Mozarts Klaviersonate Nr 11 in A-dur KV331 "Alla Turca"

  • Liebe Forianer


    Mozarts Klaviersonaten sind, von einigen Ausnahmen abgesehen (leider) bei weitem nicht so populär, wie etwa jene von Schubert oder gar von Beethoven.


    Vielen Musikfeunden will scheinbar nicht einleuchten, daß gerade "das Leichte" in Wahrheit "das Schwierige" in diesen Werken darstellt.


    Das wohl populärste Exemplar dieser Werke ist die Sonate Nr 11 in A-dur KV 331.
    Was wurde der dritte Satz nicht zu Tode transkribiert und bearbeitet, jenes "Rondo alla Turca", daß ja schon beinahe die Popularität eines Gassenhauers besitzt.
    Aber auch der Erste Satz, das Andante grazioso, welcher so verhalten, aber trotzdem einprägsam suggestiv beginnt, hat Ohrwurmqualitäten, das Thema geht einem kaum mehr aus dem Sinn, kein Wunder Mozart hat in diesen Satz 6 Variationen davon eingebaut.
    Max Reger hat dieses Thema in seinem opus 132 verwendet.


    Nun folgt die Frage: Welcher Pianist ?
    Denn ich würde sagen, wenige Werke Mozarts sind so abhängig von der Interpretation, wie Mozarts Klaviersonaten. So einfach sei (manchem) scheinen mögen, so entlarvend können sie sein !!
    Vielleicht ist das auch ein Grund für Ihre mangelnde Popularität (relativ!!)
    Der Pianist kann sich kaum virtous profilieren, gleichzeitig klingen manche Sonaten Langweilig, wenn emotionale Defizite von Seiten des Interpreten vorliegen, oder mangelnder Gestaltungswille.
    Mit Virtuosentum oder herunterbuchstabieren des Notentextes ist hier kaum was zu erreichen, Mozarts Sonaten wollen geistig und emotionell erfaßt und gedeutet werden.
    Die Sonate KV 331 eignet sich, wie wenige andere, die Interpretationshaltung eines Pianisten zu beleuchten. Auch der weitgehende Laie, wird, mit verschiedenen Versionen konfrontiert, sofort den Unterschied zwischen zwei Pianisten ausmachen können.


    Und nun die obligate und unvermeidliche Frage:


    Wer hat eine Aufnahme davon, wie hat euch das Werk gefallen, und wer ist Euer Interpret.
    Vielleicht hören aber , durch diesen Thread veranlasst, die Sonate mit anderen Ohren und kommen zu neuen Einsichten. Wer meherere Aufnahmen der Sonate kennt, kann ja wenn er will, die Unterschiede (rein subjektiv, wissenschaftlich ist nicht gefordert)beschreiben


    Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo Alfred,


    vielleicht sollte man die Mozart Klaviersonaten garnicht von CD hören, sondern selber spielen bzw. vorspielen lassen. Mit entsprechenden CD-Aufnahmen kenne ich mich nicht so aus. Beim Durchhören verschiedener Anspieler bei jpc hat mir die Pogorelich-Aufnahme des Andante grazioso am besten gefallen.


    Gruß
    Heinz

  • Als eindimensionaler Poster simplen Zuschnitts, weiß ich auf diese Frage nur eine Antwort:


    Friedrich Gulda

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Tag,


    Solomon, EMI XLP 30020 (+ Haydn, No. 35 in C, +Schubert D.664 in A) spielt die Sonate in A, KV 331, wie Mozart sie gemeint und gespielt hätte (sagt eine Musikwissenschafterin). Solomon spielt im ersten Satz alle Wiederholungen, womit die Proportionen zurecht gerückt sind. Das Rondo schleudert er feinziseliert heraus. Ziemlich ungeheuerlich, was da in strenger Form-Kontrolle zur Darstellung kommt.


    Christoph Eschenbach, Dirigent, auf dem Weg nach Paris, in seinen jungen Jahren, als Pianist, spielte die KV 331 sehr hinhörenswert. Dessen Mozart-Kassette ist in Vergessenheit geraten.


    MfG
    Albus

  • Mozart Sonaten sind keineswegs leicht.
    Sie sind wohl leicht zu hören, und technisch wirklich etwas leichter als Beethoven Sonaten etc.


    Aber ein einziger Fehler und der Solist ist aufgeschmissen.
    Wieso? Man kann den Fehler sofort hören!


