Tenor verlässt vorzeitig Aufführung

  • eben auf der ORF-Homepage gelesen:


    "http://orf.at/061211-6917/index.html"


    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Er betont jedoch, künftig nicht mehr im Mailänder Theater singen zu wollen.


    Die Flucht nach vorne. Die Frage scheint eher zu sein - ob er noch darf.... :baeh01:


    mfg


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Meine düsteren Vorahnungen, was unsere neue "Manon" mit ihm betrifft, scheinen sich zu bewahrheiten. :( Ich mochte Alagna vor etlichen Jahren sehr und dachte wirklich, er könnte ein möglicher Nachfolger der "großen Drei" werden, aber was ich im Vorjahr bei diversen MET-Übertragungen von ihm gehört habe, klang zum Teil ziemlich bedenklich. ("Faust" z.B. ) Komischerweise jubelte das Publikum, was mich schon an der Qualität meines guten Radios zweifeln ließ. Lag offensichtlich nicht daran..... Neu ist mir, dass er offensichtlich ebenso zickig wie seine holde Angetraute ist.
    Liebe Grüße, Severina

  • In Frankreich verkaufen sich Alagnas Platten immer noch hervorragend, aber man darf nicht vergessen, dass er einen franzoesischen Pass hat.
    Aber, es ist wahr, seine Stimme hat aufgrund von Selbstueberschaetzung arg gelitten.


    Den Radames sang er nicht das erste Mal. Meines Wissens hat er ihn schon in Orange verkoerpert, damals bejubelt, aber wohl vor meist franzoesischem Publikum. Man kann vielleicht ein deutsches Sprichwort in folgendes Umwandeln: "Liebe macht taub". Uebrigens ist der Intendant der Scala, nach Mutis Abgang, auch Franzose ...


    Dennoch, wenn ein Saenger nicht die Erwartungen erfuellt, die im Falle von Alagnas Scala-Auftritt wohl hoch waren, dann sollte man ihn nicht traktieren und seine in der Auffuehrung ohnehin angespannten Nerven noch ueberstrapazieren. Die Saenger muessen da wohl so einiges mitmachen, vor allem in Mailand.
    Mein Rezept waere, wenn jemand die Erwartungen nicht erfuellt, seinen Auftritt einfach ohne oder mit so wenig wie moeglich Applaus zu honorieren.
    Doch das geht wohl nicht, wenn schon eine Claque existiert, die den scheinbaren Triumph blind (oder besser, taub) goutiert.


    Ich habe einen Teil der Auffuehrung aus Mailand mitverfolgt, auch seine Arie zu Beginn, und fand's aeusserst fade. Anstatt die Arie, wie von Verdi vorgesehen, in piano abzuschliessen, kam ein recht unentschiedenes Mezzoforte aus der Gurgel, zudem noch mit flackerigem Ton, wie es in den letzten Jahren bei Alagna zur Gewohnheit wird. Einst war er zu kontrollierten Piani in der hohen Lage faehig. Offenbar alles dahin, oder hat er sich nicht getraut, weil man in Italien vielleicht ein Forte erwartet ?


    Stefan

    Stefan

  • Hallo Stefan,
    es ist so ,an der"Scala"erwartet man bei dem abschließenden B
    der Radames-Romanze einen langen Ton im Forte.Das ist zwar
    von Verdi nicht vorgesehen,hat sich aber als Tradition
    durchgesetzt.Es gibt auch kaum einen Tenor der dieses
    morendo realisieren kann,ohne zu falsettieren.
    Ich habe es jedenfalls auf der Bühne noch nie gehört.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von stefan


    Dennoch, wenn ein Saenger nicht die Erwartungen erfuellt, die im Falle von Alagnas Scala-Auftritt wohl hoch waren, dann sollte man ihn nicht traktieren und seine in der Auffuehrung ohnehin angespannten Nerven noch ueberstrapazieren. Die Saenger muessen da wohl so einiges mitmachen, vor allem in Mailand.


    Mein Rezept waere, wenn jemand die Erwartungen nicht erfuellt, seinen Auftritt einfach ohne oder mit so wenig wie moeglich Applaus zu honorieren.
    Doch das geht wohl nicht, wenn schon eine Claque existiert, die den scheinbaren Triumph blind (oder besser, taub) goutiert.


