Opernästhetik

  • o ist da ein freudianischer Verschreiber? Ich sehe nur "das Opernpublikums" statt "des..."
    Ich sehe auch kein "moralisches Gefälle".


    Nun, wählt man für die Unterhaltung das semantisch in negative Richtung gehende Wort "abdriften", das auch in der Realität, z.B. in der Seefahrt ein Fehlverhalten bedeutet, und für den RT-Regisseur das Positivum "Berufung", dann ist damit ein moralisches Gefälle festgelegt.
    Das mag nun ernst gemeint sein oder nicht. Ist auch egal, denn ich habe nichts mehr als ihn scherzhaft darauf hingewiesen, mehr nicht.

  • Wenn ich so lese, was hier in den letzten Tagen veröffentlicht wurde, packt mich ein wenig das Grausen. Meine Einstellung, mich zur Sache nicht zu äußern, hat sich bewährt. Was ich früher zu solchen Themen gesagt habe, wiederhole ich jetzt:
    Hört auf, hört endlich auf. Klickt die threads an, die ein anderes Bild von unserem Forum vermitteln. Klickt "Seicento" an, klickt Helmut Hofmann an, mit seinen großartigen Interpretationen der Mahlerschen Lieder, klickt WoKas wunderbare Nachtmusiken an oder auch meine "Giganten". Da rückt sich einiges zurecht, vor allem, dass es hier um Musik und nicht unsere Eitelkeiten geht.
    Diese Art der Debatten ist ja alt. Schon in der Reformationszeit litt Melanchthon unter der "rabies theologorum". Rabies ist die Tollwut; hier ist viel davon.

    Canada is the US running by the Swiss (Richard Ford)

  • Es tut mir leid, aber seit Jahren ist mein überwältigender Eindruck Deiner Beiträge, dass in der Mehrzahl (oder jedenfalls sehr häufig) eine (mehr oder minder) witzige, mitunter auch treffende und scharfsinnige Bemerkung im Vordergrund steht und eher selten der Wunsch, eine Sachlage zu klären. Das ist anscheinend ein Kommunikationsdefizit von meiner Seite, aber es ist ein ziemlich eindeutiger und langfristiger Eindruck, dass es Dir vor allem anderen wichtig ist, als Meister witziger Bonmots rüberzukommen.


    Und selbst wenn Du recht hast, dass die von Dir in #20 zitierten Sätze Holgers nicht völlig "unschuldig" waren, sondern als Präjudiz ggü. den "Unterhaltungssuchenden" gedeutet werden können, waren die langen Eingangstexte auf der ersten Threadseite eindeutig in einem überwiegend berichtenden Ton abgefasst, und es sieht nun mal leider wie ein Provokationsversuch aus, wenn man auf keinen einzigen der generellen oder theoretischen Punkte eingeht, sondern sich genau die leicht überspitzte Gegenüberstellung heraussucht und darauf kryptisch reagiert.


    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man guten Wissens und Gewissens leugnen kann, dass Holger Kaletha alles andere als unschuldig ist bei alledem, was sich hier entwickelt hat. Ich habe ihn weiter oben als "armen Hund" bezeichnet. Dabei bleibe ich - mit einem Funken mehr Toleranz für diejenigen, mit einem Funken weniger Selbstgerechtigkeit - könnte er es so unendlich viel leichter haben, Opernliebhaber, die aus seiner und aus Deiner Sicht beschränkt sind - vielleicht sind sie es ja wirklich - die Augen einen Spalt weiter zu öffnen! Mein Gott - ist er nicht auch in der Lehre tätig, ist ihm das fremd, was man Didaktik nennt?


    Kurz zu hami. Er hat etwas, was der Welt manche Kriege ersparen würde - er hat Humor. Fundamentalist ist er ganz gewiss nicht und mehr "Skeptiker" und in einem liebevollen Sinne "Philosoph" als Kaletha auf jeden Fall. So wie Du ihn charakterisierst, empfinde ich das auch als große Frechheit - ganz ehrlich! X(


    Ich denke aber, dass ich jetzt aufhöre. Ich frage mich zusehends, womit ich hier meine Zeit verplempere. Ich muss nicht ganz gescheit sein ...


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Es wäre natürlich überhaupt nicht normal, in irgendeiner Oper "zum Mitmachen gezwungen zu werden". Meines Wissens wird aber niemand zum Mitmachen gezwungen. (Außer beim Rundfunkbeitrag.)


