Die grossen Geigerinnen der letzten 50 Jahre

  • Aber es ist vermutlich doch so, dass speziell Sammler von Instrumentalaufnahmen speziell Violine da einen besonderen Sammlertick haben, die müssen dann JEDE Aufnahme der Bachsonaten haben. Während es vermutlich weit weniger Sammler gibt, die z.B. alle Aufnahmen der Brandenburgischen Konzerte oder von Beethovens 5ter haben müssen.


    Keine Ahnung. Ich kenne einen mit ca. 200 mal Schuberts "Großer C-Dur" (Ex-Forianer observator) und Eric Grunin hatte etwa dieselbe Größenordnung für sein "Eroica-Projekt".
    http://www.grunin.com/eroica/recommended.htm (leider anscheinend nicht mehr richtig online)


    Dann gab es einen mit 100+ Bachschen Cello-Suiten und Holger Kaletha mit Chopins b-moll-Sonate, Joseph II. und Norbert mit 50+ diverser Beethovensinfonien...


    Ich selbst habe zB überproportional häufig (niedrig zweistellig, aber weit entfernt von "alle") Diabelli-Variationen, (Späte) Sonaten und Quartette Beethovens, Schuberts Streichquintett. Ich sehe da kein Muster...

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die englische Geigerin Chloe Hanslip (Jahrgang 1987) ist inzwischen zwar ziemlich bekannt, der ganz große Star ist sie aber noch nicht. Zyniker könnten sagen, sie sieht halt nicht ganz so hinreissend aus, wie einige ihrer geigenden Alterskolleginnen. Aber genauso hinreissend geigen tut sie auf jeden Fall. Sie war für 10 Jahre Schülerin von Zakhar Bron, der auch Repim, Vengerov, Hope und Garrett ausbildete. Ich habe ihre Karriere ziemlich von Anfang an mitverfolgt, schon ihre erste CD war mir positiv aufgefallen:



    Das sitzt so eine Teenagerin, die aussieht, als wenn sie auch noch mal mit Puppen spielt und offeriert einen bunten Strauss von supervirtuosen Violinstücken. Das machte mich neugierig und tatsächlich, sie beherrschte sie alle und wie. Ein schlanker, leuchtender Ton, leicht und völlig umangestrengt spielte sie was das Zeug hergab.


    Kurz darauf wurde sie zur Echo Nachwuchskünstlerin 2002 gekürt und erhielt auch den Britt Classical Award 2003. Trotzdem ließ sie Warner nach einer zweiten ebenfalls wunderbaren CD mit Bruch 1+3 unverständlicherweise fallen. Das war auch Klaus Heymann nicht entgangen, der sie prompt zum Naxos-Label holte und eine Serie mit ausgefallenem Repertoire mit ihr einspielte: Violinkonzerte von Jeno Hubay und Benjamin Godard, das John Adams Konzert und Violinstücke von Bazzini, alles tolle CDs, die in jede anständige Sammlung gehören.


    Inzwischen ist sie bei Hyperion gelandet. Da ist sie m.E. gut aufgehoben und bereichert die Romantic Violin Concerto Serie mit wertvollen Beiträgen.
    Gerade gehört aus meiner Lieferung der Sonderangebote:
    Vol 14 mit Glasunov und Schoeck.



    Glasunovs VC spielt sie ganz wunderbar ebenso wie die beiden kürzeren Schmankerln von ihm. Das Violinkonzert von Schoeck kannte ich noch gar nicht und das war eine lohnende Begegnung. Komponiert für die junge Geigerin Steffi Geyer, in die sich Schoeck wie auch ein berühmterer Kollege unglücklich verliebt hatte, ist dies 35-minütige Werk ein veritables romantisches Violinkonzert in der Tradition von Brahms und Dvorak. Nicht allzuviel eigenständiges, aber die bekannten Stilmittel doch effektvoll eingesetzt und melodisch durchaus sehr ansprechend. Und hinreissend gespielt.


    Von Chloe Hanslip ist noch einiges zu erwarten.




  • Zitat

    ... sie sieht halt nicht ganz so hinreissend aus, wie einige ihrer geigenden Alterskolleginnen.


    Nun, Zyniker sind wir alle, Männer auch, soweit wir solche sind. Dann ist auch noch alles ein ganz klein bisschen ein wenig eine Geschmacksfrage.


    Nun, was ich eigentlich sagen wollte: Man vergleiche oben das erste Foto von Chloe Hanslip mit dem dritten. Da sage noch einer, dass es so etwas wie objektive Fotografie gibt und Kleider iwS keine Leute machen würden. 8o


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zwischen 13/14 und 17/18 verändern sich Menschen allerdings mitunter recht stark. Allerdings sieht sie auf der Bruch-CD (der zweiten und letzten als "Warner-Wunderkind") auch erheblich glamouröser aus, obwohl erst 14 oder 15. Nur ASM war mit 15 nicht glamourös hinzukriegen...

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Wenn es eine Geigerin gibt, auf die das böse Kritikerwort von den Models, die auch geigen können, zuzutreffen scheint, dann ist das Leila Josefowicz. Man muss nur in google ihren Namen eingeben und "Bilder" anklicken und wird mit einem Wust von attraktiven, verführerischen Fotos konfrontiert. Das täuscht leicht darüber hinweg, dass es sich hier um eine außerordentlich ernsthafte und musikalische Künstlerin handelt, wovon ich mich vor zwei Jahren bei einer hervorragenden Darbietung des wahrlich nicht publikumswirksamen Bartokkonzerts selbst überzeugen konnte.
    Leila Josefowicz lernte das Handwerk bei gleich vier der bedeutendsten Lehrer des 20. Jahrhunderts, nämlich bei Jaime Laredo, Joseph Gingold, Felix Galimir und Jascha Brodsky.
    Mit 16 Jahren (!) gab sie bereits ihr Debüt in der Carnegie Hall mit dem Tschaikovsky Konzert. Seitdem ist sie eine fixe Größe im Geigerinnen-Himmel, die nicht nur mit dem Standard-Repertoire durch die Gegend reist, sondern auch immer wieder zeitgenössische Komponisten zu für sie geschriebene Violinkonzerte anregt. Leila Josefowicz war mit Dirigent Kristjan Järvi verheiratet und lebt mit ihrem gemeinsamen Sohn in New York.




  • Und eine andere habe ich hier ganz vergeblich gesucht, nämlich die Amerikanerin Wiener Abstammung


    Erica Morini,


    die bis 1995 in NYC gelebt und einiges für die DGG aufgenommen hatte. Ich habe die Infoquellen über sie noch nicht erforscht, aber die A- Dur Violinsonate von C. Franck, zusammen mit Rudolf Firkusny, aufgenommen 1961 2 x gehört. Leider hört man die beiden Instrumente so, als ob sie in zwei verschiedenen Ecken eines Raume spielten. Das hat aber den Vorteil, dass einem beim Hören nichts entgeht, was die beiden zusammen spielen (trotzdem tippe ich auf eine ursprüngliche Monoaufnahme).


    Morini hat eine traumwandlerisch sichere Intonation und meistert jede Schwierigkeit, sie spielt sehr musikalisch, bevorzugt aber einen eher klassischen, vielleicht zurückhaltenden Interpretationsstil.


    Schön wäre es, wenn sich einer unserer Geigenspezialisten ihrer annehmen würde, um uns etwas zu erleuchten...:/:hail: