Das wöchentliche Gedicht von Joachim Ringelnatz

  • Joachim Ringelnatz zählt zu meinen Lieblingsdichtern, und da mir die Gedichte viel zu selten begegnen, habe ich mich entschlossen, ein neues Thema zu erstellen, in dem jede Woche ein neues Gedicht von Ringelnatz gepostet werden soll. Ich will aber nicht unbedingt alleine posten. Jedes interessierte Tamino-Mitglied kann, beginnend ab nächster Woche, zwischen Donnerstags 20.00 Uhr und Freitags bis 20.00 Uhr ein neues Gedicht posten. Wenn kein Gedicht gepostet wurde, werde ich ein neues posten.
    Zum Auftakt habe ich ein Gedicht gewählt, das, wie ich meine, irgendwie zur morgen beginnenden neuen Bundesligasaison passt:



    Fußball (nebst Abart und Ausartung)


    Der Fußballwahn ist eine Krank-
    Heit, aber selten, Gott sei Dank.
    Ich kenne wen, der litt akut
    An Fußballwahn und Fußballwut.
    Sowie er einen Gegenstand
    In Kugelform und ähnlich fand,
    So trat er zu und stieß mit Kraft
    Ihn in die bunte Nachbarschaft.
    Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
    Ein Käse, Globus oder Igel,
    Ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
    Ein Kegelball, ein Kissen war,
    Und wem der Gegenstand gehörte,
    Das war etwas, was ihn nicht störte.
    Bald trieb er eine Schweineblase,
    Bald steife Hüte durch die Straße.
    Dann wieder mit geübtem Schwung
    Stieß er den Fuß in Pferdedung.
    Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
    Die Lampenkuppel brach sofort.
    Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
    Der Tante Berta an die Brust.
    Kein Abwehrmittel wollte nützen,
    Nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
    Noch Puffer außen angebracht.
    Er siegte immer, 0 zu 8.
    Und übte weiter frisch, fromm, frei
    Mit Totenkopf und Straußenei.
    Erschreckt durch seine wilden Stöße,
    Gab man ihm nie Kartoffelklöße.
    Selbst vor dem Podex und den Brüsten
    Der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
    Was er jedoch als Mann von Stand
    Aus Höflichkeit meist überwand.
    Dagegen gab ein Schwartenmagen
    Dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
    Was beim Gemüsemarkt geschah,
    Kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
    Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
    Durch Publikum wie wilde Bienen.
    Da sah man Blutorangen, Zwetschen
    An blassen Wangen sich zerquetschen.
    Das Eigelb überzog die Leiber,
    Ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
    Kartoffeln spritzten und Zitronen.
    Man duckte sich vor den Melonen.
    Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
    Dann donnerten die Kokosnüsse.
    Genug! Als alles dies getan,
    Griff unser Held zum Größenwahn.
    Schon schäkernd mit der U-Bootsmine
    Besann er sich auf die Lawine.
    Doch als pompöser Fußballstößer,
    fand er die Erde noch viel größer.
    Er rang mit mancherlei Problemen.
    Zunächst: Wie msoll man Anlauf nehmen.
    Dann schiffte er von dem Balkon
    sich ein in einem Luftballon.
    Und blieb von da an in der Luft.
    Verschollen. Hat sich selbst verpufft. -
    Ich warn euch, ihr Brüder Jahns,
    Vor dem Gebrauch des Fußballwahns!


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute nun das neue wöchentliche Gedicht von Joachim Ringelnatz, mit leichter Verspätung:


    Genau besehn


    Wenn man das zierlichste Näschen
    Von seiner liebsten Braut
    Durch ein Vergrößerungsgläschen
    Näher beschaut,
    Dann zeigen sich haarige Berge,
    Daß einem graut.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Der von William B. A. initiierte Thread verspricht viele Gelegenheiten zum Schmunzeln und manche Minute der Erbauung, da die Gedichte von Ringelnatz uns auch heute noch ans Herz gehen.