    Deshalb sind Mozart Sonaten sehr gefürchtet.
    Desweiteren ist die Interpretation auch sehr verschieden.
    Soll man Pedal nehmen,soll man gar nicht oder nur wenig?


    KV 331: Philips Mitsuko Uchida
    KV 332: Glenn Gould; man beachte den 3.Satz,dagegen sind Horowitz und Co. GAR NICHTS!
    KV 333: Horowitz/Brendel, beide spielen die Sonate sehr schön.


    Ansonsten gebe ich Heinz recht.
    Man sollte die Sonaten selber spielen.

  • Hallo


    In einem anderen Thread fragte Daniel (Klassikliebhaber) mich, ob ich den ersten Satz dieser Sonate, als eher traurig, oder als lustig empfände.


    Meine Antwort war, daß ich ihn am ehsten als verträumt melancholisch empfände, als Reminiszenz gewissermaßen....


    Aber das hängt natürlich auch sehr von der Interpretation ab.


    Ebensoviel Gestaltungsspielraum bertet auch der Satz "alla Turca" nach dem die gesamte Sonate benannt wurde.


    Auch wenn wir Glenn Gould´s "Deutung" beiseite lassen, ist hier doch ein sehr breiter Spielraum für Gestaltung gegeben, von dezent filigran, fast wie auf einer Spieluhr, bis lärmend derb. Christian Zacharias geht sogar so weit, externe Klangeffekte einzusetzen, was zu mancherlei Diskussion geführt hat, ob solches Vorgehen überhaupt noch legitim, bzw vertretbar sei.....


    Ungeachtet dieser "Extravageanz" bietet er eine sehr lebendige und frische Einspielung dieser Sonate, die eine interessante Alternative darstellt.


    Meinungen sind willkommen.




    BTW Diese Aufnahme gibt es im Budget-Level-Bereich und meiner Meinung nach sollte man sie kennen.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • also mir gefällt die Brendelsche aufnahme (Uchida dagegen nicht), die ich leider nur auf platte habe. dass er einige wiederholungen einspaart finde ich schade. - zumindest bei sowas achte ich auf werktreue, wenn es nicht einen gewichtigen grund (aufmerksamkeit von mitschülern z.B.) gibt. vielleicht wirkt es mit wiederholungen zu langatmig - aber gerade das finde ich ist eine herausforderung, es durch eine dynamischere interpretation nicht jedesmal vollkommen gleich anhören zu lassen. sicherlich spiele ich es technisch nicht so vollkommen exakt wie ein toppianist.
    Eine klavierlehrerin erzählte mir einmal sie hätte dieses stück vor einigen jahren in einem meisterkurs besprochen und gab mir so einen fingersatz, der nicht immer der naheliegendste und praktischste ist aber sich schon sehr gut anhört.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Christian Zacharias geht sogar so weit, externe Klangeffekte einzusetzen, was zu mancherlei Diskussion geführt hat, ob solches Vorgehen überhaupt noch legitim, bzw vertretbar sei.....


    Lieber Alfred,


    ich hab mal ein Interview mit Christian Zacharias gehört, in dem er eklärte, daß es zu Mozarts Zeiten Klaviere mit so einem Rassel/Tambourin-Effekt tatsächlich gab. Es ist also keine Extravaganz von ihm, sondern es ist tatsächlich belegt, daß damals solche Effekte durchaus beliebt waren.


    Nette Grüße
    Heinz

  • Zitat

    Original von Maexl
    also mir gefällt die Brendelsche aufnahme (Uchida dagegen nicht), die ich leider nur auf platte habe. dass er einige wiederholungen einspaart finde ich schade. - zumindest bei sowas achte ich auf werktreue, wenn es nicht einen gewichtigen grund (aufmerksamkeit von mitschülern z.B.) gibt. vielleicht wirkt es mit wiederholungen zu langatmig - aber gerade das finde ich ist eine herausforderung, es durch eine dynamischere interpretation nicht jedesmal vollkommen gleich anhören zu lassen. sicherlich spiele ich es technisch nicht so vollkommen exakt wie ein toppianist.
    Eine klavierlehrerin erzählte mir einmal sie hätte dieses stück vor einigen jahren in einem meisterkurs besprochen und gab mir so einen fingersatz, der nicht immer der naheliegendste und praktischste ist aber sich schon sehr gut anhört.


