AMADEUS - Der Film

  • Hallo,


    mir gefällt der Film "Amadeus"auch sehr und ich wüsste nicht warum man (Alfred versus den "Rest der Welt") wegen eines guten Hollywoodstreifens (wieviele Filme haben je 8 Oscars erhalten) derart das Kriegsbeil ausgraben müsste.


    Alfred weiss, dass ich kein Mozartkenner und auch kein Mozartfanatiker bin, mir gefällt seine Musik! aber mehr nicht.
    Aber der Film hat vielen Menschen - so wie mir - Mozart näher gebracht. Sehr viel näher als Salieris Musik! Und erst richtig durch diesen Film liebe ich Mozarts Requiem, weil es in der Filmszene (Salieri geht mit einer schwarzen Maske verkleidet zu Mozart und bittet ihn um den Auftrag ein Requiem zu schreiben). Klar, so viel weiss auch ich, so kann dies kaum in Wahr stattgefunden haben, aber die Szene ist sehr eindrücklich! Und so hat es vieles, dass ich durch den Film lieben lernen konnte.


    Zitat

    Und ich muss sagen, der Film ist immer noch grossartig. Er hat meiner Meinung nach die beste und am besten eingesetzte Filmmusik aller Zeiten.


    diese Aussage von Radagast möchte ich aber allen Ernstes bezweifeln, so gibt es noch andere Musikfilme die mit wunderschöner "bester" Original-Musik bestechen:


    -"Imortal beloved" - "Ludwig van Beethoven - meine unsterbliche Geliebte" mit Gary Oldman als Beethoven. Grossartiger Film, ein bisschen weither geholtes Drehbuch ABER wunderschöne Musik-Einstellungen, z.B das Intro mit der "Missa Solemnis", die Trauerverarbeitung mit dem Klaviertrio Nr. 4 Op.70 und dem Schluss, wo der ominöse Brief endlich seinen Empfänger gefunden haben soll - unterlegt mit dem Adagio des 5. Klavierkonzertes.


    - "Farinelli - il Castrato" auch hier werden Ereignisse verdreht und erfunden, um dem Inhalt Würze zu geben. Dieser Film hat mir die Barockoper näher gebracht und ich hab Händels Genie erkannt.


    Bei beiden gilt dasselbe "Drama" Filmgeschichte versus Wahrheitsgeschichte so wie bei "Amadeus".
    Aber mir spielt dies keine Rolle, Hauptsache die Musik ist schön und ich hab was für romantische Stunden zum Schluchzen... Zudem hab ich lieber unwahre Filme mit schöner Musik, die mich in höhere Sphären heben als Dokumentationen à la M.Moore, wo es mir fast schlecht wird.


    und da wäre auch noch "Ray" - anderer Stil aber auch gute Musik! erzählt die Geschichte Ray Charles'. Diese Geschichte soll jedoch wahr sein, da Ray Charles erst gegen Ende der Produktion gestorben ist.


    Gruss
    Christoph


    * im Farinelli gibt es eine Szene, wo Händel in einem Theater auf einer Orgel ein kurzes Stück spielt, während Farinelli heimlich zuhört.
    Kann mir BITTE jemand sagen, woher dieses Stück stammt oder was es ist????????? Danke!!!!!!!!

    Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!

  • Zitat

    Original von Chr_Glaus
    Aber der Film hat vielen Menschen - so wie mir - Mozart näher gebracht. Sehr viel näher als Salieris Musik!


    Salut,


    es ist schön zu hören, dass "jemand Mozart näher kommt" - insbesondere durch diesen Film. Denjenigen, die ihm vorher bereits nahe waren - so wie ich - hat er allerdings Salieris Musik näher gebracht und hier einen klitzekleinen Boom ausgelöst...


    Zitat

    Original von Chr_Glaus
    Salieri geht mit einer schwarzen Maske verkleidet zu Mozart und bittet ihn um den Auftrag ein Requiem zu schreiben.


    ?(


    Sicher, dass es im Film Salieri war?


    Cordialement,
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Ulli,


    Zitat

    Sicher, dass es im Film Salieri war?


    Habe mir diese und einige andere Szenen (aufgrund Deiner Antwort) noch einmal angeschaut. Wenn man den etwas verzerrten Klang der Stimme des Auftraggebers mit dem Stimmenklang Salieri's vergleicht gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. Und auch der Blick durch die Maske ähnelt demjenigen von Salieri in der Szene vom Kostümball.
    Aber 100% sicher bin ich nicht!
    Es wird wohl ein Geheimnis des Drehbuchs bleiben, wer den mündlichen Auftrag gegeben hat.
    Aber so wie im Film (und wohl nur im Film) dieser gewisse Hass von Seiten Salieris kontinuierlich aufgebaut und dem Zuschauer dargestellt wird, dass es Salieri zunehmend Spass gemacht haben soll, Mozart aus dem Verkehr zu ziehen, kann ich es mir aus dramaturgischen Gründen gut vorstellen.



    Zitat

    Denjenigen, die ihm vorher bereits nahe waren - so wie ich - hat er allerdings Salieris Musik näher gebracht und hier einen klitzekleinen Boom ausgelöst...


    ich denke, Filme, die so stark zwischen 2 Menschen polarisieren, haben am Ende immer 2 Gewinner. In diesem Fall Mozart für alle die, die ihn und seine Werke noch nicht so gut gekannt haben und Salieri, für die, die sich gefragt haben: wer ist den dieser Salieri gewesen und was hat er geschrieben und erwirkt? zumal von Salieris Musik kaum etwas zu hören ist.
    Ist doch schön - nur Gewinner! ;)



    Gruss
    Christoph

    Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!


  • Also ich glaub, das Kriegsbeil wurde hier auch nicht annäherungsweise ausgegraben.


    Daß die Menschen Mozart näher kommen durch solch einen Film glaub ich jedoch für meine Person nicht.....


    Sie kommen einer Hollywood Kunstfigur mit gleichem Namen näher, und in 30 Jahren hält das jeder für Realität - das ist IMO das Schlimme daran.


    Zur Figur mit der Maske:


    Eine beliebte Legende war schon seit über 100 Jahren beliebr, die da lautete, ein hagerer Mann mit schwarzem Umhang (der Tod persönlich) habe dieses Requiem bei Mozart bestellt -für Mozart.


    Die Realität:


    Zu Mozart kam ein Mann im Dunkelgrauen Umhang, der sehr leise sprach und im Auftrag eines anderen eine Seelenmesse bei Mozart bestellte.
    Er weigerte sich seinen Namen zu nennen, legte aber eine Rolle Geld als Anzahlung auf den Tisch. Ob er maskiert war ist mir unbekannt, möglich wäre es.


    Heute weiß man genau wer der Mann war:
    Ein Boten oder Diener im Auftrag von Franz, Graf von Walsegg.
    Die Totenmesse war für Walseggs verstorbene Frau gedacht.
    Walsegg, selbst ein eher mäßiger Amateurkomponist hatte vor, Mozarts Komposition als seine eigene auszugeben.
    Daher hatte der Bote mit Mozart vereinbart, der eigentliche Auftraggeber müsse anonym bleiben.


    Es würde den Rahmen dieses Forums sprengen, die gesamtze Geschichte hier wiederzugeben, jedoch die einschlägige Fachliteratur dokumentiert sie ausführlich und gewissenhaft...



    Freundliche Grüße


    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • lieber Alfred,


    vielleicht hätte ich schreiben sollen:


    "dieser Film hat vielen Menschen, so wie mir, Mozart's Musik näher gebracht"


    Kannst Du Dich mit dieser Aussage anfreunden?


    Und so schlimm ist dies ja auch nicht mit der Hollywood Kunstfigur, denn ich glaube, der Film geht früher in Vergessenheit und ist nur noch was für Sammler als Helmut Lotti sein 35. Album mit billiger Kommerzklassik auf den Markt geworfen hat und sich Andre Rieu die Walzer selber komponieren muss, nur damit er im Geschäft bleiben kann :stumm:
    Das sind für mich "Verräter" an der klassischen Musik und nicht Hollywoodfilme! Und Mozarts Musik wird uns alle noch lange überleben.



    Gruss
    Christoph

    Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!

  • Alfredus faber magnificus!


    Während Christoph und ich salopp über den Salieri hinter der Maske im Film Amadeus [den Du ja nicht – oder nur ausschnittweise – kennst] plaudern, kommst Du auf einmal aus dem Nichts mit dem Grauen Boten daher und meinst, man wüsste heute genau, wer der Mann [ich verstehe richtg: der graue Bote?] war!


    Genauer geht’s wohl kaum:


    Zitat

    Original von Alfred Schmidt
    Ein Boten oder Diener im Auftrag von Franz, Graf von Walsegg.

    .


    Also: Zunächst einmal war unzweifelhaft Franz Graf von Walsegg [1763 – 1827] der Besteller des Requiem bei Mozart. Für den [unbekannten] Boten hielt man für lange Zeit Franz Anton Leitgieb, welcher aber im Hause Mozart kein Unbekannter war. Dieser scheidet also de facto aus. Walseggs Frau Anna geb. von Flammberg war am 14. Februar 1791 im zarten Alter von 21 Lenzen gestorben. Dafür bestellte er zunächst ein Grabmonument [hat mit Don Giovanni nichts zu tun!] bei einem gewissen Bildhauer Johann Martin Fischer. Dieser Auftrag wurde über Walseggs Wiener Advocaten Sortschan abgewickelt. Man vermutet daher, dass dieser oder einer seiner Kanzlisten die Bestellung bei Mozart einreichten.


    Demgegenüber muß erwähnt werden, dass der Auftrag vermutlich sogar schriftlich erteilt wurde. Den Petschaft, mit dem die Briefe Walseggs versiegelt waren, erwähnt Constanze in einem Brief vom 30. November 1799:


    […]Ich schikke Ihnen hierin das Petschaft, womit die briefe des Mannes versiegelt waren, der das Requiem bey meinem Manne bestellte. Es wird von ihm und von den vergeblichen Nachsuchungen um ihn in der biographie die rede seyn. Dieses Petschaft wäre vielleicht das einzige, wodurch er entdeckt werden könnte […]


    Und damit hatte sie zielsicher getippt: Breitkopf & Härtel hatten noch in 1799 in der Leipziger Allgemeinen Musikzeitung bekannt gegeben, dass das Requiem nach dem Manuskript der Witwe veröffentlicht wird. Dadurch enttarnte sich Graf Walsegg freiwillig als der Eigentümer…


    Wer jedoch namentlich der „graue Bote“ gewesen ist, bleibt nach wie vor im Dunkeln und gibt weiter Anlass zum Munkeln.


    Liebe Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Sie kommen einer Hollywood Kunstfigur mit gleichem Namen näher, und in 30 Jahren hält das jeder für Realität - das ist IMO das Schlimme daran.


    geh, alfred!
    glaubst du auch, dass heute , 50 jahre nach dem wien-film-dreimäderlhaus, die leute den schwammerl-schubert für realität halten? :D (soll keine qualitätsgleichsetzung der filme bedeuten)
    :beatnik:

  • Hallo observator


    Zitat

    geh, alfred!
    glaubst du auch, dass heute , 50 jahre nach dem wien-film-dreimäderlhaus, die leute den schwammerl-schubert für realität halten? großes Grinsen (soll keine qualitätsgleichsetzung der filme bedeuten)


    Dazu muss man erstens bedenken, dass es sich um eine Filmversion einer Operette aus dem Jahr 1915 handelte, und zweitens, dass beide - Operette und Film - sehr wohl eine nicht zu unterschätzende verzerrende Sicht auf Schubert boten, die eine lange Zeit in der breiten Öffentlichkeit durchaus Wirkung zeigte (aber fast nicht bei Musikern und Musikliebhabern!).
    Heute haben wir das überwunden, aber das hat so seine Zeit gebraucht. Insofern kann man Alfreds Bedenken durchaus verstehen. Im Fall von Amadeus meine ich aber, dass der Schaden geringer als der Nutzen ist (und mir hat auch das Schauspiel sehr gut gefallen!).

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus
    Dazu muss man erstens bedenken, dass es sich um eine Filmversion einer Operette aus dem Jahr 1915 handelte, und zweitens, dass beide - Operette und Film - sehr wohl eine nicht zu unterschätzende verzerrende Sicht auf Schubert boten, die eine lange Zeit in der breiten Öffentlichkeit durchaus Wirkung zeigte (aber fast nicht bei Musikern und Musikliebhabern!).


    Salut, Theophilus,


    selbiges könnte man aber auch über den Forman-Film sagen, der bekanntlich auf dem Theakterstück von Peter Schaffer beruht.


    Cordialement,
    Ulli


    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Salut Ulli,


    ich meinte damit aber, dass der "Schwammerl-Schubert" durch die Operette eine viel längere Wirkungsdauer hatte, als die 50 Jahre, die observator angesprochen hatte.
    Bei Amadeus folgte der Film drei oder vier Jahre nach der Uraufführung des Stücks, sie haben also fast die gleiche Wirkungsdauer.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Guten Abend,


    nachdem ich mir und einer angenehmen Runde gestern abend nach längerer Zeit mal wieder das Vergnügen machte, diesen Film von Milos Forman im Director's Cut anzuschauen, muss ich doch ein, zwei Gedanken zur Vertiefung loswerden.....


    Zitat

    Original von sagitt
    Eines darf man Amadeus nicht vorwerfen: er verfälsche die Wahrheit. Dies ist kein Dokumentarfilm, sonst eine Spielhandlung und verfilmt wird das Stück von Shaffer.


    Eine Spielhandlung muss nicht der Wahrheit entsprechen. Die Figur Mozart, die ja doch so schillernd ist ( Hildesheimer ist sicher zu den insidern zu rechnen und beschreibt eine geniöses Mysterium), wird doch diesen Failm nicht entstellt.


    Das halte ich für ganz richtig, was sagitt hier sagt. Dazu kommt IMO auch noch, dass der Film ja gar keinen Hehl daraus macht, die Sicht des (offenbar geistig verwirrten) alten Salier, der in der Irrenanstalt sitzt,i zu zeigen. Der ganze Rahmen ist ja das einzige, von dem wir annehmen können, dass es nicht verzerrt ist. Alles was wir an Spielhandlung mit Mozart sehen ist, das gibt der Film von seiner Struktur klar vor, die Schilderung und Sicht und Phantasie des alten Salieri, der seinem Beichtvater berichtet. Von daher ist IMO nur eine sehr oberflächliche Betrachtung des Filmes überhaupt geeignet, anzunehmen, so sei es eben gewesen.


    Andere Filme, wie denjenigen mit Oskar Werner ( ein Lieblingsschauspieler von mir) geben sicher ein verfälschenderes Bild ab. Mozart muss als Mensch nicht auf den Sockel. Je mehr wir seine Kauzigkeit akzeptieren, desto unfassbarer wird die Leistung. Amadeus zerstört nur ein Bild von Mozart, dass ihn als Mensch seiner Musik an die Seite stellt, Mozart als Mensch auf hohem Podest. Das ist ein Fehler. Als Mensch wollten wir wahrscheinlich mit ihm nicht zu tun haben, aber seine göttliche Musik wird ihn und uns ewig überdauern.


    Zitat


    P.S. Das einzige, was mir mißfällt, ist der englisch-sprachige Sound. Bei zauberflöte und Entführung einfach schauerlich und nicht zu fassen, dass in dem Etat nicht das Geld war, notfalls die Originalfassung zu untertiteln.


    Da bin ich ganz unbedingt Deiner Meinung. Ich hatte das so gar nicht in Erinnerung, aber es ist wirklich schlimm, wenn man deutschsprachig ist. Andererseits ist es, für einen englischsprachig gedrehten Film auch wieder konsequent: Denn die Sprache, die da gesungen wird, ist die in der Originalfassung gesprochene - englisch. Don Giovanni und Figaro sind ja auch entsprechend tatsächlich auf Italienisch gesungen. Die Entscheidung, die eigentlich deutschsprachigen Opern englisch singen zu lassen, dürfte - auch vor dem Hintergrund, dass die Diskussion um eine deutschsprachige Oper versus italienische Opern im Film ja auch geführt wird - ganz bewusst gewesen sein. Dennoch: Mich stört es auch.


    Beste Grüsse,


    C.


    P.S.: Was die im Thread angegebene "beste und besteingesetzte Filmmusik aller Zeiten angeht", da hätte für mich Kubricks "2001" mit dem verblüffenden Mix Richard Strauss, Johann Strauss und György Ligeti am Ende doch die Nase vor. Auch wenn die Musik - beratend von Sir Neville Marriner betreut - in "Amadeus" in der Tat faszinierend eingesetzt ist.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo,


    Ich verlange gar nicht, daß man Mozart auf ein Podest stellt. Der Oskar-Werner-Film ist IMO genauso schlecht wie "Amadeus", der Film mit Hans Holt ist um kein Haar besser.


    Im Gegensatz zu Euch toleriere ich bei Filmen, die historische Personen zum Inhalt haben keine noch so geringe Abweichung von der recherchierbaren historischen Wahrheit. Solche geschichten haben soviel Unheil angerichtet:
    So wurde aus Heinrich VIII ein frauenmordendes Monster um de Mordens Willen, Aus Elisabeth I wurde die "böse" Königin Elisabeth im Gegensatz zur "guten" Maria Stuart (das Geht aufs Konto von Frierich von Schiller - der noch dazu Universitätprofessoer für Geschichte in Jena war !!!) Kapitä Bligh, der seiner verlotterten Mannschaft lediglich Disziplin abverlangte wurde von den ungebildeten Holliwood Filmfritzen zum Ekel mit der neunschwänzigen Katze stilisiert, während der edle Fletcher Christian doch so ein edler und sympathischer Mann war - alles meilenweit von den historischen Tatsachen entfernt aber sooo schöön zu lesen, bzw zu sehen.
    Dies waren nur einige Beispiele. In Bezug auf historische Tatsachen verstehe ich wenig Spaß ;)
    Die Mehrheit der Menschheit ist ohnedies blöd genug - da braucht man nicht noch nachzuhelfen.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Lieber Alfred,


    ein Standpunkt, mit dem ich leben kann, keine Frage. Ein Standpunkt freilich auch, vor dem ein Stück wie "La clemenza di Tito" von Mozart, Metastasio und Varesco zu schier unerträglichem Geschmiere werden muss.


    Also, mir ist lieber, ich trenne zwischen einen Kunstwerk und der historischen Realität - das hat ja nix mit Blödheit zu tun, sondern liegt, meiner Meinung nach, auf der Hand. Ein Theaterstück, ein Roman, der historische Figuren zu handelnden Personen erhebt, hat für mich nie den Anspruch, die Geschichte nach dem Stand der Forschung - der im übrigen auch oft genug nicht eindeutig und unumstritten ist! - widerzugeben. Entsprechend schaue ich es mir auch so nicht an. Wenn ich das haben will, also historische Wahrheit oder was man dafür halten kann, dann lese ich lieber ein Fachbuch oder schaue mir eine Dokumentation an (und selbst da kriegt man ja oft genug halbgares serviert).


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Zitat

    Ein Standpunkt freilich auch, vor dem ein Stück wie "La clemenza di Tito" von Mozart, Metastasio und Varesco zu schier unerträglichem Geschmiere werden muss.


    Salut,


    sehe ich es richtig, dass sich diese Aussge interpretatorisch auf Alfreds "In Bezug auf historische Tatsachen verstehe ich wenig Spaß" bezieht? Dann pflichte ich Dir bei... ebenso natürlich bei Idomeneo, Lucio Silla, Mithridate...


    Zitat

    Andererseits ist es, für einen englischsprachig gedrehten Film auch wieder konsequent:


    Eben nicht! Dann hätten die italienischen Opern auch in Englisch gesungen werden müssen, das wäre konsequent gewesen, wenn auch nichtsdestoweniger akzeptabel. Beim letztmailgen Schauen des Films befand ich die Sprache Englisch in der Entführung und der Zauberflöte auch extrem grauenhaft [irgendwo hier im Forum hatte ich dies übrigens auch schon einmal geschrieben]. Oder singt Whitney Houston in der deutschen Fassung ihres Films Bodyguard etwa deutsch...?


    Bien Cordialement,
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Ulli,


    ja, der Bezug war in dieser Richtung gemeint.


    Und - nein, die italienischen Opern hätten nicht auf englisch gesungen werden müssen. Die Sprache, die die Figuren untereinander sprechen, soll deutsch sein. Das deutsche ist im englischsprachigen Film durch Englisch ersetzt. Italienisch wird in dem Film ja auch - aber nur ganz am Rande gesprochen. Daher scheint mir die Übertragung der deutschsprachigen Opern in die Sprache, die die Figuren alle sprechen, nämlich Englisch (anstelle von Deutsch) für die Originalfassung konsequent. Die italienischen Opern *mussten* auf italienisch bleiben.


    Leider war es dann wohl nicht möglich, für jede Synchronfassung auch die Musikausschnitte neu einzuspielen.....


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Salut,


    naja, das ist wohl Ansichtssache und keinen Streit wert. Letztlich sind wir ja einig, dass es so grauselig klingt [wobei ich den anderssprachigen Ländern "ihre" Fassung zugestehe, das wurde bereits im 18. JH vielfach so gehandhabt]. Ich sehe die Musik eher getrennt vom Film, wobei ich damit sicherlich eine Ausnahme bin, denn die Autoren waren bestimmt initiiert, beides zu verbinden.


    Unter den obigen Aspekten müsste der Film unter die "populärwissenschaftliche Halbwissensliteratur" eingeordnet werden, was nicht abwertend gemeint ist: Für Kenner ist sofort ersichtlich, was übertrieben, pervertiert oder sachlich falsch ist. Trotzdem ist der Film einfach schön... ICh verstehe allerdings auch Alfreds Bedenken hinsichtlich der Mozart-New-Comer. Ähnlich ist es z.B. mit Büchern von Hera Lind...


    Cordialement,
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Ulli,


    nein, Streit lohnt sich sicher nicht, allerdings bin ich mir sicher, dass die Unterscheidung zwischen den englisch/deutschsprachigen und den italienischsprachigen Opern eine ganz bewusste (und in diesem Sinne konsequente) Entscheidung war. Ich habe es nicht geschafft, das ganze Making Of zu schauen, vielleicht morgen. Eventuell gibt es da ja auch von Seiten Marriners oder des Regisseurs Stellungnahmen.....


    Zitat

    Original von Ulli
    Unter den obigen Aspekten müsste der Film unter die "populärwissenschaftliche Halbwissensliteratur" eingeordnet werden, was nicht abwertend gemeint ist: Für Kenner ist sofort ersichtlich, was übertrieben, pervertiert oder sachlich falsch ist. Trotzdem ist der Film einfach schön... ICh verstehe allerdings auch Alfreds Bedenken hinsichtlich der Mozart-New-Comer.


    Ich glaube nicht, dass der Film auch nur "halbwissenschaftlich" den Anspruch erwecken will, historisch zu sein. Es geht, denke ich, im Kern um etwas ganz anderes als um Mozart und Salieri. Ich kann die Bedenken ja auch verstehen, meine nur, dass ein halbwegs vernünftig denkender Mensch diesen Unterschied zwischen Fiktion und Realität erkennt. Und wer das nicht tut - tant pis. Dem ist auch mit Mozarts Musik wahrscheinlich wenig zu helfen....


    Was die Bewertung des Filmes als Film angeht, denke ich, sind wir uns einig. Das ist zweifellos ein Klassiker der Filmgeschichte.


    Beste Grüsse,


    Claus

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Vielleicht ist sind auch viel profanere Gründe der Kern solcher Umsetzungen.
    Die Wahrheit ist nicht reißerisch genug.
    Dennoch ich mag den Film eigentlich auch sehr gerne, genauso wie "Farinelli", oder "der König tanzt", ganz zu schweigen von "die siebente Saite".
    Keiner der Filme hält sich an die Realität, aber allesamt sind sie schön anzusehen.
    Allerdings fand ich die Opernszenen in "Amadeus" grauslich wenn sie auf englisch gesungen werden *würg*


    Aber Alfred hat recht - der Normalbürger würde ersteinmal das was er da sieht für wahr erachten, oder zumindest dann nachlesen (das hoffe ich zumindest).
    Aber ich denke auch es kann viele Leute dazu animieren sich weiter mit dem Thema, der Musik zu befassen.


    Was "historische" Filme anbelangt da bin sehr kritisch, das fängt schon bei den Kostümen an...
    Aber es gibt auch viele positive Beispiele:
    Henry VIII and his six wives, ist so ein Fall, dort wird King Harry so dargestellt wie er wohl gewesen sein könnte. Zuerst ein Apoll, der glücklich mit seiner Frau ist, aber an deren Kinderlosigkeit verzweifelt und nur wiederwillig die weiteren Schritte geht.
    Im Laufe des Films zerbricht er an den Frauen und wird zu dem verfetteten kaltherzigen Monster.


    Die Meuterei auf der Bounty ist hingegen ein übles Thema, Bligh hatte vollkommen Recht, dieser Sauhaufen der durch Ausschweifung und Geilheit seine Pflicht vergaß...
    Sie massakrierten sich später gegenseitig selbst wegen der Frauen und die Insel ist noch Heute von Inzucht gezeichnet.
    Nicht der Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit war hier der Antrieb für den Aufstand, sondern die niedrigsten Triebe.
    Aber das führt zu weit...

  • Salut,


    „populärwissenschaftliche Halbwissensliteratur“ nennt man solche Schriften, bei denen der Autor eben kein Wissenschaftler ist, somit das Schriftwerk auch nicht annähernd wissenschaftlich fundiert ist, der Leser aber, der sich in diesem Thema nicht auskennt, den Eindruck hat, der Autor wäre ein solcher. Weiterhin sollen solche Literatur „unterhaltend“ sein. Ich denke, dies trifft zu, oder?


    Gleiches gilt - nicht vollumfänglich - für historische Romane wie z.B. Der Medicus oder Die Säulen der Erde. Hier wurde zwar der historische Hintergrund recherchiert, dennoch wurde teils die Geschichte an die Situationen angepasst, insbesondere, wenn bestimmte Figuren der Historie in Kontakt zu den Darstellern der historischen Romane treten. Jeder weiß, dass Der Medicus nicht der Wahrheit entspricht, man glaubt aber die "Hintergrundmusik" und findet das "Epos" einfach schön...


    Außerdem stimme ich dem Lullisten mal wieder zu, wenn er behauptet, die Wahrheit sei nicht reißerisch genug; dies hatte ich weiter oben bereits beschrieben.


    Sans, souci
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Was "historische" Filme anbelangt da bin sehr kritisch, das fängt schon bei den Kostümen an...


    (Mit gutem Grund! :])


    Zitat

    Aber es gibt auch viele positive Beispiele:
    Henry VIII and his six wives, ist so ein Fall, dort wird King Harry so dargestellt wie er wohl gewesen sein könnte. Zuerst ein Apoll, der glücklich mit seiner Frau ist, aber an deren Kinderlosigkeit verzweifelt und nur wiederwillig die weiteren Schritte geht.
    Im Laufe des Films zerbricht er an den Frauen und wird zu dem verfetteten kaltherzigen Monster

    .


    [Was ich Dir dann noch empfehlen würde, gewissermaßen als Fortsetzung: Der Film "Elisabeth", mit Cate Blanchett in der Hauptrolle. Historisch zwar nicht immer ganz genau, aber der Regisseur versteht es sehr gut die Wandlung von der jungen, lebenslustigen Prinzessin zur streng der Staatsräson verpflichteten Herrscherin, die ihr Wohl dem des Königreiches unterordnet. Die Filmmusik ist hervorragend! :)]


    Zitat

    Die Meuterei auf der Bounty ist hingegen ein übles Thema, Bligh hatte vollkommen Recht, dieser Sauhaufen der durch Ausschweifung und Geilheit seine Pflicht vergaß...
    Sie massakrierten sich später gegenseitig selbst wegen der Frauen und die Insel ist noch Heute von Inzucht gezeichnet.
    Nicht der Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit war hier der Antrieb für den Aufstand, sondern die niedrigsten Triebe.
    Aber das führt zu weit...

    [/QUOTE]


    Meine ich auch. Ganz so simpel ist die Sache nicht. Wenn wir nach dem Reglement der Royal Navy koujoniert worden wären, hätte uns das auch meutern lassen. Drei Dutzend mit der neunschwänzigen Katze für ein Pfund Käse ist nun wirklich hart. Übrigens ist zur "Bounty" gerade ein neues Buch erschienen, die Angaben habe ich jetzt aber gerade nicht zur Hand, reiche sie aber auf Wunsch gerne nach! :yes:


    Herzliche Grüße,


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Guten Morgen, Ulli,


    Zitat

    Original von Ulli
    „populärwissenschaftliche Halbwissensliteratur“ nennt man solche Schriften, bei denen der Autor eben kein Wissenschaftler ist, somit das Schriftwerk auch nicht annähernd wissenschaftlich fundiert ist, der Leser aber, der sich in diesem Thema nicht auskennt, den Eindruck hat, der Autor wäre ein solcher. Weiterhin sollen solche Literatur „unterhaltend“ sein. Ich denke, dies trifft zu, oder?


    Interessant, mir war der Begriff nicht geläufig....Ja, in diesem Sinne mag er auf "Amadeus" zutreffen. Wie bereits angedeutet, nicht weiter schlimm, weil es meiner ganz bescheidenen Meinung nach auch nicht um eine Filmbiographie Mozarts oder Salieris geht (höchstens sehr vordergründig).


    Dass der Film den schönen Nebeneffekt hat, dass man auch über die Musik Mozarts einmal neu nachdenkt, ist ja nur begrüssenswert.


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo Lullist,


    Zitat

    Dennoch ich mag den Film eigentlich auch sehr gerne, genauso wie "Farinelli", oder "der König tanzt", ganz zu schweigen


    Hast Du eine Ahnung wie man an den Film "Der König tanzt" herankommt, bzw. wo man ihn kaufen kann. Bei amazon Frankreich habe ich ihn schon gesehen, aber ich möchte ihn auf Deutsch!
    "Farinelli" gibt es ja noch gar nicht!?!



    Danke für Deine Hilfe diesbezüglich!


    Gruss
    Christoph



    Zum Thema hier:
    wenn wir es doch auf einen Punkt bringen: der Film "Amadeus" ist eine gross angelegte Würdigung bzw Hommage an die wunderschöne Musik Mozarts, die für viele Musik aus einer anderen Dimension zu sein scheint!

    Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!

  • Der König tanzt ist momentan wie alle guten Filme ;) nicht auf DVD erschienen.
    Du kannst ihn bei Amazon auf VHS bekommen, oder aber warten bis er wiedermal im Fernsehen läuft und ihn dann digital aufnehmen.
    Leider habe ich noch keinen DVD Recorder, und mein werter Herr Vater kommt mit dem seinen nicht klar :rolleyes:


    Übrigens bei dem Film "der König tanzt" stimmen die Kostüme auch nicht.
    Um 1654 trug weder der junge König noch sonst jemand ein Luvrée, das kam erst Ende der 1670er in Mode, aber das nur mal am Rande


    Einfach noch etwas Geduld, eventuell werden auch mal diese schönen Filme auf DVD in Deutschland erscheinen, wenn man bedenkt was für ein haufen Schrott bisher herausgekommen ist...


    Ebenfalls noch sehr von mir ersehnt:


    der schon angesprochene Henry VIII and his six wives
    L'Allée du Roy (die Allée des Königs)
    St. Cyr
    Marquise
    Ridicule
    die siebente Saite
    um nur einige der guten historien- bzw. Musikfime zu nennen.


    Eine Schande das manche noch nichtmal auf VHS in Deutschland erschienen sind - ist das vielleicht ein Indiz wie man unser deutsches Niveau einschätzt?

  • Hallo allerseits,


    da das Wetter gestern so schlecht war, also kein Ausflug anstand, lieh ich mir – völlig unbeeinflusst von Beiträgen in diesem Forum ;)– den Film „Amadeus“ aus.


    Hm, ich bin etwas zwiegespalten (obgleich mir schon klar ist, dass es nicht um eine historisch korrekte Widerspiegelung von Tatsachen ging):


    Zu allererst dachte ich: Warum um Gottes Willen hat man Mozart so ein albernes, affektiertes Verhalten verpasst, inkl. seines kaum erträglichen Gelächters? Er hampelte und lachte sich so übertrieben durch den Film, dass er mir hier und da auf die Nerven ging. Oder soll er tatsächlich ein so seltsamer Zeitgenosse gewesen sein? Ein wenig fehlte mir der Respekt vor dem großen Komponisten… aber das ist eben leider Hollywood.


    Andererseits war die Rivalität zwischen Salieri und Mozart schon recht spannend und eindringlich herausgearbeitet, wobei mir vor allem die schauspielerische Leistung des Salieri-Darstellers sehr gut gefiel. Der ganze Film war darüber hinaus sehr kurzweilig und schön anzuschauen.


    Dann gefielen mir auch wieder die musikalischen Einlagen, die Opernausschnitte usw. Gestern Abend – noch unter dem Eindruck des Films – dachte ich, dass ich meine Beschäftigung mit Mozart nun doch etwas intensivieren müsse. Und ich überlegte auch, dass ich für mich herausfinden will, was an dem Film evtl. der Wahrheit entspricht und was Fiktion, Übertreibung etc. ist.


    Ich muss dazu sagen, dass ich mich für Mozart bislang überhaupt nicht begeistern konnte, jetzt aber denke, dass mir vielleicht der rechte Zugang nicht gelang, weil ich mit den falschen Werken begann. Oder vielleicht war die Erwartungshaltung auch viel zu groß bei mir, denn Mozart bewahrte ich mir quasi als „Sahnestückchen“ bis ganz zum Schluss auf. Ich erwartete, in völlig neue Dimensionen entführt zu werden, allein aufgrund der Tatsache, dass er ja ein solches Wunderkind war und für viele Menschen den Inbegriff klassischer Musik schlechthin darstellt.


    Seit ewigen Zeiten habe ich hier im Regal das Hildesheimer-Buch über Mozart stehen, vollkommen unangetastet. Immerhin bewirkte der Film, dass ich es nun aus dem Regal nehme und demnächst lesen werde.
    Und gestern noch dachte ich, dass ich hier im Forum einen neuen Thread einrichten könnte - eben einen, der sich nicht zielgerichtet mit bestimmten Werken von Mozart beschäftigt, sondern ein Thema, welches Mozart-Einsteiger an sein Schaffen heranführt, indem essentielle Werke angesprochen werden, die besonders charakteristisch, eingänglich usw. sind und somit den Zugang erleichtern. (Was meinst Du, Alfred?) Ich habe nämlich beobachtet, dass ich mit meiner Mozart-Abneigung nicht ganz allein dastehe. Obgleich „Abneigung“ nicht das richtige Wort ist; sagen wir so: Es sprang bislang einfach kein Funke über.


    Bei jedem anderen Komponisten wäre es mir gleichgültig, ob ich mit ihm weiter beschäftige oder nicht – ich würde seine Werke halt einfach übergehen. Im Falle Mozart ist das anders gelagert: Ich habe das deutliche Gefühl, dass ich ihn irgendwann verstehen und vielleicht gar lieben werde. Und diesen Prozess würde ich gerne etwas vorantreiben… Insofern hat der Film bei mir trotz aller Kritik durchaus Positives bewirkt.


    Gruß, Cosima

  • Moin,


    Cosima bestätigt wieder meine Meinung über den wichtigsten Erfolg des Filmes. Viele Menschen haben sich danach mit Mozart neu oder wieder verstärkt beschäftigt. :yes:


    Der Salieri hat damals für seine schauspielerische Leistung übrigends den Oscar für die beste Hauptrolle bekommen.

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Hi,


    Salieri wäre sehr überrascht gewesen, aber Fahrid Murray Abraham hat sich sehr gefreut! :D

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus
    Hi,


    Salieri wäre sehr überrascht gewesen, aber Fahrid Murray Abraham hat sich sehr gefreut! :D


    Genau den meinte ich, der Name fiel mir nur gerade nicht ein. ?(

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Zitat

    Er hampelte und lachte sich so übertrieben durch den Film, dass er mir hier und da auf die Nerven ging. Oder soll er tatsächlich ein so seltsamer Zeitgenosse gewesen sein? Ein wenig fehlte mir der Respekt vor dem großen Komponisten… aber das ist eben leider Hollywood.


    Salut,


    dies ist natürlich - wie vieles in diesem Film - einfach des Effektes wegen übertrieben dargestellt [genauso wie quasi "seitenverkehrt" Herr Friedrich von Schiller in seiner Darstellung im neuen ? Film "Schiller"]. Allerdings gibt es eine Stelle, wo ich mir Mozart absolut so vorstelle, wie er gezeigt wurde [ich habe es an anderer Stelle schon beschrieben]: Ich meine die Szene, in der die Ouvertüre zur Zauberflöte erklingt und Mozart nach der langsamen Einleitung völlig vertickt zuckend in der Gegend herumspringt. So könnte er tatsächlich reagiert haben, als er das Thema aus der Klaviersonate von Muzio Clementi, den er als sciarlattano beschimpfte zitierte und für seine Zauberflöte verwendete. Aber das ist natürlich auch nicht gesichert...


    Nun denke ich, ist es an der Zeit, dass für 2006 mal ein Film mit dem Titel "Mensch! Mozart" auf die Leinwand kommt. Das Kinopublikum und die Mozartgemeinde[n] sind m.E. mittlerweile bereit dafür.


    sans, souci
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich denke, ich bin nicht der einzige, der sich gestern zu Neujahr und zum Auftakt des Mozartjahres auf ARD (oder ORF :jubel: ;)) dem hier diskutierten Hollywoodstreifen „Amadeus“ hingab. Erst war ich ganz heiß. Nach 10 Minuten begann ich mich zu ärgern, dass ich kein Band mitlaufen ließ. Verzaubert von der musikalischen Untermalung und den herrlichen Bildern beschloss ich die DVD zu erwerben und zum Schluss saß ich dann mit sehr gemischten Gefühlen vor dem Fernseher und hatte es fast bereut mir den Film angesehen zu haben. Warum? Wie viele stellte ich die Glaubwürdigkeit in Frage. Ist das alles so gewesen? Hat mir der Film ein falsches Bild gegeben, dass ich nur schwer wieder aus dem Kopf bekommen würde?


    War Mozart wirklich so schrullig?
    Konnte er sich tatsächlich nicht einmal bei Hofe benehmen?
    War Salieri wirklich so dermaßen hasserfüllt?
    War der Mann hinter der Maske tatsächlich der Mann hinter der Maske?
    Gab es den Mann mit der Maske wirklich?
    Woran ist Mozart gestorben?
    Diktierte er tatsächlich dem Widersacher Salieri?


    Heute entdeckte ich diesen Thread. Einiges wurde beantwortet. Vieles blieb offen (weil offensichtlich wissenschaftlich nie belegt). Doch ohne Film hätte ich mir diese Fragen vermutlich nicht, oder nicht so bald gestellt. Die Informationen in Euren Beiträgen habe ich aufgesogen wie ein Schwamm. Gelernt habe ich, dass nicht alles ungeprüft geglaubt werden sollte. Ich bin heiß und bleibe dran – am Mythos Mozart! Somit hatte der Film seinen Zweck.


    Eine Abschließende Frage sei mir allerdings gestattet. Nicht nur hier wird angeprangert, der Film stelle Salieri als Mörder Mozarts dar. Ist das tatsächlich so? Er ermunterte ihn (im Film) das Requiem zu vervollständigen. Er tat dies wohl wissend, dass er hieran zugrunde gehen würde. Wenn man dies als Mord definiert – OK. Von Gift habe ich aber nichts mitbekommen. Oder hab ich da was verpennt?


    Liebe Grüße
    Euer Gallo

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Zitat

    War Mozart wirklich so schrullig?


    Mozart wird nachgesagt, daß er wie ein kleines Kind reagieren konnte.
    Er hatte eine Vorliebe für derbe Sprache und Wortspiele.- und regiert manchmal einfältig. Auch mindestens ein Wutanfall ist überliefert, er schrie mit schriller Stimme wenn er würend war....


    Zitat

    Konnte er sich tatsächlich nicht einmal bei Hofe benehmen?


    Das halte ich für ein Gerücht. Wahr ist hingegen, daß Mozart ausgesprochen undiplomatisch war, die absolute Wiener Hofetikette war nicht seine Stärke.


    Zitat

    War Salieri wirklich so dermaßen hasserfüllt?


    Mit Sicherheit nicht. Dazu hatte er letztlich auch gar keinen Grund: Salieri war zu Lebzeiten erfolgreicher als Mozart, alle Eingaben Mozarts mussten über Salieri laufen. Wahr ist jedoch, daß die beiden Herren ein gespanntes Verhältnis zueinander hatten


    Zitat

    Woran ist Mozart gestorben?


    Das ist bis heute nicht restlos geklärt.


    Mit ziemlicher Sicherheit aber NICHT an einer Quecksilbervergiftung.
    Eine solche wurde nicht diagnostiziert.
    Die Ärzte der damaligen Zeit mögen vieles nicht gewusst haben, was man heute weiß. Quecksilbervergiftungen jedoch kannten sie - sie kamen relativ häufig vor, weil Syphiliis damals mit Quecksilber therapiert wurde und die Dosierung oft zu hoch gewählt wurde.......
    Mozart hatte nicht irgend einen Arzt , sondern die beiden angesehenen Ärzte Dr Closset und Dr. Sallaba. Keiner von beiden hat auf Quecksilbervergiftung getippt.


    Am Totenschein stand "Hitziges Frieselfieber" - es gibt die Vermutung, daß Mozart an einem rheumatischen Fieber zugrunde ging (aber es gibt auch andere Theorien - 'Nierenerkrankung beispielsweise)


    Diktierte er tatsächlich dem Widersacher Salieri?


    Nein. Es gibt eine unbestätigte Geschichte, wonach er Süssmayer genau instruierte wie er sich alles vorstellte....


    LG


    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Tamino Beethoven_Moedling Banner