Richard Strauss und seine Lieder

  • Richard Strauss und seine Lieder
    Den Komponisten Richard Strauss muss man in diesem Forum nicht vorstellen; seine Opern und Sinfonien sind einem breiten Publikum bekannt.


    Richard Strauss (1864-1949) hat mehr als 200 Lieder komponiert. Bereits im Alter von 21 Jahren wurde Strauss mit Liedern nach Texten von Hermann von Gilm als Liedkomponist bekannt; seine fruchtbarste Phase in diesem Genre waren die Jahre 1885-1900.
    Mitunter wird bekrittelt, dass Strauss nur Texte von Dichtern aus „der zweiten Reihe“ vertont hat, aber Strauss war der Ansicht, dass Goethes Worte der Töne nicht bedurften …
    Sein „Ständchen“ erreichte eine heute kaum noch vorstellbare Popularität; solche Lieder mit Brillanz wurden von großen Sängerpersönlichkeiten gerne gesungen.


    Sucht man heutzutage nach Strauss-Liedern, dann wird es eher dürftig. Sowohl bei Programmen von Liederabenden als auch im CD-Handel.


    Einzig „Vier letzte Lieder“ – die auch hier im Forum (seit 2005) einen eigenen Thread haben – sind breit gestreut und man kann unter einer großen Zahl Interpreten – in der Regel Interpretinnen – auswählen.


    Außer den Aufnahmen von „Vier letzte Lieder“ sind CD´s mit anderen Strauss-Liedern eher Mangelware.
    Aus den Veröffentlichungen der letzten Jahre kenne ich von Sängern lediglich sechs CD´s, die nur Strauss-Lieder zum Inhalt haben:
    Gösta Winbergh
    / Friedrich Haider
    Simon Keenlyside
    / Malcolm Martineau
    Jonas Kaufmann / Helmut Deutsch
    Konrad Jarnot
    / Helmut Deutsch
    Arnold Bezuyen
    / Hans Eijsackers
    Hidenori Komatsu
    / Cord Garben


    Aus früherer Zeit:
    Dietrich Fischer-Dieskau
    / Gerald Moore
    Hermann Prey
    / Wolfgang Sawallisch
    Theo Adam
    / Norman Shetler
    Daneben gibt es natürlich eine Menge einzelner Strauss-Liedaufnahmen, denn fast jeder Interpret hat in seinen Konzerten Strauss-Lieder gesungen – und Interpretinnen sowieso.


    Schubert und Schumann in allen Ehren, aber man sollte die wunderschönen Lieder von Richard Strauss nicht vergessen! Es hat Kostbarkeiten darunter …


    Ich bitte darum, dass zu diesem Themenbereich etwas gesagt wird. Sei es der Hinweis auf bestimmte Aufnahmen oder der Nennung von „Lieblingsliedern“ mit entsprechender Begründung.
    Und natürlich auch Beiträge, die vielleicht aussagen, dass der Schreibende bis dato mit Strauss-Liedern aus irgendeinem Grunde nicht klar kommt.

  • Sei es der Hinweis auf bestimmte Aufnahmen


    Da kann ich ein Bildchen posten:

    Ich habe mir die CD zwar wegen Schönberg zugelegt, habe aber auch gegen das Strauss-Singen der Dame nichts einzuwenden (oder gegen ihren feinfühligen Begleiter).
    :)

  • Natürlich ist gegen das Strauss-Singen der Damen überhaupt nichts einzuwenden! Schließlich war die Ehefrau (Pauline de Ahna) von Richard Strauss eine bedeutende Sängerin, der auch einige Lieder ganz persönlich gewidmet wurden. Zum Beispiel Lieder wie: Ruhe meine Seele / Cäcilie / Heimliche Aufforderung / Morgen


    Das "Wiegenlied" höre ich absolut bevorzugt von einer Frauenstimme gesungen. Die "Drei Tenöre" haben sich auch mal daran versucht, na ja ... muss man nicht haben ...


    Wiegenlied op. 41 Text Richard Dehmel

    Träume, träume, du mein süßes Leben,
    Von dem Himmel, der die Blumen bringt.
    Blüten schimmern da, die leben.
    Von dem Lied, das deine Mutter singt.

    Träume, träume, Knospe meiner Sorgen,
    Von dem Tage, da die Blume sproß;
    Von dem hellen Blütenmorgen,
    Da dein Seelchen sich der Welt erschloß.


    Träume, träume, Blüte meiner Liebe,
    Von der stillen, von der heilgen Nacht,
    Da die Blume seiner Liebe
    Diese Welt zum Himmel mir gemacht.


  • von den noch aktiven Sängern sei doch noch Thomas Hampson genannt, der komplette CD`s mit Strauss-Liedern eingespielt hat.


    Außerdem möchte ich die Strauss-Liebhaber auf eine Aufnahme mit Margret Price und Wolfgang Sawallisch hinweisen !


    Ebenso gibt es viele Aufnahmen mit Orchesterliedern, bei den Damen meisstens mit den "Vier letzten Liedern" gekoppelt, aber auch von Wunderlich ect.

  • Lieber Gunter Hämel,
    von dieser Hampson-CD mit Strauss-Liedern habe ich schon mal gehört, aber zu kaufen gibts die anscheinend nirgendwo ...

  • Meine CD mit Thomas Hampson ist bei Teldec erschienen:


    The Thomas Hampson Collection, Vol. 1 Mahler Lieder, Nr. 4509-98822-2


    Ob sie noch im Handel ist, weiss ich nicht ?

  • Die Orchesterlieder habe ich mir mal vor einer ganzen Weile als Box zugelegt, um einen Überblick zu haben:

    Es mag im Einzelfall bessere Einspielungen geben, aber für einen Überblick leistet mir die Box hervorragende Dienste!

  • Hallo, zusammen,


    ich bin neu hier, und grüße alle herzlich. Dies ist mein erster Beitrag, und ich hoffe, dass ich alles richtig mache.


    Die Lieder von Richard Strauß mag ich sehr, und zwar vor allem von Fischer- Dieskau gesungen. Mit ihm und Gerald Moor besitze ich noch einige uralte 45er Schallplatten, die schon ziemlich abgespielt sind. Aber ab und zu werden sie sogar noch aufgelegt.


    Aus dem Jahr 1984 habe ich eine Kassette mit 2 CDs, auf denen er von Wolfgang Sawallisch begleitet wird. Diese Aufnahmen sind für mich der 'Maßstab' für Strausslieder. so wie es die Vier letzten Lieder von Elisabeth Schwarzkopf gesungen sind.


    Ich gebe jetzt gleich zu, dass mein Musikverständnis sehr konservativ ist :)


    Gruß Helene

  • Du kannst, liebe Helene (oder nele?), nach Deinem ersten Beitrag hier im Forum gleich weitermachen.


    Was heißt denn: "Mein Musikverständnis ist sehr konservativ"?


    Bezieht sich das auf die Komponisten, deren Lieder Du hörst? Oder vielleicht auf die Sänger und die ganz spezifische Art, wie sie Lieder interpretieren?


    Mindestens mich würde das sehr interessieren.


    Man könnte hier ja mal darüber diskutieren, ob Richard Strauss im Vergleich zu seinen Zeitgenossen ein konservativer Liedkomponist ist. Auf diese Idee hat mich Dein erster Beitrag hier eben gebracht.


    Übrigens: Die Aufnahme der "Vier letzten Lieder" mit Elisabeth Schwarzkopf ist für mich auch das Nonplusultra. Sie hat damals nicht ohne Grund einen "Grand Prix du Disque" bekommen. Was aber fasziniert Dich denn so an den Liedern selbst?

  • Hallo, Helene,


    Dein Beitrag steht hier auf dem Bildschirm, also hast Du alles richtig gemacht ("Strauß" ist ja nur ein Tippfehler)
    Ja, soweit sind wir inzwischen, dass "konservativ" fast zu einem Schimpfwort geworden ist ... da braucht man sich doch nicht zu entschuldigen, wenn man das Gute festhält!
    Dennoch hat sich seit 1984 einiges getan und manche CD´s sind heute so preisgünstig zu bekommen, dass man auch den nachkommenden Künstlern Gehör schenken sollte.
    Meine eingangs erstellte Auflistung kann diesbezüglich Hilfestellung geben.

  • Ich komme da nicht ganz mit!


    Bezieht sich die Feststellung von hart, die mit einem emphatischen "Ja" eingeleitet wird, etwa auf meine Frage, ob Strauss als konservativer Lied-Komponist gesehen werden kann?


    Wer hat denn gesagt, dass das Wort "konservativ" "fast zu einem Schimpfwort geworden" sei? Ich stufe mich selbst als einen konservativen Menschen ein und würde mich hüten, diesen Begriff zu disqualifizieren


    Das war eine völlig neutrale Frage. Eine Frage übrigens, die als Anregung gemeint war, hier in diesem Thread mal ein wenig über Richard Strauss als Liedkomponisten nachzudenken.


    Mir ist unbegreiflich, wie man eine solche Anregung so verstehen und auslegen kann, wie hart das anscheinend tut.


    Ist man als Mensch, der zum kritischen Nachdenken über Musik anregt, hier schon verdächtig?


    Es sieht so aus, als hätte ich einen Fehler gemacht, als ich meinte, zu diesem Thread einen Beitrag leisten zu können.




    Übrigens, liebe Helene, als mir einfiel, dass ich vergessen hatte, Dich hier zu begrüßen, - war ich doch der erste, der hier auf Deinen Beitrag reagierte - ,da war das Antwortsymbol unten nicht zu sehen.


    Wollte sagen: Ich hatte das nicht wirklich vergessen!

  • Danke, für euere freundlichen Antworten.


    Mit dem Zitieren komme ich noch nicht zurecht, deshalb lasse ich es erst noch sein.


