Wolfgang Amadeus Mozart: Cosi fan tutte

  • Sagitt meint:


    Hier wurde schon viel über die Cosi gestritten, anhand einer Text-und Kontextanalyse. Richtig kompliziert wird es aber erst, wenn man die Musik einbezieht. In welchem Umfang macht Mozart den Text denn überhaupt mit ? Meine These: die Musik macht das Werk zeitlos. Als rokoko-Verwechslungskomödie wurde sie nicht mehr interessieren. Historiker vielleicht, aber sonst ?
    Die Musik bringt die Ebene echter Gefühle hinein, und macht das Stück kaum erträglich. Nicht nur bei den Frauen, sondern mindestens auch bei Ferrando, der im Duett mit Fiordiligi nicht nur Rache spürt, sondern tiefe iebe zu F. die ihm ja viel mehr entspricht. Die Rache tritt völlig in den Hintergrund,die Musik signalisiert:Liebe. Deswegen ist ein Zurück an auch für ihn schrecklich ( das macht den Flimm´schen Einfall so überzeugend- es schneit am Schluss- alle Empfindung eingefroren,ähnlich, aber vom Bild bei weitem nicht so überzeugend, Doris Dörrie).
    Der Absturz von einem Liebes-Ideal in die Realität kann grausam sein. Der C-Dur-Schluss macht diesen Absturz noch schlimmer, weil in Wirklichkeit nichts gut ist. Alles ist zerbrochen. Berechtigt wird darauf hingewiesen, dass Alfonso weniger Philosoph als vielmehr ein Frauen-Hasser ist, der Befriedigung in der Demütigung gewinnt. Diese ist gelungen, die Wunden aller werden übertüncht. Das ist zeitlos.

  • Zitat

    Original von sagitt
    Berechtigt wird darauf hingewiesen, dass Alfonso weniger Philosoph als vielmehr ein Frauen-Hasser ist, der Befriedigung in der Demütigung gewinnt. Diese ist gelungen, die Wunden aller werden übertüncht. Das ist zeitlos.


    Liebe Fairy Queen,


    da können wir doch einsteigen, denn das meintest du doch auch!




    Zitat

    Don Alfonso ist an dem ganzen Dilemma der Cosi-Verwicklungen und dem absolut unbefriedigenden Finale schuld!


    Die Eingangsszene zeigt, dass er wohl provozierte, dass aber die beiden jungen Burschen ihn letztlich auf Degenspitze dazu brachten, zu handeln. Um nur mal einen Gedankenstrang als Argumentation zu bringen (und da gehe ich aus, dass vor allem da Ponte aber auch Mozart ein erfahrener Liebhaber war): Woher nimmst du, dass sich die Paare lieben?


    Nur, weil sie immer davon singen? Ich halte sie für junge, noch unerfahrene, d.h. die Eierschalen der Pubertät noch nicht verloren habende Menschen, die Verliebtheit und Liebe durcheinander werfen.


    Nicht Liebe, Verliebtheit macht Männer zu solch laut krähenden Hähnen. Verliebtheit ist aber eine Form der Eigenliebe, die das für wahr nimmt, wie sie sich im anderen gespiegelt findet. Wo Liebe die existenzielle Begegnung mit dem fremden Du ist, das Teil des Ichs wird, geht es bei Verliebtheit um Egoismus und Besitzstände. Als Besitz, als Ware, aber sind die Partner austauschbar - und eben das demonstriert Don Alfonso gezwungenerweise - wer könnte ihm deswegen einen Vorwurf machen?

    Zitat

    Er ist meines Erachtens ein Zyniker, der den Glauben an die Liebe (warum auch immer...) verloren hat und nun den jungen Leuten, die sich noch voller Enthusiasmus in die Liebe stürzen, seine Sichtt der Welt aufoktroyiert.


    Ob er den Glauben an die Liebe verloren hat, ist zumindest aus der Oper nicht erkennbar, wir erleben ihn nur in seinem Glauben an Vernunft und menschlichen Beziehungen, die auf gegenseitiger Erkenntnis aufbauen.


    (Nur so wird es auch verständlich, dass die Musik Mozart dieses überwältigende Gefühl von Verliebten in beiden Akten bei wechselnden Partnern so wahrhaft wiedergibt.)


    Zitat

    Das tut er durch ein raffiniertes Spiel , in welchem Alle Viere wie Marionetten vorgeführt werden und am Ende mindestens zwei Kreuzunglückliche, nämlich Ferrando und Fiordiligi im Trümmerhaufen der Illusionen und Ehen, die gar nciht mehr funktionieren KÖNNEN, zurückbleiben.


    Um mit dem letzten anzufangen: beide Paare sind nicht verheiratet, sie bezeichnen sich als verlobt, was das auch heißen soll. Beides ist eine Sache, die zu dieser Zeit zwischen Familien vertragen wird, aber Eltern oder Vormünder kommen gar nicht vor. Wir sind im unverbindlichen Raum gegenseitiger Verliebtheit, im Vexierraum erotischer Spiegelungen - wozu auch solche raffinierten Spiele gehören, wie sie in dieser Zeit üblich waren (denk nur mal an Marivaux). Die "Marionetten" entwickeln sehr schnell ihr Eigenleben (wie immer wieder die Musik Mozarts beweist).


    Wie kreuzunglücklich Ferrando und Fiordiligi sind - und wie lange, können wir nur vermuten, das Ende ist offen. Sind sie es, so ist das eine Chance, dass sie zu einer wahrhaft menschlichen Beziehung finden, nicht zu dem Vor-Schein, der bestand, bevor Don Alfonso eingriff.


    Zitat

    Wenn man das Libretto ERNST nimmt, ist Cosi eine tieftraurige Oper, die mich von Anfang an serh verstört hat, so wunderbar die Musik auch immer ist.


    Nun, ich nehme - meine ich - das Libretto sehr ernst - ich sehe eine comédie humaine, in der das ganze Spektrum menschlicher Gefühle verborgen ist, wenn man Don Alfonso und Despina auch in den Kosmos des Geschehens einbezieht - lustig, aber eben so lustig, wie ein "Figaro" eben auch nur sein kann, es berührt schon die Wurzeln unserer Existenz. Im Figaro werden die Verlaufslinien zwischen Flirt, Verliebtheit (Cherubino etwa) und Liebe (Gräfin) sehr viel deutlicher, wir haben es aber auch mit reiferen Personen zu tun.


