Roland Hermann - Ein Bariton für Gesangs-Spezialisten

  • Ich wünsche allen 'Taminos' ein gutes neues Jahr 2022!



    Der am 17. 11. 2020 in Zürich mit 84 Jahren verstorbene Bariton Roland Hermann war einer der profiliertesten deutschsprachigen Opern- und Konzertsänger im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts. Geboren am 17. 9. 1936 in Bochum, ließ er (nach einem Studium der Musikwissenschaft, Pädagogik und Anglistik) die Stimme von Margarethe von Winterfeldt – die Lehrerin Fritz Wunderlichs – und Paul Lohmann (Ehemann der legendären Franziska Martienssen-Lohmann) ausbilden. Der 1. Preis im Gesangswettbewerb der deutschen Rundfunkanstalten 1961 in München führte ihn zunächst durch die Konzertsäle in Deutschland, Österreich und in der Schweiz, aber auch schon in die Aufnahmestudios der Rundfunkhäuser. Sein kräftiger Bariton von eher dunkler Stimmfarbe befähigte ihn, zusätzlich etliche Basspartien in Werken der konzertanten Musik zu singen,


    Die Bühnenlaufbahn begann für Roland Hermann 1967 in Trier als Mozarts 'Graf Almaviva'; ein Jahr später bereits wechselte er an das Zürcher Opernhaus (Antrittsrolle: der Sprecher in „Die Zauberflöte“), dem er dann bis 1999 angehörte. Zahlreiche internationale Gastspiele folgten im Laufe der Jahre, wobei er – wie im Konzertbereich - ein breit gefächertes Repertoire vom Barock bis zur Avantgarde beherrschte (darunter mehrere Ur- und Schweizer Erstaufführungen). Der groß gewachsene, gut aussehende Sänger mit einem etwas distinguierten Habitus verkörperte anfangs die 'edlen' Rollen seines Stimmfachs - rein komödiantische Partien waren nicht so sehr seine Sache - und die 'gebrochenen' Opern-Charaktere hat er sich im Laufe der Jahre richtiggehend 'erarbeitet'. Die Spätfolgen eines schweren Autounfalls (1972) behinderten seine Bühnenauftritte in den 90er Jahren etwas, worauf sich Roland Hermann verstärkt der Tätigkeit als Konzertsänger widmete. Zudem übernahm er ab 1989 für zwanzig Jahre eine Professur an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, gab Meisterkurse und zuletzt Privatunterricht.


    Die Merkmale seines Wirkens als Bühnen-Interpret hat Imre Fabian anlässlich der „Doktor Faust“-Inszenierung am Opernhaus Zürich in der „Opernwelt“ (1972) zusammengefasst: „Roland Hermann als Faust fesselte schon vom ersten Bild an: ein Sänger von suggestiver Kraft, der die Vorteile der Disziplin kennengelernt hat. Eine beachtenswert schöne Stimme, die nicht mit unterstützenden Operngesten, sondern mit musikalischen Mitteln sich auszudrücken weiß.“ Roland Hermann hinterließ eine große Anzahl an Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen, ist aber dem breiten Publikum weithin unbekannt geblieben, weil er nicht die Popularität suchte, sondern eher ein Sänger für 'Gesangs-Spezialisten' war.


    Wie mir ein ehemaliger Mitarbeiter des Zürcher Opernhauses berichtete, wurden ab den 70er Jahren nahezu alle Generalproben bzw. Premieren 'hausintern' akustisch dokumentiert; heutzutage ist es allgemein üblich, davon auch Video-Aufzeichnungen zu machen, die die früher verwendeten Regiebücher ersetzen. Einige der genannten Mitschnitte dürften daher schwer zugänglich sein.



    „Fra Diavolo“ (Daniel Francois Esprit Auber): Fra Diavolo, unter dem Namen 'Marquis von San Marco' – Wolfgang Müller-Lorenz / Lord Kookburn – Roland Hermann / Lady Pamela, seine Gattin – Stefania Kaluza / Lorenzo, ein Dragoneroffizier – Ramón Vargas / Matteo, Gastwirt in Terracina – René Rohr / Zerline,seine Tochter – Ulrike Steinsky / Giacomo und Beppo, Banditen – Peter Keller und Werner Gröschel / Der Chor und das Orchester der Oper Zürich / Chorltg.: Jürg Hämmerli / Dirigent: Hans Richter (Zürich, Opernhaus, 20. 1. 1990) Die Inszenierung verwendete die neue deutsche Textfassung von Karlheinz Gutheim.