    Mit Konservativ meine ich: für mich verständlich, und das sowohl in Bezug auf Komponisten, wie auch auf die Interpretation. Z.B. kann ich mit der sog, modernen Musik gar nichts anfangen, und die heute üblichen modernen Inszenierungen klassischer Werke irritieren mich.


    Zu den Liedern von Strauss kam ich auf dem Umweg über Fischer-Dieskau. Durch dessen Schubert- und Schumanneinspielungen wollte ich noch mehr Lieder kennenlernen, und fand dabei zu Strauß und Hugo Wolf, und inzwischen auch zu Gustav Mahler.

  • "Ich komm da nicht ganz mit" :(


    Das kann ich gut verstehen ... meine Antwort sollte nicht Dir gelten, sondern unserem neuen Mitglied, da hattest Du Dich mit deinem Beitrag dazwischen geschoben, ich habe mit der neuen Technik hier auch noch einige Schwierigkeiten. Auf Deinen Beitrag hatte ich eine Antwort erstellt und plötzlich war mein Text im Nirwana verschwunden ...
    Also versuche ich es nochmal:

    Man könnte hier ja mal darüber diskutieren, ob Richard Strauss im Vergleich zu seinen Zeitgenossen ein konservativer Liedkomponist ist. Auf diese Idee hat mich Dein erster Beitrag hier eben gebracht. (das war eigentlich für Helene gedacht, aber ich fühlte mich auch angesprochen)
    Darauf wollte ich eigentlich ganz unaufgeregt antworten. Wollen wir jetzt hier alle Zeitgenossen aufmarschieren lassen? Mahler, Schönberg, Stravinsky, Berg ...
    Der Begriff "konservativ" ist natürlich relativ ... Wenn wir zum Beispiel die Liedkomponisten Mahler und Strauss vergleichen, können wir deutliche Unterschiede herausarbeiten.
    Bei Mahlers oft wunderschönen Liedern kommt nicht groß "Freude" auf, bei Strauss sieht das etwas anders aus, obwohl auch Richard Strauss Nachdenkliches im Programm hat ("Befreit", zum Beispiel). Bei Strauss - so meine Einschätzung - begegnen sich Tradition und Moderne. Verglichen mit Mahler, scheint mir Strauss weit konservativer.


    Es waren auch gänzlich unterschiedliche Lebensläufe der beiden - und das glaube ich auch herauszuhören. Das Leid und das Großbürgerliche ...
    Eigentlich sind es etwa nur zwei Dutzend Strauss-Lieder, die ich wirklich gut kenne, aber die sind mir ans Herz gewachsen! Deshalb habe ich diesen Thread hier begonnen.

  • Da ist wohl wirklich etwas schief gelaufen, - unter dem Gesichtspunkt "Überschneidungen".


    Nehmen wir´s positiv.


    Unser neues Mitglied nele hat gleich einen recht guten Eindruck davon bekommen, wie lebhaft es hier im Forum zugeht. Da will einer einfach nur mal eine Frage stellen, damit er hier in einen Dialog eintreten kann, und glaubt dann, der andere wittere darin gleich eine Infragestellung des Konservativismus, sowohl als Lebenshaltung als auch - möglicherweise - als kompositorische Grundeinstellung, nur, weil er nicht weiß, dass der seinen Beitrag noch gar nicht gelesen hat.. Lustig, nicht wahr?


    Dabei wollte ich nele wirklich nur ganz einfach nur ermuntern, sofort hier voll einzusteigen. Es war ein indirektes Willkommen und Ausdruck der Freude darüber, dass wir hier in neues Mitglied haben.


    Es ist wirklich was los, hier im Forum. Verschiedentlicher Ärger eingeschlossen!

  • Man muss ja nicht immer dem Liedkomponisten auf die Finger schauen und seine Lieder anbohren, um zu schauen, wie es zwischen den Notenrippen aussieht. Man kann auch einfach mal eine Geschichte erzählen.


    Meine Strauss-Geschichte geht so.


    Vor langer Zeit war ich einmal das, was man heute einen Strauss-Fan nennen würde. Ich war süchtig nach seinen Liedern. Mit einem alten Tonbandgerät vom Flohmarkt, auf dem das Klavier schrecklich eierte, schnorrte ich überall Strauss-Lieder zusammen, wo ich sie kriegen konnte.


    Als das die EMI- Kassette "Richard Strauss. Das Liedschaffen" mit Fischer-Dieskau und G. Moore erschien, kaufte ich die natürlich sofort und hörte mich von vorne bis hinten durch.


    Und dann war´s mit einem Mal vorbei. Ich wollte keine Strauss-Lieder mehr hören. Natürlich fragte ich mich sofort, an wem das liegen mag: An Richard Strauss oder an mir. Auffällig war, dass es mir bei den Schubert-Kassetten nicht genauso gegangen war. Also sprach einiges dafür, dass es an der Eigenart des Straussschen Liedes liegen könnte.