    Zitat

    Mozart war ein Mann mit Lebenserfahrung und hat auch nur die zweite Wahl geheiratet, obschon er mir dabei sicher eher ein pragmatischer Gullielmo-Typ zu sein scheint und mit der offenbar sehr sinnenfrohen Constanze nicht unglücklich war (wenn man den herrlichen Briefen an sie Glauben schenkt).


    Meiner Meinung nach hat er nicht die zweite Wahl geheiratet, aber das ist noch ein anderes Fass (Ich bin ein ausdrücklicher Constanze-Verehrer)


    Zitat

    Nicht zu vergessen ist natürlich auch Despina! Auch sie ist eine Desillusionierte und vermutlich Gestrandete der Liebe und alles andere als eine unschuldige kleine Soubrette!


    Auch sie ist sehr jung. Sie ist vom gleichen Schlag wie Despinetta aus der "Finta"!


    Zitat

    Das macht sie zur passenden und ebenbürtigen Genossin für Don Alfonso. Und sie bringt es sogar fertig, den alten Hagestolz noch ein bisschen auf den Arm zu nehmen, als er mit ihr flirten will und sie ihm so ganz beiläufig zu verstehn gibt, dass er in seinem Alter ja wohl besser......


    Ja, ja - das überlebt man nur als Philosoph mit Würde ...



    Zitat

    Natürlich kann man das Ganze auch als Nachfahrin der Commedia dell 'arte und eher komische Varante abtun, aber ich glaube nicht, dass Mozarts Musik dem entspricht, denn die Gefühle von Fiordiligi und Ferrando sind hier absolut in tragischer Seria-Manier gesehen und das Duett "Fra gli amplessi"ist für mich eines der schönsten Zeugnisse einer mit allen Qualen abgerungenen Kapitulation einer liebenden Frau.


    Wenn wir "liebend" durch "verliebt" ersetzen, bin ich dabei :)



    Liebe Grüße


    Peter

  • Zitat

    Er ist meines Erachtens ein Zyniker, der den Glauben an die Liebe (warum auch immer...) verloren hat und nun den jungen Leuten, die sich noch voller Enthusiasmus in die Liebe stürzen, seine Sichtt der Welt aufoktroyiert.


    Peter Brixius hat das ohnedies sehr schön analysiert


    Aber kurz ausgedrückt hat er nicht seine Sicht der Welt anderen aufgezwungen, sondern ihnen gezeigt wie die Welt in Wirklichkeit ist.


    Dazui hat er nicht die handelnden Personen manipuliert sonden sie lediglich eine Situation geschaffen, in der sie ihr wahres Gesicht zeigen mussten (Ähnlich heutigen Situationen in sogenannten Assessment Centern)


    Dann hat der den völlig Geschockten erklärt, daß ihr Verhalten völlig normal sei "COSI FAN TUTTE" und somit der Realität gerettet.


    Ob die Paare nun wieder zuenanderfinden under nicht - das ist nicht von Bedeutung


    a) im Fall JA wird es eine stabilere Beziehung als vor dem "Abenteuer"


    b) im Fall NEIN wurde eine Sollbruchstelle gezeigt, die in jedem Falle - dann allerdings zu spät aufgebrochen wäre.


    Die Annahme, daß die Beziehungen nun schiefgehen, ist übrigens eine Hypothese die nicht aus der Zeit der Entstehung stammt: Die Kernaussage sollte wohl sein, daß man sich gegenseitig so nimmt wie man ist - wie Menschen sind. Alles andere ist Illusion.....



    Don Alfonso ist IMO mehr abgeklärter Philosoph, als Zyniker, wobei Philosophie eine zynische Komponente kaum ausschliesst.


    Aus meiner Sicht ein in jeder Hinsicht geglücktes Werk...


    Es wurde hier angerissen, daß es nur eine Rokoko-Komödie sei - die heute keinerlei Aussagewert besässe.


    Wengleich ich das nicht ganz so sehe, werde ich mich dem letztlich anschliessen: Ja eine entzückendes Werk seiner Zeit, dennoch doppelbödig - und genauso sollte man es auch aufführen: Als Werk des späten 18. Jahrhunderts mit dem ganzen Charme dieses Zeitalters....


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Zitat

    Original von pbrixius
    ...


    Auch sie ist sehr jung. Sie ist vom gleichen Schlag wie Despinetta aus der "Finta"!
    ...


    Woraus schließt du das? ich glaube eher, dass sie älter als die beiden Schwestern ist. Mit einem sehr jungen Mädchen wird Don Alfonso sich kaum auf die Charade einlassen, da braucht man jemanden, auf den man sich verlassen kann.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Nun gut, also doch wieder raus aus dem Chambre separée und dann gleich gegen zwei Don Alfonso-Fans....Ich antworte also nun hier an Ort und Stelle..
    Ich versuche, eure Interpretation zunächstmal richtig zu verstehen.Sie ist mir etwas ungewohnt,aber umso anregender!
    Interpretiere ich den Ansatz rcihtig: Don Alfonso ist sozusagen als "moralische Instanz" eingesetzt, um aufzuzeigen, wie austauschbar Partner in verliebten , unreifen Beziehungen sind.
    Wie einfach man Verliebte manipulieren kann, sie aufs emotionale Glatteis führen kann, dass alle da im Grunde gleich sind und die wahren und authentischen Gefûhle einer reifen Liebe(was ist das dann bitte im Alfonso-Sinne????) nichts mit all diesem Komödienstadel zu tun haben??????
    Vernunft, Altersweisheit und intellektuelle Macht versus jugendlichen Wahn und hirnlose Emotionalität??????
    Ich verstehe dann allerdings das Finale nciht:
    Ist die Quintessenz des Ganzen nun am Ende: Liebe gibts nicht, ist nur Schall und Rauch. Deshalb heiratet, wen ihr wollt, ist sowieso egal?
    Oder ist die Quintessenz eine versteckte Gesellschaftskritik an der Praxis von Ehestiftungen unter unerfahrenen Paaren, die sich kaum kennen und dann noch blind genug sind, ihre eigenen Liebsten in lächerlicher Verkleidung nciht wIEDERzuerkennen????
    Das war für mch immer das Absurdeste an dieser Oper: wie können Fiordiligi und Dorabella ihre "Liebsten" nciht weidererkennnen????


