Romantische Klavierkonzerte - Jenseits der Hyperion Serie

  • Seit einigen Jahren läuft in diesem Forum ein Thread, der sich ausschliesslich mit den Romantischen Klavierkonzerten bzw Aufnahmen davon befasst, die in der


    Hyperion Serie "Das romantische Klavierkonzert"


    erschienen sind.


    Es gibt aber eine ganze Reihe von Aufnahmen dieser Spezies, die bei anderen Labels mit anderen Interpreten und Orchestern erschienen sind.

    Das sind beispielsweise Zweitaufnahmen - aber vor allem auch Werke von Komponisten, die dort noch nicht zum Zug kamen, also "Unbekannes".

    Diesen Veröffentlichungen sei dieser Thread gewidmet...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert




  • Eine echte Entdeckung war für mich das fast unbekannte Klavierkonzert f-Moll des französischen Komponisten Édouard Lalo (1823-1892), der eher als Opernkomponist Berühmtheit erlangte. Es handelt sich um ein spätes Werk und stammt von 1888. Das wirklich Kuriose ist hier, dass die bekannte Hauptmelodie des Films "Lawrence von Arabien" von Maurice Jarre eindeutig ein Hauptmotiv dieses Klavierkonzerts zitiert. Ob das nun Zufall oder mehr ist, kann ich nicht beurteilen. Zum Glück verfiel die Tonträgerindustrie bisher nicht auf den Gedanken, vom "Lawrence-von-Arabien-Klavierkonzert" zu sprechen. Beide gezeigten Einspielungen sind interpretatorisch und klanglich vorzüglich.

    Hier zum Hineinhören (besagtes Motiv erstmals ab 1:13):

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hallo zusammen,

    Mein Name ist ersichtlich, ich bin 56 Jahre alt und Klassik Fan über meine Eltern seit frühester Jugend.

    Nachdem auch ich die bekannten Werke, die zurecht ihren Platz im Repertoire haben, in und auswendig kenne, war ich sehr froh, auf die Hyperion Reihe gestoßen zu sein.

    Meine Favoriten hier: Emil von Sauer Klavierkonzert Nr.1, sowie auf denselben CD, Scharwenka 4, Moszkowski Nr. 1 ( welches ich übrigens als um Längen besser empfinden als das bekanntere Konzert in E-Dur Opus 59) und mein Top Favorit: Wiklund, Klavierkonzert Nummer 1, eine Mischung aus Rachmaninoff, Filmmusik, und ein bissel Jazz.

    Mir gefallen diese Konzerte übrigens so gut, dass ich kaum noch etwas anderes als diese und weitere Konzerte dieser Art höre, so dass ich mir kürzlich gedacht hatte, das gibt's doch gar nicht, warum höre ich nichts altbekanntes mehr. Daraufhin habe mir mal wieder das Schumann Klavierkonzert zu Gemüte führen wollen. Nach nicht mal einem Satz habe ich gestoppt, es hat mir einfach nicht gefallen, zu leicht und seicht, und ich habe mich wiederholt gefragt, warum es einen dermaßen hohen Stellenwert im Repertoire hat. (Aber ich wollte dieses ja nicht in Abrede stellen).

    Nachdem ich nun auch die Hyperion Reihe relativ gut kenne, dachte ich mir schon, ich müsste mal einen Beitrag verfassen, bei dem ich Werke vorstelle, die dort nicht vertreten sind. So kam mir also der neueste thread von Alfred Schmidt wie gerufen und nach einem langen und freundlichen Telefonat bin ich nun angemeldet!

    Vorneweg möchte ich sagen, ich bin viel im Internet auf Spotify, auf YouTube und auch Amazon unterwegs.

    Als erstes: es gibt von Emil von Sauer auch noch ein Klavierkonzert Nr 2. Dieses ist nicht bei Hyperion vertreten, aber auf spotify in einer Interpretation mit Oleg Marshev zu hören. Mir scheint dieses Konzert nicht ganz so wertvoll zu sein wie das erste, aber der dritte, langsame Satz ist nochmals schöner als der wirklich wunderschöne langsame Satz des ersten Konzertes. Also bitte, liebe Macher von Hyperion, vielleicht könnt ihr dieses zweite Konzert von Sauer auch mit aufnehmen.

    Auf spotify existiert eine Reihe mit gleichnamigen Namens: "the romantic piano concerto"

    Natürlich sind hier, wie auch bei Hyperion, etliche, welche nicht sonderlich ansprechend sind, vorhanden, jedoch die Konzerte der mir völlig unbekannten Komponisten Bernhard Stavenhagen, oder Hans Bronsart von Schellendorf sind interessant, melodisch und originell. Daneben hat mich besonders das Klavierkonzert von Joachim Raff gefesselt, dieses ist, glaube ich, nicht ganz so unbekannt. (Bei einem "neuen", mir unbekannten Komponisten lese ich übrigens immer sofort den entsprechenden Beitrag auf Wikipedia. Bei der überwiegenden Zahl dieser Musiker sind leider die Informationen auf Wikipedia sehr spärlich).

    Eine ganze weitere Reihe unbekannte Schätze sind auf YouTube zu finden .

    Hervorheben möchte ich das erste Klavierkonzert von Giuseppe Martucci oder das Klavierkonzert von Lucia Garuta (auch Spotify), von 1952. Ebenso Siegfried Langgard (ebenfalls auf Spotify)

    Ganz besonders angetan hat es mir jedoch das Klavierkonzert von Ilmari Hannikainen. Diese Aufnahme auf YouTube, von 1992, ist, glaube ich, die Einzige, die weltweit überhaupt von diesem Werk verfügbar ist (neben einer uralten aus den 50er Jahren, welche ich aber im Internet nicht finden konnte). Es ist wirklich originelle, kraftvolle, ebenfalls etwas "rachmaninoffske" Musik. Achtet einfach mal, wenn es euch interessiert, auf die Steigerung des zweiten Themas des ersten Satzes. Genial!

    Etliche dieser Konzerte, wie ich es schon geschrieben hatte, tragen Anklänge von Rachmaninov, wie auch Filmmusik in sich (Wiklund).

    Dies empfinde ich keineswegs als Nachteil, ganz im Gegenteil, es ist eine Kombination, die mir persönlich gut gefällt. Darüber hinaus sind auf YouTube auch Konze anzutreffen, die stilistisch etwas darüber hinaus gehen. Ich denke hier an Rudolf Simonsen, Hanns Wolf, oder Rudolf Kattnigg. Etwas moderner gehalten, sagen diese mir auch nicht so sehr zu, wie die vorher genannten.

    So weit nun meine Zusammenstellung von Werken, die mir persönlich am Herzen liegen, und die ich gerne einfach mal vorstellen wollte.

    Diese habe ich innerhalb relativ kurzer Zeit eines halben bis dreiviertel Jahres "entdeckt". Nun habe ich jedoch das Gefühl, ich bin so etwas am Ende der Fahnenstange angekommen. Ich finde einfach nichts Weiteres Neues, Unbekanntes, Schönes.

    Deshalb, am Ende dieser Aufzählung wollte ich euch bitten, welche weiteren unbekannten Klavierkonzerte jenseits der Hyperion Reihe für euch zu empfehlen sind.

    Daneben würden mich natürlich Kommentare zu den Konzerten, die ich oben genannt hatte, brennend interessieren.


    Mit den besten Grüßen aus Geretsried in Deutschland ,

    Rainer

  • Hallo Rainer,


    willkommen im Tamino-Forum.

    Es gibt eine (inzwischen viel zu teure) Brillant - 40 CD - Box Romantic Piano Concertos, die ich von einem Forianer für lasche 10,-€ gekauft hatte (das war etwa vor 3Jahren). Im Prinzip ist der Inhalt für Dich interessant - siehe Rückseite mit dem Inhalt:


    51NPOBHSd6L._SY300_.jpg81FGv-7-2JL._SL300_.jpg


    Brillant, ADD


    :( Nur ich selber war recht enttäuscht über die Aufnahme- und Interpretationsqualität mit recht unbekannten Orchestern / Dirigenten; Aufnahmen aus den 70er-Jahren. Der bekannte und dort noch beste Solist ist oft Michael Ponti.

    Es waren auch sehr viele unbekannte romantische KK dabei, die mich nun gar nicht angesprochen hatten. Die bekannten Klassiker sind in der Box nicht enthalten, nur "Raritäten". Und die Konzerte, die mich wirklich interessierten, habe ich in ungleich besseren Aufnahmen bereits vorliegen: Roussel, Liszt, Saint-Saens, Respighi ...


    Kurz und gut:

    Ich empfand die 40CD-Box als Balast (den ich ohnehin nicht hören möchte) und habe schnell wieder zugesehen, diese los zu werden. Nach Monaten hat es bei EBAY geklappt. :pfeif:

    :) ;) Das soll aber nicht heissen, dass diese Brilli-Box für Dich als ausgesprochener Liebhaber von romantischen KK doch interessant wäre. Denn ich höre in der Tat lieber die grossen klassischen KK von Beethoven, Brahms; ja auch sehr gerne das Schumann-KK bis zu den KK des 20./21.Jhd, auf die ich ohnehin noch mehr "abfahre", als die KK aus der Romantik.


    :| Dass Du das Schumann-KK als zu "seicht und leicht" wieder abbrichst, wegen der Affinität zu den Romantic-KK, kann ich nun nicht nachvollziehen.

    Höre Dir mal die Fleisher / Szell - Aufnahme (CBS/SONY) an ... dageben kann für mein Empfinden die ganze 40CD-Brillant-Box oben einpacken !



    :!: Aus der Serie der Romantischen Klavierkonzerte von Hyperion habe ich auch sehr viele CDs, die ausnahmslos alle eine sehr gute Qualität in jeder Hinsicht haben.

    Zuletzt habe ich die Saint-Saens_KK Nr.1 -5 mit Hough / Ormo (Hyperion-Doppel-CD) erworben, die ein ganz herausragende Qualität hat und auch nach dem KK Nr.2 die weniger beliebten und gespielten KK zur ihrer Grösse aufwertet. Da kommt nur noch Entremont / Ormandy (SONY) heran ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo teleton ,


    Vielen Dank für deine prompte Replik!

    Ebenso danke für die Empfehlung der CD Box. Dieses ist die, welche ich auch auf spotify gefunden habe, und von dir ich die eine oder andere hörenswerte Rarität (bronsart von schellendorf, stavenhagen) kennenlernen durfte. Und du hast völlig recht, vieles davon ist einfach uninteressant. Bei dieser Gelegenheit: auf dieser CD Box ist auch eines meiner mitlerweile Lieblings Konzerte, das Klavierkonzert von Henselt zu finden, (auch bei hyperion) welches ich als ein ganz eindrucksvolles Klavierkonzert betrachte. Der Mittelsatz, insbesondere der wuchtige Mittelteil dessen, ist einfach genial, und es ist mir völlig unverständlich dass dieses, früher laut Wikipedia (ich glaube es ist die englische oder französische Version des Artikels über Henselt) oft gespielte Klavierkonzert, völlig in Vergessenheit geraten ist.


    In einem weiteren Punkt möchte ich mich zurücknehmen:: zu meinem abwertenden Urteil zu zu hier gar nicht mal im Fokus stehenden Klavierkonzerten (Schumann). Es geht ja um Hinweise auf unbekannte Einspielungen. Auf jeden Fall werde ich recherchieren, ob ich die von dir erwähnte aufnahme des Schumann Klavierkonzertes unter George Szell auf Spotify finden kann .


    Zurück zum Thema und zu einem KK, welches ich gestern vergessen habe:

    das Klavierkonzert von Friedrich Gernsheim Dieses kann man wiederum nur auf YouTube zu finden. Vielleicht magst du oder der eine oder andere mal reinhören, es ist wirklich niemals langweilig, und sehr melodiös.


    Viele Grüße aus Geretsried ,

    Rainer

  • Hallo, Rainer!


    Deine Begeisterung für das Konzert von Adolf Henselt kann ich sehr gut nachvollziehen, wobei ich keine weitere Musik von ihm kenne. Sein Schaffen scheint aber überschaubar zu sein.


    Danke auch für den Tipp bezüglich Gernsheim. Mir war nicht bekannt, dass er ein Klavierkonzert geschrieben hat. Ich werde es mir gerne mal auf yt anhören. Ich besitze ein paar Kammermusikwerke des Brahms-Zeitgenossen, die mich in ihrer gediegenen Struktur und recht prägnanten Melodik durchaus ansprechen.


    Es ist schon richtig, dass die Box mit den meist wenig bekannten romantischen Klavierkonzerten von vor allem klanglich recht unterschiedlicher Qualität ist - aber so manches bekommt man kaum anderweitig.


    Die Hyperion-Reihe, aus der ich eine kleine Auswahl im Regal stehen habe, ist auch klanglich zumeist nicht zu verachten. Darunter findet sich gewiss Verwechselbares des Öfteren, aber etwa die Konzerte von Scharwenka sind sehr reizvoll - das sehe ich genauso.


    Das aus meiner Sicht genialste Konzert unter den Außenseitern ist das Romantische Klavierkonzert von Joseph Marx aus dem Jahr 1920. Es gilt als extrem schwer, ist sicher im Orchestersatz nicht übermäßig transparent, aber mich haben die Harmonik und der blühende Schwung vom ersten Augenblick an gepackt - was ich hier im Forum durchaus nicht zum ersten Mal schreibe.


    Nur zwei Einspielungen sind greifbar. Ich würde David Lively sogar vorziehen. Marc-André Hamelin gilt ja nun als Hypervirtuose - dies hat aber einen merkwürdigen Nachteil: Man glaubt zu hören, dass ihm das Konzert keine Mühen bereitet. Die aber darf man durchaus wahrnehmen. :) Über jeden technischen Zweifel ist auch Lively erhaben - man möge mich da nicht falsch verstehen.


       


    Die CD enthält mit dem Konzert für die linke Hand von Erich Wolfgang Korngold noch eine Preziose erster Ordnung. Auf der anderen CD findet sich noch ein weiteres Klavierkonzert von Joseph Marx, das stärker jugendstilhaft erscheint.


    Mir wird soeben klar, dass ich die Absicht dieses Fadens teilweise durchbrochen habe. Ich denke, dass das im quasi korrekten Kontext nicht weiter problematisch ist. Es ging mir um die Kommunikation mit dem Neumitglied Rainer. Er findet die zuletzt gemachten Aussagen - zugegebenermaßen aus älteren Tagen - im anderen Thread ebenso ...


    :) Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo teleton und Wolfgang ,


    zunächst wieder vielen Dank für eure Beiträge.Zu Dir teleton, bzgl Schumann ganz kurz, weil es ja eigentlich nicht hierhin gehört: aber Schumann, George Szell und Leon Fleisher; wirklich eine herausragende Interpretation aus dem Jahre 1960!! und der Schumann wirkt tatsächlich gleich ganz anders...

    Wolfgang, das romantische Klavierkonzert von Joseph Marx kannte ich auch bereits, auch in der von dir vorgestellten Version von Naxos. Aufgrund deines Beitrages habe ich es wieder gehört, und stellte wiederholt fest, es ist wirklich sehr schöne Musik. Das einzige, was mich etwas stört, ist das Voranschreiten der Musik ohne rechtes Thema (vielleicht erkenne ich diese auch nur nicht). Ausgeprägt ist dieses übrigens bei seiner monumentalen Herbst Symphonie., dasselbe fällt mir übrigens bei den Klavierkonzerten von Medtner auf. Tolle Musik, aber immer punktuell, es fehlt mir ein bisschen das große Ganze.


    Und so möchte ich wieder zu einer "Neuvorstellung" jenseits der Hyperion Reihe kommen; (diese im übrigen auch nicht so ganz frei ist von meiner eben erwähnten "Kritik"): ein überaus melodisches Klavierkonzert von einem Komponisten namens Viktor Kosenko. Auch dieses habe ich auf YouTube entdeckt.

    Schon mal untergekommen?


    Viele Grüße

    Rainer

  • Danke für Deine Antwort, Rainer!


    Die Herbst-Sinfonie von Marx kenne ich von vermutlich nur einmaligem Hören - hier dürfte eine impressionistische Farbgebung die wesentlichere Rolle spielen als beim Konzert. Um markante Thematik festmachen zu können, müsste ich schon noch ein zweites und/ oder drittes Mal hinhören. ;)


    Ich vermisse beim Romantischen Klavierkonzert die etwas verfließende Thematik nicht sonderlich - und bin im Zweifelsfall eher ein Harmonien- denn ein Melodienhörer. Ich habe ja auch gesagt, dass diese Musik nicht unbedingt transparent erscheint - das ist doch bei der Herbst-Sinfonie nicht anders, meine ich. Aber mich reißt schlicht die beinahe konstante Hochstimmung des Klavierkonzerts mit. Das mag eine subjektive Vorliebe sein - macht ja nichts.


    Und - nein - das Konzert von Kosenko sagt mir nichts, allenfalls der Name.


    Und weil es vermutlich eine ähnliche Schule sein dürfte: Kennst Du das Klavierkonzert der estnischen Komponistin Lydia Auster ? Es gibt bei youtube mehrere Einspielungen, davon dürfte nichts käuflich zu erwerben sein. Das geht sofort ins Ohr, ist mild folkloristisch im Ton und natürlich wesentlich einfacher gestrickt als ein Joseph Marx, ein Brahms, ein Schumann ... Trotzdem: Das habe ich mir schon ein paar Male gerne angehört. Schmissig und melodiös - würde ich sagen.