    Doch! Darüber haben wir genug diskutiert, du hast es wahrscheinlich nur übersehen. Nur ein Beispiel: In Köln, welche Oper weiß ich nicht mehr, sollten die Chormitglieder auf der Bühne bei einer Sex-Orgie mitmachen. Es gab Streik. Es drohte der Rauswurf von Mitgliedern. Der Regisseur: "Macht es wie zu Hause mit eurem Ehepartner"! Das ist und war beileibe kein Einzelfall!

    W.S.

  • Opernliebhaber, die aus seiner und aus Deiner Sicht beschränkt sind - vielleicht sind sie es ja wirklich

    Wer ist denn nicht beschränkt? Alle Menschen sind beschränkt, das gehört zum Menschsein dazu. Sogar die Allergelehrtesten hier sind beschränkt, nur die wissen das nicht immer. ;)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Doch! Darüber haben wir genug diskutiert, du hast es wahrscheinlich nur übersehen. Nur ein Beispiel: In Köln, welche Oper weiß ich nicht mehr, sollten die Chormitglieder auf der Bühne bei einer Sex-Orgie mitmachen. Es gab Streik. Es drohte der Rauswurf von Mitgliedern. Der Regisseur: "Macht es wie zu Hause mit eurem Ehepartner"! Das ist und war beileibe kein Einzelfall!

    Das war "Samson und Dalila" in Köln, Regisseur war Tilman Knabe.


    http://www.express.de/koeln/-s…er-im-blauen-zelt-5853802

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Zitat

    Hört auf, hört endlich auf. Klickt die threads an, die ein anderes Bild von unserem Forum vermitteln.


    Nein, ich denke, ich werde allmählich überhaupt nichts mehr anklicken. Schade um Seicento und Helmut Hofmann. Mit dem hatte ich auch mal Kabbeleien - aber der ist ja im Vergleich geradezu ein Sympathieträger par excellence. Du schon auch! Johannes Roehl frustriert mich ein wenig - da hatte ich Besseres in Erinnerung - aber vermutlich tue ich ihm Unrecht. Es wird ihm wurscht sein - ich würde es ähnlich halten. :P:S;(


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Wer ist denn nicht beschränkt? Alle Menschen sind beschränkt, das gehört zum Menschsein dazu. Sogar die Allergelehrtesten hier sind beschränkt, nur die wissen das nicht immer. ;)


    Dialektik kann so einfach sein, so menschenfreundlich. Du hast nicht Philosophie studiert, kann das sein? :P:S;(


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!


  • Ich möchte mal gerne wissen, wenn von den Liebhabern "moderner" Opern-Auslegung Familienmitglieder aus dem Ensemble (Frau, Tochter) zum Mitmachen gezwungen werden. Zum Bsp. "Armidia" von Calixte Bieito. Wäre das auch normal?


    Was nun gerade an dieser Armida so schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht. Da hätte ich ohne Probleme selbst mitgewirkt, und gegen die Mitwirkung von Familienmitgliedern hätte ich auch nichts.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Doch! Darüber haben wir genug diskutiert, du hast es wahrscheinlich nur übersehen. Nur ein Beispiel: In Köln, welche Oper weiß ich nicht mehr, sollten die Chormitglieder auf der Bühne bei einer Sex-Orgie mitmachen. Es gab Streik. Es drohte der Rauswurf von Mitgliedern. Der Regisseur: "Macht es wie zu Hause mit eurem Ehepartner"! Das ist und war beileibe kein Einzelfall!


    Ein kurzer und schmerzhafter Beitrag, Herr Namensvetter. Kannst Du alle Einzelfälle beweisen? Stimmst Du wenigstens der Theorie zu?


    Leutchen, merkt Ihr denn nicht, wie traurig das alles hier ist!? Das sind die Momente, wo ich mir denke, in welchem Maße mir doch die Putzfrau aus der Nachbarschaft über ist ...


    Wolfgang, der gerade seinen Nachdenklichen hat. Kann gerne alles gelöscht werden.

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

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  • Was nun gerade an dieser Armida so schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht. Da hätte ich ohne Probleme selbst mitgewirkt, und gegen die Mitwirkung von Familienmitgliedern hätte ich auch nichts.


    Ich denke doch, dass Wolfgang hier etwas anderes sagen will, und ich denke auch, dass Du das weißt. Aber auch diese Masche durchschaue ich allmählich.

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Das war "Samson und Dalila" in Köln, Regisseur war Tilman Knabe.


    Toll, das ist doch was "Modernes"! Besonders wenn Frau und Tochter mitspielen müssen!



    Zitat


    Was nun gerade an dieser Armida so schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht. Da hätte ich ohne Probleme selbst mitgewirkt, und gegen die Mitwirkung von Familienmitgliedern hätte ich auch nichts.


    Ja, genauso habe ich dich auch eingeschätzt! :thumbdown:

    W.S.

  • So leid es mir tut - das hat für mich nichts mit Verständnis für moderne Theaterregie zu tun, über die ich als Germanist auch ein wenig weiß. Das ist Provokation um derselben willen. Das sind die berühmten Anfänge, derer man sich sonst doch immer geflissentlichst zu wehren hat, und es sei es nur der politischen Korrektheit halber. Ich habe jedenfalls nicht studiert und promoviert, um mir hier eine Narrenkappe aufsetzen zu lassen, nur weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Hurz!


    So leid es mir tut, ich bin tatsächlich etwas erschüttert und geneigt, Narrenkappen zu verteilen, wenn meiner Ansicht nach von der geballten Intelligentsia hier, die Ebenen ständig verfehlt werden und sich immer wieder an konkreten Fällen festgebissen wird. Es geht, zum wiederholten Male, zumindest aus meiner Sicht, doch nicht um einen generellen Freibrief. (Selbst wenn vielleicht am Ende ein solcher stehen muss!)


    Es geht, erst einmal unabhängig von irgendwelchen konkreten Inszenierungen, zum einem um Grundsatzfragen, wie die, ob ein Theaterstück (in erster Linie) eine Umsetzung eines ("ewigen") Textes ist oder in erster Linie ein "performativer Akt" (was geschwollen formuliert ist, aber einfach ein tatsächliches in Raum und Zeit ablaufendes Bühnengeschehen meint) ist, der in einer (evtl. eher indirekten) Relation zu einem Text steht, aber als ein eigenständiges (und das eigentliche) Kunstwerk angesehen wird.
    Bzw. um eine davon abweichende Position, wie sie Stimmenliebhaber zitiert hat.
    Dann um die Spannungen bzw. das Wechselspiel von prodesse et delectare. Dann um gegenseitiges Verstärken oder in Spannung zueinander Treten von Text, Musik, Visuellem.
    Das sind m.E. alles Dinge, in denen vernünftige Leute aus guten Gründen unterschiedliche Positionen vertreten können. Keine von denen ist prima facie absurd, keine ist völlig unproblematisch. Wenn das zugestanden würde, wäre für mich schon sehr viel erreicht.


    Nun geht es aber darum, was aus solchen Grundpositionen folgt. (Und der Philosoph muss halt den Argumenten folgen, wohin sie führen, selbst wenn's weh tut und man im Alltag lieber inkonsistent daherlebt.)
    Wenn nun daraus folgt, dass es nahezu unmöglich ist, allgemeine Regeln für die zulässigen Freiheiten einer Aufführung zu geben, weil man eben keine scharfen, objektiven Grenzen hat, was zulässige "Mittlertätigkeit" und was willkürliche Entstellung ist. (Oder weil die Aufführung eh das eigentliche Kunstwerk und die Relation zum Text eher lose ist)
    Und weil eben Celi im halben Tempo eine faszinierende Einsicht bieten kann, ebenso eine "Zeichentrickzauberflöte" oder "Bordell-Entführung" und man die Chancen auf solche interessanten ästhetischen Erlebnisse nicht im Vorfeld abwürgen will.
    Dann muss man halt auch mal Ergebnisse akzeptieren, die man für absurde Travestien hält.


    Schließlich kann man, beinahe unabhängig von der Theorie, meinen, dass die meisten Versuche, z.B. Theater/Operninszenierungen in strengerer Weise zu reglementieren und zu kontrollieren, schlimmere Folgen (Zensur) haben könnten, als ein paar "Porno-Opern", so geschmacklos die auch sein mögen.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Das ist anscheinend ein Kommunikationsdefizit von meiner Seite, aber es ist ein ziemlich eindeutiger und langfristiger Eindruck, dass es Dir vor allem anderen wichtig ist, als Meister witziger Bonmots rüberzukommen.


    Weiß ich selber nicht, aber manchmal sticht mich einfach der Hafer und leider lasse ich mich bisweilen von allzu großer Ernsthaftigkeit irritieren und dann kommt es zu Reaktionen, die manche als Provokation empfinden. Es dürfte aber auch bekannt sein, dass ich meistens den Faden in seriösem Sinn wieder aufnehme und keinem absichtlich auf den Schlips trete.


    Dass ich viel von meinem Herzblut für Dvořák und Mussorgskij in anderen Threads vergossen habe, ohne Respons zu finden, steht auf einem anderen Blatt.
    Und ständig zu hören, wie geistig zurück geblieben man ist und ob man überhaupt lesen kann, kann mich auch nicht dazu animieren, ernsthaft zu bleiben.
    Schließlich ist es doch so, wer hier nicht Partitur lesen kann, ist im Voraus im Nachteil und auf die Mildtätigkeit der Wissenden angewiesen.
    Nur ein Beispiel. Als ich gestern oder vorgestern den Namen Otmar Suitner in einem Schubert-Thread eingebracht hatte, war das Schweigen kompakt, habe wohl in der Kirche geflucht.
    Nun ja, Schwamm drüber, ich werde mich in Zukunft raus halten.


  • Ich denke doch, dass Wolfgang hier etwas anderes sagen will, und ich denke auch, dass Du das weißt. Aber auch diese Masche durchschaue ich allmählich.


    Dann bin ich scheinbar zu blöd, um zu verstehen, was er eigentlich sagen will. Irgendwelche "Maschen" anzuwenden ist im übrigen nicht mein Stil.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Ich meine, dass es nicht darauf ankommt, wer angefangen, sondern wer mitgemacht hat.


    Eine Einstellung, die den unberechtigten Angriff sanktioniert. Im Übrigen unterstelle ich dir nichts, du vertrittst deinen Standpunkt nunmehr ohne viel Getöse was mir anfänglich nicht so vorkam.
    Damit will ich ebenfalls dieses Thema beenden.

  • Ich mache jetzt kein Vollzitat, werter Johannes Roehl, und ich habe Deinen Beitrag auch nur überflogen. Mit dessen theoretischer Fundierung stimme ich überein. Wundert Dich das? Ich bin kein Idiot.


    Aber ich mag nicht mehr. Denn das Problem ist ein anderes. Fünfmal habe ich es bereits erzählt. Es reicht halt nicht.


    Es gibt eindeutige Zitate - ich suche sie jetzt nicht heraus, es war im Kontext des letzten "Bruchs" von Kaletha mit Operus -, die genau das ad absurdum führen, woran Deiner Meinung nach wir Intelligentsia so kläglich scheitern. Kaletha bedeutet Operus, dass dieser schlechthin einen - oder mehrere - Regisseure quasi ihrer Berufsehre beraube. Er stellt diese als sakrosankt dar - unmissverständlich, in scharfer, beleidigter Manier. Das war für mich der entscheidende Aufhänger, das hat mich derart verärgert - gebe ich gerne zu - dass ich nicht mehr bereit war, ihn ernst zu nehmen. Bitte stoße jetzt nicht in das gleiche Horn, nimm Abstand von Deiner Distanzlosigkeit Kaletha gegenüber und gehe bitte - verdammt noch mal - davon aus, dass wir hier nicht alle geschlossen verblödet sind. Auch habe ich Dich gebeten, die obigen Beiträge von hasiewicz wenigstens zur Kenntnis zu nehmen.


    Ich habe Deine Beiträge immer ausnahmslos geschätzt. Ich bin jetzt - ganz meinerseits - konsterniert.


    Vor allem aber gehe ich jetzt ins Bett und hoffe, morgen und abgesehen davon, dass ich dann wieder einen Packen Korrekturen haben werde, das Forum nicht betreten zu wollen - ja, es ist eine Sucht und, wie hasiewicz an anderem Ort gesagt hat, es ist eine gedankenfressende Pflanze. Mit geistiger Anregung hat das nichts mehr zu tun, nur mit dem Kampf gegen vergeistigte Windmühlen.


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hört auf, hört endlich auf. Klickt die threads an, die ein anderes Bild von unserem Forum vermitteln. Klickt "Seicento" an, klickt Helmut Hofmann an, mit seinen großartigen Interpretationen der Mahlerschen Lieder, klickt WoKas wunderbare Nachtmusiken an oder auch meine "Giganten". Da rückt sich einiges zurecht, vor allem, dass es hier um Musik und nicht unsere Eitelkeiten geht.
    Diese Art der Debatten ist ja alt. Schon in der Reformationszeit litt Melanchthon unter der "rabies theologorum". Rabies ist die Tollwut; hier ist viel davon.


    Tut mir leid, ich werde kein Thread anklicken von jemandem, dessen erbärmliche Einstellung in der Flüchlingsfrage ich kenne. Diese Frage ist jedenfalls von anderer Dignität als die des Regietheaters.

  • Tut mir leid, ich werde kein Thread anklicken von jemandem, dessen erbärmliche Einstellung in der Flüchlingsfrage ich kenne. Diese Frage ist jedenfalls von anderer Dignität als das Regietheater.

    Habe ich da was verpasst? Um wen geht es da gerade?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


  • Dann bin ich scheinbar zu blöd, um zu verstehen, was er eigentlich sagen will. Irgendwelche "Maschen" anzuwenden ist im übrigen nicht mein Stil.


    Ich dachte, es sei nicht Dein Stil. Ich denke es immer noch. Der Stil gewisser anderer Diskutanten ist es aus meiner Sicht durchaus. Aber lassen wir das.


    Wenn ich jetzt völlig irre liege, bitte ich Dich um Vergebung.


    Es geht doch wohl darum, dass Regisseure es mit dem Strafrecht und mit der Menschenwürde nicht gar so genau nehmen. Das ist dann infam und ich nehme an, dass Wolfgang in diese Richtung gedacht hat. Ist das bei Künstlern nicht relevant, das Strafrecht und die Menschenwürde? Oder ist das nicht denkbar und daher unmöglich? Dann müsste es aber arg viel Lügenpresse geben und meinen Namensvetter möchte ich eigentlich auch nicht gerne der Lüge oder der unverfrorenen Übertreibung bezichtigen.


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

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  • Habe ich da was verpasst? Um wen geht es da gerade?


    Lieber Stimmenliebhaber,
    du wirst verstehen, dass ich hier keinen Namen nennen kann. Ich bin noch mit einigen früheren Taminos in Kontakt und habe festgestellt, dass es mit meiner Menschenkenntnis nicht weit her ist, denn was ich da von einigen zu lesen bekam, hat mich tief erschüttert. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es freundliche, liebenswerte Menschen gibt, denen ihre eigene Bequemlichkeit über alles geht und nicht begreifen, was vor sich geht. Ich habe neulich in einer Amsterdamer Zeitung das Foto eines Kindes gesehen, das gerade nach einer grausamen Fahrt übers Meer gerettet wurde. Die Augen des Kindes werde ich nie vergessen, in denen hatte sich der ganze Schrecken, die Furcht und die Hilflosigkeit eines verzweifeltes Wesens wiedergespiegelt und ich bin außer Stande, zu begreifen, wie unser Europa so in einem moralische Sumpf versinken konnte.

  • @hami: welchen Autor meinst du mit der Flüchtlingsfrage? Da ist mir wohl was entgangen.
    WolfgangZ: In der Psychologie gibt es eine Figur, die heißt "reframing". Das bedeutet, dass man ein schweres Problem löst, indem man es umdefiniert. Der Klassiker: man hat einen Christbaum, ein krabbelndes Kleinkind und einen Laufstall. Reframing hier heißt, den Weihnachtsbaum in den Laufstall zu setzen.
    Reframing hier im Thema würde heißen: ich ziehe mich zurück, weil ich die Probleme eh nicht lösen kann.
    Eine Erfahrung in meinem Leben ist die, dass man sich von Menschen, die übergriffig sind oder einem schaden, trennen muss.
    "Das Leben raubt uns mehr als der Tod", sagt Johannes Brahms. Dagegen können wir wenig machen, aber Menschen ausweichen, die einem nicht gut tun, ist nicht so schwer. Und mein Hinweis, als Alternative sich auf die wunderbaren Themen zu werfen, die das Forum in Fülle bietet, ist so aktuell wie eh und je.

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  • @hami: welchen Autor meinst du mit der Flüchtlingsfrage? Da ist mir wohl was entgangen.


    Das wirst du hier nicht lesen können, es ist aus privaten Mails. Dass du weit entfernt von den erwähnten Ansichten bist, weiß ich auch.

  • Jetzt muss ich doch noch etwas los werden. Es steht im Zusammenhang mit den letzten Beiträgen von Wolfgang und Bertarido.


    Sollte es explizit so sein, dass Regisseure aufgrund ihrer Machtposition eklatant Menschenwürde verletzen - ich hielt dies bislang dann doch für extrem selten -, dann erkläre ich ganz verbindlich meine Verachtung für alle, die das wissentlich billigen oder kunsttheoretisch rechtfertigen. Eine solche Doppelmoral ist nicht mehr lustig, sie ist schamlos, geschmacklos, eigentlich kriminell. Dann lasse ich mich gerne einen beschränkten Spießer schimpfen.


    Sollte es nicht eigentlich in einem solchen Forum eine Selbstverständlichkeit sein, wenn ein Moderator, wenn der Administrator unmissverständlich Stellung bezieht?


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • @hami: welchen Autor meinst du mit der Flüchtlingsfrage? Da ist mir wohl was entgangen.
    WolfgangZ: In der Psychologie gibt es eine Figur, die heißt "reframing". Das bedeutet, dass man ein schweres Problem löst, indem man es umdefiniert. Der Klassiker: man hat einen Christbaum, ein krabbelndes Kleinkind und einen Laufstall. Reframing hier heißt, den Weihnachtsbaum in den Laufstall zu setzen.
    Reframing hier im Thema würde heißen: ich ziehe mich zurück, weil ich die Probleme eh nicht lösen kann.
    Eine Erfahrung in meinem Leben ist die, dass man sich von Menschen, die übergriffig sind oder einem schaden, trennen muss.
    "Das Leben raubt uns mehr als der Tod", sagt Johannes Brahms. Dagegen können wir wenig machen, aber Menschen ausweichen, die einem nicht gut tun, ist nicht so schwer. Und mein Hinweis, als Alternative sich auf die wunderbaren Themen zu werfen, die das Forum in Fülle bietet, ist so aktuell wie eh und je.


    Danke - eine Ahnung war da!

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!


  • WolfgangZ: In der Psychologie gibt es eine Figur, die heißt "reframing". Das bedeutet, dass man ein schweres Problem löst, indem man es umdefiniert. Der Klassiker: man hat einen Christbaum, ein krabbelndes Kleinkind und einen Laufstall. Reframing hier heißt, den Weihnachtsbaum in den Laufstall zu setzen.
    Reframing hier im Thema würde heißen: ich ziehe mich zurück, weil ich die Probleme eh nicht lösen kann.
    Eine Erfahrung in meinem Leben ist die, dass man sich von Menschen, die übergriffig sind oder einem schaden, trennen muss.
    "Das Leben raubt uns mehr als der Tod", sagt Johannes Brahms. Dagegen können wir wenig machen, aber Menschen ausweichen, die einem nicht gut tun, ist nicht so schwer. Und mein Hinweis, als Alternative sich auf die wunderbaren Themen zu werfen, die das Forum in Fülle bietet, ist so aktuell wie eh und je.



    Lieber Dr. Pingel,
    ein guter Ansatz!
    In diesem Sinne gute Nacht!
    Herzliche Grüße


    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."




  • Es geht doch wohl darum, dass Regisseure es mit dem Strafrecht und mit der Menschenwürde nicht gar so genau nehmen. Das ist dann infam und ich nehme an, dass Wolfgang in diese Richtung gedacht hat. Ist das bei Künstlern nicht relevant, das Strafrecht und die Menschenwürde? Oder ist das nicht denkbar und daher unmöglich? Dann müsste es aber arg viel Lügenpresse geben und meinen Namensvetter möchte ich eigentlich auch nicht gerne der Lüge oder der unverfrorenen Übertreibung bezichtigen.


    Wolfgang


    Selbstverständlich müssen Regisseure die Menschenwürde wahren, so weit geht auch die Freiheit der Kunst nicht. Etwas anderes hat hier aber auch niemand behauptet (auch Holger nicht). Und das Strafrecht gilt natürlich auch auf der Bühne, sakrosankt ist niemand. Ich bin auch strikt dagegen, Sänger unter Druck zu setzen, nackt auf der Bühne aufzutreten oder an Sex-Szenen mitzuwirken, da sollte die individuelle Schamgrenze respektiert werden. Ich weiß nur nicht, was das alles mit der "Armida" zu tun hat. Ich habe diese Aufführung an der Komischen Oper zweimal gesehen, und mir sind weder Verletzungen der Menschenwürde, noch strafrechtlich relevante Handlungen auf der Bühne aufgefallen. Wenn ich mich recht erinnere, waren nur eine Reihe von Statisten nackt auf der Bühne zu sehen (alte Menschen), und ich kann mir kaum vorstellen, dass man die dazu gezwungen hat.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Hört auf, hört endlich auf. Klickt die threads an, die ein anderes Bild von unserem Forum vermitteln.


    Das ist wohl das Letzte was Einige wollen und auch können, lieber Dr. Pingel ( nicht das Klicken, sondern das Aufhören)
    Aus meiner Sicht kann man hier sehr schön das sehr menschliche ( weil zutiefst widersprüchliche) Phänomen der Hassliebe vermengt mit einem Überschuss von ebenfalls menschlicher Rechthaberei beobachten.
    Paradoxerweise lieben sie es sehr, sich zwangsläufig hassen zu müssen. Wenn dann einer wieder etwas schreibt, was wieder einmal ( und von wem sonst hätte es kommen können, als wieder von diesen :cursing::thumbdown: )...so zutiefst und bodenlos :cursing: grrrr ist, dann kann man es einfach nicht so stehenlassen. Nur dieses einmal Mal noch, man muss es wirklich nur noch einmal geraderücken, dann verlässt man endgültig dieses Forum........ach doch nicht, man kann soll denen, ausgerechnet denen, bzw, dem (!)doch nicht einfach so das Feld.....jedenfalls hat man es ihm noch einmal so richtig gegeben.
    Und daraufhin wieder die Reaktion aus dem gegnerischen Schützengraben. "Waaaaas??"
    "Na warte......" Wir wollen ja alles, aber verlieren wollen wir hier nicht!


    Und so geht es eben zwangsläufig weiter, immer weiter.
    Ach ja, um unsere geliebte Oper geht es uns doch nur - und da sollen bloß nicht diese Linken-Zerstörer bzw. diese reaktionären Rechtsradikalen......das muss doch `mal in aller Deutlichkeit....


    Man müsst gute Schauspieler an diese Texte hier `ranlassen, daraus ein Hörspiel machen und es dann um 02.00 Uhr nachts auf WDR 3 für Autofahrer senden, die auf der A2 mit dem Schlaf kämpfen. Vielleicht hülfe es ja gegen das Einschlafen. Oder man ließe es von Konwisch.....( wie hieß er noch gleich?) auf die Bühne bringen, der es dann natürlich verunstalten würde, indem er die Handlung in einen Sandkasten verfrachten würde....
    Welcher Stoff wenn nicht dieser ergäbe eine tolle Grundlage für das aburdes Theater ?


    Die Wolfgangs und Gerhards, ja doch, ich denke schon, dass sie tatsächlich auch irgendwo ihren Holger brauchen, so vehement sie das auch bestreiten würden. Wie langweilig wäre der Krieg bzw. das digitale Leben, ohne einen richtigen, formidablen Feind? Ich habe im Leben auch schon Streitigkeiten mit Brüllereien etc. erlebt. Wenn ich es mir überlege, dann ist mir dabei auf jeden Fall nie langweilig gewesen, auch wenn ich mich dabei selbst vorgeführt habe....
    Und so geht es dann eben weiter, immer weiter. Zöge Holger sich zurück, dann wäre es auf einmal langweilig. Man erfreut sich kurz an der Einigkeit....und dann? Dann hat man ja nichts mehr zu reden, vor allem wohl auch deshalb, weil gegenseitige Bestätigungen auf die Dauer arg langweilig werden können.


    So absurd es erscheinen mag, ist es dennoch sehr menschlich, allzu menschlich. Es wäre ja auch menschlich, wenn man plötzlich auf die Idee käme, sich selbst und sein Rechthaben nicht so ernst zu nehmen. Kennt irgendeiner die Geschichte vom Weihnachtswunder im Schützengraben des ersten Weltkriegs? So was wäre hier unvorstellbar. Unvorstellbar war aber auch der Gedanke, dass eines Tages die Mauer, die durch Deutschland und Berlin ging, fallen könnte.


    Ich lese maximal einmal pro Tag hier hinein, um dann zu checken, wie weit man auf der nach oben offenen Eskalationsskala denn nun heraufgestiegen ist.
    Die Antwort auf diese Frage ist dann für mich ein ganz bisschen unterhaltend. Von der eingangs aufgebrachten und durchaus anregenden Frage der Opernästhetik musste man sich ja dann doch früher oder später verabschieden, was unter diesen Voraussetzungen offenkundig unvermeidlich war.


    Wen interessiert schon, wie man das Continuo aus musikalischen Gründen beim "Et in Spiritum Sanctum" der h-moll Messe am besten besetzen sollte oder wie man es mit den Temporelationen und Registrierungen beim Fiamenga-Capriccio von Frescobaldi hält. Ich mache diese Fragen dann am besten weiterhin mit mir privat aus.


    Schlaft gut, der Kampf geht morgen in eine weitere Runde.


    Gruß
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Die Wolfgangs und Gerhards, ja doch, ich denke schon, dass sie tatsächlich auch irgendwo ihren Holger brauchen, so vehement sie das auch bestreiten würden. Wie langweilig wäre der Krieg bzw. das digitale Leben, ohne einen richtigen, formidablen Feind? Ich habe im Leben auch schon Streitigkeiten mit Brüllereien etc. erlebt. Wenn ich es mir überlege, dann ist mir dabei auf jeden Fall nie langweilig gewesen, auch wenn ich mich dabei selbst vorgeführt habe....


    Die hamis hättest du fast noch geschrieben, aber es ist dir Gott sei Dank noch rechtzeitig eingefallen, dass ein solches Exemplar nur einmal in einem Jahrhundert und nur im Singularis auftauchen kann.


    Kennt irgendeiner die Geschichte vom Weihnachtswunder im Schützengraben des ersten Weltkriegs? So was wäre hier unvorstellbar. Unvorstellbar war aber auch der Gedanke, dass eines Tages die Mauer, die durch Deutschland und Berlin ging, fallen könnte.


    Ich kenne sie sehr gut und wenn ich hier vom moralischen Sumpf gesprochen habe, in den unser Europa versunken ist, so war der Gedanke an diese wunderbare Geschichte nicht fern. In dieser Frage musste ich die schmerzliche Erfahrung machen, dass mich Menschen im Stich gelassen haben, die ich zu meinen Freunden gezählt hatte.


    Wen interessiert schon, wie man das Continuo aus musikalischen Gründen beim "Et in Spiritum Sanctum" der h-moll Messe am besten besetzen sollte oder wie man es mit den Temporelationen und Registrierungen beim Fiamenga-Capriccio von Frescobaldi hält. Ich mache diese Fragen dann am besten weiterhin mit mir privat aus.


    Tja, ich würde meine Erstgeburtsrecht dafür hergeben, könnte ich nur im entferntesten hier mit einem Experten einen Diskurs führen.
    Du kannst aber ruhig schlafen, so selten wie du denkst, ist das Interesse an deinen Beiträgen bei weitem nicht.


    Von der eingangs aufgebrachten und durchaus anregenden Frage der Opernästhetik musste man sich ja dann doch früher oder später verabschieden, was unter diesen Voraussetzungen offenkundig unvermeidlich war.


    Vielleicht hätte sie etwas mehr penetriert werden können, wenn nicht nur die RT-Gegner überlaut in die Posaune geblasen hätten, sondern auch der Verfasser des Threads nur ein einziges Mal auf berechtigte Einwände der Gegenseite positiv reagiert hätte. Das wird aber wohl niemals geschehen.


    Zum Schluss: Amateure werden von den Experten hier im Forum selten für voll genommen. Ich habe das neulich wieder in einem Schubert-Thread erlebt. Ich war so dumm, Otmar Suitner als einen guten Schubert-Interpreten zu nennen. Peinliches Schweigen. Da trau ich mich nimmer hin.
    Was geschähe übrigens, wenn ich Schumanns Sinfonien als eine der besten der romantischen Epoche nennen würde? Schandpfahl oder Verbannung?
    Doch nicht, denn Paavo Järvi vertritt die gleiche Ansicht.

  • Lachend kann auch ich's nun nicht lassen.
    Schließlich erlebte ich dereinst eine Opernaufführung, in der alles zu hören und zu sehen war, was mein Herz begehrte.
    Eine kluge Dramaturgie seitens Werk und Regie, wundervolle Arien, die zur tiefen Erschütterung dienten, ebensolche, die des Humors nicht entbehrten.
    Auf der Bühne wenig Brimborium, dafür mit sparsamen Mitteln Beziehungen dargestellt, mit wenigen Akzenten Komik vermittelt, Tragik ebenso.
    Das erlebte nicht ich allein derart, nein, das Publikum wollte nach dem Schlusschor partout nicht in Beifall ausbrechen, sondern verblieb schweigend- bis eine der Sängerinnen den ihr überreichten Blumenstrauß ins Publikum warf, woraufhin die Anspannung sich löste und nicht enden wollender Applaus sich tosend Bahn brach.


    Bedauerlicherweise eine Oper, die hier als solche nicht akzeptiert wird, eine seria, nämlich Händels "Tamerlano". Und noch dazu von Peter Konwitschny in Szene gesetzt- warum also hier schreiben? Doch nicht etwa des großartigen Erlebnis wegen, dient der Thread doch eher dem sich schmücken mit fremden Federn anhand von endlosen Zitatenketten.


    Also völlig fehl hier,
    Mike

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