    Aufgrund einer gewissen anerzogenen Höflichkeit tendiere ich ebenfalls zu einem solchen Verhalten. Bedenkt man jedoch, welche Traumgagen Sänger mittlerweile kassieren und welche immensen Summen für die Eintrittskarten an der Kasse verlangt werden, ist der Frust des Publikums durchaus verständlich. Höchstleistung wird angepriesen (und ausgepreist) und wird konsequenterweise dann letztendlich auch eingefordert.


    Zitat

    Anstatt die Arie, wie von Verdi vorgesehen, in piano abzuschliessen, kam ein recht unentschiedenes Mezzoforte aus der Gurgel, zudem noch mit flackerigem Ton, wie es in den letzten Jahren bei Alagna zur Gewohnheit wird. Einst war er zu kontrollierten Piani in der hohen Lage faehig. Offenbar alles dahin, oder hat er sich nicht getraut, weil man in Italien vielleicht ein Forte erwartet ?


    Fairerweise muß man anmerken, dass auch weitaus größere Sänger den Piano-Schluss der besagten Radames-Arie gemieden haben, da es wirklich teuflisch schwer ist. Verdi selbst hat meiner Erinnerung nach sogar für den Tenor der Uraufführung (oder war es Toscanini in einer Aufführung...*grübel*) eine Alternative komponiert, wonach erst der Spitzenton im Forte kommt und dann das Piano nochmal eine Oktave tiefer.


    Berühmt ist die Anekdote von Bergonzi, der Piano sang und dafür (ich glaube in Verona ?) ausgebuht wurde und ab sofort niemehr an diesem Ort auftrat.



    Gruß
    Sascha

  • Hallo,
    es gibt vom Text her allerdings keinen zwingenden Grund,
    dieses hohe B nicht im forte zu singen.
    "un trono vicino al sol".
    Es handelt sich ja immerhin um die Sonne.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Hallo Antracis,


    Zitat

    Fairerweise muß man anmerken, dass auch weitaus größere Sänger den Piano-Schluss der besagten Radames-Arie gemieden haben, da es wirklich teuflisch schwer ist. Verdi selbst hat meiner Erinnerung nach sogar für den Tenor der Uraufführung (oder war es Toscanini in einer Aufführung...*grübel*) eine Alternative komponiert, wonach erst der Spitzenton im Forte kommt und dann das Piano nochmal eine Oktave tiefer.


    Ich wollte meine Kritik auch nicht an diesem Piano aufhaengen. Die Mehrzahl der Tenoere, die besten eingeschlossen, stemmen den Ton am Ende (Ausnahmen, die ich kenne: Vickers auf Platte, und Bergonzi).
    Vielmehr wollte ich sagen, dass es Alagna zumindest frueher wohl entgegen gekommen waere, die Phrase im Piano ausklingen zu lassen. Warum er es nicht macht, weiss ich nicht.
    Es ist auch nicht so wichtig, allerdings kam bei ihm, wie ich schon sagte, 'ein unentschlossenes Mezzoforte'.


    Das mit den hohen Gagen ist schon richtig. Aber, soweit ich gehoert habe, ist das Scala-Publikum wohl auch manchmal ungerecht. Auch Rene Fleming soll wohl am Ende einer Auffuehrung (soweit ich mich erinnere, Lucrezia Borgia oder Il Pirata) ausgebuht worden sein, trotz einer ueberwiegend guten Leistung.


    Stefan

    Stefan


  • Pavarotti konnte dies! Es gibt davon beim ORF ein atemberaubendes Beispiel aus der WSO (ca. 1983). Weiters soll es auch von Bergonzi einen Mitschnitt mit dieser Variante geben.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Herbert,
    warum soll man die Sonne anbruellen. Selbst in Mailand sind die Sonnenstrahlen im Dezember eher sanft. ... also antwortet man sanft.



    Stefan

    Stefan

  • Hallo,
    das hohe B war sicher nicht der Grund, warum Alagna nachher ausgebuht wurde, eher eine Ansammlung von schlechter Intonation etc.


    Nur um Theophilus zu bestaetigen:

    Zitat

    Pavarotti konnte dies! Es gibt davon beim ORF ein atemberaubendes Beispiel aus der WSO (ca. 1983). Weiters soll es auch von Bergonzi einen Mitschnitt mit dieser Variante geben.


    Bergonzi hat in New York das hohe B im Piano gesungen, zu hoeren auf einer Myto CD-box unter Solti, mit L. Price, Rita Gorr, Mario Sereni etc (recht guter Mono-Klang).
    Aber Herbert hat recht, dass man auf der Buehne so gut wie nie einen Tenor hoert, der das kann oder sich traut.


    Stefan

    Stefan

  • Ich kenne zwar den ORF-Mitschnitt des Pavarotti-Radames nicht, aber ich war damals live dabei und kann es nur bestätigen. :yes: Obwohl KEIN Pavarotti-Fan, war ich damals "hin und weg", wie man so schön sagt. Außerdem störte mich in dieser Partie sein schauspielerisches Antitalent am wenigsten. :wacky:
    Liebe Grüße, Severina

  • "http://orf.at/061212-6945/index.html"
    12. Dezember 2006


    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von Melot1967
    "http://orf.at/061212-6945/index.html"
    12. Dezember 2006


    Bei der Verteilung von Größenwahn wohl ein bisschen zu laut "Hier!" geschrien..... ?(
    lg Severina

  • Zitat

    Original von severina
    Ich kenne zwar den ORF-Mitschnitt des Pavarotti-Radames nicht, aber ich war damals live dabei und kann es nur bestätigen. :yes: Obwohl KEIN Pavarotti-Fan, war ich damals "hin und weg", wie man so schön sagt. Außerdem störte mich in dieser Partie sein schauspielerisches Antitalent am wenigsten. :wacky:
    Liebe Grüße, Severina


    Beneidenswert!


    Wobei man noch dazusagen muss, dass Pavarotti nicht "einfach" ein Piano gesungen hat, sondern ein echtes Diminuendo auf sol!!! Ein wahres Schmankerl aus der Gesangswelt.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich kenne das Publikum der Mailänder Scala nicht -
    aber ich vermute es ist ähnlich unbarmherzig wie in Wien :D


    In Wien jedenfalls wäre es mehr als tollkühn von einem Sänger, der auf diese Weise beinahe eine Vorstellung schmiss,wie in unserem Beispiel, nach wenigen Tagen erneut auf der Bühne zu erscheinen.


    Ich höre den freundlichen Empfang geradezu - bis hierher....


    LG
    aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ein Ton kann ja einmal daneben gehen, aber Alagnas Verhalten zeugt von einer Nichtachtung des Publikums, aber etwas muss er ja mit seiner Frau gemeinsam haben :no:


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Also, im speziellen Fall fände ich das nicht so unverständlich, denn Alagnas Verhalten (und seine Kommentare dazu, falls sie wirklich stimmen) kann man ja wohl nur mit "Chuzpe" bezeichnen.
    Ich möchte betonen, dass ich noch nie einen Sänger ausgebuht habe und es wie Stefan halte: Applausverweigerung bei Missfallen. Aber auch das nur, wenn ich mich echt verschaukelt fühle, denn ich gestehe jedem Künstler einen schlechten Abend zu. Wer von uns erbringt in seinem Beruf konstant Spitzenleistungen? Gottlob schauen uns nicht ständig 2000 Menschen zu .....
    Was Alagna betrifft, so rechtfertigen seine Leistungen schon längere Zeit die z.T. horrenden Kartenpreise nicht mehr, wie sogar eingefleischte Fans in meinem Freundeskreis zugeben. Da darf man es dann auch dem Publikum nicht verdenken, wenn es seinem Unmut einmal Luft macht. Außerdem hat sicher nicht die ganze Scala gepfiffen, sondern wie immer und überall eine bestimmte Klientel. Einfach abzuhauen, wie Alagna das getan hat, ist also ein Affront der Mehrheit gegenüber, auf jeden Fall aber ein äußerst unprofessionelles Verhalten (Und offensichtlich nicht das erste Mal). Denn selbst wenn die Kritik ungerechtfertigt war, müsste man das aushalten können. (Noch dazu bei dem Schmerzensgeld....)
    Jose Cura soll ja beim ersten "Don Carlo" vorige Woche auch ausgebuht worden sein, gestern allerdings erhielt er reichlich Beifall. (War selbst drin!) Soooooo nachtragend sind die Wiener also auch nicht!
    Liebe Grüße, Severina :hello:

  • Ich war wieder einmal zu langsam, mein Posting vorhin bezog sich auf Alfreds Beitrag! Sorry! :O
    lg Severina




    Hinweis an ALLE "Neuen"


    um sich auf ein bestimmtes Mitglied zu beziehen
    verwendet man in Foren mit Brettstuktur
    den "Klammeraffen" als Symbol also beispielsweise
    @alfred


    LG von der Moderation MOD 001 Alfred


  • Es gibt da eine gewisse Parallele zu Alagnas Anmassung, sich noch einmal vor das Publikum der Scala zu trauen:
    Soweit ich weiss, wurde sein Vertrag bei der EMI nicht fortgefuehrt, oder gar gekuendigt (wer mehr darueber weiss, kann es hier vielleicht Kund tun).
    Die meisten seiner Opernaufnahmen (die er fuer Emi oder Virgin gemacht hat) sind auch noch unter diesen Labels erhaeltlich.
    Aber dass seine Recitalplatten ploetzlich unter dem Label (mehr ist das ja heute nicht mehr) Deutsche Grammophon erscheinen, ist ja so etwas wie ein Eintritt durch die Hintertuer.
    Wer weiss, ob diese Hintertuer bei der Scala nicht abgeschlossen ist ...


    Stefan

    Stefan

  • Ich werde gleich etwas abschweifen - doch die Namen Alagna und Gheorgiu geben mir das Stichwort:


    Ich muss gestehen, dass ich Alagna und Gheorgiu noch nie gehört oder live gesehen habe. Es gibt gewisse Berühmtheiten, deren spezifische Aura oder Ausstrahlung oder auch Repertoire mich davon abhält, mich mit ihnen überhaupt nur zu beschäftigen. Das meine ich jetzt gar nicht negativ. Vor allem bei Moden oder im Popmusikbereich geht es mir so, und eben auch z. T. beim Musikbetrieb.


    Manchmal nehme ich mir auch vor, in dieser Zeit (Überfluss bis zum Überdruss) noch viel mehr als bisher auszuwählen und vieles einfach sausen zu lassen. Das gilt für alle Lebensbereiche, die mit Bekanntschaften, Sammlungen, Tätigkeiten, Information, Wissen etc. zu tun haben.


    Wen "muss" ich kennen? Was "muss" ich wissen? Womit "muss" ich mich beschäftigen? Wieviele Stunden hat ein Tag? Meine momentanen Lieblingsbeschäftigungen sind Schlafen und In-die-Luft-Schauen, denn das ist bei meinem momentanen Lebenswandel solch ein Luxus und kommt noch vor dem Lesen und dem Musikhören.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Hallo Severina,


    Ich meinte nicht das Ausbuhen an einem Abend durch ein zufällig anwesendes Publikum, und den Jubel an einem anderen Abend als der Sänger besser bei Stimme war- oder ein ihm freundlicher gesinntes Publikum im Saal saß -
    Nein ich meine jene Abneigung, wenn "das Publikum" - also die "Klassikmafia" einen Sänger zur "Persona non grata" erklärt hat ..... :P und ihn das entspechend fühlen lässt.


    Aber das Mailänder Publikum kenne ich nicht so gut.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Das Teatro alla Scala wird auf den Knödeltenor Roberto Wie? verzichten können. Soll er seine Launen künftig anderswo ausleben!

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Vielleicht hat Herr Alagna ja einfach zu wenig an den Chef der Claqeur-Truppe bezahlt - oder etwa gar nichts? Das soll ja in Italien (nur dort?) nicht ungewöhnlich sein. Selbstherrlichkeiten dieser Art (etwa "Ich bin so gut - ich brauche keine Klatschmafia") hat schon die Callas an der Scala und Caruso in Neapel am "San Carlo" gleichermaßen quittiert bekommen.



    Ciao :pfeif: Principe

  • Hallo Alfred, alles klar! :) Ich überlege jetzt nur, ob ich so etwas in Wien schon bewusst erlebt habe. Auf die Schnelle fallen mir da nur die Bravo- und Buhorkane der Bonisolli-Fans bzw. Gegner ein, die ja quasi die Begleitmusik zu jedem seiner Auftritte bildeten. Aber dass ein Sänger regelmäßig und bewusst niedergemacht worden wäre, daran kann ich mich nicht erinnern. (Bzw. ganz im Hinterkopf habe ich die dumpfe Erinnerung, dass man das bei Gwyneth Jones behauptet hat, zumindest in ihren letzten Jahren.)
    Melot, natürlich muss man nicht auf jeden Zug aufspringen! Aber da du dieses Thema ja gestartet hast, muss es dich doch irgendwie interessieren. Oder hast du die Meldung nur so kurios gefunden? :D Könnte ja auch sein!
    lg Severina

  • Hallo severina,


    solche Geschichten finde ich einfach "interessant". Der Name des Sängers - und welche Partien er singt - ist mir wohlbekannt, doch habe ich ihn nie singen gehört.


    Solche Verschwörungen habe ich in Wien noch nicht erlebt, allerdings gehe ich nur noch selten in die Oper. Da der Name Gwyneth Jones gefallen ist: bei ihr habe ich mich immer gewundert, warum man ihr so zujubelt, wenn sie doch (meiner damaligen Meinung nach) so falsch gesungen hat :stumm: vielleicht haben sich die Fans die richtigen Töne aus der Vergangenheit der Sängerin dazufantasiert? - dazwischen gab es auch mal ein paar kurze Buhs, natürlich erst beim Schlussapplaus, aber ich fand das harmlos.


    Im Radio hörte ich vor vielen Jahren mal die Übertragung der Mailänder Eröffnungspremiere mit "I vespri siciliani" im Radio. Chris Merrit (ich glaube, es war er) und Cheryl Studer - beiden riss zum Teil die Stimme ab, es war stellenweise ein Gejaule dieser beiden Sänger (es ist mir unverständlich - vielleicht war so große Angst im Spiel?), jedenfalls sind die auf offener Szene und während des Singens ausgezischt und ausgepfiffen worden. Die Leute im Publikum riefen den Sängern unangenehme Sachen zu. Bei einem Kiekser von Chris Merrit rief aus dem Publikum jemand ganz laut: "Verdi weint!" - Also so ein Benehmen finde ich grässlich und gehört sich weder im Zirkus noch im Theater. Da fing auch meine Abneigung für italienische Oper an, die einige Jahre anhielt, oder überhaupt die Abneigung gegen Stücke, bei denen es üblich ist, zwischendurch zu applaudieren, weil mir die klatschenden Menschen einfach zuwider waren und mir die Stücke dann wie Zirkusnummern vorkamen. Und Zirkus mochte ich noch nie.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Wie gut ich dich verstehe, Melot! Ich hätte am Sonntag die Leute erwürgen können, die nach Posas "per me giunto.." in der Gefängnisszene zu klatschen begannen. :motz: Die ganze Spannung, die ganze Stimmung war weg. Natürlich hat Keenlyside wunderschön gesungen, aber es hätte doch gereicht - und sicher auch ihm! - seine Begeisterung nach Aktschluss kundzutun! Manchmal verstehe ich den Bayernkönig Ludwig so gut, der das Publikum aussperrte, wenn er sich eine Vorstellung anschaute....
    Schöne Grüße, Severina

  • Auf SAT 1 zeigten sie eben den "Skandal an der Scala": Alagnas "Celeste Aida" (wirklich nicht weltbewegend), das Buhkonzert, des Tenors Abgang und das verblüffte Gesicht der Aida, als ihr plötzlich ein etwas derangierter Radames in Jeans und Hemd gegenüber stand. Sie konnte sich das Lachen nicht verkneifen.
    lg Severina