    Hier einer der relevanten Links:



    :) Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Bei Kosenko höre ich soeben hinein. Nicht schlecht. Virtuosenfutter irgendwo zwischen Tschaikowsky und Rachmaninoff - und mit beiden trotzdem nicht zu verwechseln. :thumbup:


    :) Wolfgang


    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo Wolfgang,


    Mir gefällt Deine Aussage, Du seist mehr Harmonien, denn Melodienhörer, mir geht es ja einseits ähnlich, Prokofiev oder Schostakowitsch sind mir schon zu modern, oder, um beim Faden zu bleiben, das Klavierkonzert von Leo Ornstein, welches auf YouTube mit einem "must hear" versehen ist (die Empfehlungen sind meist gut)

    sagt mir überhaupt nicht zu (ebenfalls zu modern). Andererseits, schöne Melodien, (gerne auch zu Themen gebündelt) wie sie auch gerade in unbekannten Konzerten zufinden sind, können mich immer wieder mitreißen.


    In diesem Zusammenhang vielen Dank für den Tipp des Klavierkonzert es von Lydia Auster. Ich habe es sofort gehört, und kann im Prinzip deiner Einschätzung folgen. Der Mittelsatz gefällt mir am besten. Ich habe auch gleich recherchieren, was im Internet zu finden ist, wie üblich sind leider die Informationen auf Wikipedia recht dünn.


    Weiterhin diesen Zusammenhang ein anderer Tipp meinerseits: Das Klavierkonzert von Lucia Garuta

    (Ich habe es in meinem ersten Beitrag kurz angerissen). Dieses ist nun von der lettischenNationalkomponistin.

    Nach einem überaus geheimnisvollen beginn, der absolut einzigartig ist, zu dem ich keinen Vergleich beschreiben könnte, geht es mit dem kraftvollen Hauptthema weiter zu dem lyrischen Seitenthema. Der Höhepunkte ist meines Erachtens auch hier wieder der langsame Satz, in dem sich das Thema, welches sich öfter wiederholt, zu einem gewaltigen Höhepunkt steigert.

    Mittlerweile ist es eines meiner Lieblings Konzerte, welches ich jedem nur empfehlen kann. Zu finden auf Spotify und YouTube.


    Viele Grüße ,

    Rainer

  • Kurze Antwort erst mal, Rainer. Zu modern ist mir so schnell keine Musik und die Harmonien von Prokofieff etwa - weil Du ihn genannt hast - reizen mich ganz besonders - die Melodien aber auch :). Nur dass kein Missverständnis entsteht (1) ... gnadenlos [;)] bekehren zur Moderne will ich hier weder Dich noch sonst jemanden. Wir tauschen uns eben über das aus, was uns beiden gefällt. Und das scheinen in vorderer Front wohl (auch) Klavierkonzerte zu sein.


    (1) Vielleicht war meine Formulierung missverständlich. Mich interessiert im Besonderen die Harmonik von Musik. Die dritte Sinfonie von Prokofieff beispielsweise ist in ihrer Modernität gewiss nicht in einem alltäglichen Sinn "harmonisch" - aber ihre Harmonik ist zum Teil hochinteressant, vor allem in den Variationen. Der erste Satz ist provokant dissonant und grell, das ist mir klar und das hat für mich durchaus Reiz, doch die Harmonik steht da nicht an erster Stelle ... ;)


    Lucia Garuta suche ich gerne mal demnächst.


    Vorerst schöne Grüße,


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!


  • Rasch wird im ersten Satz dieses groß angelegten spät- oder neuromantischen Klavierkonzerts - den ich mir soeben angehört habe - eine dunkel getönte, hochpathetische und virtuose Haltung erkennbar, die ein wenig eklektisch klingt, als Nachhall eben einer vergangenen Zeit. Die Motivik ist kleingliedrig, wenig memorabel, etwas beliebig vielleicht - später, schon gegen Ende dieses Satzes, findet sich dann doch - vielleicht als strukturelles Ergebnis der Fragmente - eine breite, getragene Melodie, durchaus originell und von russischem Melos erfüllt.


    Vielleicht mehr über die beiden anderen Sätze zu einem späteren Zeitpunkt. Allenthalben reizvolle, wenn auch anachronistische Musik - vielleicht nichts Unverwechselbares, aber das kann man nicht erwarten. Das Unverwechselbare hat sich im Allgemeinen auch außerhalb des betreffenden Landes oder Kulturkreises durchgesetzt.


    Schön, dass man durch yt mit solchen Werken überhaupt in Berührung kommt ... und hier von Liebhabern entsprechende Tipps erhält. :thumbup: Die Komponistin scheint in ihrer Heimat durchaus bekannt und relevant gewesen zu sein.


    Es grüßt Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo zusammen,


    ich möchte noch ein kurzes Feedback zu den ersten Beitrag dieses threads geben: Beim ersten Mal reinhören hat mir das Klavierkonzert von Lalo noch nicht so zugesagt, aber dann dachte ich, nun muss ich doch nochmal intensiv zuhören.

    Sehr schnell hat es zu einem meiner Favoriten mutiert, und auch hier frage ich mich, warum muss so ein Konzert derart in Vergessenheit geraten?! Es ist doch originelle (und originale! Musik. Durch die Anklänge an Filmmusik? Das ist doch nicht schlechtes.


    Zum Thema Filmmusik. Aufgrund dieses Klavierkonzertes, möchte natürlich gerne einmal den Film anzuschauen. Mal sehen ob ich ihn auf amazon oder YouTube finde. Leider kommt bei mir das Fernsehen generell zu kurz, ich "muss" ja so viele neue interessante Musik hören...