    Salut Maexl,


    es kommt ganz darauf an, aus welchem Jahr die Aufnahme ist. Ich habe "Marotten festgestellt", die sich phasenweise ändern. Das genaue Gegenteil davon haben wir nun: Bei Menuetten [egal, ob in Sinfonien oder Quartetten] werden heute nervtötender Weise im da capo die Wiederholungen ebenfalls gespielt, was nicht authentisch ist.


    Wollte man früher die hineininterpretierte "Langeweile" eliminieren, so wird heute wohl ein Werk so sehr gelibt, dass man zu viel davon spielt - oder auch einfach nur die CD durch Schnitte vollmachen will. Leider - so gut die Aufnahmen sind - auch bei quatuor festetics.


    Mit Horowitz kann ich nichts [mehr] anfangen, Uchida hat mich kürzlich auch enttäuscht [Rondos]. Das alla turca habe ich jedenfalls gut mit ihr in Erinnerung behalten.


    Weitere Aufnahmeempfehlungen der "alten" :D Schule: Gieseking, Häbler, Haskil


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Hier fallen ja große Töne, über Mozarts "Alla Turca". Wenn ich mich nicht ganz irre, schrieb Mozuart die nach dem Tod seiner Mutter, in A Moll oder?


    Mozarts Sonaten werden sehr selten gespielt, es hieß mal das Publikum wolle sie nicht hören. Wahr ist wohl, daß sie in dem Sinne irre schwierig sind, da sie wenig Noten beinhalten, und man so jeden Leerlauf und Patzer sofort hört, was bei Chopin oder Liszt nicht der Fall ist. Zudem wurden sie für Hammerklaviere geschrieben, die einen leicht weniger melodischen Ton erzeugen. Ich habe kürzlich ienige dieser Sonaten auf technologisch verbesserten Hammerklavieren gehört, da klingen die irre schön.


    Übrigens: Alla Turca ist dermaßen bekannt, daß man es oft auf Handys hört, Klingeltöne lassen grüßen........

  • Zitat

    Wenn ich mich nicht ganz irre, schrieb Mozuart die nach dem Tod seiner Mutter, in A Moll oder?


    Salut,


    diese Assoziation ist völlig und TOTAL FALSCH.


    Banausentum? Verwechslung? Unwissenheit? Gar Provokation?


    Die Anekdote um den Tod von Mozart’s Mutter würde, da bin ich mir sicher, bereits im Eröffnungsthread stehen, gehöre sie hierher.


    Mozart komponierte nach dem Tod seiner Mutter [3. Juli 1778] weitaus mehr als 300 Werke, darunter auch die Klaviersonate A-Dur KV 331, um die es in diesem Thread geht. Möglicher Weise wurde diese Sonate gar noch vor dem Ableben seiner Mutter komponiert. Die Sonate kennzeichnet zum einen der erste Variations-Satz, der nicht minder berühmt ist als der dritte mit „Rondo alla turca“ bezeichnete Satz.


    Du meinst sicherlich die Klaviersonate a-moll KV 310 [300d] in Konsenz mit dem Ableben der Mutter. Diese Anekdote ist bereits mindestes drei Mal hier im Forum – an entsprechender Stelle – beschrieben.


    Ein weiterer Irrglaube, der in Deiner Vermutung steckt, ist, dass das Tongeschlecht moll immer traurig auszulegen ist. Dem ist nicht so, wie an dem Rondo alla turca, welches in a-moll steht, zu erkennen ist. Auch bei Bach [Violinkonzert a-moll und Doppelkonzert d-moll BWV 1060R] kann die Stimmung nicht als traurig eingestuft werden. Die Konzerte sind sehr lebensfroh.


    Mobiltelefone als Interpreten für Mozartwerke in diesem Forum anzuführen, halte ich für unpassend. Der Begriff "Handy" stammt übrigens von Helmut Kohl: "Hänn die koi Kabel...?".



    bien cordialement
    Ulli

  • Sagitt meint:


    Eschenbach war ja 1965 Haskil-Preiträger und hat dann gleich eine Debüt-Platte mit Mozart,u.a. KV 265 herausgebracht, die ihn als besonderen Mozartspieler auswies. Aber er selbst hat diese Spur nicht wirklich weiterverfolgt und wahrscheinlich ist diese Aufnahme auch eher gestrichen.


    Eindrucksvoll finde ich Pires 1974,damals auf Erato. Sie spielte so angenehm " schlicht". Das ist nicht die einzige Möglichkeit, siehe Zacharias mit Janitscharenzug, aber irgendwie anrührend. Ohne jede Hetze, auch das alla turca ganz ruhig. Das kann man als langweilig empfinden als sehr musikantisch. Mit einer schnellen Version Effekt zu machen ist nicht so schwer, aber mit einer eher ruhigen durchaus.


