Taminos empfehlen Lieder-CDs

  • Was soll das ?
    Gibt es nicht schon genug Empfehlungsthreads ?
    Kann man denn seine Lieder-CDs nicht an andere Stelle vorstellen ?


    Das schon.
    Aber es ergibt sich die Frage, ob das die Mitglieder des Kunstliedsforum überhaupt lesen ?
    Diese Frage habe ich mich auch gestellt, als ich die weiter unten abgebildete CD-Box vorstellen wollte


    Vielleicht sollte ich ein wenig ausführen wozu der Thread gedacht ist - und wozu nicht.
    Es ist nicht erwünscht, daß die gesamten im Bielefelder Katalog verzeichneten Aufnahmen von Schuberts "Winterreise" hier aufgezählt werden - dagegen ist an sich nichts einzuwenden - aber dazu gibt es bereits andere Threads.


    Es soll vielmehr auf Aufnahmen aufmerksam gemacht werden, die ansonst kaum beachtet würden, vor allem unbekanntes Repertoire soll hier angesprochen werden. Sicher ist das auch in den Spezialthreads auch möglich - aber ein Thread, welcher die wichtigsten DERZEIT am Markt erhältlichen Liedaufnahmen auflistet ist sicher hilfreich.


    Die hier empfohlenen CDs dürfen natürlich Spitzeninterpretationen - indes ist das nicht der Punkt.
    Es geht hier um die Verfügbarkeit von selten eingespielten Liedern
    Gröbere Mängel sollten jedoch schon erwähnt werden...


    Und nun geradeaus zum Auslöser für diesen Thread
    Etliche Male habe ich den Kauf dieser Box schon hinausgezögert.
    Die Gründe sind mannigfaltig.



    So liebe ich eigentlich keine Mischprogramme, wo mehrere Komponisten auf einer CD gemeinsam vorhanden sind.
    Indes - im diesem Falle konnte ich nicht umhin.....


    Es handelt sich um die letzte CD-Box der hyperion-Schubert Edition welche der englische Liedbegleiter Graham Johnson ins Leben gerufen hat.


    Aber es handelt sich nicht um Liedvertonungen von Schubert - sondern von seinen Zeitgenossen - wobei der Zeitraum meines Erachtens nach eher großzügig gewählt wurde ......


    Auf 3 CDs finden sich Lieder von Haydn, Reichardt, Salieri, Zumsteeg, Zelter, Gyrowetz, Weigl, Vogl, Beethoven, Tomasek. Weber, Weyrauch, Hüttenbrenner, Eberwein, Dietrichstein, Weyrauch, Neukomm, Kreutzer, Spohr, Sechter, Meyerbeer, Rossini, Loewe, Bürde, Randhartinger, Unger-Sabatier, Lachner, von Püttlingen, Fanny und Felix Mendelssohn, Schumann, Lisszt, Banck, Hiller.


    Man ist geneigt, zu glauben, daß hiemit der gesamte Kreis von liederschreibenden Schubert-Zeitgenossen erfasst wäre - indes - das ist keineswegs der Fall......


    Dennoch - ein interessantes Kompendiom des Kunstlieds der Schubertzeit - leider nicht ganz billig...


    mfg aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Lieber Alfred,


    das ist eine ausgezeichnete Idee für einen Thread! Die Kunst, einen guten Thread zu eröffnen, liegt vielleicht manchmal im Benennen des Offensichtlichen.


    Auf die Gefahr hin, dass ausgewiesene Liedexperten die Keule ihrer umfassenden Kenntnisse schwingen und zu den von mir genannten Werken sagen, dass sie wohlbekannt seien und geradezu zum Kernliedrepertoire gehören und wie ich mich unterstehen könnte, diese Lieder in einem Thread zu nennen, wo wenig Bekanntes vorgestellt werden soll, nenne ich dennoch einige CDs.