    Natürlich begann ich jetzt mit meiner Leidenschaft: dem analytischen Hören und dem Blick in die Noten. In meinem Verdacht bestärkten mich einige Bemerkungen von Fischer-Dieskau, etwa dieser Art: Seine Fertigkeit des Illustrierens hat er an Liszts und Wagners Partituren geschult. "Alles, was sich im Inhalt (eines Liedes) bildsam zeigt, pinselt der Tonmaler Strauss in detaillierten Strichen aus." Aber das musste ja nicht unbedingt als ein negatives Urteil gelesen werden.


    Ich wurde nicht schlauer. Eines sprach aber dann gegen meinen Verdacht, dass an Straussens Liedern etwas sein könne, woran man sich übersättigen kann: Ein Erlebnis in dieser Sache vor einem Jahr.


    Ich habe damals nämlich - nur so ganz vorsichtig und als Test - eine Platte aus der alten Kassette wieder herausgeholt und aufgelegt. Und siehe: Der Klangzauberer Strauss hatte mich mit seinen verführerischen Melodien wieder voll am Wickel.


    Ich ahne aber: Ich sollte nicht zu viel und nicht zu lange seinen Liedern lauschen!

  • Ja, lieber Helmut, das hab´ ich mir fast so gedacht ...


    Über Schubertlieder muss ich hier ja kein Referat halten ...
    Aber bei aller Schönheit Schubertscher Liedkomposition brauche ich zum "Durchatmen" auch mal meinen Strauss und seine ganz entzückenden (diesen Begriff würde ich zu Schubertliedern nicht verwenden) Lieder!
    Um Beispiele zu nennen: "Heimliche Aufforderung" / "Zueignung" / "Breit über mein Haupt" / "Die Georgine"
    In diesen Liedern kommt die gänzlich andere Lebensart des Großbürgers Strauss - wenn man das mit der Vita von Schubert vergleicht - wunderbar brillant zum Ausdruck. Und jeder Opernsänger kann so etwas mit voller Brust singen, ich denke da beispielsweise an Gösta Winbergh, Ben Heppner u.a.
    Aber das ist ja schliesslich nur eine Seite der Liedkompositionen von Richard Strauss. "Die Nacht" / "Traum durch die Dämmerung" / "Ruhe meine Seele" / "Befreit" sind von einer etwas anderen Machart, zumindest empfinde ich es so - dass dies subjektiv ist, braucht man eigentlich nicht anfügen ...


    In meinem sommerlichen Bergurlaub kam ich mal wieder an der Villa von Strauss vorbei und machte mir so meine Gedanken, wie das wohl war, als er da drinnen mit Hans Hotter u.a. einen kräftigen Skat gedroschen hat ... und dann wurden so zwischendurch auch mal ein paar Lieder komponiert.


    Jeder hat eben eine andere Sicht auf die Dinge des Lebens, aber ich glaube das ist gut so, sonst wäre es vielleicht zu eintönig, wenn alle hier im Forum der gleichen Meinung wären.

  • Richard Strauss gehört ohne Zweifel zu den bedeutenden Liedkomponisten. Das nicht nur deshalb, weil er ein Werk von über 150 Liedern hinterlassen hat, sondern auch, weil dieses Werk einen großen Reichtum an vielfältigen Formen aufweist.


    Wenn man Strauss als Liedkomponisten gerecht werden will, dann darf man ihn nicht an der von Schubert und Schumann geprägten Tradition des intimen Sololieds messen. Daran wollte er nicht anknüpfen: Er wollte das Lied für den Konzertsaal. Strauss ist der eigentliche Schöpfer des Podiumsliedes, das auf effektvolle musikalische Mittel setzt, die den Beifall des Publikums herausfordern.


    Viele seiner Lieder atmen einen leicht theatralischen Geist. Sie beeindrucken durch eine enge Verschmelzung von Singstimme und Klaviersatz, durch bestrickende Sinnlichkeit, Reichtum an Melismen und eine außergewöhnliche Tonmalerei.


    Ich möchte auf eine Gruppe von Liedern aufmerksam machen, die nicht so bekannt sind, aber die Genialität des Komponisten Strauss vielleicht besser zeigen als die bekannten "Ohrwürmer". Es sind die sechs Brentano-Lieder Opus achtundsechzig: "An die Nacht", "Lied der Frauen", "Ich wollt´ein Sträußlein binden", "Säusle, liebe Myrte", "Als mir dein Lied erklang", und "Amor".


    Sie gehören zu den Strauss-Liedern, die höchst anspruchsvolle Liedkomposition darstellen und die man sehr ernst nehmen muss. In ihnen kann man alles hören, wozu Strauss als Liedkomponist fähig war: Sowohl das große Pathos mit pastoser Melodik, als auch die hochartifizelle Lied-Miniatur.


    Mein Lieblingslied unter diesen Sechs ist "Säusle, liebe Myrte", - auch weil ich das Gedicht so liebe. Es zeigt den typischen rhythmisch-fließenden Klangzauber und die sprachliche Eleganz der Brentano-Lyrik. Das Gedicht ist ein Schlaflied, überreich an Bildern, die Ruhe suggerieren.


    Wenn man erleben möchte, wozu der Klangmagier Strauss in der Lage ist, dann muss man sich anhören, wie er die Atmosphäre dieser Bilder musikalisch eingefangen hat: "Der Mond, der Sternenhirte / Auf klarem Himmelsfeld", "Still ziehn die Wolkenschafe / Zum Born des Lichtes hin" ...


    Von nahezu unglaublicher Kunstfertigkeit ist die musikalische Gestaltung der Verse: "Schlaf, mein Freund, o schlafe, / Bis ich wieder bei dir bin". Die Melodie ist von beschwörender Eindringlichkeit und wirkt doch zugleich überaus sanft.


    Fast möchte ich behaupten, dass nur Strauss dergleichen hinbringt.

  • Allerbesten Dank für diesen Beitrag. Kein einziges der von Dir angeführten Lieder kann ich einfach so auswendig singen ... sie sind mir nicht geläufig, wie man so sagt.
    Aus Opus 68 habe ich nur zwei Lieder ("Fischer-Dieskau Box") - also 1 "An die Nacht" und 4 "Als mir dein Lied erklang". Mit dem Lied "Säusle, liebe Myrte" musste ich mich nun erst via YouTube vertraut machen, aber die technische Qualität ist nicht berauschend, also für mich schwer einzuschätzen.


    Vielleicht ergeht es mir mit diesen eher seltener dargebotenen Strauss-Liedern ähnlich, wie vor einigen Jahren mit Schumanns Kerner-Liedern ... Man braucht von irgendwoher einen Anstoss, um sich damit näher zu befassen.


    "Heilige Nacht, heilige Nacht!
    Sterngeschlossner Himmelsfrieden!......." hat mich auf Opus 68 neugierig gemacht - und Deine "liebe Myrte" habe ich mal als Service für Mitleser hier herein gestellt:


    Säusle, liebe Myrte...

    Säusle, liebe Myrte!
    Wie still ist’s in der Welt,
    Der Mond, der Sternenhirte
    Auf klarem Himmelsfeld,
    Treibt schon die Wolkenschafe
    Zum Born des Lichtes hin,
    Schlaf, mein Freund, o schlafe,
    Bis ich wieder bei dir bin.

    Säusle, liebe Myrte!
    Und träum im Sternenschein,
    Die Turteltaube girrte
    Auch ihre Brut schon ein.
    Still ziehn die Wolkenschafe
    Zum Born des Lichtes hin,
    Schlaf, mein Freund, o schlafe,
    Bis ich wieder bei dir bin.


    Clemens Brentano


    Aber wenn wir uns hier nun schon einmal jenseits der "Ohrwürmer" bewegen, interessiert mich Deine Meinung zum "Krämerspiegel". Klar, ich habe diese Lieder "pflichtschuldig" im Regal stehen und weiß natürlich auch um deren Entstehungsgeschichte, aber auf meinen i-pod hab´ ich sie mir nicht aufgespielt ...

  • Du fragst nach dem "Krämerspiegel", lieber hart.


    Meine Antwort ist einfach: Ich kann nicht viel damit anfangen.


    Damit soll überhaupt nichts über die Qualiät dieses Werks gesagt sein. Es ist ja eine Ohrfeige an den Verleger von Strauss und muss als solche auch beurteilt werden.


    Wer Spaß an dem Wortwitz von Alfred Kerr ("Einst kam der Bock als Bote zum Rosenkavalier") hat und, Freude daran empfindet, zu sehen, wie Strauus damit kompsitorisch umgegangen ist, dem kann dieses Werk jede Menge Vergnügen bereiten.


    Ich bin (leider) kein Freund von solchen musikalischen Späßchen. Da geht mir wohl was ab!

  • Zueignung




    Ja, du weisst es, teure Seele,
    das ich fern von dir mir quäle.
    Liebe macht die Herzen krank.
    Habe dank.


    Einst hielt ich, der Freiheit Zecher,
    hoch den Ametysten-Becher
    und du segnetest den Trank.
    Habe Dank.


    Und beschworst darin die Bösen,
    bis ich, was ich nie gewesen,
    heilig, heilig an’s Herz dir sank.
    Habe Dank.


    Text: Hermann von Gilm
    Musik: Richard Strauss

    Das ist mein liebstes von ihm. Dann bin ich mal weg.

    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Ich teile nicht die Meinung, daß Strauss als Liedkomponist von besonderer Theatralik geprägt wäre ("Podiumslied"). Der Erlkönig, Teile der Winterreise und des Schwanengesangs, der Dichterliebe, Brahmsens "Von ewiger Liebe" oder "Wie rafft ich mich auf in der Nacht" lassen an Theatralik keine Wünsche offen - die Schlagwortkategorie ist unbrauchbar, das Podium immer die Imaginationsbühne des dramatisch effektvollen Kunstgesangs (Kunst will immer "mehr" sein; ich verweise auf den Antonia-Akt der Contes d´Hoffmann).


    Vielmehr sehe ich seine Qualität in einer hochentwickelten Intimität, ich denke z.B. an "Morgen". In einem andren Thread wurde gerade dieses Lied unter "Jungendstilbanalität" und "Kitsch" abgetan, der Text vernichtend bewertet. Ich möchte das Gegenteil behaupten - Strauss hat Mackays Gedicht mit viel Sensibilität ausgewählt. Es besticht durch seine Alltäglichkeit und Diesseitigkeit; durch seine Freiheit von aller lyrischen Konvention:



    Und morgen wird die Sonne wieder scheinen
    und auf dem Wege, den ich gehen werde,
    wird uns, die Glücklichen, sie wieder einen
    inmitten dieser sonnenatmenden Erde,
    und zu dem Strand, dem weiten, wogenblauen,
    werden wir still und langsam niedersteigen.
    Stumm werden wir uns in die Augen schauen,
    und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen.




    Das, was die Liebe ausmacht - die Überhöhung des irdischen Lebens, die Transzendierung des Ichs im Du - ist hier so paradiesisch wie einfach ausgesagt; und die Vertonung durch Strauss, ob nun mit Klavier- oder Orchesterbegleitung, ist an Intimität, Zartheit, Leuchtkraft und unirdischer Entrückung kaum zu überbieten.


    Gegenwart ist eine zerbrechliche Kategorie, zumal in der Musik - hier nimmt sie einmal, als erfülltes Glück, Gestalt an.


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Schön, dass auch andere Musikfreunde dieses Lied schön finden - von Theatralik ist da wirklich keine Spur, aber Liedfreund Helmut Hofmann schreibt ja in seinem Beitrag u.a. auch vom großen Reichtum an vielfältigen Formen.


    Alle Großen haben dieses Lied interpretiert, ich zähle es mit zum Besten der gesamten Lied-Literatur. "Jugendstilbanalität" ? Ja was soll man mit einer solchen Wortkonstruktion überhaupt anfangen?
    "Kitsch" - nun ja, wenn das persönlich so empfunden wird, dann muss man da nicht unbedingt widersprechen ... kann ja sein, dass das Empfinden eines Hörenden irgendwie defekt ist ...

  • Das Wort vom "leicht theatralischen Geist", den man in Straussens Liedern finden könne, scheint falsch angekommen zu sein. Ich hatte nicht von "Theatralik" gesprochen, und meine Feststellung war auch nicht negativ gemeint.


    Dass Strauss der Schöpfer des Podiumsliedes ist, ist gängige Auffassung in der Literatur.


    Auch diese Bezeichnung muss man nicht negativ sehen. Im Gegenteil! Strauss hat damit auf den Geist der Zeit reagiert. Mit dem langsamen Absterben der häuslichen Salonkultur musste das Lied einen neuen Ort finden, an dem es sich entfalten kann. Das war die Bühne. Richard Strauss hat das begriffen. Schließlich war das die Welt, in der als Komponist leben wollte.


    Es gibt in der Literatur die Auffassung, dass das Lied bei Strauss stets so eine Art von Vorspiel und Zwischenspiel in seinem Opernwerk war. Schaut man sich die biographischen Daten an, spricht einiges dafür. Auch dies ist aber wiederum keine sein Liedwerk abwertende Feststellung.


    Dass es Lieder von Strauss gibt, die von äußerster Intimität sind, kann von keinem Menschen ernsthaft bestritten werden. Die Feststellungen, die ich traf und die nicht allein auf meinem Mist gewachsen ist, bezogen sich auf das Lied-Gesamtwerk von Strauss.

  • Ich muss noch einmal nachhaken, weil ich um alles in der Welt nicht möchte, dass ich als der dastehe, der dem Liedkomponisten Strauss am Zeug flickt. Das ist schon deshalb ausgeschlossen, weil ich in die Lieder dieses Mannes einmal regelrecht vernarrt war.


    Mir geht es um etwas anderes. Ich möchte, dass die Vielfalt der Formen und musikalischen Audrucksmittel gesehen wird, die sich in den Liedern von Richard Strauss finden. Diesbezüglich ist er nämlich ein wirklich einzigartiges Phänomen in der Geschichte des Sololieds und des Orchesterlieds.


    Es gibt das höchst intime Lied bei ihm, und es gibt das pathetische, durchaus auf die Theaterbühne gehörende Lied. So - und nur so! - habe ich den Begriff "theatralisch" verwendet. Farinellis Abwehrhaltung gegen diesen Begriff geht an dem vorbei, was ich zeigen wollte.


    Mein Fehler war, dass ich das nicht mit einem Beispiel belegt habe. Wenn ich mich in diesem Thread so umblicke, dann werden immer die Lieder genannt, für die der Begriff "theatralisch" absolut nicht zutrifft. Insofern wehrt ihr euch zurecht, lieber hart und lieber farinelli.


    Aber bitte hört euch mal das Lied "Als mir dein Lied erklang" an (Text: Brentano), Ihr werdet gar nicht anders können, als mir recht zu geben. Das ist ein hochstilisiertes Koloratur-Lied, das mit der Tradition des Schubert- und Schumann-Liedes kaum mehr etwas zu tun hat.


    Schade, dass man hier keine Noten abbilden kann. Die sagen hier nämlich gerade genug. Wenn man genauer hinhört, kann man in diesem Lied Harmonien hören, die an "Ariadne auf Naxos" erinnern. Bitte nur mal die Stelle anhören: "Zur Rose ist mein Drang, seit mir dein Lied erklang". Das genügt schon, und man weiß, was ich mit dem Begriff "Podiumslied" meinte.


    Diese Art von Lieder hat Strauss auch geschrieben. Wenn ihr - zu Recht! - von "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen" schwärmt, dann bedenkt bitte: Es gibt auch einen anderen Strauss. Dieses Lied kann man noch in einem Salon singen. "Als mir dein Lied erklang" würde den Salon sprengen. Mal abgesehen davon , dass es dort die Sporanistin gar nicht gäbe, die solche komplizierten Koloraturen hinbekäme.


    Ich hoffe, dass man mich jetzt verstanden hat. Es ist mir wichtig!

  • Lieber Helmut,


    hier herrscht ja eitel Friede, Freude, Eierkuchen ... was Richard Strauss und seine Lieder betrifft. Aufregendes brachte farinelli aus einem anderen Thread mit, wenn ich das mal hier zitieren darf:


    Vielmehr sehe ich seine Qualität in einer hochentwickelten Intimität, ich denke z.B. an "Morgen". In einem andren Thread wurde gerade dieses Lied unter "Jungendstilbanalität" und "Kitsch" abgetan, der Text vernichtend bewertet.


    Das ist für mich der "Aufreger"! Also die Äußerungen, die aus einem anderen Thread hierher berichtet wurden. Ansonsten sind wir drei (franelli, Hofmann, Hart) uns doch in der Bewertung der Lieder von Richard Strauss im Prinzip einig.
    Natürlich kann man auch ganz anderer Meinung sein. Vielleicht finden sich die Negativbewerter noch hier ein und begründen, wie sie zu dieser Meinung gelangt sind ...

  • Oh je, ihr diskutiert schon munter weiter, und ich krieg gar nichts davon mit!


    Ich hab ein so schlechtes Gedächtnis; es gab, glaube ich, mal nen Thread, wo es um die Qualität der vertonten Lyrik ging. Vielleicht wurde gar nicht "Morgen", sondern "Traum durch die Dämmerung" verrissen? - Ich weiß nicht mal mehr, ob es dort war, wo jemand "Auf dem Wasser zu singen" als großen Schmarrn abtat. Das ärgert mich noch heute; aber ich hab leider nicht drauf geantwortet. Und der Schubert-Thread wird erst restauriert ...


    Seis drum. Da freu ich mich so lange, daß wir alle Strauss verehren, nicht zuletzt wegen seiner Umsicht im Umgang mit dem Wort, der Rede. Egal, ob in der Oper oder im Lied.


    Was mich zudem umtreibt, ist der Themenkreis Entgrenzung/Auflösung, den Strauss so faszinierend gestaltet hat (z.B. im 4. der Vier letzten Lieder, in der Ariadne bei "Gibt es kein Hinüber?", oder eben in "Morgen"). - Schubert, z.B. in "Nacht und Träume", erreicht die Entrückung durch die harmonische Ausleuchtung der weit strömenden Melodielinie (während er im "Ganymed", für meinen Geschmack, ein wenig an seine Grenzen stößt). Zudem gerät man bei Schubert immer rasch in die Nähe des Themenkreises Einsamkeit, Schwermut und Tod, die auch das Entgrenzungsthema überschatten. Letztlich müßte man wohl konstatieren, daß die schwelgerisch "auskomponierten" Auflösungen (auch z.B. Mahler IX, 4 ab T.145) an Subtilität von manchen Schubertliedern übertroffen werden, und das sogar in Strophenliedern (z.B. "Auf dem Wasser zu singen"), was ja strukturell ein Paradox zu sein scheint. Die schwankende Begleitung rührt bei Schubert sozusagen stets an den Grundfesten des Daseins. Uns erfaßt gleichsam ein "Gefühl des Schwimmens" :wacko: (um den Tod in Venedig zu zitieren).


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Lieber hart, lieber farinelli,


    nur eine Anmerkung zum Thema Kitsch bei Strauss. Das ist ein alter Hut, gerade in bezug auf seine Lieder. Man denkt heute anders darüber.


    Strauss hat sich ganz bewusst der zeitgenössischen Dichtung zugewendet, und zwar aus einer Haltung heraus, die ihm heute als historisches Verdienst angerechnet wird. Der Geist des "fin de siécle", der damals in München ( und nicht nor dort) als Inbegriff von Modernität galt und sich in Richtung Jugendstil weiterentwickelte, faszinierte Strauss. Dehalb das Aufgreifen der Lyrik eines Hermann von Gilm oder John Henry Mackay.


    Ich betone es noch einmal. Dieses Reflektieren des Zeitgeistes in seinen Liedkompositionen - und zwar sowohl in ihren musikalischen Formen als auch in den lyrischen Inhalten - wird heute als Stärke des Straussschen Liedschaffens gewertet.


    Im übrigen, - auch das ein alter Hut -: Die Stärken oder Schwächen eines lyrischen Textes sind nicht im Sinne einer Kausalität maßgeblich für die Qualität des Liedes, das am Ende der Komposition herauskommt.

  • Eine kleine Diskussion mit Liedfreund Helmut Hofmann über Klavier- und Orchesterlieder (im Thread „Der Tod im Lied“) hatte mich auf die Idee gebracht, mal wieder das nicht allzu oft gebotene Notturno von Strauss zu hören, weil das aus meiner Sicht so eine Art „Zwischending“ ist. Keine reine Klavierbegleitung, aber (zumindest nach meiner Hörgewohnheit) auch kein Orchester im eigentlichen Sinne.
    Nachdem der Sänger in der siebten Zeile „…und wartet der Tod“ mit tiefster Stimme singt, setzt die Violine ein, die im weiteren Verlauf neben dem Piano als Begleitung erhalten bleibt, in der letzten Strophe klingt das Lied ganz verhalten aus.
    Die etwa 40 Orchesterlieder von Richard Strauss gehen meist auf frühere Klavierlieder zurück, nur ganz wenige sind ursprüngliche Orchesterlieder.
    Wenn ich richtig gezählt habe, hat Strauss elf Gedichte von Richard Dehmel vertont. „Befreit“ ist wohl das bekannteste dieser Gedichte; ohne Musik hätte es diesen Bekanntheitsgrad heute wohl nicht.
    Gegenteilig verhält es sich mit dem Stück Notturno - deshalb wurde es hier eingebracht.


    Notturno Richard Dehmel


    Hoch hing der Mond; das Schneegefild
    Lag bleich und öde um uns her,
    Wie meine Seele bleich und leer,
    Denn neben mir, so stumm und wild,
    So stumm und kalt wie meine Not,
    Als wollt' er weichen nimmermehr,
    Saß starr und wartete der Tod.
    Da kam es her wie einst so mild,
    So müd' und sacht aus ferner Nacht,
    So kummerschwer kam seiner Geige Hauch daher
    Und vor mir stand sein stilles Bild.


    Der mich umflochten wie ein Band,
    Dass meine Blüte nicht zerfiel
    Und dass mein Herz die Sehnsucht fand,
    Die große Sehnscuht ohne Ziel:
    Da stand er nun im öden Land
    Und stand so trüb' und feierlich
    Und sah auf noch grüßte mich,
    Nur seine Töne ließ er irr'n
    Und weinen durch die kühle Flur,
    Und mir entgegen starrte nur aus seiner Stirn,
    Als wär's ein Auge hohl und fahl,
    Der tiefen Wunde dunkles Mal.


    Und trüber quoll das trübe Lied
    Und quoll so heiß, und wuchs und schwoll,
    So heiß und voll,
    Wie Leben, das nach Liebe glüht,
    Wie Liebe, die nach Leben schreit,
    Nach ungenossner Seligkeit,
    So wehevoll, so wühlend quoll
    Das strömende Lied und flutete,
    Und leise, leise blutete und strömte
    Mit in's bleiche Schneefeld rot und fahl
    Der tiefen Wunde dunkles Mal.


    Und müder glitt die müde Hand,
    Und vor mir stand ein bleicher Tag,
    Ein ferner, bleicher Jugendtag,
    Da starr im Sand zerfallen seine Blüte lag,
    Da seine Sehnsucht sich vergaß,
    In ihrer Schwermut Übermaß
    Und ihrer Traurigkeiten müd' zum Ziele schritt;
    Und laut aufschrie das weinende Lied,
    Das wühlende und flutete,
    Und seiner Saiten Klage schnitt,
    Und seine Stirne blutete
    Und weinte mit in meine starre Seelennot,
    Als sollt' ich hören ein Gebot,
    Als müßt' ich jubeln, daß ich litt,
    Mitfühlen alles Leidens Schuld
    Und alles Lebens warme Huld;
    Und weinend, blutend wandt' er sich
    In's bleiche Dunkel und verblich.
    Und bebend hört' ich mir entgehn,
    Entfliehn sein Lied. Und wie so zart,
    So zitternd ward der langen Töne fernes Flehn;
    Da fühlt' ich kalt ein Rauschen wehn
    Und grauenschwer die Luft sich rühren um mich her,
    Und wollte bebend nun ihn sehn,
    Ihn lauschen sehn, der wartend saß bei meiner Not,
    Und wandte mich: da lag es kahl,
    Das bleiche Feld, und fern und fahl
    Entwich in's Dunkel auch der Tod.
    Hoch hing der Mond, und mild und müd'
    Hin schwand es in die leere Nacht,
    Das flehende Lied, und schwand und schied,
    Des toten Freundes flehendes Lied.