    Aber ich denke, in der Frühzeit des Films scheinen sich die Komponisten tatsächlich unter anderem an den spätromantische Klavierkonzerten orientiert zu haben. Vor Jahren hatte ich einmal ein Zitat gelesen, ich weiß wirklich nicht mehr von von wem, die schönste Filmmusik hat Rachmaninoff geschrieben, wobei sich der Autor explizit auch auf den Schluss des dritten Klavierkonzertes bezog. Bei weiteren Beispielen dieser Art denke ich z.b. an das prächtige zweite Thema des Klavierkonzertes ist von Pierné. Ich hatte es kürzlich im Wohnzimmer gehört, meine Frau, die das Konzert wirklich nicht kennt, kam herein und meinte was ich denn für schöne Filmmusik höre. Diese Konzerte waren ja, denke ich, allesamt bekannt, bevor sie in der Versenkung verschwunden sind und konnten ihren Einfluss auf die Filmmusik Komponisten ausüben.

    Ich könnte mir vorstellen, im Konzertsaal würde so etwas durchaus seine Wirkung entfalten, wenn man sich mal trauen würde, so etwas zu spielen.


    Kennt ihr das Klavierkonzert von Kurt Atterberg?

    Ich weiß nicht, ob dieses auch auf der Hyperion Reihe zu finden ist, zumindest ist es nicht in dem Hyperion-Faden diskutiert.

    Ebenfalls mit vielen Anklängen dieser Art ist es für mich von einer besonderen spätromantische Schwermütigkeit, und ich meine, auch Tiefe. Was mir bei Atterberg gefällt, ist der lange melodische Atem. Gleich am Anfang des ersten Satzes zu finden, wie auch speziell im zweiten Satz. Zu erfahren auf Spotify und YouTube und überaus wert, einmal rein zu hören .


    Viele Grüße

    Rainer

  • Das Konzert von Atterberg habe ich schon ein paar Male gehört und es gefällt mir gut. Rainers Formulierung des "langen Atems" kann ich durchaus nachvollziehen.


    Hier meine beiden Aufnahmen. Eventuelle Unterschiede bewerten könnte ich aber jetzt aus dem Stegreif kaum. (Mag sein, dass die cpo-Produktion die stärkere ist.) Meines Wissens ist keine weitere Einspielung erhältlich und war wohl auch nie bei Hyperion aufgelegt - ganz sicher bin ich mir nicht.


              


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Allenthalben reizvolle, wenn auch anachronistische Musik - vielleicht nichts Unverwechselbares, aber das kann man nicht erwarten.

    Hallo Wolfgang, hallo zusammen,


    Deine Aussage in dem Zitat inspirierte mich zum folgenden Beitrag; und bitte keinesfalls als Kritik zu bewerten! Etwas dieser Art spukt mir schon im Kopf, lange bevor ich hier Mitglied werden durfte:


    Wie du und ihr mittlerweile wisst, bin ich viel im Internet unterwegs zum Thema: "unbekannte Klavierkonzerte". Immer wieder finde ich Aussagen wie: Die Musik dieses oder jenes Komponisten geriet in Vergessenheit oder konnte sich nicht durchsetzen, weil sie rückwärtsgewandt, nicht dem Zeitgeist entsprechend, oder der Komponist ein Epigone dieses oder jenes Komponisten sei.

    Ich denke, selbst wenn es epigonenhaft sein sollte: was spricht gegen ein weiteres Klavierkonzert von Rachmaninow (Wiklund oder Pierné oder Garuta) oder ein drittes klavierkonzert von Brahms (Scharwenka, Martucci) oder ein jeweils zweites Klavierkonzert von Grieg oder Schumann (Sauer)?

    Jedes Mal denke ich mir: Zumindest für mich: nichts. Geht es nicht einfach darum, schöne Musik zu schreiben?


    Fazit: ich bin wirklich sehr sehr froh über Errungenschaften der heutigen Zeit wie Spotify oder YouTube oder die Hyperion Serie!


    Dennoch, wie bereits in meinem obigen Beitrag geschrieben, ich würde mir wünschen, eines Tages mal Klavierkonzerte dieser Art im Konzertsaal zu finden ( als letztes Jahr Gergiev in München seinen Tschaikowsky Zyklus zum Besten gab, und das zweite Klavierkonzert gegeben wurde, bin ich sofort los gerannt, um eine Karte zu ergattern. Ich hatte zum Glück eine bekommen; die Begeisterung des Publikums war riesig!!)


    Viele Grüße,

    Rainer

  • Hallo, Rainer, hallo, miteinander!


    Natürlich reizt auch mich Etliches, was "nicht unverwechselbar" sein mag oder eben epigonenhaft - aber das hast du ja gewusst. Das Zitat lässt es erkennen. :) Insofern: Kein Thema!


    Da ich aber mittlerweile gerne stärker analytisch an die Materie herangehe als in jeder Hinsicht älteres Gewächs, stelle ich halt gerne meine Vergleiche an. Fragen kann und wird mich weder irgendein Experte noch der oder die Komponistin, ob ich ihre Komposition für aus der Zeit gefallen erachte. Aber hier im Forum darf ich das schreiben! Dass ich sehr gerne auch ganz moderne Töne mag, habe ich oben ja auch schon geschrieben. Ich will offen sein für möglichst Unterschiedliches! Aber auch da muss es verschiedene Ansichten geben dürfen. Der eine spezialisiert sich und sammelt in die Tiefe. Ich tue das mittlerweile zum kleineren Teil auch - über zehn Gesamtaufnahmen der Sonaten von Skrjabin zum Beispiel -, bin aber grundsätzlich eher Breitensammler. Da kommt immer noch vieles viel zu kurz wegen der Kürze des Daseins - ach, lassen wir das.


    Absolut Deiner Meinung bin ich ansonsten in anderer Hinsicht - und das habe ich hier seit über zehn Jahren schon ein paar Male anklingen lassen: Auch ich verstehe nicht, warum immer die gleichen Zugpferde gespielt werden. Wenn man vielleicht noch das Argument gelten lassen kann - ein wirklich gutes Argument ist es trotzdem nicht -, dass die Erwartungshaltung des Publikums eine Rolle spielt oder die nicht immer gegebene Bereitschaft der Dirigenten und Orchester, die Partituren einzustudieren, so ist es für mich noch weniger verständlich, wenn junge Musizierende auch lieber die soundsovielte Einspielung des Renners auf den Markt werfen und sich damit einer unnötig großen Konkurrenz auszusetzen, statt sich umzusehen, womit sie viel sicherer ein Alleinstellungsmerkmal erwerben könnten.


    Wohlgemerkt: Es gibt nicht wenige Ausnahmen, sowohl bei den Solisten als auch bei den Orchestern. Gerade Letztere können sich auf diese Weise profilieren, wenn sie nicht von vornherein in die A-Kategorie fallen. Und was die Pianisten anbelangt, so kann gerade die Hyperion-Serie mit großen Namen wie Stephen Hough oder Marc-André Hamelin neben durchaus erstklassigen Orchestern etwa aus England aufwarten.


    Schöne Grüße,


    Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Raul Koczalski (1885-1948) war ein musikalisches Wunderkind, angeblich spielte er bereits mit 4 Jahren öffentlich Stücke von Chopin und mit 14 bestritt er bereits sein 1000. Konzert. Heutzutage würde da wohl das Jugendamt vorstellig werden. Er hatte Unterricht u.a. beim Chopin-Schüler Karol Mikuli und versetzte Anton Rubinstein in Erstaunen. Kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in Polen feierte er in Berlin, in dem er die letzten Jahre verbracht hatte, sein 50-jähriges Bühnenjubiläum und hatte im September 1939 das zweifelhafte Vergnügen von Joseph Goebbels persönlich zum Verbleib (sprich: Internierung) in Berlin aufgefordert zu werden. Er hatte zwar offiziell Auftrittsverbot, konnte sich aber wohl mit Hauskonzerten durchschlagen und wurde auch von der Gestapo weitgehend verschont. Nach dem Krieg kehrte er nach Polen zurück, wo er 1948 verstarb. Vor dem Krieg war er ein gesuchter Pianist und hat zahlreiche Schellack-Platten u.a. für die Deutsche Grammophon eingespielt. Er galt als Chopin-Spezialist und wurde von einigen als solcher hoch geschätzt, von anderen (Arrau, Artur Rubinstein) eher nicht. Kürzlich sind die Partituren seiner sechs Klavierkonzerte wieder aufgetaucht und wurden eingespielt.

    Die 3. Folge enthält die Konzerte Nr. 5 und 6.

    Nach dem 5. Konzert zu urteilen, sind das Konzerte im spätromatischen Stil, die die Entwicklungen der 20er und 30er Jahre komplett ignorieren und selbst Rachmaninoffs Beiträge als progressiver erscheinen lassen. Sie sind melodienseelig und würden perfekt in die Hyperion-Reihe passen.

    Die Pianistin Joanna Lawrynowicz sagt mir nichts, hat aber diverse Wettbewerbe gewonnen und schon über 40 CDs eingespielt, u.a. das Gesamtwerk von Chopin. Sie wie auch das Orchester aus Lublin werden den Ansprüchen der Partitur offenkundig gerecht.




  • Wie du und ihr mittlerweile wisst, bin ich viel im Internet unterwegs zum Thema: "unbekannte Klavierkonzerte". Immer wieder finde ich Aussagen wie: Die Musik dieses oder jenes Komponisten geriet in Vergessenheit oder konnte sich nicht durchsetzen, weil sie rückwärtsgewandt, nicht dem Zeitgeist entsprechend, oder der Komponist ein Epigone dieses oder jenes Komponisten sei.

    Obwohl ich eigentlich in diesem Thread nichts zu suchen habe, hat mich die Aussage gereizt. (bitte nicht steinigen, wenn es sich vermeiden lässt ;))


    Seit ich in diesem Forum unterwegs bin, und so lange ist das jetzt auch noch nicht, beschäftigt mich verstärkt die Frage, warum manches zu haben ist und anderes nicht vermarktet wird. Das Argument mit der Qualität halte ich für fragwürdig. Ich habe an anderer Stelle (ein bisschen Werbung sei erlaubt) einen Thread zur Klaviersonate aufgemacht, wo wir gerade mit Nikolai Medtner anfangen, ein offensichtlich Vergessener, der dem Zeitgeist ostentativ abhold war. War seine Musik schlechter, oder kann sie nicht sinnvoll rezipiert werden? Ich halte das alles für nicht richtig.


    Jede Musik hat irgendeinen Bezug zur Zeit, in der sie entsteht. Er muss ja nicht immer affirmativ sein. Komplex ist die Situation bei den Künstlern. Manche benötigen moderne Sprache, um sich zu artikulieren, andere eben nicht. Das macht keine Musik besser oder schlechter. Leider neigen die Künstler untereinander wohl gerne dazu, die andere Sprache jeweils zu verdammen. Das ist ihrer Profession geschuldet ;).


    Als Rezipient kann ich das aber ignorieren und mir das anhören, was mir gefällt, ............. sofern es denn vorhanden ist;).


    Warum gibt es nun bestimmte Musik und manche nicht? - temporäre Antwort: Es ist ein Faktum des Marktes. Manches lässt sich gut verkaufen. Dabei sind die Kriterien offensichtlich nicht immer künstlerische. Manchmal kommt es aber ganz gut zusammen, siehe die Vermarktung von Weinberg. Mir gefällt auch (sagen wir es kommt meinem Geschmack entgegen), dass es in letzter Zeit sehr viel moderne Kammermusik gibt, die von jungen Ensembles eingespielt wird. Da scheint es einen Markt zu geben; eventuell aber auch, weil die Produktion nicht teuer ist :(.

  • Zitat

    Obwohl ich eigentlich in diesem Thread nichts zu suchen habe [...]