    Eine Anmerkung zu den verschiedenen Bezeichnungen des Zürcher Opernorchesters: Schon länger gab es in Zürich Bestrebungen, das seit 1944 bestehende 'Tonhalle- und Theaterorchester Zürich' in die eigenständigen Formationen 'Tonhalle-Orchester Zürich' und 'Orchester der Oper Zürich' zu trennen, was nach dem Umbau des Opernhauses (von Juli 1982 bis November 1984) dann Anfang 1985 auch durchgeführt wurde. Seit 2012 nennt sich das 'Orchester der Oper Zürich' übrigens 'Philharmonia Zürich'!



    „Lucio Silla“ (Johann Christian Bach): Lucio Silla, Diktator – Carlo Gaifa / Giunia, Tochter des Gaius Marius, Braut des Cecilio – Julia Varady / Cecilio, verbannter Senator – Sylvia Geszty / Lucio Cinna, römischer Patrizier, Freund des Cecilio, heimlicher Feind Lucio Sillas – Roland Hermann / Celia, Schwester des Lucio Silla – Gerti Zeumer / Der Chor des Süddeutschen Rundfunks / Chorltg.: Hermann Josef Dahmen / Die Cappella Coloniensis / Dirigent: Günter Kehr (Schwetzingen, Rokokothater, 23. 5. 1974, Konzertante Aufführung in italienischer Sprache). Der Mitschnitt des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart von diesem 'Dramma per Musica' in drei Akten von Giovanni De Gamerra mit Ergänzungen von Mattia Verazi (Mannheim 1775) wurde mit deutschen Zwischentexten - gesprochen von Rudolf Jürgen Bartsch - gesendet, die auf der Schallplatten-Veröffentlichung des US-Labels 'Voce' (3 LPs) fehlen.



    „Les Troyens“ ('Die Trojaner') (Hector Berlioz); Erster Teil „La Prise de Troie“ ('Der Fall Trojas') / Priam, roi des Troyens (Priamus, König der Trojaner) – Werner Gröschel / Hécube, reine des Troyens (Hekuba, Königin der Trojaner) – Sarianna Salminen / Cassandre, prophétesse troyenne, fille de Priam (Kassandra, trojanische Seherin, Tochter des Priamus) – Agnes Habereder / Hélénus, prêtre troyen, fils de Priam (Helenus, trojanischer Priester, Sohn des Priamus) – Martin Zysset / Chorèbe, jeune prince d'Asie, fiancé de Cassandre (Choroebus, junger asiatischer Fürst, Verlobter Kassandras) – Roland Hermann / Enée, héros troyen, fils de Vénus et d'Anchise (Aeneas, trojanischer Held, Sohn der Venus und des Anchises) – Giorgio Lamberti / Ascagne, jeune fils d'Enée (Ascanius, junger Sohn des Aeneas) – Margaret Chalker / Panthée, prêtre troyen, ami d'Enée (Pantheus, trojanischer Priester, Freund des Aeneas) - Jakob Will / L'ombre d'Hector, héros troyen, fils de Priam (Der Schatten des Hector, trojanischer Held, Sohn des Priamus) – Werner Gröschel / Le guardien de la tombe d'Achille (Der Wächter am Grab des Achilles) – René Rohr / Un chef grec (Ein griechischer Anführer) – Gilles Denizot / Andromaque, veuve d'Hector (Hektors Witwe) – Helen von Arb / Astyanax, fils d'Hector (Hektors Sohn) – Carlo Steiger.


    „Les Troyens“ ('Die Trojaner') (Hector Berlioz): Zweiter Teil „Les Troyens à Carthage“ ('Die Trojaner in Karthago') / Didon, reine de Carthage, veuve de Sichée, prince de Tyr (Dido, Königin von Karthago, Witwe des Sychaeus, Fürst von Tyros) – Ludmila Shemchuk / Anna, Soeur de Didon (Anna, Didos Schwester) – Vesselina Kasarova / Enée, héros troyen, fils de Vénus et d'Anchise (Aeneas, trojanischer Held, Sohn der Venus und des Anchises) – Giorgio Lamberti / Ascagne, jeune fils d'Enée (Ascanius, junger Sohn des Aeneas) – Margaret Chalker / Panthée, prêtre troyen, ami d'Enée (Pantheus, trojanischer Priester, Freund des Aeneas) – Jakob Will / Narbal, ministre de Didon (Narbal, Didos Minister) – Hans Franzen / Iopas, poète tyrien de la cour de Didon (Iopas, tyrenischer Dichter am Hofe Didos) – Reinaldo Macias / Hylas, jeune matelot phrygien (Hylas, junger phrygischer Matrose) – Guillermo Dominguez / Le dieu Mercure (Der Gott Merkur) – Jakob Will / Deux sentinelles (Zwei Wächter) – Werner Gröschel und René Rohr / Le spectre de Priam (Der Geist des Priamus) – Werner Gröschel / Le spectre de Chorèbe (Der Geist des Choroebus) – Roland Hermann / Le Grand-Prêtre de Pluton (Der Hohepriester des Pluto) – René Rohr


    Der Chor, Kinder- und Extrachor der Oper Zürich / Mitglieder des Zürcher Lehrerchors / Le Choeur Lyrique de Paris / Gesamt-Chorltg.: Karl Kamper / Das Orchester der Oper Zürich / Dirigent: Ralf Weikert / Choreographie: Jean-Louis Bert / Bühnenbild: Emanuel Peduzzi / Kostüme: Jacques Schmidt / Inszenierung: Tony Palmer (Zürich, Opernhaus, Premiere am 23. 9. 90, aufgezeichnet vom Schweizer Fernsehen). Die Aufführung in französischer Sprache an nur einem Abend (Dauer: rund 210 Minuten) brachte zahlreiche Striche und Kürzungen mit sich, aber am Ende des zweiten Teils wurde die Final-Version von 1858 gespielt, die Berlioz später verworfen hat. Die Rollen der Andromaque und des Astyanax sind stumm und wurden von Statisten gespielt. Giorgio Lamberti begann seine Opernlaufbahn unter dem Namen 'Giorgio Casellato Lamberti'. (In dem englischen Film-Portrait von 1992 „I, Berlioz“ von Tony Palmer sind Ausschnitte aus der Zürcher Inszenierung zu sehen.)



    „Ein Stern geht auf aus Jaacob“ (Paul Burkhard): Maria – Renate Lenhart / Joseph – Roland Hermann / Rachel, eine junge Hebräerin – Charlotte Berthold / Daniel, ein junger Zelot – Norman Mittelmann / Michael, ein hebräischer Gottsucher – Werner Gröschel / Gaius, römischer Hauptmann in Diensten des Königs Herodes – Wolfgang Warncke / Sacharja, ein alter Priester – Walter Hesse / Elisabeth, seine Frau – Erika Wien / Drei Magier – Rüdiger Wohlers, Rudolf A. Hartmann und József Dene / König Herodes der Große – Ettore Cella / Thamar, seine Gemahlin – Ruth Rohner / Ein Schriftgelehrter – Paul Späni / Vier Hirten: Aram – Fritz Peter, Thiras – Richard van Vrooman, Isai – Rupert O. Forbes, Zadok – René Rohr / Der Chor des Opernhauses Zürich / Chorltg.: Hans Erismann / Das Tonhalle- und Theaterorchester Zürich / Dirigent: Paul Burkhard (Zürich, Opernhaus, 17. 2. 1973, Schweizer Erstaufführung). Die Rollen des Königs Herodes, der den 'bethlehemischen Kindermord' befahl, und des römischen Hauptmanns Gaius sind vom Komponisten für Schauspieler vorgesehen.


    Paul Burkhard, hierzulande hauptsächlich bekannt durch seine Operette „Das Feuerwerk“, wandte sich später der Kirchenmusik zu und schrieb diese 'Weihnachtsoper' im Auftrag der Hamburgischen Staatsoper, wo sie am 6. 12. 1970 uraufgeführt und auch für das Deutsche Fernsehen aufgezeichnet wurde. (In den Hauptrollen wirkten u. a. Arlene Saunders, Vladimir Ruzdak, Elisabeth Steiner, Norman Mittelmann und Hans Sotin mit; die drei Magier waren Willy Hartmann, Franz Grundheber und Heinz Blankenburg; Peter Haage, Heinz Kruse, William Workman und Carl Schultz verkörperten die vier Hirten. Leonard Steckel spielte den König Herodes - im Fernsehen von Will Quadflieg dargestellt - und Ursula Koszut sang die Königin Thamar. Auch in Hamburg stand Paul Burkhard am Dirigentenpult.)



    „Doktor Faust“ (Ferruccio Busoni): Doktor Faust – Roland Hermann / Mephistopheles – Sven Olof Eliasson / Wagner – Jozsef Dene / Des Mädchens Bruder – Kari Nurmela / Der Herzog von Parma – Rüdiger Wohlers / Die Herzogin von Parma – Eva Illes / Der Zeremonienmeister des Herzogs – Werner Ernst / Ein Leutnant – Fritz Peter / Drei Studenten aus Krakau – Fritz Peter, Rupert Oliver Forbes und Arwed Sandner / Studenten in Wittenberg – Rüdiger Wohlers, Rupert Oliver Forbes, Werner Ernst, René Rohr, Ernst-August Steinhoff und Walter Hesse / Fünf Geisterstimmen: Gravis – Gejza Zelenay, Levis – René Rohr, Asmodus – Kari Nurmela, Beelzebuth – Walter Hesse, Megäros – Fritz Peter / Drei Engelsstimmen – Renate Lenhart, Ruth Rohner und Alexandra Kunošiková / Ein Jüngling - Markus Emmenegger / Der Chor des Opernhauses Zürich / Chorltg.: Hans Erismann / Das Tonhalle- und Theaterorchester Zürich / Dirigent: Ferdinand Leitner (Zürich, Opernhaus, 3. 6. 1972).



    Carlo

  • Hallo,

    ich habe nur wenige Tonaufnahmen mit Roland Herrmann, da schätze ich ihn aber sehr.

    Marschner: Der Vampyr als Lord Ruthwen

    Schoeck: Penthesilea als Achilles

    Schöne Grüße

    wega

  • In Günter Wands Aufnahme der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven wirkte er ebenso mit wie in Eugen Jochums Einspielung der "Meistersinger von Nürnberg", in der er den Beckmesser sang. Das sind wissentlich die einzigen CDs, in denen er bei mir vertreten ist.


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Hätte ihn in der Wand-Aufnahme gar nicht auf dem Schirm gehabt; die müsste ich mal wieder anhören.

    Ich besitze sonst zwei Aufnahmen mit Herrmann: Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen und Frühe Lieder, beide aus den frühen 1970ern oder so. Letztere ist eine Claves-Neuauflage, dürfte seinerzeit eine der ersten Einspielungen der Werke gewesen sein. Haben mir immer gut gefallen, die "Gesellenlieder" waren aber auch meine erste Aufnahme des Werks.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Für mich ist Roland Hermann einer der wichtigstens und eindrucksvollsten Interpreten von Balladen Carl Loewes. Auf der oben verlinkten CD nahm er sich auch dem seltenen Repertoire an. Inhaltlich und historisch sind diese Balladen natürlich mit Vorsicht zu genießen. Sie verklären die Wirklichkeit. Kaiser Karl V. hat als "Pilgrim vor St. Just" nicht selbst an die Klosterpfote geklopft, um Einlass zu begehren. Er bewohnte als Rückzugsort keine Mönchszelle, sondern einen sehr stattlichen Palast, den zu besichtigen lohnt. Herrmann stellt die Müdigkeit des Monarchen und seinen Verdruss sehr bewegend dar, so dass man schon Mitleid empfindet. Der Text stammt von August von Platen:



    Nacht ist's, und Stürme sausen für und für,

    Hispanische Mönche, schließt mir auf die Tür!

    Laßt hier mich ruhn, bis Glockenton mich weckt,

    Der zum Gebet euch in die Kirche schreckt!


    Bereitet mir was euer Haus vermag,

    Ein Ordenskleid und einen Sarkophag!