    Ich möchte heute eines aus der Serie "Die Schnupftabaksdose" von 1912 einbringen:


    Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
    Der war auf seine Gattin sehr stolz.
    Die trug eine goldene Haube
    Und war eine Messingschraube.
    Sie war etwas locker und etwas verschraubt,
    Sowohl in der Liebe, als auch überhaupt.


    Sie liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm
    In einem Astloch. Sie wurden intim.
    Kurz, eines Tages entfernten sie sich
    Und ließen den armen Nagel im Stich.
    Der arme Nagel bog sich vor Schmerz.
    Noch niemals hatte sein eisernes Herz
    So bittere Leiden gekostet.
    Bald war er beinah verrostet.


    Da aber kehrte sein früheres Glück,
    Die alte Schraube wieder zurück.
    Sie glänzte übers ganze Gesicht.
    Ja, alte Liebe, die rostet nicht!


    Euch allen einen schönen und besinnlichen Abend.


    LG
    Portator

  • Schöen Dank, lieber Portator, dass du mich mit diesem Thread nicht allein gelassen hast.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    mitnichten wollte ich Dich in diesem thread alleine lassen – ich wollte nur nicht dazwischen funken.
    Also anbei mein Beitrag zu Ringelnatz :)


    Der Sänger
    Vor dem Debut soupierend saß,
    Bei einer Frau, der Sänger.
    Sie staunte über seinen Fraß
    Und wurde immer länger.


    Der Sänger auf die Bühne trat,
    Schlicht, ohne sich zu rühmen.
    Ein Hauch von Bier und Fleischsalat
    Verlor sich in Parfümen.


    Der Sänger sang das hohe C.
    Der Beifall wuchs und tobte.
    Die Dame in der Loge B
    Stand auf und garderobte.


    Der Sänger stürzte aus dem Haus
    In den verschneiten Garten.
    Die Dame folgte, einen Strauß
    Auspackend, voll Erwarten.


    Der Sänger lüpfte seinen Frack
    Und duckte sich im Garten.
    Es klang wie »Schlacht am Skagerrak«.
    Die Dame mußte warten.


    Vom langen Stehn im nassen Schnee
    Holt man sich Rheumatismus. –
    Der Sänger mit dem hohen C
    Kennt seinen Mechanismus.


    (Joachim Ringelnatz, 1929)



    Mit bestem Gruß
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Lieber JLang, auch für deine Teilnahme bedanke ich mich sehr herzlich, nur hatte ich ein Gedicht pro Woche vorgesehen, damit wir nicht zu schnell mit Ringelnatz durch sind. Und meine Einschränkung: Donnerstag 20:00 Uhr bis Freitag 20:00 Uhr rührt daher, dass ich donnerstags Chorprobe habe und auch an einem Donnerstag den Thread begonnen habe, und um auch wirkliche Interessenten anzusprechen, habe ich die Zeit auf 24 Stunden begrenzt. Für den Fall, dass sich keiner interessiert hätte, hätte ich ab freitags 20.00 Uhr das nächste Gedicht eingestellt. Da ich aber jetzt schon 2 Interssenten versammelt sehe, denke ich, dass der Thread läuft. Und man darf natürlich mehr als ein Gedicht einstellen, aber immer zu der o.a. Zeit.
    Also bis Donnerstag.
    Sollte der Thread vernünftig laufen, kann man das mit einem anderen Dichter (Goethe, Schiller usw.) fortsetzen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber William B. A.
    oh, wer lesen kann ist klar im Vorteil, tut mir leid, daß ich mich einfach mal eben darüber hinweggesetzt habe.
    Also bis Donnerstag.


    Herzlich
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Ich suche Sternengefunkel.
    Sonne brennt mich dunkel.
    Sonne drohet mit Stich.
    Warum brennt mich die Sonne im Zorn?
    Warum brennt sie gerade mich?
    Warum nicht Korn?
    Ich folge weißen Mannes Spur.
    Der Mann war weiß und roch so gut.
    Mir ist in meiner Muschelschnur
    So neglige zu Mut.
    Kam in mein Wigwam
    Weit über das Meer,
    Seit er zurückschwamm,
    Das Wigwam
    Blieb leer.
    Drüben am Walde
    Kängt ein Guruh - -
    Warte nur balde
    Kängurst auch du.

  • Das nenn' ich einen "Quell der Freude" (incl. Humor! Und erst das Versmaß!!!).


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Ich habe eigentlich schon einen Beitrag gepostet, aber wollte einfach zeigen, daß ich doch lesen kann.
    Außerdem konnte ich mir den post angesichts des aktuellen Wahlkampfes dann doch nicht verkneifen, man soll ja nicht alles so ernst nehmen ;)


    Das Parlament
    Im Parlament geht's zu.
    Was die für Schnäbel haben, –
    Da sind wir Waisenknaben
    Dagegen, ich und du.


    Mein Onkel Rolf aus Rügen,
    Der ist einmal hineingewählt.
    Wenn er recht voll ist und erzählt,
    Dann merkt man, wie die lügen.


    Ich habe selber zugeschaut,
    Wie der das Volk vertrat.
    Das geht auf keine Kuhhaut.
    Man meint, die spielen Skat.


    Nur manchmal, wenn der Präsident
    Laut läutet, gibt es Ruhe.
    Doch alles, was im Parlament
    Geschieht, ist nur Getue.


    Sie wollen sich in Wirklichkeit
    Nur großtun und vertagen
    Und freun sich auf die Ferienzeit.
    Wo wir die Steuern tragen.


    Mir geht das ganz daneben.
    Ich bin selbst im Gesangverein.
    Die wolln halt auch beisammen sein.
    Und jeder Mensch will leben.

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Es lohnt sich doch
    Es lohnt sich doch, ein wenig lieb zu sein
    Und alles auf das Einfachste zu schrauben,
    Und es ist gar nicht Großmut zu verzeihn,
    Daß andere ganz anders als wir glauben.


    Und stimmte es, daß Leidenschaft Natur
    Bedeutete im guten und im bösen,
    Ist doch ein Knoten in dem Schuhband nur
    Mit Ruhe und mit Liebe aufzulösen.

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Heute möchte ich Euch ein kürzeres, aber in seiner Aussage sehr wahres Gedicht von Ringelnatz spendieren:



    Freude


    Freude soll nimmer schweigen.


    Freude soll offen sich zeigen.


    Freude soll lachen, glänzen und singen.


    Freude soll danken ein Leben lang.


    Freude soll dir die Seele durchschauern.


    Freude soll weiterschwingen.


    Freude soll dauern


    Ein Leben lang.



    LG
    Portator



  • Lieber Portator,


    auch wenn du das Gedicht hier 2 Stunden zu früh eingestellt hast (s. Beitrag 6), so überwiegt doch die FREUDE :jubel:

  • Auch ich freue mich über jedes neue Gedicht. Weiter so!


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Wie ich bei dir gelegen


    Habe im Bett, weißt du es noch?


    Weißt du noch, wie verwegen


    Die Lust uns stand? Und wie es roch?


    Und all die seidenen Kissen


    Gehörten deinem Mann.


    Doch uns schlug kein Gewissen.


    Gott weiß, wie redlich untreu


    Man sein kann.


    Weißt du noch, wie wir's trieben,


    Was nie geschildert werden darf?


    Heiß, frei, besoffen, fromm und scharf.


    Weißt du, daß wir uns liebten?


    Und noch lieben?


    Man liebt nicht oft in solcher Weise.


    Wie fühlvoll hat dein spitzer Hund bewacht.


    Ja unser Glück war ganz und rasch und leise.


    Nun bist du fern.


    Gute Nacht.

  • Ein männlicher Briefmark erlebte


    Ein männlicher Briefmark erlebte
    was Schönes, bevor er klebte.
    Er war von einer Prinzessin beleckt.
    Da war die Liebe in ihm erweckt.


    Er wollte sie wiederküssen,
    da hat er verreisen müssen.
    So liebte er sie vergebens.
    Das ist die Tragik des Lebens!


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Ich freue mich ja wirklich über die rege Beteiligung, ihr Lieben, vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt, aber ich hatte nur ein Gedicht pro Woche insgesamt vorgesehen, nicht ein Gedicht pro teilnehmendem Tamino, damit dieser Tread noch eine Weile laufen kann.
    Alo, achtet bitte darauf.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Eine Bringschuld aus der vorigen Woche muss ich noch begleichen, heute ein Gedicht, das zu meinen Lieblingen zählt und weiland von dem großen Günter Lüders unvergleichlich dargeboten wurde:


    Arm Kräutchen


    Ein Sauerampfer auf dem Damm
    stand zwischen Bahngeleisen,
    machte vor jedem D-Zug stramm,
    sah viele Menschen reisen.


    Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
    schwindsüchtig und verloren,
    ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
    mit Augen, Herz und Ohren.


    Sah Züge schwinden, Züge nah'n.
    Der arme Sauerampfer
    sah Einsenbahn um Eisenbahn,
    sah niemals einen Dampfer.


    Ab heute Abend, 20 Uhr bis morgen Abend 20.00 Uhr, ist wieder Zeit für das nächste Gedicht, aber bitte nur eines pro Woche.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Da bis heute noch kein Wochengedicht aufgetaucht ist, möchte ich eines einstellen:


    Ü b e r a l l


    Überall ist Wunderland.
    Überall ist Leben.
    Bei meiner Tante im Strumpfenband
    Wie irgendwo daneben.
    Überall ist Dunkelheit.
    Kinder werden Väter.
    Fünf Minuten später
    Stirbt sich was für einige Zeit.
    Überall ist Ewigkeit.


    Wenn du einen Schneck behauchst,
    Schrumpft er ins Gehäuse,
    Wenn du ihn in Kognak tauchst,
    Sieht er weiße Mäuse.



    LG


    Portator

  • In der letzten Woche war ich auf Chorreise, und nun fehlt noch das Gedicht für die letzte Woche ab Donnerstag/Freitag. Ich habe eins ausgesucht, das entfernt mit dem Beethoven-Forum zu tun hat:


    Nach dem Gewitter


    Der Blitz hat mich getroffen.
    Mein stählerner, linker Manschettenknopf
    ist weggeschmolzen, und in meonem Kopf
    summt es, als wäare ich besoffen.


    Der Doktor Berninger äußerte sich
    darüber sehr ungezogen:
    Das mit dem Summen wär' typisch für mich,
    das mit dem Blitz wär' erlogen.


    Liebe Grüße


    Willi :huh:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Melante,


    du bist herzlich eingeladen, auch ein Ringelnatz-Gedicht einzustellen. Die Zeit läuft von Donnerstag 20.00 Uhr bis Freitag 20,00 Uhr. Wenn in dert Zeit kein Gedicht eingestellt ist, stelle ich selbst eins ein bis zum nächsten Donnerstag 20.00 Uhr. Es sollte aber im Ganzen nur ein Gedicht pro Woche sein, nicht pro Tamino.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • So, 20.00 Uhr ist vorbei, deshalb stelle ich das neue Gedicht der Woche ein, heute eins aus dem Themenkreis "Kleine Wesen":


    Die Seifenblase


    Es schwebte eine Seifenblase
    Aus einem Fenster auf die Straße.


    "Ach, nimm mich mit dir", bat die Spinne
    Und sprang von einer Regenrinne.


    Und weil die Spinne gar nicht schwer,
    Fuhr sie im Luftschiff übers Meer.


    Da nahte eine böse Mücke,
    Sie stach ins Luftschiff voller Tücke.


    Die Spinne mit dem Luftschiff sank
    Ins kalte Wasser und ertrank.


    Liebe Grüße


    Willi ;(

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Keine Bange, ich möchte hier nicht die zeitlichen Vorgaben verletzen, sondern allen Ringelnatz-Freunden einen Hinweis geben.


    Bei jpc ist für einen Betrag von EURO 12,12 die nachfolgende Box, bestehend aus 4 CDs mit 280 Minuten Laufzeit zu erwerben:



    Der kürzlich verstorbene Otto Sander präsentiert ein Potpourri der schönsten, besten, hintergründigsten Gedichte und Erzählungen von Joachim Ringelnatz. Über "den Unvergleichlichen" sagt er: "So schief war er ins Leben gebaut, dass er sich oft daran den Kopf gestoßen hat. Mit ihm gelacht und mit ihm geweint habe ich nun schon seit manchem Jahrzehnt - mit ihm gelangweilt habe ich mich noch nie." (Rückseitentext der CD-Hülle).


    LG


    Portator

  • Ich hatte mir diese Woche den Donnerstag 20 Uhr vorgemerkt, aber aus einem besonderen Grund verpasst. Da nun seit 14 Tagen kein neues Gedicht mehr erschienen ist, hole ich nachträglich das fehlende nach. Ein Gedicht, dass auch entfernt etwas mit Musik zu tun hat:



    Ohrwurm und Taube


    Der Ohrwurm mochte die Taube nicht leiden.
    Sie hasste den Ohrwurm ebenso.
    Da trafen sich eines Tages die beiden
    in einer Straßenbahn irgendwo.


    Sie schüttelten sich erfreut die Hände
    und lächelten liebenswürdig dabei
    und sagten einander ganze Bände
    von übertriebener Schmeichelei.


    Doch beide wünschten sie sich im stillen,
    der andre möge zum Teufel geh'n,
    und da es geschah nach ihrem Willen,
    so gab es beim Teufel ein Wiedersehn.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Dass in der Vorwoche kein Gedicht erschien, lag nicht nur an den anderen Taminos, sondern auch daran, lieber Gerhard, dass ich bis heute Mittag insgesamt 14 Tage offline war infolge eines Anbieterwechsels. Deshalb hole ich heute das Gedicht vom 18. 10. 2013 nach ebenfalls wie das deine aus dem Themenkreis der "Schnupftabaksdose", das aber allenfalls etwas zu tun haben könnte mit dem großen Tafeln nach einem besonders langen Konzert:


    Es trafen sich von ungefähr
    Ein Wolf, ein Mensch, sowie ein Bär,
    und weil sie lange nichts gegessen,
    so haben sie sich aufgefressen.
    Der Wolf den Menschen, der den Bär,
    der Bär den Wolf. - Es schmeckte sehr
    und blieb nichts übrig als ein Tuch,
    drei Haare und ein Wörterbuch.
    Das war der Nachlass dieser drei.
    Der eine Mensch, der hieß Karl May.


    Auf ein Neues morgen ab 20.00 Uhr.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute nun ein Gedicht aus der Serie Turngedichte 1920:


    Ringkampf


    Gibson (sehr nervig), Australien,
    Schulze, Berlin (ziemlich groß).
    Beißen und Genitalien
    Kratzen verboten- - Nun los!


    Ob sie wohl seelisch sehr leiden?
    Gibson ist blaß und auch Schulz.
    Warum fühlen die beiden
    Wechselnd einander den Puls?


    Ängstlich hustet jetzt Gibson.
    Darauf schluckt Schulze Cachou.
    Gibson will Schulzen jetzt stipsen.
    Ha! Nun greifen sie zu.


    Packen sich an, auf, hinter, neben, in,
    über, unter, vor und zwischen,
    Statt auch längs, zufolge, trotz
    Stehen auf die Frage wessen.


    Doch ist hier nicht zu vergessen,
    daß bei diesen letzten drei
    Auch der Dativ richtig sei.


    (Pfeife des Schiedsrichters.)


    Wo sind die Beine von Schulze?
    Wem gehört denn das Knie?
    wirr wie lebendige Sulze,
    Mengt sich die Anatomie.


    Ist das ein Kopf aus Australien?
    Oder Gesdäß aus Berlin?
    Jeder versucht Repressalien,
    Jeder lässt keinen entfliehn.


    Hat sich der Schiedsmann bemeistert,
    Lange parteilos zu sein;
    Aber nun bnrüllt er begeistert:
    "Schulze, stell ihm ein Bein!


    Zwinge den Mann mit den Nerven
    Nieder nach Sitte und Jus.
    Kannst du dich über ihn werfen
    Just wie im Koi, dan tu's!"


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).