    Bevor ich den Sinn des Finales aus EURER Sciht, lieber Peter und lieber Alfred nciht richtig erfasst habe, kann ich ncihts weiter dazu sagen. ?(



    Noch ein Wort zu Constanze Mozart: mit zweiter Wahl meinte ich NICHT sie als Person, sondern nur, dass Mozart ja eigentlcih rasend in ihre schwester verliebt war und Constanze erst dann ins Licht rückte, als Aloysia dankend abgelehnt hatte.... dass Constanze ihm vieleleciht sogar die bessere Ehefrau war und zumindest seine Spiel- und andere Triebe aufs Schönste mittrug, geht aus den wunderschönen Briefen hervor, die erhalten sind. Zudem war sie eine gute Sängerin, der er etliche Sopransoli in Uraufführungen (Messen) anvertraute und die aufgrund ihrer Erziehung musikalisch sehr wohl eine gute Ansprechpartnerin für ihn gewesen sein muss.
    Vielleicht war sie genau das, was ein Genie bracuht, so wie Christiane vielleicht genau das war ,was Goethe offenbar bracuhte .


    F.Q.

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • PS. zu Theophilus: Das ist wohl wahr! wir hatten diese Diskussion erst kürzlcih bei gesang.de. Despina singt zwar "Una donna a quindic'anni, aber sie singt keinesfalls "Sono una donna a quindic'anni"!!!!!!


    Despina ist eine mit allen Wassern gewaschene und mit Sicherheit nciht unerfahrene Frau und weiss genau, wie der Hase(in diesem Fall der vom Geschlechtstrieb umnebelte Intellekt des Mannes(Schopenhauer, nicht ich!!! :D) läuft.
    Sie ist mit Siciherheit viel reifer als Dorabella und Fiordiligi zusammen und wie ich schon sagte, iene ebenbürtige Verbündete des Don Alfonso, den sie sogar im Sinne von "Stizzoso mio stizzoso" ein bisschen necken kann.


    Wenn man scih die gesellschaftlcihen Hintergründe ienes Diesntmädchens anschaut, könnte man da noch allerlei Vermutungen ûber leidvolle Vergangenheit in Bezug auf hohe Herren etc anstellen. ... aber das führt serh weit.
    Allerdings ist sie nciht resigniert/Frustriert und zynisch, sondern behält immer ihren Humor und ihre weiblcihe Überlegenheit. Sei ist einfach nur pragmatisch und macht das Beste aus allem, scheint mir.. Mozart hat sie sicher geliebt, wie er ja auch Susanna und Zerlina liebte!


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Theophilus


    Woraus schließt du das? ich glaube eher, dass sie älter als die beiden Schwestern ist. Mit einem sehr jungen Mädchen wird Don Alfonso sich kaum auf die Charade einlassen, da braucht man jemanden, auf den man sich verlassen kann.


    Lieber Theophilus,


    aus dem Text kann man es erst einmal nur indirekt schließen. Es ist mehr die Charakteristik, die sie in der Musik erfährt. Dieses muntere Parlando widerspricht der Vorstellung einer von Leid geprüften Frau, die jetzt gereift und desillusioniert den Damen, die man ihr anvertraut hat, die Leviten liest.


    Nein, gerade die Arie Nr. 10 und die Bemerkung, die Fairy Queen ansprach, "A una fanciulla un vecchio come lei non può far nulla." (I,10) [Einem Mädchen kann ein Greis wie Sie nichts mehr tun], beweisen meiner Meinung nach eindeutig, dass sie eine junge Frau ist (una fanciulla ist ein Mädchen).


    LG Peter

  • Liebe Taminos,


    Die "Cosi" ist , wenn man so will, an einer Bruchstelle der Entwicklung entstanden, besser: in einem Übergang, der es erlaubt, alte und neue Werte in kunstvoller und letztlich nicht ganz aufzulösender Weise miteinander zu verbinden. Die Konvention und das gesellschaftliche Dekorum des 18.Jahrhunderts auf der einen Seite, die neue Bewußtheit romantischer Gefühle, die philosophische Betrachtungsweise gegenüber der reinen Emotion, das Wissen um die Regeln zwischenmenschlicher Beziehungen und auch den Wert dieser Regeln wie die Rolle des Sentiments, das steckt in diesem Werk, das wie kein zweites von Mozart seine Zeit spiegelt (wir neigen klarerweise dazu, es zu sehr von unserer Gegenwartsposition zu verstehen - die aber viele Parallelen aufweist). Es ist eine Komödie der Irrungen uind Wirrungen und besagt wohl indirekt auch, daß wir uns selbst nie ganz kennen - auch dann nicht, wenn wir Don Alfonso heißen...



    LG


    Waldi

  • Ja ja, die Don Alfredos dieser Welt glauben immer alles unter Kontrolle haben zu können und sind dann böse, wenn es nicht so glatt geht wie beabsichtigt.


    Pardon! Wollte natürlich schreiben "Don Alfonsos"!


    :D

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • Das ist für mich DIE Referenzaufnahme.


    Man höre nur eimal die Nr.16, das Terzett: "E voi ridete?"


    So gibt sich die ganze Aufnahme, Großartige Sänger, hervorragendes


    Orchester, großer Mozart-Dirigent.Cosi fan tutte war einfach


    "Böhms Oper".


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • Lieber Herbert, die hab ich, glaube ich, auf Langspielplatte gehabt-ich fand sie auch umwerfend gut! Ist da Emmy Loose als Despina drin???Dann ist es nämlich dieselbe!
    Manchmal denke ich :solche Stimmen gibt es heute gar nicht mehr, weil die schon vorher als nciht konform ausgesiebt würden, und werde ganz traurig....... :(
    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    , die hab ich, glaube ich, auf Langspielplatte gehabt-ich fand sie auch umwerfend gut! Ist da Emmy Loose als Despina drin???Dann ist es nämlich dieselbe!


    Da singt Emmy Loose die Despina. Ich habe die Aufnahme auch noch auf LP.


    Zitat

    Manchmal denke ich :solche Stimmen gibt es heute gar nicht mehr, weil die schon vorher als nciht konform ausgesiebt würden, und werde ganz traurig....... :(
    F.Q.


    Ich habe mehrere Così fan tutte-Einspielungen, die ich heiß und innig liebe. Von Böhm ziehe ich allerdings die spätere Einspielung mit Schwarzkopf, Ludwig, Steffek, Kraus, Taddei, Berry vor (Was für eine Besetzung! Was für ein Gesang!)



    Liebe Grüße Peter

  • Liebe Fairy Queen,


    ja, Emmi Loose ist natürlich auch dabei.


    Alle Mitwirkenden sind Menschen aus Fleisch und Blut.


    Das ergibt eine echte musikalische Komödie.


    Das wird nur noch von einer anderen Aufnahme erreicht,


    von der Live-Aufnahme unter Guido Cantelli.


    Die Böhm-Aufnahme kostet 11,99 €,


    die Cantelli-Aufnahme 4,99 € .


    :hello:Herbert.


    Tutto nel mondo è burla.

  • Merci! Eine Sängerin wie Emmy Loose hätte heute kaum eine Chance mehr, fürchte ich und mir hat sie als Despina so gut gefallen!(meine Lehrerin hatte in Wien als Studentin das Glück, auch von ihr unterrcihtet zu werden und ich bekomme manchmal Geschcihten von all diesen "alten Stars" erzählt :] )
    Ich habe mal vor vielen Jahren von einem "taminoartigen" Menschen Mozart-Langspileplatten geschenkt bekommen, die dann leider in den Wirren meiner Umzüge und nciht vorhandem LP-Spieler verloren gingen. :(
    Dabei war auch eine der Entführung mit Anneliese Rothenberger als Constanze und Rita Streich als Blonde. Mehr weiss ich nciht mehr, aber sie hat mich ebenfalls stärkstsens beeindruckt. Kennt jemand die? War da auch Karl Böhm am Pult?
    Mein Gott, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich mal beim gesang und bei Tamino lande, hätte ich solche Dinge gehütet wie inen Schatz! :(


    Nun gibt es gottseidank solche netten Zetigenossen wie euch, die mir das ins Gedächtnis holen und bei denn ich sogar mithôren darf :jubel:


    F.Q.

  • Liebe Fairy Queen,


    Mit Rita Streich kann ich nicht dienen, aber es gibt es eine großartige EMI-"Entführung" unter Josef Krips mit der Rothenberger als Konstanze, Gedda als Belmonte, Gerhard Unger als Pedrillo (die absolute Referenz!), Gottlob Frick als Osmin. Das Blondchen singt in dieser Einspielung Lucia Popp. Wunderlich als Belmonte wäre noch eine Spur besser, aber Gedda singt diese Partie ausgezeichnet


    Was Emmy Loose betrifft, so glaube ich vielmehr: Wenn die heute in Wien Mozart sänge, lägen wir ihr zu Füßen! Es gibt ja Leute, die den oft besprochenen Wiener Mozartstil der fünfziger Jahre (+/-) nicht so sehr mögen, aber die dürften in der Minderheit sein. Für mich ist er nicht kanonisch (z.B. die Engländer vermitteln Mozart auch phantastisch), aber diese Aufnahmen sind dennoch maßstabsetzend und die Protagonisten rechtens Gegenstand der Verklärung. Emmy Loose(-Kriso) brillierte aber nicht nur bei Mozart. Mit ihrem warmen, ausdrucksvollen Organ fasziniert sie nicht nur in Soubrettenrollen, sondern auch in Partien, die dem lyrischen Sopranfach zuzuordnen sind. Sie wurde 1914 in Karbitz bei Aussig geboren, studierte in Prag und debütierte 1939 als Blondchen in Hannover, ging aber schon nach zwei Jahren nach Wien, wo sie 1987 starb. In der Erinnerung bleibt sie auch als eine der besten Operettensängerinnen, die wir hatten.
    Übrigens gab es vor einiger Zeit eine Mozart-Box sehr preiswert im Handel, in der drei Mozartopern des Wiener Stils durch die Fricsay-"Zauberflöte" ergänzt werden. Ein Schnäppchen für Leute meines Schlags.
    Wenn Du Wiener Opernkennern gegenüber Namen wie Loose, Güden, della Casa, Kunz, Berry, Siepi, Danco etc.etc. erwähnst, werden sie Dich abbusseln und sagen: "Das waren noch Zeiten!" Das waren sie wirklich, auch wenn ich die Gegenwart nicht schlecht machen will.


    LG


    Waldi

  • Banner Trailer Gelbe Rose

  • Hallo Herbert,


    man sollte allerdings auch die Schwächen der Einspielung von 1955 nennen: Es gibt schwerwiegende Striche in der Partitur. "Al fato da legge quegli occhi", "Ah! lo veggio quel' anima bella" und "E amore un ladroncello" sind ersatzlos gestrichen, es gibt viele kleine Striche in den Arien und Ensemble und Don Alfonsos Rezitativ und Arioso nach "Soave sia il vento" sind gestrichen.


    Was die Bedeutung der Cantelli-Aufnahme angeht, sind wir uns wohl einig, ich besitze noch die alte Cetra-Aufnahme. Aber auch sie ist gekürzt, wenn auch in weit geringerem Maße als Böhm 1955: Es fehlen "Al fato da legge quegli occhi" und "Ah! lo veggio quel' anima bella".


    Böhms Aufnahme ist eine Studio-Aufnahme, Cantelli eine Live-Aufnahme.
    Bei Walhall ist man nie so sicher, was man bekommt, ich nehme an, nur eine Trackangabe und kein vernünftiges Booklet. Wie ist der Transfer?


    LG Peter

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Dabei war auch eine der Entführung mit Anneliese Rothenberger als Constanze und Rita Streich als Blonde. Mehr weiss ich nciht mehr, aber sie hat mich ebenfalls stärkstsens beeindruckt. Kennt jemand die? War da auch Karl Böhm am Pult?


    Liebe Fairy Queen,


    eine gemeinsame Aufnahme der oft zu Unrecht unterschätzten Anneliese Rothenberger und von Rita Streich kann ich in meiner Datenbank nicht finden (weder Steiger noch Ommer). Die Einspielung von Böhm (1973) bringt Augér, Grist, Schreier, Neukirch. Moll (Bassa: Mellies).


    Liebe Grüße Peter

  • Lieber Walther, ich höre auch immer nur von den alten Wiener Zeiten schwärmen Und das in Frankreich und von einer Japanerin :]
    Wenn Du aber heute mit vielen Gesangslehrern, manchen aktiven Opernsängern etc "Leuten vom Fach" sprichst, bekommst du zu hören, dass soclhe Stimmen wie etwa Emmy Loose "dem internationalen Klangstandard" heutzutage nciht mehr entsprechen und nciht mal eine Aufnahmeprüfung bestehen würden. Das ist kein Witz, sondern traurige Wahrheit. X(
    Der Trend geht zum Einheitssound und alles Zartere, Subtilere fällt eben durch das Raster.
    Ich war lange genug in reinen Gesangsforen und habe da die Diskussionen verfolgt und mich über solche Aussagen krank geärgert. Aber sie sind Legion. Leider.


    Kennst du eine Sängerin, die sich damit vergleichen lässt und heute international Karreire macht bzw. an grossen Häusern singt?
    In England vielleiciht , ab und zu auch hier in Frankrecih aber in Deutschland?????
    Ich würde mich freuen , wenn ja!


    Lieber Peter, wahrscheinlich habe ich mich geirrt und es war Lucia Popp. Aber Auger und Grist unter Böhm sind sicher auch eine Wonne! :yes:


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Walter Krause
    Wenn Du Wiener Opernkennern gegenüber Namen wie Loose, Güden, della Casa, Kunz, Berry, Siepi, Danco etc.etc. erwähnst, werden sie Dich abbusseln und sagen: "Das waren noch Zeiten!"


    Lieber Waldi,


    Dann sagt die Name "Oscar Czerwenka" Dir sicher auch was.


    LG, Paul

  • Zitat

    Dann sagt die Name "Oscar Czerwenka" Dir sicher auch was.


    Ich bin zwar nicht Waldi, aber Oskar Czerwenka kenne ich als großen Doktor Bartolo im Figaro!


    :jubel: :jubel: :jubel:


    "DAS waren noch Zeiten!!"


    [SEUFZ]
    LG joschi

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose

  • Auch wenn's ein bisschen spät ist:


    "vago" bedeutet in ester Linie "vage, unbestimmt".
    In zweiter Linie aber auch "lieblich". Das sagt sogar das Langenscheidt-Taschenwörterbuch. Ein einsprachiges Wörterbuch ist noch genauer. Da heißt es u.a.:
    2 (lett.) leggiadro, ameno, grazioso (=anmutig, lieblich, lieblich)


    Überhaupt macht ihr euch tw. etwas zu viele Gedanken. Die handelnden Personen sehen das nicht so kompliziert. In Arie Nr. 17 ist Ferrando einfach verliebt in seine Verlobte, weil sie sich bis dahin als absolut treu erwiesen hat. Ein ehrliches, wenn auch im Nachhinein naives Liebeslied.


    In der Szene mit "sei pur vago" ("du bist auch anmutig") werden die üblichen Komplimente ausgetauscht, inzwischen halt "über Kreuz".



    Damit sage ich nicht, dass die Oper einfach gestrickt ist. Das Geniale darin ist, dass sie einen psychologisch komplexen Sachverhalt mit einfachen Worten rüberbringt. Was übrigens sinnvoll ist, schließlich hatte das damalige Publikum keine Sekundärliteratur zur Verfügung, die mussten das sofort am ersten Abend verstehen.



    Thomas Deck

  • Lieber Thomas, ich warte ja iegentlich immer noch auf eine Fortsetzung dieser Don Alfonso-Despina Diskussion hier. Denn ich frage mich weiter: WAS haben die Zuschauer ohne Sekundärliteratur da wohl am ersten Abend genau verstanden??? ?(
    Meine Fragen oben in diesem Thread bleiben offen!!!! Zumindest hier an diesem Ort =)
    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    ich warte ja iegentlich immer noch auf eine Fortsetzung dieser Don Alfonso-Despina Diskussion hier.


    Liebe Fairy Queen,


    aber gerne, ich habe mir gleich mal wieder Deine Fragen in ein neues Fenster gestellt.


    Zitat

    Denn ich frage mich weiter: WAS haben die Zuschauer ohne Sekundärliteratur da wohl am ersten Abend genau verstanden??? ?(
    Meine Fragen oben in diesem Thread bleiben offen!!!! Zumindest hier an diesem Ort =)


    Klar, die Leute damals brauchten keine Sekundärliteratur, sie hatten ihr eigenes Wissen und den Geschmack ihres Jahrhunderts. Nur wir brauchen Sekundärliteratur, um zu wissen, was sie damals wussten, um nachzuempfinden, was sie damals empfanden, um uns die damalige geistige, kulturelle und politische Gegenwart zu vergegenwärtigen.


    Wenn ich das einmal kann, ohne entsprechend viel Primär- und Sekundärliteratur, verdiene ich mein Geld als Medium, das auch eine unmittelbare Verbindung mit Wolfgang Amadée herstellt.


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Interpretiere ich den Ansatz rcihtig: Don Alfonso ist sozusagen als "moralische Instanz" eingesetzt, um aufzuzeigen, wie austauschbar Partner in verliebten , unreifen Beziehungen sind.
    Wie einfach man Verliebte manipulieren kann, sie aufs emotionale Glatteis führen kann, dass alle da im Grunde gleich sind und die wahren und authentischen Gefûhle einer reifen Liebe(was ist das dann bitte im Alfonso-Sinne????) nichts mit all diesem Komödienstadel zu tun haben??????
    Vernunft, Altersweisheit und intellektuelle Macht versus jugendlichen Wahn und hirnlose Emotionalität??????


    Don Alfonso gibt darauf keine Antwort. Er kritisiert nur, er schlägt nichts Neues vor. Das Neue wird allerdings von Mozart in der Partitur eingebracht: sie atmet diese Liebe, die den anderen nicht nur als Objekt wahrnimmt. Das offene des Schluss läßt Fragen unbeantwortet: Können diese Gefühle nun in die alten Partnerschaften eingebracht werden? Zerbrechen die alten Partnerschaften und man entschließt sich zu der neuen Konstellation? Oder verlassen alle vier die Stätte der Verwirrung, um neue Partner, diesmal mit anderen Einstellungen, geprägt von der Erfahrung des Beziehungsexperimentes? Am Ende steht der Sieg der Vernunft, das von Vernunft aufgeklärte Gefühl steht ausserhalb der Oper. Die beiden Erfahrenen bieten keine Lösung: Don Alfonso hat sich zum Abstand des Philosophen zur Welt entschlossen, er ist und bleibt ein alter Junggeselle, der seine Leidenschaft in der Überzeugungsarbeit mit jungen Männern findet.


    Despina hat auf Grund ihrer Stellung nur die Möglichkeit, praktische Lösungen zu finden. Am Ende wird sie auch einen Nardo heiraten und eine Kneipe aufmachen, in der Leporello nach neuer Arbeit suchen kann.

    Zitat

    Ich verstehe dann allerdings das Finale nciht:
    Ist die Quintessenz des Ganzen nun am Ende: Liebe gibts nicht, ist nur Schall und Rauch. Deshalb heiratet, wen ihr wollt, ist sowieso egal?
    Oder ist die Quintessenz eine versteckte Gesellschaftskritik an der Praxis von Ehestiftungen unter unerfahrenen Paaren, die sich kaum kennen und dann noch blind genug sind, ihre eigenen Liebsten in lächerlicher Verkleidung nciht wIEDERzuerkennen????