    Gönnt mir die kleine Zelle, weiht mich ein,

    Mehr als die Hälfte dieser Welt war mein.


    Das Haupt, das nun der Schere sich bequemt,

    Mit mancher Krone ward's bediademt.

    Die Schulter, die der Kutte nun sich bückt,

    Hat kaiserlicher Hermelin geschmückt.

    Nun bin ich vor dem Tod den Toten gleich,

    Und fall in Trümmer, wie das alte Reich.

    Nacht ist's, und Stürme sausen für und für,

    Hispanische Mönche, schließt mir auf die Tür!





    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • loewehermann2rjz5.jpg

    Eine kleine Ergänzung, damit man sieht, was außer »Der Pilgrim von St. Just« noch so drauf ist ...

  • Eine kleine Ergänzung, damit man sieht, was außer »Der Pilgrim von St. Just« noch so drauf ist ...

    Danke, lieber hart, dass Du dafür sorgtest, dass "Der Pilger vor St. Just" hier nicht allein steht. In diesem Anbau an den Klosterkomplex verbrachte der von Gicht geplagte Kaiser seine lezten Jahre:


    1024px-Monasterio_yuste_01.jpg


    Karl V. treffen wir auch als geheimniosvollen Mönch in Verdis Oper "Don Carlos" sowie in der nach ihm benannten Oper von Krenek wieder. Beide Werke haben St. Just (Yuste) als konkrete Ortvorgabe. Aber wem sage uch das? ;)

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Weiter geht es in der Opern-Discographie Roland Hermanns mit den Komponisten Debussy bis Fortner.



    „Pelléas et Mélisande“ (Claude Debussy): Arkel – Werner Gröschel / Geneviève – Carol Smith / Golaud – Roland Hermann / Pelléas – Sven Olof Eliasson / Mélisande – Edith Mathis / Yniold – Ruth Rohner / Le Médecin; Un Berger – René Rohr / Der Chor des Opernhauses Zürich / Chorltg.: Hans Erismann / Das Tonhalle- und Theaterorchester Zürich / Dirigent: Ferdinand Leitner (Zürich, Opernhaus, 15. 5. 1976). Eine Aufführung in französischer Sprache.



    „Der Jakobiner“ ('Jakobin') (Antonín Dvořák): Der Graf von Harasov – Werner Gröschel / Bohus, sein Sohn – Roland Hermann / Julia, dessen Gattin – Marilyn Zschau / Filip, Schlossverwalter – Helmut Berger-Tuna / Adolf, Burgvogt des Grafen – József Dene / Benda, Lehrer und Komponist – Paul Späni / Terinka, seine Tochter – Renate Lenhart / Jiri, ein junger Förster – Harald Ek / Lotinka, Beschließerin im Schloss – Erika Wien / Der Chor des Opernhauses Zürich / Chorltg.: Erich Widl / Das Tonhalle- und Theaterorchester Zürich / Dirigent: Ferdinand Leitner (Zürich, Opernhaus, 18. 3. 1978, Schweizerische Erstaufführung). Die Oper wurde in der deutschen Übersetzung von Kurt Honolka aufgeführt.



    „Peer Gynt“ (Werner Egk): Peer Gynt – Roland Hermann / Aase – Cornelia Wulkopf / Solveig – Norma Sharp / Ingrid – Janet Perry / Der Haegstadbauer – Wulf von Lochner / Mads – Heiner Hopfner / Der Vogt – Heinrich Weber / Die Frau des Vogtes – Renate Freyer / Der Schmied – Paul Hansen / Ein alter Mann – Karl Kreile / Der Alte – Hans Hopf / Die Rothaarige – Kari Lövaas / Ein Hoftroll – Friedrich Lenz / Ein kleiner Troll – Erika Rüggeberg / Ein Bedienter – Karl Kreile / Ein hässlicher Junge – Erika Rüggeberg / Der Präsident – Peter Lika / Drei Kaufleute – Heinrich Weber, Paul Hansen und Peter Lika / Drei schwarze Vögel – Carmen Anhorn, Monika Schmitt und Angela Feeney / Ein Unbekannter – Waldemar Wild / Zwei Burschen – Karl Kreile und Theodor Nicolai / Drei Mädchen – Erika Rüggeberg, Francoise Pollet und Helene Grabenhorst / Der Chor des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Helmut Franz / Das Münchner Rundfunkorchester / Dirigent: Heinz Wallberg (München, Funkhaus, 9. - 14. 5. 1981). Bei 'Orfeo' 1982 auf 3 LPs und 1990 auf 2 CDs erschienen.



    „Atlàntida“ (Manuel de Falla): Der Erzähler (Corifeo) – Roland Hermann / Der Knabe (Cristoforo Colombo) – Mario Soriano / Pyrene, Königin von Spanien – Gwendolyn Killebrew / Geryones, der dreiköpfige Drache – Erik Geisen, Waldemar Kmentt und Barry McDaniel / Die sieben Plejaden, Töchter des Atlas: Maia – Brigitte Kaltwasser, Aretusa – Rita Fischer, Caleno – Barbara Dommer, Eriteia – Edith Knaupp, Electra – Renate Zimmermann, Esperatusa – Vera Wollenhaupt, Alcione – Anne-Marie Kunz / Der Erzengel – Waldemar Kmentt / Eine Hofdame – Magda Bien-Comotio / Ein Page – Thomas Frohn / Isabella, Königin von Kastilien – Gwendolyn Killebrew / Der Kölner Kinderchor (Ltg.: Hans-Günter Lenders) / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks Hamburg (Ltg.: Helmut Franz) / Der Kölner Rundfunkchor (Ltg.: Herbert Schernus) / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Jesús López Cobos (Köln, Funkhaus, September 1976). Manuel de Fallas Opern-Oratorium wurde vom WDR mit der deutschen Textfassung von Rudolf Hagelstange - für die deutsche Erstaufführung an der Deutschen Oper Berlin 1962 - eingespielt und am 9. 9. 1976 in gleicher Besetzung bei den 'Musikfestwochen Luzern 1976' im Luzerner Kunsthaus konzertant aufgeführt. (Die zu der Handlung beitragenden Personen des 'Herkules' und des erwachsenen 'Christoph Columbus' sind stumme Rollen.)


    Manuel de Falla befasste sich mit der Komposition dieser 'Cantata escénica' 18 Jahre lang und konnte sie doch nicht vollenden. Nach seinem Tod (1946) übernahm sein Schüler Ernesto Halffter die Arbeit, aus den musikalischen Fragmenten – 30 fertige Notenblätter und viele Skizzen - eine der Vorstellung Manuel de Fallas nahe kommende Fassung der '“Atlàntida“ (de facto ein stark oratorisches Bühnenwerk mit überwältigenden Chören, aber ohne eigentliche dramatische Handlung, aufgeteilt in einen Prolog und drei Teile) zu schaffen. Die (singende) Hauptperson ist ein alter Mann, der das Kind Cristoforo Colombo bei einem Schiffsunglück rettet und ihm Geschichten vom Untergang des sagenhaften, im Mittelmeer gelegenen, Inselreichs 'Atlantis' und des griechischen Helden Herkules erzählt, der als mythischer Gründer der Stadt Barcelona gilt. Am Ende ist der Knabe Cristoforo erwachsen und erhält als Kapitän von der kastilischen Königin Isabella den Auftrag, für Spanien einen neuen Seeweg nach Indien zu finden.


    Zunächst wurde das von Halffter vervollständigte Werk konzertant am 24. 11. 1961 im Teatre Liceu in Barcelona (mit Victoria de los Angeles und Raimundo Torrés unter dem Dirigat von Edoardo Toldrá) präsentiert. Die erste Bühnenaufführung fand am 18. 6. 1962 an der Mailänder Scala – in italienischer Sprache - in einer Inszenierung von Margherita Wallmann unter der musikalischen Leitung von Thomas Schippers statt; die Solisten waren Giulietta Simionato (Pirene), Teresa Stratas (Isabella), Lino Puglisi (Il corifeo), der amerikanische Schauspieler Roger Browne - muskelbepackter Darsteller in mehreren italienischen 'Sandalen-Filmen' - als 'Ercole' und der Tänzer Gustavo Halley als 'Cristoforo Colombo'. Am 9. 10. 1962 folgte die Premiere an der Deutschen Oper Berlin mit Patricia Johnson (Pyrene), Pilar Lorengar (Isabella), William Dooley (Der Erzähler) und mit dem Tänzer Wolfgang Leistner als 'Herkules' und als 'Christoph Columbus'; der Dirigent war Eugen Jochum und die Regie hatte der damalige 'Hausherr' der Deutschen Oper Berlin, Gustav Rudolf Sellner, übernommen. Ernesto Halffter war bei den Proben und bei der Premiere anwesend. (Die Inszenierung geriet wegen der Kosten für die verschwenderische Ausstattung – 750.000 DM - in die Kritik; das ohne Kürzungen aufgeführte Werk wurde kontrovers beurteilt und verschwand nach wenigen Vorstellungen von der Bühne des Charlottenburger Opernhauses.)


    Bereits am 15. 3. 1963 dirigierte Ljubomir Romansky im Hessischen Rundfunk Frankfurt eine konzertante Aufführung mit Sona Cervena (Pyrene und Isabella) und William Dooley (Der Erzähler); in weiteren Rollen wirkten u. a. Teresa Zylis-Gara, Antigone Sgourda, Marie-Louise Gilles, Margrit Caspari, Lilo Brockhaus, Gabriele Treskow, Georg Jelden, Richard Brünner und Iwan Rebroff mit. Für die Aufnahme des WDR 1976 (mit anschließendem Konzert in Luzern – siehe oben) bearbeitete Ernesto Halffter das Werk noch einmal und strich einige Szenen und Personen (z. B. die Tritonen); dieser Version liegen die Schallplatten/CD-Aufnahmen unter Rafael Frühbeck des Burgos (EMI) und Edmon Colomer (Auvidis/Valois) zugrunde.



    „Elisabeth Tudor“ (Wolfgang Fortner): Elisabeth, Königin von England – Hildegard Hillebrecht / Maria, ehemalige Königin von Schottland, Großkusine Elisabeths – Ellen Kunz / Thomas Howard, Duke of Norfolk – Roland Hermann / Robert Dudley, Earl of Leicester – Howard Nelson / Sir Nicholas Bacon, Großsiegelbewahrer – Peter Keller / Philip Howard, Earl of Arundel, Sohn des Herzogs von Norfolk – Rüdiger Wohlers / Sir Thomas Gresham, königlicher Berater und Finanzagent der Regierung – Fritz Peter / Sir Francis Walsingham, Oberhaupt der Geheimpolizei – József Dene / William Cecil, Lord Burleigh, Elisabeths Staatssekretär – Werner Gröschel / James Stewart, Earl of Murray, einer der fünf Halbbrüder Marias – Ticho Parly / Tyrrel, ein schottischer Soldat – Rudolf A. Hartmann / Fünf schottische Barone – Ernst-August Steinhoff, Maurice Besançon, Rupert Oliver Forbes, René Rohr und Gejza Zelenay / Ein Diener Norfolks – Arwed Sandner / Eine Bänkelsängerin – Erika Wien / Eine Stimme von aussen – Lyn Vernon / sowie (in Sprechrollen) Drei Männer aus dem Volk: Herr Toorlittlegood – Werner Ernst, Herr Jeremy – Ralph Telasko, Herr Goliath – Karl Adam / Amyas Paulet, Maria Stuarts Gefangenenaufseher – Johannes von Spallart / Der Lord Oberrichter – Alfred Lohner / Der Geheime Bevollmächtigte der Königin Elisabeth - Bernd Banse / Eine Amtsperson – Johannes von Spallart / Zwei Sprecher der Peers – Hans-Jürgen Frank und Jean-Paul Boeglin / James Hepburn, Earl of Bothwell, Marias dritter Ehemann – Hans-Jürgen Frank / Der Chor des Opernhauses Zürich / Chorltg.: Hans Erismann / Das Tonhalle- und Theaterorchester Zürich / Dirigent: Ferdinand Leitner (Zürich, Opernhaus, 11. 11. 1972). (Im Gegensatz zum Personenverzeichnis im Textbuch und im Programmheft nenne ich in der obigen Besetzungsliste die vollen Namen und Titel der Beteiligten. Von der Kritik wurde damals nämlich bemängelt, dass man zum vollen Verständnis der Handlung Kenntnisse der verwickelten Familiengeschichte der Tudor-Dynastie haben sollte.)


    Nur 19 Tage nach der Uraufführung dieser Oper (23. 10. 1972) an der Deutschen Oper Berlin – mit Helga Dernesch als Elisabeth und Colette Lorand als Maria; Dirigent: Gerd Albrecht – gab es die schweizerische Erstaufführung in der Regie von Imo Moszkowicz. (Am 26. 1. 1973 trafen dann an der Bayerischen Staatsoper – Dirigent: Hans Zender - Hildegard Hillebrecht und Colette Lorand aufeinander; den Norfolk sang in Berlin und München Hans Günter Nöcker.) Die Musik Wolfgang Fortners zu seiner dritten 'großen' Oper changiert zwischen Zwölftonmusik mit von Schönberg und Webern beeinflussten Passagen und Avantgarde mit Anklängen von Penderecki und Xenakis; altenglische Tanzmusik, Jazzsynkopen, elektronische Klänge und gesprochene Sätze werden eingestreut und für die fortschreitende seelische Zerrüttung Maria Stuarts sind wahnwitzige Koloraturen vorgesehen. Es gibt deftige Volksszenen, und orchestrale Zwischenspiele ermöglichen einen Kulissenumbau auf offener Szene. Obwohl „Elisabeth Tudor“ speziell für Charakterdarstellerinnen der Opernbühne zwei großartige, wenn auch sehr schwierige, Hauptrollen bereit hält, konnte sich die Oper letztendlich nicht durchsetzen.


    In drei langen Akten (und 22 Szenen) werden in komprimierter Form Begebenheiten aus dem Leben der beiden rivalisierenden Königinnen erzählt, wobei als 'Kommentatoren' eine Bänkelsängerin und drei Männer aus dem Volk fungieren. (Im Vorfeld gab es Vorwürfe des Librettisten Mattias Braun, Wolfgang Fortner habe den Text willkürlich und entstellend verändert.) Wie in Schillers Drama ist - anders, als es der Titel der Oper vermuten lässt – Maria Stuart die eigentliche Hauptperson, ('Mary, Queen of Scots', wie sie in England genannt wird, um sie von 'Mary, the Catholic', Elisabeths Halbschwester, zu unterscheiden); die englische Monarchin wirkt in dieser Oper als Gegenspielerin etwas profillos. Die historisch nicht gesicherte Begegnung der beiden 'Huren' – wie Goethe sie nannte - ist am Ende der Oper lediglich als Einbildung Maria Stuarts zu sehen. (Die französische Schreibweise des englischen Namens 'Stewart' als 'Stuart' geht übrigens auf Maria zurück, die in Frankreich aufwuchs und für 17 Monate als Gemahlin von Francois II. auch französische Königin war). Die herausragende männliche Rolle ist Thomas Howard, Herzog von Norfolk: sein Vater war ein Vetter der beiden (von Heinrich VIII. hingerichteten) Königinnen Anne Boleyn und Katherine Howard und wie sein Vater starb auch Thomas Howard auf dem Schafott, weil er in ein Komplott zur Befreiung Maria Stuarts verwickelt war, was in Fortners Oper auch thematisiert wird.



    Carlo

  • »Komm´aus dem Staunen nicht heraus« - mir geht es wie dem Baron Ochs von Lerchenau...
    Welch eine Arbeit hast Du Dir hier gemacht!

  • Lieber 'hart',


    Danke für die Anerkennung, aber das Kompliment möchte ich auch Dir machen! Deine im 'Alleingang' verfassten, stets sehr ausführlichen und kenntnisreichen Beiträge (wie kürzlich z. B. über Anton Schindler) im Thread "Der Musiker Gräber" sind für mich Vorbild und Ansporn.


    Carlo


    P. S. In meinen Sänger-Discographien bin ich seit einiger Zeit dazu übergegangen, über die weniger bekannten Musikwerke auch etwas zu schreiben - und da bieten sich bei Roland Hermann zahlreiche Titel an, denn vor allem sein Konzert-Repertoire war von einer ungewöhnlichen Bandbreite.