    Zunächst französische Lieder ("Mélodies") von Chausson mit Jessye Norman sowie Débussy und Ravel mit Natalie Stutzmann, zwei CDs, die ich als äußerst hörenswert in Erinnerung habe:



    Aber auch Lieder von den Komponisten der Zweiten Wiener Schule, darunter die "Lieder der hängenden Gärten", der erste Liedzyklus der "Neuen Musik", sowie die Altenberg-Lieder von Alban Berg:



    In bester Erinnerung sind mir auch die Lieder von Hans Pfitzner mit hochprominenten Liedsängern:



    Mit Rücksicht auf Alfred verkneife ich mir (noch) die Hinweise auf die hörenswerten frühen Lieder Ligetis!

  • Lieber Alfred,
    dachte ich mir doch, dass Heinrich Marschner (1795-1861) in Deiner Auflistung fehlt. Ich habe diesem Komponisten einen eigenen Thread gewidmet, obwohl mir bewusst war, dass da wohl kaum einer drin liest - es geht mir hier mehr um eine Art " Denkmalpflege".
    Soweit mir das bekannt ist, gibt es auf dem Markt praktisch keine Lieder-CDs dieses Komponisten. Aber es gibt sie doch, nämlich versteckt in der Raucheisen-Edition. Das ist eine preiswerte Liedersammlung von 66 CDs.
    Aus technischen Gründen zeige ich hier eine Carl Loewe CD aus dieser Reihe - die CD mit den Marschner-Liedern hat die Nummerierung 47+48.
    Es handelt sich um historische Aufnahmen, die 1943-1945 entstanden sind. Für mich sind die meisten dieser Lieder geradezu begeisternd, aber ich bin auch ein Liebhaber der Lieder und Balladen von Carl Loewe - die Lebensdaten dieser beiden Komponisten gleichen sich sehr, und das hört man auch ...


    Interessierte finden mehr Informationen - aber auch Rätselhaftes - im Marschner Lieder-Thread, den ich noch weiter auffüttern werde.



    Das ist nur eine Muster-CD aus dieser Reihe. Die CD mit den Marschner-Lirdern hat die Nummern 47+48

  • Leider z.Zt. anscheinend vergriffen, aber dennoch eine eindringliche Empfehlung wert: Beethovens Arrangements irischer und schottischer Volksweisen für 1-3 Sänger (S, T, B) und Klaviertriobegleitung



    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Wie aus dem Nichts taucht im Handel nun wieder eine CD auf, die bereits im Jahre 1995 produziert wurde. Die eingespielten Lieder der Komponisten:


    Conradin Kreutzer (6 Lieder) / Otto Nicolai (3 Lieder) / Hermann Goetz (6 Lieder) / Engelbert Humperdinck (6 Lieder) / Heinrich August Marschner (7 Lieder) werden von Olaf Bär hervorragend dargeboten - die zwei Nicolai-Lieder "Scarco d`affanni il core" und "Il mistero" natürlich italienisch ...


  • Friedrich Silcher - Er hat ja schon einen Thread bekommen, wo die unten abgebildete CD besprochen uind teilweise sogar gelobt wurde.



    Friedrich Silcher und seine Lieder - Mit der Stimme Zauberklang


    Indes- sie passt auch vorzüglich hierher, und ich möcht die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, erneut auf sie hinzuweisen.
    Solche CDs decken relativ unbekanntes Repertoire ab, welches relativ schnell aus den Katalogen verschwindet, wenn die erwarteten Verkaufszahlen nicht erreicht werden.....


    In diesem Fall wäre das ein herber Verlust


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Zwei CDs mit Liedern von Schubert und Mozart, die zu veritablen Schallplattenlegenden geworden sind, möchte ich hier vorstellen und empfehlen:

    MOZART: 16 Lieder

    Elisabeth Schwarzkopf (Sopran), mit Walter Gieseking am Klavier (Aufnahme: 4/1955, London, STEREO).


    SCHUBERT: 12 Lieder

    Elisabeth Schwarzkopf (Sopran) mit Edwin Fischer am Klavier (Aufnahme: 10/1952, London, MONO).

    Zwei erstklassige Konzertpianisten begleiten hier die damals noch junge Sängerin, die mit ihrer frischen Stimme diese Lieder sehr natürlich und feinnervig interpretiert. Das ist wahrhaft Liedgesang vom Feinsten!


    LG Nemorino


    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo


    Ich habe in dem Thrad, in dem ich gestern gepostet bereits vorgeschlagen, die beiden zusammen zu legen. Johannes Roehl hat zwar geschrieben, das hielte er nicht für sinnvoll. Dennoch halte ich es für angezeigt, dass alles was in dem Thread "Empfehlenswerte Lied-CDs der Taminos" geschrieben wurde in diesen Thread zwischen die 8 Jahre seit dem letzten Post und dem Neuerlichen von Nemorino geschoben wird.


    Gruß Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber Wolfgang Kaercher,


    da habe ich wohl unfreiwillig für Verwirrung gesorgt. Ich bin von Deinem Thread, veranlaßt durch #4, in diesen hier gesprungen und habe meinen Beitrag hier eingestellt. Ob es sinnvoll ist, beide Threads, die ja das Gleiche zum Inhalt haben, zusammenzuführen, sollte die Moderation entscheiden.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Obgleich ist kein unbedingter Wolf-Verehrer bin, so gehört doch diese CD in jede gut sortierte Liedersammlung:

    oder:

    Es handelt sich um das legendäre Konzert vom 12.8.1953, das während der Salzburger Festspiele stattfand. Die Aufnahme mit 22 Liedern von Hugo Wolf ist nie aus den Katalogen verschwunden. Furtwängler hatte sich überraschend bereit erklärt, die Sängerin am Klavier zu begleiten.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Diese CD hätte auch ich empfohlen. :) So will ich Wolf hören. Ich hatte mir die LP vor Jahren in sehr schlichter sowjetischer Pressung und Aufmachung aus Moskau (!) mitgebracht. Seither habe ich sie immer wieder durch bessere Ausgaben ersetzt. Selten sind diese Lieder pointierter und vollendeter vorgetragen worden als hier. Das ist zumindest meine Meinung. Mein liebstes Lied auf dem Mitschnitt ist "Wie glänzt der helle Mond". Je öfter ich es gehört habe, umso mehr versöhnte ich mich auch mit der etwas gestelzt vorgetragenen Einleitung des Klaviers durch Furtwängler. Es wird erzählt, dass Legge und seine Frau Elisabeth Schwarzkopf zunächst etwas entsetzt waren, als sich Furtwängler als Begleiter selbst ins Spiel brachte. Sie konnten ihm das ja nicht abschlagen. Fortan lenkten sie ihre abendlichen Spaziergänge heimlich zu dem Haus, in dem Furtwängler untergebracht war und hörten zunächst mit einer gewissen Sorge, wie er bei offenem Fenster seinen Part probte.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Furtwängler hatte sich überraschend bereit erklärt

    Es wird erzählt, dass Legge und seine Frau Elisabeth Schwarzkopf zunächst etwas entsetzt waren, als sich Furtwängler als Begleiter selbst ins Spiel brachte. Sie konnten ihm das ja nicht abschlagen. Fortan lenkten sie ihre abendlichen Spaziergänge heimlich zu dem Haus, in dem Furtwängler untergebracht war und hörten zunächst mit einer gewissen Sorge, wie er bei offenem Fenster seinen Part probte.

    Lieber Rüdiger,


    ich kenne die Geschichte und hätte wohl besser geschrieben "Furtwängler hat seine Mitwirkung angeboten", und wer hätte sie ihm abschlagen wollen oder können? Furtwängler war zu dieser Zeit eine unangefochtene Autorität, er konnte sogar einen Karajan von den Festspielen fernhalten. Aber ein begnadeter Dirigent muß nicht unbedingt auch ein versierter Pianist sein ….


    Für die Festspiele war es natürlich ein "Renner", Schwarzkopf und Furtwängler zusammen bei einem Liederabend präsentieren zu können. Und der Erfolg blieb ja nicht aus, der Saal war bis zum letzten Platz ausverkauft, und der Mitschnitt ist ein Dauerbrenner, seit nunmehr 67 Jahren!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • So unterschiedlich sind unsere Berichtsperspektiven ja nun nicht, lieber nemorino. Aber ich stimme Dir natürlich in allem freudig zu. :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Zitat von nemorino

    so gehört doch diese CD in jede gut sortierte Liedersammlung:

    .....meine Liedersammlung ist riesig, jedoch fehlt diese und ich vermisse sie auch nicht! :pfeif:

    Aus drei Gründen, Wolf, Schwarzkopf und Furtwängeler!

    Auch die Mozart und Schubert Lieder von besagter Sängerin fehlen in meiner gut sortierten Sammlung! :baeh01:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)


  • Zitat von Amazon

    Produktbeschreibungen


    Ausgehend von Schuberts wohlbekannten Liedern entstand hier ein faszinierendes Projekt. In einer Zeit, in der das geschriebene Wort bzw. der geschriebene Ton praktisch heilig ist, bringen Vater und Sohn das improvisatorische Element zurück in die Musik. Darf man das? Ja, denn hier wird nichts erfunden, sondern nur betont, was der Musik bereits eigen ist, und im Kontext der historischen Musizierpraxis neue Räume öffnet. Allem voran hatten wir eine Begegnung mit der Komplexität von Schuberts Liedschaffen im Sinn. Wir wollen zeigen, dass sich Grenzen überschneiden, sagt Julian Prégardien. Und das tun sie hier - ob die Lieder nun von Anfang an als Duett konzipiert wurden, oder das Neuarrangement das Hervortreten eines der Musik innewohnenden anderen Ichs, einem mehrstimmigen Wesen erlaubt. Das Ergebnis sind sehr zarte, bedachte, improvisatorische und kommunikative Bearbeitungen für zwei Stimmen von ähnlichem Timbre, in denen sich der Gedanke der einen, universalen menschlichen Stimme mit besonderer Intensität zu manifestieren scheint.

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    Zwei solch schöne Stimmen vereint zu hören ist der reinste Hochgenuss, und mehr als nur eine Empfehlung, nein ein MUSS für alle Pregardien Fans und die die es werden wollen ( sollen ;))!


    LG Fiesco


    Ich habe Christoph Pregardien in unzähligen Konzerten gehört, ob mit Gees, Steier oder Höll, nicht ein einziges Konzert war nicht begeisternd! Ich hörte in schon ganz am Anfang seiner Karriere, am Frankfurter Opernhaus!

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Zwei solch schöne Stimmen vereint zu hören ist der reinste Hochgenuss, und mehr als nur eine Empfehlung, nein ein MUSS!

    Diese CD würde ich in die Abteilung "interessant" verfügen. Ich stimme Dir zu, lieber Fiesco, dass sie sich gut anhören lässt, im Prinzip aber finde ich es albern, den "Erlkönig" oder den "Zwerg" mit vermischten bzw. verteilten Stimmen vorzutragen. Vater & Sohn ist mir da als Voraussetzung nicht genug. Bei mir verpufft die Wirkung sofort. Witzig aber finde ich die Duette mit Munharmonika von Zilcher. Das scheint mir eine hübsche Ausgrabung. Soetwas liebe ich sehr. :)


    mischten SDtzimmen buiw.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo lieber Rüdiger......

    Zitat von Rheingold1876

    im Prinzip aber finde ich es albern, den "Erlkönig" oder den "Zwerg" mit vermischten bzw. verteilten Stimmen vorzutragen.

    ....ja so sind halt die Geschmäcker, mich hat das überhaupt nicht gestört, solange ich die CD besitze hätte ich immer unbändige Freude am gesungenen!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)