    Vom Libretto her ist es sicher Warnung und Kritik. Die Musik sagt deutlich: O ja, die Liebe gibt es! Sie gibt es da, wo Mann und Frau als Gleiche sich begegnen.


    Zitat

    Das war für mch immer das Absurdeste an dieser Oper: wie können Fiordiligi und Dorabella ihre "Liebsten" nciht weidererkennnen????


    Daruf gibt es mehrere Antworten. Die häufigste ist die, dass dies unwahrscheinlich ist, dass man sich aber nicht als Spielverderber zeigen soll, sondern sich einfach darauf einlässt. (Eine der Antworten des 19. Jahrhunderts war, dass die beiden Damen ihre Liebhaber durchschauen und nun umgekehrt ein raffiniertes Spiel mit ihnen treiben. Keine gelungene Antwort, da musste man einiges im Libretto umschreiben!).


    Die psychologische Deutung ist die, dass beide schon eh immer den Partner der anderen liebten. Das Unbewusste schlägt sie mit Blindheit, weil sie diese Blindheit wollen.


    Wenn wir die vier Protagonisten sich über ihre Partner äußern hören, so nehmen sie nur Bezug auf Äußerliches, Körperliches. Also: Wenn man das Äußere geschickt ändert, wird der andere nicht mehr wieder erkannt.


    Liebe Grüße Peter

  • Lieber Peter, eigentlcih wollte ich ja eher einen Beitrag zum Opernführer schreiben, nun der muss bis morgen warten!


    Deine wie immer zwingende Gedankenkette leuchtet mir eingermassen ein, aber GEFALLEN tut mir das nciht! :no:


    Ob die Zuschauer damals wirklcih um soviele Ecken gedacht habe und Mozart/da Ponte sich diesen Schluss, der soviele Fragen offen lässt, erlaubt haben?
    Ob sie nicht eher geradeaus Don Alfonso als den alten Zyniker, der zwei Paare ins Unglück stürzt und Despina als seine kecke und sympathisch durchtriebene Bundesgenissoin gesehen haben?(Deine Zukunftsplanung für sie ist serh nett, glaubst du sie wird mal eine Art Kneipen- Maddalena à la Rigoletto????? :D)
    DIESE obigen Fragen bleiben mir jedenfalls offen.


    Was du über eine reife und unreife Liebe schreibst, ist wunderbar und entspricht heutigen psychologischen/philosophischen(leider weniger den praktischen....) Erkenntnisssen.
    Wurde das am Ende des 18 JH schon so reflektiert??????


    Hatten Frauen z.B. überhaupt das Recht, in Opern etwas Anders zu sein als LiebesOBJEKTE?
    Despina ist ganz sciher kein Objekt, sowenig wie auch Susanna und Zerlina das sind (Viva Mozart!!!! :yes:) , aber die beiden hohen Damen in der Cosi erfüllen doch genau den "Schön und Naiv" Standard. Naiv genug, ihre Liebhaber zu verwechseln. Naiv genug am Ende die Falschen zu heiraten und Ja und Amen zu sagen.


    Dass am Ende der Sieg der Vernunft steht, ist eine reine Interpretationssache. Ist es Vernunft, jemanden zu heiraten, den man nicht liebt? Du würdest sagen: in den man nicht "verliebt" ist. Für die meisten Leute ist das immer noch dasselbe. Und in einer Oper erst Recht. Absonsten könnte man in 99% aller Libretti das Wort Liebe sofort streichen. Dort entsteht unsterblcihe "Liebe" ja bereits auf den ersten Blick oder sogar ohne(siehe Tamino/Pamina).
    Von reifen Beziehungen keine Spur!


    Mir scheint Deine Sicht der Dinge einfach zu reif und modern, um auf eine Oper mit all ihren Klischees zu passen und auch ehrlcih gesagt, um auf zwei Opernprofis wie da Ponte und Mozart mit all ihren Lebenshintergründen zu passen. Wobei das jetzt rein spekulativ ist, ich weiss. Da Ponte war ein bekannter Schwerenöter, Mozart auch kein Kind von Traurigkeit. Sollten die wirklich einen Don Alfonso zur POSITIVEN Lichtgestalt machen? Ich glaube eher, sie machen sich (auch mithilfe von Despina) ein bissschen lustig über ihn und zeigen eben auch, wie wenig eine solch zynische Hirngeburt wie seine Wette mit der wirklcihen Realität von neu enstehenden Gefühlen zu tun hat.
    DAS jedenfalls versteht jeder Zuschauer sofort, auch ganz ohne Aufklärungsphilosophie im Hinterkopf: da werden Paare am Ende wieder getrennt, die eigentlich zusammenwollen und sich ernsthaft verleibt habe. Nochmal mein Hinweis auf das Duett "fra gli amplessi".


    Wenn Don Alfonso ein Symbol aufgeklärter Vernunft sein soll und Du ihn gleichzeitig als eingefleischten zurückgezogenen Junggesellen bezeichnest¨: schon da ist für mich ein Widerspruch.
    Die echten Aufklärer standen im Leben , und predigten nicht moralinsauer vom Elfenbeinthurm aus sondern inmitten druchlebter Erfahrungen.
    Wenn ich nur an Diderot oder Voltaire denke......
    Die Musik spricht von Liebe und das ist authentisch, daran lässt Mozart im Falle Fiordiligi/Ferrando KEINEN Zweifel. Warum soll sich die Musik um mehrere Ecken herum im Widerspruch zum Text stellen? Da ist es Liebe, im Text nur unreife Verliebtheit??? ?(
    Pardon, mon cher Peter, aber mir leuchtet das alles nicht so ganz ein-da bedarf es wohl noch einiger sehr vernünftiger Aufklärung weiser abgeschiedener Philosophen...... ;)
    Fairy Queen

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Zitat

    Original von pbrixius
    Die psychologische Deutung ist die, dass beide schon eh immer den Partner der anderen liebten. Das Unbewusste schlägt sie mit Blindheit, weil sie diese Blindheit wollen.


    Kurzer Einschub: "Liebe macht blind!" - "Stimmt! Ich habe neulich eine Achtzehnjährige geküsst - jetzt kann ich meine Frau nicht mehr sehen..." :rolleyes:


    Die psychologischen Deutungen sind zwar überaus interessant, ich glaube aber eher, dass die Handlung nach diversen "Abenteuern" einfach wieder in die "Normalität" [= happy end] zurückverfällt. Eine Deutungsmöglichkeit bestünde auch darin, dass die gesamte Handlung der Oper zwischen Szene eins und scena ultima einfach nur ein Traum ist...


    :hello:


    Ulli

    Ewigkeit ist ein angemessener Zeitrahmen, Perfektion zu erreichen.
    (unbekannt)

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Peter, eigentlcih wollte ich ja eher einen Beitrag zum Opernführer schreiben, nun der muss bis morgen warten!


    Das erinnert mich auch an meinen nächsten Beitrag zum Opernführer, der ist für das Wochenende fest eingeplant. Die Iphigénie en Tauride kenne ich allerdings sehr gut, da brauche ich mich nur an die Tastatur zu setzen ...


    Zitat

    Deine wie immer zwingende Gedankenkette leuchtet mir eingermassen ein, aber GEFALLEN tut mir das nciht! :no:


    Ob die Zuschauer damals wirklcih um soviele Ecken gedacht habe und Mozart/da Ponte sich diesen Schluss, der soviele Fragen offen lässt, erlaubt haben?


    Ich glaube schon, dass die Zuschauer um so viele Ecken gedacht haben, weil die Diskussion damals aktuell war, vor allem in Frankreich (Marivaux, de Laclos). Es gibt in der Oper eine Vielzahl von Verknüpfungspunkten zu der Diskussion bis hin zum Mesmerismus, der im Paris der damaligen Tage eindeutig erotische Nebenbedeutungen hatte (Belege liefere ich gerne nach).


    Gerade weil da Ponte bei den Gebildeten soviel Vorwissen voraussetzen konnte, hat er sein Libretto mit einer Unzahl von Anspielungen und ironischen Wendungen gespickt - ein tolles Textbuch!


    Zitat

    Ob sie nicht eher geradeaus Don Alfonso als den alten Zyniker, der zwei Paare ins Unglück stürzt und Despina als seine kecke und sympathisch durchtriebene Bundesgenissoin gesehen haben?(Deine Zukunftsplanung für sie ist serh nett, glaubst du sie wird mal eine Art Kneipen- Maddalena à la Rigoletto????? :D)
    DIESE obigen Fragen bleiben mir jedenfalls offen.


    Absolutement non! Don Alfonso ist von der Partitur eindeutig positiv gekennzeichnet, da gibt es kein Vertun. Abgesehen davon heißt allein zu leben ja weiß Gott nicht, keine Affären zu haben - ob es nun die netten Abbés dieser Zeit waren oder die doch sehr populären Philosophen - sie hatten ihre Verehrerinnen - und keineswegs nur platonisch. Deshalb kann man Despinas Bemerkung als eine Geschmacksäußerung, aber auch als eine kokette Einladung verstehen. Don Alfonso braucht ihr ja nur zu widersprechen ... Vielleicht haben die beiden ihren Sieg ja auch noch gefeiert :yes:


    Zitat

    Was du über eine reife und unreife Liebe schreibst, ist wunderbar und entspricht heutigen psychologischen/philosophischen(leider weniger den praktischen....) Erkenntnisssen.
    Wurde das am Ende des 18 JH schon so reflektiert??????


    Ja. Und das ist ein Punkt, über den ich mich gerne ausführlicher äußern möchte und werde. Noch steht mein nächster Beitrag zur Finta giardiniera aus, da möchte ich das erörtern, denn im Libretto (und erst recht in der Musik) findet man schon alle Elemente. Das Textbuch ist so modern, wie es nur sein kann, die an anderer Stelle konstatierten gesellschaftlichen Brüche sind hier thematisiert. Und wenn dann noch die Kunst des jungen Mozart dazu kommt! Man kann die Finta als die Così sehen, die zu dieser Zeit möglich war. Du findest den Philosophen (Podestà) und die mit allen Wassern gewaschene Dienerin - und hier ist sie hinter dem älteren Mann her. Ein Verwirrspiel der Liebe, in der auch die unreife Liebe (Belfiore verletzt ja Sandrna in einem Eifersuchtsanfall, es braucht diese zauberhafte oscura, dass sich die beiden jenseits von Besitzansprüchen finden) in all ihren Spielarten eine Rolle spielt und das neue bürgerliche Ideal (etwa bei Sandrina) von Liebesbeziehungen auf die alte Zeit (wo Heiraten politischen Charakter hatten - herrlich diese "Ahnenreihe" des Belfiore) stößt. Also kurz: das Bewusstsein ist da, die neue bürgerliche ("sentimentale") Kommödie propagiert ein neues Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Nochmals: absolut faszinierend in der Finta Giardiniera!


    Zitat

    Hatten Frauen z.B. überhaupt das Recht, in Opern etwas Anders zu sein als LiebesOBJEKTE?


    Mit dem Vordringen bürgerlichen Denkens und Fühlen selbstverständlich: die Pamina in der "Zauberflöte", aber auch schon Konstanze und Blonde sind gute Beispiele, dass der Anspruch nun wesentlich weiter gefasst wird, in der Zauberflöte gar wird das neue Zeitalter nur durch den gemeinsamen Gang von Frau und Mann durch die Wasser- und Feuerprobe erreicht.


    Zitat

    Despina ist ganz sciher kein Objekt, sowenig wie auch Susanna und Zerlina das sind (Viva Mozart!!!! :yes:) , aber die beiden hohen Damen in der Cosi erfüllen doch genau den "Schön und Naiv" Standard. Naiv genug, ihre Liebhaber zu verwechseln. Naiv genug am Ende die Falschen zu heiraten und Ja und Amen zu sagen.


    Die Damen in der Così haben eben keine Lebenserfahrung, sprich: sie sind sehr jung. Das wird ja von Despina mit deutlichen Worten beklagt Ich denke auch noch mit Trauer an eine Tanzstundenpartnerin, die Brice/Winnetou mir vorzog. Stell dir vor, die beiden Herren wären für die Damen die damals zeitgemäße Repräsentation von Tokio Hotel. Wenn die ihre Attribute austauschen, verwechselt die auch jeder :)


    Zitat

    Dass am Ende der Sieg der Vernunft steht, ist eine reine Interpretationssache.


    Nix da, C-dur! :yes: :yes:


    Zitat

    Ist es Vernunft, jemanden zu heiraten, den man nicht liebt? Du würdest sagen: in den man nicht "verliebt" ist. Für die meisten Leute ist das immer noch dasselbe. Und in einer Oper erst Recht. Absonsten könnte man in 99% aller Libretti das Wort Liebe sofort streichen. Dort entsteht unsterblcihe "Liebe" ja bereits auf den ersten Blick oder sogar ohne(siehe Tamino/Pamina).
    Von reifen Beziehungen keine Spur!


    Aus Verliebtheit kann sich Liebe entwickeln, diese "Liebe auf den ersten Blick" ist ja nur der (glückliche) Anfang. Nur wenn es dabei bleibt, wie es am Anfang der Così so ausschaut ...


    Mir scheint Deine Sicht der Din

    Zitat

    ge einfach zu reif und modern, um auf eine Oper mit all ihren Klischees zu passen und auch ehrlcih gesagt, um auf zwei Opernprofis wie da Ponte und Mozart mit all ihren Lebenshintergründen zu passen. Wobei das jetzt rein spekulativ ist, ich weiss. Da Ponte war ein bekannter Schwerenöter, Mozart auch kein Kind von Traurigkeit. Sollten die wirklich einen Don Alfonso zur POSITIVEN Lichtgestalt machen? Ich glaube eher, sie machen sich (auch mithilfe von Despina) ein bissschen lustig über ihn und zeigen eben auch, wie wenig eine solch zynische Hirngeburt wie seine Wette mit der wirklcihen Realität von neu enstehenden Gefühlen zu tun hat.


    Da muss ich mir erst mal wieder die Partitur heran holen, da können wir das Stück für Stück uns mal ansehen. Erst mal die Finta, dann die Così? Oder lieber umgekehrt?


    Zitat

    DAS jedenfalls versteht jeder Zuschauer sofort, auch ganz ohne Aufklärungsphilosophie im Hinterkopf: da werden Paare am Ende wieder getrennt, die eigentlich zusammenwollen und sich ernsthaft verleibt habe. Nochmal mein Hinweis auf das Duett "fra gli amplessi".


    Wenn Don Alfonso ein Symbol aufgeklärter Vernunft sein soll und Du ihn gleichzeitig als eingefleischten zurückgezogenen Junggesellen bezeichnest¨: schon da ist für mich ein Widerspruch.


    s.o. - Von "eingefleischt" hast Du gesprochen. Ob und wie "zurückgezogen" - da kann man nur spekulieren. Er ist sicher nicht ohne Erfahrung ...


    Zitat

    Die echten Aufklärer standen im Leben , und predigten nicht moralinsauer vom Elfenbeinthurm aus sondern inmitten druchlebter Erfahrungen.
    Wenn ich nur an Diderot oder Voltaire denke......


    Die Bandbreite der Aufklärer ist so groß wie die der 68er. Von Befürwortern eines Frauenstudiums bis hin zu der intellektuellen Verachtung der Frau, das kannst Du alles finden. Natürlich gab es da wie heute Elfenturmbewohner ebenso wie Leute, die sehr nahe an der Wirklichkeit waren, wie Restif de la Bretonne, dessen "Nuits de Paris" ein spannender Augenzeugenbericht der Französischen Revolution ist.


    Zitat

    Die Musik spricht von Liebe und das ist authentisch, daran lässt Mozart im Falle Fiordiligi/Ferrando KEINEN Zweifel. Warum soll sich die Musik um mehrere Ecken herum im Widerspruch zum Text stellen? Da ist es Liebe, im Text nur unreife Verliebtheit??? ?(


    Die Musik Mozarts stellt auch das eigentliche Problem jeder Deutung der Così dar, denn sie ist rückhaltlos, sogar schon da, wo die Männer eigentlich ja nur mimen können. Aber das macht eben die Spannung und die Größe dieser Oper aus, dass in der Musik der Handlung etwas wie ein ewiger Spiegel entgegen gehalten wird.


    Zitat

    Pardon, mon cher Peter, aber mir leuchtet das alles nicht so ganz ein-da bedarf es wohl noch einiger sehr vernünftiger Aufklärung weiser abgeschiedener Philosophen...... ;)


    Liebe Fairy Queen, ich will mich aus meiner Abgeschiedenheit weiter Bemühen, die Mysterien der Così zu ergründen. Es ist mehr als lohnend, denke ich.


    Liebe Grüße


    Peter

  • Zitat

    Original von Ulli
    Die psychologischen Deutungen sind zwar überaus interessant, ich glaube aber eher, dass die Handlung nach diversen "Abenteuern" einfach wieder in die "Normalität" [= happy end] zurückverfällt. Eine Deutungsmöglichkeit bestünde auch darin, dass die gesamte Handlung der Oper zwischen Szene eins und scena ultima einfach nur ein Traum ist...


    Lieber Ulli,


    ich hoffe, Du hast noch ein wenig Geduld mit dem nächsten Beitrag zur Finta. Er steht schon in meinem Kopf, aber ...


    Natürlich könnte man es als Traum inszenieren, dann wäre man alle peinlichen Fragen los. Ich fände das aber als ein Weglaufen vor dem Anspruch der Oper - ähnlich wie die "Zauberflöte" auf ein Märchen zu reduzieren. Da versuche lieber noch einmal die Quadratur des Kreises. Dafür, dass da Ponte oder Mozart dies als einen erotischen Traum verstanden hätten, gibt es keinen Hinweis.


    LG Peter

  • Lieber Paul,


    Es ist zwar off topic, und ich möchte die hochinteressante "Cosi"-Diskussion nicht unterbrechen, aber kurz: Natürlich erinnere ich mich an Oskar Czwerwenka (nicht nur weil ich vorige Woche fünfmal in seiner Geburtsstadt Vöcklabruck übernachtet habe). Er war nicht nur ein großer Sänger, sondern auch - sehr wesentlich für seine Paraderollen - ein glänzender Schauspieler. Zuletzt sah ich ihn , glaube ich, 1982 auf der Bühne in der Staatsoper als Ochs. Da war er stimmlich allerdings leider nur mehr ein Schatten seiner selbst (glücklicherweise hatte ich ihn mit seinem früheren Standard noch in mir gespeichert). Seine Lebensdaten sind übrigens: 1924-2000.


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Original von pbrixius
    Dafür, dass da Ponte oder Mozart dies als einen erotischen Traum verstanden hätten, gibt es keinen Hinweis.


    Sicher. Das trifft aber auch auf alle anderen Interpretationen zu: Drum schrieb ich ja "Deutungsmöglichkeit". Ganz sicher ist jedenfalls, dass sich nach der Auflösung der Oper alle Mutmassungen in ein Nichts auflösen - alles ist wieder hergestellt, nichts hat sich verändert. Ganz ähnlich verfährt da Ponte übrigens auch bei der Cosa rara oder der Capricciosa Corretta.


    :hello:


    Ulli

    Ewigkeit ist ein angemessener Zeitrahmen, Perfektion zu erreichen.
    (unbekannt)

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose