723 - also ein Spätwerk. Es ist ein nahezu 20minütiges Monstrum mit infernalischen Läufen und Akkordkaskaden - klingt absolut unspielbar (zumindest für mich). Absolut beeindruckend - aber nicht bewegend. Danach ist man jedenfalls echt fertig und braucht was anderes von ihm, beispielsweise die Kammermusik.


    Naja, dass war eben Musik von und für Virtuosen und Spezialisten reinsten Wassers, nicht für "Kenner und Liebhaber" - was Du ja zugibst, aber es dann trotzdem "unspielbar" zu nennen, bleibt für mich etwas widersprüchlich.
    Irgendeinen gibt es immer, der es spielen kann - das Wort sollte meiner Meinung nach ersatzlos aus dem Wörterbuch der Musik gestrichen werden. Alessandrini und andere haben es doch gut hinbekommen ... der Kommentar zur Arcana CD stellt ja klar, dass es hier nicht um Massenbelustigung ging. Alessandro Scarlatti musste sich oft den Vorwurf anhören, er würde zu gelehrt schreiben.

  • Zitat

    Original von miguel54


    Naja, dass war eben Musik von und für Virtuosen und Spezialisten reinsten Wassers, nicht für "Kenner und Liebhaber" - was Du ja zugibst, aber es dann trotzdem "unspielbar" zu nennen, bleibt für mich etwas widersprüchlich.


    Wieso? Ich glaube, Du hast mich mißverstanden, bzw. ich habe mich mißverständlich ausgedrückt: die besagte Toccata klingt so, als sei sie für mich unspielbar - und das ist sie auch.


    Zitat

    Irgendeinen gibt es immer, der es spielen kann -


    KLar, sonst hätte ich mir die CD mit dem Stückl ja auch nicht kaufen und erst recht nicht anhören können. Daß irgendeiner es spielen kann, ändert an der obigen Feststellung aber gar nix.


    Zitat

    das Wort sollte meiner Meinung nach ersatzlos aus dem Wörterbuch der Musik gestrichen werden. Alessandrini und andere haben es doch gut hinbekommen ... der Kommentar zur Arcana CD stellt ja klar, dass es hier nicht um Massenbelustigung ging. Alessandro Scarlatti musste sich oft den Vorwurf anhören, er würde zu gelehrt schreiben.


    Zu gelehrt finde ich ihn für gewöhnlich gar nicht (habe ich in diesem Thread - oder irgendwo anders im Forum - glaube ich auch schon geschrieben). Seine Cembalo-Werke sind mir dennoch schwer verdaulich - aber auch nicht weil sie zu »gelehrt« wären. Sie greifen mich schlicht nicht recht an, häufig sondern nerven sich mich nach einiger Zeit.
    Da bleibe ich lieber bei Scarlattis sicherlich zur Massenbelustigung komponierten Concerti grossi, Oratorien, Opern (leider sind solche ja kaum zu hören), Kantaten usw. - und höre die Cembalo-Toccaten nur hin und wieder in kleinen Portionen (vielleicht gibt's heute Abend mal wieder ein Portiönschen). Sie zu spielen, versuche ich aber erst gar nicht mehr...


    Viele Grüße,
    Medard

  • Zitat

    Original von Klawirr
    ... bzw. ich habe mich mißverständlich ausgedrückt: die besagte Toccata klingt so, als sei sie für mich unspielbar - und das ist sie auch.


    Genau das meinte ich. Ich will nicht kleinlich sein, aber es macht doch einen Unterschied, on Du gleich "für mich unspielbar" schreibst, oder unspielbar, und "für Dich" in Klammern dahinter.
    Aber nichts für ungut.
    Mit Grüßen
    Miguel

  • Zitat

    Original von Klawirr
    Echt Hardcore ist die Toccata per cembalo d'ottava stesa in d-moll aus dem Jahr 1723 - also ein Spätwerk. Es ist ein nahezu 20minütiges Monstrum mit infernalischen Läufen und Akkordkaskaden - klingt absolut unspielbar (zumindest für mich).


    Da gibt es zwei Stellen, die auch bei Profis den Ruf der (Nahezu-)Unspielbarkeit haben. Ob immer exakt der Notentext gespielt wird?
    Übrigens sind die anderen Clavierwerke Alessandros (allesamt Spätwerke) kaum einfacher. Vielleicht war Domenico davon so traumatisiert, dass er sich der kurzen, folkloristisch gefärbten Form zuwandte. :D


    Zitat

    Absolut beeindruckend - aber nicht bewegend.


    Immerhin haben die Stücke damals in ganz Europa Furore gemacht. Die Auseinandersetzung mit der Form – Zwei- und Dreisätzigkeit – taucht fast zur selben Zeit bei Bach auf – übrigens auch ein paar Motive und Thementeile Scarlattis. Und auch der Rückgriff auf ältere Formen (Ricercar) geschieht in Neapel und Leipzig kurz hintereinander.

  • Zitat

    Original von miguel54
    Die wesentlichen Instrumentalwerke von Alessandro Scarlatti kann man sich mit folgenden CDs ziemlich komplett zulegen (viel mehr ist nicht erhalten geblieben):




    Erhalten geblieben sind allerdings noch die 12 Sinfonie di concerto grosso (1715). Dies sind nicht die auf der von Miguel gezeigten »Il Giardino di Rose«-CD enthaltenen Werke (dort sind Sinfonie verschiedener Oratorien Scarlattis eingespielt).


    Bei den 12 Sinfonie di concerto grosso handelt es sich um wundervoll geistvolle und abwechslungsreiche Werke, weniger streng als 6 Concerti grossi für Streicher, farbiger im Klangbild. In den Sinfonie di concerto grosso treten nämlich im Concertino zu den Streicher verschiedene Holzblasinstrumente (meist Traversflöten) hinzu.


    Aktuell ist - soweit ich das sehe - keine Gesamteinspielung dieser Werkgruppe auf dem Markt. Eingespielt finden sich auf verschiedenen Scheiben die Nummern 7-12, etwa im Rahmen dieser Brillant-Veröffentlichung:



    Gespielt werden die Sinfonie hier vom Emsemble La Magnifica Comunita unter der Leitung von Enrico Casazza - IMO eine sehr farbige und überzeugende Interpretation.


    Die auf der 2. CD dieser Brilliant-Veröffentlichung enthaltenen Einspielungen von 9 Flötenkonzerten durch das Ensemble Modo Antiquo sind dagegen eher uninspiriert. Naja, der Preis rechtfertigt die Anschaffung IMO aber auch allein für die CD mit den Sinfonie.


    Ich besitze auch noch eine ältere Einspielung aller 12 Werke mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester unter der Leitung von Räto Tschupp auf Vinyl (Label: Thorofon), die mir früher eigentlich immer recht gut gefallen hat. Habe ich aber lange nicht mehr gehört und sie entspricht sicherlich kaum den heutigen HIP-Standarts. Soweit ich das sehe, ist diese Einspielung auch nie auf CD veröffentlich worden.


    Viele Grüße,
    Medard


  • Stimmt! Die Concert Grossi auf der anderen CD von Dantone sind die sechs 1740 in London publizierten Concerti Grossi. Da habe ich nicht genau genug nachgelesen, als ich die CD von Casazza et al. bei Brilliant kaufte - und erst einmal gehört habe.


    Da hoffe ich auf eine Gesamtaufnahme von Dantone ....


    Gibt es denn ein brauchbares Verzeichnis der Instrumentalwerke Alessandro Scarlattis? In Donald Grout's Werkverzeichnis am Ende seines Artikels im New Grove kann ich z.B. die von Dantone und Mauro Valli eingespielten 3 Cellosonaten nicht finden.

  • Zitat

    Original von miguel54
    Gibt es denn ein brauchbares Verzeichnis der Instrumentalwerke Alessandro Scarlattis? In Donald Grout's Werkverzeichnis am Ende seines Artikels im New Grove kann ich z.B. die von Dantone und Mauro Valli eingespielten 3 Cellosonaten nicht finden.


    Hm, es gibt ein verhältnismäßig ausführliches Werkverzeichnis auf der italienischen Wikipediaseite ("http://it.wikipedia.org/wiki/Alessandro_Scarlatti"). Wirklich »brauchbar« ist das allerdings auch nicht, da – wie so oft bei Wikipedia – nicht angegeben wird, auf welchen Quellen es beruht. Jedenfalls hat sich da jemand nicht darauf beschränkt, die Schallplatten- und Notenkataloge abzugrasen, wie es beim Scarlatti-Werkverzeichnis unter Klassika der Fall zu sein scheint. Dennoch: es fehlen sämtliche Oratorien und die 1740 veröffentlichten 6 Concerti grossi... :wacky:


    Ob es auch irgendetwas wirklich mehr oder minder »wissenschaftlich« gesichertes gibt? Keine Ahnung!


    Viele Grüße,
    Medard

  • Das Verzeichnis im New Grove ist immerhin neuer als das Buch von Edward J. Dent (1962). Nun denn .....


    Danke für den Hinweis.

  • Hallo zusammen,


    ich hoffe, ich bin in diesem Thread richtig mit meiner Frage:


    Ich bin auf der Suche nach einer guten -ehrlich gesagt, ueberhaupt mal nach einer-, moeglichst vollstaendigen Einspielung von Scarlattis Telemaco, einer von mir sehr hochgeschaetzten Oper, die ich sehr gern in meine CD-Sammlung aufnaehme.


    Habe ich bislang nur an den falschen Stellen / bei den falschen Haendlern geschaut oder ist es wirklich so schwer, sie zu finden?


    Fuer sachdienliche Hinweise waere ich aeusserst dankbar :)


    Liebe Gruesse von
    epiphaneia

    In the beginning the universe was created. This has made a lot of people very
    angry and is generally considered to have been a bad move. (Douglas Adams)

  • Servus,
    soviel ich weiß, gibt's davon keine Aufnahme.


    Allerdings kursieren im www Radiomitschnitte von der Schwetzinger Aufführung dieses Stück von 2005 mit Hengelbrock und seinem Balthasar Neumann Ensemble.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Gruezi Thomas,


    Zitat


    Servus,
    soviel ich weiß, gibt's davon keine Aufnahme.
    Allerdings kursieren im www Radiomitschnitte von der Schwetzinger Aufführung dieses Stück von 2005 mit Hengelbrock und seinem Balthasar Neumann Ensemble.
    herzliche Grüße,
    Thomas


    vielen Dank fuer die Information, dann war ich doch nicht nur blind. Die Schwetzinger Aufnahme hab ich, aus Schwetzingen kenn ich den Telemaco ja auch, aber bislang hatte ich das ungute Gefuehl, eine Art "Raubkopie" zu haben und haette gern jemandem Geld fuer eine CD (-Box) gegeben.


    Tip fuer Scarlatti-Begeisterte in NRW: Am 12.05. (es gibt noch weitere Termine) wird der Telemaco in der Schwetzinger Fassung in der Duesseldorfer Rheinoper gegeben. Das Orchester unter Herrn Stoehr spielt diese tolle Oper aeusserst kompetent, leider habe ich ihn nicht zu einer CD-Aufnahme ueberreden koennen :no:


    Beste Gruesse aus dem Ruhrgebiet
    epiphaneia

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  • Für Interessierte im Frankfurter Raum ein Hinweis auf die Barocknacht an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst:



    Quelle und Hinweise zur Kartenbestellung: http://www.hfmdk-frankfurt.de/kalender.php


    Michael Schneider leitet die Abteilung für historische Interpretationspraxis an der HfMDK Frankfurt - da werden einige Mitglieder der Camerata Köln u.a. mitspielen.