    Hinrichtung der Sonate. Henker. Glen Gould

  • Salut,


    auf der Jahresausgabe 2004 der Sächsichen Mozartgesellschaft e.V. befindet sich neben tollen Darbietungen der erste Satz [Variationssatz] der Döner-Sonate mit Andreas Staier. Er benutzt zwar löblicher Weise ein Hammerklavier, spielt aber insgesamt viel zu schnell, um nicht zu sagen RASEND schnell und zu hämmernd... :kotz:


    Zum Glück ist das Rondo alla turca nicht enthalten.


    Wobei ich nichtsdestotrotz seine Fingerfertigkeit bewundere.


    :hello:


    LG
    Ulli

  • Guten Tag


    Da ich das Rondo nicht nur in der Strassenbahn als Handy-Klingelton hören wollte :beatnik: :beatnik:
    habe ich mir diese



    Aufnahme mit Andreas Staier gekauft; habe den Interpreten schon mehrmals in Schwetzingen bei den Festspielen gehört (und gesehen).


    Vielleicht hat Mozart bei seinen mehrmaligen Besuchen in Schwetzingen
    dieser



    Anblick im hiesigen Schloßpark mit zur Komposition der Sonate KV 331 inspiriert :baeh01: :baeh01: ?


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Leyder wurde erst 1779 mit dem Bau begonnen, werther freünd... da war die Sonate bereits ein kanppes Jahr alt: Kommt also nicht ganz hin... ich denke da aber beim Lustwandeln eher an Die Entführung aus dem Serail... die sollte dort mal gegeben werden - nicht immer dieser dämliche und zugige Diana-Park oder wie das Ding heißt.


    :D


    Ulli

  • Schliesse mich Rienzi an: Friedrich Gulda, wer sonst!

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)

  • Guten Tag


    Zitat

    Original von Ulli
    Leyder wurde erst 1779 mit dem Bau begonnen, werther freünd... da war die Sonate bereits ein kanppes Jahr alt: Kommt also nicht ganz hin...


    Ich bin über Mozarts Klaviermusik nicht so bewandert, und hielt mich an das Booklet der von mir favorisierten Aufnahme mit A. Staier.
    Durch schreibt Andreas Friessenhagen:


    "Lange Zeit galt es unter Mozartforschern als ausgemacht, daß die drei Klaviersonaten KV 330-332 im Jahr 1778 in Paris entstanden. Nach eingehenden Untersuchungen der nur zum Teil erhaltenen Autographe mußte diese Datierung vor gut zweanzig Jahren jedoch revidiert werden: Sowohl Mozarts Handschrift als auch das von ihm verwendete Papier weisen auf das Jahr 1783 als Entstehungszeit."


    Könnte also doch so gewesen sein ? :) :)


    Zitat

    ich denke da aber beim Lustwandeln eher an Die Entführung aus dem Serail... die sollte dort mal gegeben werden


    Ob die "Entführung" zu Mozarts Zeiten in Schwetzingen oder Mannheim aufgeführt wurde weis ich nicht; nachdem der Kurfürst Karl-Theodor samt Hofstaat und den größten Teil der Hofkapelle nach München übersiedelte, war das Musikleben in der Kurpfalz auf Sparflamme zusammen geschrumpft. Immerhin schrieb Mozart am 20.10.1790:


    "...Morgen gehen wir nach Schwetzingen um den Garten zu sehen - Abends ist hier zum ersten Mal Figaro - dann übermorgen fahren wir fort."


    Zumindest den "Figaro" hatten wir hier :baeh01: :baeh01:

    Zitat

    - nicht immer dieser dämliche und zugige Diana-Park oder wie das Ding heißt.


    :D


    Ulli


    Aufführungen vielleicht am



    Apollotempel ?
    Da kanns schon zugig sein :hello: :hello:


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Salut!


    Zitat

    Original von Bernhard
    "Lange Zeit galt es unter Mozartforschern als ausgemacht, daß die drei Klaviersonaten KV 330-332 im Jahr 1778 in Paris entstanden. Nach eingehenden Untersuchungen der nur zum Teil erhaltenen Autographe mußte diese Datierung vor gut zweanzig Jahren jedoch revidiert werden: Sowohl Mozarts Handschrift als auch das von ihm verwendete Papier weisen auf das Jahr 1783 als Entstehungszeit."


    Könnte also doch so gewesen sein ? :) :)


    Ja, ich weiß davon. Aber ich glaube den Mist nicht - ich traue meinen Ohren. Und denen zufolge hat Mozart 1783 viel besser komponiert...


    :D


    Zitat

    Zumindest den "Figaro" hatten wir hier :baeh01: :baeh01:


    Warum :baeh01: ? Es wäre doch schön zu wissen, dass der Figaro im Rokokotheater gegeben wurde!


    Ich hatte mal 'ne ziemlich zugige Zauberflöte [zudem grauenhaft gespielt] als Freilichtaufführung besucht - ich hab noch heute Nierenschmerzen.


    Ansonsten aber mag ich sowohl das Schloß, wie auch den Park und das Theater sehr. Nur müsste man halt von Adel sein, um nicht Genickstarre zu bekommen - oder ggfs. nach der Pause die Seite wechseln.


    :hello:


    Ulli

  • Guten Abend




    Gut, wegen fünf Jahre will ich nicht streiten, welche Klaviermusik von Mozart aus der Zeit um/nach 1783 müsste man noch kennen/haben (Tipp)?



    Zitat

    ich hatte mal 'ne ziemlich zugige Zauberflöte [zudem grauenhaft gespielt] als Freilichtaufführung besucht - ich hab noch heute Nierenschmerzen.


    Manchmal kommen da schon so "Wald- und Wiesen" Aufführungen; na ja.....Muss man nicht kommentieren :baeh01:


    Zitat

    Ansonsten aber mag ich sowohl das Schloß, wie auch den Park und das Theater sehr. Nur müsste man halt von Adel sein, um nicht Genickstarre zu bekommen - oder ggfs. nach der Pause die Seite wechseln.


    :hello:


    Ulli


    Zu Zeiten des seeligen Kurfürsten war das Theater spärlich bestuhlt, da hatte man noch Platz :yes: :yes:
    Da liebe ich meinen Dienstplatz am Eingang von Parterre links, da kann man die Beine weit ausstrecken. :jubel: :jubel:
    Auch der Platz "Seitenbühne rechts" kann ganz interessant sein; das Geschehen auf, neben und hinter der Bühne beobachten zu können u d auf Tuchfühlung mit den Akteuren zu sein. :jubel:


    Weniger schätze ich "Seitenbühne links" am Regiepult, da ist immer zuviel Gedränge. :D :D


    Aber wir weichen zuviel vom Thema ab :hello:


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard
    *dersichaufdiefestspielefreud*

  • Zitat

    Original von Bernhard
    welche Klaviermusik von Mozart aus der Zeit um/nach 1783 müsste man noch kennen/haben (Tipp)?


    Solo
    KV 511, 494+533, 540, 574, 576b


    Duo
    KV 426, 497, 521


    :hello:


    Ulli


    BITTE solche fragen nicht im Thread behandeln - Weder Fragen noch antworten - Es gibt, wenn ich mich erinnere ein Forum EXPERTENFRAGEN


    WIRD GELÖSCHT


    MOD001

  • Ich gestehe, daß diese Sonate zu meinen Lieblingssonaten zählt. Zuerst einmal wahrscheinlich wegen des populären Themas im Schlußsatz.
    Man sollte gar nicht glauben auf wieviele Arten man das spielen kann.
    Hier bewahrrheitet sich meine These, daß man nicht Noten lesen können muß um Musik zu beurteilen. Alle Interpreten spielen die Noten, dennoch ist das Ergebenis jeweils ein ganz anderes.
    Hier einge Bemerkungen zu Alfred Bendels Londoner Aufnahme für Philips (1975 ADD - derzeit nicht erhältlich (?) )


    Brendels Einleitung ist melancholisch, nachdenklich, ja man möchte fast sagen schüchtern.Ein Philosoph mit Silberstift möchte ich fast sagen, trotz der introvertiert refelektierenden Grundhaltung ist Brendels Mozart immer hell ind klar,im Gegensatz etwa zu Michael Endres. Auf welche Weise er dennoch einen melancholischen Unterton ins Werk bringt (sehnsüchtig träfe es wahrscheinlich besser als melancholisch !!) wird für mich immer ein Rätsel bleiben. Im Laufe des Satzes weicht diese Stimmung jedoch allmählich .


    Diese Ambivalenz ist auch im zweiten Satz vorhanden, wenngleich nicht so ausgeprägt.


    Der dritte Satz bei Brendel verzichtet auf "Spezialeffekte". Brendel ist sich bewusst, daß Mozart "a la turca" üner den Satz geschrieben hat, aber nicht "Imitation eines türkischen Marsches". Flott und eher leicht hingetupft, gelegentlich rasant perlend, so interpreteiert Brendel die Kostbarkeit, er verzichtet auf Dynamiksprünge und Showeffekte.


    Bei Gelegenheit werde ich mich nach seinem digitalen Remake umschaun und Vergleiche ziehen. Aber bis dahin gibt es noch viele andere Aufnahmen dieser Sonate in meiner Sammlung.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Salut,


    von der Gesamtsonate gefällt mir persönlich am besten - wie zumeist bei Variationen neben dem moll-Teil - die langsame Variation. Völlig überflüssig ist für mich das Menuett - zudem empfinde ich es als sehr einfallslos. Viel bezeichnender für diese Sonate finde ich anstelle des alla turca den ersten Variationensatz.


    :hello:


    Ulli


    P.S. Wie wärs mit VERSCHIEBEN?

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Man sollte gar nicht glauben auf wieviele Arten man das spielen kann.
    Hier bewahrrheitet sich meine These, daß man nicht Noten lesen können muß um Musik zu beurteilen. Alle Interpreten spielen die Noten, dennoch ist das Ergebenis jeweils ein ganz anderes.


    Salut,


    das mag wohl neben der Kunst des Interpretierens u. a. daran liegen, dass von dieser Sonate lediglich ein einziges Notenblatt erhalten geblieben ist: Es ist nämlich die letzte Seite des "türkischen Marsches", beginnend mit T. 90 der Urtextedition. Der in Portugal befindliche Eigentümer dieses übrig gebliebenen Blattes ist wohl der Besitzer eines der durch die Berühmtheit der Sonate wertvollsten Notenblätter dieser Zeit. Dem Blatt ist zu entnehmen, dass Mozart extrem schnell gearbeitet hat, was sehr viele sogenannte Faulenzer verdeutlichen. Alle heutigen Drucke müssen sich daher auf mit Fehlern übersäte Erstdrucke verlassen - mit Ausnahme dieses letzten Blattes, das eine korrekte Wiedergabe des Notentextes ermöglicht. Wer sich solche Erstdrucke anschaut, wird schnell feststellen, wie nachlässig so manches wiedergegeben wurde [auch bei anderen Werken]. Widersprüchlich sind hier vor allem dynamische Zeichen, die garnicht oder völlig willkürlich gedruckt wurden. Ebenso ist dies bei Phrasierungen, ganz zu schweigen vom Notentext selbst. Die Parameter sind alle weitestgehend unbekannt und lassen sich in keinster Weise mehr nachvollziehen.


    Und hier ist deswegen auch bei der Interpretation Fingerspritzengefühl notwendig, sofern der jeweilige Interpret Interesse an einer möglichst authentischen Wiedergabe hat. Aber die Möglichkeiten sind eigentlich unendlich groß, wie Alfred dies - oben zitiert - berichtet. Was richtig oder falsch ist, ist mithin nicht beurteilbar und Ansichts- bzw. Geschmacksache.


    Die Datierung des Werks lässt sich relativ gut eingrenzen: Am 9. Juni 1784 schreibt Mozart an seinen Vater: [...] Nun habe ich die 3 Sonaten auf Clavier allein, so ich einmal meiner schwester geschickt habe, die erste ex C, die andere ex A, und die dritte es f dem Artaria zu Stechen gegeben; - dem Torricella aber auch drey, worunter die letzte ex D ist, so ich dem Dürnitz in München gemacht habe. [...] Mit den aufgeführten 3 Sonaten auf Clavier allein können nur KV 330, 331 und 332 gemeint sein, denn die Tonarten stimmen in eben dieser Reihenfolge überein. Die Frage ist, wann Mozart diese Sonaten seiner Schwester geschickt hat. Mozart muß sich demnach fernab von seiner Schwester befunden haben, als er die Werke komponierte. 1783 - mithin Wien - scheidet aus, da sich Mozart in dieser Zeit verstärkt mit dem Kontrapunkt beschäftigte. Im Hause des Baron van Swieten studierte er verstärkt Händel und Bach: Von diesem Einfluß ist hier nichts zu vespüren, umso stärker allerdings bei KV 457 und in der Folgezeit immer mehr. Auch empfinde ich einen stilistischen Bruch zwischen KV 332 und KV 333, der "konzertanten Sonate mit der Kadenz". Da mag ich der Forschung durchaus Glauben schenken, dass dieses reife Werk 1784 in Linz - zumindest in der Nähe zur Linzer Sinfonie - entstanden ist. Auch die Entstehungszeit 1783 - Salzburg - [= Annahme von Wolfgang Plath] scheidet aus, da dies ein Versenden der Sonaten überflüssig machen würde.


    Zurück zur Die Frage, wann Mozart die Sonaten an seine Schwester geschickt hat: Möglich wäre, hier die Ankündigungen Mozarts vom 18./20. Juli 1778 heranzuziehen. Mozart widmet seiner Schwester zum Namenstag ein Capriccio für Klavier mit einem kleinem Praeambolum und meint, er würde einige meinigen sonaten auf Clavier allein nebst der Sinfonie KV 297, der verloren gegangenen Sinfonia Concertante, zwei der Flötenquartette und dem Konzert für Flöte und Harfe schicken. Am 31.07.1778 widerholt er seine Absicht, an die Schwester gerichtet: [...] mit der gelegenheit daß ich ohnedem die sachen nach haus schicke, wird dieses neüe Praeludio, nebst die schrötterschen Concerts, hüllmandels sonaten, violinschule, und einiger andern sonaten von mir - folgen. [...] Ob Mozart jemals etwas diesbezügliches schickte, ist nicht bekannt, denn es gibt keine schriftliche Reaktion darauf. Allerdings hat das autographe Blatt von KV 331 Knickspuren in der Mitte des Blattes - wie üblich, wenn Mozart Originale versandte.


    Für die musikalische Nähe zu den Sonaten KV 309-311 spricht übrigens auch das Thema des Menuetts aus KV 331, das dem Kopfthema der Sonate KV 309 entspricht - es ist lediglich rhythmisch an den 3/4-Takt angepasst. Wenn man mir Glauben schenkt, dass es sich bei KV 331 um von Mozart zusammengeklebtes Stückwerk handelt, dann käme folgende Hypothese in Betracht: Mozart schreibt von drei Sonaten, die erste ex C, die andere ex A, und die dritte ex f. Die Groß-/Kleinschreibung von Dur/moll scheint ihm bei dieser Aufzählung nicht geläufig, oder es ist eine f-moll-Sonate verschollen. In der Annahme, dass Mozart keinen Wert auf die Kenntlichmachung von Dur/moll legte, könnte er also auch anstelle von KV 331 die a-moll-Sonate KV 310 gemeint haben. Dann war KV 331 noch nicht existent - oder nicht in der heute bekannten Form Variationssatz - Menuett - alla turca. Zu bedenken wäre ebenfalls, dass die von Mozart genannte Sonate ex A verloren gegangen sein könnte: Wenn auch die Sinfonia Concertante auf dem Postweg verschollen ist, warum dann nicht auch eine gewisse Sonate? Er schrieb ja dem Vater auch sinngemäß, dass er das Werk daheim wieder neu aufschreiben würde, was er bedauerlicher Weise nicht tat. Da die seit 1778 langersehnte Drucklegung nun in greifbare Nähe rückte [1784 verlegte Artaria die Werke] ist es denkbar, dass Mozart das Allegretto hervorholte und das alla turca schnell hinzukomponierte - und dies sogar in Wien. Um die Dreisätzigkeit zu wahren, wurde ein Menuett eingefügt. Das würde auch Sinn machen, da dies gerade in die Zeit der florierenden Türkenoper fällt: Der oben genannte Torricella verlegte z.B. 1782/84 Auszüge aus der Entführung aus dem Serail als Klavierauszug, nachdem eine Drucklegung bei Artaria offenbar scheiterte und Mozart seinen Plan, eine eigene Bearbeitung als Klavierauszug aufzulegen, wohl aufgab.


    Die Inhomogenität von KV 331 spricht jedenfalls dafür, dass der Variationssatz mit dem alla turca nicht unmittelbar etwas zu tun hat und zu einem anderen Zeitpunkt geschaffen wurde, womöglich zwischen 1782 und 1784 in Wien und dass Mozart die Sätze modehalber zusammenstellte, um damit in Druck zu gehen. Auch die hektische Schrift auf dem erhalten gebliebenen Blatt spräche dafür. Von diesem einen erhaltenen Blatt kann man aber nicht schließen, dass die gesamte Sonate 1783 komponiert wurde - mindestens das Allegretto war lange Zeit vorher - ggfs. unter Beifügung heute verlorener Sätze - komponiert worden und gab möglicher Weise einen Finalsatz ab.


    Solche "Würfeleien" waren ja durchaus üblich, was manchmal kaum vorstellbar ist: Auch Haydn verfuhr so [aus der Erinnerung] bei manchen seiner Klaviersonaten - er stöpselte einfach irgendwelche Sätze zusammen und verkaufte das Ergebnis als "Sonate". Sicherlich ist dies kein Qualitätsmerkmal.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Aber hat nicht Mozart damals ein Klavier mit "Kniezügen" und somit Cymbal-Imitation gehabt und wie in der Janitscharen-Musik der "Entführung" im "Rondo alla Turca" das Genre bewusst in Bass und in "Batterie" ("Dschuff -- Dschuff -- Dschuff-Dschuff-Dschuff) imitiert?

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)

  • Salut,


    darüber ist nichts bekannt. Wohl aber gab es diese Gerätschaften [und es gibt auch Einspielungen damit]. Hätte Mozart so ein Ding zur Verfügung gehabt, hätte er ja nicht imitieren brauchen.


    :hello:


    Ulli

  • Salut,
    er hat ja auch bei KV 466 ein "Pedalklavier" gehabt, nur so sind die ansonsten pianistisch ungreifbaren Basstöne im Klavier-Intro (Autograph) zu erklären.
    Mozartische Grüße aus Wien
    Klaus

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)

  • Salut,


    dachte mir, dass Du das meinst. Bei dem Pedalklavier, welches Mozart besessen hat stellt sich mir die Frage, ob es Pedale im heutigen Sinne hatte, die zur Dämpfung/Dynamik dienten oder ob es wirklich ein sogenanntes Pedalklavier war, welches Organisten zum Üben daheim diente und im Prinzip ein Orgelimitat war. Solches gesehen und bestaunt zu Wien vor rund 360 Tagen in Anwesenheit unseres Herrn Schmidt und der Nr. 49.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Aber hat nicht Mozart damals ein Klavier mit "Kniezügen" und somit Cymbal-Imitation gehabt und wie in der Janitscharen-Musik der "Entführung" im "Rondo alla Turca" das Genre bewusst in Bass und in "Batterie" ("Dschuff -- Dschuff -- Dschuff-Dschuff-Dschuff) imitiert?


    Die Wiener Musikwissenschafterin Eva Badura-Skoda schreibt dazu folgendes:


    Zitat


    "Der 3. Satz, alla turca überschrieben ...........
    .....Im A-dur Ritornell imitiert Mozart auf köstliche Art den Schlagzeug Charakter der Janitscharen Musik, jener türkischen Musik, die unserer Europäischen Militärmusik als Modell diente. Dabei nahm Mozart eine spätere Erfindung des Wiener Klavierbaus vorweg, das "türkische" Schlagzeug-Pedal, mitt dessen Hilfe eine eingebaute Schlagzeug Batterie zum Klingen gebracht werden kann.....Der Effekt ist ähnlich dem, der in der ouvertüre zur "Entführung aus dem Serail "vorkommt"


    Diesen Effekt setzt übrigens mit Zusatzgerät ? der Pianist Christian Zacharias auf seiner Aufnahme (mit modernem Klavier !!!) ein. Ich werde demnächst über diese Aufnahme berichten, so dies bis dahin niemand anderer getan hat.


    Auch die hervorragende Aufnahme von Paul Badura-Skoda auf einem historischen Schantz Hammerklavier wird demnächst hier vorgestellt.



    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Mein Bruder durfte im Rahmen seine Musikwissenschafts-Studiums bei Prof. Otto Biba im Archiv der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde das Autograph von KV466 einsehen, dort ist das Pedal in einem eigenen Notensystem notiert. Laut Prof. Biba hatte Mozart damals tatsächlich ein quasi-Orgel-Bass-Pedal am Klavier zur Verfügung.
    lg
    Klaus

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Diesen Effekt setzt übrigens mit Zusatzgerät ? der Pianist Christian Zacharias auf seiner Aufnahme (mit modernem Klavier !!!) ein.


    Hallo Alfred


    Auf der Hülle und im Booklet zu meiner Aufnahme von 1987 (EMI 7 47762 2) steht, dass der Janitscharenzug von seiner Frau bedient wird. ;)


    Gruss Beat