    Wo steht dieses geschrieben, Axel? :P


    Ich denke, dass Du ansonsten Recht hast. Falls - falls - solches aus meinem Geschwätz herauszulesen sein sollte: Ich will keinesfalls sagen, dass Anachronistisches in der Musik schwach sein muss - ganz abgesehen davon, dass es mir gefallen darf. Es fällt dann halt für den analytisch interessierten Hörer ein Kriterium mehr oder minder weg, das Kriterium der stilistischen Neuartigkeit und/ oder Unverwechselbarkeit. Das ist ja noch lange nicht alles, was zählt, wenn auch für mich nicht unwichtig ...


    Stichwort: Medtner - schwer zu sagen, ob er nur als Rachmaninoff-Epigone durchgehen würde. Die beiden waren ja befreundet, haben sich wohl auch gegenseitig moralisch aufgebaut, hatten wohl beide ihre Probleme mit der psychischen Verfassung. Medtners Musik ist hochinteressant - stilistisch war sie wohl nicht auf dem neuesten Stand und sie konnte auch nicht mehr Schule machen. Aber gerade dieser Komponist wird seit wenigen Jahrzehnten wieder- oder neu entdeckt.


    Rainer wird Medtner wahrscheinlich kennen - mir ist er noch gar nicht so lange geläufig, ein paar Jahre schon.


    Verlinken im Sinne dieses Threads will ich seine Klavierkonzerte außerhalb der Hyperion-Reihe, wo er auch erschienen ist - ich kenne diese Einspielungen nicht. Aber die beiden folgenden CDs sind exzellent:



    :) Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo zusammen ,

    Eine neue Entdeckung, wobei ich gar nicht weiß, warum mir diese nicht schon früher bei meinen intensiven Recherchen untergekommen ist:

    Pancho Vladigerov.

    Ein recht zeitgenössischer Komponist, lebte von 1899 bis 1978. Natürlich hat er auch Klavierkonzerte geschrieben und zwar fünf an der Zahl, das erste im Alter von 18 Jahren. Auf spotify ist Vladigerov gar nicht allzu spärlich vertreten, auf Wikipedia, wo ich immer gerne Hintergrundinformationen suche, schon.

    Zu Musik: auffällig ist ein Wechsel zwischen sehr modernen (so ein bisserl Richtung Schostakowitsch oder Prokofiev), und überaus melodiösen Passagen. Zu finden meistens im zweite Thema der jeweils ersten Sätze der Klavierkonzerte und besonders natürlich in den zweiten Sätzen.

    Diese melodischen Passagen begeistern mich absolut. Schwelgerische Melodien, pendeln zwischen Rachmaninoff und auch hier wieder: Filmmusik. (Bzw: muss man eigentlich immer Vergleiche suchen? Es ist einfach packende Musik.)

    Es folgt die mittlerweile Standard Frage: Warum ist von diesem Komponisten nichts zuhören? Ich bin absolut begeistert von dieser Entdeckung und höre seine Klavierkonzerte im Augenblick rauf und runter.


    Zweiter Punkt: Raul koczalski.

    Natürlich habe ich mir auch diesen Tipp sofort zu Gemüte geführt, leider ist auf spotify gar nichts zu finden, und auf YouTube jeweils nur 3 Minuten Passagen. Diese sind aber vielversprechend! Ich hoffe, von diesem Komponisten noch mehr im Internet finden zu können. Wenn wer einen weiteren Link hierzu weiß, dann bitte mir mitteilen !

    Viele Grüße

    Rainer ( habe mich nun doch für einen pseudo Namen entschieden, um nicht sofort auf Google zu finden zu sein)

  • Eine neue Entdeckung, wobei ich gar nicht weiß, warum mir diese nicht schon früher bei meinen intensiven Recherchen untergekommen ist:

    Pancho Vladigerov.

    Hallo Heisenberg,


    Pancho Vladigerov ist der bekannteste und im 20. Jhd. einflussreichste bulgarische Komponist. Er war der Lehrer u.a. von Alexis Weissenberg und auch des Komponisten Ivan Shekov, der in Süddeutschland lebt und den ich - verrückter Zufall - einmal im Flugzeug nach Sofia kennenlernte, als er direkt neben uns saß. Auch er ist ein Schüler von Vladigerov. Vladigerov vereinigt verschiedene Einflüsse - u.a. von Bartok und Enescu. Ich habe es gestern nur nicht geschafft, in meine Sammlung zu schauen und die CDs des bulgarischen Labels GEGA rauszusuchen. Ich habe eine mit Solo-Klavierwerken und eine andere mit bulgarischen Klavierkonzerten des 20. Jhd. Das hole ich heute Abend nach! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • hallo Holger ,

    Vielen Dank für deinen Kommentar zu Vladigerov. Ich habe übrigens auch nach Ivan Shekov recherchiert. Leider ist auf Spotify gar nichts zu finden, und auf YouTube lediglich paar Miniaturen für Flöte und Klavier. Vielleicht ändert sich das ja noch.

    Zurück zu Vladigerov: nachdem ich mich an den Klavierkonzerten, welche ich als geniale Musik erachte, aktuell fast ein wenig überhört habe, wende ich mich jetzt den Violinkonzert im und den Sinfonien zu. Es gibt bei ihm sicher noch viel zu entdecken, bin sehr gespannt .

    Viele Grüße

    Rainer

  • Lieber Rainer,


    ich wollte mich auch schon längst gemeldet haben! :) Von Vladigerov habe ich etliche CDs. Die mit dem Klavierkonzert ist eine CD des bulgarischen Pianisten Boris Nedelchev, herausgegeben vom bulgarischen Label GEGA (einst in Sofia gekauft). Ich habe die CD allerdings im Netz bislang nicht gefunden.


    Ivan Shekov hatte mir damals seine CD (Aufnahme mit Orchesterwerken) geschickt. Da schaue ich heute Abend nach und sage Dir, welche es ist! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Die Shekov-CD "Ivan Shekov Komponist" enthält Aufnahmen aus dem SWR - ist aber nirgendwo zu finden leider!


    https://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Schekow


    https://www-old.eglofs.de/musikmus/Musik/Personen/Shekow.htm


    Die CD mit Boris Nedelchev ("The Great Bulgarien Piano Concertos") ist hier aufgeführt:


    https://baylor.primo.exlibrisg…9705576/01BUL_INST:BAYLOR


    Sie enthält neben dem 3. Klavierkonzert von Vladigerov noch das Concertino für Klavier und Orchester Nr. 1 von Vesselin Stoyanov. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • lieber Holger ,


    Vielen Dank für die Tipps zu Ivan shekov und Stoyanov. Ivan Shekov bleibt leider trotz erneuter Suche auf Spotify und YouTube nicht auffindbar, somit habe ich mich anschließend Vesselin Stoyanov zugewandt. Auch dieser ist leider auf Spotify nicht zu finden, aber auf YouTube finde ich Sinfonien, sowie das erste, zweite und dritte Klavierkonzert.



    Im Augenblick führe ich mir gerade das zweite Klavierkonzert zu Gemüte, und es ist, glaube ich, eine weitere, herausragende Entdeckung.

    ( bin noch nicht ganz durch) .


    Apropos: an Ivan Shekov bin ich weiterhin interessiert. Wie ich oben geschrieben hatte habe ich zwar nur eine Miniatur auf YouTube finden können, aber schon dies scheint mir vielversprechend zu sein, und hätte mein Interesse geweckt, weiteres zu hören.


    Viele Grüße

    Rainer,

  • Vielen Dank für die Tipps zu Ivan shekov und Stoyanov. Ivan Shekov bleibt leider trotz erneuter Suche auf Spotify und YouTube nicht auffindbar, somit habe ich mich anschließend Vesselin Stoyanov zugewandt. Auch dieser ist leider auf Spotify nicht zu finden, aber auf YouTube finde ich Sinfonien, sowie das erste, zweite und dritte Klavierkonzert.

    Lieber Rainer,


    das freut mich sehr, dass ich Dir zu diesen bulgarischen Entdeckungen verholfen habe, die ganz Dein Geschmack sind! Früher konnte man die GEGA-CDs in Sofia in einem Shop im Kulturpalast kaufen - heute gibt es das alles nicht mehr leider! Ivan Shekov kannst Du aber per Mail kontaktieren - die Adresse steht auf seiner Hompage:


    Homepage von Ivan Shekov


    Komischer Weise steht da eine Post-Adresse in Sofia und nicht seine deutsche. Kann sein, dass er nach der Pensionierung wieder mehr in Bulgarien lebt. Er wird Dir garantiert gerne seine CDs schicken! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger,

    Bitte entschuldige die verspätete Rückmeldung, (Renovierungsarbeiten am Haus haben dazu geführt dass ich mich tatsächlich mal nicht unbekannten Klavierkonzert widmen konnte... ) und ganz herzlichen Dank für die Zusendung der Adresse von Ivan Shekov. Ich werde ihn wirklich kontaktieren, vielleicht mit einem Link zu diesem Forum, dann weiß er gleich worum es geht. Bin gespannt ob er antwortet, und ich werde natürlich Rückmeldung geben .

    Viele Grüße ,

    Rainer

  • Bitte entschuldige die verspätete Rückmeldung, (Renovierungsarbeiten am Haus haben dazu geführt dass ich mich tatsächlich mal nicht unbekannten Klavierkonzert widmen konnte... ) und ganz herzlichen Dank für die Zusendung der Adresse von Ivan Shekov. Ich werde ihn wirklich kontaktieren, vielleicht mit einem Link zu diesem Forum, dann weiß er gleich worum es geht. Bin gespannt ob er antwortet, und ich werde natürlich Rückmeldung geben .

    Lieber Rainer,


    die Renovierungsarbeiten gehen natürlich vor! :) Kein Problem! Dann bin ich mal gespannt, was Du erreichst! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • lieber Holger ,


    Ich hatte ja geschrieben, dass ich Feedback gegeben wollte. Also, Ivan Shekov hat leider zwei Wochen lang nicht geantwortet, ich hatte ihm auf seine bulgarische Adresse eine E-Mail geschickt.

    Vielleicht kommt ja noch etwas.


    Nach wie vor bin ich begeistert von der Entdeckung Pancho Vladigerov. In der letzten Zeit habe ich mich besonders seinem ersten Klavierkonzert gewidmet, und bin beeindruckt von der überaus farbigen instrumentation, den eindrucksvollen Melodien, den pathetischen der und auch folkloristisch angehauchten Passagen. Dieses gilt natürlich für seine anderen Klavierkonzerte ebenso, aber diese Meisterschaft, welche er bereits mit 18 Jahren erreicht, erinnert mich etwas an das 1. Klavierkonzert von Rachmaninow, welches auch bereits mit 18 Jahren geschrieben wurde.


    Ganz anderes Thema und Stil, daneben habe ich beim Stöbern auf YouTube mal in das Klavierkonzert von Ignaz brüll hinein gehört. Dieses ist, glaube ich, zwar auch auf der hyperion Serie zu finden, aber nicht auf Spotify.

    Eine digitalisierte Aufnahme einer alten Schallplatte, ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt...


    Soweit für heute ,

    Viele Grüße

    Rainer

  • Naxos hat die Reihe "Romantische Klavierkonzerte" mit Komponisten der 2. und 3. Reihe.

    Hier möchte ich das Klavierkonzert f-Moll op. 5 von Sigismund Thalberg (1812-1871) vorstellen.

    Thalbergs Wurzeln liegen in Wien wo er u.a. Schüler von Hummel war. In England erhielt er Unterricht von Moscheles, dann zog es ihn nach Paris, in den 1830er Jahren die Stadt der Pianisten. Überliefert ist die Rivalität mit Franz Liszt. Sein Klavierkonzert f-Moll ist ein relativ frühes Werk. Der 1. Satz hat zwei kontrastrierende, einprägsame Themen. Das kurze Adagio erinnert etwas an Chopin, worauf sich das lebhafte Rondo mit variierenden Episoden anschließt. Ist natürlich kein Brahms und auch kein Schumann, muss sich aber nicht verstecken.

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP